14. Juli 2009

Pitnauer's Bienenfresser

Der beste Zweigelt im Weingut von Hans Pitnauer hat den Namen Bienenfresser und trägt damit den Namen eines hübsch bunten und exotischen Vogels, der im Weinbaugebiet Carnuntum ua. in den Göttelsbrunner Rieden heimisch ist.
  • Weingut Pitnauer, Zweigelt Ried Bienenfresser Bärnreiser 2005, Carnuntum, bereits eine österreichische Legende, findet sich bei den Landes- und Sortenwettbewerben immer weit vorne, des öfteren am Stockerl.
    Tiefer Kern, wer gerne an klassischen Bordeaux riecht wird auch mit diesem Exemplar sehr glücklich sein, die Nase geprägt von noblen Edelhölzern, dunkles Nougat, röstig mit Kaffeearomen, tief, braucht ein paar Stunden um sich zu öffnen, verliert dann seine anfängliche Strenge und wird ziemlich rund, zeigt Holzwürze und sanftes Tannin, eine für seine 14.5% Vol.(!) erstaunliche harmonische Balance, auch im Abgang niemals breit oder feurig wirkend.
    Ein autochthoner Österreicher für Freunde der bordelaiser Weine, schön zu trinken mit Potential für die nächsten 5 Jahre - aber wo bleibt der Sortentypus? *(*)/***
  • Pitnauer, Zweigelt Bienenfresser 2007, Carnuntum, purpurer Rand mit dunklem Kern, vom Holz und der Röstung dominierte Nase, vielschichtige Kaffearomen, dahinter rote Früchte, am Gaumen gefällig weich, aber nicht breit, lebendiger, von Säure und Alkohol getragener Abgang, wird sich wahrscheinlich noch verbessern, meiner Meinung nach ist das aber einfach keine zeitgenössische Stilistik mehr, wirkt "Parker-esk", zu konzentriert, wo bleibt die Finesse und/ oder die Frische? *-*(*)/***
Zweifelsohne sind das handwerklich gut gemachte Weine, welche ihre Liebhaber finden. Mich persönlich langweilt diese Art von Weintypus immer mehr. Ihnen fehlt einfach die innere Spannung, die Expressivität der Mineralik, die fordernde Art, sich mit ihnen auseinandersetzten zu müssen, die Komplexität, welche sich auch durch eine minütlich verändernde Aromatik manifestiert. Uniforme, weil überholzte und zu "intensive" Weine wie der 05er Bienenfresser sind Vertreter der Spezies "kennst du einen - kennst du alle". In einigen Momenten sind sie mit feinem Genuß zu konsumieren, auch durchaus ein zweites Glas, aber im Endeffekt versteht es keiner dieser beiden Exemplare mich zu fesseln.
Schade, denn gerade im schwierigen, weil heißen Jahr 2003 hat Hans Pitnauer sein Klasse als Winzer mit feinen Weinen bewiesen! Quo vadis HP?

Bildquellennachweis: Magellanwineimport

13. Juli 2009

Neue alternative Flaschenverschlüsse

Nachfolgende Meldungen sind zwar bereits ein paar Tage alt, trotzdem finde ich es bemerkenswert, daß es weitere Versuche um alternative Verschlussformen gibt. Neben dem klassischen Kork, seinem Pendant aus Kunstoffgranulat bzw. Schaum, dem VinoLok-Glasstöpsel und dem Stelvin-Dreh- bzw. Schraubverschluß hat das australische Weingut Penfolds ein Projekt mit einem reinem Glasstöpsel aus gesintertem Glas laufen - wie auf decanter-online bzw. Sigi Hiss zu lesen war. Vorteil - so Chief Wine Maker Peter Gago wären der garantierte Luftaustausch und ein cooles Erscheinungsbild? Ich bin gespannt.

Das französische Champagnerhaus Duval-Leroy hat in Zusammenarbeit mit Alcan einen neuartigen Verschluß mit Namen Maestro (2) entwickelt, ein Meilenstein für die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Weinwelt! Der Mechanismus in Form eines Kronenkorkens mit integriertem Öffner in Form eines Hebel erlaubt es nun endlich auch Frauen (sic!) die Flasche zu öffnen ohne auf das so erfrischende Plopp des Korkens verzichten zu müssen.
Finde ich ganz pfiffig - Video - und der Kronenkorken ist für Champagner für die zweite Gärung in der Flasche eine bewährte Verschlußsache. Auch wenn dadurch wieder einmal eine der ohnedies schon spärlich Männerdomänen verloren geht - wo soll das nur hinführen ;-) ?
Andererseits würde uns dieser Verschluß aber auch die unzähligen dilettantischen (und vor allem gefährlichen) Öffnungsversuche samt "Springbrunnen" ersparen.
Ach was, richtige Männer säbeln den Champagner ohnedies..

09. Juli 2009

Muskateller

Eine Liebeserklärung an den Muskateller! In seinen Variationen als Gelber oder Roter Muskateller ist diese wandelfähige Rebsorte ua. auch der Prototyp des klassischen Sommerweins.
Was macht den einen guten Vertreter dieser aromatischen Rebsorte aus?
Idealerweise weist er eine intensive Aromatik auf, ist (knochen)trocken und somit ein perfekter Aperitif und außerdem leicht im Alkohol, 11.5% Vol. und somit auch für ein zweites Glas ohne Nebenwirkung auf der Terrasse gut. Kaum zu glauben, daß es WeinliebhaberInnen gibt, die dieses Stilistik nichts abgewinnen können!
Nicht zu vergessen, daß diese Rebsorte ein hervorragendes Alterungspotential aufweist. In Anbetracht des niedrigen Alkohols und der feingliedrigen, ja oftmals fragilen Spielart schier unglaublich - wie eine Verkostung des wein.pur-Magazins zu genau diesem Thema aufzeigt.

In Österreich tritt diese Rebsorte in den letzten Jahren vermehrt auch aus anderen Weinbauregionen als jener der Steiermark ins Rampenlicht, so zB. aus der Wachau, dem Kremstal, dem Wagram oder aber auch dem Burgenland - immer mit respektablen Qualitäten. Mit ca. 150ha Anbaufläche nimmt der Muskateller trotzdem nicht einmal 0.5% der gesamten, österreichischen Weinbaufläche ein - ein echtes Minderheitenprogramm also!
  • Weingut Neumeister, Muskateller Steirische Klassik 2007, Straden, Südoststeiermark, helles Strohgelb, traubige, "laute" Nase, reduktiv, frisch, lebendige und nervige Säurestruktur, knochentrocken, mit einem ganz leichtem Bitterl im Abgang, archetypischer Sortenvertreter, *(*)/***
  • Weingut Wolfgang Aigner, Muskateller Sandgrube 2008, Kremstal, helles Strohgelb, feine Muskatnase gepaart mit viel Zitrusfrucht, blitzsauber, aber das Vibrierende fehlt, frisch und mit korresponduierender Muskateller-Aromatik am Gaumen, ganz trocken empfiehlt sich dieser Wein als klassischer Aperitif, *(*)/***
  • Weingut Harkamp, Muskateller Steil 2007, Südsteiermark, helles Strohgelb, ein tolle, vibrirende Nase, muskat-traubig, die klassische Sortentypizität aufweisend, am Gaumen frisch, die Zitrusfrucht ganz zart im Hintergrund, nervige Säure, im Abgang nicht ganz so knochentrocken wie die beiden Vorgänger, sondern süffig-saftig, fein trinkanimierend, daß ist genau mein Muskateller-Typus, macht Spaß, **/***
  • Weingut Regina & Günter Triebaumer, Muskateller 2008, Rust, Neusiedlersee-Hügelland, Weißgelb, zurückhaltende Nase, helle Nase, Mandarine, nach Birne, anfangs auch Grapefruit, zitronig am Gaumen, hat richtiggehend Struktur im Mund, zart würzig hinterlegt, mit feinem Säurebiß, animierender Trinkfluß, *(*)/***
Alles Weine mit viel Trinkfreude - der Sommer kann (endlich) kommen!

05. Juli 2009

Die Posse um den deutschen Gault-Millau

Es ist das beherrschende Thema der letzten Tage - ganz klar. Der Aufstand einiger deutscher Spitzenweingüter gegen den Gault Millau-WineGuide sorgt für heiße Diskussionen in Blogs (Zusammenfassung), Wein-Foren und findet sogar zeitnah Erwähnung in den Printmedien, so zB. in der "Welt" und der "Süddeutschen".

Als bekennender Feinschmecker assoziiere ich - so wie wahrscheinlich die meisten anderen Österreicher auch - den Gault Millau in erster Linie mit nur einem Wort - Essen.
Gastrokritik, also Restaurants und die Leistung ihrer Köchinnen und Köche stehen da im Vordergrund. Weinbewertungen gibt's auch, als Beigabe und im Sinne eines Mehrwerts eines Guide prinzipiell ja richtig, da bekanntermaßen Essen und Trinken zusammengehören - wobei sich das Trinken nicht nur auf Wein bezieht.

Im Gegensatz dazu steht bei den Kollegen im Nachbarland offensichtlich mehr der Wein im Mittelpunkt. Auch dürfte die Relevanz des GM-WeinGuides eine höhere sein - wie sonst wäre dieser Sommerrevolte einiger der renommiertesten Winzer Deutschlands aufgrund eines offerierten (oder nahegelegten?) "Marketingbeitrags" des Münchner Christian Verlags als Herausgeber des GM erklärbar?

Da meiner Meinung nach der Einfluß dieser Art von Weinführern seit Jahren schwindet und der Deckungsbeitrag natürlich über die verkauften Stückzahlen erwirtschaftet wird, ist es durchaus legitim, über alternative Geldflüsse nachzudenken. Der vom Verlag - wohlgemerkt freiwillige! - Beitrag von etwas unter €200 ist gemessen an der Botschaft für Konsumenten (guter bzw. Spitzenbetrieb des Landes) und seiner Werbekraft samt Nutzung der GM-Logos udgl. wohl ein lächerlicher, zumal es in der Branche bei diversen Verkostungen durchaus Usus ist, von teilnehmenden Betrieben einen Regiebeitrag für ihre eingereichten Weine zu verlangen.

Die Reaktionen der unterzeichneten Betriebe halte ich deswegen (und gemessenen am Aufhänger, nämlich der Beitragsleistung) für überzogen. Auch der Argumentation einer Unvereinbarkeit der freiwilligen Zahlung und der Bewertung im GM-WineGuide kann ich nicht folgen, obwohl ein solches Vorgehen eine schiefe Optik bekommen kann, wenn die Rahmenbedingungen (die Freiwilligkeit) nicht transparent gegeben wären. Ergo dessen ist es ein leichtes zu vermuten, daß sich dahinter offensichtlich noch weitere Beweggründe verstecken.
Nun bin ich kein Winzer und auch kein Weinkritiker im Sinne eines professionellen Journalisten, fühle mich also keiner Partei wirklich zugehörig, sondern sehe mich nur als interessierten Beobachter der Szenerie aus Konsumentensicht. Und eines ist ja wohl sonnenklar: Werbung schadet auch den profiliertesten Weingütern mit den besten Weinen nicht.

Wär es somit nicht endlich an der Zeit, die wahren Gründe für ihre Verärgerung ehrlich und offen anzugehen?

Der Ball liegt bei den Unterzeichnern..

Addendum:
Eines stört mich bei der Sache noch: vom Krieg zu sprechen. Denn dieser hat wohl doch ein viel abscheulicheres Gesicht! So aber nicht der Wein, ganz im Gegenteil!
Andererseits, auch Worte können töten..

03. Juli 2009

Weinmonatsliste Juni

  • Werner Achs, Zweigelt Goldberg 2005, Gols, Neusiedlersee, dunkles Purpur, fruchtig, aber nicht vordergründig, unterlegt von tiefer Würze, wunderschön umrahmt vom kaum merkbarem Holz, am Gaumen mittelgewichtig, und doch von fester Struktur, feurig und fokussiert, von erstaunlich erfrischender Leichtigkeit für einen Roten, wunderschöne mineralische und kühle Textur, purer Trinkspaß, von dem man auch gerne ein drittes Glas sich einschenken läßt, eine feine Überraschung - Zweigelt mit Modellcharakter! **(*)/***
  • Weingut Ebner-Ebenauer, Weißburgunder 2007, Weinviertel, helles und klares Strohgelb, die Nase wird von einer dominanten (fast schweißtreibender) Zitrusfrucht dominiert, zeigt viel Fett im Glas, der dann auch schön als Mundgefühl erschmeckbar wird, füllig rund, gut gestützt durch ein harmonisches Säurerückrat, trinkanimierend, die Nase wird verwobener, offenbart jedoch keine rebsortentypischen Aromen wie Haselnuß, Biskuit udgl. mehr, gefällt mir trotzdem gut, *(*)-**/***
  • Weingut Geyerhof, Grüner Veltliner Steinleiten 2007, Kremstal, Ilse Mazza's Bioweingut war mit diesem Wein im Salon 2008 vertreten, zwischen kräftigem Strohgelb und hellen Goldgelb, ein klassischer Sortenvertreter, viel Gelbfrucht, anfangs auch ein wenig Tabak, mineralische Spannung direkt an der Zungenspitze, mit viel Extrakt volles Volumen, immer balanciert, kein intellektueller, sondern hedonistischer Gaumenwein, mit dem Extra-Bio-Kick, die innere Spannung immer präsent, harmonischer GV, fein, **/***
  • Weingut Capaia, Blue Grove Hill 2006, Südafrika, dunkle Farbe mit anfangs intensiven Raucharomen - O-Ton meiner lieben Renate "wie eine aufgelöste Zigarre"- wirkt leichtgewichtig, hell & alkoholisch.
    Zwei Tage dauert die Metamorphose, dann notiere ich herrliche Heidelbeeraromatik, rauchig-selchige Noten, aber auch Fruchtkomponenten, die Johannisbeere vom Cabernet ist deutlich im Vordergrund, alles gut verwoben, am Gaumen harmonisch, mittelgewichtig, wirkt fast kühl, sehr balanciert, der Merlot rundet alles ab, mit einer fast schwebend leichten Textur am Gaumen, das ist bei 14% Vol. nun wahrlich eine Meisterleistung, eine Stilistik, die mich unmittelbar gefangen nimmt, trinkfreudig, fein, hat was faszinierendes an sich und wetzt die vor kurzem entstandenen Scharte des Sauvignon Blanc aus,
    **-**(*)/***

28. Juni 2009

Bordeaux-Primeur?

Nun haben sie alle Weinmagazine wieder durch, die Bordeaux-Primeur-Notizen. (Fast) Jedes Jahr die gleiche Aufregung, nur eben aus einem anderen Grund. Überhöhte Preise, vermeintliche Jahrhundertjahrgänge, die Bewertungspunkte des Herren aus Maryland - was auch immer - für Diskussionsstoff ist reichlich gesorgt.
Nun mag es viele Weinfreunde geben, die diesen Notizen folgend ihre Einkaufskorb füllen. Zu behaupten, daß ich gegen eine Beeinflussung von diesen Notizen resistent bin, wäre gelogen. Jedoch bin ich mir sehr wohl der Tatsache bewußt, daß sie nur eine (verfrühte) Momentaufnahme zum Lebensanfang der Weine darstellen. Gerade aber in durchwachsenen Jahren mit inhomogener Qualität, so wie eben in den letzten 3 Jahren, frage ich mich aber, warum keine Weinzeitschrift eine erneute Verkostung im Jahr der Arrivage - sprich nach der Auslieferung - durchführt?

Eine Bestandsaufnahme fertiger - weil gefüllten Weine - hätte im Gegensatz zur Bewertung der frühen Fassproben für uns private Weinliebhaber deutlich mehr Aussagekraft. Und auch der Preisanstieg in solchen Jahren zwischen Primeur- & Arrivagekauf ist zugunsten einer "gesicherteren" Qualitätsaussage vertretbar, ja, bei einigen Gütern sogar überhaupt nicht vorhanden, sodaß es eben nicht immer en primeur sein muß! Auch an Verkostungsmöglichkeiten kann es wohl kaum scheitern. Hat es nicht eine Veranstaltungen zum bordelaiser Weinjahr 2006 auf der ProWein gegeben? Und selbst wenn! Es läge wohl auch am Journalismus bzw. den Fachhändlern Druck aufzubauen und eine von offiziellen Seite organisierten Veranstaltung - ähnlich der Primeurverkostung - einzufordern!
Aber herrjeh! - ich vergaß - da sind die Euro ja schon über die Theke gerollt - verrücktes Handelssystem, oder? Ist das noch zeitgemäß! Über die Aussichten auf Erfolg will ich.. - ach, was soll's, genug gesponnen!

Zudem werden auch immer die gleichen 50 Châteaus präsentiert, obwohl es sicherlich bei den Tausenden von Weinbaubetrieben dieser Region mehr als nur ein paar Preis-/ Leistungsgranaten zu entdecken gäbe, denn keine andere Weinbauregion der Welt hat eine ähnliche Dichte und somit eine solche Masse an Konkurrenten vorzuweisen. Ein paar Höchstleistungen abseits der Technikverliebtheit von Ms. Rolland und Konsorten sollten sich doch jedes Jahr aufspüren lassen. Ihnen gebührt die Bühne, nicht dem hundertsten Aufguß der Premier Crus.
Warum geht hier keine Weinzeitschrift einmal mit gutem Beispiel voran? Nur Mut, oder folgen alle bloß den Lemmingen gleich dem ewigselben Einheitsbrei?
Aber klar, da kommt wieder das Prestige einiger weniger Châteaus ins Spiel, die glänzende Aura, der Nimbus des Unantastbaren, in dem schlußendlich dann doch wieder nur das Mascherl samt Top-Score einiger weniger Experten zählt.

Trotz alledem. Ich liebe Weine aus Bordeaux - naja, zumindest einige davon ;-)

27. Juni 2009

Zwei badische 06er Grauburgunder

Der Grauburgunder, eine Rebsorte, die vor langer Zeit einmal sehr "in" war - in Form von Pinot Grigio - und in den letzten Jahren meinem Gefühl nach von den Einkaufslisten der Weinliebhaber zwar nicht ganz verschwunden ist, zumindest aber ein Minderheiten-Dasein fristet. Grauburgunder assoziieren viele mit schweren, kräftigen Weinen ohne besonders ausgeprägte Aromatik.

Das dies nicht immer so sein muß beweisen 2 feine Sortenvertreter aus Deutschlands wärmster Weinbauregion, dem badischen Kaiserstuhl. Dieser hat mit 19% Grauburgunder am Rebsortenspiegel auch den größten Anteil deutscher Weinbauregionen vorzuweisen.
Mit Gestein vulkanischem Ursprungs samt Lößauflage erscheint mir dieser geradezu prädestiniert für die (weißen) Burgundersorten zu sein, da diese Rebsortenfamilie durch ihre noble Zurückhalten besonders gut in der Lage ist, die Vorzüge des jeweiligen Terroirs wiederzugeben - auch wenn die exakte Lagenspezifikation am Kaiserstuhl durch die in der Vergangenheit großflächigen Flurbereinigungen verwässert wurden.

Beide Weingüter befinden sich südwestlich am Kaiserstuhl in gerade einmal 3.5 km Entfernung.



Größere Kartenansicht

  • Franz Keller, Schwarzer Adler Grauburgunder Oberbergener Bassgeige 2006, Kaiserstuhl, Baden, feines Goldgelb, eine mehr als zurückhaltende Nase, am Gaumen initial saftig und herrlich harmonisch, wie aus einem Guß den Schlund hinunterströmend, mit der Zeit verändert sich der Wein weg von seiner Seidigkeit hin zu einer fokussierten, mineralischen Textur, die Nase ganz fein mit Exotik unterlegt, Ananas, mineralisch straff im Trunk, da wird das vulkanische Terroir erschmeckbar, mittelgewichtig und so gesehen wenig vom "Bass", dafür druckvoll und vor allem viel von der lebendighaften Quirligkeit einer "Geige", feine Balance - toller Wein, **/***
  • Weingut Holger Koch, Grauburgunder 2006, Baden, mittelkräftiges Stohgelb, brilliantes, leuchtendes Farbspiel im Glas, homogene Nase, Mineralik, Gesteinsmehl, ein bißchen auch von reifen gelben Früchten, balanciert, knackig und zielstrebig, erfrischend und lebendig, zeigt viel Extrakt, aus einem Guß, homogen, mit Spiel, so fokussiert und spielerisch, ja richtiggehend feinsinnig habe ich Grauburgunder noch nie wahrgenommen, das ist toller Stoff zum Basispreis, **/***, €9
Wiederum zwei tolle Sortenvertreter aus unserem Nachbarland, meine Hochachtung an die Winzer!

20. Juni 2009

Weinrallye #24 - Die Nahe

Gastgeber der Weinrallye ist diesmal Alexander "der" Ultes und er möchte mit seinem Thema "Das Gute liegt wirklich NAHE" eine, seiner Meinung nach "zu Unrecht, nur wenig anerkannte Weinregion", die Nahe (2) ins Rampenlicht rücken.

Nun - wie immer liegt - die Wahrheit ein Stückchen im Auge des Betrachters, denn von meiner Heimatstadt Linz aus gesehen liegt die Nahe bei Gott nicht nahe, sondern einigermaßen fern!
Da ich aber im patriotischen Österreicherland ein - zumindest manchmal - einsamer Rufer zugunsten der oftmals so spannenden deutschen Weine bin, finde ich Gefallen an dieser lokalen zentrierten Rallye. Ermöglicht es mir doch, mich mit einer Weinregion auseinanderzusetzen, die zwar in Form einzelner Flaschen wie zB. einer 06er Riesling Hermannshöhle von Dönnhoff oder Grauburgunder vom Schloßweingut Diel in meinem Keller vertreten ist - ua. fehlen noch Crusius, Schönleber, usw. - aber nicht aktiv in meinem Weinbewußtsein vorhanden ist. In Anbetracht der Dichte von Spitzenweingütern hat es diese Weinbauregion, die mit etwas über 4000ha Anbaufläche in etwa mit dem österreichischen Kamptal vergleichbar ist - aber allemal verdient.

Und siehe da, wurde ich doch bei der Suche nach einem entsprechenden Rallyewein der Nahe nahe Linz fündig. Die Vinothek Wagner in Gmunden führt Weine des Weinguts Schäfer-Fröhlich. Und dieses mir bisher unbekannte Weingut scheint bei Recherche ebenfalls einer der ganz "Großen" dieser Region zu sein:
  • Tim Fröhlich wurde im Gault Millau 2005 zum "Aufsteiger des Jahres" gekürt,
  • Robert Parker - oder besser sein für den deutschen und österreichischen Wein zuständigen David Schildknecht - meint "Es gibt in Deutschland derzeit kein spannenderes Weingut als Schäfer-Fröhlich." (Quelle Wein-Plus),
  • "..ein echtes Dreamteam..” schwärmt Stuart Pigott in seinem letzen Buch „Wein spricht deutsch” und
  • auch international können die Weine reüssieren, wie zB. beim Weinkritiker Claude Kolm mit seiner The Fine Wine Review aus San Francisco, welcher regelmäßig voll des Lobes ist und den "Riesling Monzinger Halenberg 2005 Großes Gewächs" mit 98/100 Punkten bewertet, angeblich die höchste Bewertung, die jemals ein deutscher, trockener Weißwein erreicht hat! (Quelle Wein-Plus)
Erstanden habe ich eine Flasche Riesling trocken der Lage Bockenauer Felseneck und eine Flasche Riesling Spätlese Monzinger Halenberg, jeweils aus dem hervorragenden Jahr 2007 - beides lt. Deutschem Weinatlas privilegierte Lagen.
Der Halenberg erscheint mir noch viel zu jung für ansprechenden Genuß und so wende ich mich dem Gewächs aus dem Bockenauer Felseneck zu, einer Süd-/Südwestlage mit Konglomeraten aus blauem Schiefer, Quarzit, Basalt, aber auch Lehm und Lößanteilen. Kräftige Mineralik im Glas sollte also vorprogramiert sein.


Weingut Schäfer-Fröhlich, Riesling Bockenauer Felseneck 2007 trocken, Nahe, strohgelbe Farbe mit deutlichen Grünreflexen, phenolische Töne, zarte Exotik, Fichte, glockenklar und vibrierend, straff am Gaumen, dominierende Zitrusnoten mit rassigem Säurespiel als Prüfstein für die Geschmacksnerven, fordernd, hat eine innere, sehr fokussierte Spannung vorzuweisen und bietet trotzdem viel Spiel am Gaumen, zieht in einem durch, messerscharf, dabei gute Balance zeigend, wiederum phenolische Noten im Abgang, behält seine Pikanz und Frische durch die omnipräsente Zitrusfrucht, beweist Eigenständigkeit, ein wirklich toller Charakterwein, jetzt bereits wunderbar genußfähig, **-**(*)/***, €19

Bei einem deutschen Weinhändler habe ich zu den 2007er des Weinguts folgendes Resummée gefunden:

"Rieslinge mit glockenklaren Aromen voll vibrierender Spannung, explosiver Finesse und von kristalliner Frische – Beseelte Terroirweine mit laserstrahlartig gebündelter Energie auf absolutem Weltklasseniveau!"

Dem kann ich nur zustimmen!

16. Juni 2009

Sweet Dreams of Wine!

Warum Wein immer nur in seiner natürlichen, flüssigen Existenz genießen, wenn daneben auch noch eine süße(re) Spielart in Form von Schokolade existiert?

Café-Konditorei Hagmann, die 1. Kremser Schokoladenmanufaktur - seit 1836 - produziert vielfältige und natürlich handgeschöpfte Schokolade mit hochwertigen Zutaten aus der regionalen Heimat, der Wachau und des Waldviertels.
Meine derzeitig Lieblingstafel ist die schwebend leichte, mit Wachauer Riesling gefüllte Schokolade, aber auch die Variante mit Veltlinergelee bzw. die Zwettler Bierschokolade ist köstlich! € 2.50 pro 80g

Linkes Bild: Schokolade vom Grünen Veltliner, rechts die Spitzer Riesling-Variation

Auch die Burgundermacher bieten zwei verschiedene Arten von Schokolade an. Bei den um "Der Schoko" getauften Spezialitäten handelt es sich um eine helle Edelmilchschokolade mit Pinot Noir-Anteil und eine dunkle, zart herbe St. Laurent-Variante, ganz getreu den beiden gebietstypischen Leitsorten der Burgundermacher in der Thermenregion.
Hergestellt werden die Schokoladen von Fenkart Schokoladengenuß in Hohenems, Vorarlberg. Gunter Fenkart ist selbst Weinfanatiker und dadurch auch Produzent für viele Winzerschokoladen, so zB. für die österreichischen Top-Winzer Leitner, Günter Triebaumer, Gesellmann, Pittnauer.
Beide Arten sind für meinen Gaumen ungewöhnlich süß. Am ehesten paßt dies noch für die Pinot-Milchschokolade, der St. Laurent könnte für eine dunkle Schokolade deutlich herber sein. Die Verpackung in einer aufschiebbaren Kartonschachtel finde ich hingegen äußerst praktisch! € 2.50 pro 80g

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich auch Josef Zotter, sicherlich einer der kreativsten Chocolatiers, nicht nur des Alpenlandes. Nicht alle seiner handgeschöpften und gefüllten Schokoladenvariationen stoßen bei mir auf Gegenliebe, was aber nicht sosehr an der Unvereinbarkeit der Ingredienzien wie Käse, Chili, Rose, Kürbiskerne, Hanf, usw. als vielmehr an der oftmals vermißten Saftigkeit bzw. an Zutaten liegt, die ich einfach nur nicht leiden kann, wie zB. Marzipan. Zu vermerken ist auch noch, daß alle seine Produkte auf biologischen Zutaten basieren und das Fairtrade-Gütesiegel tragen! Seine Schöpfung mit Grünem Veltliner jedenfalls ist spitze! €3 pro 70g

Aus meiner Heimatstadt Linz kann ich Phillipp Wrann's feine Schokoladentrüffel empfehlen. Diese brauchen keinen internationalen Vergleich in Geschmack und Sortenvielfalt, aber nicht auch bzgl. Preis-/ Leistungsverhältnis zu scheuen. Spitzenklasse!
Eine Auswahl der "weinrelaventen" Pralinen bzw. Trüffel (von links oben nach rechts unten)
  • Champagner
  • Riesling, verfeinert mit einer Beerenauslese der Lage Zöbinger Heiligen Stein, Kremstal
  • Portwein
Wer da nicht zu Naschkatze wird, dem ist nicht zu helfen!

11. Juni 2009

Rotwein & Fisch

Als kleines Addendum zu meinem Beitrag zur Weinrallye #20 (Schwimmen muß der Fisch).

Ich wußte ja schon immer, warum ich bei diesem Thema skeptisch war - nur jetzt haben wir's alle schwarz auf weiß!

© King Features Syndicate, Inc

06. Juni 2009

Sauvignoneske Mischgefühle

Nach dem herrlicher Erlebnis der beiden 5-jährigen Sauvignon Blancs verspühre ich wieder auf verstärkt Lust auf diese aromatischen Trendsorte. Und ja, lieber Dirk Würtz, Sauvignon passt mit seinen oft grünen Aromen ganz hervorragend zu (grünem und weißem) Spargel!

Diesmal wollte ich allerdings sehen, was andere Länder aus dieser Rebsorte machen. Exemplare aus der (neben der Südsteiermark) wohl bekanntesten Sauvignon-Region von der Loire - wie zB. Puilly Fumé und Sancerre - habe ich aber leider derzeit nicht im Keller.
Macht auch nicht's, denn ein Vergleich in der kleinen 4er-Runde brachte einem wirklich hervorragenden Wein zum Vorschein, der auf allen Ebenen zu überzeugen wußte. Neben einem verläßlichen heimischen Klassiker aber leider auch zwei absolute Langweiler - einer davon sogar mit renommiertem Namen!
  • Capaia, Sauvignon Blanc Blue Groove Hill 2008, sehr helle Farbe, zeigt eine ziemlich komplexe Nase mit vielen unterschiedlichen Aromakomponenten, der grüne Typus überwiegt ganz leicht, zeigt Noten von Stachelbeeren, grünem Paprika, aber auch ganz leichte Anklänge von Cassis im Hintergrund, wirkt beim Riechen frisch und ein wenig zitronig, ich erwarte mir einen ziemlich straffen, vor allem eine säurebetonten Wein, obwohl das Glas guten Extrakt in Form von schönen Schlieren anzeigt, im Mund dann eher Ernüchterung, wie erwartet, eine prägnante Säurestruktur, geschmacklich im Gesamtbild jedoch flach, fad, lasch und ohne Spannungsbogen, völlig lustloser Wein, der sein Ende im Abflußrohr fand (was selten, aber manchmal eben doch vorkommt), sorry Herr Baron Alexander von Essen, aber um €10 erwarte ich mir eine andere Liga von Wein! oW.
  • Victor Contis, La Zeste des Avignon 2006, Vin de Pays d'Oc, eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und Chardonnay, Strohgelb, sehr verhalten, ein bißchen florale Ankänge, mittlere Säure, gefällig und sauber vinifiziert, aber auch belanglos, (*)/***
  • Nautilus Estate, Sauvignon Blanc 2007, Marlborough, Neuseeland, Nautilus ist das neuseeländische Weingut von Robert Hill-Smith, Besitzer der berühmten australischen Kellerei Yalumba, blasses Strohgelb, wirkt frisch und kühl mit einer duftigen Nase nach grünem Paprika, ganz zart im Hintergrund finde ich auch Cassisaroma, im Mund ein korrespondierendes Fruchterlebnis - das ist was ich als Harmonie empfinde, der am Gaumen das hält, was die Nase verspricht - im Mund fein feurig mit tollen rot paprizierenden Aromen, wirkt aus einem Guß, die nervige Säurestruktur im balancierten Dialog mit Extrakt und Volumen am Gaumen, ein fein-aromatisches Exemplar, das mich außerordentlich fesselt. Das Preisschild von €14 geht für die gebotene Qualität voll in Ordnung, wenn man bedenkt, daß die Steirische Klassik ebenfalls bereits seit einigen Jahren die €10-Hürde hinter sich gelassen hat.
    Dieser Wein bietet alles, was IMHO für einen Premiumwein notwendig ist: eine komplexe Aromatik in der Nase und als Mundgefühl, nerviger Säurerückhalt, Balance und einen druckvollen Spannungsbogen am Gaumen, eine klare Empfehlung, **(*)/***
  • Erwin Sabathi, Sauvignon Blanc 2007, Südsteiermark, helles Strohgelb, sehr laute, weil intensive Nase, viel Johannisbeere (Cassis), voll am Gaumen, richtiggehend mundfüllend, bereits recht voluminöses Mundgefühl, sicherlich auch ein Folge des guten Jahrgangs, zweifellos blitzsauber vinifiziert mit einer harmonische Säurestruktur, garantierter Trinkspaß für ein breites Publikum, wie immer ein sehr zuverlässiger Weinwert, der bereits einen Tick mehr als die "Steirische Klassik" zu bieten hat, jedoch könnte der Wein für mich ein wenig gebündelter sein, *(*)-**/***
Die Enttäuschung Capaia dauerte nur halb so lang wie die Freude, einen tollen Neuseeländer entdeckt zu haben, der eine eigene stilistische Interpretation dieser Aromasorte vorweisen kann!

02. Juni 2009

Mai-Monats-Weine

  • Hans & Christine Nittnaus, Nit'ana 2006, Neusiedlersee, Rotweincuvée aus den Sorten Zweigelt, Blaufränkisch. Merlot und Syrah, vinaria-Sieger in der Kategorie Cuvée bis €12, dunkles Rubin mit tiefem Kern, die Brombeer-Fruchtaromatik wird von einer tiefwürzige Nase komplett überdeckt, kräutrig, schwarzer und weißer Pfeffer, sehr fokussiert am Gaumen, zeigt eine gute Struktur mit feinen Gerbstoffen und einer subtilen Säure, zieht fein durch, perfekte, weil dezente und unaufdringliche Holzunterstützung trotz 13 monatigem Ausbau in neuem Alllier-Fässern, balancierter Ausklang, richtiggehend spicy hintennach, wiederum ein super Preis- / Leistungswein mit besten Anlagen für die nächsten 10 Jahre, **/***
    Zum Vergleich & Nachlesen die Notizen des 04er-Exemplars
  • Quinta de la Rosa, Douro Branco 2007, Portugal, klares Strohgelb, in der Nase erstmals merklich Holz, dahinter etwas getrocknete Wiesenkräuter, wirkt frisch am Gaumen (das alleine zeigt schon Klasse), aber auch beliebig. Ohne Zweifel sauber gemacht, wer mit dieser Stilistik - gut integriertes, aber deutliches Holz und Fruchtreduktion - leben kann, der findet hier ein feines Exemplar. Ich bemängle lediglich die fehlende Identität für einen solchen Wein. Auch der (mir unbekannte) Rebsortenmix - vermutlich eine Cuvée aus autochthonen Weißweinrebsorten - geben zuwenig für ein Aha-Erlebnis. Vielleicht auch nur deshalb, weil die portugiesischen Rotweine des Douro diese schon besitzen? */***
    Nachtrag: nach geschlagenen 4 Tagen beginnt sich der Wein langsam zu öffnen und zeigt neue Facetten, das Holz ist nun nicht mehr dermaßen präsent, florale Wiesenaromen, die Nase hat Spiel, pikant, würzig, knochentrocken, ein doch irgendwie faszinierender Nasenwein trotz des massiven Holzeinsatzes **/***
  • Weingut Karl Alphart, Chardonnay 2006, Thermenregion, Klares Strohgelb, ein üppiger Fruchtkorb von exotischen Noten, ein wenig Honig und Blüten, intensiv strömend, cremig, saftig, rund und balanciert am Gaumen, aus einem Guß, druckvoll, straff, Hedonistenwein mit perfektem Holzeinsatz, so einfach kann herrlicher Weingenuß sein, jedes Jahr immer wieder eine Bank, **/***
  • Weingut Alphart, Neuburger Hausberg 2007, Thermenregion, helles Strohgelb, verhalten, Wiesenblumenaromen, Nußbiskuit, braucht ebenfalls 2 Tage um "aufzutauen", zeigt gute Balance, wirkt ein wenig wie ein üppiger Weißburgunder, ist durch seine vornehme Zurückhaltung ein universell verwendbarer Speisenbegleiter zB. zu Spargel mit Sauce Hollandaise. Aber auch zu Gerichten, wo normalerweise eher Bier kredenzt wird wie zB. Wiener Schnitzel, Tafelspitz, usw. macht der Neuburger eine gute Figur. Richtiggehend Spaß macht ein gutes Exemplar aus dieser Rebsorte - eine natürliche Kreuzung aus Rotem Veltliner und Sylvaner - aber erst nach 5 Jahren, da der Neuburger ein hervorragendes Alterungspotential besitzt! *(*)/***
  • Heymann-Löwenstein, Riesling Schieferterrassen 2005, Mosel, sattes Goldgelb, im Glas ein höchst interessante Mischung aus nassem Gestein, exotischen Früchten und phenolischen Noten, am Gaumen wie immer herrlich hedonistisch, saftig, besitzt innere Spannung, wird niemals fad am Gaumen, trinkt sich fein, wiederum ein Exemplar das mich lehrt, wie gut die richtige Menge an Petrolnoten zur Komplexität des Weins perfekt beitragen können :-), **/***

01. Juni 2009

Der Himmel, der ist rosarot!

Das (teilweise) prachtvolle Wetter im letzten Monat hat mich wieder verstärkt in meiner Roséschatzkiste stöbern lassen - bekanntlich bin ich ja ein lauter Verehrer diese Weinvarietät.

Nachdem mich Iris mit ihrer sachlichen Darstellung der Verhältnisse zur Situation der provencalischen Weinbauern beruhigt hat - wir erinnern uns an den Aufschrei samt Petition zum Thema Rosé durch Mischung von Rot- & Weißwein - kann ich mich nun an den nächsten Flaschen dieses süffigen Sommerstoffes erfreuen.

Und fürwahr, ich hatte das Glück, zu zwei absolut tollen Rosé-Botschaftern zu greifen!
Zum einen habe ich endlich einen meinen Vorstellungen entsprechenden Rosé aus Österreich gefunden! Das alleine für sich hätte schon zum Glück gereicht - habe ich doch im letztem Jahr dem heimischen Rosé dankend abgeschworen. Zum anderen folgte danach für mich die neue Referenz in Sachen Rosé - doch alles der Reihe nach!

So ganz nebenbei bin ich heuer beim Weinfrühling beim Besuch am Fritz'schen Weingut auf den Rosé gestoßen, gut versteckt im letzten Eck. Und er hat mir von Anfang an Freude bereitet, weil eben nicht so wie viele der bisherigen heimischen Rosé in reiner Weißweinstilistik vinifiziert wurde, sondern eben den entsprechenden Kuß vom Roten in sich trägt.

Weingut Fritz, Rose Pinot Noir 2007, Wagram, leuchtendes Lachsrosa, prachtvolle Nase, leicht würzig, die unvermeidliche Himbeere, aber auch Stollwerk (Karamell), schafft am Gaumen den Spagat zwischen runder Saftigkeit und einer prononcierten gute Säurebalance, trinkanimierend mit Volumen, trotzdem schwebend leicht, unkompliziert, macht mir viel Spaß, **/***

Interessant war zu erfahren, daß Josef Fritz so nicht wirklich zufrieden mit der Stilistik des Weins ist. Er hätte lieber einen zarten süßen Zuckerspitz gehabt, aber der Rosé, so meint er, der ist ein "Hund" und gar nicht so einfach zu erzeugen, zumindestens nicht so, wie er ihn ganz gerne haben würde! Bitte nichts ändern - für mich passt's perfekt ;-)

Der zweite Hochgenuß stammt von Nachbarn in Südtirol, vom Weingut Manincor. Michael Graf Goëss-Enzenberg, dessen Familie seit 1662 im Besitz des Hofes ist und dessen Credo "Tradition und Zeitgeist begreifen und neu entwickeln" als Motor ständiger Qualitätsverbesserungen wirksam wird. So auch wie bei diesem prachtvollen Exemplar, welches anschaulich die Möglichkeiten eines Roséweins zum Vorschein bringt.


Manincor, Rosé La Rose de Manincor 2007, Südtirol, die Farbe schon mehr Richtung Pinot Noir als Rosé, anfangs eine prachtvolle Nase mit Duft nach Rosen, danach süße, reife Erdbeeren, eine wundervolle Struktur am Gaumen, seriöser Stoff mit Volumen, braucht den Vergleich mit Weinen provencalischer Art in keinster Weise zu scheuen, feine Balance auf der Zunge, frisch, dabei so wundervoll süffig, saftig, das ist der definitive Sommer-Terassen-Wein für ambitionierte Weinfreunde mit Anspruch, Merlot, Blauburgunder und Cabernet Sauvignon, gewonnen mittels Saignée des Mostes der Spitzenweine des Grafen, die gebrauchten Barriques verleihen diesem Wein die zusätzliche Komplexität, mein neuer Referenzmaßstab, **(*)/***

Mit knapp €12 ist dieser Wein, der mit edlem Vino-Lok-Glasverschluß ausgestattet ist, nicht günstig, aber jeden Cent seines Preises wert! Noch gibt's einige Flaschen von diesem feinen Elixier beim Weinhändler meines Vertrauens, Zugreifen!
Spielt locker in der selben Liga wie meine bisherige Maßstäbe Roc d'Anglade und Château de Roquefort. Erschwinglicher Genuß adeliger Natur für alle Bürgerlichen - ein lautes Bravissimo nach Südtirol!

Hier die bisherigen Rosarot-Stories in der Übersicht..

30. Mai 2009

Weinrätselbilder #3

Puhh - #2 liegt ja schon eine ganze Weile zurück, hier also nun erstmal die Auflösung, bevor es mit Nummer 3 weiter geht.
Also, es handelt sich um die Flascheneinlagen in Holzkisten, wie sie zB. sehr weitverbreitet in Bordeaux zum Einsatz kommen. Aneinandergereiht und mit einem leichten Versatz versehen, ergeben sie ein hübsches Muster. Ob diese Dinger, so wie von Thomas vermutet, wirklich Guillotine genannt werden, kann ich nicht sagen. Das könnte ev. unsere Bloggerkollegein Iris klären. Auf alle Fälle wäre es von der Form her - wenn der zweite Teil oben auf liegt - durchaus vorstellbar. Allein der Gedanke an dieses Exekutionsinstrument ist dem Genuß einer edlen Flasche aber nicht gerade zuträglich, sodaß ich lieber die Runde #3 der Weinrätselbilder eröffne.


Los geht's mit dem heiteren Bilderraten - das aktuelle Bild dürfte für WeinkennerInnen keine allzu große Hürde darstellen!

27. Mai 2009

Weißes Leithabergduett - 2 x Liegenfeld

Andreas Liegenfeld, einer der 14 Leithaberg-Winzer, Mitglied des Donnerskirchner Weinquartetts und Mr. Veltliner des Burgenlands, vinifiziert eine herrliche Weißweinpalette von Urgesteinsböden in Donnerskirchen, direkt am Fuße des Leithagebirges und in Reichweite des Neusiedlersees. Besonders seine Grünen Veltliner vom Leithaberg haben es in sich!
  • Andreas Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2005, Donnerskirchen, Neusiedlersee-Hügelland, grüngelbe Reflexe, schon die Nase verspricht einen saftigen Trinkgenuß, Exotik umschmeichelt den Gaumen, runder Fruchtcharme, Banane, süffige, harmonische Stilistik, angenehmer Wein, die packende Lagencharakteristik entsteht erst am zweiten Tag, da wird der Wein schlanker am Gaumen, gebündelter, wird dafür im Abgang breiter und auch ein wenig drucklos, die Exotik ist im Vordergrund, kandierte Ananas, Zitrus, in einer Blindprobe wäre das für mich (am ehesten) ein Moselriesling und nie und nimmer ein Grüner Veltliner! Am dritten Tag ein kleiner Hänger, am vierten zum letzten Achterl ist der Wein jedoch wieder voll präsent, dazu ein wenig Vanille, hedonistisch rund, bravo, **/***
  • Andreas Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2007, kräftiges Strohgelb, die reife Stilistik des Grünen Veltliners mit seinen Merkmalen deutlich erkennbar, Apfel, gelbe Früchte, Quitte(nkäse), im Mund recht saftig, herzhaft, wirkt im Mund ein wenig glatt, aber recht harmonisch, es muß ja nicht immer die Komplexität als Trinkspaß definiert sein, um an einem Wein Gefallen zu finden, oder? **/***
Beides sehr schöne Weine, wenngleich auch mit unterschiedlicher Stilistik. Der Preis geht mit € 10 für die gebotene Qualität mehr als in Ordnung.
Einen Bezug zum Jahrgang herzustellen will ich nicht wagen. Zum einen war 2005 in Österreich ein "durchwachsener", also teilweise durchaus schwieriger Jahrgang mit kühlem Sommer, aber tollem Herbst und zum anderen gab es 2007 rund um das Leithagebirge die Ernte(menge) dezimierende Hagelschäden und rund um den Neusiedlersee einen extrem heißen Sommer mit Rekordregenmengen im September.

21. Mai 2009

Eine Weninger-Trilogie

Horitschon ist ein guter Ort!

So beginnen die Rücketiketten auf Franz & Martina Weninger's Flaschenweine.
Dem wollen wir doch mal mit 3 aktuellen Blaufränkisch - der Leitsorte des Blaufränkischlands, in dem sich Horitschon befindet - auf den Grund (der Flasche) gehen :-)

  • Weingut Weninger, Blaufränkisch Horitschon 2007, Mittelburgenland, jugendliches Purpur, frische, tiefgründige Fruchtaromen, Kirsch und Brombeer, aber auch leicht röstige Noten, am Gaumen mit straffer Säure gesegnet, das mag sicherlich nicht jeder, ich finde das aber eine sehr erfrischende (und durchaus passende!) Interpretation der Rebsorte, in sich ruhend und balanciert, kaum spürbares, seidiges Tannin, ein Rotwein für Weißweintrinker, *(*)/***

  • Weingut Weninger, Blaufränkisch Kirchholz 2006, Mittelburgenland, jugendliches Purpur, aus einer Anlage mit über 30-jährigem Rebbestand, vorwiegend Lehmböden, spontan vrgoren, sehr fein fruchtige Nase nach Weichseln, dazu weiche Vanilletöne, im Hintergrund dezente schwarze Pfefferaromatik, richtig strömend, sehr pointiert, am Gaumen lebendig, ziemlich straff, eher burgundisch, von der Säure auch in einen gut anhaltenden, fruchtigen Abgang getragen, feine Stilistik, **/***
  • Weingut Weninger, Blaufränkisch Hochäcker 2006, Mittelburgenland, ein Nachbar der Ried Kirchholz, Lehm, Lehm, Lehm! ..., wirkt sehr fokussiert und straff, "weinig", ein wenig Brombeerfrucht und viel Weichsel, dunkel, da ist eine Riechkomponente, welche ich nicht imstande bin zu benennen (was mich ziemlich nervt), die rassige Säurestruktur dominiert den Gaumen, sehr burgundisch obwohl die Kraft und Reife im Wein deutlich erschmeckbar ist. Nach drei Tagen ist er aufgetaut, der Hochäcker, da wird der Gaumen mit Volumen gefüllt, die Gerbstoffe erlebbar, alles wirkt ein wenig zugänglicher, ein toller Wein mit Riesenpotential aus einem sehr guten Jahr, naturgemäß am Anfang seiner Entwicklung - wahrlich - Horitschon ist ein guter Ort! **-**(*)/***
Die neue Stilrichtung des Blaufränkisch ist in diesen Weinen eindeutig zu erkennen. Ein wenig intellektuell vielleicht und für viele Weinfreunde, welche eher dem üppig weichen Fruchttopf zusprechen, wahrscheinlich schwierig. Ich jedenfalls liebe diese Stilistik (and so does Mr. David Schildknecht), weil es mich zwingt, mich dem dem jeweiligen Wein auseinanderzusetzen. Klar, daß es auch Momente gibt, in denen man einfach süffeln möchte, ohne große Schwafelei über die tolle Weinaromatik, aber allzu oft kommt das bei mir nicht vor ;-)
Eine Kaufempfehlung für den Hochäcker und den Kirchholz!

18. Mai 2009

Weinrallye #23 - WeinFrauenPower

Gastgeber ist diesmal Iris vom Weingut Lisson und sie hat sich zum Thema ein längst überfälliges, nämlich "Winzerinnen-Wein" ausgesucht.

Ein älterer, teilweise amüsanter, aber streckenweise auch stereotyper Artikel zum Thema "Winzerinnen (in A)" gibt es im Forum TAW nachzulesen.

(Österreichische) Winzerinnen, die mir spontan einfallen:
Maria Kerschbaum, Judith Beck, Birgit Braunstein, Birgit Eichinger (deren Konterfei hier stellvertretend für alle Winzerinnen abgebildet ist), Silvia Heinrich-Kaynak, Ilse Maier (Geyerhof), Petra Unger, Silvia Prieler, Heidi Schröck, Marion Ebner-Ebenauer, Inga Funke (Graf Hardegg) uvam.
Auch international befinden sich noch die eine oder andere Flasche in meinem Keller, welche die Handschrift von Winzerinnen tragen, so zB. von Eva Clüsserath, Elisabetta Foradori, Elena Walch, Emanuela Stucchi (Badia a Coltibuono), Serena Bonacossi (Capezzana), Barbara Widmer-Kronenberg (Brancaia), Caroll Duval-Leroy, Catherine Maisonneuve, Maria-José López de Heredia, Filipa Pato und Sandra Tavares da Silva aus Portugal.
Viele davon finden sich auch in Rolf Kleins Buch "WEINFRAUEN - Die besten Winzerinnen und ihre Weine" wieder.

Diese Namen sind ja nur die Spitze eines Berges und daher ließe sich die Liste lange weiterführen. Alles Zeugnis dafür, daß Frauen im Weinbusiness längst mit ihren Spitzenprodukten etabliert sind. Auch Weinvereine von Frauen fallen mir zwei ein, die schwarzen Katzen und natürlich jener der 11 Frauen und ihrer Weine!

Auch wenn ich persönlich niemals aktiv zwischen Wein aus Frauen- oder Männerhand unterschieden habe und schon gar nicht der Ansicht bin, daß sich anhand der Weinstilistik das Gender eruieren läßt, so kann ich doch für mich festhalten, daß es sich mit Winzerinnen oftmals leichter, weil nicht immer tierisch ernst, über den Wein fachsimplen läßt. Auf die Fachkompetenz habe ich dabei aber noch nie verzichten müssen. Diese ist ohnehin anhand des für die Konsumenten einzig überzeugenden Merkmals - der Produktqualität - leicht nachvollziehbar.

Und zum Thema "Sex sells" - und das gilt natürlich auch für Wein - fällt mir immer zuerst ein sonnengebräunter Hühne aus Jois ein - und keine Frau ;-)

Eigentlich wollte ich ja einen Wein der Carnuntumer Winzerin Birgit Wiederstein vorstellen, doch da ich von dieser nur Rotweine besitze und es mich zur Spargelzeit gerade nach Weißburgunder gelüstet - einer so unterschätzten und derzeit etwas vergessenen Rebsorte - habe ich kurzerhand umdisponiert.

Und so gibt's statt dessen einen wundervollen Weißen von einer meiner Lieblingsregionen, dem Leithaberg.
Passend zur Weinrallye zeichnete das Weinmagazin falstaff die Familie Prieler zum "Winzer des Jahres" aus und damit auch die promovierte Mikrobiologin Silvia Prieler - Gratulation!

Kleiner Auszug aus der Homepage der Familie Prieler:
"Das Leithagebirge, von den Einheimischen „Leithaberg“ genannt, ist der letzte Ausläufer der Alpen vor ihrem Übergang in die pannonische Tiefebene. Etwa 400 Meter hoch, 5-7 Kilometer breit und 35 Kilometer lang zieht sich das Massiv von Nordost nach Südwest. Es stellt also ein sehr eigenständiges Terroir dar, dessen Besonderheiten herauszuarbeiten, eine Gruppe von 15 Winzern sich zum Ziel gesetzt hat. Der Boden des Leithabergs ist geprägt vom Schiefer und Muschelkalk. Daraus ergeben sich Weine, die nicht üppig und mächtig sind, sondern mineralisch-geprägt, tiefgründig, engmaschig und spannungsgeladen."


Weingut Prieler, Leithaberg Weiß(burgunder) 2006, Neusiedlersee-Hügelland, klares Strohgelb, bereits die Nase ist herrlich straff, keine der bei Weißburgunder oftmals so typischen Aromen wie Haselnuß, Brioche, Biskuitt, Brot oder aber auch Nuß sind anzutreffen, dagegen herrscht eine gebündelte Mineralik, wie ich nicht viele Weine in dieser Art kenne, hell, klar und vibrierend, Apfel, Noten von sauren Drops, Würze, im Mund setzt sich diese Stilistik dann fort, wirkt wiederum fokussiert am Gaumen, mittelgewichtiger, straffer und engmaschiger, leicht salziger Ausklang, aber nicht ohne Spiel und feine Fruchtsüsse, prachtvolle Säurestruktur, ein toller Wein, die Rebsorte Weißburgunder als perfekte Botschafterin des Leithaberg-Terroirs mit Lagencharakter, **(*)/***

Bildquellennachweis: Homepage Eichinger

17. Mai 2009

TYA 1999 (3)

Dritter Teil der Serie Ten Years After..
  • Abadal 3.9 Reserva 1999, DO Plá de Bages, Spanien, ein Cuvée aus mehrheitlich Cabernet Sauvignon mit Syrah auf kalkhaltigem Boden, aus einer 1898 gegründeten Bodega, die sich immer noch in Familienbesitz befindet, dunkler Kern aber mit greiftem Rand, wirkt vordergründig etwas oxydativ, dahinter aber pures Cassis, Eukalyptus, Minze & Menthol, gibt sich offen und breit, wiederum etwas Rumtopf, kräuterwürzig, gut zu trinken, feine Gerbstoffe im doch erstaunlich langem Abgang, bietet eine gewisse Komplexität, der leicht gereifte Zustand des Weins stört (mich) nicht und hält sich über die Tage konstant, angenehmer Speisenbegleiter, *(*)-**/***
  • San Giusto a Rentennano, Chianti Classico Riserva 1999, Toskana, leicht gereifte Farbe, nicht allzu üppige Aromatik, die Frucht läßt sich bitten, erstmals regieren die Gerbstoffe, leichte Adstringenz, nach einer Stunde im Dekanter öffnet sich der Wein und mit ihm kommt der Fruchtcharme, ordentliche Balance, die wuchtigen 14.5 % Vol. sind gut integriert, in Summe trotzdem nicht mehr als guter Durchschnitt, *-*(*)/***
Die 99er Bordeaux warten auch schon auf ihre Chance..

15. Mai 2009

In Liebe mit drei Fünfjährigen..

..Weißen der Rebsorte Sauvignon Blanc. Ein kleiner Dreierflight von fünfjährigen Weinen, der seinen Ursprung im Lagenwein vom Kranachberg nahm und in mir einfach die Neugier nach weiteren Vertretern dieser aromatischen Sorte aus gleichem Jahrgang weckte!
Notizen in der Reihenfolge der Verkostung:
  • Weingut Peter Skoff, Domäne Kranachberg, Sauvignon Blanc Kranachberg 2004, Südsteiermark, feines Goldgelb, üppigste Johannisbergaromen, die pure Frucht im Glas, läßt einen sanften Riesen am Gaumen erwarten, anfangs cremig weich, üppig und hedonistisch, schöne Balance, gute Säurebalance, ein aromatischer Schmeichler, das alleine wäre schon ein wundervoller Wein, doch halt, dieser herrliche Stoff offenbart seine Talente erst nach zwei weiteren Stunden, rote Paprikawürze, da lauert eine packende Mineralität im Hintergrund, die dann auch das Kommando übernimmt, der Gaumen wird schlanker, fokussierter, die mineralischen Komponenten haben die vordergründige Frucht verdrängt, packend, vibrierend steht der Wein in Glas, paprizierend im Abgang, alles immer aus einem Guß, das ist Ausnahmestoff vom Feinsten, in einer mehr als wohlfeilen Preisklasse, leider meine letzte Flasche und daher ein Trauertag ;-) trotz Höchstpunktezahl, Danke Familie Skoff! ***/***
  • Weingut Peter Skoff, Sauvignon Blanc Classic 2004, Südsteiermark, schönes Strohgelb, die Nase nicht eindeutig, etwas undifferenziert, mal eine Spur Cassis, dann etwas Brennessel, dann wiederum roter Paprika, fast scheint es, als spielen die Aromen mit einem Katz' und Maus, mal sind sie da, um im nächsten Moment schon wieder weg zu sein, am Gaumen rund, weich, saftig, das gleiche Aromatische Versteckenspiel, im Abgang lebendig, eine feine Säure, aber nicht ganz harmonisch, alles in allem etwas rustikal, ohne Schliff, aber immer mit Charme,*(*)/***
  • Weingut Römerhof, Fam. Kollwentz, Sauvignon Blanc Steinmühle 2004, Neusiedlersee-Hügelland, das war wieder einmal jene Flaschen, die beim Öffnen dem Alptraum eines Weinkellners entsprechen, da der ziemlich lange Kork völlig ausgetrocknet war und ca. nach 4/5 Länge beim Rausziehen abriß. Zudem war der Korken extrem porös, sodaß nach dem ersten und einzigen Versuch, den Korken noch mit Hilfe des
    langen Screwpulls zu heben, nur noch "der Weg nach unter" übrig blieb. Mit all den Folgen der "Korkbröselverseuchung" im Wein.
    Was ich dann aber nach Stunden der Reinigung im Glas hatte, entschädigte tausendfach für die Mühen. Intensives, kräftiges Strohgelb, ein umwerfendes aromatisches Bukett, fokussierte Nase, geprägt vom Quarzschotter und Feuersteinboden, Maracuja, straff am Gaumen mit rassigem, prononciertem Säuregerüst, erst am dritten Tag strahlte der Wein in seiner vollen Pracht und reüssierte mit einer tollen weißen Holleraromatik, am Gaumen Volumen mit süßem Fruchtschmelz zeigend, pointiert, blitzsauberer Abgang, dann wieder dieses expressive Maracuja, das mich an ein Produkt aus meiner Kindheit erinnert - damals noch in einer sexy geformten Glas-Pfandflasche und nicht in der Trendverpackung(?!) PET-Einweg - wirkt aus einem Guß, ein Paradeexemplar, besser kann Sauvignon nicht sein, kann locker mit den besten internationalen Vertretern aus dieser Rebsorte mithalten, ***/***
Die Steinmühle erwies sich zudem als kongenialer Partner zu einer frischen italienischen Salami, der den dezenten, mild weichen Eigengeschmack der Wurst auf's Köstlichste zu begleiten wußte.
Summa sumarum so aber rein gar nichts mit Katzenpisse..

10. Mai 2009

Too Young to Die! - Die Problematik der Jungweinverkostung beim Weinfrühling Linz

Fixpunkt im Linzer Weinjahresablauf ist der Weinfrühling & (Herbst) im stilvollen Ambiente des Palais Kaufmännischer Verein Ende April.

Wen es interessiert, einführend ein paar Worte zum nicht ganz einfachen österreichischen o8er Weinjahr aus der vinaria-Presse.

Als untypischer österreichischer (Weiß-)Weinkonsument - also einer, der einem Teil seiner Weine auch die notwendige Reifezeit zur Entfaltung des Potentials ermöglicht - hat sich bei dieser Jungweinverkostung wieder einmal die Diskrepanz zwischen Wollen und Tun gezeigt.
Einmal mehr präsentierten sich der Großteil der Lagenweine - entweder gerade gefüllt oder noch als Faßproben - als schwierig beurteilbar, weil verschlossen, verkapselt und unbalanciert. Und ohne Frucht und ohne Charme eben kein Tringvergnügen!
Natürlich haben diese Weine allesamt Potential, nur gleicht eine seriöse Einschätzung dieser einem Lesen im Weinstein. Höre ich da nicht wieder die Stimmen der Professionellen, daß alles eben nur eine Frage der Erfahrung sei?
In Diskussionen mit den jeweiligen Vertretern der anwesenden Weingüter gab's zum Statement der derzeit schwierigen Beurteilung (für die nicht immer erfahrenen) Konsumenten fast ausnahmslos Zustimmung: "..ein Riese, aber gerade erst gefüllt..", "..wird erst im Herbst das wahre Potential offenlegen..", "..viel zu jung.." usw.

Warum - so frage ich (mich) dann - werden die Weine denn schon präsentiert? Wenn ich die Winzer dazu ermutige, die Konsumenten auch zur Einhaltung der Reifezeit zu "erziehen", stoße ich meistens auf ablehnende Argumente wie "..das geht nicht..", "..die wollen immer alles sofort..", "..wenn ich die Weine nicht habe, kaufen sie woanders..", "..haben wir immer so gemacht..", usw. Womit das eingangs erwähnte Volk der Jungwein-Trinker manifestiert ist!

Klar gibt's Schwierigkeiten, den Lagenwein im Herbst zu verkaufen, wenn viele bereits nervös auf das Erscheinen des neuen Jahrgangs zB. in Form des steirischen Junkers warten. Aber mal ehrlich - die entweder / oder Weintrinker sind erstens ohnehin nicht das richtige Zielpublikum für Lagenweine, zweitens kann man Äpfel (Jungwein) nicht mit Birnen (Lagenwein) vergleichen und drittens sind die Lagenweine zumeist quantitätsmäßig im Weinangebot nicht für das Überleben der Betriebe zuständig, viel eher für das Renommée.
Warum soll ein Winzer seine Qualitätsanstrengungen, welche einen Wein zu dem machen, was er ist, durch die Wahl eines falschen Präsentationszeitpunkts (subjektiv) mindern - meines Erachtens völlig unverständlich, warum jemand das freiwillig tun sollte.

Dabei ist die Lösung, welche beide Parteien zufriedenstellt, ganz einfach zu realisieren. Einfach durch den direkten Vergleich zum Vorgängerjahrgang. Der muß einfach ermöglicht werden. Dann gibt's die Aha-Erlebnisse zu mehr Frucht, zu einer reiferen Aromatik, zu harmonischerem Trinkvergnügen, zu mehr Balance und Tiefe im Gesamtbild.
Das alles natürlich nur dann - und hier beginnt das Spiel leider von vorne - wenn noch einige Flaschen des Vorgängerjahrgangs verfügbar sind. Was wiederum bedingt, daß nicht alle Flaschen im Frühling an die Ungeduldigen verscherbelt werden, was wiederum bedingt, daß die Weinfreunde sich erstmals am in Ruhe entwickelten Vorjahreswein genüßlich erquicken, was wiederum bedingt, daß die Winzer die Konsumenten.......... und-so-fort!

Wenden wir uns den einfacheren Dingen zu - im Groben meine Erkenntnisse des diesjährigen Weinfrühlings:
  • wie bereits erwähnt, viele zu junge Weine,
  • welche dann oftmals auch noch bis zur Schmerzgrenze eiskalt auf "Eiswein-Temperatur" runtergekühlt ausgeschenkt wurden.
  • Die Rieslinge zeigten sich im Vergleich zu den Grünen Veltlinern bereits zugänglicher, mit ausgeprägterer Fruchtaromatik - was natürlich auch an der Rebsorte selbst liegt - dafür aber mit (geschmacklich empfundenen) Säurewerten an der Grenze des Harmonischen. Analytisch liegen die Werte lt. Auskunft einiger Winzer "nur" 0.2 -0.5 g/l über den Werten des 2007er Jahrgangs, welcher in meinem Empfinden bereits ein typisch resch-österreichischer Jahrgang war. Genau mit diesem Argument wird aber der "Säureschiefstand" gerechtfertigt.
Positives zu berichten gab's von Josef Fritz, der eine tolle Serie hinlegte, angefangen von beiden Roten Veltlinern Wagramterassen 2008 und Steinberg 2007, wuchtige, druckvolle und aromatische Weine, über die Grünen Veltliner Schafberg mit vom Löß geprägten feinen Aromatik und Himmelreich 2008, voll, dicht, Tabak, salziges(!) Finish zu den beiden klasse Traminern Trausatz 2008, duftig, blitzsauber und eine Konkurrenz zur Südoststeiermark sowie der barriquegeprägten Grande Reserve Trausatz 2007, ein Wein für die nächste Dekade. Auch der faßgelagterte Chardonnay Grande Reserve 2007 vom Steinberg ein strömender, balancierter Hedonistentraum für die nächsten 10 Jahre - Bravo!

Wie immer ein guter Tipp ist der Sauvignon Blanc Wahre Werte von der Riede Sandgrube, Weingut Weixelbaum in Strass, Cassis pur, süß-süffig, intensiv, mit gutem Säure-Fruchtdialog, ebenso die Peter Skoff'schen Sauvignon Blancs vom Kranachberg in der Südsteiermark, paprika, grasig, eher schlank, aber fein balanciert, die holzgeschulterte Reserve 2007, druckvoll, die Frucht noch etwas maskiert, ein Sommerhit auch der duftig aromatische und trinkanimierende Gemischte Satz 2008.
Feiner Sauvignon Blanc Fohrhof Collection auch von der Kellerei Kurtatsch in Südtirol, grasig mit viel Bennesselaromatik, fein fokussiert, auch der Weißburgunder Hofstatt, ein Bilderbuch-Spargelwein!

Wine of the Show
war ein Grüner Veltliner Käferberg 1998 von Bründlmayer, dargeboten wie immer von meinem Schulkollegen und nunmehrigen Produktmanager vom Weinmagazin wein.pur, Oliver Krainz, wirkt absolut jugendlich, steht prachtvoll offen im Glas, sehr mineralisch, Tabak, im Mund voll der Würze, leicht salzig, endlos langer Abgang - wauoah - Danke Oliver, danke wein.pur!

05. Mai 2009

Kleiner Rieslingwettstreit (1)

Die ersten Frühlingstemperaturen lassen mich im Keller nach leichteren Weißweinen Ausschau halten, sodaß sich im Laufe der letzten Wochen ein paar Rieslingexemplare ansammelten. Wie immer sequentiell und nicht parallel verkostet!
  • Prinz von Hessen, Riesling 2007, Rheingau, blaßgelb, sehr frische Nase, (eine in deisem Segment der leichten Weine bekannte) dominante Zitrusaromatik, am Gaumen hätte ich mir einen schlanken Wein erwartet mit rassiger Säure, bekommen habe ich einen vollmundigen, reifen Körper, welcher im Hinterrgrund bereits mit deutlich wahrnehmbaren Petroltönen behaftet ist, im Abgang wiederum viel Zitrus.
    Eine sehr eigenartige Stilistik, noch nie hatte ich einen derart voluminösen Wein mit nur 11.5 Vol% im Glas, entspricht in dieser Gewichtsklasse nicht ganz meinem Verständnis von Balance und Harmonie, (*)/***
  • Reichsrat von Buhl, Riesling 2007, Pfalz, feine mineralische Note, keine überbordenende Primärfrucht, zarte Steinobstnoten, schlanke Struktur, feinbalancierte Säure, harmonisch, im Abgang begleitet ein zartes Bitterl den schönen Zitrushall, gelungener, vor allem trinkfreudiger Alltagswein auf guten Niveau, nettes Etikett! *(*)/***
  • Peter Jakob Kühn, Rheingau (Guts)Riesling 2007 (0,7l), helles Stroh, eigenartige Nase, dann eher die Aromatik nach Sauvignon Blanc, hat (für mich) so gar nichts von einem Riesling, erstaunlich viel Volumen und eine gute Mundfülle für die 11 % Vol., von der auf der Homepage beworbenen vibrierenden Klarheit habe ich nichts bemerkt, wirkt ab Tag 2 noch undifferenzierter, breit, fast mostig, ohne jeglichen Trinkspaß, rätselhaft? Fand sein Ende in einer (Terlaner) Weinsuppe! oW.
  • Maglock-Nagel, Riesling Gaisberg 2006, Kremstal, Strohgelb, viel Zitrusfrucht und Exotik, Ananas, schon die Nase macht Appetit auf einen Schluck, rollt einfach nur saftig über die Zunge, rund, cremig, breit, aber auch mit der richtigen, trinkanimierenden Säureportion den Gaumen hinab, durch und durch balancierter, süffiger, zutiefst hedonistischer Wein, der zwar in meinen Augen nichts (mehr) Rieslingspezifisches aufzuweisen hat, aber dafür umso mehr Spaß mit unkompliziertem Trinkvergnügen bereitet, *(*)-**/***
  • Walter Buchegger, Riesling Tiefenthal 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, anfangs undifferenziert, Gemüsenoten, wirkt breit am Gaumen, erst am nächsten Tag offenbart sich das volle Potential dieses Weines, pure Mineralik, Gesteinsmehl, reife gelbe Früchte, im Dialog mit etwas Parfum, dann prachtvolle Marille, wirkt kompakt, aber offen, hat eine feste innere Spannung, süße Frucht, voll, ja fast ausladend und barock, mit feiner, harmonischen Säure ausklingend, wiederum Marille im Abgang, ein Prachtexemplar heimischer Rieslingkunst, hat seinen initialen Eindruck mehr als bestätigt, **(*)/***
  • Domäne Wachau, Riesling Federspiel Terrassen 2007, Wachau, manchmal reicht der erste Schluck nicht aus, um einen Wein zu einschätzen zu können, manchmal reicht aber bereits der erste Schluck, um sich in einen Wein zu verlieben oder aber - wie in diesem Fall - den Wein einfach nur mäßig zu finden. Selbst wenn er noch zulegen würde, dieser Aromatik, dieser Stilistik werde ich niemals Sympathie entgegenbringen,
    kein vibrirendes Spiel - und das braucht ein Wein der Federspiel-Klasse nunmal - hat außer viel Zitrus nichts für meinen Riechkolben zu bieten, am Gaumen .. ein Säuerling erster Güte, macht mich K.O. und daher o.W. ;-)
..to be continued..

04. Mai 2009

Wein - Notwendigkeit des Lebens!

David Schildknecht ist Robert Parker's Mann ua. für österreichischen Wein. Seine Fähigkeiten manifestieren sich für mich auch in seiner geschliffen und subtilen Art und Weise, seine Gedanken in Worte zu kleiden. Daß David Schildknecht nebenbei auch noch ein Weinbild pflegt, daß mir entgegenkommt bzw. auch meinen Weinverständnis entspricht - Stichwort burgundischer Blaufränkisch - kann anhand seiner jüngst publizierten Bewertungen (in englisch) zu den heimischen Weinen hier nur positiv angemerkt werden, die erstmals 95 Punkte für Rotwein "made in Austria" brachten.

David Schildknecht's Glosse im heimischen Weinmagazin vinaria lese ich stets mit großem Interesse. Sein letzter diesbezügler Beitrag mit dem Titel "Wein - eine Notwendigkeit des Lebens" nimmt Bezug zur aktuellen wirtschaftlichen Situation und spricht mir bzgl. dem Mysterium Wein im Kontekt meines täglichen Lebens mit Wein direkt aus der Seele.
15 Minuten des genußvollen Reflektierens - natürlich mit einem Glas voll des Wunderstoffs - was braucht der Genießer mehr?

03. Mai 2009

Bordeaux 2006

"Bordeaux - Das Prinzip Hoffnung", ein bereits älterer, aber auch tlw. recht amüsant zu lesender Thread in Talk-About-Wine-Forum, der sich mit dem richtigen Trinkzeitpunkt der doch oftmals sehr kapriziösen (klassifizierten) Gewächsen des Bordelais beschäftigt. Langer Artikel - kurzes Konklusio:

Keine Flasche wird jemals wieder so gut wie in der Fruchtphase!

Da will ich doch gleich mal die Qualitäten meiner subskribierten 2006er-Weine austesten, von denen einige bereits seit Oktober
(!) des Vorjahres in meinem Keller schlummern - der am frühsten ausgelieferte Jahrgang, an den ich mich erinnern kann.
Ohnehin kein leichtes Spiel für die Weine nach dem Jahrhunderjahrgang 2005. Wetterkapriolen, eine überteuerte Subskriptionskampagne im Jahr Eins nach 2005 und totz allgemeiner Einschätzung eines mittelmäßigen Jahrgangs recht hohe Parker-Punkte.
Aber gerade in schwierigen Jahrgängen trennt sich die Spreu vom Weizen, beweist sich die Klasse der Winzer und wirklich schlechten Wein gibt es dank der Fortschritte der Önologie auch in kleinen Jahrgängen nicht mehr, oder?
Seit dem 2004-Jahrgang habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, nach Erhalt der Lieferung - und einer angemessenenen Ruhephase nach dem Transport - sofort eine Flasche je Château dem unmittelbaren Genuß zuzuführen - und meistens auch ohne Reue! Also, ab an die Flaschen.. .

Vignobles Dourthe, Ch
âteau Belgrave 2006, Cinquième Grand Cru Classé, Haut-Medoc
Dunkler Kern mit violettem Rand, kühle Aromatik, wundervolle Röstnoten, Edelhölzer, dahinter rote Fruchtnoten, balsamische Noten, Teer, balanciert und mittelgewichtig am Gaumen, sehr konzentriert, trinkfreudig durch eine präsentes Säurerückrat und einer reifen Tanninstruktur, feiner, harmonischer Abgang, die 18 Punkte von Gabriel sind nicht überzogen, hat doch das Weingut seit Jahren ein sehr beständige Qualität anzubieten, bravo, durch & durch eine Empfehlung mit sehr gutem Preis- / Genußverhältnis **(*)/***

Château La Serre, St. Emilion Grand Cru
Mitteldichtes Purpur, verhaltene Nase, am ehesten noch Richtung roten Beeren, mittelgewichtig am Gaumen, aber mit feinen Gerbstoffen, balanciert, hat durchaus Charme, ein "gastronomischer" Stil, zartherbes Bitterl, mittellang im Abgang, wird schon bald mit Genuß gut zu genießen sein, am zweiten Tag dann eine hochfeine Nase, rootbeerige Frucht, dahinter welke Teeblätter, Rosenblüten, am Gaumen sehr feinziseliert, Noblesse zeigend, seidig, aber eher kurz und das Tannin präsent, unkompliziertes Trinkvergnügen vom rechten Ufer, *(*)/***

Château Moulin Haut Laroque, Fronsac

Purpur mit tiefschwarzem Kern, offeriert eine vielschichtige Nase, komplexer Aromamix aus roten Beeren, Würze, weißem Pfeffer, Milchschokolade, ein wenig Minze, am Gaumen mittelgewichtig, zeigt wenig Fruchtsüsse, dafür eine kräftige, reife Gerbstoffstruktur, anfangs sehr herb, ja richtiggehend bitter, aber im Finish und Nachgeschmack ganz harmonisch, macht eigentlich vieles richtig und trotzdem hab' ich nach einem Glas genug, hat sicherlich gutes Lagerpotential, derzeit nur *(*)/***

Château Charmail, Haut-Médoc

Charmail, für mich seit 1997 annähernd jedes Jahr immer ein reeller Weinwert - auch preislich - entäuschte nie und ist daher einer jener Weine, die ich auch blind kaufe.

Helles Purpur, sehr verhaltene Nase, ein wenig rotbeerige Frucht, leicht würzige Note, stimmig, am Gaumen eher schlank, dann
genau wie Moulin Haut Laroque spröde Gerbstoffe, die hart und bitter im Abgang wirken, dazu gesellt sich ein unharmonischer Bitterton!
Wurde hier vielleicht der Concentrateur über Gebühr strapaziert? Für eine Cuvée mit dominierendem Merlotanteil nicht wirklich statthaft, die Gesamtharmonie des Weins leidet unter dieser Stilistik, im derzeitigen Zustand würde ich diesen Wein so nicht weiterempfehlen
, schade, oW.
Die Verkostungsnotiz des WeinWissers bei Pinard de Picard kann ich nicht nachvollziehen!

Château Phélan Ségur, St. Estèphe

Nach den bisherigen Up- & Downs der 06er-Flaschen erwarte ich von diesem Wein eine solide Leistung. Die vorherigen Jahrgänge jedenfalls waren ein Garant für eine erstklassige - vor allem subtile! - Qualität. Genau deshalb ist der Phélan-Ségur einer meiner Lieblingsweine.. .

Rubingranat, zarter Wasserrand, eine verführerische Nase mit feinen Röstnoten, Kaffelikör, mitelgewichtig mit einer schönen Dichte
am Gaumen, feine Gerbstoffstruktur, alles im Lot, und sauber, ohne Ecken und Kanten vinifiiert, ein solider Wein, zwar noch ohne Charme, dafür aber kein grünes Konzentrat an Bitterstoffen.
Tag 2 offenbart eine herbe Kräuterwürze im Glas, fleischig feste Stilistik im Mund, volle Struktur mit einigem an Fruchtcharme, wirkt reif, die Tannine nocht etwas ruppig, zeigt
aber ebenso ein (geschmacklich vertretbares) zart-herbes Bitterl im Abgang, kann qualitativ (im Kontext des Jahrgangs) gut an seine Vorgänger anschließen, hat Potential und ist daher für mich wiederum eine 06er-Empfehlung wert! **/***

Also Licht und Schatten eng zusammen - und wie immer alles nur eine Momentaufnahme!

Bildquellennachweis: c & d

01. Mai 2009

Aprilweinliste

  • Domaine Reuilly, Sauvignon Blanc Reuilly 2006, Loire, kräftiges Strohgelb, sehr offene Nase, leicht paprizierend, weit, sehr cremig, saftig, ja richtiggehend hedonistisch am Gaumen, aber ohne jemals die Balance zu verlieren, harmonische Säure, läßt durchaus eine Sortentypizität erkennen, wenngleich auch eine viel rundere Sauvignon-Stilistik als die messerscharfen sterischen Vetreter, so macht's Spaß, die vielen Seiten dieser faszinierenden Aromasorte zu erkunden, *(*)/***
  • Buitenverwachting, Sauvignon Blanc 2007, Südafrika, blasses Strohgelb, grasiger Typus, Stachelbeere, ein wenig Zitrus, am Gaumen mittelgewichtig, etwas verwässert und mit fehlender Druck, harmonisch, knochentrocken und daher für einen Aperitifschluck gut, lässt aber die oftmals messerscharfe Kontur und expressive Aromatik eines Südafrikaners vermissen, */***
  • Gilles Bonnefoy, La Côte Roussie 2005, Roussanne sur Volcan, Loire, aus der wohl (in unseren Breiten) unbekannten Rebsorte Roussanne keltert Gil Bonnefoy eine Köstlichkeit auf vulkanischem Boden, kräftiges Gold im Glas, zuerst verspielte Aromatik, dann Blütenaromen, Parfum, Steinobst, eine bekömmliche Struktur, ja fast Milde zeichnet diesen Wein aus, aber keine Laschheit, im Gegenteil, mit einer inneren Spannung, wie ich sie von einigen anderen Bioweingütern wie zB. Meinklang ebenso kenne, mit einer hochfeinen Mineralik samt harmonischen Säurestruktur ist dieses Exemplar eine Wonne und ein hervorragender Speisenbegeleiter, die fast barocke Gaumenfülle findet ihren Ausklang in einem ziemlich trocken Abgang, **/***
  • Weingut Nigl, Gelber Muskateller 2008, Kremstal, ein hellgelbes michiges Weiß, klare traubige Frucht in Einklang mit Zitrusaromatik, am Gaumen schlank, fokussiert und - wie es sich für einen Aperitif-Muskateller gehört - knochentrocken, ein sauberer Terassen-Apetit-Anreger, */***

20. April 2009

Stelvin ohne Fehl & Tadel?

Durchdrehen war ja schon des öfteren mal bei mit Stelvin verschlossenen Flaschen.
Aber ein Aufdrehen des gesamten Stelvins ohne Beschädigung ist mir neu - wirkt fast wie ein überdimensioniertes Alkohol-Verhüterli ;-)
Das waren wohl die ersten Versuche mit dem alternativen Flaschenverschluß bei diesem renommiertem Weingut mit nicht ganz perfekt eingestellten Maschinen.

Tenuta Cappezzana, Chardonnay Bianco di Toscana 2006, Toskana, Goldgelb im Glas, prachtvoll greifte Aromatik, anfangs Wachs, Propolis (Honig), Blütenaromatik, weckt eher Assoziationen an einen guten Chenin Blanc (das gibt's ja öfters, zB. Grüner Veltliner als Sauvignon Blanc, ..) im Hintergrund "helle" Exotik, macht Lust auf den ersten Schluck, voller Kraft am Gaumen, viel Extrakt, dabei schön harmonisch, einmal mehr ein Hedonistenwein aus dem Bilderbuch und ein erneutes Beispiel, wie fein integriert 14 % Vol. sein können, eine echte Überraschung, wenngleich in dieser Verfassung auch niemals sortentypisch! Wer reifen Chenin Blanc liebt, dem empfehle ich diese Flasche!
Erst am zweiten Tag offenbart sich dann eine klarere Stilistik, welche der Stilistik der Rebsorte Chardonnay schon eher gerecht wird.. , Schnäppchenpreis € 7, leider beteits ausverkauft :-( - schade **/***

14. April 2009

Weinrallye #22 - Regionales

Die Weinrallye #22 ist wieder einmal bei ihrem Initiator Thomas vom Winzerblog angelangt und hat widmet sich den "Regionale Spezialitäten".

"Es ist alles erlaubt, Bier, Wasser, Schnaps, Tee, Kaffee oder Limo, völlig egal was, Hauptsache es ist flüssig, trinkbar und wurde in eurer Region produziert. Selbst Milch ist dieses Mal erlaubt, wenn ihr sie denn als eine Regionale Spezialität bezeichnen würdet."

Lieber Thomas,
im Kontext des Slow Food ein Thema zu wählen, das ist gewiß sehr interessant, besonders für die unzähligen Food-Blogger. Zu Milch und Limo habe ich aber im Kontext einer *Wein*rallye nur sehr bescheidene Assoziationen! Aber ich freue mich natürlich schon auf die anderen kreativen Beiträge..

Also, ich habe mein Statement kundgetan und dabei wollen wir es auch belassen. Ich bin da vielleicht ein wenig zu weinpuristisch unterwegs, aber Tee, Kaffee oder Limo haben meiner Meinung nach in einem Weinblog nunmal nichts verloren - Bier und Schnaps eigentlich detto.
Andererseits lockert ein alternatives Thema zwischendurch vielleicht die Rallye ein wenig auf, schlägt ein paar Brücken zu anderen Bloggebieten und man bekommt hernach wieder richtig Biß für ein ordentliches Wein-Thema.
Ohnehin scheint's manchmal etwas Off-Topic bei den Blogs zuzugehen, warum auch nicht. Solange Winzer Twitter-Anleitungen (2) verfassen, kann Milch auch durchaus in WeinBlogs eine (Haupt?)Rolle spielen!

Glücklicherweise bin ich in der Lage, meinem eigenen Blogcredo Wein treu bleiben zu können und ein regionales Produkt mit zumindestens teilweisem Bezug zum Wein vorstellen zu können!

Traditionell sind weite Teile meiner Heimatregion - dem Öberösterreichischen Zentralraum - getränkemäßig ganz eindeutig dem Bier zugeneigt. Das Innviertel besitzt heute - durch die Historie und der Nähe zu Bayern bedingt - unzählige Brauereien und auch das nördlich gelegene Mühlviertel ist seit einigen Jahren als Hopfenlieferant für Österreichs Premiumbiere gut im Geschäft.
Das war nicht immer so, denn auch Weinanbau wurde in Öberösterreich betrieben - sogar im großem Stil. Insbesonders entlang der Donau - ua. im klimatisch begünstigten Aschach, das in seinem Stadtwappen Weinreben trägt - betrieben bereits die Römer Weinbau. Die kleine Eiszeit ein paar Jahrhunderte später sorgte jedoch dafür, daß Mitte des 18. Jhdts die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus in dieser Region zum Erliegen kam. Zudem gab es in Form von Most, Branntwein und eben auch dem Bier genügend Alternativen an anderen alkoholischen Getränken. Die steuerliche Begünstigung von Bier und Neuzüchtung von widerstandsfähigen Obstsorten für den Apfel und Birnenmost tat ihr übriges zur Verdrängung des Weinbaus aus Oberösterreich.
(Quellenangabe: OÖ-Geschichte)

Most (1|2|3) erfreut sich auch heute noch in allen Varianten (mild - resch - süß) großer Beliebtheit - davon legt auch die liebevolle Bezeichnung "Mostschädln" als Synonym für die Oberösterreicher Zeugnis ab.

So möchte ich für diese Rallye einen (in Form von externer Zusetzung von Kohlensäure als "Frizzante" veredelten) Apfelmostes aus einer heimischen Apfelsorte vorstellen, der nochdazu auch als regionaler Getränkebotschafter der Linzer Kulturhauptstadt 2009 ausgewählt wurde.

Wilfried Hirschvogel (2), Der Brünnerling, ein mit süßem Apfelmost und Zugabe von Kohlensäure versehener Cidre, appetitliche vom Most getragene Nase - eben aus natürlich regional heimischen Apfelsorte Brünnerling (2) - sehr sauber und strömend, zeigt auch am Gaumen hervorragende Balance, wirkt rund, cremig, samtweich im Abgang, dabei immer der Mostgeschmack präsent, durch die präsente Kohlenssäure wirkt der Apfelwein lebendig, sehr süffig zu trinken, ein hervorragender Terrassenspaß zu den bei uns derzeit vorherrschenden Sommertemperaturen von 25°C, welcher nochdazu mit seinen luftigen 3.5 % Vol. auch ohne Reue als Durstlöscher in größeren Mengen genossen werden kann, *(*)/***

Wer sich für weitere regionale Spezialitäten aus Oberösterreichisch interessiert, dem darf ich das gut gemachte Portal Genussland Oberösterreich empfehlen - viel Spaß beim Entdecken!

(Bildquellennachweis des kleinen 0.2l Brünnerlings: genussbox)

11. April 2009

TYA 1999 (2)

Für diese Art des "Ten-Years-After-Wettstreits" - der ja eigentlich gar keiner ist - habe ich mich ganz bewußt gegen eine länderspezifische Zusammenfassung entschieden. Und auch gleich gegen einen direkten Vergleich der Weine. Warum?
Um 10 Jahre als Wein gut durchzustehen, da braucht es schon gewisser Anlagen hinsichtlich Qualität. Jeder Wein soll diese also mitsamt seinen Eigenheiten, Ecken und Kanten - soferne noch vorhanden - voll in einem Solo auspielen können. Soll sein Steherqualitäten beweisen und bekommt genügend Zeit zu Scheinen. Gut Ding braucht zuweilen eben Zeit. Und diese Zeit sollen nicht nur die Weine haben - Zeit, sich zu öffnen. Nein diese Zeit nehme auch ich mir ganz bewusst - auch als Wertschätzung gegenüber den Produzenten dieser Tropfen. Nicht nur bei den 10-jährigen Weinen, nein, auch bei jungen Weine, nehme ich mir in diesem Blog meistens länger Zeit für einen Wein als allgemein üblich im Weinjournalismus - zumindestens 3 Tage. Wie oft schon hat mich ein Wein oftmals mit (s)einer vielfältigen Entwicklung und Verwandlung überrascht! Zeit auch, die innerlich "entschleunigt". Es reicht eben vollkommen, sein Publikum im zweiten oder dritten Akt zu verzaubern. Im ersten muß nur ein Spannungsbogen etabliert werden - eine Spur für ein verdichtetes Finale gelegt werden. Schade für jene, welche in der ersten Pause entäuscht das (Schau)Spiel schon verlassen.

Und zweitens habe ich Lust auf Abwechslung. Abwechslung die heißt: heute ein Franzose, morgen ein Italiener und übermorgen vielleicht ein Vertreter aus Österreich. Ein homogener Mix macht doch die Sache erst spannend - die Vergleichbarkeit der Stilistik oder Rebsorten hin oder her!

Anforderungen an einen 10-jährigen Wein in der € 20-30 Preisklasse?
Ganz klar: Homogenität, Balance, Komplexität und das alles fein verwoben! Noblesse statt Kraft und Charme statt rüpelhafter Vordergründigkeit.. .

  • Hans & Christine Nittnaus, Comondor 1999, Neusiedlersee, eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt, beginnender, wässriger Granatrand, im Kern fest und dunkel, tief kräuterwürzige Nase, ein klassischer Bordeaux-Blend, rotbeerige Komponenten, Himbeere, süßliche, balsamische Textur, präsentiert sich äußerst geschmeidig am Gaumen, mittelgewichtig mit engmaschigen, reifen und gut integrierten Gerbstoffen, viel Fruchtsüsse, lebendiger Säure, harmonischer Abang, ein prachtvoller Essensbegleiter mit Potential für weitere 5 Jahre, **-**(*)/***
  • Niepoort, Redoma Tinto 1999, Duero, sehr verhaltene Nase, süßlich dominierte kräutrige Noten, etwas Klebstoff, der Alkohol merklich riechbar, nicht ganz in Harmonie, fängt sich aber gut am zweiten Tag, wirkt kompakt, ist mir persönlich aber zu sehr von einem süßlichen Grundton geprägt, feines, harmonisches Tannin im Abgang des Weins, wirkt insgesamt noch sehr juvenil, kein schlechtes Exemplar, ganz im Gegenteil, trifft nur nicht ganz meine präferierte Stilistik, *(*)/***
  • La Magia, Brunello 1999, Toskana, Granatrot mit orangem Rand, sehr ruhige strömende Nase, verführerisch, deutlich von Teer und balsamischen Noten getragen, ein wenig Parfum, sehr viel Fruchtsüsse, rotbeerige Würze, Anklänge an schwarzen Pfeffer, eher schlanker Körper, seidige Säure, die mächtigen, etwas spröde Gerbstoffe überrollen anfangs den Gaumen und hinterlassen im Finish ein austrocknendes Mundgefühl, am dritten Tag ist dann alles in Balance, hat diesen so gebietstypischen warmen Charakter, seidiger Trinkfluß, die Gerbstoffe sind nun gut verwoben, teerige Würzigkeit, die Nase strömend, viel Volumen, Süße, macht auch solo genossen viel Spaß, harmonischer Abgang, so soll Brunello sein! **-**(*)/***
  • Fattoria di Felsina, Fontalloro 1999, Toskana, schon dem Ziegelrot sehr nahe, feine, verwobene Nase, gute Fruchtsüsse, Gewürze, am Gaumen eher schlank und kurz, aber sauber, Säure und feine Gerbstoffe, wo bleibt die "eiserne Faust im Samthandschuh"? Der Wein wirkt ermüdet, das ist sicherlich nicht der Höhepunkt dieses Weins, schade, denn gerade den Fontalloro habe ich bisher immer als als Steher in Erinnerung, ein ordentlicher Essensbegleiter, aber mehr schon auch nicht, ce domage! */***

02. April 2009

März

  • Segura Viudas, Cava Brut Reserve Heredad, die Flasche ist mit ihrer aufwändigen Machart und Verzierung schon eine Klasse für sich, Brut Reserve Heredad ist eine Cuvée aus Macabeo und Parellada, kräftiges Strohgelb, braucht viel Luft, gereifte, volle Stilistik, aber noch mit einer appetitlichen Frische in der Nase behaftet, voll am Gaumen, die Perlage ist etwas verhalten, alles in cremiger Balance mit dem für Cava so typischen herb trockenen Abgang, gut, *(*)/***
  • Weingut Ebner-Ebenauer, Grüner Veltliner Alte Reben 2007, Weinviertel, aus über 50-jährigen Rebmaterial, sehr blasses Strohgelb, etwas vordergründige, fruchtige Nase, paprizierende Würze, etwas Feuerstein, Mineralik, das Teilbarrique hervorragend integriert, am Gaumen fein, mittelgewichtig, behält immer seine frische Lebendigkeit, hat noch nicht ganz seine Harmonie erreicht, ein angenehmer Wein mit juvenilem Charme, wenngleich auch von den österreichischen Weinmedien aus meiner Sicht etwas überbewertet, da fehlt einfach Druck und Spannungsbogen, *-*(*)/***
  • Schlumberger, Sparkling Rosé Vintage Brut 2006, Österreich,der Schlumberger Sparkling ist ein Klassiker der österreichischen Sektkellereien, umso erfreulicher, wenn jetzt auch eine Schwester in Rosé verfügbar ist! Zarte Zwiebelschalenfarbe, fein fruchtige Aromatik, etwas verhaltenes Mousseux, am Gaumen durchaus voll und gut auskleidend, ausgewogen und harmonisch, ohne Ecken und Kanten, rund, nicht allzu zu trocken, sogar einleichtes Süsserl ist vorhanden, bemerkenswert langer Abgang, macht Spaß und erfreut meine Lust nach Rosé, **/***
  • Walter Buchegger, Grüner Veltliner Pfarrweingarten 2005, Kremstal, schönes Gold, für einen gereiften Grünen Veltliner so typische Aromen von gelben Früchten und Tabak, sehr weiche Stilistik mit milder Säurestruktur, ein harmonischer Schmeichler mit eher internationaler Stilistik, warmer, mittellanger Abgang, eine Wucht zum lauwarmen Artischockenaufstrich, verleiht dem Wein eine Spannung zwischen Süße und Säure, allerdings hätte ich mir einen deutlicheren stilistischen Unterschied zu Buchegger's Gebling (siehe meine Gebling Vertikale 2004-2007) erwartet, der so nicht eingetreten ist, **/***
  • Laurel Glen Vineyard, Reds 2006, Lodi, USA, tiefdunkles Purpur, eigentlich brauch ich nur die Rückenetikette zu zitieren: "Dark, spicey, exotic, opulent, delicious.", wer würzig-saftig-süffige Fruchtbomben mit gutem Gerbstoffgerüst mag wird mit dieser Cuvée sicherlich glücklich! Ich jedenfalls liebe dieses mit 14.5 % Vol behaftete, aber trotzdem so fabelhaft balanciert und zivilisierte Frucht-Würze-Monster! **/***
Bildquellennachweis: Segura Viudas

01. April 2009

Abhilfe zur heimischen (Wein)Wirtschaftskrise?

Nachdem die Krise immer mehr österreichische Unternehmen in immer stärkerem Maße trifft - und dies gilt gleichermaßen auch für die heimische Weinwirtschaft - haben Printmedien nun den Slogan "Kauf OÖ" (OÖ = OberÖsterreich) ausgerufen.
Unsere Wohnstrasse geht ab sofort mit gutem Beispiel voran und erklärt sich hiermit zur "Rioja-freien Zone" und gelobt, ab sofort nur mehr heimischen Kreszenzen zuzusprechen.


Nja - erwischt - ich hab geschwindelt :-(
In Wirklichkeit können meine Nachbarn nicht mehr tatenlos zusehen, wie ich allwöchentlich mit meinen genossenen Weinflaschen die Glas-Sammelcontainer überflute und proklamierten hiermit kurzerhand ein "Weinflaschen-freies Gebiet".
Auf Bierflaschen gibt's nämlich Pfand und somit keine Verstopfung der Container, so der Tenor der umliegenden biertrinkenden Anrainer. Ein durchaus einsichtiges Argument!

22. März 2009

TYA 1999 (1)

Etwas verspätet der erste (heurige) Beitrag zur Serie "Ten Years After"...

1999

Ein grandioses Jahr für mich - herrlicher Urlaub in Norspanien (Penedes, Somontano, Rioja, Ribera del Duero) und ein dicker Bauch bei meiner lieben Renate, welcher nicht nur den hedonistischen Genüssen Spaniens zuzuschreiben war ;-)

In der ersten Woche des neuen Jahrs 2009 gabe es folgende 3 Flaschen aus meinem 99er Sortiment:
  • Morillion Kranachberg 1999, Weingut Peter Skoff (jetzt Domäne Kranachberg), Südsteiermark, aus der Anfangszeit der Barriqueexperimente des Weinguts sind mir 2 Weine in Erinnerung geblieben, dieser und der 2000er Weißburgunder Kranachberg, beide zu kleinen Teilen im neuen Holz gereift, jeweils 1 Flasche habe ich mir für das "10-Jahres-Jubiläum" auf die Seite gelegt, kräftiges Goldgelb in der Farbe, offenbart anfangs mächtiges Holz, dann prachtvolle exotische Anklänge, Ananas, zart balsamisch, ein wenig Terpentin und Wachs, mittelgewichter Gaumen mit lebendiger Säure gesegnet, langer, kräftiger und öliger Abgang, die Balance ist ist ganz hervorragend, ist wunderbar gereift, offenbart nach 3 Tagen auch vegetabile und gemüsige Aromen wie zB. Fenchel, am besten solo genossen, aber mit viel Spaß auch zur gereiften Käseplatte oder zur Fettunta, hat sich ganz vorzüglich eine ganze Woche gehalten und sicherlich noch Potential für weitere 5 Jahre, Respekt, **(*)/***
  • Weinbau Harald & Christine Kraft, Ruster Chardonnay Auslese 1999, Neusiedlersee-Hügelland, helles Bernstein, Orangen- und Zitronenzesten, schon die Nase verrät, daß die Süsse einen strammen Gegenspieler (in Form der Säurestruktur) haben wird, am Gaumen geschmeidig, zuerst die Fruchtsüsse, dann die Säure dominierend, lange mit nervigem Säurespiel ausklingend, der sofort Lust auf den nächsten Schluck macht, ein schönes Exemplar in der 0,75l Bouteille, welches damals ab Hof - wenn ich mich recht erinnere - keine 60 Schilling (€ 4,50) gekostet hat und mich heute noch ungläubig ob der dargebotenen Qualität staunen läßt, **/***
  • Noval, Late Bottled Vintage 1999, Douro Portugal, leider, leider wiedereinmal ein deutlicher Kork, der sich aber mit viel Luftzufuhr auf ein fast erträgliches Maß reduzieren lässt. Eigentlich darf ich mich nicht beschweren, denn meine Ausfaller durch beeinträchtigten Kork sind sehr moderat, wobei natürlich noch immer gilt, daß jede schadhafte Flasche eine zuviel ist!
    Erkennbar - trotz der Maskierung - welch geschliffene Portweinstilistik Noval zu eigen ist. Das wäre LBV auf höchstem Niveau gewesen - schade!
    o.W.
..to be continued..