Dienstag, 28. Dezember 2010

Weinrallye #40 - Autochthone Rebsorten: Alphart's Rotgipfler Rodauner

Ein gut bekannter Bloggerkollege  - Wolf Hosbach von Hausmannskost 2.0 - ist wieder einmal an der Reihe und das Thema, welches er sich für die 40. Ausgabe der Weinrallye ausgesucht hat lautet schlicht und einfach:


Damit's nicht allzu einfach wird, gibt's von seine Seite noch ein paar Auflagen dazu!

***

Nun, eigentlich brauche ich über meine Wahl nicht lange nachzudenken! Endlich bietet sich einmal eine Bühne für eine autochthone Rebsorte, welche mir schon während meiner zahlreichen Heurigenbesuche zu Ausbildungszeiten (am Kolleg für Feinwerktechnik / Mechatronik an der HTBLA&VA Mödling) sehr gut gemundet hat.
Kurz und gut - es geht um die heimische Rebsorte Rotgipfler.

Auch wenn diese lt. Rudolf Steurers Weinhandbuch ausgehend von der Steiermark in früheren Jahren in kleinen Mengen auch in Baden, Württemberg und im Elsaß zu finden war, hat sie nun ihre alleinige Heimat in der Thermenregion (1|2|3) gefunden, ist also nun eine waschechte österreichische Spezialität und hat zusammen mit dem Zierfandler als "Spätrot-Rotgipfler" den legendären Ruf des Gumpoldkirchner Königweins begründet. Das alles liegt aber schon etliche Jahrzehnte zurück.
Heute sind die beide Rebsorten etwas aus der Mode, völlig zu Unrecht, sind beide doch in der Lage, höchst individuelle und charaktervolle Weine hervorzubringen.

Wenn ich in meinem Bekannten und Verwandtenkreis - viele davon passionierte Weingenüssler - nach Rotgipfler frage, würden vermutlich nicht allzu viele Hände in die Höhe gestreckt werden. Schade, denn gerade der Rotgipfler ist ein toller und vor allem vielseitiger Wein, das auch die Kostnotizen wieder eindrucksvoll belegen können.
Rotgipfler macht solo genauso Spaß als auch als universeller Speisebegleiter zu Terrinen, würzigem Käse, Raclette & Käsefondue, kräftigeren Fischgerichten bzw. Fisch mit würzigen Saucen, zu Kuchen und nicht zu süßen Desserts, aber auch zu Räucherlachs haben mir die Flaschen wirklich viel Freude bereitet und waren eine willkommene Abwechslung zu ansonsten kredenzten, holzgeschulten Burgundersorten.
Zudem haben die Rotgipfler-Flaschen entsprechender Qualität ein tolles Reifepotential, 10 Jahre und mehr sind für diese Rebsorte eine Leichtigkeit.

Die Alpharts
Bildquellennachweis: Homepage Weingut Alphart

Mein Lieblings-Rotgipfler kommt von Lisi und Karl Alphart aus Traiskirchen von der südöstlich ausgerichteten Lage Rodauner, unter welcher die Südbahn durch den älteste Bahntunnel Österreichs - dem Busserltunnel - verläuft.
Neben einem einfacheren "Rotgipfler vom Berg" und dem "Rodauner Top Selektion" sowie dem süßen Topwein "PUR" ist der "Rotgipfler Rodauner" die mittlere Qualitätsschiene im Haues Alphart und mit ca. €12 im Fachhandel bzw. ab Hof zu erstehen. Dass dieser Wein meiner bescheidenen Meinung nach jeden Cent wert ist, belegt meine kleine Vertikale aus 5 Jahrgängen eindrucksvoll und spiegelt sich auch in Nominierungen für den SALON Österreich dieses Weins wieder.

  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2003, Thermenregion, NK, prachtvolles Gold, in der Nase alle was den Namen "exotische Frucht" verdient, kandierte Ananas, Honimelone, ein hedonistischer Gaumenspaß, mit vollem Schmelz auf der Zunge, die (jahrgangsbedingt nicht vorhandene) Komplexität wird in keinster Weise vermisst, weil bei diesem Wein der Trinkfluss so fantastisch hoch ist - süffig, saftig, mundfüllend und balanciert!  **/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2004, NK, viel heller im Farbenspiel, im Vergleich zum Vorgänger "nur" ein schönes, sattes Strohgelb, wirkt vom ersten Moment an tiefer, mit einer vielschichtigen Nase, das Exotikbukett ist auch hier vorhanden, aber in einer weit dezenteren Form im Hintergrund, Mineralikanklänge, Feuerstein, Honig und Blütennoten, besitzt viel mehr Spannung, am Gaumen dann wiederum diese ausladende Weite, rund und harmonisch, aber ohne jegliches Anzeichen von Breite oder Plumpheit, der Spannungsbogen verdichtet sich hin zum Abgang, wirkt engmaschiger, die mineralischen Töne feiern ein wahres knisterndes Feuerwerk auf den Geschmacksknospen meiner Zunge ab, toller Stoff, vereint auf prachtvolle Weise das beste aus beiden Welten, Weinhedonismus und -intellekt balanciert im Dialog, was möchten Weinliebhaber mehr erwarten? **-**(*)/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2006, NK, kräftiges Strohgelb, ist sicherlich der feinst gewobene in dem Dreiergespann 03-04-06, er besitzt die Vorzüge der beiden vorherigen Jahrgänge in einer angenehmen Art vereint, der runde, zart cremige Trinkfluss mit Schmelz und die Komplexität durch mineralische Noten, wirkt irgendwie leichtfüßig und hat doch Substanz im Mund vorzuweisen. Und doch frage ich mich, ob dies beim Rotgipfler eine (für mich persönlich befriedigende und) wünschenswerte Symbiose darstellt, denn irgendwie mag ich diesen Wein nicht so recht verstehen, kann er sich doch (Stand heute) nicht so recht entscheiden, was er darstellen möchte: ein schmeichelnder Verführer oder strammer Max? Jammern auf hohem Niveau, ein paar Jahre zuwarten wird die Sache klären! **/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2008, SV, wiederum ein kräftiges Strohgelb, wow - was für eine hedonistische Komponente bereits in der Nase! Woran erkenne ich, dass ich einem Wein komplett verfallen bin? Nun, zum einen, dass die Flasche so schnell geleert ist, dass ich auch nicht ansatzweise Zeit und Gedanken an eine Kostnotiz verschwendet habe und es mir trotzdem keine Mühen bereitet, diese aus dem Gedächtnis abzurufen.
    Diese Flasche war einfach göttlich. Perfekt hinsichtlich ihrer genüsslichen Art, mit diesem unvergleichlich cremigen Schmelz, perfekt im Sinne eines intensiven, aber niemals üppig wirkendem Aromenbuketts der Marke "Sonne Tropicana" im strengen mitteleuropäischen Winter.  Mango, Ananas, Litschi, perfekt umrahmt von mineralischen Noten, mit einer tollen Fruchtsüsse unterlegt, so kleidet dieser Götterstoff den gesamten Mundraum aus, so g'schmackig (für die geneigten Leser aus dem Nachbarland: lecker) und mit der einzig alleinigen und wahren Mischungsformel zwischen Intellekt (sprich den mineralischen Komponenten) und Bauchgefühl (saftig, rund, cremig weich) ausgestattet, dabei üppig, aber niemals kitschig, mit einem feinen, lebendigen Säurenerv durchzogen, jetzt bereits mit solchem Trinkfluß und Spaß zu genießen, dass höchstwahrscheinlich keine der Flaschen in meinem Keller den nächsten Winter erleben wird! Für mich ein Wunderstoff, der mich vor Karl Alphart auf die Knie gehen lässt, die Hände empor gestreckt und den Lippen ein "bitte, schnell noch ein weiteres Flascherl" entfleuchend!
    Das ist der Stoff, den wir unseren Nachbarn mit ihren göttlich hedonistischen Rieslingen a la Niewodniczanski und Heymann-Löwenstein mit den Worten "..probiert Mal von unserem.." entgegenhalten sollten! Stoff zum Träumen, die Höchstnote und noch einen Stern dazu!
    Potential! ****/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2009, SV, irgendwo zwischen Stroh- & Goldgelb, dies ist wiederum ein "inverser Rodauner". Meisten rittern ja die mineralischen Töne mit den exotischen um die Vorherrschaft und in diesem Jahrgang (zu diesem Zeitpunkt) ist eindeutig die spannungsgeladene Mineralik in der dominanten Stellung. Ab und zu blitzt die Exotik durch, fast so als wolle sie mir zu verstehen geben, dass sie schon hier und vorhanden ist, jedoch noch ein / zwei Jahre zum Gleichgewicht benötigt werden. Harmonisch balanciert ist der Wein auch jetzt bereits, wirkt derzeit aber eher wieder intellektueller denn hedonitissch, die Saftig- & Cremigkeit ist jedenfalls wieder vorhanden, wenngleich auch (noch) nicht in dieser ausgeprägten Art der vorherigen Weine, blitzsauberer, leider nur mittellanger Abgang, dafür aber feine würzige Noten im Nachgeschmack.
    Jedenfalls eine etwas andere Stilistik, Apfel und Birnennoten, herrlich mineralisch und eine erfrischende neue Facette am Rotgipfler, welche ich ebenso liebe!
    **-**(*)/***
Tolle, weil abwechslungsreiche Köstlichkeiten im Spiegel der jeweiligen klimatischen Jahrgangsbedingungen. Jedes Jahr ein echtes geschmackliches Unikat, die Klammer bildet immer diese gaumenschmeichelnde Cremigkeit. Der 2008er hat's mir besonders angetan, da bleibt mir nur mehr eines zu sagen: zugreifen, Freunde!

Neben Familie Alphart gibt es auch beim Weinut Stadelmann (so wie die Alpharts in Traiskirchen zuhause) und Spaetrot - Gebeshuber in Gumpoldskirchen noch wunderbaren Rotgipfler. Selbstverständlich alles Betriebe der Thermenregion und selbstverständlich bleibt der Rotgipfler Rodauner auch Stammgast in meinem Weinkeller!

    Sonntag, 5. Dezember 2010

    Martinigans 2010


    Heuer war alles anders! Meine Schwiegers hatten mit guten Bekannten ihre eigene Gans-Partie und zudem war meine liebe Renate etwas kränklich. Dann gab's bei Bio-Ganserlbauern unseres Vertrauens kein liebes Tier mehr und so musste der Vogel eben auf das nächste Wochenende verschoben werden. Zudem galt es eine gute Vogelquelle zu finden - eine Aufgabe für sich - denn ungarische Mastgänse in den diversen Supermärkten sind uns ein Graus und die anderen heimischen Freilandgänse unserer Wahl befanden sich anscheinend bereits alle in den Mägen der Österreicher (oder einige Stücke weiter ;-).

    Daher war es diesmal nur eine halbe Gans und auch auf die Maroni im Blaukraut mussten wir diesmal aufgrund (m)einer spontan auftretenden, Sonntag nachmittäglichen Trägheit (diese frisch zu besorgen) verzichten. Macht nichts - es muß ja auch einmal für etwas Abwechslung zum Vorjahr gesorgt sein ;-)

    Beim Wein habe ich aufgrund der fehlenden 2 durstigen Kehlen eine nicht ganz so große Palette zur Auswahl stellen wollen, zudem habe ich heuer einmal auf den obligatorischen Pinot Noir verzichtet und - bisher ebenso unüblich - dem gereiften Exemplar auch ein junges, dafür vom Rebsortenmix umso interessanteres Exemplar zur Seite gestellt.
    Wie im Vorjahr begonnen, gab's auch als Kontrast zu den beiden Roten eine Alternative in Weiß, diesmal eine kräftige Variante eines Kamptaler(!) Traminers vom Enkel des berühmten Dr. Fritz Zweigelt (jaja, genau derjenige, welchem die Rebsorte seinen Namen verdankt) welche mit 5 Jahren Reife zwischen den beiden Jahrgängen der Rotweine angesiedelt war. Und einen Suptertuscan, der einfach noch was gut zu machen hatte, da die erste Flasche vor 2 Jahren so enttäuschend war.


    • Fattoria Felsina, Fonntalloro 1999, VdT, Castelnuovo Beradenga, Toskana, von der Farbe her eigentlich noch "jugendlich", am Sprung zu den ersten Granattöne, eine süße erste Welle erreicht meinen Riechkolben, dann balsamische Noten nach Teer, Leder, ganz zart versteckt im Hintergrund "helle Obertöne" nach Eukalyptus, also alles klassisch im tertiären Aromenspektrum angesiedelt, am Gaumen brüchig und  morbide im besten Sinne, feine Gerbstoffe, welche sanft und altersmilde die Rezeptoren der Zunge berühren, die Flasche also insgesamt in einem gutem Zustand, nicht allzu komplex oder lang, und das Finish ein bisschen trocken, aber ein wirklich passender Essensbegleiter, *(*)-**/**
    • Weingut Johann Heinrich, alpha 09, Tafelwein, Deutschkreutz, Mittelburgenland, eine Cuvée aus den beiden in der Stilistik gar nicht so unähnlichen Rebsorten Blaufränkisch und Nebbiolo, jugendliches Purpurrotviolett, viel Primärfrucht nach Kirsche, nein Weichsel, aber auch tiefe Würze ist vorhanden, sehr lebendig am Gaumen durch eine vitale Säurestruktur, das gefällt mir, die Würzigkeit bleibt immer präsent, mittelgewichtig, rund und im Abgang eher feurig, solo genossen eine für mich durch und durch gelungene Paarung, süffig und mit Spaß und Anspruch zu genießen,*(*)-**/***
    • Weingut Thomas Leithner, Traminer Fraupoint 2004, Langenlois, Kamptal, helles Goldgelb, klassische und intensive Traminernase, Rosenduft, zeigt viel Öl und Fett im Mund, trotz seiner 14% Vol. noch immer deutlich graziler und konturierter als so manche Südtiroler Artgenossen, fast cremig weich auf der Zunge, sauber Abgang mit leichten Tertiäraromen, das Richtige für die kalte Jahreszeit *(*)-**/***
    Und die Paarung der drei Exemplare mit der guten Gans?

    In Kombination mit dem Essen wiederholt sich die bereits im Vorjahr gewonnene Erkenntnis, daß die Weine allesamt deutlich an Süsse verlieren und dadurch um einiges herber und maskuliner am Gaumen erscheinen als solo genossen. Am deutlichsten bekommt dies der Jungwein zu spüren, der insgesamt nur mehr eine sehr präsente Säure aufzuweisen hat, und so der geschmacklichen Einheit des Essens nichts Adäquates mehr entgegenzusetzen hat. Zu wenig für wirklichen Genuß!
    Auf Augenhöhe mit dem Essen ist der Traminer. Wer sich am intensiven Eigengeschmack dieser Rebsorte nicht stört, der erhält einen guten Partner mit spannender Dialogfähigkeit. Wer jedoch nur einen Essens*begleiter* sucht, der nicht ab und zu auch einmal ein Solo auf der Zunge tanzen darf, wird keine so rechte Freude damit haben.Die Sangiovese mit ihrem vollen Spektrum an Tertiäraromen wiederum liefert mir den Beweis, daß gereifte Weine zu Recht der "richtige" Zugang zu zu meinem Wein-Gans-Verständnis sind. Zwar verliert auch dieser Wein seine noch toll vorhandenen Süße und die Kombination aus Fleisch, Serviettenknödel und Blaukraut  - alleine von Letzterem gibt es ja unzählig verschiedene Zubereitungsarten, von süß bis sauer - verstärkt das Tannin, jedoch scheint dies unter dem Aspekt der Tertiäraromatik weit weniger gravierende Auswirkungen zu besitzen, als bei jungen und fruchtbeteonten Weinen.
    Im Gegensatz zu meiner früheren Annahme ist eine vitale Säurestruktur wie zB. beim Pinot Noir zwar von Vorteil, jedoch nicht zwingend. Ohnehin sollt jeder gut gereifte Rotwein neben seinen Gerbstoffen noch "leben", also einen anständigen Säurenerv besitzen, ansonsten wird's schnell fad bei einem Roten.

    Zukünftig denke ich also recht genau zu wissen, was zu "unserer" Martinigans gut passen könnte oder weniger.. .

    Was bleibt noch auszuprobieren? Ein wirkliches Tanninmonster zB. in Form eines Tannat-Weines aus dem Madiran, die Palette aus dem Piemont - von denen ich leider fast gar nichts im Keller habe (möchte wer spenden?) und auch ein Schluck Portwein, vorzugsweise Vintage wäre sicherlich einmal einen Versuch wert, wie überhaupt die grandiosen Weine aus dem portugiesischen Douro-Tal!


    Ganserl-Nachlese:
    Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007 | Martinigans 2008 | Martinigans 2009 |
    Addendum Gans 2009

    Samstag, 27. November 2010

    "How Wine Became Modern"

    Schon mal was vom SFMOMA gehört? Ich jedenfalls nicht!

    Egal, es geht um das San Francisco Museum of Modern Art. Dort gibt es derzeit eine Ausstellung zum Thema "How Wine Became Modern - Design + Wine 1976 to Now".
    Erwähnenswert ist dies deshalb, weil neben bekannten Exponaten auch das vom Eherpaar Tscheppe-Eselböck  (ja genau, Wine-Südsteirermark-Clan meets burgenländischen Gourmettempel) geführte Weingut Oggau mit seinen Wein-Familie-Etiketten vertreten ist.

     Bildquellennachweis: Weingut Oggau

    Auch wenn ich persönlich die Etiketten als nicht sonderlich ansprechend empfinde, ist doch neben dem Wiedererkennungswert vor allem die Idee des Vergleiches von menschlichen mit Weincharakteren ziemlich einzigartig. Jeder Wein hat - so wie sein humanes Pendant - eben seine ihm ganz eigene Persönlichkeit. Und das wiederum finde ich äußerst einzigartig und gelungen!

    Samstag, 23. Oktober 2010

    Edlmosers Maurerberg

    Beim Wiener Gemischten Satz bin ich eigentlich ein treuer Kunde von Fritz Wieningers Nußberg - ein Wein, der niemals enttäuscht und herrlichen Genuss im Wein bietet. Eine sichere Bank!
    Ab und zu bietet sich aber auch die Gelegenheit, über den nördlich Nußberg hinaus einen Abstecher zum westlich gelegenen Maurerberg ins Weingut Edlmoser zu tun. Das ist dann der Fall, wenn beim Jahrgangswechsel eines großen österreichischen Weinhändlers einige mir ansonsten zu teure Weine günstig  preisreduziert angeboten werden.
    Ich bin gespannt, ob dieser Wein aus 8 verschiedenen Rebsorten von 50 Jahre alter Stöcken im Vergleich zu meinem Lieblingsexemplar dieses österreichischen Klassikers zu reüssieren vermag - wohl eher eine rhetorische Frage - er kann! Ob aber der 20%-Preisaufschlag zum Nußberg argumentiert werden kann, ist wohl eine persönliche Entscheidung. Eine Vertikale des Nußberg wird mir persönlich diese Frage beantworten.

    • Josef Edelmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2006, Wien, Strohgelb mit einem deutlichem Grünstich, die Nase duftig, zart parfümiert, vielschichtige Assoziationen, grüner Apfel, Zitrusnoten, reif gelbfruchtig mit exotische Noten, Ananas, aber auch Weingartenpfirsich, stetig wandelnde Aromen im Glas, zeitweise einem österreichischen Riesling nicht unähnlich, deutlich mineralisch geprägt, braucht zwei Tage rinnt sanft und ausgewogen über meine Zunge, wunderbar reifer Säurebogen, toller und langer Nachgeschmack, wiederum sehr mineralisch und salzig, das ist toller Stoff und gemischter Satz in Höchstform, **-**(*)/***
    • Josef Edlmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2007, Wien, intensiv leuchtendes Strohgelb, die Farbe hat eine wenig "Leuchtstiftcharakter", braucht viel, viel Luft, über 2 Tage, um aus seinem Flaschenhals (mit Drehverschluss) aufgetaut herauszufließen, hätte ich diesen Wein im Restaurant geordert, wäre ich vermutlich enttäuscht von Dannen gezogen, so aber wird der Geduldige mit exotischen Duftanklängen im Glas verwöhnt, am ehesten noch Ananas, subtil verwoben mit einer dichten Mineralik, auch feine Würzenoten sind wahrnehmbar, der Wein wirkt für mich in der Nase erstaunlich bodenständig, ja fast erdig, ganz im Gegensatz zu den vielen mineralisch geprägten Weinen, welche einen eher intellektuellen Charakter aufweisen, am Gaumen kurz saftig, mittellang, dann übernimmt sofort wieder die Mineralik das Kommando bis in den doch langen, zart feurigen Abgang hinein, gehobene Stilistik, hat noch Potential, **/***
    2006 war einfach ein Superjahr, das spiegelt einfach auch der Vergleich dieser beiden Jahrgänge wieder. Eine Kostnotiz zum 2005er-Exemplar des Maurerbergs findet sich übrigens hier.

    Dienstag, 19. Oktober 2010

    Spittoo

    Nachdem nun bald wieder die Herbstverkostungen anstehen - ich sag's euch ja, Weinliebhaber zu sein, das ist ein echter Knochenjob ;-) - möchte ich einmal meinen seit Jahren treuesten Partner auf all diesen Ereignissen vorstellen - meinen Spittoo.

    Kein professionelles Verkosten ohne Spucknapf - schließlich will man ja nicht nach 10 Proben K.O. gehen. Einige gehen mit Blumenvasen spazieren, andere stemmen die oftmals voluminösen Schüttnäpfe an den Tischen der Winzerinnen und wenige verwegene Spucken aus der Höhe.
    Eine formschöne Lösung habe ich vor Jahren in Form des von Hugh Johnson gestalteten Spittoo gefunden.
    Er wurde mit dem Hintergedanken gestaltet, den meistens hässlichen oder unförmigen (oder beides!) Spucknäpfen doch einmal die richtigen Proportionen angedeihen zu lassen und ein hübsches Outfit zu verpassen. Hat Hugh Johnson gut hinbekommen, mein' ich. Und auch die Haptik kann halten, was das Design verspricht - er liegt perfekt in der Hand!

    Das Ding aufzutreiben war jedenfalls gar nicht so einfach, aber meine liebe Renate hat das toll hin bekommen und mich zu einem meiner Geburtstage damit überrascht - herzlichen Dank nochmals!


    Und auch erlebt habe ich mit meinem Spittoo schon einiges! Neidische Blicke ob seinen wohlgeformten Gestalt, auch das eine oder andere nette Gespräch mit am Wein interessierten Personen hat sich dadurch ergeben, aber ebenso hämisches Grinsen bis hin zu lautem Gelächter, besonders wenn er bei Weißweinverkostungen im größerem Umfang mit "gelblicher" Flüssigkeit gefüllt ist.
    Ab und zu bemächtigen sich auch fremde Weinliebhaber seiner und blicken mich dann ganz verdutzt an ob der heftigen Intervention meinerseits. Einen Spittoo teilt man einfach nicht mit Fremden, auch nicht mit Bekannten. Einen Spittoo, den hat man ganz für sich alleine.
    So Bacchus will, das ganze restliche Leben!

    Sonntag, 17. Oktober 2010

    Frizzante? Frizzante!

    Frizzante - auch Perlwein gennant, aber das klingt ja um einiges langweiliger - führt(e) in meinem Weinuniversum ein Schattendasein. Mehr oder weniger eigentlich alleine aus qualitativen Gründen. Wenn immer es geht, dann greife ich lieber zu Spumante (wenn wir schon bei der italienischen Notation bleiben wollen), der nach der klassischen Flaschengärung produziert wird. Egal ob in Italien, Deutschland, Spanien oder zuhause in Österreich. Natürlich ist das nur eine Seite, denn die andere ist eine steuerliche (auch wenn die Schaumwein- / Sektsteuer in Österreich seit 2005 abgeschafft ausgesetzt ist) bzw. der Aufwand im Herstellungsprozess.
    Jedenfalls hatte ich im letzten Monat drei ausgewiesen tolle, weil trinkanimierende Exemplare - 2 aus dem Weinviertel, eines aus Italien, genauer aus der Emilia Romagna - im Glas, welche auch meinen qualitativen Anspruch an ein solches Getränk ganz locker erfüllen konnten und mich wieder einmal meiner Weinvorurteile bewußt werden ließen. Alle drei waren aus aromatischen Traubenmaterial vinifiziert, einmal Muskateller, einmal Muskat Ottonel und einmal aus der geschundenen roten Lambrusco-Traube - allesamt im Glas quicklebendig!

    Ungetrübtes, lebensfrohes Weinvergnügen in Reinform (erleichtert die Zeit zum innerlichen Reflektieren seiner Vorurteile ;-)
    • Weingut Laurer, Muskatello Frizzante 2008, Weinviertel, im SALON 2009 vetreten, intensives, sortentypisches Bukett, kräftige Perlage, deutliche Restsüße verleiht dem Wein ein tolles Volumen und einen richtig saftigen, weil trinkfreudigen Stil, gemeinsam mit 2 Damen war diese Flasche bei angenehmen Nachmittagstemperaturen im Nu geleert, ein qualitativ seriöser "Spaßwein" erster Ordnung, süffig und belebend,  *(*)-**/*** 
    • Gatterburg'sche Schloßkellerei, Contessa M.O. (Muskat Ottonel) 2008, Retz, wirkt im Vergleich zum Laurer feiner, diffiziler und auch trockener, sicherlich auch - aber nicht ausschließlich - aufgrund der Rebsorte nicht so vorlaut, feine Perlage, sehr harmonisch, ein perfekter Appetizer zu jeder Jahreszeit, *-*(*)/***
    Bildquellennachweis: Cantina Medici Ermete
    • Cantina Medici Ermete, Lambrusco Concerto Reggiano Frizzante 2009, Emilia-Romagna,  der 15 Jahrgang (15 "vintages of success"), tiefvolette Farbe, intensive Waldbeernase, tiefe Fruchtsüße, am Gaumen durch die Perlage herrlich belebend, wirkt ist süffig rund, dabei mit feinen Gerbstoffen(!) behaftet, die einem ein wirklich tolles Mundgefühl verschaffen, wirkt trocken (trotz der 9g/l RZ), insbesonders im Abgang, im Gambero Rosso höchst dekoriert sorgt dieses Weingut seit Jahren für einen neuen Qualitätsschub bei der Rebsorte Lambrusco. Und ich bin nur einer unter vielen, die sich unter die Laudatoren bei diesem Wein einreihen! Ein Bravo der Cantina und unbedingt eine Flasche probieren - Bezug ua. via K&U, Ronaldi, Wein & Co.Zum Glück bin ich im meiner Jugend beim Italiener nie der Versuchung erlegen, das süße Lambrusco-Zeugs zu probieren - zu meiner Zeit war nämlich gerade ein ebenso simpel gestrickter Valpolicella "in" - denn sonst hätte ich diese Flasche wohl niemals probiert, sondern eher in schön dekorativem (sprich undurchsichtigem ;-) Geschenkpapier weitergereicht.. **/***

    Dienstag, 12. Oktober 2010

    Monatsweinliste

    Ja, ich war schlampig über die letzten Monate mit der Aufzeichnung meiner Kostnotizen. Na und? Hat schließlich auch was Gutes! So genieße ich die Freiheit, einmal eine Flasche Wein einfach hinunterzugurgeln, ohne diese akribisch unter die Lupe zu nehmen. Das gilt für schlechte wie für gute Weine gleichermaßen. An ersten hat ohnehin keiner Interesse und letztere können so schnell verschwunden sein, daß einem für eine Notiz gar keine Zeit mehr bleibt.. ;-)

    • Weingut Steffens-Keß, Riesling Burger Hahneschrittchen 2009, Mosel, helles Strohgelb, verhaltene, jedoch vielschichtige Nase, grüner Apfel, dann dezente Zuckerschoten im Hintergrund, ein wenig exotische Noten, wirkt sehr insgesamt sehr reif, sogar ein wenig Tabakwürze ist auszumachen, fein herb unterlegt, zeigt sich sehr saftig am Gaumen, für 11.5% Vol. gute Struktur, mit viel Trinkanimo ausgestattet, dabei immer glockenklar und fast messerscharfem Säurenerv, feiner Zitrustouch im Abgang, wunderbar als Aperitif, macht aber durch seine lebendige Säure auch als "Wein danach" eine gute Figur, **/***
    • Josef Schmid, Grüner Veltliner Alte Reben Priorissa 2004, Kremstal, SALON 2007-Wein, helles Gold, intensiv reife Nase nach gelben Früchten, weich gehaltvolles Mundgefühl, harmonische Säurestruktur, ein guter Speisenbegleiter, *(*)/***
    • Walter Buchegger, Riesling Tiefenthal 2006, Kremstal, sattes Strohgelb, holla, da springt einem gleich einmal die Feuersteinmineralik aus dem Glas an, knisternd vor innerer Spannung, zwischendurch gibt's Gelbfruchtaromatik, Birne, Mango, aber auch ein wenig Marille, zieht auch im Mund in einem Guß durch, cremige Anklänge weichen sofort einer messerscharfen, nervigen Säurestruktur, aber alles in harmonischer Balance, am dritten Tag richtiggehend saftig am Gaumen, Gesteinsnoten, prägnanter Nachgeschmack, hoho, das ist ein teutonischer Riesling im Österreichformat, einige heimische Winzer können's also doch, Respekt, Respekt Herr Buchegger, aber eigentlich wundert es mich nicht, lieb' ich doch auch auch die Moosburgerin, sowie die "grünen" aus der Lage Gebling bzw. Pfarrweingarten, **-**(*)/***
    • Podere 414, Morellino di Scansano, 2008, Toskana, mitteldichtes, jugendliches Rubinrot, eine äußerst attraktive und vor allem vielschichtige Nase, Kakao, schokoladige Noten gehen einher mit feiner Würze und einer tollen Balsamik, Teer, insgesamt eine sehr kühle Nase mit Anklängen an Eukalyptus und Minze, im Mundgefühl noch nicht ganz die Harmonie aufweisend, wirkt noch etwas ruppig mit kräftiger Gerbstoffstruktur, braucht derzeit unbedingt die Karaffe zur Belüftung, baut einen guten Druck im Mund auf, kann im Abgang aber den "Cool Climate"-Anspruch nicht ganz halten, in Summe mit vielversprechenden Anlagen, trinkt sich mit ausreichender Belüftung jetzt bereits sehr angenehm und wird sich in den kommenden 2-3 Jahren zu einem richtigen Winner harmonisieren, sicherlich einer der besten Italiener aus dieser Region, die ich jemals getrunken habe, **-**(*)/***
    • Winzerhof Sigl, Grüner Veltliner Smaragd Ried Steiger 2008, Rossatz, Wachau, kräftiges Goldgelb deutet auf eine bereits fortgeschrittene Reife hin, korrespondierende Nase, appetitliche Frucht, Würze und auch mineralische Noten, am Gaumen dann straffer, jugendlicher, Säurestruktur mit Biss, balanciert, durchaus mit Charme, jetzt mit schönem Genußfaktor zu trinken, aber auch hier das "Phänomen" einiger Wachauer Winzer, daß ich diesem Wein kein Lagerpotential zutraue, obwohl ich dies von einem Wein der höchsten Qualitätsstufe natürlich erwarte, *(*)-**/***
    • Santa Digna, Torres, Cabernet Sauvignon Rosé Reserva 2008, Chile, die bisher verkosteten Rosé-Exemplare glänzten nicht gerade, üppig, schwer, alkoholreich und allesamt etwas fad, diesmal aber war alles ganz anders:
      eine satte Farbe zwischen Kirsch- & Himbeerrot, die Nase wie ein Himbeer-Kracherl von Keli (1|2), intensiv, strömend, harmonisch, auch Noten von Erdbeere und reifer Zwetschke, saftig süße Stilistik ist der Trinkanimo förderlich, wirkt aus einem Guß, blitzsauber vinifiziert, lecker, lecker, lecker, einziger Wehrmutstropfen ist der mit 14% Vol. doch hohe Alkohollevel. Macht nichts, dann eben nicht als Aperitif, sondern gleich als Speisenbegleiter oder hinten nach!
      **/***
    • Weingut Aigner, Chardonnay 2008, Kremstal, strohgelb, wirkt anfangs sehr reduktiv, aber mit einer kräftigen Nase, Grapefruit & Zitrusfrucht, am zweiten Tag dann etwas vegetabil und gemüsig, Sellerie und Spargel, gute Balance, feiner Säurebiß, erzeugt einen feinen Druck am Gaumen, Zitrusnoten im Abgang, macht (jetzt noch immer) Spaß, *(*)/***

    Montag, 20. September 2010

    Weinrallye #37 - Tout Blanc - Weine aus dem Süden

    Baccantus möchte diesmal den Weißweinen aus dem Süden Frankreichs (1|2|3) zu einem eigenen Auftritt verhelfen und proklamierte deshalb für diese Rallye das Motto: tout blanc

    Marsanne, Roussanne, Viognier, Sauvignon, Chardonnay, Rolle (Vermentino), Grenache Blanc, Bourboulenc, Clairette Blanche, Muscat blanc à petits grains, Piquepoul Blanc, Terret Blanc & Gris, und und und..
    An weißen - und autochthonen - Rebsorten mangelt es dieser Riesenregion also wahrlich nicht.. .

    ***
    "Weiße Weine" aus dem Süden?
    Viele Weintrinker würden hier wahrscheinlich die Augenbraue hochziehen, steht doch in unser aller Synopsen der Süden eindeutig mit kräftigen Roten gedanklich in Verbindung.
    Ich hatte aber in den letzten Jahren einige Aha-Erlebnisse mit Weißweinen aus "dem Süden" - den es ja so eigentlich gar nicht gibt und hier bei mir einmal als Platzhalter für Portugal, Spanien, aber auch dem Midi zu sehen ist.
    Daß das Midi auf meiner persönlichen Weinkarte kein weißer Fleck ist - eigentlich in meinem Weinverständnis überhaupt existiert - liegt einzig und allein an der Tatsache, daß der Weinhändler meines Vertrauens einen Schwerpunkt in seinem Sortiment in Südfrankreich hat.

    Regional gesehen habe ich in meinem Kopf für den Süden Frankreichs eigentlich nur 2 Töpfe: einen für die Provence (samt der südlichen Rhone) und dann noch für den Rest ;-)
    Auch habe ich bis heute keine rechte Unterscheidung zwischen einem Wein zB. aus dem Cahors und einem in der Nähe von Montpellier, geschmacklicher Natur meine ich, geografisch weiß ich das schon auseinanderzudividieren, ungefähr zumindestens ;-)

    Und das, obwohl ich bereits einige gute Flaschen Wein aus diesen Regionen genossen habe, neben den grandiosen Weinen eines Herrn Gauby zB. einen g'schmackigen und äußerst preiswerten Viognier von der Domaine Les Yeuses, aber auch Exemplare aus dem Irouléguy, und da muß schon mal gegoogelt werden um zu wissen, wo sich das befindet!
    Alles waren - und sind - meistens Einzelflaschen, die durch meine Gurgel fließen und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die Namen der Winzerinnen und Weingüter kommen und gehen, ohne eine meiner freien grauen Zellen auf Dauer zu belegen.

    So war ich also guten Mutes, daß ich eine Flasche Weißwein, welche dem strengen Reglement der Weinrallye entsprach auch in den Untiefen der Kellerregale zum Vorschein bringen werde.
    Naja, was soll ich sagen, ich wahr wohl etwas zu voreilig und zu optimistisch und wurde erst nach intensiver Suche fündig! Dafür habe ich jetzt wieder Durchsicht bei meinem Südfrankreich-Eck :-)


    Clos Marie, Manon 2007, Pic St. Loup, Christophe Peyrus erzeugt diese Cuvée biodynamisch bewirtschaftete Reben aus Grenache Blanc, Ugni Blanc und Bourboulenc, das Holz für die Weinfässer kommt aus Österreich von Faßbindermeister Franz Stockinger und der Wein trägt den Rufnamen seiner Tochter Marie. Im Glas ein klares, helles, fast leuchtendes Goldgelb, sehr getragene, feine Nase, nichts üppiges oder überbordendes, nichts fruchtiges, eher Würze und komplexe Aromakomponenten von der Feinhefe(?), guter Extrakt, sehr rund und harmonisch am Gaumen, ein insgesamt unaufdringlicher Wein der leisen Töne, das Holz dezent in der Aromatik, gut "gemacht", hat sich einige Tage ohne merkbare Qualitätseinbuße in der Flasche gehalten, aber für mich auch ein wenig zu solide, zu brav und zu "unaufgeregt", *(*)/***

    Probiert habe ich den Wein zu verschiedenen Gerichten. Von frisch geräucherter Makrele (Steckerlfisch) über 20 Monate gereiften Vorarlberger Bergkäse bis hin zu Spinat-Feta-Strudel. Zu allen Gerichten hat es halbwegs gepasst, kulinarischer Höhepunkt in der Paarung war keiner dabei, was soll ich sagen: solo genossen hat mir dieses Exemplar einfach am Meisten gemundet.. .

    Samstag, 18. September 2010

    Weinherbst

    September und Oktober ist Weinzeit. Weinfestivitäten allerorts - dagegen ist nichts einzuwenden. Weinfeste können auch in Regionen durchgeführt werden, in denen keine Rebflächen (nennenswerter Größe) vorhanden sind. Daß aber im Großraum Linz Weinlesefeste stattfinden, finde ich schon bemerkenswert. Oder war ich einfach nur schlampig beim Lesen und es handelt sich womöglich um ein Wein-Lese-Fest, das ja semantisch durchaus was anderes ist?

    Egal, schließlich hat unser schönes Oberösterreich sowohl geschichtlich einiges mit Wein zu tun und irgendwo müssen ja auch die Reben stehen, die unsere Agrarpolitiker zu einem eigenen OÖ-Weinbaugesetz inspirierte (bei der sogar der Cot / Malbec als Tafelweintraube zugelassen ist. Respekt meine Damen & Herren, für ihre mikroklimatische Weitsicht ;-)

    Also, dann auf zum Lesefest..

    Sonntag, 12. September 2010

    HL Hatzenporter Kirchberg 2002 / 03 / 04

    Meine letzte Verkostung der Ersten Lage des Hatzenporter Kirchbergs liegt nun bereits 3 Jahre zurück und da mein Rieslingregal im Keller ohnehin ein paar Lagerplätze brauchen kann, kostete es keine Überwindung diese 3 Flaschen vom Weingut Heymann Löwenstein zum Genuß freizugeben.. .
    • Heymann-Löwenstein, Hatzenporter Kirchberg Erste Lage 2002, Mosel, kräftiges Gold, wunderbar gereifte Nase, gedörrte, süßliche intensive Früchte, Richtung Exotik, aber auch Anis, prachtvoll geschmeidiges Mundgefühl, der Extrakt kleidet jeden einzelnen Winkel aus, wird nach einem Tag noch harmonischer, die Süsse nun perfekt integriert, ein zarter Hauch von Balsamik, Petrol, wie immer viel Extrakt, zeigt aber zugleich auch feine Säure, mittellanger, balancierter Abgang, *(*)-**/***





    • Hatzenporter Kirchberg 2003, spielt doch gleich eine Liga höher, man kann das vollreife Traubengut richtig riechen, pure Honignoten, leicht parfumierte Nase, etwas Tabak, trotzdem wirkt der Wein getragen und nicht üppig, am Gaumen superbe Balance zeigend, ein Mundvoll Wein, der alles auskleidet und der - bevor's zu viel wird - das nuancierte Säurespiel nebst Mineralik zum Vorschein bringt und in den Vordergrund schiebt, im langen Abgang wiederum die süßlichen Honignoten hevorzaubert, toller, weil hedonischter Stoff, **-**(*)/***
    • Hatzenporter Kirchberg 2004, schönes sattes Gold, in der Nase erstmals reife Gelbfrucht, Birne, zart parfumiert, aber anfangs auch bereits ein Hauch von Petrol im Hintergrund, das am 2 Tag. verfliegt, mineralische, salzige Spannung, dezent kräuterwürzig, alles in Balance, wirkt fokussierter und mehr straight forward, intellektueller und weniger hedonistisch, wirkt am Gaumen fast trocken und doch mit druckvoller Substanz, die Süße noch nicht ganz eins mit der nervigen Säure, anfangs dominierendes Zitrus, das später einer salzigen Textur im Rückgeschmack weicht, hat eine erstaunliche Länge, ist kräftig, nicht fett, und doch finessenreich, ein anspruchsvoller Kirchberg, der es lohnt, karaffiert zu werden, und es belohnt, wenn man sich Zeit für ihn nimmt, toller Wein, weil doch so "anders" als die beiden Vorgänger, noch reichlich Lagerpotential vorhanden, derzeit jedenfalls ein kongenialer Partner zu asiatisch, leicht scharfen Gerichten, in unserem Fall zu Zitronengras-Gambas mit viel schwarzem Pfeffer, aber mal ehrlich: eigentlich ist so ein Kaliber zu schade zum Essen, also die halbe Flasche aufheben zum Solo-Genießen, hinterläßt nachhaltigen Eindruck, Kategorie: persönlicher Lieblingswein! **(*)/***
    Die Kostnotizen der Bloggerkollegen von "Nur ein paar Verkostungen" zum 2005er machen richtig Lust, bei dieser Lage im Jahrgang weiterzutrinken.. .
    Aber halt! Habe ich überhaupt ein solches Exemplar im Keller liegen?

    [ Zurück aus dem Keller :-( - wer erbarmt sich meiner und spendet ein 05er-Exemplar? ]

      Donnerstag, 9. September 2010

      Vom Wesen des Bio-Weins

      Der Mehrwert des Bioweins dürfte uns allen ja hinlänglich bekannt sein. Weniger Schadstoffe im Wein, nachhaltige, weil ökologische, Bewirtschaftung des Bodens, robustere, gesündere Reben ergeben auch einen qualitativ besseren Rebensaft, und so fort.. . Das alles ist nur ein kleiner Auszug der Vorteile und soll hier auch gar nicht Gegenstand der Betrachtung sein!

      Das Wesen eines Bioweins ist gar nicht so einfach zu beschreiben, denn oftmals sind Weine gar nicht als solche (nämlich als Bio) erkenntlich. Andersherum funktioniert es natürlich auch, denn biologischer Anbau alleine ist noch kein Garant für einen guten Wein.

      Allen für mich gut gemachten gewachsenen Bioweinen gemeinsam war jedenfalls immer ein
      • inneres, natürliches Gleichgewicht, die Weine sind auf eine innere Harmonie bedacht, welche auch als Spannungsboden auf der Zunge erfühlt werden kann, dh. daß alle Bestandteile wie Frucht, Süße, Gerbstoffstruktur, Säure, usw. in einem wohlproportioniertem Ganzen vereint sind - der Wein wirkt einfach entspannt, in sich ruhend und "relaxed"...
      • Säure und Frische: Bioweine wirken oftmals in ihrer Gesamtheit bzw. im Mundgefühl sehr weich. Bezogen auf die Säurestruktur (und mit einem österreichischem - heißt nördlich gepegelten - (Wein)Gaumen bestückt) kann ich manchmal fast sagen: lasch.
        Nicht immer mag ich das, manchmal verspüre ich unbändige Lust nach einer schneidigen, fordernden Säure, die mich bis in die Zehenspitzen kitzelt, lockt und munter macht. Im Gegensatz zu einem konventionellen Wein jedoch, stört das die Gesamterscheinung und Balance nicht und auch die Frische bleibt beim Bio-Exemplar stets vital.
      Beides jedenfalls ist für sich erschmeck- und erlebbar und zusammen das bisher einfachste Anzeichen, daß es sich um einen Biowein im Glas handeln *könnte*. Sicherlich gibt es noch weitere Merkmale und keinesfalls erhebe ich hier den Anspruch, daß dies eine sichere Identifikation erlaubt, aber weiter bin ich eben noch nicht vorgedrungen.. ;-)

      Was sind denn diesbezüglich eure Gaumenempfindungen?

      Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, die meine Gedanken bestätigt und wieder ins Rollen gebracht haben, ist der Wein der

      Domaine La Courtade, Alycastre 2008, Côtes de Provence, ein Rosé gekeltert aus den Rebsorten Cinsault, Tibouren und Mourvèdre, ins deutliche Orange gehender Farbton, sehr getragene Nase, Erdbeernoten gepaart mit genau der Richtigen Herbheit, die an einem heißen Tage der Erfischung förderlich ist (und wesentlicher Bestandteil eines guten Rosés ist), hat einen kühlen und erfrischenden Minz- bzw. Eukalyptushauch vorzuweisen, gutes Mundgefühl, beweist schwebende Eleganz am Gaumen samt trinkanimierende Saftigkeit mit einer fast seidigen Säurestruktur im Abgang, das Glas ist ratzfratz leer und ebenso schnell wieder gefüllt, ein exzellenter Weinwert, **-**(*)/***

      Samstag, 4. September 2010

      LoL (2) - Madeira

      Fortsetzung von LoL-"land of lizards"...

      Eigentlich haben wir ua. wegen des Neulandes des Madeiraweins diese Insel als unser diesjähriges Urlaubsziel auserkoren. Aber anstatt sich gleich zu Beginn mit den unterschiedlichen Rebsorten und Weinstilen der Insel zu beschäftigen, erklommen wir erstmals die grünen Berge, wanderten zwischen tiefen Schluchten und erlebten an einem Tag abwechselnd Sonne, Nebel und Nieselregen - das alles bei angenehmen Temperaturen jenseits der 25°C! - erfreuten uns an den Festlandweinen Portugals zu schmackhaftem, regionalem Essen, das bäuerlichen Ursprungs ist und daher zumeist ziemlich deftig ausfällt:
      - in Rotwein geschmortes, kräuterwürziges Gebirgskaninchen- köstliche wärmende Tomatensuppe mit pochiertem Ei (rettet besonders bei Nebel und Nieselregen im Hochsommer die Seelenbalance ;-)
      - Fisch in allen Variationen, so zB. der berühmte Degenfisch "espada", sehr gut als Madeirensisches Nationalgericht mit süßer Banane, aber auch Bacalhau / gepökelter bzw. frischer Stockfisch als portugiesische Spezialität
      - nicht zu vergessen meine liebste Vorspeise, Lapas (Napfschnecken) mit krossem Knoblauchbrot- für die Fleischgerichte war - sagen wir es wie es war - meisten eine Kiefermuskulatur eines Pferdes notwendig, das galt auch für den traditionellen "espetada"

      Douro, Dão und Alentejo-Weine
      , die in jedem Gasthaus reichlich und zu Preisen umd die 8 - 15 (pro 0.75l Flasche wohlgemerkt, in Funchal + Eur 5) angeboten werden, erfreuen dabei des Weintrinkers Herz und lassen einem so kräftig gurgeln, was in Anbetracht des üppigen Essens und der Größe der Portionen zur Verdauung auch ziemlich zweckdienlich ist ;-)

      1 Flasche Wein zum abendlichen Geschmause manifestiert sich somit als Standarddosis für unseren 14-tägigen Aufenthalt. Untertags sprechen wir eher dem auf der Insel erzeugtem "lokalen Saft der Passionsfrucht" in Form von "Brisa" Maracuja zu. Wegen der Süße des Getränks empfiehlt sich die Order "with plenty of ice, faz favor".

      Aber für Süße haben die Madeirenser eine Vorliebe, das merkt man auch am Poncha und der Tatsache, daß die wenigsten einheimischen herben, trockenen Weißwein schätzen! Und das, obwohl sich auf den meisten Getränkekarten neben "vinhos brancos" auch eine eigene Rubrik für "vinho verde" mit mindestens gleichvielen Positionen findet. Ein Zugeständnis an die Gäste vom Festland?
      Frisch gepreßter Zuckerohrsaft mit viel Zitrone (und optionalem Zuckerrohrschnaps) schmeckt gar nicht so übel, wie wir auf der "semana gastronomica", welche jährlich in der ersten Augustwoche in Machico stattfindet, feststellten.

      Aber zurück zum Traubensaft. Die genossenen portugiesischen Weine waren allesamt sauber vinifiziert, einmal mit mehr, das andere Mal mit weniger eigenem Charakter. In nachhaltiger Erinnerung geblieben sind uns aber vor allem aber die trocken ausgebauten, ungespriteten Weißweine der Insel. Interessanterweise setzen die meisten Restaurants aber lieber auf die bekannteren Weine aus Portugal als auf die lokalen Varietäten, denn meine Frage nach einem Angebot an regionalem Rebensaft wurde oftmals verneint. Auch mengenmäßig erklärbar, werden doch nur rund 57.000 l Stillwein der Qualitätsstufe VQPRD (Qualitätswein mit Herkunftsbezeichnung) jährlich erzeugt, das entspricht gerade einmal mickrigen 0,01425% der Gesamtweinproduktion! Quelle: IVBAM

      Nur am nordöstlichsten Zipfel in Porto Moniz - wo sich selbst auch eine größere Anbauzone für (gespriteten) Madeirawein befindet - und in Funchal haben wir in den Restaurants einige Exemplare genießen können. Auf alle Fälle lohnt es sich danach zu suchen, denn die Qualität der meistens aus Verdelho-Trauben gekelterten oder in einer Cuvée mit der deutschen Neuzüchtung Arnsburger, mineralischen geprägten Weißweine ist sehr ansprechend und braucht keinen Vergleich mit den Festlandweinen Portugals zu scheuen.

      2 Exemplare des Jahrgangs 2008 habe ich in besonders angenehmer Erinnerung:
      • Terras do Avô ("Land des Großvaters") Branco mit lustigem grünen Etikett! und
      • den Barbusano (bezeichnet eine Art Lorbeergewächs) der gleichnamigen Quinta aus São Vicente
      Die Glaskultur auf der Insel ist sehr unterschiedlich und durchwegs durchwachsen. Ein gehobeneres Lokal ist noch kein Garant für ein ansprechendes Glas. Manchmal ist das auch gar kein Problem, ein süffiger Zechwein zum rustikalen Essen kann auch aus einem ordinären, gerollten 1/8l-Glas schmecken, bei einem fragilen Weißen zu frischem Fisch jedoch steigen schnell die meine Ansprüche (an ein dünnwandiges Glas mit mehr als 0.1l Fassungsvermögen).

      Ein paar sehenswerte Bilder der auf der Insel kultivierten Stillweine gibt es in einem Beitrag der spanischen Vinum-Ausgabe vom Dezember 2009.

      Fortsetzung folgt...

      Dienstag, 31. August 2010

      Ein toller 2010er Jahrgang

      Das ist ja wieder einmal typisch Österreichischer Rundfunk (ORF).
      Obwohl auch heuer wieder Weinmacher und Blogger Dirk Würtz als erster Verkünder des nächsten Jahrhundertjahrgangs aufgetreten ist - liebe Weinjournalisten, merkt ihr denn nicht von welch immenser Last euch dieser Mann befreit? - schafft es der heimische Informationsanbieter am selben Tag noch eins draufzusetzen.

      Die lockende Überschrift:
      Weinjahrgang 2010: Wenig, aber gut

      Letzter Absatz relativierend (im Futur):
      "Was die Qualität betrifft, ist man aber zuversichtlich. Vorausgesetzt, der Herbst bringe noch genügend Sonnenstunden, werde der Jahrgang 2010 ein guter, sagte Pleil"

      Wer führt da in der niederösterreichischen Redaktion das Interview? Der Wetterfrosch? Wohl an lieber ORF, ich drücke euch die Daumen, daß auch ein wenig Sonne auf euer Redaktionszentrum scheinen möge..

      Sonntag, 29. August 2010

      Kommt Zeit, kommt (grandioser, österreichischer) Wein

      Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

      Diese Binsenweisheit gilt auch beim Wein und obwohl ich von vielen Winzern und Produzenten österreichischen Weins überzeugt bin und unserer Nationalrebsorte - dem Grünen Veltliner - sehr zugetan bin, so schielte ich doch in den vergangenen Jahren auch immer etwas neidisch zum westlichen Nachbarn und seinen feinen, nervigen, messerscharfen und mineralisch geprägten Weißweinen, allen voran dem Riesling.
      Erst die tolle Rieslingstilistik der Nahe, Mosel und der Pfalz hat in mir überhaupt die Leidenschaft für diese Rebsorte geweckt.
      Und obwohl ich die österreichische Leitsorte in Weiß mindestens ebenso hoch einschätze - vielleicht sogar ein eitzerl darüber - haben mir die Weine, die diesen Beweis erbringen, bislang gefehlt.
      Auch wenn mir dies Ilse Mair vom Weingut Geyerhof heuer versicherte, daß Grüner Veltliner als kongenialer Partner zum Transport des Terroirs (in Österreich?) noch besser geeignet ist, als der Riesling.
      ***
      Zum Hochzeitstag führt man seine Frau fein zum Essen aus, so gehört sich das und ebenso gehört zu einem guten Essen auch ein guter Wein.
      Da unser Lieblingslokal zur Zeit wegen Urlaubs geschlossen hat, packten wir die Gelegenheit beim Schopf, einmal ein Lokal zu versuchen, von dem wir schon einiges Gutes gehört hatten. Die Weinkarte wurde meinerseits bereits im Vorfeld sondiert und erfreute mein Weinherz durch eine durchdachte Auswahl und erfreuliche fair kalkulierte Preisgestaltung.
      Langer Rede, kurzer Sinn, der Abend war lau, erlaubte das Sitzen auf gemütlichen Sesseln auf der Terrasse, das Service war nett und die Atmosphäre ungezwungen, das Essen gut, ließ aber für den Preis etwas die Finesse vermissen, der Wein jedoch, der war himmlisch!
      Das war genau einer von jenen Exemplaren, die beweisen, daß meine "Lieblingsweißweinstilistik" (beim Riesling) auch beim "Grünen" existiert. Na also und na endlich!

      Ein 2008er Grüner Veltliner Stockkultur Achleiten aus dem Weingut Prager in der Wachau war der Star des Abends, offen von Anfang an, schwebende und dezente Nase, zuerst grün-apfelig, dann Ringlotten, gelbe Äpfel und Birne, Würze, tolle Finesse am Gaumen, trinkfreudig mit perfekt harmonischer Säurebalance, mineralisch geprägt, dezent und nie üppig, ein Sir vom "Korken zur Flasche", ein superber Begleiter zu Aufstrich, Bouillabaisse, krossem Steinbutt auf Melanzani, und weich geschmortem Gab mit Parmesanpürree und Eierschwammerl, ein toller Wein aus einer tollen Lage aus einem tollen Jahrgang! **(*)/***

      Und wie wenn nicht ein Beweis gereicht hätte, meinen Glauben an die heimische Rebsorte #1 zu festigen, kommt am Tag danach erneut eine weitere Offenbarung aus dem gleichen Jahrgang!

      Weingut Neumayr, Grüner Veltliner "Wein vom Stein" 2008, Traisental, heller Farbton mit deutlich grünen Reflexen, von Anfang an eine "zwingende" Nase, fokussiert und messerscharf, Feuersteinaromatik, im Hintergrund der exotische Fruchtkorb, Banane, gelbe Birne, wirkt ungemein kühl beim Riechen, tänzelt spielerisch leicht über die Geschmacksknospen, bietet ein finessenreiches und doch druckvolles Gaumenerlebnis, die Frische und präsente Mineralik sind deutlich erschmeckfühlbar, alles in Balance, nerviges Säurerückrat, Zitrusnoten im Rückgeschmack, spannungsgeladen, gleich einem feinen Stromspiel "bremselnd" auf der Zunge (wer jemals eine 9V Blockbatterie an seine Zunge kurzgeschlossen hat, weiß, wovon ich hier spreche), wunderbare Eleganz, es sind Weine wie diese, die mich andächtig innehalten, denn das ist großer Stoff und entspricht genau den Komponenten, die ich im Wein so suche! **(*)/***

      Zuletzt hatte ich mit einem 2006er Brauneberger Juffer feinfruchtig von Thomas Haag / Schloß Lieser soviel Spaß - oops - schon wieder diese deutschen Rieslinge ;-)

      Dienstag, 24. August 2010

      LoL (1)

      Ausnahmsweise steht der Titel diesmal nicht für eines der Netzakronyme "LoL = laughing out loud" - auch wenn dies vor lauter Freude über einen wirklich tollen, weil erlebnisreichen Urlaub ebenso passend wäre, nein, in diesem Fall habe ich es als Arbeitstitel und stellvertretend für "Lands of Lizards" gewählt - was schon einmal einen Hinweis auf unsere Urlaubsdestination gibt.

      Auch wenn ich diesmal mit einem Netbook und dem fixem Vorsatz "bestückt" war, den einen oder anderen Beitrag zumindestens zeitnahe zu verfassen und auch das öffentliche WLAN / WiFi-Netz wirklich erstaunlich gut ausgebaut ist, so war unser Programm doch so dichtgedrängt, daß ich den Gedanken an eine simultane Berichterstattung sehr früh wieder verworfen habe! Von der Trägheit nach dem täglichen, abendlichen Genuß einer Flasche Wein gar zu schweigen.. .
      So gibt es also das Erwähnenswerte in kleinen Happen - sozusagen als Reprise bzw. Aufguß...
      Auf der Insel der Eidechsen!
      Urlaub, Urlaub - ja endlich! Als Destination haben wir uns diesmal eine Weinregion ausgesucht, mit deren Weine wir noch keine ausgiebigen Erfahrungen gemacht haben. Eine Weinregion, welche mit ihren an einer Hand abzuzählenden Rebsorten seit Jahrhunderten den gleichen Wein in den gleichen Stilistiken erzeugt, fernab jedweglicher Modeströmungen und so ist es auch nicht wirklich verwunderlich, daß dieser Wein heutzutage bei den wenigsten Weintrinkern eine Rolle spielt, auch wenn es einige wenige(? inklusive mir) gibt, die seiner Art und seinen Charme zu schätzen wissen und die "altmodische" Stilistik herrlich entschleunigt!
      Vielleicht ist die Affinität zu diesem Getränk auch in den Weinerlebnissen meiner Jugend zu finden, denn diese hatten mit den beiden anderen bekannten Regionen zu tun, die eine ähnliche Weinstilistik bzw. Produktionstechnik besitzen.
      So waren meine Eltern und ich zu besonderen Anlässen immer in einem Restaurant zu Gast, in dem der Patron stets ein kleines Faß Fino-Sherrys sein Eigen nannte. Zudem beherrschte er auch das stilechten Ausschenken aus diesem Faß mit einer Venencia in 4 in einer Hand zwischen den Fingern eingeklemmten Sherrygläsern.
      Das zweite Erlebnis hatte ich während meiner ersten Interrail-Reise in Porto, genauer in der Vila Nova de Gaia. Portwein war Liebe auf den ersten Schluck und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich die Begegnung mit dem dritten bekannten gespriteten Wein suchte, jenem aus der Blumeninsel Madeira!


      Daß wir dieses Eiland in erster Linie nicht mit der Blumenpracht, sondern mit Eidechsen assoziieren, liegt einfach daran, daß es gar nicht soviele Blumen wie smaragdgrüne und braune Exemplare dieser Tiere geben kann!
      Wo ein Stein, dort eine Eidechse, wo eine felsige Mauer, dort waren deren 100 anzutreffen und wir hatten oftmals Spaß daran, sie zu beobachten und die doch recht zutraulichen Tierchen zu füttern.

      Freitag, 20. August 2010

      Weinrallye #36 - Wein & Musik

      Nachdem ich die letzte Rallye zum Thema "Wein & Stein" bewußt ausgelassen habe (der georderte Wein traf einfach viel zu spät ein, dafür ersparte ich mir all die Assoziationen zum Thema Wein, Gestein & Mineralik ;-) freue ich mich nun auf das vom WeinReich-Blog kundgetane Thema "Wein & Musik".

      Ein dankbares Thema, so denke ich mir, läßt sich doch eigentlich eine jede Flasche (Wein) in geeigneter Weise mit Musik kombinieren..

      Ein paar Gedanken zu der im Weinrallyeaufruf erwähnten Studie:

      "..ein schwerer Cabernet wird am besten genossen zu Jimi Hendrix.."

      Aha..
      So so..
      So verkehrt kann die Welt (in meinen Augen) sein..

      Und während ich sowohl einem tanninreichen Cabernet als auch der Musik des Gitarrengotts positive Seiten abgewinnen kann, ist für mich eine Symbiose aus beidem nur schwer nachvollziehbar. Ein guter Cabernet braucht Hingabe, genauso wie ein perfektes Gitarrensolo. Aber beides zur gleichen Zeit? Nein, das ist ein kein "sowohl - als auch", sondern für mich ein ganz klares "entweder - oder"! Außergewöhnliches hat Tiefgang und will für sich alleine erobert werden, da reicht es nicht aus an der Oberfläche zu kratzen. Lahme Musik und mittelmäßigen Wein gibt's in rauhen Mengen, davon braucht keiner einen weiteren Aufguß.
      Desweiteren ist doch erwiesen, daß Männer nicht multitaskingfähig sind!

      Das alles ist also ein wenig wie "Minus mal Minus ergibt Plus" und so greife ich bei Hendrix dann lieber zum Bier, von mir aus auch zu einer Caipirinha - aber sicherlich zu keinem Aperol-Sprizz ;-).

      Besser wär's der wundervollen Stimme einer Elina Garanca zu lauschen, denn da passen neben dem Cabernet auch noch etliche andere ganz feine Sachen im Wein & Food-Pairing-Kontext dazu. Das wiederum ist ein wenig so wie die Anekdote von "Mouton Rohschild und dem Fisch" - ein wirklich guter Wein paßt demnach so ziemlich zu allem.. .

      Aber über die Qualität des Weines wurde in der Studie ja keine Aussage gemacht oder? Vielleicht brauchte man ja gerade extasische Musik vom Stile eines Jimi Hendrix, um dem Wein irgendeine positive Seite abzugewinnen? Egal!

      Im übrigen stehen auch weitere Personen kritisch dieser Studie gegenüber, so zB. Tim Atkins in einem Artikel der Online-Ausgabe des englischen "The Observer" - über den ich auf der Suche nach der Weinblubber-CD vom burgenländischen Winzer Willi Opitz gestoßen bin.
      Eine nette Idee vom findigen Vermarkter Opitz, der ua. auch Süßwein für das Formel 1-Team McLaren und Mr. President Bill Clinton erzeugt (hat). Richtig heißt die CD von seinen gärenden Weinen übrigens "Sound of Wine".

      Auch das Weingut Höpler in Winden am Neusiedlersee hat in seinen Weinräumen eine Ort für die Vermählung von Klang und Wein eingerichtet.
      Wir sehen also, daß der Kombination von Wein und Klang(bausteinen) bzw. Musik fast keine Grenzen gesetzt sind.

      So entstehen aber auch eigene (Wein)Klangbilder, wenn man es schafft, sich auf den Wein einzulassen und mit ihm in Dialog zu treten. Natürlich klappt das nicht mit jedem Wein, muß es ja auch gar nicht. In einer nettem Runde mit Freunden ist der Wein ja oftmals nur (nebensächlicher) Begleiter - jedoch selten bei mir ;-) - und dann fällt bei einer hervorragenden Flasche schnell mal der Satz: "Der singt ja richtiggehend!" - q.e.d!

      Guter Wein erzeugt seine eigenen Vibes - ich möchte hier nicht pathetisch "vom Singen" oder "(Wein)Musik" sprechen - alternativ kann ein jeder seinen Kopf in ein Weinfaß stecken und dann mal lauschen ;-) - so wie bei den Höplers.
      Dieses Hineinhorchen in den Wein braucht Konzentration und Muse. Konzentration, die nicht immer vorhanden ist, aber wenn, dann lieber gleich Wein!Klang!Pur! Ohne laute Beschallung. Nichts gegen eine chillige Backgroundmusik, muß aber auch nicht immer sein. Und außerdem tauchen bei den vielfältigen wahrgenommenen olfaktorischen Komponenten (m)einer Weinnase ohnehin vielfältige Assoziationen zu Klangfragmenten auf.
      Beispiele gefällig? Die Klängen von (fallenden, brechenden) Gestein wie Schiefers und Granit, Vogelgezitscher und Grillengezirpen im Marillen(oder wein)garten, Geräusche des Gärspunds, der alte, tuckernde 15er-Steyr-Traktor im Weingarten (auf dem ich als 14-jähriger das Fahren gelernt habe), das leise Klangspektrum in der Sommerzeit beim Heurigen im "weiten Land" (des Weinviertels), das konzentrierter Schlürfen und Gurgeln bei der Verkostungsarbeit, der Klang von dünnwandigen Weingläsern, das Quietschen des Korkenziehers beim Durchdringen desselbigen, das Grollen des Postlers, der immer meine Weinlieferungen schleppen muß, und und und.. .

      Und bevor es jetzt zu philosophisch wird, gehe ich in den Keller und hole mir eine Flasche herauf, die richtig rockt! Und das ganz ohne den guten alten Jimi H. ;-)

      PS: Nettes Weinrallye-Logo übrigens, liebes Weinreich-Team!

      Samstag, 14. August 2010

      Sommergenüsse x 2

      (1) Die Olive und ich

      Sobald meine Schwiegereltern wieder die alljährlich Reise über den Brenner antreten, ist das Gebot der Stunde, ihnen den Einkaufszettel für Sterzing mitzugeben. Fixpunkt darunter sind die Oliven der Marke "Nr. 1 von Italien".
      Diese grünen "Le Giganti" zeichnet eine feinfruchtige, zartsäuerliche Konsistenz mit herrlich festem Fruchtfleisch aus - optimal für jegliche Antipasti - die ich in Kilo-Dosen zu vertilgen im Stande bin!
      Und ich habe nördlich des Brenners wohl hunderte Italiener mit ihrem Olivenangebot getestet, aber keine ist wie diese!


      Eine Traumkombination dazu ist  Josef - Pepi - Umathums Muskat Ottonel 2009, Neusiedlersee, der mir schon im spätherbstblichen Vorjahr zu gefallen wusste,  blasses Strohgelb, zarte, ja schüchterne Muskataromatik, Blütenaromen, wirkt niemals aufdringlich, trockener - nein knochentrockener! - Stoff, der mit seiner angenehmen herben Art im Nachgeschmack dem Typus eines eines idealen heißen Sommer-Nachmittags-Terrassen-Essenbegleiters zu Antipasti oder leichtem Fisch schon sehr nahe kommt, ebenso gut solo als Aperitifwein geeignet, wunderbar filigran vinifiziert, zusammen mit Bernhard Fiedlers Exemplar aus dieser österreichischen Rebsorte eine nachdrückliche Empfehlung, der Zantho eine Spur besser als Apero-Starter, Bernhards Wein eine Spur vielschichtiger als Solovariante! **/***


      Mit der Olive zusammen ergibt das ein kongeniales, weil rundum harmonisches Geschmackserlebnis im Mund, das von einem abwechselnden Bedürfnis, weiter Oliven bzw. Weinschluckerl zuzuführen, geprägt ist!

      (2) Eintopfvariation

      Meine liebe Renate ist eine Meisterin der Spontanküche. Wann immer es schnell gehen soll oder die vorhandenen Zutaten unseres Kühlschranks zu einem Festschmaus verarbeitet werden sollen, dann brauche ich mir nur die Hände (wegen der Vorfreude) zu reiben und zu bitten: Renate, Eintopf bitte.. :-)

      Diesmal ganz einfach:
      Zwei große Bund Jungzwiebeln, viel Knoblauch, Sellerie, 2 große Erdäpfel / Kartoffeln grob schneiden, in gutem Olivenöl anbruzzeln, frische Cocktailtomaten und getrocknete bzw. eingelegte Tomaten, Rosinen, asiatisches Gewürz mit viel Curry dazugeben, mit Gemüse- bzw. Hühnerbrühe aufgießen, nebenbei Putenfilet in Streifen schneiden und in Butter anbraten, zum gedünsteten Gemüse dazugeben, mit einem Schuß Obers abschmecken, frisch gehackte Petersilie und eine Portion würfelig geschnittener Feta unterrühren, salzen und grob aus der Mühle pfeffern.. und am sommerlichen frühen Abend heiß genießen!
      Wie immer gilt natürlich: je hochwertiger (Bio!) und frischer die Zutaten, desto g'schmackiger das Essen!


      Der Wein dazu, ein 2006 Grüner Veltliner Gottschelle aus dem Stiftweingut Göttweig, Kremstal, von Fritz Miesbauer (Winzer Krems) perfekt "in Szene" gesetzt, helles Goldgelb, offen Aromatik, typische Veltlinernoten im Spätlesebereich, hochreife Gelbfrucht, Exotik, ein Maulvoll Wein, herrlich balancierte Fruchtsüsse, druckvoll am Gaumen, gute Substanz und harmonischer Abgang, ein Paradewein aus einem pipifeinem Jahrgang, jetzt bereits mir Hochgenuss zu konsumieren! *(*)-**/***

      Dienstag, 20. Juli 2010

      TYA 1999 - Rotes Österreich und der Rest (6)

      Bei den österreichischen Spitzenweinen in der Preisklasse um €35 habe ich einfach den Anspruch, daß sich die Weine mit Lagerung verbessern und die 10-Jahreshürde mit Bravour meistern. Aus einem guten Jahr - und das kann bei den heimischen 99er-Weinen als gegeben angesehen werden - und mit der entsprechenden Weinstilistik (keine Weichspüler!) sollten sich meine Vorstellung auch im Glas wiederfinden.

      Als Tipp habe ich im Vorfeld den Admiral, Comondor und Titan etwa gleichauf eingeschätzt, alle drei habe ich in ihrer Jugend als stramme Burschen mit mächtigen Gerbstoffen erlebt, der Gabarinza etwas femininer und auch den Perwolff kenne ich als Wein, der schon in jung getrunken großen Spaß bereitet.
      Meine Prognose sollte sich allerdings nur zur Hälfte bewahrheiten und leider waren auch wiederum Korkler mit von der Partie :( - na klar! So wirklich überzeugen wußte nur Teschs Titan, über den ich als Sieger auch ein paar Worte verlieren möchte.
      Der Titan ist der Spitzenwein des Weinguts Josef "Pepi" Tesch. 1999 war nach 1997 der 2.te Titan und wurde noch mit Hilfe von Freund und Nachbar Heribert Bayers vinifiziert, der damals in Sachen Weinkonsulent mit so klingenden Namen wie Franz Schindler, Josef Umathum, Hans Feiler, Gustav Krug und Erich Giefing als Geburtshelfer einiger österreichischer Barrique-Weinlegenden wie zB. Cuvée d'Or, Hallebühl, Solitaire, Albatros und Cardinal fungierte. Ein nachvollziehbarer Schritt, da nach der Auswanderung des Bruders die Nachfolge im Betrieb Tesch ungewiß war und Josef Tesch vollberuflich als Kellermeister bei der Winzergenossenschaft Neckenmarkt engagiert war. Der 1999er ist meines Wissens übrigens auch der einzige Jahrgang des Titans, der in seinem Rebsortenmix zu einem Viertel Zweigelt enthält.  (1|2)

      Ganz interessant zur Nachlese ist auch die 99er-Hitliste von Peter Moser aus der falstaff-Verkostung.

      • Krutzler, Perwolff 1999, Südburgenland, eine Cuvée aus mehrheitlich Blaufränkisch, leider in der Nase deutlicher Kork, am Gaumen dann zum Glück kaum merklich, als Essensbegleiter noch akzeptabel und trotzdem: warum trifft es immer solche Flaschen und nicht die €10 Weine?
        Ich gebe daher - wie immer bei solchen TCA-verseuchten Exemplaren - nur eine Grundtendenz an: der Perwolff wirkte insgesamt noch juvenil mit einer feinen Säurestruktur, zivilisiertes, eher geschliffenes Gesamterscheinungsbild, oW.
      • Pöckl, Admiral 1999, Mönchhof, Neusiedlersee, eine Cuvée aus 70% Zweigelt und je 15% Blaufränkisch bzw. Cabernet Sauvignon, beginnendes Granatrot, in der Mitte mit "festem" Kern, expressive Tertiäraromen nach Leder und Balsamik, Teer, Bitterschokolade, am Gaumen mit noch viel süßer, rotbeeriger Frucht ausgestattet, zeigt sich erstaunlich rund und ausgeglichen, hätte mir viel mehr Gerbstoff erwartet, so ist die feste Tanninstruktur im Verbund mit einer fein verwobenen Säure nur zart angedeutet, süßlicher Abgang, etwas Alkohol, nicht allzu lange, nicht schlecht, aber was bleibt als Profil und eigenständigem Charakter bei diesem Wein noch übrig, was nicht auch andere Weine besitzen? Für mich doch ein wenig enttäuschend, *(*)/***
      • Tesch & Bayer, Titan 1999, Neckenmarkt, Mittelburgenland, die Zusammensetzung dieser "4er-Cuvée" enthält die Rebsorten Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Syrah und Zweigelt zu jeweils gleichen Anteilen, Rubinrot, wirkt noch jugendlich in seinem Farbspiel, bei Eintauchen meiner Nase ist das von Anfang an ganz klar, das ist feinste Bordeaux-Stilistik, zeigt viel Balsamik und dunkle Noten von Teer, am Gaumen fast schwebend, mit einer ätherischen Leichtigkeit gleitet der enorm fruchtsüsse Stoff über meine Zunge, ein perfekter Mix aus Seidigkeit und Struktur, die Tannine reif und balanciert, ein stringentes Stück Zeitgeschichte aus der Kategorie "österreichischer Spitzenwein", hat noch Potential für weiter 5 Jahre, obwohl ich bezweifle, daß sich dieser Wein sich noch "schöner" zeigen kann, am zweiten Tag dann Rumtopf, die Gerbstoffe vor allem im Nachgeschmack deutlich präsenter, einem guten Bordelaiser St. Estephe nicht unähnlich, **(*)/***
      • Hans "John" Nittnaus, Comondor 1999, Neusiedlersee, Bordeaux Cuvée aus CS, Merlot und einem Schuß österreichischem Patriotismus in Form von Zweigelt, aus der Golser Spitzenlage Ungerberg, beginnendes Granat, fein süßliche Aromen entsteigen dem Glas, die übliche Balsamik in Form von teerigen Noten, darüber hinaus nehme ich aber auch geruchliche Assoziationen an Nuß(likör), Rosenblätter und ätherische Obertöne wahr, der Wein ist geprägt von Noblesse, ein Sir sozusagen, zeigt sich am Gaumen anfangs fast schwebend leicht, geschmeidig mit kräutriger Würze, viel süsser Fruchtcharme, wird hintennach etwas fester, reife Gerbstoffe schaffen eine griffige Textur, der Alkohol leicht wahrnehmbar, im Abgang mit Adstringenz ausklingend, nicht ganz balanciert, aber harmonischer, von der Säure getragener Rückgeschmack, **/***
        (zum Vergleich die Notiz vom April 2009)
      • Heinrich, Gabarinza 1999, Gols, Neusiedlersee, beginnendes Granatrot, dunkler Kern, anfangs etwas "verstaubte" Nase, dann kurzzeitig Heidelbeere, Karamel, Sanddorn, nach einer halben Stunde steht nur mehr eine maggikrautartige Würze im Glas, am Gaumen fest strukturiert, keine Spur der opulenten Fruchtfülle der anderen Weine, eher kurz und im Angang nicht mehr ganz balanciert, da sich der Alkohol "löst" und ein Eigenleben führt, *-*(*)/***
      • Château du Cèdre, Le Cedre 1999, Cahors - Kork und was für einer, intensiver kann's nicht sein :-(
        Um ehrlich zu sein war eine total verhunzte Flasche in der 99er-Verkostungsserie ja  fast überfällig, blöd nur, daß es gleich zwei Exemplare erwischt hat...
      • Als kleine Entschädigung gab's dafür noch eine Einzelflasche des prachtvollen Ronco Vieri, DOCG Ramandolo 1999, Friaul, satte Bernsteinfarben, die Aromen ganz klar Richtung Mandeln, ein Duft wie nach Contucchi aus Siena (toskanisches Mandelgebäck), wow - frappierend, was für eine Leichtigkeit am Gaumen, eine fantastische Ausgewogenheit zwischen Süsse und Säure, fast schwebend und doch mit Substanz, da rinnt auch das dritte Glas ohne Probleme ganz seidig leicht den Schlund hinunter, ein fantastisches Exemplar aus der Verduzzo Friulano-Rebsorte, sorgt für ein Verzücken meinerseits, **(*)/***

      Donnerstag, 15. Juli 2010

      BordeauxWahn(ohne)sinn

      Unglaublich. Flatterten doch letzte Woche endlich die Subskriptionsangebote der ersten Gewächse des Bordelais auf meinen (elektronischen) Schreibtisch. Ich hab schon zweimal hinsehen müssen um es zu glauben!

      Eine Flasche Lafite-Rothschild um schlappe eintausend_und_fünfhundert Euro! Das ist doch der blanke Wahnsinn! Dagegen macht sich ein Mouton-Rothschild oder Haut-Brion um € 850,- fast wie ein SuperSonderangebot mit 40% Preisabschlag aus! Aber eben nur scheinbar.

      Egal, die freie Marktwirtschaft (und der Shareholdervalue) macht's möglich und ich habe ohnehin bei Eur 300 zu zählen aufgehört. Gelacht haben wir auch damals schon, bei der 1994er Subskription, wo eine Flasche knapp 600 Schilling (€ 43) gekostet hat, Montrose 60% weniger und die bürgerlichen Gewächse weniger als ein Drittel - eine faire Preisstaffelung.

      Ein Glück, daß in meiner Bordeauxwelt die (Preis-Wert)Realität noch immer vorhanden ist, denn ein Charmail, Villars oder Croix de Gay sind auch heute noch bezahlbar, mit einem akzeptablen Preissteigerungsfaktor von 1.3 seit 1994 im Vergleich zum 20(!)-fachen des Mouton.

      Die Aussagen zur Qualität des 2009er Jahrgangs stimmen ja doch ganz optimistisch, obwohl ich skeptisch bin, hat doch bisher kein einziger hochgelobter 2000 wirklich brilliert. Obwohl, ich mag auch kräftige fruchtsüße Chilenen. Die sind allerdings um deutlich weniger Euronen als die Franzosen zu beziehen - abwarten und sich einstweilen am Kellerbestand erfreuen!

      Mittwoch, 7. Juli 2010

      Mission Bordeaux 2007

      Während sich alle Welt am neuen Jahrhundertjahrgang erfreut - nach 2000, 2003 und 2005 eh' erst der vierte(!) in dieser Dekade - und sich gleichzeitig über die absurden Preisgestaltungen der arrivierten Châteaus mokieren - wieso eigentlich, ist doch das gleiche bigotte Schauspiel wie jedes Jahr? - ist es an der Zeit, sich an den noch "frischen" (und preiswerten) 2007er Weine zu erfreuen.
      Schon lange habe ich es aufgegeben, den traditionellen Jahrgangsbewertungen wie ein Lemming zu folgen, zu angenehme Weine aus kleinen Jahrgängen habe ich schon im Glas gehabt. Und das ohne 20-jährige Bordeauxerfahrung, ohne Teilnahme an Primeurvertkostungen und auch ganz ohne Premiers Crus!
      Ja ich wage sogar die Behauptung, daß bei sorgfältiger Auswahl der Flaschen ein ebenso großer Trinkspaß wie bei den sogenannten Topjahrgängen garantiert ist - alleine schon wegen der entspannteren Erwartungshaltung dem Flascheninhalt gegenüber. Die Schonung der eigenen Geldbörse inkludiert!

      2 außerordentliche und 3 wirklich gute Weine - allesamt noch in ihrer ansprechenden Fruchtphase behaftet - haben mich sehr positiv überrascht! So soll's sein und das ist mit ein Grund, warum sich (preislich angemessener) Bordeaux nachwievor in meinem Keller findet!
      • Château Rol Valentin 2007, St. Emilion, Rubinrot, hochfeine und expressive Nase, tolle Röstaromen, Kaffeelikör. Milchschokolade, Brombeere, wirkt sehr kühl, korrespondierende Aromatik am Gaumen, sehr zivile Stilistik, Noblesse, mittelgewichtig, gut saftig, balanciert, zeigt schon gute, fruchtbetonter Abgang, die Gerbstoffe im Hintergrund, recht harmonisch, mittellanger Abgang, macht Spaß, **/***, Potential!
      • Château la Grave 2007, Pomerol, ein Wein aus dem Stall von Jean Pierre Moueix, mitteldichtes Rubinrot, erster Eindruck beim Reinriechen: pures Cassis / Johannisbeer, zweiter Eindruck: ich bin falsch in Bordeaux - viel eher ist das hier Merlot aus Chile, tiefe, strömende Würze & Gewürze, das Holz perfekt integriert, ein wenig zitronig, dunkle Schokolade, am Gaumen saftig (und so wie in Übersee) leicht feurig, hat Pepp, balanciert mit reifem Tannin, insgesamt macht der Wein Spaß, hat für mich aber ein Identitätsproblem! Wirkt insgesamt geschliffener als die Weine aus der neuen Welt, aber Bordeaux ist das trotzdem nicht. Obwohl, was weiß ich schon von Pomerol? Entwickelt am dritten Tag dann balsamische Noten, Teer, wirkt seriöser, wiederum Anklänge an Zitrus, toller, weil richtig hedonistisch reifer Stoff! **-**(*)/***
      • Château Barde Haut 2007, St. Emilion Grand Cru, leuchtendes, aber nicht allzu dichtes Rubinrot, sehr getragene, attraktive Nase, Heidelbeere und Brombeere, Zwetschke, Milchschokolade, leicht parfumiert, straffes Mundgefühl, wirkt kompakt, gute Balance, fokussiert zum Abgang immer mehr, engmaschig, herrliche, feinnervige Säurestruktur stützt den Wein, minutenlanger Abgang, geschmeidiger Extrakt und Säure umkleidet den Gaumen! Zeigt am zweiten Tag eine Tolle Textur, ätherische Noten von Eukalyptus, Veilchen, insgesamt sehr vielschichtig, reifes und weiches Tannin, feurige, bleibt immer engmaschig und wirkt niemals fett oder gar breit, viel Potential, toller Stoff zum attraktiven Preis! **-**(*)/***
      • Château Belgrave 2007, Haut Medoc, sattes Rubinrot, anfangs feine Röstaromatik, Tropenholz, die Frucht im Hintergrund, wirkt etwas "spröde", aber nicht unharmonisch, am dritten Tage dann das blühende Leben, die Holznoten sind komplett eingebunden, Himbeere, ganz zart Brombeernoten, Zwetschkenkonfit, dunkle Schokolade, am Gaumen fest, der Cabernet-Anteil ist merkbar, und doch so runder Fruchtgaumen, wunderbar balanciert, reife Gerbstofftextur macht den Wein angenehm stoffig, kühler Weingenuß bis in den mittellangen Abgang, bereitet gutes Trinkvergnügen und bietet viel Wein für's Geld, **/***
      • Domaine de Chevalier 2007, Pessac-Leognan, Rubinrot mit dunklem Kern, rotbeerige, ansprechende Fruchtnoten, die Holzunterstützung fast nicht merkbar, feiner Gaumen, zurückhaltend, aber trotzdem gute Struktur zeigend, reifes Tannin, alles in feiner Harmonie, nach 3 Tagen zeigt der Wein viel Würze, schwarzer Pfeffer, erdige Komponenten, schöne Balance zwischen Fülle und Säure, zeigt eine superbe Balance und ist wiederum ein gelungenes Beispiel dafür, warum ich Bordeaux so mag - zivilisierte Kraft in "a perfect shape", ist aber am Ende des Tages (für sein Preisetikett) auch ein wenig (zu) einfach gestrickt! Zuwarten, *(*)-**/***

      Samstag, 3. Juli 2010

      SALON 2010

      Da sind sie also wieder, die SALON 2010 Weine (Auserwählte & Sieger) aus dem lt. Eigendefinition "härtestem Weinwettbewerb" des Landes!

      Mein Selbstversuch vom voriges Jahr war derart erfolgreich, sodaß er heuer prolongiert wird. Damals habe ich mit den Weinviertlern mit "SALON-Pickerl" einen guten Griff getan und hatte ansprechende Weine im Glas. Das freut einem natürlich, zumal es sich doch großenteils um für mich unbekannte Weingüter gehandelt hat.

      Auch im Supermarkt tauchen die SALON etikettierten Flaschen zuweilen auf und meistens streckt sich dann auch sofort meine Hand aus um zumindestens ein Exemplar in den Einkaufswagen zu verfrachten. Die Qualität der Weine war immer tadellos, auch wenn die Auszeichnung keine Aussage zur Stilistik der Weine ist. Eine solche ließe sich nur über Kenntnis zum Jahrgang (Witterungsverlauf), Bandbreite der Rebsorte und Betriebsphilosophie erahnen. Außerdem wollen wir doch eine möglichst große Vielfalt, nichtwahr, und insofern wäre eine Forderung nach einer "stilistischen Kennzeichnung" durch das Logo auch nicht zielführend und sinnvoll.

      Das SALON-Logo als Orientierungshilfe für Konsumenten? Diese voriges Jahr gestellte Frage läßt sich nun ganz eindeutig mit Jein beantworten - Ja in Bezug auf die Summe aller Maßnahmen, welche zu einem hochwertigen Wein führen, Nein bezogen auf die Erfüllung der persönlich präferierten Weinstilistik. Und die ist bei einigen Konsumenten oftmals viel enger gefasst als wir glauben.. .