22. Mai 2008

Peter Lehmann "Martini Rose" retasted

Daß Peter Lehmanns Wildcard Rosé nicht gerade mein Fall war, habe ich ja schon im letzten Posting kundgetan.
Daß sich Dinge des öfteren durch bloßes Zuwarten zum Positiven wenden, ist auch kein Geheimnis. Auch nicht die Tatsache, daß heutzutage die Wenigsten noch Zeit & Muße haben, zuzuwarten. Beim Wein schon gar nicht!
Daß aber gerade Weine manchmal durch Oxydation erst genießbar wird, durfte ich bei diesem Rosé erfahren - wie schon einmal bei einem Südafrikaner, der seine Bitternis erst nach einer Woche verlor, oder einen Südwestfranzosen, welcher erst nach einer Woche in der Karaffe ob seiner monströsen Gerbstoffe zum Zungenschmeichler mutierte, oder dem Elsässer Riesling, der seinen extremen Petrolmantel erst nach 5 Tagen abwarf - und so präsentiert sich der

Wildcard Rosé jetzt mit schön süßer Pikanz, auch wird die Rebsorte (Cabernet Sauvignon) erriechbar, zarte Cassisnoten mit leichter Würzigkeit, hat definitiv mehr von einem Roten als von einem Weißwein (und so soll's auch sein), angenehme Säurestruktur, wirkt balanciert und hat nichts mehr von seiner "aufgesetzten Künstlichkeit", ein mehr als passabler Trinkwein, da muß ich beim Griff in die Bewertungskiste nicht lange überlegen, *(*)-**/***

16. Mai 2008

Martini-Freaks - hier ist euer Sommertraum!

Auf geht's zur nächsten Runde Rosé, diesmal mit einem Vertreter eines neuen Landes und Kontinents - Australien! Ob ich mir einen (natürlich produzierten) erfrischenden und zugleich anspruchsvollen Sommerrosé erwarten darf? Ich bin skeptisch.

Peter Lehmann, Wildcard Rosé 2006 aus Cabernet Sauvignon Trauben, Australien, 12.5 Vol.%, also bei diesem Wein farblich von Rosé zu sprechen wäre eine glatte Untertreibung, das ist schon kräftiger Rotstich - Fuchsia Pink lt. Lehmann Homepage?! In der Nase sehr intensive, aber aufgesetzte Fruchtaromatik, am Gaumen dann eine sich explosiv ausbreitende Süsse, anfangs wow! dann gleich uuah!, mollig rund mit einer sehr zarten Säure (da habe ich mir eigentlich viel mehr erwart), im Abgang dann Wermuth-ähnliche Stilistik, unkomplizierter Spaßwein, der mich aber, obwohl nicht schlecht gemacht, aufgrund meiner persönlichen Präferenzen vor dem 2. Glas höflich, jedoch bestimmt no-thank-you sagen läßt.

Wer Freunde hat, die Martini Bianco mögen - und schon immer einen Flascherl gesucht hat um sie zum zum Weintrinken zu animieren, der möge seine Suche für beendet erklären! Hier ist er, der ultimative Sommerwein für Martini-Liebhaber, aber Hände-weg für Freunde einer herb-fruchtigen und knackigen Weinstilistik, (*)/***

Bildnachweis: Peter Lehmann

15. Mai 2008

Günstiger Pinot Noir?

Einen guten Pinot Noir für unter €10 - eine fast unmögliche Aufgabe? Eben nur nur fast - und es geht noch € 3 günstiger!

Die Burgundermacher, Der Pinot Noir 2005, Thermenregion, Cuvée aus einem Gemeinschaftsprojekt von 8 Pinot-verliebten Winzern der Thermenregion, sehr transparente, Richtung Granatrot gehende Farbe, herrliche Pinotfrucht mit viel Würzearomatik, Fruchtsüsse, offene & warmherzige Stilistik, den Mund gut ausfüllend, rund, hervorragend (aus)balanciert, zartes Tannin, süffiger Trinkspaß, ein unkomplizierter, aber göttlicher Tropfen und lachhafte €7, eine perfekte rote Wahl zu leicht scharfem asiatischen Essen, so macht österreichs meist unterschätzte Weinregion doppelt Spaß, **/***

Dem prachtvollen 2005er Jahrgang sei Dank!

14. Mai 2008

2005er mit Sinnesrausch

Daß das Weinjahr 2005 nicht nur im Bordelais gute Weine entstanden ließ, sondern sich auch abseits der bekannten französischen Gebiete hervorragende Tropfen finden lassen, hat unsere diesjährig letzte VHS-Verkostungsrunde mit dem Folgethema "Frankreich - Streifzug abseits der bekannten Regionen" zu Tage gebracht.
Mein Enthusiasmus lag auch darin begründet, daß ich keinen einzigen Wein (nicht nur die 2005er) mit weniger als *(*)/*** Sternen bedacht habe, ein Umstand, der in den letzten 5 Jahren meiner Teilnahme an diesen Verkostungen noch nie eingetreten ist.

Durchgängig famoser Stoff - fast alle Weine meines Wissens noch (bei K&U) erhältlich - bedenkenlos zugreifen!

  • Domaine Michel Bailly, Sauvignon Blanc Les Vallons 2006, Pouilly-Fumé, Loire, Strohgelb, Cassis, viel Mineralik, sehr reif, druckvoll, gute Säurebalance, cremige Textur, schön, € 13, *(*)/***
  • Domaine Huet, Chenin Blanc Clos di Bourg 2005, Tourraine, Loire, Notiz als Addendum zur 10. Weinrallye
  • Domaine Rijckart, Traminer Côtes du Jura Sarres 2004, Jura, ein Traminer der Kontroverse, denn dieser Wein hat so rein gar nichts von einem "klassischen" Traminer, Goldgelb, intensive & eigenwille Nase, weißer Pfirsich, dann wieder brotig, extrem straff am Gaumen, fokussiert, wirkt sehr karg, etwas käsig, Quitte, eine schroffe und massive Säure trifft den Gaumen, sehr schlank, aber harmonisch im Abgang, sehr individuell, ein Wein zum Sich-Beschäftigen, auf alle Fälle komplex und diskussionswürdig, € 18, *(*)/***
  • Domain Nicolas Croze, Notre Dame de Mélinas 2005, Côtes du Rhone, Cuvée aus Grenache, Syrah, Cinsault und Mourvedre, violett, herrliche Gewürznoten durchströmen meinen Riechkolben, sehr feingliedriger, graziler Wein mit lebendiger Säure, frisch, trotzdem feine Fruchtsüsse zeigend, trinkanimierend, endlich ein Roter für die Sommertrasse! Ein Preis-Leistungshit um € 9, **/***
  • Domaine Alary, La Font d'Estévenas 2005, Côtes du Rhone Village, Cuvée aus Syrah & Grenache, tiefschwarzes Violett, süße Gewürze, rauchig, rund, Harmonie, wird gut getragen von einer nervigen Säure, dicht, füllig mit reifen Gerbstoffen, ein echter Schleckerwein mit äußerst ausbalancierten 14 Vol.%, gutes Potential samt super Preis-Leistung zeigend, € 13, **(*)/***
  • Patrick Ducournau, Tannat Chapelle Lenclos 1999, Madiran, einer meiner Lieblingsrebsorten (und angeblich die einzige, die bei der richtigen(!) Dosis lebensverlängernd wirkt), tiefschwarz, balsamische Noten, Teer, ledrig, wiederum herrliche Säure, reifes und ausbalanciertes Tannin, da schnalzt die Zunge, wirkt naturgemäß härter & "hantiger", aber auch seriöser, definitiv kein Faserschmeichler, aber mir schmeckt's, konträrer Kommentar meiner Sitznachbarin: "Medizin schmeckt halt nicht anders!" ;-), € 16, *(*)/**
  • Clos Marie, Pic Saint Loup L'Olivette 2005, Coteaux du Languedoc, jugendliche Farbe, unerhörte Kräuterwürzigkeit, Oliven, mürbes Tannin, rund, fast süffig, feste Struktur, macht bereits viel Spaß, Harmonie, seriös & ernst im Abgang, € 14, **/***
  • Domaine Alquier, Les Premières 2005, Faugéres, Rubinrot, geschliffene Nase, leichter Alkohol riechbar, etwas Kräuter, zarte Mineralik, schön kräftige Säure, superbes Tannin, lebhafter Wein, wunderschön, und das ist die Basisqualität der Domaine! €13, *(*)/***
  • Domaine de la Janasse, Chateuneuf du Pape 2005, dunkkles Rubin, Zwetschke, prachtvolle Fruchtsüsse, Dialog zwischen fokussierter Kraft & Eleganz, wirkt fast spielerisch, balanciert, wiederum viel Kräuterwürze, hurra, da geht die Post ab, sensationeller Stoff, € 28 **(*)/***
  • Remy Pedreno, Clos de la Belle 2005, Vin de Pays du Gard, Remy Pedrenos letzter Jahrgang, ab dann gab's / gibt's nur noch Roc Anglade-Weine, 100% Syrah, Violettschwarz, animalische Noten, konzentriert, herrlich kühl, prachtvolle Nase, fruchtsüss, wundervolle Fülle, weich & harmonisch, sehr, sehr guter Wein, € 32, **(*)/***
  • Domaine de la Tour du Bon, Saint Ferreol 2004, Bandol, dunkler Kern, hat eine eher verschlossene Nase, süsse Anklänge, Rumtopf, würzig, kräftige Struktur & Statur mit 14,5 Vol.%, macht Spaß, ganz hervorragend gelungen, € 29, **/***
  • Domaine de la Garance, Bruixas 2000, Vin de Liqueur Languedoc, ein auf 16 Vol. % gespriteter Wein, würdiger, balancierter Ausklang des Abends, weich und rund, ein richtiges "Betthupferl", € 16 und ohne Wertung

10. Mai 2008

Weinrallye #11 - Ganz in Rosa

"..Niko liebt das Zeug.." und da kann ich Nikos Weinwelten als Gastgeber dieser Weinrallye nur zustimmen :-)
Meine bisheriger Erfahrungen mir Rosé (1 | 2 | 3 | 4) waren bisher alle recht positiv - auch wenn ich eingestehen muß, daß dies meistens hübsche Südfranzösinnen waren (beschwingt leicht und doch mit dieser besonderen, charaktervollen Note!) und ich mich daher mit Nikos Vorgabe in heimischen Gefilden zu verweilen, so gar nicht anfreunden konnte!

Aber was macht denn eigentlich (für mich) einen guten Rosé aus?

  1. Farbe:
    Mehr als jeder andere Wein lebt der Rosé von seiner Farbe. So ein Farbtupfen im Glas an einem sonnendurchfluteten Tag, das hat schon was - und es ist Balsam für meine Seele, micht mit den Lichtreflexion im Glas zu spielen. Nebenbei macht einem dieses Spiel den Mund ziemlich wassrig äh weinig ;-) ganz zu schweigen von den herrlichen Farbnuancen, welche Rosé zu bieten hat, Genuß für ALLE Sinne!
  2. Nase:
    Wie wie für jeden Wein gilt auch für den Rosé: fade Nase - fader Wein!
  3. Struktur:
    Damit mein ich Struktur aus Elementen der roten Rebsorten - und das kann ja nur das sein, was der weißen Traube gänzlich fehlt, nämlich Gerbstoffe! Nicht im Überschwang, aber merkbar sollen sie schon sein.
  4. Säure:
    Naja, das ist nun nicht wirklich Rosé-spezifisch, aber unumgänglich für jede Art von Wein. Säure ist die Seele des Weins und ist daher beim Rosé ebenso von Nöten wie bei einem knackigen Weißwein.
Bei den heimischen Vertretern fehlt's mir meistens an der Struktur, entweder zu flach, zu brav oder zu sauer, ohne eigenen Charakter und von Würze ohnehin keine Spur - Weine, die versuchen, everybodys darling zu sein - was naturgemäß für anspruchsvolle Weinkonsumenten nicht befriedigend sein kann.
Dabei hat Österreich mit dem Schilcher aus der Blauen Wildbacher-Traube einen höchst vergnüglich und universellen Rosé! Und wenngleich dieser Wein auch noch immer zu unrecht obgleich seiner forschen Säure für viele Gaumen gewöhnungsbedürftig bleibt - obwohl diese inzwischen international übliche Werte angenommen haben - gibt's doch wenige Weine, welche zu einer guten (steirischen) Jause auf der sommerlichen Terasse mehr Spaß machen!

Für die Rallye habe ich einen Schilcher aus dem Supermarkt aus der Südsteiermark erstanden, also nicht aus dem klassischem Schilcherland um Stainz, den das ist die Weststeiermark.Weingut Strauss, Schilcher Classic 2007, Gamlitz, kräftiger Rotstich, schon die Nase vermittelt einen herben Grundton, zarte Erdbeernuancen, rote Früchte, mit viel Fokus, hat durchaus Gewicht, mit rassiger, aber zivilisierte Säure im Abgang ausklingend, blitzsauber, *(*)/***

Im übrigen gibt's einen lesenswerten Bericht über das Schilcherland in der Ausgabe 2 / 2008 der österreichischen Weinzeitschrift vinaria - für die Region Schilcherland gibt's als Startpunkt auch eine eigene Website.

Für die Rallye wär es aber doch schön einen Vergleich zu haben und so fiel die Wahl beim Weinfachändler um's Eck noch auf einen "klassischen" Rosé eines renommierten Winzers:

Fred Loimer, Rosé (vom Zweigelt) 2007, Kamptal, Nomen est Omen für diesen Wein, denn sein Farbe entspricht genau seinem Namen, Rosa pur, in der Nase Erdbeeren, Automatenkaugummi (jaja, genau die runden und bunten Kugeln, an denen die Kids manchmal noch immer so schwer vorbeikommen), lebendig mit knackiger Säure, stimmig, im Abgang finden sich dann doch ein paar zarte Gerbstoffe, unkompliziertes Trinkvergnügen auf einer handwerklich soliden Basis, *(*)/***

Konklusio?
Loimers Rosé hat meine Erwartungshaltung gegenüber österreichischen Roséweine wiederum gefestigt:
Zu gut, um nicht getrunken zu werden, aber mit zuwenig eigenem Charakter um im Langzeitgedächnis zu bleiben, für eine lustige Runde unter Freunden gerade recht.
Zur Jause würde ich aber zum Schilcher greifen, der durch seine "strengere" Art und fokussiertere Säure an einem heißen Tag für mich einfach das passerenden Gegengewicht abgibt. So findet sich eben für jeden das Passende :-)

Und: Der südfranzösische Rosé! Er lebe hoch!

09. Mai 2008

Parasitäre Weinkritiker

Jancis Robinson hat ihre Weinschreiber-Kollegen bei einer Konferenz in Spanien als "parasitär" bezeichnet und sie aufgerufen, "mehr Demut zu zeigen und ehrlicher zu sein".

Und erntet Zustimmung in den Kommentaren! Full Story gibt's auf Decanter.com.

05. Mai 2008

Spargelwein

Wie unschwer an den zahlreichen Postings zum Thema zu erkennen ist - es ist Spargelzeit und jeder hat wohl so seinen Favoritenwein zum noblenm Gemüse (abhängig von der Zubereitung).

Spargel gibt es bei uns meistens in mehreren Varianten - parallel, nicht sequentiell ;-)
Als da wären einmal lauwarmer Spargalsalat aus weißem und grünen Spargel mit Sauce Vinaigrette
bzw. Spargel auf Mailänder Art, leicht angebraten, mit zerlassener Butter und Parmesan (hmmm :-)und dann ganz klassisch mit Sauce Hollandaise, Schinken bzw. Prosciutto (1|2) und möglichst frischen Erdäpfeln - Heurigen!

Die Herausforderung ist es also einen Wein zu finden, der alle Varianten gleichermaßen gut begleitet. Die kritische Sache dabei ist eher die (Balsamico-saure) Vinaigrette. Neben den üblichen Verdächtigen - wie zB. einen reiferen Weißburgunder bzw. fülligen Grünen Veltliner - kommt mir da eine weiter heimische autochtone Rebserte - der Neuburger - in den Sinn.
Eine Rebsorte, welche ihre Vorzüge nicht marktschreierisch in den Vordergrund stellt, sondern ihre Qualitäten als Speisenbegleiter im Stillen offeriert . BTW, wenn sich eine Rebsorte ohne Reue zum Wiener Schnitzel eignen soll, dann der Neuburger!

Zu Unrecht haftet dem Neuburger noch ein etwas altmodisches Bild an, durch unsicheren Ertrag und der ihm manchmal anhaftenden Ausdruckslosigkeit (braucht unbedingt höhere Graduationen und 2 Jahre Flaschenreife) avancierte der Neuburger nicht gerade zum Liebkind der Winzer und Konsumenten. Immerhin nimmt diese Rebsorte noch 2,26% (Quelle: ÖWM) der österreichischen Weinanbaufläche in Besitz, vorwiegend in der Wachau (so zB. Neuburger 1000 Eimerberg von Klarl Lagler aus Spitz) und der Thermenregion.

Weingut Karl Alphart, Neuburger Hausberg 2005, Thermenregion, Strohgelb, harmonische, aber bzgl, der Aromen für mich nicht leicht zu beschreibende Nase, feinwürzig, wirkt noch sehr frisch, zeigt sich am Gaumen mit guter Fülle, rundherum balanciert mit harmonischer Säure, saubere Vinifikation, guter Sortenvertreter einer leider vergessenen österreichischen autochtonen Rebsorte,*(*)/***

Neuburger Hausberg 2006, Strohgelb, wundervolle Nase, anfangs nussig, dann Zitronenmelisse, schotige Aromen, gemüsig, geht prachtvoll auf, dann tabakig, zarte Orangenzesten, ein wenig Holz?, offenbart minütlich neue Facetten, mundfüllender Wein, cremig rund, fast weich, den ganzen Gaumen auskleidend, anschmiegsame Säure, ein ganzer Prachtkerl, stellt den Vorgängerjahrgang gnadenlos ins Abseits, ein perfekter Begleiter zum Solospargel mit Hollandaise, Bravo! **/***

Um knapp über €7 hat sich dieser Wein mehr als nur ein Platzerl im Keller verdient!

Bildnachweis Alphart Neuburger Hausberg: Weinwelt Interspar, Spargel (c) vinissimus 2008

03. Mai 2008

Burgendland in Weiß.Rot.Süß

Die Präsentation ausgewählter Weine des Burgenlands im Linzer Design Center liegt ja jetzt schon ein paar Tage zurück. Ich konzentriere mich in meiner Zusammenfassung auf jene Weine (in zufälliger Reihenfolge), die mir positiv in Erinnerung geblieben sind.

  • Als Einstieg der Muskat Ottonell Sekt 2006 von der Sektkellerei Szigeti, gute Muskataromatik, viel Volumen, aber auch CO2,
  • Günter Triebaumer, Rust, ein herrlicher Furmit 2007, eine leider viel zu unbekannte und unterstätze Rebsorte (im trockenen Ausbau!), Heu, Blumenwiese, Äpel, vielschichtig & mit wundervoller Säure, ein Winner ebenso der Muskateller, steirische Stilistik, viel Zitrus, knochentrocken, gelungen & macht Spaß (meinte auch kürzlich die Zeitschrift vinaria),
  • Merlot Schneiderteil 2005, Esterhazy Wein, viel Frucht, gute Struktur und Trinkanimo, auch der Estoras 2006, eine Cuvée aus 2/3 Blaufränkisch und Cabernet zeigte sich fruchtbetont, hatte Charme, aber auch viel Tannin, etwas austrocknend hintennach,
  • Weingut Feiler-Artinger, fruchtig-süß der Blaufränkisch 2006, mit weichem Tannin, macht Spaß, ebenso der röstige Cabernet Sauvignon 2005, feste Struktur gepaart mit feiner Säure, harmonisch & gut,
  • die Weißen aus der 2006er-Serie der Leithaberg-Winzer waren für mich die überzeugensten Weine - eine durchgehend feine Serie (annähernd) aller beteiligten Betriebe. Nirgendswo in Österreich gibt es derzeit soviel gebündeltes Terroir. Interessant war's die Silistikunterschiede der Chardonnay und Grüne Veltliner-Weine auf unterschiedlichem Boden (Urgesteinsböden - Kalk, Schiefer) zu erkosten. Bester Vertreter für mich war der Chardonnay von Hans Nittnaus, extreme Mineralik, sehr lebendig, perfekt balanciert mit dem richtigen Säurebiß, ein sehr, sehr guter Wein, ebenso der vom Weißburgunder LeithabergWeingut Prieler, Minerlik, Feuerstein, feine Blance, nervige Struktur, fast ähnlich der Grüne Veltliner vom Weingut Sommer in Donnerskirchen, gut auch die Vertreter vom Weingut Nehrer in St. Georgen, Erbhof Bayer in Donnerskirchen, Birgit Braunstein aus Purbach, eher internationale Stilistik mit gut eingebundenem Holz, ebenso der etwas lebendigere Leithaberg Weiß des Weingut Gmeiner aus Purbach (alle Chardonnay), die Cuvée aus Weißurgunder & Neuburger(!) vom Weingut Tinhof und Toni Hartls Cuvée aus Chardonnay und Grünem Veltliner in einer bemerkenswerten Harmonie, die Vorzüge beider Sorten vereinend.
    Von den roten Leithabergweinen konnte mich keiner so wirklich überzegen, zu karg & schlank sind manche Weine, unbalanciert mit überprportional viel Tannin, gesamtheitlich gesehen zu unheitlich die Stilistik, viele (derzeit) ohne Balance, akzeptabel die Weine der Weingüter Mariell, Hartl & (na klar :-) Nittnaus.
  • Weingut Strehn, Deutschkreutz, ein feiner Blaufränkisch Joseph 2005, erdig & dunkelwürzig, engmaschig & mineralisch
  • im guten Mittelfeld waren die Weine von Weniger, Frau Weninger wirkte zum Schluß der Veranstaltung sehr müde, am Besten gefiel mir der Pinot Noir Kalkofen 2005, sehr sortentypisch und mit guter Länge,
  • sehr fein - wie immer - präsentierten sich auch die Weine quer durch die Bank vom Weingut Giefing in Rust, Notizen bereits am PlusCity-Festival gepostet,
  • und als guter Abschluß ein mit viel Holz und kräftiger Struktur versehener Blaufränkisch Juwel 2004 von einem verwaisten Stand des Rotweinguts Prickler in Lutzmannsburg, zu Recht im Salon 2007 und mit viel Potential.
Resumierend vermerke ich , daß mich viele rote Weine nicht überzeugen konnten und angesichts der Preisschilder der Weine frag' ich mich schon, woher die Winzer die Chuzpe nehmen, so an der Preisschraube zu drehen. Einigen Konsumenten fehlt anscheinend der internationale Vergleich, denn sonst würden sie ihr Geldbörsel desöfteren im Hosensack belassen. Erwähnenswert aber auch, daß genügend burgenländische Weingüter existieren, die gute Weine zu sehr fairen Preisen vertreiben.

Somit sollte die Überschrift des Blogeintrags eigentlich folgendermaßen lauten:

Weiß ja! rot schwierig und süß - leider aus ;-)

01. Mai 2008

Aprilweinliste

  • Weingut Adam-Lieleg, Mukateller Landessieger 2006, Südsteiermark, leichte Muskatanklänge, die vibrierende Primärfrucht hat der Kunstoffkork bereits vernichtet, dennoch ist die Traubensorte noch leicht zu erkennen, auch noch alles in guter Balance, */***
  • Weingut Angar Clüsserath, Riesling Steinreich 2006, Mosel, Zitrus, Zitrus, Zitrus, handwerklich sauber gemacht und doch hat dieser Wein mein Erwartungen nicht erfüllt, es fehlt ein kleines Extra, das der soliden Langeweile gegenübertritt, schade, vielleicht reüssiert die nächste Flasche? */***
  • T-FX-T Arachon Evolution 2000, Mittelburgenland, aus einem auch in Österreich sehr gutem Jahr, Cuvée mehrheitlich aus Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon, komplexe Nase, Liebstöckel, Heidelbeeren, Hustensaft, leichte Würzigkeit, am Gaumen fein, nicht fett, wirkt gut strukturiert mit reifem Gerbstoff als Rückrat, in einer Blindprobe würde auf einen klassischen Bordeaux tippen, was durchaus in der Intention der Dame - (T)ibor nach den Initialen ihres viel zu früh verstorbenen Mannes - und der 2 Herren (FX) Pichler & Manfred (T)ement liegen dürfte, hat auch noch genügend Potential für ein paar weitere Jahre, **/*** (Verkostungsnotitz 1999).
  • Leo Aumann, Harterberg 2002, Thermenregion, eine herrliche Brillanz im Rubin zeigend, strahelend, der hat was, was Geheimnisvolles, was Magisches, aber auch was abstoßendes, viel Edelhölzer in der Nase, dunkle Sauerkirsche, noble Würze, hat was verschlossenes, was Verborgens, unheimlich konzentriert, am ersten Tag durch die forsche und schneidene Säure untrinkbar, wäre da nicht diese Nase, süß-saure Pikanz mit feinem Tannin im Abgang, ein Wein zum Beschäftigen, zum Beissen, ein Wein der Kontraste, stößt ab und zieht trotzdem magisch an, und das alles trotz Plastikstöpsel, oder gerade deswegen? **/***
  • Peter Skoff, Muskateller Classic 2007, Gamlitz, Südsteiermark, Blasses Strohgelb, viel Zitrus, klar, zeigt sich sehr offen und rund, harmonisch weich mit milder Säure, passabler Wein (vinaria titulierte: Mainstream-Muskateller?) zur Jause, aber definitiv kein Aperitifmuskateller - da fehlt die vibriernde Frucht, die messerscharfe Kontur, eine nervigere Säure und der knochentrockene Abgang, */***
  • Winzerin Birgit Wiederstein, Zweigelt Classik 2003, Carnuntum, Rubin mit dunklem Kern, der heiße Jahrgang kann nicht geleugnet werden, gekochte rote Früchte, zarte Würze, ein wenig Rumtopf, alles in Balance, am Gaumen erstaunlich frisch, sehr rund, leicht nussig ausklingend, die letzte Flasche, der 12er-Karton hat viel Freude gemacht und auch die Folgejahrgänge sowie der große Bruder Rubin Carnuntum haben mir immer gefallen, *(*)/***
  • Hans Pitnauer, Merlot Quo Vadis 2003, Göttelsbrunn, Carnuntum, beginnendes Granatrot am Rand, feine würzige Aromatik, Minze, wirkt kühl & frisch, sehr geschliffen am Gaumen, füllig, ja fast feurig, wiederum viel, viel Würze, rote Fruchte, feuriger Abgang, hat Noblesse und Pep zugleich, wunderschöne Stilistik, das sind die Weine, wo ich froh bin, auch eine internationale Rebsorte aus Österreich im Keller zu haben (obwohl ich noch nie verstanden haben, was Weinbauern dazu bringt, Rebsorten, welche nur in jedem zweiten Jahr die Reife erlangen in Österreich anzubauen), toller Wein von einer tollen Winzerhand aus einem tollen Jahr, **(*)/***
  • Weingut der Stadt Krems, Grüner Veltliner Wachtberg 2003, Kremstal, aus über 40 jährigen Rebstöcken, Goldgelb, helle Noten, Minerlik pur, komplexe Nase, ein wenig Pfeffer, hat Kraft im Überfluß, 14,5 Vol.%, jedoch balanciert bis ins letzte, intensive Aromatik, strömt so wundervoll den Gaumen entlang, ein toller Wein, war die letzten zwei Jahre im Dornröschenschlaf, ist jetzt wie Phönix aus der Asche entsiegen und hat alle Anlagen für ein weiteres langes Leben - und ich noch 3 Magnums dieses herrlichen Stoffes im Keller :-), ***/***

27. April 2008

Spiel - Satz - Sieg

Wien ist die einzige Weltstadt mit komerziellem und wirtschaftlich bedeutsamen Weinbau.

Einer famosen Vierergruppe - marketingmäßig unter WienWein firmierend - ist es in den letzten Jahren gelungen, eine Renaissance des Wiener Weins einzuläuten. Nun, da ich weder in Wien beheimatet bin, noch den Wiener Wein der einzig guten in Österreich einschätze, wäre das nicht sonderlich bemerkenswert, wenn, ja wenn sich die vier Herren nicht um eine alte österreichische Tradition angenommen hätten, welche mir am Herzen liegt - der Mischsatz oder auch Gemischte Satz.

Diese Tradition, einst zum Zwecke der Risikominimierung ersonnen, ist neben Wien nur noch in der Südsteiermark verbreitet und für das Kamptal hält das Weingut Ehn die Fahne mit seinem "Gemischter Satz Alter Panzaun" hoch. Legendär (auch des Reifevermögens wegen) ist Fritz Wieningers Mischsatz Nußberg Alte Reben von über 40-Jahre alten Anlage. Typische Rebsorten im gemischten Weingarten sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) neben den "schmeckerten Rebsorten" Muskat Ottonel, Gelber Muskateller, Traminer, Sauvignon Blanc auch Riesling, Grüner Veltliner, Rivaner / Sämling, Weißburgunder, Welschriesling, Chardonnay und Neuburger.

WienWein bietet den gemischten Satz in eine Klassik und in einer Lagenlinie aus alten Rebbeständen an und einige Weine werde ich im Laufe der in naher Zukunft hoffentlich zahlreichen sonnigen Wochenenden vorstellen.

Edelmoser, Cuvée vom Strand 2006, Wien, eine Anspielung auf die Tatsache, daß das Urmeer vor über 12o Millionen Jahren bis an die Tore Wiens reichte, gewachsen auf sandigen Urgesteinsboden südlich von Wien, helles Strohgelb, helle und frische Nase, keine Rebsorte sticht hervor, somit ein perfekter Mischling (Cuvée im klassischen Sinne ist ein gemischter Satz ja nicht, da alle Rebsorten gleichzeit geerntet und ausgebaut werden), leicht würzig, Mineralik, am Gaumen sehr gut proportioniert, frische, mit milder Säure, somit auch für den internationalen Gaumen gut geeignet, runder Trinkfluß, harmonischer Wein, als Apero zu kraftvoll, aber als Jausenbegleiter perfekt, *(*)/***

Nach nicht einmal 90 Minuten heißt es (Säure)Spiel - (Gemischter)Satz - 1:0!
(auch auf die Gefahr hin, daß jetzt Fußball- & Tennisfans gleichermaßen aufschreien ;-)

26. April 2008

Parfum vs Wein

"Chandler Burr ist der beste Parfümkritiker der Welt." heißt es im Artikel "Vom Riechen" der Zeitschrift Die Welt.

Auszug aus dem Artikel gefällig?
Wodurch unterscheidet ein Weinexperte sich von einem professionellen Parfümkritiker? "Das sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge!" Chandler Burr befindet sich am Rand der Empörung darüber, dass diese beiden Dinge überhaupt in einem Atemzug genannt werden. "Wein ist Natur, Parfüm ist Kunst. Wein ist der Name für das, was passiert, wenn man Trauben ausquetscht und den Saft sich selbst überlässt. Parfüm dagegen wird von A bis Z kreiert. Die Moleküle in einem Wein sind geradezu lächerlich kompliziert. Die Moleküle, aus denen ein Parfüm sich zusammensetzt, sind einfach, klar, präzise."

Nur gut daß Chendler Burr beim Parfum geblieben ist und nicht über Wein schreibt, denn sonst müßte auch er einsehen, daß Wein ein Kulturgut ist und als solches des Menschen Hand und Hirn inkludiert. Ergo könnte nun impliziert werden, daß Wein somit viel näher der Kunst anzusiedlen ist, als es sich Mr. Burr vielleicht eingzugestehen vermag. Von Wegen den Saft sich selber überlassen! Ha! Penibelstes Arbeiten im Weingarten und Keller - so schaut's aus. Auch wenn Wein natürlich nicht im eigentlichen Sinne kreiert wird, so gibt es doch bei der Assemblage einer Cuvée zB. Schritte, welche genau in diese Richtung abzielen.

Im übrigen klingt das ja bei Mr. Burr fast so, als hätte man es bei Wein mit einem Produkt minderer Machart zu tun. Könnte es vielleicht sein, daß die vielen Parfumwoklen Hr.Chendlers Nase für die Weinaromen etwas beeinträchtigt haben?

Weiter geht's im Text:
"80 Prozent dessen, was sich in einer durchschnittlichen Parfümflasche verbirgt, wird chemisch im Labor hergestellt, nur etwa 20 Prozent der Inhaltsstoffe sind natürlich. Bald werden Parfüms bis zum letzten Tropfen künstlich hergestellt sein. Chandler Burr findet das nicht nur nicht schlimm, er begrüßt diese Entwicklung sogar. "Die Vorstellung, dass nur das Natürliche gut sein soll, ist eine religiöse Idee, und ich mag Religionen nicht", sagt er. Die Sinnesorgane hätten keine Möglichkeit, ein im Labor erzeugtes Molekül von seinem in der freien Natur herumschwebenden Pendant zu unterscheiden. Hinzu kommt: Es sei ökologisch sehr viel verträglicher, Geruchsstoffe im Reagenzglas zu mixen, statt mit der Axt in den Sandelholzwäldern von Indien herumzuwüten."

Eine IMHO sehr vereinfachte Darstellung einer ziemlich komplexen Materie. Nicht nur, daß die Natur immer noch die Referenz für Aromen jeglicher Art darstellt - auch für Parfumeure - ist es mit naturidenten Stoffen eine höchst zwiespältige Sache. Und für Wein ist das zwar vorstellbar (auch dank der Spinning Cone Column), aber strafbar unter der Bezeichnung Weinpanscherei.

Die Künstlichkeit ist oftmals eben nur eine zweitklassige Kopie des natürlichen Originals. Punkt.

19. April 2008

Orientierungshilfe für Bordeaux

Alljährlich wiederholt sich das Bordelaiser-Primeur-Spektakel und auch wenn die diesjährigen Eckpfeiler bereits bekannt sind - nämlich mit 2007 einen kleinen Jahrgang zu neuen Höchstpreisen zu bekommen - bleibt eben diesmal genügend Zeit sich mit anderen Dingen rund um Bordeaux sinvoll zu beschäftigen, zB. mit Bordoverview - Lautschrift im wörtlichen Sinn! Das ist eine gut aufbereitete Seite zu den Bordeaux-Primeur-Verkostungsergebnissen diverser Expertinnen & Profis seit dem Jahrgang 2004.

Du wolltest doch dem ganzen Bewertungs-Krims-Krams abgeschwören, antwortest du mir, Erwischt! Habe ich auch, antworte ich - einmal & zweimal.
Aber neben den absoluten Punkten, welche nur diesmal eben nur nebensächlicher Betrachtungsgegenstand sind, lassen sich eine ganze Reihe anderer nützlicher Informationen erkunden, so zB.

  • bei welchen Weinen sich die Expertinnen & Experten so gar nicht einig sind,
  • welche Verkoster meine Favoriten gut bewertet hat - ev. eine gute Orientierungshilfe für die Zukunft bzw. für unbekanntere Weingüter,
  • die Tendenz eines Weingutes bezüglich der Qualität - jeweils bezogen auf einen Experten und der Vergangenheit - unter der Annahme, daß der Experte nicht seinen Geschmack grundlegend geändert hat und Extrapolation eine zulässige Option ist,
  • die Preisentwicklungen eines Weinguts - einige Unverschämte werden da schnell mal entblöst und
  • das Preis-Leistungsverhältnis in Form des Qutienten aus durchschnittlicher Bewertung und Primeurpreis.
Seit Jahren sehr hilfreich bei diesen statistischen Betrachtungen Richtung Bordeaux ist dabei auch die Seite von Bertrand Leguern. Messieurs, mercy beaucoup pour votre travail préliminaire!

13. April 2008

Ein Abend mit Herrn Tignanello

Manchmal besitzt man Weine, die liegen fast ewig im Keller und warten. Warten entweder auf den passenden Moment entkorkt zu werden oder einfach (wieder)enteckt zu werden.
So eine Flasche war mein Tignanello 1995.
Obwohl ich Weine grundsätzlich immer zum Genießen und niemals zur Spekulation erwerbe, habe ich bei diesem Wein doch einige Male bei einer bekanntem Plattform nach Auktionsergebnissen geschielt. Die meisten Ergebnisse hätten eine gute Rendite für meine damals um LIT 52.000 erstandene Flasche versprochen - allein ich blieb meinen Prinzipien treu.

Eine Einladung zweck Schuldtilgung bei einem lieben Freund stand an und somit war die Zeit gekommen, die Flasche bei einem italienischen Abend zu öffnen. Als Apero reichte ich einen Rotari Brut Rosé VSQPRD, DOC Trento, zu 3/4 aus Pinot Nero, der Rest Chardonnay, zartes Lachsrosa, sehr runde Nase Richtung zitronigen Noten, könnte ein wenig fokussierter sein, am Gaumen dann straff, knochentrocken, solide Handwerkskunst, aber auch nicht mehr, */***.
Zu Renates wie immer köstlicher Lasagne gab's dann die letzte Flasche Chianti Classico 2001 von Il Molino di Grace, aus Panzano, Toskana, hoho, also, da war schon beim ersten Schnupperer klar, daß dies ein Prachtexemplar ist - eine ordentliche Vorgabe für den nachfolgende Supertoskaner - noch sehr dunkle Farbe ohne jedwede Reifetöne, herzhafte Frucht, intensive Nase, ein wenig Himbeeren, satte Fruchtsüße, sehr geschmeidiger Gaumen, rund und saftig, ja fast opulent, eine feine Säurestruktur tragt den Wein, im Abgang feingeschliffenes Tannin, welch wundervolle Überraschung, da sag nocheinmal einer, daß ein normaler Chianti kein gutes Reifepotential besitzt, ein Hochgenuß zu Renates Lasagne, **(*)/***

Ja, und war's soweit. Ca. 1 Stunde in einer schlanken und hohen Karaffe zwecks Depot dekantiert, die Zeit habe ich eher konservativ bemessen, da ich schon öfter erlebt habe, daß ältere Weine in der Karaffe sofort den Sauerstofftod erleiden :-( Der Wein selbst braucht ja nicht extra vorgestellt zu werden, er wird in anständigen Menge produziert und auch in solchen getrunken - das unterscheidet ihn wohl im Vergleich zu anderen Weinen, welche nur als Prestigegewinn und zur späterer Veräußerung eine Existenzberechtigung im Keller vorfinden. Eigentlich ein idealer Tischwein für Weinsnobs mit dem entsprechenden Geldbörsl ;-)

Eingetreten ist genau das, was ich mir ausgemalt habe. Die gute Nachricht: Der Wein ist solide! Die Schlechte: Das war's dann aber auch schon! Das reißt keinen vom Hocker! Antinori, Tignanello 1995, Toskana, ziegelrot, mit dunklem Kern, anfangs eher verhalten, leicht würzig, Edelhölzer, präsentiert sich am Gaumen sehr balanciert, feste und mürbe Gerbstoffe, gesamtheitlich gesehen sehr angenehmer Wein ohne wirkliche Komplexität (die ich im zB. 1990er sehr wohl gefunden habe), ein grundsolider, beim betrachten des PLVs aber ziemlich überteuerter Klassiker, */***.
Zeit für einen Café Macchiato, eine Cohiba Robusto (wo sich der Tignanello ganz fein dazu trank) und das Schokomousse nach Familienrezept, welches cremiger, runder und nicht so ganz herb ist wie jenes von Paul Bocuse, das bei uns normalerweise auf den Tisch kommt.

Dazu eine wundervolle Flasche der Bodegas Julian Chivite, Vino Tardia Moscatel 1997 Colección 125, Navarro, Fermentation und Ausbau über 14 Monate in neuen Barriques aus Alliereiche, sattes Goldgelb, intensive Muskataromen, sehr komplex, kandierte Zitrusfrüchte, ein wenig Honig, so nobel und samtig den Gaumen auskleidend, wirkt sehr konzentriert, in sich ruhend, die perfekte Harmonie im Fruchtsüsse und -säurespiel, langer balancierter Abgang, hält seine Form perfekt über 3 Tage - dann war die halbe Flasche leider geleert ;-), Wunderstoff, Höchstnote, ***/***

Summa summarum 2300 Kilokalorien zuviel - dh. für morgen 3 x zurück zum Start und drei Runden extra laufen - denn wie heißt's so schön: A moment on my lips, years on my hips!

10. April 2008

Addendum Weinrallye #10

22h40 und ich komme gerade von einer sensationellen VHS-Weinverkostung - Frankreich Jahrgang 2005 (abseits Bordeaux). Und weil's gerade passt möchte ich noch einen Chenin Blanc der Loire aus der Appelation Touraine nachtragen, der sowohl die Nachbarregion als auch den Nachbarjahrgang meines verkosteten Anjou-Weins repräsentiert!

  • Domaine Huet, Clos du Bourg 2005, Vouvray, Bio-Wein, Demeter zertifiziert, kräftiges Strohgelb, intensive Aromatik, Zitrus & Mineralik, komplexe Nase, dicht, am Gaumen fest, dabei fokussiert, knochentrocken mit kräftige Säure, trotzdem sehr balanciert, im Abgang viel Schmelz auf der Zunge zeigend, Potential, äußerst gelungenes, feines Exemplar, € 17 bei K&U, **/***
Eine feine Zusammenfassung aller wissenswerten Fakten über die Domaine Huet l'Echansonne lesen Weinfreundinnen & -freunde beim Weindoktor.

Weinrallye #10 - Chenin Blanc

Im Gegensatz zu den vorigen Rallyes gibt's diesmal wieder einen Rundkurs zu einem ganz konkreten Thema - Christoph von originalverkorkt ruft auf zur Verkostung von Köstlichkeiten aus der Rebsorte "Chenin Blanc" - für die meisten wohl unbekanntes Neuland (?).

Epilog:
Einmal im weiten Internetz kurz nach den gängigen Rebsorten suchen, um ein paar Größenordnungen zu erhalten:

  • Riesling > 4,5 Mio Treffer (nach Larry Serge Google)
  • Chenin Blanc > 1,4 Mio Treffer
  • Grüner Veltliner > 306 Tausen Treffer ;-(
Wow, ganz schöne Abstände! Zum Vergleich einmal die ABC-Weine:
  • Chardonay > 9,1 Mio Treffer
  • Cabernet (> 10, 8 Mio Treffer) Sauvignon > 8,8 Mio Treffer
Naja, das war ja nun nicht wirklich überraschend. Schauen wir uns doch einmal im Vergleich dazu den Rebsortenspiegel (Stand 2005) nach der weltweiten Anbaufläche an (Quelle: www.vienna.at ):
  • Chenin Blanc > 59 Tausend Hektar
  • Riesling > 57 Tausend Hektar
  • Grüner Veltliner > 30 Tausend Hektar
  • Cabernet Sauvignon > 120 Tausend Hektar
Liebe Weinfreunde, da stellt sich doch glatt eine leichte Schieflage ein, oder? Was schließen wir daraus? Um es mit den Worten von Christoph zu formulieren:

"Chenin Blanc, eine Traubensorte, die nicht viele auf dem Schirm haben"

Monolog:
Lest man nach bei zB. Jancis Robinsons "Rebsorten und ihre Weine" oder Hubrecht Duikers "Loire" (beide Bücher bei Hallag erschienen) bekommt man gleich einmal Respekt vor dieser vielseitigen Wunderrebsorte, vom herrlichen Schaumwein über Massenweine, von knochentrocken hin zum noblen Süßwein hat 's die Chenin Blanc also anscheinend drauf - und das bei hervorragendem Alterungspotential.
Die Heimat dieser Sorte ist die Loire - dort auch Pineau genannt - wenngleich auch in den anderen Anbaugebieten der Welt, wo sich diese Sorte heimisch fühlt - Südafrika (dort als Steen geführt), Australien und Kalifornien - die weitaus größeren Mengen angebaut werden. In letztgenannten, im Vergleich zur Loire viel heißeren Regionen, wird Chenin Blanc ob ihrer kräftigen Säure ua. als verläßlicher Verschnittpartner geschätzt. Diese Eigenschaft macht sie auch für Schaumweine wie zB. dem Crémant de Loire und als Gegenspieler zur Süße von Prädikatsweinen sehr brauchbar.

Dialog:
Um der Chenin Blanc etwas von ihrem geheimnisvollen Wesen zu entlocken, entschied ich mich für zwei Weine, von denen ich annehmen konnte, daß sie aufgrund ihrer doch sehr unterschiedlichen Herkunft und des unterschiedlichen Jahrgangs - jung & frisch und etwas gereift - doch verschiedene Facetten zeigen werden.

Domaine Patrick Baudouin, Effusion 2004, Anjou, Loire, mittelkräftiges Goldgelb, sehr dezente Aromatik, Bergwiese, etwas Kamille, wundervoll rund, toll, wie frisch ein einfacher 2004er Weißwein doch (noch?!) sein kann, wirkt durch seine unspektakuläre Art bereits wieder spektakulär, macht Spaß, auch wenn dieser Wein keine ausgeprägte eigene Charakteristik besitzt, *(*)/***
  • Stellenrust, Chenin Blanc 2007, Stellenbosch, Südafrika, von über 40 jährigen Rebstöcken, klares Strohgelb, anfangs verhaltene Zitrusnoten, dann kräftige Nase nach Grapefruit, Apfelaromen, durchaus frische, wenngleich auch keine "strahlende" Aromatik, am Gaumen dann mundfüllend, plötzlich entsinne ich mich der 14 % Vol. am Etikett ;-), im Abang trocken mit feinem Säurespiel, kein zartes Wesen, sondern ein strammer Bursche, */***
Epilog:
Ziel erreicht? Nicht ganz! Wie verkehrt doch die Welt manchmal sein kann! Der ältere Loire wirkte so jung, der junge zwar frisch, aber wie ein Herkules - also definitiv kein Sommerterassenwein!
Chenin Blanc
, ein Wein ohne wirklich eigenen Charakter? War das meine Meinung vor dieser Weinrallye? Mitnichten! Auch wenn ein Schaumwein und ein Süßwein aus Chenin Blanc zwecks Degustation noch ausständig sind, glaube ich, daß meine beiden Weine typische Sortenvertreter sind! Auch wenn ich Chenin Blanc bisher nicht an einer spezifischen oder einzigartigen Eigenschaft habe festmachen können. Aber wer Willens ist, sich Zeit für diese vielseitige Rebsorte zu nehmen, der wird sicher nicht entäuscht werden und spannende Weinmomente ereleben, davon bin ich überzeugt.

Etwas ganz Wesentliches habe ich aber noch unterschlagen!
Beide Weine konnten sich als hervorragende Essensbegleiter profilieren - eine für mich ganz wichtige Eigenschaft - gehört doch meiner Ansicht nach Wein zum (und nicht nach dem) Essen serviert! Der gereifte Anjou war ein seriöser Begleiter zu Petersilien-Knoblauch-Garnelen, einer scharfen Pfefferoni-Pizza und nebenbei bewies er auch noch Steherqualiäten zu meiner Alltagsschokolade Zartbitter von Chocolat Frey - das schaffen nur wenige Weine! Und der junge, kräftige Steen machte zur pikanten Gemüse-Lauch-Fischpfanne mit Papardelle eine gute Figur. Chenin Blanc also doch mit Qualitäten? Mais bien sur!

Post Scriptum:
Dem 1999 Crémant Saumur Brut von Bouvet-Ladubay aus der Magnum geht's demächst an den Korken, Kostnotizen folgen selbstverständlich stante pede ;-)

01. April 2008

Weine vom März

  • Weingut Buchegger, Grüner Veltliner Pfarrweingarten 2005, Kremstal, es gibt Weine, die liebt man von Anfang an, die treffen punktgenau das, was man an einer Rebsorte bzw. Weinstilistik so schätzt, vielleicht nicht jedes Jahr in der selben Intensität - das wär' ja fad - aber so weit fehlt's dann nicht, der Wein weiß (fast) immer zu überzeugen. So einer ist (für mich) Bucheggers Pfarrweingarten.
    Diesmal läßt sich der Wein ziemlich bitten, braucht Tage um sein wahres Ich zu offenbaren, kein Genuß für ungeduldige Hedonisten - aber das wiederspricht sich ohnehin - dann herrliche Nase, tabakkig, mineralisch, tief, würzig, wirkt fest und stoffig am Gaumen, alles im Lot, genug Potential für die nächsten Jahre, **(*)/***
  • Weingut Juris, Stiegelmar, Chardonnay Altenberg 2005, Neusiedlersee, zeigt sich anfangs sehr verhalten, dann mit feiner, subtiler Aromatik, Melone, leichte hefige Noten von der Lagerung auf der Feinhefe, wirkt eher schlank in seiner Statur, aber immer balanciert mit leicht cremigem Abgang, wiederum ein schönes Rebsortenexemplar, das einer feinen Chardonnay-Linie huldigt, ABC? Gilt nicht für diesen Wein! **/***
  • Chateau Leoville Poyferre 1998, St. Julien, Bordeaux, am Sprung zum Granat mit jungem Kern, Bordeauxstinkerl, viel Würze vom Maggikraut, mittelgewichtig, zeigt eine gute Balance zwischen kräftiger Säure und festen Gerbstoffen, letztere wirken aber im Finish ein wenig austrocknend, jetzt mit Genuß zu trinken, der Wein lebt im Abgang von seiner feinen Säurestruktur, die Lust auf den nächsten Schluck macht, 19 Punkte-Wein von Rene Gabriel, bei mir einer weniger, **/***
  • Vinedos del Contino, Contino Reserva 1995, Rioja, gehört zum Teil dem Riesen CVNE, leuchtendes Granatrot, zeigt in der Nase ein wundervolle vielschichtiges Aromenspektrum, viel Süsse vom Holz, balsamische Anklänge, Tropenhölzer, Banane (!?), am Gaumen korrespondierende Süsse im Zwiegespräch mit nerviger Säure, etwas spitz hintennach, Süßholzwurzel im Abgang, ein moderner Traditionalistmit langem Holzausbau, für micht authentischer Wein aus dem Rioja, bravo! **/***
  • Weingut Neumeister, Sauvignon Blanc 2006, Südoststeiermark, sauber, initial sortentypisch, zartes Cassis, dann ein wenig launisch, mal intensive Aromen, mal sehr, sehr verhalten, frisch, aber nicht resch, harmonisch, ein passabler Fischbegleiter, einfach gestrickt, */***
  • Chateau d'Aurilhac, Cru Bourgeois 2003, Haut-Médoc, Bordeaux, dunkles Rot, farblich die erste Reife erkennbar, schon in der Nase ist merkbar, daß in diesem Jahr die Reben nur das Beste von der Natur bekommen haben, wenig Frucht, eher würzig, zeigt sich saftig, dabei kräftig und mit viel Tannin, anfangs aber übermäßig bitter im Abgang, am zweiten Tag parfumierte Nase, Rosenduft, das Bitterl ist zugunsten einer Säure verschwunden, wirkt trotzdem etwas marmeladig, leicht austrocknende Gerbstoffe im Finish, für seinen Preis gut gemacht, d'Aurilhac ist immer ein bourgeoiser Kraftlackel, niemals Aristokrat, die jahrgangsbedingte Stilistik läßt Sehnsucht nach der Finesse eines klassischen Bordeauxs aufkommen, *(*)/***
  • Nemeth Pince, Balaton, Muscat 2001, Ungarn, feines Goldgelb, intensive Nase, die Sorte leicht erkennbar, aber nicht so reintönig wie ein trockener Steirer, etwas künstlich, Leim, trotzdem mit viel eigenem Charakter, verschwenderische Fülle mit herrlichem leichten Süßespitz, guter Begleiter zu kleinen, scharf gewürzten Pizzinis, *(*)/***
  • ??? (ist ja zu dumm, gerade diese Flasche habe ich vor dem Ablesen des Etikett entsorgt :-(, Schilcher 2006, Südweststeiermark, Schilcher, eine lokale Rosé-Spezialität aus der Rebsorte Blauer Wildbacher war früher nicht zu unrecht ob seiner forschen und fordernenden Säure als Zungenschneider verschrieben, heutzutage zeigen sich die guten Exemplare eher gemäßigt, nennen jedoch (zum Glück) noch immer eine nervige Säurestruktur ihr eigen. Eine herrlich intensiv leuchtende Zwiebelschale mit deutlich rotem Farbeinschlag, wunderbar eigene Fruchtnoten, Erdbeere, die Kombination aus knackiger Säure und knochentrockenem Ausbau bewirkt höchsten Trinkfluß, ein sehr schönes Exemplar mit bemerkenswert niedrigen 11,5 %Vol., **(*)/***
  • Luna Beberide, Mencia 2007, Bierzo, Spanien, violette Farbe, ungestüme würziger Frucht mit deutlichen Veilchennoten, das Schöne bei diesem Wein finde ich die warme, weiche, fast mollige Note in der Nase, das korrespondierende Erlebnis am Gaumen und trotzdem die subtile Säure im Abgang, balanciert, jetzt & sofort trinken, wird am zweiten Tag etwas flach, */***
  • Winkler-Hermaden, Hermada 2003, Südoststeiermark, eine Cuvée aus Zweigelt, Cabernet Sauvignon und Merlot, helle Farbe, fein würzige Fruchtnase, am Gaumen sehr rund und trinkfertig, ganz zartes Bitterl im Abgang, easy to drink, *(*)/***
  • Weingut Kerpen, Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese 2001, Mosel, zwischen Stroh- & Goldgelb, balsamische Noten, das bekannte Petrolstinkerl, allerdings in einer sehr subtilen und interessanten Art & Weise, etwas Mineralik, am Gaumen sehr fruchtsüß, die Reife der Auslese will sich mit der doch präsenten Säure nicht als harmonisches Ganzes verbinden, der unerwartete Geschmacksumschlag von süß auf "sauer" beim Schlucken stellt mir die Nackenhaare auf, sehr ordentliche Länge im Abgang, */***
  • Schloß Halbturn, Graf Koenigsegg Reserve 2002, Neusiedlersee, ein Halbpreiswein, vor 3 Jahren um etwas über € 6 verschleudert, hat noch nie entäuscht und beweist ein Reifepotential, das man sich manchmal von Weinen in ganz anderen Preissegmenten wünscht! Dunkles Bordeaurot, zarte Sauerkirschnoten, fein verwobenes Holz, nuancierte Säure trägt den Wein im Dialog mit feinen Gerbstoffen, balanciert mit mundfüllendem Abgang, von dieser seidigen Art trinkt man auch gerne ein weiteres Glas, *(*)/***

29. März 2008

Weinfrühling im Alten Rathaus

Mit 35 Ausstellern - zu 3/4 aus den Regionen Kremstal, Kamptal und Wagram, der Rest aus der Thermenregion, dem Neusiedlersee und der Steiermark - ein angenehmer und vor allem überschaubarer Rahmen. Die (nicht von allen WinzerInnen eingehaltene ;-) Vorgabe von 5 Weinen sorgt dabei für eine überschaubare und vor allem verkostbare Menge.
Die Probe war vom Umfang her sicherlich nicht repräsentativ für einen österreichischen Gesamtquerschnitt, bot mir dennoch einen guten ersten Einblick in die (ev. regionale) Gegebenheiten des aktuelle Jahrgangs - mein Fokus lag dabei vorwiegend auf den Grünen Veltlinern (GV).

  • Positiv, daß sich die 2007er GVs im Kabinettbereich bereits sehr zugänglich und harmonisch präsentieren und eine der Gastronomie zugute kommende Stilistik zeigen. Im Vergleich zum Vorgängerjahrgang - ein sehr gutes Jahr für den GV - zeigt sich der 2007er Jahrgang bereits weiter fortgeschritten in seiner Entwicklung.
  • Es gibt sie wieder, die (Sommer)Weine mit niedrigem Alkohlolgehalt um die 12% Vol., auch die "Granaten" liegen gut ein Volumsprozent unter dem Vorjahresniveau.
  • Jene Weine im Spätlese bzw. Smaragdbereich, welche bereits verkostet werden konnten, zeigten sich bereits durchaus antrinkbar, wirken derzeit aber eher eindimensional und fern der Beurteilbarkeit, Potential für schöne Weine besitzt der Jahrgang allemal.
  • Manchmal lag die Säure niedrig, die Exemplare wirken dadurch flach und lassen somit den Trinkfluß vermissen. Ebenso zeigten einige GVs eine sortenuntypische - zB. sauvignoneske - Aromatik, was dem Trinkspaß per se aber nicht entgegensteht.
Zu gefallen wussten heuer:
  • Weingut Rudolf Fritz, Thallern, Kremstal, eine bestechend schöne Kollektion, die beiden GVs Herrentrost und Frauengrund präsentieren sich mit vibrierender Frucht, sehr trinkanimierend und mit einer herrlichen Säurestruktur, der Riesling Steinhagen steht den Grünen Veltlinern nicht nach, auch die Kostprobe des Top-Veltliners aus der Lage Schwerer Zapfen zeigt viel Potential, alles in allem ist Rudolf Fritz heuer eine sichere Bank!
  • Weinhof Parzer, Furth-Göttweig, Kremstal, sehr schön der runde und vollmundige GV Reserve, eine Selektion aus den besten Trauben von Urgesteins- und Lößlagen,
  • bei den Weinen des Weinguts Schlamberger überzeugte besonders der GV Premier Grü Sandgrube (Krems), volle, klare Nase, lebhaft mit feiner Mineralik, auch die beiden Veltliner Dürnstein und vom Pfaffenberg aus der Wachau gefielen mir, erster etwas milder in seiner Säure,
  • Weinhof Arndorfer, Strass, Kamptal, ein herrlicher GV Dionysos Taufwein, kräftiges Goldgelb, viel Würze, wuchtige, runde Struktur, viel eigener Charakter, empfehlenswert auch der sortentypische Sauvignon Blanc Strass, weisser Holler gepaart mit nerviger Säure, ebenfalls ein Genuß ist es ob ihrer Begeisterungsfähigkeit mit der charmanten Dame des Hauses zu plaudern,
  • Verlaß ob der Qualität ist auch auf das Weingut Maglock-Nagel in Strass, Kamptal, sehr primärfruchtig ausgebaute Weine, ein wundervoller Riesling Wechselberg, glockenklare Frucht, frisch, zitronig im Abgang, sehr trinkfertig auch bereits der kräftige, parfumierte Veltliner vom Gaisberg, jener vom Wechselberg tendiert stilistisch heuer mehr Richtung Sauvignon, aber mit viel Trinkanimo,
  • Weingut Rosenberger, Rohrendorf, Kremstal, angenehm der GV Nachtfalter, ein klassischer Leicht + Trocken Sommerveltliner, am Besten schmeckte mir der Veltliner Kellerweingarten mit glockenklaren Zitrusnoten und nerviger, feiner Säurestruktur,
  • Reinberger, Grafenwörth, Wagram, erfrischend der Veltliner Rose Grün, leicht pfeffrig, sehr fein auch der Rote Veltliner, frischer Exotiktouch, durch eine leichte Süße am Gaumen gut gepuffert, feiner Säuredialog, sehr harmonisch,
  • Weingut Franz Anton Mayer, Königsbrunn, Wagram, ein prachtvoll kräftiger 2006er Veltliner Rainmacher, wuchtig, mit feinem, integrierten Holz, ein intensiver Sauvignon Blanc, Cassis pur im Glas, harmonisch, aber was für ein Kraftlackel, ganz der Winzer selbst ;-)
  • Weingut Reiterer, Wies, Südweststeiermark, der Schilcherspezialist, am schönsten war für mich jener der Lage Lamberg, schöne Erdbeerfrucht, klar, rassige Säure, ein Klassiker, zivilisierter und somit internationaler die Variante vom Engelweingarten, auch der Sekt hat was, mir persönlich aber etwas zu künstlich von der Aromatik und vielzuviel CO2,
  • Johann Gisperg, Teesdorf, Thermenregion, zeigt ebnfalls eine bestechende Linie , seine Stilistik ist über alle Rotweine gut erkennbar, der Gaumen eher schlank, aber engmaschig, immer mit guter Fruchtsüße und reifem, mürben Gerbstoffen, am Besten der Pinot Noir Reserve 2005, Cabernet Sauvignon 2005 und die Cuvèe Terroir de Pierre 2005 aus CS und St.Laurent, alles schöne und fair bepreiste Weine,
  • Weingut Heggenberger, Tattendorf, Thermenregion, ein prachtvoller klassischer Pinot Noir 2005 von den Burgundermachern, mit viel Sortentypizität in der Nase, rund, fruchtig, balanciert, mundfüllend, feiner und unkomplizierter Trinkspaß, auch die Reserve vom Pinot 2005 ist gut gelungen, diese wirkt seriöser, strenger und fokusiereter.
Nachlese Weinfrühling 2007

24. März 2008

Igler - "Vom Igel"

Ab Ericio ("Vom Igel") ist der Topwein des Weinguts Hans Igler in Deutschkreutz, Mittelburgenland - dem Blaufränkischland - und besteht gut zur Hälfte aus Merlot, einem Drittel Blaufränkisch und Zweigelt. Ab Ericio ist in den letzten Jahren ein höchst erfolgreicher Wein, der 2005er wurde kürzlich falstaff-Sieger, der Vertreter aus 2004 belegte den 3. Platz. Auch andere österreichische Publikationen stuften den Wein ins internationale Premiumsegment ein. Das Preisschild ist mit € 30 etikettiert.

  • Ab Ericio 2000, klassisches Weinrot, vom Grundton her eher herb mit weinig-fruchtiger Nase, im Hintegrund sanfte Vanille und Schokotöne, sanfte Würze, eher kurze Präsenz und mittelgewichtig am Gaumen, deutlich Alkohol, wirkt nicht stimmig, Säure- & Gerbstoffspitz im Abgang, mit Süßholzwurzel säuerlich nachklingend, geht am zweiten Tag ein wenig auf, alles miteinander wirkt gut verwoben, balsamische Noten und eine feine Säurebalance im Abgang, für den Topwein aus einem exzellentem Jahrgang ein bißchen zu wenig, hat seinen Höhepunkt bereits überschritten, *(*)/***
  • Ab Ericio 2004, Purpurfarben mit schwarzem Kern, die Nase sehr schön verwoben, schwarze Ribisel (Johannisbeere), peffrig, nobles Holz (21 Monate!), alles gut zu einem harmonischen Ganzen integriert, seidig am Gaumen getragen, engmaschig am Gaumen, balancierte Säure trägt diesen Wein, der angenehme, aber eher kurze Abgang macht schon wieder Lust auf den nächsten Schluck, am zweiten Tag in Höchstform, einziger Wunsch meinerseit