Donnerstag, 31. Dezember 2009

Guten Rutsch & Prosit Neujahr!

Allen meinen Bekannten und Weinblogger-Kolleginnen & -kollegen wünsche ich einen guten Rutsch in die neue Dekade und natürlich viele genußvolle Stunden im neuen Jahr 2010 mit unserem Einserthema, dem Wein!

Unsere Neujahrsschwein-Rasselbande labt sich bereits am Kleeblatt
und lässt mit euch um Mitternacht die Korken knallen!

Samstag, 26. Dezember 2009

Weinkellermanagement (1)

Ein Blick in meinen Keller genügt - und mir graut.
Nein, natürlich nicht ob der herrlichen Flaschen, die da schlummern, sondern ob der da herrschenden Unordnung. Und der Keller geht über! Nein falsch, der Keller ist zu klein!

Nicht, daß da jetzt wer glaubt, ich sei eine unordentliche Person, denn nein, das bin ich nicht. Nicht bei Dingen die mir wirklich wichtig sind im Leben und dazu gehört der Wein ganz sicher dazu.
Vielmehr hat das Chaos seinen Ursprung in der Ordnung. Klingt verrückt, ist aber so!
Ich trinke noch immer gerne in die Breite, daher gibt es viele Einzelflaschen aus vielen unterschiedlichen Ländern und Anbaugebieten. Zudem haben sich über die Jahre unterschiedliche Ordnungssystematiken als zweckmäßig erwiesen und in den Regalen Eingang gefunden:
  • Anfangs getrennt nach Ländern und Farbe (Rot & Weiß),
  • dann kamen die speziellen "Rebsortenregale",
  • dann Regale für Weine, welche den Trinkzeitpunkt erreicht haben
  • und für solche, welche noch geruhsam ein Jahrzehnt schlummern dürfen,
  • daneben wuchs das Regal für Bordeaux, x2, x3, x4,
  • Holzkisten am Boden für Verkostungsspecials, zB. 5-Jährige Grüne Veltliner, Horizontale vom Sauvignon, kleine Vertikale eines bestimmten Weins,
  • Einzelflaschen, welche noch einzusortieren sind, minimierten rasant die am Boden verfügbaren freie Flächen,
  • Kisten der letzen Einkäufe, welche von einem Eck ins andere - und wieder zurück wandern :-(
  • Flaschen, die nirgendswo sonst so wirklich dazu passen (eine Fundgrube für die kleinen freien Lücken zwischendrin),
  • extra Flaschen für jene Gäste, die Wein als sommerlichen Durstlöscher mit mindestens 2l täglichen Bedarf sehen,
  • zwischendurch mal eben schnell (an 3 Wochenenden) umschlichten, denn das Regal mit den Rieslingen bzw. jenes für die österreichischen Weißweinen hat einen Füllfaktor von über 1 erreicht, jenes mit den Magnums dagegen erst einen von 0.5 (ein Tausch erscheint dennoch nicht praktikabel ;-)
  • Kartons mit Rosé, der vor ein paar Jahren ja noch nicht am Radarschirm war und ergo dessen auch keinen angestammten Fixplatz im Keller hatte - jetzt aber schon,
  • und, und und..
Alles mehr oder weniger konsequent (zumindest in Teilbereichen des Kellers) umgesetzt ergibt ein feines Weinsammelsurium und ein (beschränkt brauchbares) Potpourrie an "Best Practices für Weinkellermanagement".

Und somit ist klar - es muß sich was ändern! Tabula Rasa im Weinkeller sozusagen.
Also werde ich in mich gehen und liebgewordene Weingewohnheiten auf ihre Gültigkeit überprüfen - in der Art einer Mischung aus strategischem Consulting (wer will als externer Coach fungieren?), Feng Shui und dem jährlichen Qualitätsaudit.
Deshalb wird es im neuen Jahr ein neues, weil fokussierteres W(ein)kaufsprogramm geben!

Wie das genau aussieht weiß ich selber noch nicht - aber wer schon mit ähnlichem Gedanken konfrontiert sah, möge sich doch bitte mit zweckdienlichen Hinweisen bei mir melden. Diskretion wird zugesichert ;-)

Sonntag, 20. Dezember 2009

SALON (I) - Chardonnay 08-Duett

Der SALON Österreich Wein – seit nunmehr über 20 Jahren laut Eigendefinition "Österreich Wein härtester Weinwettbewerb" - ist zumeist Garant für hohen Standard und präsentiert sich seit heuer (2009) im neu gestalteten Gewand - angepaßt an die neue Werbelinie der Österreich Wein Marketing (ÖWM). Im gekürzten O-Ton ÖWM liest sich das folgendermaßen:

"Basierend auf den Landesprämierungen werden in mehreren Blindverkostungen die besten Weine unabhängig ermittelt. Dadurch findet man im SALON immer wieder neue, junge Weingüter, für die der SALON oft das Sprungbrett zu weiteren Erfolgen ist. In einer Finalverkostung ermittelt die ÖWM die höchstbewerteten Weine einzelner Kategorien – die SALON Sieger! Im Vorfeld wurden auch die renommiertesten Weinmagazine, -journalisten und Sommeliers um ihre Nominierungen, die mit 40 Fixplätzen im SALON vertreten sind, gebeten. Jene Weingüter, die dabei am öftesten genannt werden, kommen als SALON Auserwählte in den SALON. Somit ergibt sich jedes Jahr ein spannender Mix" welcher in unterschiedlichen Wein- & Rebsortenklassen im Spätsommer in den österreichischen Casinos der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird.

Summa summarum erfolgt die Auswahl- & Nominierung doch nach einem einigermaßen komplexen Regelwerk.

Manchmal gibt es Weine (mit einem SALON-Flaschenaufkleber), an denen kann ich im LEH einfach nicht vorbeigehen kann, schon gar nicht, wenn sie als Sparringpartner zu einem ebenfalls im SALON ausgezeichneten Exemplar der gleichen Sorte, aber aus einer anderen österreichischen Weinregion handelt.

  • Weingut Heinzel, Chardonnay Ried Junge Bergen 2008, Weinviertel, helles Strohgelb, anfangs Eiszuckerl und C02, dann Blutorange und etwas Exotik, breite Nase, aber mit mächtigem Extrakt - wohlgemerkt bei nur 12.5% Vol. ! Sauber vinifiziert und auch am Gaumen wiederum breite, aber schmeichelnde Textur, harmonisch, mit Trinkspaß zu konsumieren und zu scharfen asiatischen Gerichten eine gute Wahl, *(*)/***
  • Vinum Pannonia Allacher, Chardonnay 2008, Gols, helles Strohgelb, frische Nase, etwas Blüten, zart würzig am Gaumen, gute Extraktfülle, sauber, aber kurzer und ein bißchen wäßriger Abgang, beliebige Stilistik, denn unter dieser Aufmachung treten schon genügend Weine an! Was bitteschön soll denn an diesem Wein SALON-würdig sein?
    Gemach, Gemach, denn sein wahres Ich offenbart dieser Wein eben erst am zweiten Tag. Dann aber dafür mit Gesteinsmehl, Apfel, Litschi und Ananasnoten, rollt straff und fokussiert über die Zunge, ein sehr nerviges Säurekorsett umtänzelt den Gaumen, gebündelt und mineralisch im Abgang - eine 180° Kehrtwendung des Weins - nicht schlecht - wenngleich sich aber noch immer die Frage nach dem Sortentypus stellt! *(*)-**/*** €7
Beides sauber vinifizierte Weine, beide mit erstaunlich viel Extrakt für 12.5% Vol. - und doch so völlig konträre Stilistik. Bloß, woran ist dies für den Konsumenten ersichtlich?
Nebenbei sind diese beiden Flaschen zwei Paradebeispiele dafür, daß die in den letzten Jahren so vielgeschmähte Chardonnay-Traube durchaus in der Lage ist, vielschichtige und interessante Weine auch im günstigen Preissegment von €5-8 hervorzubringen - sofern nur der Winzer sein Handwerk versteht.
Technisch gut gemachter Wein findet sich heutzutage aber zuhauf im LEH-Meer der Weltweinproduktion. Ob da der SALON-Aufleber für den Konsumenten zum entscheidenden Mehrwert avanciert, vermögen diese 2 Flaschen wohl nicht ausreichend zu beantworten.
Darum bin ich schon gespannt, was die demnächst zur Verkostung anstehenden '08er-SALON-Veltliner aus dem Weinviertel zu bieten haben.

Montag, 14. Dezember 2009

Blogger-echo ) echo )) echo )))

Oder was wird das sonst auf tvino's "vinotainment blog" (1|2)?

Liebes tvino-posterous-Team, was haltet ihr davon, eure eigenen eigene Beiträge zu verfassen? Denn naturgemäß ist das gedankenlose Wiederkauen bereits von einigen Pflanzenfressern hinreichend besetzt!
Zumindest die Grundspielregeln wie einen Link auf den Originalblogbeitrag, richtiges zitieren und Zitate als solche auch erkenntlich zu machen, sowie ein paar eigene Gedanken zum Beitrag - wenigstens mit einem (1!) Satz - sind auch der nördlichen Blogsphäre nicht zuviel verlangt, oder?

Sonntag, 13. Dezember 2009

Weinbloggerkalender 2009 Reloaded

Im Gegensatz zu den meisten kurzlebigen Dingen unserer Zeit (und das inkludiert ja auch die eine oder andere Weinflasche ;-) habe ich unseren Weinbloggerkalender vom Vorjahr wiederverwertet und ihm kurzerhand ein aktuelles "2010"-Mascherl verpasst. Ein 2. Aufguß sozusagen - wurde doch der '09er-Kalender ganze 66 Mal heruntergeladen!

Um ein wenig Variation in die Sache zu bringen, ist der Kalender nun neben der obligatorischen Druckversion (als PDF) auch als Kalender für den Desktophintergrund am PC (gezippte exe) verfügbar.

Viel Spaß damit!

Samstag, 12. Dezember 2009

2 x Glatzer Dornenvogel

Das Weingut Glatzer vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen - scheint doch Walter Glatzer in Göttelsbrunn im Weinbaugebiet Carnuntum mit seinem Zweigelt Dornenvogel einen Platz am Stockerl des falstaff-Zweigelt-Grand Prixs fix abonniert zu haben.
Reichte es heuer mit dem 2008er "nur" für den 3.Platz, so konnte der '07er-Dornenvogel im Vorjahr den Grand Prix für sich entscheiden und auch in der vinaria konnte der Wein heuer reüssieren.
  • Weingut Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2004, Carnuntum, besitzt noch Reste vom Purpur, dunkler Kern, in die vom Holz geprägte Aromatik mischen sich Noten von Brombeere, welke Schwarzeteeblätter und Teer, braucht Luft, der Wein erreicht am zweiten Tag sein Optimum, zeigt sich balanciert am mittelgewichtigen Gaumen, ausladend, bei guter Fruchtsüße, immer mit einer feinen Säureader durchzogen, harmonischer Abgang, mürbe Gerbstoffe, hat Klasse und Potential und wäre bzw. ist sicherlich zu dunklem Fleisch ein perfekter Begleiter, zu Recht oftmaliger Sortensieger, in dieser Verfassung hat dieser Wein ganz klar meine Präferenz gegenüber Hans Pitnauers Bienenfresser, **-**(*)/***
  • Weingut Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2007, Carnuntum, mitteldichtes Purpur, hochfeine Textur bereits in der Nase, das Holz deutlich riechbar, und trotzdem nicht dominant, sondern fein verwoben mit roten Fruchtkomponenten, dunkelrote Beeren, Kirsch, Zwetschkennoten, Nougat, moderne Stilistik, sicherlich, aber was für eine! Am Gaumen feinste Gerbstoffe in Kombination mit gutem Säurerückrat, bleibt immer eher auf der schlanken Seite, zart feuriger Abgang, feine Stilistik, **/***
Zweifelsfrei zwei tolle Flaschen! Nach dem Motto "weniger (Holz) ist mehr (Frucht)" würde ich mir jedoch eine Reduktion des Holzeinsatz wünschen. Sicherlich würde es diesem Wein gut stehen, ohne etwas von seiner Klasse einzubüßen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Weinrallye #28 - Adventswein?

Na also, die Weinrallye hat wieder Fahrt aufgenommen - zum Glück. Mit leicht veränderten Spielregeln, sind doch die nächsten Ausrichter der Rallye ab nun im Vorfeld bekannt, nicht aber das Thema.
Der "Neustart" wird von Thomas (weinverkostungen.de) eingeleitet, es folgen Robert (lamicucina) im ersten Monat des neuen Jahres und Matthias (Social Wine) im Februar 2010.

Thomas' auserkorenes Thema der 28. Weinrallye ist "Adventswein oder Wein zum Christstollen".

Nun gibt's ja - wie Thomas völlig richtig erwähnt - keinen klassischen Adventswein, bis auf den
Glögg vielleicht, den ich jedenfalls im Vergleich zum ganzen industriellen Punschfusel der
Weihnachtsmärkte (und Schihütten) bevorzuge - zumindest sofern dieser in einer ähnlichen Qualitätsklasse wie beim Linzer Adventmarkt im Bischofshof vom Konditormeister Jindrak ausgeschenkt wird.

Ein weiteren Differenzierungsmerkmal zur österreichischen Durchschnittsfamile dürfte das Faktum sein, daß sich unser Keks, Lebkuchen und Christstollenverbrauch im Advent eher im Gramm, denn im Kilobereich bewegt.
Erst zu den Weihnachtsfeiertagen bzw. zwischen Silvester und den Hl. Drei Königen werden die
Leckereien bei uns kredenzt. Ich weiß, daß im Advent bei vielen Familien das große vorweihnachtliche Kekswettfressen einsetzt - und vielen ist daher der Gedanke an Weihnachtsbäckerei zu Weihnachten infolge der üppigen Mahlzeiten zu den Feiertagen unerträglich, aber glaubt mir, alleine wegen der Vorfeude lohnt es sich zu warten. Und ohnehin ist die besinnlichste Zeit im Jahr ( ;-) ja eigentlich eine Fastenzeit!

Ab-und-zu eine Schnitte vom Christstollen, vom Kletzenbrot oder ein einzelner Lebkuchen ist natürlich in Ordnung, die ganze Pracht der weihnachtlichen Vielfalt meiner lieben Renate eröffnet sich für unsere Familienangehörige aber erst in der zweiten Hälfte der Feiertage - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß die eine oder andere Köstlichkeit schon mal ein wenig "Reifezeit" zur vollen Genußentfaltung benötigt.

Da Christstollen und Lebkuchen, wenn richtig gemacht, nicht allzu süß sind, sondern eher durch ihre Würze bzw. feine Aromatik der Früchte besticht, braucht es eine Begleiter auf Augenhöhe, der die Vorzüge beider Seiten zum Vorschein bringt und nicht alles entweder zum süßen Papp oder sauren Beitrunk verkommen läßt.
Nachfolgende beiden Getränkevarianten haben jedenfalls zu Elisenlebkuchen und Früchtebrot ein äußerst passables Geschmacksbild auf meiner Zunge hinterlassen.


Weinlaubenhof Kracher, Auslese vom Muskat Ottonel 2007, Neusiedlersee, helles Gold, feine Muskattraubigkeit, expressive Nase, wirkt nie zu süß, immer in feinem Dialog mit der Säure, noch nicht vollends in Harmonie, wer mag das aber bei einem noch so jungen Süßwein schon erwarten, die Qualität ist ohne Tadel, bereits gut antrinkbar, das ist ein Süßweinspaß ohne Reue
, *(*)/***, €10

Wenn tagsüber die Nebelschwaden hängen, die Meetings in der Firma auch abends nicht enden wollen und einem die Nächte zeitweilig so kurz wie ein Sekundenschlaf vorkommen, dann ist für mich wieder die Portweinzeit angebrochen. Ein feiner Rubyport empfiehlt sich zudem ob seiner jugendlichen Süße, Kraft und Würzigkeit auch als ganz hervorragende Alternative zu allen adventlichen Leckereien.

Einer meiner jährlichen Favoriten - von denen es in der kalten Jahreszeit immer eine Flasche zu Hause gibt - ist Dows Midnightport, der neben allen erwähnten Vorzügen nicht so überschwenglich süß ist, eine feine Säurestruktur erkennen läßt, vor allem aber eine Noblesse von Gerbstoffen auf der Zunge aufzuweisen hat, daß es jedesmal ein Freude ist. Wohlgemerkt ist das kein großer Stoff, aber mit Sicherheit gemäß der Website, die da (sinngemäß) verkündet "..the perfect match to end an evening.".

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Addendum Gans '09

Ein kleiner Nachtrag zum Beitrag im Kontext der heurigen & Vorjahresgans und zur Weinpreiskalkulation in unserem Thermenhotel.
Haben wir im Vorjahr noch vergeblich auf die richtige Menüfolge zum Knacken des "Preisschnäppchens" in Form des 2001er Santa Rita Casa Reals gewartet, so hatten wir dieses Jahr in Form einer geschmorten Hirschkeule mit Maroni-Blaukraut, Eierschwammerl und Kartoffelroulade mit Spinatfülle - eine in der Grundnote nicht unähnlichen Kombination zu unserer Martinigans - mehr Glück.

Natürlich konnte ich nicht widerstehen, mich im Vorfeld in den Weiten des Internetzes schlau zu machen. Eigentlich hat der Jahrgang dieses Weines durchwegs sehr gute Rezensionen bekommen, bis auf jene auf tv.winelibrary.com in Episode #279 vom 23 Juli 2007.
Mal sehen, ob die durchschnittlich vergebenen 91-93 (xyz-)Punkte sich auch zu meinem Empfinden decken.

Santa Rita, Cabernet Sauvignon Casa Real 2001, Maipo-Valley, Chile, noch ohne erkennbaren Reifeton, tiefdunkles Schwarzrot im Kern, prachtvolle Nase im Stil eines alten Welt-Weins, tief, immerhin wird der Casa Real aus 40-60-jährigem Rebbestand gewonnen, zeigt balsamische Noten wie Teer, Leder, aber auch ein Hauch von Minze bzw. Eukalyptus, sehr zivil am Gaumen, geprägt von einer toller Fruchtsüsse, hat Finesse, aber immer mit Druck, reife, noble Gerbstoffstruktur, wirkt eher wie ein gut gereifter Bordeaux, hat so gar nichts von dem überbordenden Fruchtcharme seiner kleineren Weinkollegen aus gleichem Haus, um ehrlich zu sein hätte ich diesen Wein in einer Blindprobe auch nicht als reinsortigen Cabernet Sauvignon erkannt, so balanciert und zivilisiert wirkt er! Das Säurerückgrat in harmonischem Gleichgewicht mit den festen Gerbstoffen und das Beste kommt zum Schluß: ein tolles Finish mit einem schier endlosen Abgang, noch nach Minuten finden sich balsamische Noten auf der Zunge, leicht feurig, da explodiert ein Gewürzfeuerwerk im Mund, schafft locker die 150 Caudalie-Marke zu überspringen, ein Solitärwein zum Sologenießen! **-**(*)/***

Sorry Gary Vaynerchuk, aber deiner Einstufung kann ich nicht zustimmen! Und in knapp 2 Jahren kann der Wein seinen grundlegenden Charakter nicht um 100% drehen!

In Verbindung mit dem Wild wollte der Wein aber keine gelungene Einheit bilden. Die am Gaumen doch sehr dominante Fruchtsüße wich einem harschen Tannin - wo blieb die Säure? - und der Wein wurde richtiggehend eng, ja hart am Gaumen - ein wenig ähnlich dem Rioja Reserve der letzten Wein-Gans-Paarung.

Zur Te-Amo Toro-Zigarre aus Mexiko mit ihrem herben Tabakgeschmack wußte die Flasche jedenfalls wieder abschließend zu brillieren und sorgte für einen sehr versöhnlichen Ausklang. Na also - geht doch :-)

Dienstag, 1. Dezember 2009

Novemberweine

Die themenbezogenen Beiträge werden immer mehr. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die (Länge der) Monatsweinliste. Nicht so wirklich schlimm, war es doch wieder einmal ein Monat mit durchgehend feinen Weinen :-)
  • Judith Beck, Pannobile 2005, Neusiedlersee, eine Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent, dunkelrotes Rubin, mittelkräftige, rotfruchtige Nase, auch etwas Brombeere, das Holz doch deutlich wahrnehmbar, läßt aber der Frucht genügend Spielraum, mundfüllende Struktur, aber zivilisiert am Gaumen, sanftes Tannin in Kooperation mit einer feinen Säureunterstützung, herber Grundcharakter, wieder deutliche Barriquenoten, balancierter Abgang, hat (am dritten Tag) gute Stunden, wo der Wein scheint, tendenziell die richtige (burgundische) Richtung, läßt mich aber ob des dominanten Holzbrands, das mein Harmonieempfinden stört, ein wenig zwiespältig zurück, *(*)/***
  • Weingut Nigl, Grüner Veltliner Privat 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, in der Nase die bei Weinen solcher Reife üblichen Aromen nach Birne, gelben Früchten, Tabak, der erste Schluck manifestiert sich wie eine Explosion am Gaumen, unglaublich druckvolle Dichte und harmonische Konzentration macht sich auf der Zunge breit, dabei zu jeder Zeit saftig und süffig, ein Hedonistenwein mit langem, zart mineralisch unterlegtem Nachhall, schön zu trinken. Das Einzige was man diesem Wein in der €20-Preisklasse ankreiden könnte ist die mangelnde Komplexität. Aber Angesichts des Offenheit und des wundervollen Trinkflusses ist dies ein Jammern auf hohem Niveau :-) **/***
  • Peter Jakob Kühn, Riesling Oestricher Lenchen Spätlese 2002, Rheingau, Goldgelb, komplexe tertiäre Aromen zum Riechen, Petrol in angenehmer Dosis, aber auch viel Honig, Nüsse, ein wenig altmodisch nach antiken Möbeln, den Gaumen gut auskleidend, die Süße steht etwas von der Säure abseits, so gesehen keine wirklich harmonische Einheit, etwas zuckrig im Abgang, dann jedoch mit einer versöhnlichen Balance im Rückgeschmack fein ausklingend, *(*)/***
  • Weingut Tscheppe, Morillon vom Pössnitzberg 2006, Südsteiermark, dem Genußportfolio der Gebrüder Polz zugehörig, Strohgelb, eine fein ziselierte Nase, brotig, Zitrusnoten, blitzsauber und unheimlich appetitanregend, frisch im Mund mit korrespondierender Trinkanimo, wird wirklich fein von Zitrus getragen, nervige Säure, leicht herb, balanciert und somit einfach ein perfekter Trinkspaß mit nur 12% Vol., **/***
  • Weingut Dr. Heger, Grauburgunder Ihringer Winklerberg Spätlese trocken 2005, Baden, Goldgelb im Glas, braucht ein wenig um seine Reifenoten abzulegen, offenbart eine "straffe" Nase in Verbindung mit gelben Früchten, Birne, geht ins Exotische, zeigt viel Agilität im Mund, gutes Säurekorsett, schlank, fast juvenil, aber extraktreich abgefedert und rund, harmonisch ausklingend, wiederum reife Birnenoten im Abgang, mineralischer Nachgeschmack, bereitet einiges Trinkvergnügen, hat aber am zweiten Tag seine Strahlkraft verloren - also zügig trinken ;-) *(*)-**/***
    Verkostungsnotitz zweier badischer 06-Sortenvertreter
  • Weingut Knoll, Grüner Veltliner Kreutles Smaragd 2007, Wachau, ein fast unnatürlich leuchtendes Goldgelb, fein pikante und intensive Nase, hat Würze, reife Gelbfrucht, Tabak, am Gaumen schön offen, mit Spiel, im Dialog mit einer harmonischen Säure ergeben sich im Nachgeschmack auch mineralische Noten, hat Trinkfluss, ein Wein mit Anspruch und trotzdem "leicht" zu trinken - was will man mehr? Einziger - zugegebener nur gedanklicher - Wermutstropfen: Auf eine längere Haltbarkeit dieses Weines würde ich nicht setzen, **/***, Notiz des 2004er-Weins

Donnerstag, 26. November 2009

Zur historischen Bedeutung des Weins..

..anhand einer Menükarte samt Weinbegleitung des österreichischen Kaiser Franz Josefs I zu einem Galadiner zu Ehren des Schahs von Persien.
Die damalige Rangordnung beim Wein rund um die Jahrhundertwende (1905) wird klar ersichtlich:

  • Deutschland bei Weißwein in Form von Rheingauer- & Moselwein
  • Frankreich bei Prickelnd (Champagne) bzw. Rotwein (na klar, natürlich aus dem Bordelais)

Gesehen bei der oberösterreichischen Landesausstellung 2009 "Mahlzeit" in Stift Schlierbach

Zum Glück hat sich das Blatt 1955 beim Österreichischen Staatsvertrag gewandelt, bei dem der Ausschank von Wachauer Weißwein der Lage „Dürnsteiner Katzensprung“ zum Fisch und Rotwein aus Retz zum Rindsfilet das (neue) österreichische Selbstverständnis bei Wein einläutete. Eine Flasche des Roten liegt übrigens noch im Retzer Kellerlabyrinth. Und wenn man dem Mythos Glauben schenken darf, "dann war der österreichischer Wein für das Erreichen der russischen Zustimmung zum Staatsvertrag nicht ganz unbeteiligt".

Österreichs Donauperle bleibt mir aber schleierhaft. Sicherlich war dies das offizielle "Begleitwasser" - mit Sprudel versetztes - damals noch in Trinkwasserqualität A vorhandens - Donau(quell)wasser ;-)

Montag, 23. November 2009

Triple V - Van Volxem Vertikale vom Saar-Riesling '04'06'07'08

Roman Niewodniczanski und sein Weinprojekt Van Volxem muß nicht mehr vorgestellt werden. Wer bis dato noch nichts von diesen Köstlichkeiten von der Saar gehört hat, kann sich via verfügbaren YouTube-Videos (1|2|3|4) einen ersten Eindruck verschaffen. Zielstrebig verwandelte er alte und brachliegende Steillagen mit teilweise biblisch altem Rebmaterial zu flüssigem Hochgenuß und vehalf so der Region zu neuem Ansehen.

Alle bisher von mir verkosteten Van Volxem Weine überzeugen durch ihre Cremigkeit und brillieren durch eine in dieser Preisklasse fast unübertroffenen Mundfülle, Mineralik und Komplexität. Mit einem, pardon zwei Worten ausgedrückt: hedonistische Harmonie!

Auch die Bloggerkollegen können Niewodniczanskis Weinen viel abgewinnen.


  • Van Volxem, Saar Riesling 2004, 12%, mittelkräftiges Goldgelb ziert diesen 5-Jährigen, eine feine Melange aus Gelbfrucht, Exotik, zarten Honignoten und Mineralik durchströmt meinen Riechkolben, öffnet sich ganz prachtvoll, offener Fruchtcharme am Gaumen, die Anfangs saftige Stilistik im Spiel mit harmonisch balancierter, aber schon noch nerviger Säure, die Süße weicht im Abgang einem trockenen, mittellangen Finish, das wieder deutlich wahrnehmbare mineralische und salzige Anklänge auf der Zunge hinterläßt, exemplarischer Riesling, denn mehr Wein in dieser Preisklasse gibt's fast nicht, **/***
  • Van Volxem, Saar Riesling 2006, leider einer Flasche Beeinträchtigung, mit deutlich riechbarem und noch viel schlimmer schmeckbaren Kork! Einer der wenigen Flaschen, die mich jährlich mit der TCA-Problematik treffen. Trotzdem wage ich eine Aussage über die Grundcharakteristik des Weins - er wirkt fokussierter und schlanker, ohne daß aber dabei aber die typisch cremige Saftigkeit verloren geht! o.W. Hier die Notiz vom Februar 2008
  • Van Volxem, Saar Riesling 2007, Goldgelb, wirkt schlanker, fokussierter, aber auch (noch?) "schwieriger" als die Vorgängerjahrgänge, behält dabei aber immer auch diesen saftige Grundton voller Cremigkeit, diesmal noch mit packendem Säurespiel als Gegenspieler, reife, gelbe Früchte gepaart mit der gewohnten Mineralik, schöpft noch nicht sein wahres Potential aus und offenbart daher für mich noch nicht den vollen Trinkfluß, der in zwei bis drei Jahren voll da sein wird, *(*)/***
Nun bin ich prinzipiell davon überzeugt, daß 1-3 Jahre Flaschenreife jedem seriös erzeugten Wein zwecks Harmonie gut tut. Auf den 2008er Jahrgang vom Saar Riesling kann das aber *nicht* zutreffen, denn aufregender kann sich dieser Wein gar nicht mehr präsentieren!
  • Van Volxem, Saar Riesling 2008, helles Goldgelb (oder kräftiges Strohgelb), das ist ein 3-Komponenten (Mineralik, Süße, Säure) - 2-Schichten (Süße, Säure)-Wein, aber der Reihe nach:
    in der Nase ergreift sofort eine durchdringende Mineralik Besitz, dahinter ein wenig gelbe Früchte, wie immer anfangs sehr cremig, die Süße und Säure braucht aber 1 Tag um zueinanderzufinden (wirken anfangs wie in zwei getrennten Schichten), hat eine dichte, innere Spannung, die Mineralik tänzelt spürbar auf der Zunge, wirkt hinten hinaus ziemlich gebündelt, ebenso im Abgang, das ist eine famose Stilistik, welche bei meinen Geschmacksnerven sofort ins Schwarze trifft, dieser junge Wein ist nach 1-2 Stunden in der Karaffe voll da und offen, so intensiv fokussiert habe ich Van Volxems Saar-Riesling noch nie erlebt, wahrscheinlich auch ein Verdienst des Jahrgangs, Trinkspaß pur, auch wenn dem Wein (noch) jegliche Komplexität und Vielschichtigkeit fehlt, ein Danke an das Team von Roman Niewodnieczanski! **/***
Ein wenig Zuwarten lohnt sich also meistens bei diesen Weinen - wenngleich das selbige für den Internetauftritt des Weinguts nicht (mehr) geltend gemacht werden kann :(
Ein paar Infos zu den teils historischen Lagen würden jeden Weinfreund freuen. Andererseits bin ich gerne bereit, auf diese Zeilen zu verzichten, solange sich die Qualitätskurve der Weine in diesem Ausmaß kontinuierlich anhält!

Samstag, 21. November 2009

Martini-Gans + Wein 2009

Tolle Stoffgänse - auch käuflich bei Simone Schermann zu erwerben!

Heuer hatte ich zur Martini-Gans eine satte Auswahl an passenden Weinen. Mehrmals habe ich meine Liste mit dem 3er Vorschlag umgeschmissen. Zur Disposition standen ua.
  • Stefan Langs Blaufränkisch Reserve 1997 aus dem Mittelburgenland,
  • ein Nebbiolo Corte della Meridiana 1999 von Conte Sertoli Salis aus dem Veltlin,
  • San Giusto a Rentennanos Percarlo 1999, Toskana,
  • Château La Croix de Gay 1999, Pomerol, Bordeaux
  • der Le Cèdre 1999 von Chateau du Cèdre, aus dem Cahors und
  • vom Neusiedlersee ein Pinot Noir 2001 vom Altmeister John Nittnaus.
Dazu kam, daß ich am Vortag auf einer Weinmesse war und dabei einige rote Jungweine entdeckte, die ich mir durch ihre Frucht, Zugänglichkeit und weichen Gerbstoffen ebenfalls als eine viable Option für die Gans vorstellen konnte. Das machte mir die Entscheidung bzgl. der Weinauswahl nicht leichter.
Letztlich faßte ich den Beschluß, die 3 Weine mit den *unterschiedlichsten* Charakteren und mindestens 10 Jahren am Etikett zum Essen auszuwählen - und ich habe es nicht bereut.

Alle Weine wurden 2 Stunden im vorhinein dekantiert, in einer bauchigen Schiffskaraffe gut durchlüftet und die gereinigte Flasche zurückgefüllt. Der Percarlo hingegen wurde bereits am Vortag geöffnet, zu neugierig war ich auf seine Form und wollte einfach ein Glas davon verkosten.
Die Gäste konnten im Vorfeld die 3 Weine probieren, den größten Zuspruch bekam dabei der Percarlo, obwohl dieser meiner Meinung nach noch im Tiefschlaf weilte. Aber Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so, ermöglicht es doch ein friedvolle Koexistenz mehrerer Weinuniversen :-)

Meine persönliche Präferenz liegt noch immer auf Weinen mit nerviger, dh. deutlich wahrnehmbarer Säurestruktur und merkbaren Gerbstoffen. Ich lege aber Wert darauf, daß das Rückgrat des Weines von der Säure und nicht vom Tannin dominiert ist. Die Säure fungiert als perfekter Fettspalter und hat einen äußerst positiven Einfluß beim Verdauen des doch nicht leichten Fleisches. Zudem offerieren gerbstofflastige Weine oftmals einen sehr fruchtsüßen Gaumen, den ich in Kombination mit der in Summe mollig runden Zubereitungsart der Gans als nicht so harmonisch empfinden: Serviettenknödel, in Rotwein gedünstetes Blaukraut mit Maroni und das Ganserlfleich, alles mit einem zart süßlicher Geschmack im Grundton behaftet. Das verlangt ja förmlich nach einem Gegenpart in Form von Säure!



  • Conte Sertoli Salis, Corte della Meridiana, Valtellina Superiore 1999, lohfarben, herrlich orange Ränder, gereift, Dörrobst in der Nase, durchmischt mit Balsamik im Hintergrund, Leder, tiefe Würze, ein warme Grundstilistik mit süßem Fruchtkern, korrespondierend am Gaumen, Süße, Säure und die Gerbstoffe in guter Balance, anfangs nicht allzu lang und (solo genossen) etwas austrocknend im Nachgeschmack, geht dann prachtvoll am Gaumen auf, zeigt Struktur, bleibt jedoch immer mit Finesse behaftet und burgundischer Affinität, ein feiner Fettlöser für die Gans par Excellence, **-**(*)/*** (Nachlese Veltlin in wein.pur)
  • Rotweingut Stefan Lang, Blaufränkisch Reserve 1997, Mittelburgenland, enorme Farbtiefe, noch immer violetter Farbstich am Rand, annähernd schwarzer Kern, viel Extrakt im Glas, weiche Brombeernoten, in der Nase ätherisch leicht und weit offen, Schokotouch, Rumzwetschke, süßlicher und stoffiger Fruchtgaumen, etwas Alkohol merkbar, dann mit merklich Gerbstoff behaftet, das Glycerin trägt einem in den harmonischen Abgang, teerige Balsamik im langen Nachgeschmack, welke Schwarzteeblätter und Säure, steht vital im Glas, daher für mich *die* Überraschung des Abends, welche noch dazu ein harmonisches Geschmacksbild mit der Gans einging, **-**(*)/***
  • San Giusto a Rentennano, Percarlo 1999, Toskana, beginnendes Granatrot mit schwarzem Kern, in Summe sicherlich die intensivste Aromatik aller 3 Weine, anfangs jedoch sehr zurückhaltende Nase, leicht süßlich, unendlich tiefe balsamische Noten, teerig, ätherische Obertöne schwingen mit, Minze, Eukalyptus, feines Fruchtspiel im Mund, kurz, dann abrupt massives und sperriges Tannin, wirkt hart im Abgang, ungehobelt, etwas austrocknend. Tag 3 offenbart dann weiter Facetten, de Wein gewinnt im großen (Burgunder!-)Glas, die Nase ruhig und getragen, ätherisch schwebendes Orangenöl, im Wechselspiel mit Teer, am Gaumen ein echter Kraftprotz, der seine 14.5% Vol. nicht verleugnen kann, für diese Stärke jedoch überaus harmonisch, und nicht ohne Finesse, die Gerbstoffe nun balancierter mitintegriert, feine Säures begleitet den langen Abgang nach Orangenzesten, viel Spiel im Mund und eigentlich 5 Jahre zu früh geöffnet - hat Potential für die nächsten 10 Jahre!
    Das ist der Stoff für Geduldige, für jene, die sich jeden Tag glasweise hedonistisch und suchend der Metamorphose hingeben, welche dieser Wein zu bieten hat, die pure Maskulinität, von allem im Überfluß, sogar von schwebend leichten Elfentönen. Dieser Wein ist eine wahre Freude und Genugtuung nach dem enttäuschenden '98-Vertreter, **(*)/***
Zum Abschluß gab's dann noch als "Gaumenrevitalisierer" ein Glas von Günter Triebaumers Moscato 2008, Neusiedlersee-Hügelland, helles Strohgelb, fein intensive Muskatnase, feine Perlage, obwohl deutlich auf der süßen Seite (des Lebens) eine gelungene Marriage aus Restzucker und Säure, blitzsauber vinifiziert, homogene Gaumenstilistik mit wunderbar feingliedrigem Nachgeschmack, wer braucht da noch Asti Spumante? *(*)/***

Die positive Überraschung des Abends war für mich sicherlich der 10-jährige Blaufränkisch. Hatte keine überzogenen Erwartungen an diese Flasche aus dem tollen 97er-Jahr gehabt, zeigte doch der 97er Blaufränkisch Exklusiv voriges Jahr bereits deutlich malzige Aromen. Mit dem Reserve wurde ich jedoch eines besseren belehrt, die Flasche wahrscheinlich in der Form ihres Lebens! Aber wie heißt es so schön: man muß ja auch einmal Glück haben :-)

Für das nächstes Jahr habe ich schon ein paar Ideen. Aber wer weiß schon, was ich bis dahin in den Untiefen meines Kellers finde?

Ganserl-Nachlese:
Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007 | Martinigans 2008

Dienstag, 17. November 2009

Universum Weinviertel (ORF TVthek)

Ein neues Feature des Österreichischen Rundfunks (ORF) - die TVthek - ermöglicht bereits ausgestrahlte (und womöglich verpasste) Sendungen des ORFs auch noch ein paar Tage später via IP-Streaming sich anzusehen. Aufgrund der anfallenden Datenmengen ein zeitlich beschränktes Angebot.

Also nicht zögern und sich noch schnell den Universum Beitrag über das österreichische Weinviertel - ein Landschaftsjuwel ersten Ranges - mit einem guten Glas Weinviertel DAC Grüner Veltliner zu Gemüte führen.

Montag, 16. November 2009

Blaufränkisch Klassik 2007 (1)

Am Anfang war der Blaufränkisch, und dann kam lange nichts. Die geschilderten persönlichen Erfahrungen von wein.pur-Autor Alexander Magrutsch kann ich gut nachvollziehen, denn auch heute noch genießen Hans Iglers Blaufränkische der Ried Hochberg der Jahre 1992 und 93 in meinen Erinnerungen Kultstatus. Ein harmonisches Gleichgewicht aus Frucht, Würze, von Säure und Gerbstoffen waren die damaligen Erfolgskomponenten, denen selbst der Basisqualität des Weinguts um damals umgerechnet €5 erstaunliches Lagerpotential bescherte.

Dann kam die Zeit, wo ich mich mit der Sorte Blaufränkisch sehr schwer tat. Das waren die Zeiten, wo kräftige, tiefdunkle und voll Würze und Holzaromen strotzenden Weine in aller Munde waren. Das alles konnte neben den eingebürgerter Rebsorten wie Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon auch der heimische Zweigelt viel besser.
Ausgedient hatten die einfachen, oftmals hellroten Säuerlinge. Im Wandel befand sich auch mein Weingeschmack. Es war die Zeit, in der mir bewußt wurde, daß ich niemals der Fruchtgilde huldigen würde, die Zeit der Erkenntnis von Mineralik, strukturunterstützender (Holz)Würze, Lager- & Tertiäraromen. Der fruchtdominierte Blaufränkisch (in den Basisqualitäten) entsprach jedenfalls nicht gerade dieser Stilistik. Zum Glück, denn nicht jede Rebsorte läßt sich bedingungslos auf den jeweiligen zeitgeistigen Weingeschmack zurecht biegen!

Erst über die Erfahrung, daß die fette und holzertränkte Weine auf Dauer nur Ermüden hervorrufen und ergo nicht der Weinweisheit letzter Schluß sein können, meiner steigender Wertschätzung gegenüber regionaler Authentizität, wieder der globalen Gleichmacherei, gegenüber dem Pinot Noir und der Tatsache, daß sich die Ausbaustilistik der Rotweine einiger Winzer doch grundlegend zu mehr Feinheit, Finesse und zu mehr Trinkbarkeit verändert hat, rückte den Blaufränkisch wieder zurück in mein Interessenfeld.
Blaufränkisch hat - falls durch diese noble Ausbaurichtung geprägt - das Potential, die jeweiligen Boden und Klimabedingungen im Wein präsent zu machen, wie zB. die Weine der Leithabergwinzer und oder die Exemplare um den Eisenberg im Südburgenland oftmals beweisen. Terroir pur sozusagen.

Für mich also wieder einmal höchste Zeit einen Blick auf die 2007er-Qualitäten der Blaufränkisch-Basisweine einiger burgenländischer Weinbauern zu werfen. Daß diese nach dem im pannonischen Raum geernteten '06er-Superqualitäten kein leichtes Spiel haben, macht die Sache reizvoller, denn durchwachsenen Jahren trennt die Spreu vom Weizen und nur Topbetriebe können auch in mittleren Jahren sehr gute Weine erzeugen, wobei 2007 im Burgenland so schlecht nicht war. Und gerade die Basisweine als "tragende Sockel" der Betriebe sollten dem Konsumenten zuverlässiges und beständiges Trinkvergnügen garantieren.

Bildquellennachweis: Krutzler

Beginnen möchte ich meine mehrteilige Reise am bereits erwähnten Eisenberg, genauer gesagt im Ort Deutsch-Schützen. Das Weingut Krutzler ist - zusammen mit dem Nachbargut Schützenhof - bildete vor mehr als 15 Jahren die qualitative Speerspitze des Südburgenlands.

Einiges hat sich geändert seit damals!
In den letzten Jahren hat die Region um den Eisenberg einen feinen Aufschwung erlebt. Die Weinidylle, diverse Vinotheken, Weingüter wie Polczer, Vinum Ferrerum, Kopfensteiner, Uwe Schiefer - dem die nächste Folge gewidmet sein wird - und Wachter-Wiesler sind im Spitzenfeld der österreichischen Weinszene aufgetaucht.

Bildquellennachweis: Krutzler

Von den beiden Brüdern Reinhold und Erich Krutzler übernahm Reinhold zur Jahrtausendwende das Kommando im Betrieb, Erich gründete gemeinsam mit Winzerkollege Roland Velich das Projekt Moric, führte anschließend in Slowenien das Weingut des Stiftes Admont Dveri Pax und gründet 2006 gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Pichler ein eigenes Weingut.
2002 erfolgte eine Bereinigung des Sortiments im Weingut Krutzler. Seit damals sind die ehemals getrennt ausgebauten Blaufränkisch-Lagen Bründlgfangen, Eisenberg und Weinberg in den Weinen Blaufränkisch (Classic) und Reserve aufgegangen.
Der Bründlgfangen war mir stets ein wohlschmeckender Begleiter in den Anfangstagen meiner Weinneugierde. Zusammen mit dem Eisenberg wies er mir den Weg in Sachen Mineralität im Rotwein - auch ohne diesem Begriff damals zu gebrauchen bzw. die näher zu verstehen.
Somit freue ich mich, wieder einmal den aktuellen Basiswein des Hauses mit seiner derzeitigen Stilistik verkosten zu können. Hinsichtlich seines qualitativen Entsprechens brauche ich mir bei den Weinen von Reinhold Krutzler wahrlich keine Sorgen zu machen.

Weingut Krutzler, Blaufränkisch Klassik 2007, Südburgenland
, jugendliches Violett mit Wasserrand, sehr präzise, fruchtbetonte Nase, rote Beeren, richtiggehend "weinig", und auch mit diesem sehr markanten Terroirnote des Eisenbergs behaftet, die sich für mich ein bißchen wie eine Mischung aus mineralischen Noten und rohem Fleisch darstellen, anfangs eine sehr burgundische Stilistik, schlan
ker Gaumen, mit präsenter Säure, legt der Wein dann über die Stunden im Glas kräftig zu, gewinnt an würziger Aromatik, das Mundgefühl wird voller, die Gerbstoffe weicher, die säurebetonte Stilistik im Abgang bleibt jedoch und sorgt für einen frischen Trunk mit Anspruch und leicht herben Unterton, insgesamt stimmig und ein feiner Trinkbegleiter, auch für laue Sommertage leicht gekühlt wärmstens zu empfehlen, *(*)/***


Wachter und Wiesler, das sind ursprünglich zwei Weinbaufamilien mit Weinbautradition, die ab 1990 ihre Zusammenarbeit im Weingarten intensivierten. Durch die Heirat von 2 Familienmitgliedern - Gerda Wachter und Josef Wiesler - wurden beiden Familien miteinander verbunden und so war es wohl der logische Schritt, beide Weingüter zu einem einzigen Betrieb zusammenzuführen. Die gesamte Weinproduktion wurde in das Weingut Wachter verlegt - der damit freigewordene Keller der Familie Wiesler in der Riede Ratschen wurde in ein Restaurant umgebaut, das die Gerda Wiesler und Thomas Wachter seit Oktober 2007 als Wachter-Wieslers Ratschen führen.
Ein Lichtblick, denn ich kann mich noch an eine Weinreise 1996 an den Eisenberg erinnern, wo wir abends nach dem Weineinkauf ob unserer verzweifelten Suche nach einer offenen Gaststätte wirklich geglaubt haben, die Gegend in finsterer Nacht mit knurrendem Magen verlassen zu müssen :-)


Bildquellennachweis: (c) Steve.Haider.com, Wachter-Wiesler

Béla-Jóska“ - der Wein zu Ehren der beiden Väter Adalbert & Josef - wird aus 15 bis 20 Jahre alten Blaufränkisch-Rebstöcken gewonnen, wurzelt tief in in den eisenhältigen Lehm- und Schieferböden und steht seit 1992 auf der Weinliste. Traditionell nennt man sowas.

Wachter-Wiesler, Béla-Joska 2007, Südburgenland
, schönes Kirschrot mit Wasserrand, erfreut mit einem erdigen Grundton, herzhafte Würze im Dialog mit rotbeerigen Fruchtaromen, auch ein wenig Zwetschke, zeigt sich dank 13-monatigem Ausbau im großen Holzfaß weich am Gaumen, mit feiner Balance und leicht feurigem Abgang, sehr schön die eisenhaltigen Terroirnoten der Ried Weinberg erschmeckbar, alles in Harmonie, ein handwerklich guter Blaufränkisch in bester Winzertradition
, jetzt und in den nächsten 5 Jahren mit Genuß zu trinken, *(*)/***Gerhard Hofer hat's im Schaufenster der Tageszeitung Die Presse - Rubrik "Im Keller" treffend formuliert:
"Das ist ein sehr guter Rotwein, der eigentlich zu jeder Gelegenheit passt. Quasi der VW unter den Blaufränkisch. Zuverlässig, aber nicht überkandidelt."

Auch wenn ich überzeugt bin, daß eine fokussierte Stilistik möglich wäre und die Lage noch besser transportieren könnte. Der '06-Vertreter - so habe ich von einem Winzerkollegen aus Neckenmarkt gehört - der hat das! Aber das ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache.

Mein Dank gilt dem Weingut Wachter-Wieser und wine-partners für die Bereitstellung der Kostflasche des Béla-Joska.

Samstag, 14. November 2009

Autochthones Italiens, die nächste..

Neues Jahr zur VHS-Weinrunde, die "alten" - weil gewohnten - Gesichter und alten Themen in neuer Interpretation. Kurz und knackig Erwähnenswertes aus der nächsten Runde des Klassikers Autochthone Rebsorten Italiens.
Wirkliche Highlights blieben aus, nichts-desto-trotz gab's einige empfehlenswerte, weil höchst individuelle Weine abseits des Bekannten:
  • Laura Aschereo, Vermentino Pigato 2007, Ligurien, helles Goldgelb, intensive, florale Nase, brotig, aber auch kräuterwürzig, am Gaumen trocken und schlank, herb im Abgang, mit einem zarten Bitterl behaftet, individuelle Ausprägung, mit einer guten Stoffigkeit im Nachgeschmack, *(*)-**/***, €17
  • Sartarelli, Tralivio 2007, Verdicchio dei Castelli di Jesi, Marken, sattes Strohgelb, intensive Aromatik, anfangs Molke, dann im Wechselspiel mit Gemüse, Sellerie, das gefällt mir und macht die Sache spannend, mittelgewichtig am Gaumen, hat viel Extrakt, Alkohol am Gaumen gut integriert, viel Süße vom Glycerin auf der Zunge, im Abgang etwas feurig, gutes Preis-Leistungs- bzw. Genußverhältnis, **/***, €7
  • Illuminati, Montepulciano d'Abruzzo Ilico 2007, Abruzzen, Jugendliche Farbe, violett mit dunklem Kern, erdig und würzig, hat die 3S - Süße, Struktur & Säure, der Alkohol ist merkbar, der Wein jedoch homogen, hat Charme und Herz, ein ehrlicher, stringenter Wein und eine Top-Leistung für den kleinen Geldbeutel, *(*)/***, €7
  • Illuminati, Montepulciano d'Abruzzo Pieluni Riserva 2007, Abruzzen, mein derzeitiger Champ im Flaschengewicht
  • Sartarelli, Passito 2007, Verdicchio dei Castelli di Jesi, Marken, aus angetrockneten Trauben, Goldgelb, kühl, wachsig, Lanolin, wirkt sehr balanciert und gar nicht süß, etwas strukturlos im Mund, feiner, wiederum balancierter und sauberer Abgang, etwas kurz, *(*)/***
Autochtones Italien zum Nachlesen: 2008 (Valtellin) | 2007 (Piemont)

Montag, 9. November 2009

Alle Jahre wieder..

Jedes Jahr das gleiche Trauerspiel - Anfang November beginnt pünktlich die Werbemaschinerie mit ihren Slogans "Alles für's Fest" - im Fall des Falstaffs-Magazins sogar mit Rechtschreibfehler :-(
Hoffentlich ist das nicht der Vorbote der neuen Ausrichtung des Magazins, das ja mit dem PR-Berater Wolfgang Rosam einen neuen Herausgeber hat.
Weihnachten - ein Fest des Genußrausches für alle Mitglieder der Spaßgesellschaft und Event-Society?

Wer öfters guten Wein genießt, der beschenkt sich regelmäßig selbst und kann sich daher frei von Konsumzwängen dem eigentlichen Sinn von Weihnachten widmen - wenngleich es jetzt doch noch ein bisserl zu früh dafür ist.

Sonntag, 8. November 2009

Neuer Champion..

..in der nach oben offenen, freien Weinflaschen-Gewichtsklasse ist das Weingut Illuminati mit seinem Wein, dem Pieluni, einem Montepulciano d'Abruzzo Riserva 2003.
Schwarzviolette Farbe, Frucht und Würze im Einklang, eine unheimliche Dichte bereits beim Riechen, enorme balsamische Aromen nach Ruß und Teer, reife Gerbstoffe umspielen harmonisch die Zunge und sorgen mit den süßen Fruchtnoten am Gaumen für einen tolles Weinerlebnis, konzentrierter Stoff für kalte Herbst- & Winterabende, **/***

Er verdrängt somit Südafrikas Capaia und holt mit 40g Vorsprung auf den 1200g schweren - natürlich leeren - Vorgänger den (zugebernermaßen fragwürdigen) Titel zurück nach Good Old Europe.

Samstag, 7. November 2009

#PauLi

Eine wirklich nette Idee, die Thomas da gehabt hat - an alle Interessenten eine Postkarte (1|2) von der diesjährigen Europäischen Weinbloggerkonferenz aus Lissabon zu senden. Gratis & Frei Haus :-)
Und da ich mich über Postkarten genauso freue wie Thomas, habe ich natürlich von seinem Angebot Gebrauch gemacht. Zumal ich so meine - zugegebenermaßen schon einige Jahre zurückliegenden - Erinnerungen an diese Stadt auffrischen kann.

Am Donnerstag ist sie bei mir eingetrudelt und mit der "Veröffentlichung" der Postkarte möchte ich mich auf diesem Weg bei ihm bedanken. Danke Thomas!

Addendum 16.11.09:
Dank Iris #PauLi-Beitrag kann ich nun auch den Mitunterschreiber Oscar identifizieren - Oscar Quevedo vom gleichnamigen Douero Weingut.

Donnerstag, 5. November 2009

Wonneschauer

Prinzipiell bin kein Freund von süßen und womöglich auch noch galligen Mehlspeisen - Pikantes liegt mir mehr. Auch wenn ich einer Kreation á la Gurkerl-Chili-Torte durchaus was abgewinnen kann, so gibt es doch das eine oder andere Dessert, das mich frohlocken läßt. Kuchenartiges in Kombination mit herber Scholokade zum Beispiel. So gehören Marmorgugelhupf, die Sachertorte und die (italienische) lauwarme Schokotarte zu meinen All-Time-Favorites.

Vor kurzem haben wir bei der Linzer Genußmeile Schokotartes in Miniaturausführung entdeckt. Die SchokoTaler der Kremstaler Hofbäckerei sind kleine Köstlichkeiten, ein wenig herb und doch leicht süß, innen immer noch ein wenig fest & teigig und bieten so einen herrlichen Genuß, noch dazu in der richtigen Portionsgröße, sodaß ich auch ein zweites und drittes und .. ohne Reue verschlingen kann.

In Kombination mit einer Beerenauslese-Cuvée 2005 vom renommierten Illmitzer Süßweinpapst Kracher wurde dies zu einem fulminanten Wochenendebeginn vorm kleinen Freitag-Nachmittagsschläfchen :)
War mir die nach Orangenzesten und Honigaromen duftende Cuvée aus Welschriesling und Chardonnay solo genossen insgesamt doch noch zu sehr auf der süssen Seite, ohne Gegenpart, offenbarte der goldgelbe Nektar in Kombination mit den kleinen Tartelets ein himmlische und harmonische Kombination. Der mit über 100g /l doch kräftige Restzucker des Weins wurde perfekt abgepuffert, war nur mehr in Nuancen erahnbar, eine feinziselierte Säure kam zum Vorschein und ein stimmiges, stringentes Geschmacksbild zur Symbiose beider Beteiligter stellte sich am Gaumen ein. Eine Wucht, **/***.

Warum gibt's nicht öfters Süßwein in dieser Kombination? Wieso - gibt's doch jetzt..

Mittwoch, 4. November 2009

Mineralik im Wein (II)

Mineralität im Wein beschäftigt viele Weinfreunde - so auch mich. Puzzleteil um Puzzleteil heißt es dazu zusammenzutragen, denn selbst die Fachwelt kann - Stand heute - noch nicht wirklich Licht in deren Enstehung bringen und einige Weinfreunde kapitulieren vor der Komplexität der Materie. Vom "Terroir-Terror" kann man dann lesen - zugegebenermaßen amüsant formuliert.

Aber auch im Ausschlußverfahren lassen sich Halbwahrheiten wie "Mineralik im Wein kommt von den Mineralien - logisch!" widerlegen - siehe dazu den interessanter Artikel (via dem Blog-Beitrag von Michael Liebert) zum Thema "Mineralität" im Rahmen des Annual Meetings der GSA (Geological Society of America) im Kontext der Vortragsreihe "Terroir—The Relationship of Geology, Soils, Hydrology, and Climate to Wine".

Lesenswert ist auch der Fachartikel "Der Ursprung des Aromas" auf der Homepage von Schneider-Önologie, der Mineralität im erweiterten Umfeld von "Terroir & Hefen" sieht.

Offenbleibt jedenfalls noch immer die Frage "Woher kommen die mineralischen Aromen?" und welche Komponenten, Einflußgrößen und Prozesse sind an ihrer Entstehung beteiligt?
Ich lausche mit Neugierde..

Update: Eckhard Supps - wie immer ausführlich erläuterte - Ergüsse zum Terroir..

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Ein toskanischer Klassiker

Es gibt immer wieder Weine, die einem ab und an begegnen, eigentlich gut munden, zuweilen sogar erstaunen, es aber trotzdem nicht auf den persönlichen Wein-Radarschirm bzw. ins Weingedächnis - Abteilung "Einkaufsliste" - schaffen.

Einer dieser Weine ist die Villa Antinori vom gleichnamigen Weingut, der es nicht zuletzt ob seiner leichten Beschaffbarkeit - er findet sich in jedem besser sortierten Supermarktregal - öfters bei Einladungen von Freunden auf dem Tisch steht.

Die tiefdunkle Farbe mit leichten Reifenuancen am Rand in Kombination mit dieser offenen, warmen und so typischen Sangiovesenase sorgt beim 2003er-Exemplar sofort für dieses "Zuhause-im Urlaub-Gefühl", vermittelt Geborgenheit und ist mit seiner zivilen Kraft im Glas genau der richtige Trunk für die beginnende kalte Jahreszeit. Hat alles, was ein anständiger Wein benötigt, Frucht, Säure und reife Gerbstoffe und alles im richtigen Verhältnis, *(*)/***

Hatte ich den Villa Antinori bisher immer als Chianti Classico DOCG Riserva im Gedächtnis, zeigt doch schnell ein Blick auf's Etikett, daß er seit 2001 unter IGT Toscana firmiert, wohl nicht zuletzt, weil er seine Zugänglichkeit einem Schuß Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah (alles urtypische Rebsorten Mittelitaliens ;-) verdankt - in Summe immerhin mit 40% am Gesamtinhalt, Tendenz steigend!

Dieser Wein empfiehlt sich, weil er sofort offen und zugänglich ist und deshalb ohne Reue und Enttäuschung genossen werden kann und eine qualitative Messlatte hat (welche bei einem €15-Preisschild aber auch vom Konsumenten verlangt werden kann).
Zudem ist der Wein für alle Arten von Weintrinkern bestens geeignet: für den Etikettentrinker, den Otto-Normal-Weintrinker, den Pseudo-Weinkenner und den ambitionierten Weinliebhaber ist er gleichermaßen zufriedenstellend wie für den Sommelier.

Von wievielen Weinen kann dies schon behauptet werden?

Samstag, 24. Oktober 2009

Vom richtigen Wein zur falschen Jahreszeit

In Zeiten, in denen der Herbst mit seinem grauen Schleier die oftmals prächtigen Laubverfärbungen überdeckt, läßt uns Weingenießer wieder vermehrt zu den "Krachern im Glas" greifen.
Trotzdem gibt es noch den einen oder anderen Handgriff im Garten zu tun und bei diesen Aktivitäten habe ich auch noch eine Flasche entdeckt, die ich mir für den heurigen Sommer zur Seite gelegt hatte, aber aus mir nicht erklärlichen Gründen nicht geöffnet wurde.
Ich war so neurierig auf den Muskat Ottonel, daß ich es mir nicht verkneifen konnte, sie zu öffnen..

Naja, ganz ehrlich, so richtig Freude kam keine auf! Aber das lag vielmehr an den Randebdingungen des Wetters - 8°C und windig - und der wohl so nicht ganz dazupassenden Weinstilistik - ein duftig, filigraner Apertifwein!
Eigentlich hätte ich's besser wissen müssen - Sommerweine gehören im Sommer getrunken - und ein Glas vom Traminer wäre sicherlich die bessere Wahl gewesen!

Trotz alledem, der Wein kann nichts dafür. Ein rundherum empfehlenswerter Vertreter einer burgenländischer Spezialität mit französischen Wurzeln. Zudem eine perfekte Alternative zum (steirischen) Muskateller.
Ob meine ausdrückliche Empfehlung allerdings in euren Köpfen den Winter überdauern wird? Da bin ich mehr als skeptisch.. ;-)

Zantho (Peck & Umathum), Muskat Ottonel 2008, Neusiedlersee, etwas schmutziges Weißgold, ein herrlich aromatisches Bukett, Flieder, weiße Blüten, Muskat, duftige Gesamtkomposition, zart zuckrig und "hell" in der Nase, am Gaumen sehr ausgewogen, harmonisch, knochentrocken im Abgang, Marke "aromatischer, sommerlicher Trinkspaß mit viel Niveau und wenig Alkohol", sehr geeignet als klassischer Apertif, rundherum gelungener Tipp, denn die nächste Sommerparty kommt bestimmt! **/***

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Kleiner Rieslingwettstreit (2)

Riesling zählt erst seit 5 Jahren zu meinen Lieblingssorten. Einzig und allein ist das der Verdienst von wundervollen Exemplaren aus deutschem Lande!
Natürlich lassen sich auch in meinem Heimatland Österreich feine Exemplare finden, aber selten in dieser feinen Nuanciertheit, Fokussiertheit, messerscharfen Klarheit oder hedonistischen Ausprägung der fruchtsüssen Vertreter. Und selten in dieser Preisklasse - wie der einfache Wein von Christmann deutlich belegt! So konkurrenzlos ich unseren Grünen Veltliner halte - auch international - so konkurrenzlos ist auch deutscher Riesling - auch wenn ich damit (noch immer) einsamer Rufer hierzulande bin..
  • Ansgar Clüsserath, Riesling Spätlese 2002, Mosel, klares Goldgelb, etwas phenolisch, reife Rieslingnase, in der Nase ein feiner Süß-Sauer-Dialog, zart zitrusfruchtig am Gaumen, die Säure steht über der Restsüsse, nicht unharmonisch, aber noch keine kompakte Einheit, dafür mit einer schönen feinziseliertem zitrussaurem Nachgeschmack, mittelang, *(*)/***
  • Heymann-Löwenstein, Riesling "Vom blauen Schiefer" 2004, Mosel, feinstes Goldgelb, anfangs etwas Petrol und nasser Stein, öffnet sich dann zu einem breiten Spannungsbogen zwischen mineralischen Noten, Gesteinsmehl und balancierter Exotik, von keiner Komponente zuviel oder zuwenig, ein wundervoll balanciertes Exemplar von Wein, hedonistisch mit temporärer Üppigkeit am Gaumen und nervigem Säurespiel im Ausklang, seidig rinnt jeder Schluck die Kehle hinunter, so genußvoll mit allen Sinnen, da wird jede Punktebewertung zur Farce, bravo!
  • Weingut Ansgar Clüsserath, Riesling Vom Schiefer 2005, Mosel, strohgelb, nasses Gestein, Mineralik, phenolische Anklänge, Petrol, aber auch Ananas, am Gaumen recht rund, weich, mit viel Zitrusgeschmack, angenehm balancierter Säure im Abgang, harmonischer und facettenreicher Wein, *(*)/***
  • Weingut der Stadt Krems, Riesling Steinterassen 2006, Kremstal, strohgelb, sehr diffus wirkende Nase, wenig bis gar keine Frucht, irgendwo dahinter schlummert ein wenig angedeutet die Mineralik, sehr schlanker Körper, aber ohne wirklichen Fokus, kann sich nicht entscheiden was er sein will, frucht- oder mineralikdominiert, Säurebalance ist ok, kurzer Abgang, läßt mich ratlos zurück und ist mir in dieser Phase nicht einmal einen Punkt wert! Ein Wein von kargen Urgesteins- und Schotterböden, aus einem sehr guten Jahr, von einem renommierten Erzeuger, ..?? Es sind genau solche Rieslingexemplare, die mich ganz klar in meiner Präferenz für trockene deutsche Rieslinge bestätigen - auch wenn hier von der stilistischen Bandbreite zuweilen Äpfel mit Birnen verglichen werden - die fruchtsüßen Exemplare sind sowieso konkurrenzlos!
    Nach 5 Tagen gewinnt dieser Wein zugunsten der mineralischen Noten deutlich an Profil, zeigt eine innere Dichte beim Riechen und offeriert eine schöne Pikanz, auch phenolische Komponenten in Form von (annehmbaren) Petroltönen sind vorhanden, am Gaumen noch immer schlank, jetzt auch präzise und mit wirklich knackiger Säure ausgestattet, Feuerstein im Abgang, na also, so macht dieses Exemplar doch noch Spaß und ich muß meine Meinung vom österreichischen Riesling und Fritz Miesbauer relativieren ;-) - *(*)-**/***
  • Weingut Ansgar Clüsserath, Riesling Vom Schiefer 2007, Mosel, ich habe den Wein nach einem österreichischen Roten Veltliner aus einem von mir geschätzten Weingut im Glas, was soll ich sagen, einfach ein Mehr an Frische, an Frucht, an Aromatik, an Spannung! Klares Strohgelb, in der Nase wundervolle Reife, ein wenig gelbe Früchte, Pfirsich, alles untermalt mit zarter Mineralik, am Gaumen frisch, mit Substanz, das hat was zum Beißen und Kauen, nervige Säure, prachtvoller Wein zum prachtvollen Preis! **-**(*)/***
  • Weingut Christmann, Riesling 2007, Pfalz, siehe Weinrallye #26 - Tipp vom Weinhändler
Als Nachlese: Teil 1

Montag, 19. Oktober 2009

Vom Glas zum Wein..

..handelt diese Geschichte.

Welches Glas zu welchem Wein gewählt wird, ist oftmals eine persönliche und somit rein subjektive Sache. Ziemlich unterschiedliche Kriterien führen zur Entscheidung, warum ein bestimmtes Weinglas erstanden wird - Design, Preis, Renommée, Robustheit, Spülmaschinentauglichkeit, Empfehlung, Haptik, usw. sind nur einige der vielfältigen und möglichen Auswahlkriterien.
Kaum ein Weinliebhaber, der sich der Bedeutung des Glases für den Wein nicht bewußt ist und so besitzen die meisten Weinfreunde zumeist auch mehrere Gläser für unterschiedliche Weinklassen, -sorten und -stile.
Wie viele verschiedene Gläser es sein müssen, darüber wird seit jeher kontroversiell diskutiert. Wo einige Glas-Hersteller mit 4 verschiedenen Formen auskommen, bieten andere für annähernd jede Rebsorte ein eigenes Glas - und die ganze Linie dann nochmals als preiswerte Maschinenlinie bzw. als noble mundgeblasene Serie an.

Aber eigentlich geht's gar nicht darum, welches *das* Beste aller Gläser ist, sondern nur um die Unterschiede zwischen einem kleinen und einem großen Glas für einen *guten* (diesmal roten) Wein.
Tendenziell neigen einige Menschen dazu, immer ein zu großes Glas zu nehmen. Das ist natürlich, hat was mit Wertigkeit - vielleicht auch Wertschätzung gegenüber sich selbst - zu tun und ein wenig mit Prestige, vor allem dann, wenn man im Glauben ist, einen besonders guten Tropfen zB. für Gäste geöffnet zu haben.
Die Zeiten, in denen es vor allem in der gehobenen Gastronomie angesagt war, auch für den einfachsten Hausroten ein großes, schweres Glas dem Konsumenten vorzusetzen, sind glücklicherweise dank fortschreitendem Weinverständnis passé.

Meinen bisherigen Erfahrungen und Empfinden nach richtet ein kleines Glas bei einem guten Rotwein niemals jenen "Schaden" an wie im umgekehrten Fall. Ein guter Wein bleibt auch in einem für ihn zu kleinen Glas immer noch gut, auch wenn vielleicht dadurch ein Teil seines Potentials nicht (bzw. noch nicht bei jungen, tanninreichen Weinen) offenbart wird.
Im anderen Fall jedoch verlieren sich Wein manchmal in den Weiten des Kelches, wirken dünn und ausdruckslos und verspielen jedwegliche Balance.
Ein Universalglas in Standardgröße bietet hier oftmals einen leichtern Zugang zum Wein und fokussiert die Aromen. Somit wird der Wein leichter "verständlich", erriech- und verkostbar. Nicht umsonst kommt auch bei Verkostungen hochwertiger Weine normalerweise ein "Standardglas" zum Einsatz.

Ich selbst erlebe das auch immer wieder bei Verkostungen, wo mich der direkte Vergleich des selben Weines in zwei unterschiedlichen Glasgrößen - wohlgemerkt des selben Herstellers und der selben Glaslinie - sicher macht, daß die meisten Weine im kleineren Universal-Glas den besseren Eindruck hinterlassen. Eine Einschätzung, die vielen Weinfreunden ein kleines Aha-Erlebnis bereitet und danach geteilt wird.

..von großen und kleinen Gläsern..
(hier in Form des neuen österreichischen Wunderglases Zalto)

Diesmal aber habe ich einen Wein im Glas, bei dem Vorangesagtes nicht zutrifft, ja im Gegenteil, dies in genau umgekehrter Reihenfolge Gültigkeit besitzt! Und zwar in einem wirklich gravierenden Maß.

Gérard Gauby, Domaine L'Orri 2002, Vin de Pays, Côtes Catalanes, Roussilion, ein aus einer Kooperation von nur 3 Jahrgänge mit Martin Kössler (K&U Weinhalle) entstander Wein, eine Cuvée aus Uraltreben (bis zu 130 Jahre alt) aus Grenache und Carignan, intensiv dunkler Kern, noch sehr junger Farbton, eine Intensität sondergleichen (das muß man mal erlebt haben) nach weihnachtlichen Gewürzen, Nelken, schwarzen Beeren, am Gaumen straff, fordernd, aber in der Mitte mit einer verbindenden Fruchtcharme, gestützt von nerviger Säure, unglaubliche Dichte, eine präsente, jedoch mürbe Gerbstofftextur begleitet den Abgang, von kühler Statur, intellektueller Wein mit hedoni(sti)schen Zügen, der aber auch Aufmerksamkeit einfordert und Zeit braucht, genossen zu werden! **-**(*)/***, €24

Im kleinen Glas naturgemäß ob der Fläche für den Riechkolben nur der halbe Genuß, diese unglaubliche Würzigkeit des Weines, in brachialer Dimension im großen Glases geht komplett verloren! Soweit noch keine Tragödie. Die Mitte aber bricht vollends heraus. Jene Mitte, die der Gaumen braucht, um diese nervige Säure und die reifen, massigen Gerbstoffe zu einem harmonischen Ganzen verbinden zu können. Der Wein wird damit schlichtweg ungenießbar. Er wirkt beim ersten Zungenkontakt sofort sauer, um dann komplett in die Tanninschiene zu kippen. Zurück bleibt ein hartes, undurchdringliches Etwas, ohne auch nur den geringsten Trinkfluß zu vermitteln!
Zuerst habe ich geglaubt, der Wein ist gekippt, aber bei einer solch famosen Qualität am ersten Tag wäre das doch eher unwahrscheinlich. Und wahrlich lag es nur am unterschiedlichen Glas, ein einfacher und direkt durchgeführter Vergleich aus den zwei verschiedenene Gläsern (Wein & Co Solution Classic bzw. Mature, entworfen von Architekt Prof. Holzbauer, gefertigt von Spiegelau) brachte ein eindeutiges und leicht nachzuvollziehendes Ergebnis.

Ein weiteres, Mosaiksteinchen in der manchmal so komplexen Weinmaterie.. ;-)