Freitag, 26. Dezember 2008

Was das Christkind so alles bringt..

Bei mir heuer zB. einen "Frosch im Hals", der nun pünktlich zu den Feiertagen dafür sorgt, daß meine Leber auch einmal Zeit für Urlaub hat ;-)
Nun stehen sie stumm in der Reihe - meine Feiertagsweine - und warten und warten und.. auf ihren grossen Auftritt!

Dienstag, 23. Dezember 2008

Rieslingländerkampf Deutschland : Österreich 2:1

Das Thema Riesling ist immer ein spannendes, das erste VHS-Duell vor 2 Jahren wurde IMHO klar entschieden, diesmal war's mit einem Vergleich der 2007er Weine viel knapper - die meisten Stimmen plädierten daher auf ein Unentschieden. Für mich war's trotzdem ein Sieg unserer Lieblingsnachbarn, wenn auch ein hauchdünner, aber den Österreichern fehlt es da einfach an Fragilität und Feingliedrigkeit, dafür besitzen sie Muskeln. Letztendlich ist das aber ja auch immer eine Frage der persönlichen Präferenzen.
Die Weinauswahl war jedenfalls höchst subjektiv und die Weine viel zu jung, sodaß einige Vertreter ihr wahre Potential (noch) nicht ausspielen konnten.

Im Schnelldurchlauf die Highlights auf beiden Seiten - für Deutschland
  • Eva Clüsserath. Riesling Steinreich, Mosel, strohgelb, kräftige Nase, Pfirsich, parfumiert, glockenklar, voll, balancierte Säure, singt in der Nase und auch am Gaumen, *(*)/***, €11
  • S.A. Prüm, Wehlener Sonnenuhr 2007, Mosel, feinziselierte Nase, fokusiert, am Gaumen straffer und säurebetonter als der Steinreich, blitzsauber und trinkanimierend, *(*)/***, €13
  • Deinhard, Forster Ungeheuer, Kabinett 2007, Pfalz, wiederum Parfumnoten, Pfirsich, Exotik, Mango, viel frucht, macht Spaß, feine Balance, ein Preis-/Genußtraum, *(*)/***, €8
  • Van Volxem, Pergentsknopp 2007, Mosel, kräftiges Leuchtgelb, viel gelbe Früchte, im Mund richtiggehend voluminös, perfekter Dialog zwischen süß und sauer, viel Spannung und viel Potential, **/***, €32
  • Emmerich Schönleber, Monzinger Halenberg Großes Gewächs 2007, Nahe, strohgelb, pure Mineralik in der Nase, viel zu jung, quicklebendig, extrem fokussiert, viel Zitrus, feine Säurestruktur, ein Winner, **(*)/***, €28
Für's Heimatland reussierten
  • Ludwig Hiedler, Heiligenstein 2007, Kamptal, kein primärfruchtiger Wein, dafür viel mineralische Anklänge, gute Balance und Struktur, macht alles richtig, Potential, *(*)/***, €18
  • F.X. Pichler, Dürnsteiner Hollerin 2007, Wachau, strohgelb, gelbfruchtig, mineralisch, am Gaumen noch etwas zerfahren, hat noch nicht seinen vollen Spannungsbogen aufgebaut, Potential, *(*)/***, €22
  • Weingut Prager, Klaus Smaragd 2007, Wachau, Toni Bodenstein hat für die Österreicher wie schon vor 2 Jahren die Kohlen aus dem Feuer geholt, strohgelb mit grünlichen Reflexen, feine Nase mit Finisse, Mineralik, füllig am Gaumen und doch mit nerviger Säurestruktur, perfekt balanciert, **/***, €29
Nicht überzeugen konnten mich zu diesem frühen Trinkzeitpunkt ua. Franz Proidls Ehrenfels und Fred Loimers Steinmassl, normalerweise aber beides keine Frühstarter und eine sichere Bank, auch der von falstaff Chefverkoster Peter Moser hochgelobte Riesling DAC Berg von Markus Huber entäuschte durch seine lasche, ja richtigehend fade Art - wie immer alles mit Vorsicht zu genießen, da's nur ein zeitliche Momentaufnahme darstellt - Spaß gemacht hat's allemal!

Sonntag, 21. Dezember 2008

Weinrallye #18 - Addendum

Ist es dem nahenden Jahreswechsel, welcher vielleicht das Sortiment bzgl. Sekt erweitert, oder aber nur meiner Blindheit am vorigen Wochenende zuzuschreiben, daß ich Klaus Knoblochs Sekt aus Speyer bei einer deutschen Bio-Supermarktkette übersehen habe. Egal - zuspät ist zuspät - zumindestens für eine fristgerechte Einreichung für die 18er-Weinrallye. Totzdem möchte ich die Eindrücke nachliefern, zumal der Eindruck, welcher der Winzersekt bei mir hinterlassen hat, mehr als nur positiv ist und sich somit als perfekter Beginn zum bevorstehenden Weihnachtsurlaub (auch mit einer weiteren Flasche dieses Winzers) hervorgetan hat!

Weingut Klaus Knoblich, Winzersekt D & N Brut 2006 aus Grauburgunder, Rheinhessen, kräftige Farbe, feinste Perlage, Birnenaromatik und sogar ein wenig Würze zeigend, fast der Veltlinertypus die Aromen betreffend, sehr cremig und weich am Gaumen, wirkt für einen Brut sehr süß, wer einen Moscati D'Asti nicht abgeneigt ist, wird auch mt diesem Exemplar viel Freude haben, ein Schleckersekt, der hervorragend zu den weihnachtlichen Leckerein passt, mit einem für die gebotene Qualität sehr fairen Preisschild von €9 versehen, 11.5% Vol., **/***

Samstag, 20. Dezember 2008

Whisky für Weinliebhaber!

Jetzt ist es also doch passiert!

Mehr darüber erfahrt ihr in meinem neuen Blog Whisky4WineLovers..

Dienstag, 16. Dezember 2008

Weinrallye #18 - Deutscher Sekt

Sorry Niko, aber ich muß diesmal passen und dafür gibt es eine Reihe von Gründen:
  1. Die liebe Zeit - der Dezember ist für mich familiär sowie beruflich ein Stressmonat
  2. Sekt in der Adventszeit, eine Kombinationen, die mich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißt
  3. Deutscher Sekt - zumal es ja lt. Ausrichter der Weinrallye Winzersekt sein soll - ist in Österreich sogut wie gar nicht zu beschaffen.
    Eigentlich war ich sogar Willens, da in der letzten Weinwelt eine offizielle Einkaufshilfe vom Meininger-Verlag zum Thema "Weinsortiment von Lidl" beigelegt war! Aufmacher: Lidl hat im Diskontersegment schön öfters bewiesen, daß es das qualitätsorientierteste Sortiment führt! Ha! Meineserachtens ziemlich skandlös, daß Meiniger offizielle Verkaufshilfe für Lidl leistet - und ein Besuch in einer Welser Lidl-Filiale hat mich bzgl. Diskonterwein wiedereinmal in meiner Meinung bestätigt.
  4. Daß Niko die köstlichen österreichischen - und im Fall von Iris französischen, aber auch die italienischen und .. - Winzersekte ignoriert finde ich schlichtweg .. diskriminierend :(
    Macht aber nichts, denn da die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, TITEL III, Artikel 22 von der Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen handelt hätte ich aus diesem Grund sowieso einen österreichischen Sekt präsentiert - und den gibt's halt heuer dann zu Silvester :-) Prost!

Samstag, 13. Dezember 2008

Weinrätselbilder #2

Die Reaktionen respektive abgegebenen Tipps zu meinem ersten Weinrätselbild haben sich in überschaubaren Rahmen gehalten - vielleicht war aber auch nur das Bild zu schwer zu erraten?
Die Auflösung ist längst überfällig und gibt's auf alle Fälle hier und jetzt. Es handelt sich dabei schlichtweg um einen Ausschnitt der Weinflaschenanhänger - wie sie zu hunderten meinen Keller bevölkern und sich ab-und-zu auf andere Flaschen hängen, nur um mein wohldurchdachtes System ein wenig durcheinanderzubringen ;-)

Versuch #2 der Weinrätselbilder - sollte deutlich einfacher sein..

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Vertikale vom Gebling

Walter Buchegger's südlich exponierte Lage Gebling in im nordöstlichen Krems (Rohrendorf) - urkundlich bereits 1180 erwähnt - ist auf kalkhaltigen Konglomeraten und Löß mit über 60 Jahre alten Reben bestockt. Sein Grüner Veltliner Gebling wurde erstmals 2003 erzeugt. Buchegger ist Mitglied im vinovative-Verbund, hat eine originelle Homepage, und hat durch seine frührere Sportlerkarriere als Tischtennislandesmeister gute Kontakte zum ÖOC, was seinen Weinen auch zu bereits etlichen "Olympiastarts" im Österreicherhaus verholfen hat.

Eine kleine Vertikale des Grünen Veltliners Gebling soll zeigen, ob der sensationelle 2005er Jahrgang würdige Nachfolger gefunden hat. Beim Stöbern im Keller bin ich dann auch noch auf eine Flasche des Vorgängerjahrgangs 2004 gestossen, sodaß ich nun anstatt der geplanten Trilogie ein Veltliner-Quartett ansagen kann :-)

  • Grüner Veltliner Gebling 2004, Kremstal, Salonwein, kräftiges Gelb, anfangs eher wie ein Klöcher Traminer, viel Süsse in der Nase, im Hintergrund zarte Veltlinerwürze, aber auch ein Alterston, am Gaumen knochentrocken, nicht uncharmant, die harmonische Milde des gereiften Weins kommt voll zum Tragen, zu Gerichten mit leichter Schärfe wahrscheinlich noch ein guter Begleiter, habe den Höhepunkt des Weins aber verpasst (auch dank des Kunstoffkorkens), nach weiteren drei Tagen plötzlich voll da, keine Spur mehr von der Altersmüdigkeit, am Gaumen quicklebendig, etwas flach hintenraus, *(*)/***
  • Grüner Veltliner Gebling 2005, kräftiges Strohgelb, viele Stoff, tabakig, mit Würze und Mineralik, herrlich cremig und harmonisch am Gaumen, hat in der Mitte Biß, rundum fein, so macht gereifter Veltiner Spaß, ein prachtvoller Sortenvertreter! **/***
  • Grüner Veltliner Gebling 2006, helles Strohgelb, die Brillianz etwas vermissend, wiederum die kräftige Veltlinerwürze in der Nase, diesmal aber im Wettstreit mit Zitrus, dem Wein fehlt ein weinig das Strahlende, am Gaumen wird der Wein dann ganz klar von der Zitrusfrucht dominiert, mittelgewichtig, wirkt etwas freudlos und lasch im Agbang, aus einem guten Jahrgang, da habe ich mir (viel?) mehr erwartet, */***
  • Grüner Veltliner Gebling 2007, helles Strohgelb noch mit zart grünen Reflexen, wirkt in der Nase sehr verhalten, fast flach, ohne Spannungsbogen, schüchterne Gelbfruchtanklänge, am Gaumen dann doch etwas Leben, aber untypisch für einen GV, wirkt eher wie ein verkappter Steirer aus der Reinzucht & Kaltvergärungsretorte, weit entfernt von einem harmonischen Ganzen, eine ungünstige Momentaufnahme? (*)/***
    Tag 2 wandelt das Bild ein wenig, wiederum gelbe Früchte, feine Würze, die Nase eher breit, hat aber einen gewissen Wiedererkennungswert, am Gaumen stoffig, die Säure im Kontext sehr niedrig, wirkt süffig und angenehm zu trinken, wird in seiner Gesamtbalance noch zulegen, *(*)/***
Die Weine sind etwas durchwachsen, besonders die 2006er Flasche von einem an-und-für-sich sehr guten Veltlinerjahrgang läßt mich etwas ratlos zurück. Die anderen 3 Jahrgänge waren aber fein zu trinken und besitzen - wie die 04er Flasche eindrucksvoll belegt - auch etliches Stehvermögen. Nicht alltäglich für einen Wein der Acht-Euro-Klasse!

Montag, 8. Dezember 2008

Und immer noch die 5er-Diskussion ...

Eigentlich hielt ich die (Hamburger) 5-Euro-Wein-Debatte für längst abgeschlossen, aber anscheinend schwelt diese noch immer leise vor sich hin, das belegen weitere Beiträge am ENO-WorldWine-Blog und drinktank.

Mit Erstaunen - und ja: auch Amusement - nehme ich wahr, mit welcher Vehemenz hier Standpunkte und Zielgruppeninteressen verteidigt wurden - warum eigentlich?

Recht haben natürlich alle (ein bißchen) - zumindestens aus der Perspektive ihres eigenen Standpunkts.
Gute Preis-Leistungs - oder besser: Preis-Genußweine gibt es unbestritten um dieses Geld. Daß aber eine breite Front das Billigpreissegment der namhaften Diskonter unter €3 als Nabel der Weinwelt definiert und daher Weine über €5 ins Premiumsegment hebt, dem muß entschieden entgegnet werden.
Richtiges Erlebnis beim Wein kostet mein Portmonnaie mehr als €5 - *deutlich* mehr!
Arrogant finde ich diese (Kern)Aussage deshalb noch lange nicht, auch wenn ich dabei *nicht* jedes Wort des Herrn Thoma auf die Goldschale lege. Und dabei ist es auch unerheblich, ob sich viele Leute Weine um €10+ nicht leisten können oder ein Gutteil der Premiumweine als maßlos überteuert angesehen wird - denn beides ist (in meiner Welt) Realität.

Letzendlich ist es doch nur eine Frage der persönlichen Prioritäten. Oftmals sind jene, die am lautesten wettern doch genau jene, welche im Pelzmantel zum Wein im Tetrapak greifen oder mit dem "Geiz ist g.."-Spruch auf den Lippen ihre Luxuskarosse vorm Diskonter parken.

Der im Beitrag von Dagmar Ehrlich getätigte Ausspruch "Qualität braucht eine Lobby" besitzt heutzutage im Zeitalter der Einnivellierung und Uniformität für mich mehr denn je Aktualität, auch wenn wir zuallererst einmal begreifen müssen, daß Qualität per se nicht gut oder schlecht ist, sondern das, was wir darunter explizit und implizit definiert verstehen.
Und nein, ich erwarte nicht vom Weinhändler meines Vertrauens, daß er in den Ring der €5 Preisschlacht steigt, sondern daß er sich auf die Suche nach Weinen begibt, welche mit nachvollziehbarer Preispolitik meinen Wein- & Geschmackshorizont erweitern - Punkt.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Novemberweine

  • Anton Hagen, Kremser Grüner Veltliner Holzgasse 2006, Krems, Mitglied der Veltlinermacher, kräftiges Strohgelb, prachtvoll würzige Veltlinernase, stoffig, Tabak, ein gutes Maulvoll Wein, kein knackiger Vertreter, sondern eher milde Säure, aber lebendig, schöner Sortenvertreter, *(*)-**/***
  • Mas Bruguiére, Les Mûriers Blanc 2005, Languedoc, eine charaktervolle Cuvée aus den ungewöhnlichen Nordrhône-Rebsorten Roussanne und Marsanne, strohgelb, hochfeines Bouquet, floral nach Blüten, dann balsamisch, sehr harmonisch und bekömmlich aromatisch, mal was anderes, *(*)/***
  • Kellerei Kurtasch, Gewürztraminer Freienfels 2005, Südtirol, leuchtend klares Goldgelb, intenisv üppiges Bouquet, parumiert, Rosenduft, am Gaumen herrlich voll, cremig, balanciert, ein mächtiger Wein, feine Rosennoten im Abgang, leicht merklich Alkohol hintendrein sorgt für innere Wärme, **/***
  • Leopold Aumann, Zweigelt Cabernet 2003, Thermenregion, Cuvée im Verhältnis 85%: 15%, noch purpurfarben mit dunklem Kern, üppige Fruchtsüsse, gekochte rote Früchte, aber auch mit einem deutlichen, ernsten Unterton, Tintenblei, Assoziationen an Staub, am Gaumen rund, Rumtopf, kann naturgemäß seine Herkunft aus einem heißen Jahr nicht verleugnen, trotzdem beeindruckende Petrformance, guter, süffiger Abgang, mit Spaß zu trinken, *(*)/***
  • Roman Velich, Chardonnay Tiglat 2005, Apetlon, Neusiedlersee, Tiglat, eine Einzellage der Ried Hedwigshof, spontanvergoren mit zweijähriger Faßreife, die Farbe zwischen Stroh- & Goldgelb, betörende, komplexe Nasenaromatik, in erster Line mal von der Röstung, Kaffee, Karamel, Vanille, sehr buttrig, aber auch Orangenzesten, viel Mineralik, salzig, wirkt schon beim Riechen extrem gebündelt, da mach' ich mich am Gaumen auf einen fokussierten Wein gefasst, und so ist es dann auch: im Mund ist das kein Faserschmeichler, dieser Wein möchte "erarbeitet" werden, zeigt sich schlank, aber immens präzise, mit gebündeltem Druck, im Abgang noch nicht ganz harmonisch, ein hervorragender Wein, der aber vielen Weinfreunden durch seine individuelle Stilistik oftmals Schwierigkeiten bereitet, **(*)/***

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Suche: Fotos für den Weinkalender 09!

Als ich letztes Mal wieder bei Lars auf seinem Blog ein stimmungsvolles Bild entdeckte, war's klar für mich - ein Jahreskalender zum Thema Wein muß her!
Da ich aber leider in einer "Nicht-Wein-Region" wohne, gehen mir einige Motive ab, aber ich glaube, daß das die Weinblogger-Community mehr als wettmacht - daher ergeht also ein

Aufruf an alle
weinliebenden Fotografen
bzw.
fotobegeisterten Winzerinnen & Winzer!

Ich stelle mir das in etwa so vor:
  • jeder darf mit beliebig vielen Bilder zum Thema Wein teilnehmen,
  • die Bilder schickst du in einer Vorschauversion (max. VGA-Auflösung) an vinissimus (at) freudenthaler (punkt ) name,
  • ich such ein paar Bilder aus und ersuche dann um Zusendung in voller Auflösung,
  • vielleicht ergibts sich ja eine Geschichte - zB. Wein im jahreszeitlichen Verlauf oder aber einfach nur eine Abfolge von stimmungsvollen Bildern?
  • Ich erstelle den Kalender nach meinem persönlichen Gutdünken (jaja, die Freiheit der Kunst :-)
  • es ist vollig unklar, ob dies im Format A4, A3, quer oder hoch, mit weißem oder schwarzen Hintergrund passiert, ebenso ob und Bilder beschnitten oder á la Andy Worhol entfremdet werden!
  • Der Kalender beginnt nicht notwendigerweise mit Jänner 2009,
  • jeder Fotograph eines ausgewählten Bild wird namentlich erwähnt und ev. mit ein Foto seiner Person auf dem letzten Kalenderblatt verewigt,
  • die Rechte eines jeden Bildes bleiben beim natürlich jeweiligen Ersteller, werden meinerseits in keiner anderen Art & Weise verwendet und
  • der Kalender sollte zur privaten Nutzung unter Wahrung des letzten Punktes frei zugänglich sein - dedicated to the wineblogging community ;-)
Wünsche & Anregungen aller Art - zB. wo ein Kalender mit 100MB im Internetz öffentlich geparkt werden soll - sind immer willkommen.
Aber vielleicht kommen ja gar nicht genug Bilder zusammen, oder doch?

Sonntag, 30. November 2008

Preiskalkulation

Bei unserem herbstlichem Thermenaufenthalt habe ich mich diesmal wieder über deren Weinpreiskalkulation gewundert. Nicht, daß ich mich über die Preise ansich erstaunt habe - nein, überhaupt nicht, denn da bin ich ganz andere Unverfrorenheiten gewohnt - nein, es ist einfach das fehlende Muster der Kalkulation, das mich nachdenklich gemacht hat. Viele Weinfreunde wissen ja heutzutage ziemlich genau, was die Bouteillen im Einkauf kosten und dann ist manches einfach nicht nachvollziehbar.

Positiv:
  • Santa Rita Casa Real 2001: Einkauf € 40, Verkauf € 50 (+ € 10 absolut = + 25% vom EK-Preis), ein wahrliches Schnäppchen!
  • Velich Tiglat 2005: Einkauf € 36, Verkauf € 50 (+ €15 = + 40%)
Fair:
  • Pöckl Admiral 2004: Einkauf € 32, Verkauf € 50 (+ €18 = + 57%)
  • Pöckl Rosso e Nero 2003(!): Einkauf € 20, Verkauf € 35 (+ €15 = + 75%)
Negativ:
  • Smith Haut Lafite 2001: Einkauf € 35, Verkauf € 71 (+ €36 = + 100%)
  • Glatzer Dornenvogel 2005: Einkauf € 13, Verkauf € 32 (+ € 19 = + 146%)
  • Tement Sauvignon Blanc Klassik 2007: Einkauf € 12, Verkauf € 30 (+ €18 = + 150%)
So habe ich durchaus Verständnis, daß im Einkauf günstige Weine mit höherem prozentuellen Aufschlag sich auf der Weinkarte wiederfinden, schlußendlich macht es ja der Absolutbetrag aus! Mehr als € 15 Aufschlag bis zu einem EK von € 20 braucht's aber auch nicht und auch nicht einverstanden bin ich mit der Tatsache, daß sich der prozentuelle Aufschlag bei teureren Weinen nicht drastisch senkt und mein Geldbörsl den doppelten Absolutgewinn abtreten soll.

Und ja, ich bin für Kostenwahrheit bei den Speisen und gegen Quersubventionierung dieser durch den Wein!

Siehe zu diesem Thema auch Weinrallye #16 - Weingenuß im Restaurant

Samstag, 29. November 2008

Aufruf zur 19. Weinrallye - Gespritete Weine

Warum mich persönlich Wein jeden Tag auf's Neue so fasziniert liegt – neben anderen Faktoren – im Wesentlichen an der Vielfältigkeit der aus Weintrauben gewonnen flüssigen Köstlichkeiten begründet.
Komischerweise wird diese Vielfalt selten in ihrer ganzen Pracht wahrgenommen. Wird im Bekanntenkreis nach Assoziationen zum Thema Wein gefragt, hört man mehrheitlich Weiß- & Rotwein, eventuell Sekt (Schaumwein), vereinzelt noch Süßwein - das war's dann aber auch schon!

Rosé wurde in letzten Jahren erfolgreich aus seinem Dornröschenschlaf erweckt und erfreut sich seitdem wieder wachsender Beliebtheit. Dies kann man von der Gruppe der "gespriteten Weine" bzw. Likörweine – also Sherry, Portwein und Konsorten – leider nicht behaupten. Sie führen trotz hervorragender Qualitäten ein Schattendasein, kämpfen mit stetig sinkenden Absatzzahlen und treffen derzeit einfach nicht den Zeitgeist. Deshalb ist es meines Erachtens notwendig, diesen vielfältigen Weintypus in Form einer Weinrallye vor den Vorhang zu bitten!

Gespritete Weine passen auch hervorragend zur aktuellen Jahreszeit. Es sind kräftige Weine (auch im Alkoholgehalt), gut als Digestif geeignet und passen mit ihrer Aromenvielfalt und vollen Süße auch fein zur (würzigen) weihnachtlichen Bäckerei wie zB. Lebkuchen und Spekulatius.

Für diese Rallye sind alle mit Alkohol verstärkte Weine wie zB.
  • Sherry - als Fino, Manzanilla, Amontillado, Oloroso, Cream,
  • Portwein - in allen Spielarten Ruby, Tawny, Colheita, LBV, Vintage,
  • Madeira, Malaga, Marsala,
  • Banyuls, Samos ...
aus allen Weinanbauländern zugelassen.

Portwein hat sich meiner Meinung fast eine eigene Rally verdient, sodaß ich euch dazu ermutigen möchte, im reichhaltigen Fundus der anderen verstärkten Weine für euren Beitrag zu stöbern - ist aber definitiv für diese Rallye zugelassen!

Also Start frei für die nächste Genußrunde mit der Nummer 19 - ran an die Bouteillen, geploppt oder geschraubt - gegurgelt und genossen - alleine oder im Freundeskreis, solo oder zum 7-Gang-Gala-Diner - alles erlaubt und erwünscht, solange ihr anschließend die anderen an euren Genüssen teilhaben lässt und mich über euren Beitrag emtweder per eMail an vinissimus klammeraffe freudenthaler punkt name oder über eine Kommentar zu diesem Beitrag in Kenntnis setzt.

Die Spielregeln der Weinrallye gibts beim Winzerblog und und wie immer gilt, daß ich auch gerne Gastbeiträge auf meinem Blog veröffentliche. "Einsendeschluß" ist Freitag, 16. Jänner / Januar 2009, 23:59h.

Montag, 24. November 2008

Hochleistungssport bei Weingenießern!

Ein ganz normales Wochenende mit einer 10 Personen umfassenden netten Freundesrunde am Samstag abend, das bedeutet
  • ein paar Biertulpen,
  • 10 Aperitifgläser,
  • 10 Sektgläser,
  • 10 Weiß- und 10 Rotweingläser,
  • 10 Süßweingläser &
  • 3 Karaffen
einmal im Vorfeld von der leichten Ausdünstung des Holzkastens spülen und polieren, und dann am Sonntag nochmals im Putzfinale, also in Summe gut 100 Gläser per Hand ohne Spülmittel nur mit heißem Wasser reinigen - das hat schon fast meditativen Charakter :)

Freitag, 21. November 2008

D-Riesling in A

Deutsche Rieslinge haben einen schweren Stand im Land der österreichischen Patrioten - immerhin nähert sich der Anteil des österreichischen Weins in der heimischen Gastronomie fast der 100% Grenze. Wenn ich dann im Bekanntenkreis freimütig zugebe, die Rieslinge unseres westlichen Nachbarn den österreichischen Kreszenzen vorzuziehen, stoße ich fast immer auf Unverständnis - wo doch wir Österreicher die besten Weißweine der Welt erzeugen?!

Ab und zu war heuer aber auch deutscher Wein in den heimischen Printmedien präsent (zB. Artikel im standard - Deutschland für Anfänger bzw. Wittmann als wöchentliche Weinempfehlung) und einige Weinhändler trauen sich ein kleines Deutschlandsortiment zu führen - nur Mut meine Damen und Herren, gibt es doch bei unseren Lieblingsnachbarn gar Köstliches zu entdecken!
Trotzdem landet oftmals ein Gutteil der deutschen Weine - meistens in Form von Rieslingen - bei den Fachhändlern im Restpostenregal - wieso bloß?
Vielleicht liegt's auch am komplexen deutschen Weinsystem und den schier unüberschaubaren Lagennamen. Mein Allzeitfavorit steht da übrigens bereits fest - es ist der Oppenheimer Sackträger, erstes Großes Gewächs ;-)

Hier eine kleine Auswahl der Weine, welche ich in der 50%-Ecke gefunden habe:
  • Gunderloch, Riesling 2006, Rheinhessen, strohfarben, zitroniger Touch, die Petrolnote schon in Lauerstellung erkenn- & erschmeckbar, saftiger Stil, easy to drink, mit einer superben und harmonischen Säure, trinkanimierend, alles balanciert, am zweiten Tag dann auch leichte Pfirsichtöne, zarte minerlische Noten, wirkt auf seine Art sehr suverän, hochfein, das ist die Basisqualität wohlgemerkt! **/***
  • Dr. Bürklin-Wolf, Riesling Ruppertsberger Hoheburg 2001, Pfalz, erstaunlich vitale Farbe, kräftiges Strohgelb mit grünlichem Einschlag, deutlicher Petrolton in der Nase und am Gaumen, aber noch in einem harmonischen Ganzen mit Zitrusfrucht eingebunden, balancierte und nervige Säurestruktur, schön langer Abgang, noch sehr lebendiger und juveniler Wein, ich bin mir aber noch immer nicht sicher, wie meine Einstellung gegenüber dem Petrolton nun wirklich ist - man mag es oder hasst es? - tendenziell kann ich die Noten, soferne nicht dominierend, in der Nase leichter als am Gaumen akzeptieren, wenn man vorher einen Schluck guten Veltliner gehabt hat, dann wird die Sache ziemlich flach, zum salzigen Speck aber passt der Wein ganz hervorragend, *(*)/***
  • Schloß Lieser, Riesling Brauneberger Juffer Kabinett 2006 feinherb, Mosel, strohgelb, betörende Nase nach Zitronen, exotische Aromen, fokussierte Aromatik, zarte Mineralik, am Gaumen prachtvoller Dialog zwischen der Süße und der Säure, gut gekühlt erfrischend wie ein Zitronen-Champagner-Sorbet, fast schwebend, das ist keine intellektuelle, aber köstlich fruchtig geprägte Weinstilistik, unvergleich und für mich einfach göttlich, kein großer Wein, ich weiß, aber handwerlich perfekt (gemacht), wundervolle geschmackliche Stilistik und es kommt sehr, sehr selten vor, daß meine liebe Renate und ich eine Flasche Wein in einer halben Stunde leeren ;-) - sensationeller Stoff und Griff in die Vollen, ***/***
  • Dönnhoff Riesling 2006 - leider ein Kork!
  • Einzig die 1994er Wehlener Sonnenuhr Spätlese trocken von Kerpen konnte mich in keinster Weise begeistern, flach, spannungslos und viel zu viel Petrol.

Montag, 17. November 2008

Weinrallye #17 - Weine der letzten EU-Beitrittsstaaten

Diesmal ist Swetlana von myexpierence4you mit der Ausrichtung der Weinrallye an der Reihe und sie hat sich ein Thema ausgesucht, mit dem sich Genuß und Beruf (Juristin) anscheinend auf's Trefflichste verbinden läßt - Weine der neuen EU-Beitrittsländer.

Zu trockenen Gesetzestexten (ja, ja, auch ich konnte der Versuchung von Swetlanas Link nicht widerstehen und ja, es war eine hervorragende Lektüre zum Einschlafen ;-) braucht's nicht immer trockene Weine - ich habe mich trotzdem für einen entschieden. Für einen Wein aus unserem Nachbarland Ungarn, aus einer Rebsorte, welche auch in der Gegend rund um den Neusiedlersee zu finden ist und welche durch den Tokajer weltweite Berühmtheit erlangt hat - Furmint.

Trockener Furmint macht im Sommer richtig Spaß - auch als Aperitif dank seiner kräftigen Säurestruktur - und gibt viel her für den Riechkolben - von floraler bis zu zitroniger Aromatik und im Barrique zusätzlich auch balsamische Noten.

Dobogó, Furmint Tokaj 2006, aus über 30jährigen Rebstöcken, Teilbarrique, helles Goldgelb, äußerst vielschichtiges und komplexes Bouquet, Lindenblüten, balsamische Noten, Terpentin, zarter Zitroustoch, Vanille, alles feinst verwoben, am Gaumen geschliffen rund, balanciert und harmonisch, fast ein wenig zu glatt, mit einer feinziselierten Säurestruktur lang ausklingend, das ist Wein im internationalem Format aus einer autochtonen ungarischen Rebsorte, wundervoller Essensbegleiter, unbedingt dekantieren, viel Potential, **/***, €17

Furmint - perfekt passend zu einem Paprikahuhn mit leicht scharfem (sehr frei interpretierten) ungarischem Letscho.

Mittwoch, 12. November 2008

Ganse Weine zur Gans 2008!

Welch ein Festschmaus jedes Jahr - das Martinigansl! Heuer mit einem 5 kg Riesenvogel und zwei exzellenten Weinen - Hedonismus pur!
  • Erich Giefing, Pinot Noir Cavallo 2000, Rust, Neusiedlersee-Hügelland, anfangs leicht alkoholische Nase und nicht sehr intensiv, legt dann aber in der Karaffe schön zu, Sattelleder, balsamische Anklänge, Teer, am Gaumen herrlich weich, geht im Mund richtiggehend auf, warm, feines Holz, präsente Fruchtsüsse, ein Schmeichler von der ersten Minute an, wundervoller Stoff aus einem guten Jahr und pipifeiner Begleiter zum Ganserl, da seine sanfte und mundfüllende Textur mit den balsamischen Noten eine hervorragende Harmonie mit der Speise aufbauen, **(*)/***
  • Vignoble Brunier Vieux de Télégraphe, Chateau-Neuf du Pape La Crau 1995, Granatrot im Glas, am Rand geht's schon ins Orange, oooh, welch prachtvolle Nase offenbart sich da, komplex strömend, Unterholz, massenhaft balsamische Assoziationen wie Kiefer und Terpentin, Würze, zeigt viel Fruchtsüsse am Gaumen, feste Struktur mit der richtigen Portion mürber Gerbstoffe im Dialog mit einer subtile Säurestruktur, im Abgang gewinnt dann nochmals das Tannin die Oberhand, voll aromatisch wiederum mit viel Balsamik fast endlos ausklingend, traumhafter Wein und die volle Rehabilitation für die entäuschenden 2000er Flasche vom Vorjahr, beweist durch seine Reife ebenfalls seine hervorragende Eignung zur Gans, empfehlenswert für alle, die neben der Säure auch gerne eine Pendant in Form von Gerbstoff haben, **(*)/***
  • Lopez del Heredia, Vina Tondonia Rioja Reserva 1993, Haro, granatrot mit orangen Reflexen, traditionelle Rioja-Stilistik, auf das Wesentliche reduzierter Stil, warmer Grundton vom Fassausbau in der Nase, aber als Kontrapunkt auch eine kühle Würze besitzend, am Gaumen bereits von einer kräftigen Säurestruktur dominiert, dahinter wieder die Holzprägung, harmonischer Abgang, die Säure wäre als Fettkiller ja gut geeignet, doch der lange Ausbau dieses Weines im Holzfass ringt mit dem Speisengeschmack um die Vorherrschaft, da will so gar keine rechte Symbiose aufkommen, dieser Versuch gilt als wenig zukunftsträchtig, schade, *-*(*)/***
Den Valtellina Superiore von Conti Sertoli Salis, ja den gibt's dann nächstes Jahr, die Kontrahenten stehen schon fest, Barolo und - na klar - ein Pinot Noir!

Die bisherigen "Wettkämpfe" zum Nachlesen: Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007

Mittwoch, 5. November 2008

Endlich wieder neue VHS-Verkostungsrunden, neue Themen, neue Weine, neue Erfahrungen.. .

Zum Einstieg gibt's eine erneute Variation des schier endlosen Themas "autochtones Italien", diesmal mit Schwerpunkt auf das Valtellina in der Lombardei und somit der Nebbiolo-Traube gewidmet. Die Highlights des Abends waren
  • AR.PE.PE, Fiamme Antiche, eine Cuveé aus den Jahrgängen 04 und 05, hell granatrot, ledrig, sehr harmonisch, feine Säure, lebhaft, burgundisch, sehr gut, traditionell, *(*)/**, € 20
  • Rainoldi, Valtellina Superiore Inferno DOCG 2005, aus den Weinbergen der kleinsten der vier Unterbereiche der Valtellina Superiore-Zone, Inferno (= Hölle) ist ein Hinweis auf die steilen Hängen und den dort herrschenden heißen Temperaturen während der Sommermonate, helles Rubin, viel Frucht, Himbeeren, Ribesel, präsente Gerbstoffe, schöne Säure, schlank, macht Spaß, authentischer Wein, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, **/***, €10
  • Rainoldi, Valtellina Superiore Inferno Riserva 2004, fettere, intensivere Nase, viel Würze, aber auch Fruchtsüsse, Cassis, auch viel dichterer Gaumen, richtiggehend stoffig, Holz sehr gut integriert, alles balanciert, wirkt moderner, leider geht dabei die burgundische Affinität verloren, *(*)/***, €17
  • Nino Negri, Fracia 2004, burgundische Farbe, Uhu, balsamische Noten, sehr rund und wiederum harmonisch, leicht oxidative Erdbeeraromatik, eher subtile Nase, Milchschokolade und Blockmalz, kräftige Säure mit zarten Gerbstoffen, sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis, **/***, €7 (ab Produzent)
  • Nino Negri, Vigneto Fracia Superiore DOC 2004, der große Bruder, granatrot, viel mehr Würze und Fruchtsüße, wirkt tiefer, bleibt aber insgesamt schlanker als der Rainoldi Riserva aus dem gleichen Jahr, viel reifes Tannin, teerig im Abgang, fein, *(*)/***, €18
  • Angelino Maule, Recioto La Biancara 2002, Veneto, ein Süßwein aus der eingetrockneten Garganega-Trauben, Bernstein, Whisky- /Cognacfarben, intensiv aromatisch, fest, die Süße durch einen wundervoll herben Unterton ausbalanciert, feinst ausklingend, **/***, €30 (0.5l)
Weiter verkostet wurden ein Rosé Brut Schaumwein 2004 von Rainoldi, Zwiebelschale, brotig und zart Erdbeerige Frucht, gut cremig weich am Gaumen, aber etwas lasch bzgl. Säure, ein weißer Chiavennasca 2007 von Nino Negri, dropsig, Eiszuckerl, flach, der Ultima Raggi 2002 von AR.PE.PE, Pilze, Waldboden, mit guter Struktur und Länge, aber etwas eindimensional, der Tre Biccheri Wein Fruttaio Ca'Rizzieri Sfursat von Rainoldi, mit purem, extrem intensivem und daher schon aufdringlichem Cassisaromen, eher untypisch und so gar nicht ins Bild der restlichen Weine passend.

Burgunderweine aus Norditalien, wer hätte das gedacht? Einen Vertreter dieser Spezies von Conti Sertoli Salis gibt's heuer bei mir zur Martinigans, mal sehen, wie sich dieser Wein im Vergleich schlägt.

Sonntag, 2. November 2008

Weine im Oktober

  • Schreckbichl Chardonnay Cornell 2002, Südtirol, eine Flasche mit Sonderrabatt, leider zu lange in der "Supermark-Sonne", wirkt Sherry-artig, nussig, oxidativ, vorbei :(
  • Leopold Aumann, Merlot vom Harterberg 2003, Thermenregion, dunkle Robe, noch jugendlich, fast purpur, hochfeine Aromatik in der Nase, intensiv, alle Schattierungen von Kaffearomen, von (Kaffee)Röstung bis (Kaffee)Likör, dann balsamische Noten, teerig, am Gaumen herrlich korrespondierend, wird wiederum von viel Kaffearomatik getragen, alles wundervoll balanciert, dabei fest und fokussiert, keine Spur von Breite oder Überreife, trotzdem feine Früchtsüße, im langen Abgang von feiner Säure getragen, ein Österreicher nach Bordelaiser Vorbild, gibt einem perfekten Pirat für eine Bordeaux-Verkostung ab, pipifeiner Stoff, macht einfach nur Spaß, wirkt juvenil mit viel Potential für die Zukunft, am Tag 2 ergibt sich ein anderes Bild, die balsamische Note dominiert den Wein, dieser wirkt nun deutlich herber, ein wenig Rumtopf, seinen Charme hat der Wein abgelegt, **-**(*)/***
  • Johann Gisperg, Terroir de Pierre 2005, Thermenregion, purpur mit scharzem Kern, herrlich tiefe, runde und würzige Nase, anfangs Tinte, dann Amarenakirsche, Dörrobst und Nougataromen, zart (positiv) alkoholisch, am Gaumen subtile Balance zwischen Fülle, Würze und Geschmeidigkeit, saftig und süffig, die Gerbstoffe tragen den Wein im ersten Schluck in die Harmonie, welche mit feiner Säure am Gaumen ausklingt, kein großer & komplexer Wein, aber easy to drink mit hohem Anspruch, mir taugt der Wein, bravo, wieder ein 2005 Weinwunder, **-**(*)/***
  • Kummer-Schuster, Zweigelt Alte Reben 2006, Neusiedlersee, falstaff Zweigelt Cup Gewinner 2007, dunkles Purpur, das dreiviertel Jahr Reife seit meiner letzten Verkostung hat dem Wein geschmacklich gut getan, runde Nase, Weichsel und Vanille, mit Struktur und Biß am Gaumen, feine Gerbstoffe, wirkt sehr balanciert, im Abgang mit herber Grundnote, sehr gut gemachter, allerdings auch ein bißchen beliebiger Wein, *(*)-**/***
  • Weingut Schloss Fels, Gewürztraminer vom Rohrendorfer Berg 2006, Kremstal, Salonwein 2007, Schloss Fels, seit 1986 im Besitz der Spar AG und somit Haus & Hoflieferant einer breiten Palette von billigen Supermarktweinen, schönes Strohgelb, prasentiert sich mit parfumierter Nase, Rosenton gut erkennbar, sehr sortentypisch, am Gaumen cremig rund, die Reststüsse mit ansprechender Säure fein gepuffert, überaus angenehmer und süffiger Trinkspaß um wenig Geld (€ 7), wenngleich dieser Wein auch nicht ganz die feinziselierte Art der Vertreter aus Klöch erreicht, *(*)/***
  • Weingut Jägle, Spätburgunder 2005, Baden, brilliant leuchtendes Bordeauxrot (!), sehr angenehme Burgundernase, harmonisch, sehr weinig, ein wenig Würze, am Gaumen rund, vom Barrique geschliffen, gute Struktur, schöbe Säure im Finish, dieser Wein macht eigentlich alles richtig, sehr balanciert, fein, schon der Riesling aus dem gleichen Haus wusste zu gefallen, *(*)-**/***
  • Aalto 2001, Ribero del Duero, Spanien, undurchsichtiger Kern, Reife am Rand aber bereits erkennbar, überschwengliche Fülle und Aromatik, Brombeere, viel Schokolade, viel Fruchtsüsse, aber auch viel Säure als Pedant und reife Gerbstoffe, wirkt trotzdem etwas breit im Abgang, übrig bleibt etwas marmeladiges und die Tannine bleiben im Mund kleben, bin mir aber sicher, das es etliche Liebhaber dieser Stilistik gibt, wirkt fast wie ein Supertuscan, erst am zweiten Tag emanzipiert sich dieser Wein zu mehr Balance, zu feiner Harmonie, zu weniger Süsse und mehr Säure, zu grazileren Noten, nicht aber ohne eine feste Struktur mit guten Gerbstoffen zu zeigen, gut so! *(*)-**/***
  • Juvé y Camps, Cava Reserva de la Familia 2001, Sant Saturnia, wenig Perlage, wachsig, Honig, Reifetöne, einem großen Chenein Blanc nicht unähnlich, herrliche diffizil, am Gaumen knochentrocken, noch genügend Vitalität durch C02, fast wünscht ich mir ein wenig Dosage - das Ding hat sicherlich zero! **/***
  • Hans & Anita Nittnaus, Leithaberg Weiß Chardonnay Joiser Freudshofer 2005, Neusiedlersee, sehr fein, braucht viel Wärme, feinziseliert, gelbe Früchte, Mineralik, am Gaumen schlank, alles vom Kalkgebirge, sehr ungewöhnlich für Chardonnay, läßt mich insgesamt eher ratlos zurück, denn es fehlt die Fokussiertheit, der Druck und auch die Säure wirkt eher flach, wenngleich auch alles eigentlich ganz proportioniert ist, kann aber über drei Tage nicht wirklich zulegen, das alles ergibt unter Berücksichtigung des Preisaspekts (€ 15) höchstens */***, der 2006er war bei seiner Verkostung im Frühling ein, nein, der faszinierendste Weißwein!

Sonntag, 26. Oktober 2008

Bordeaux 2005 (4)

Cambon de Pelouse 2005, Cru Bourgeois Superieur, Haut-Médoc

13.5% Vol, normalerweise sind's aus dem Medoc in diesem Jahr zumindesten 14% Vol., brilliantes leutendes Rubinrot, kleiner Wasserrand, rote Beeren, Brombeer, Palisander, ein wenig Rumtopf, am Gaumen voller Harmonie, gut mundfüllend, reife Gerbstoffe, feiner, mittellanger Abgang, nicht sonderlich komplex, aber voller Balance, am zweiten Tag hat sich der Wein dann ganz geöffnet, viel Frucht, feine Röstnoten, alles gut verwoben, dabei immer alles wunderbare im Lot, viel reifes Tannin, ein perfekter Begleiter zum Steak vom Grill, Top-Weinwert, **(*)/***

Chateau d'Aurilhac, Cru Bourgeois, Haut-Médoc
x
Strahlendes purpur, ernster Grundton, Brombeer- und Heidelbeeraromen, würzig & mineralisch, Schokospäne, ziemlich füllig am Gaumen, aber zum Glück nicht die befürchtete Überextraktion - der d'Aurilhac ist nämlich auch sonst immer ein sehr kräftiger Bursche, wirkt von Anfang an erstaunlich zugänglich, eine so intensive Nase kenne ich bei diesem Wein sonst nicht, auch diesmal wieder sehr, sehr kräftige, leicht trockene Gerbstoffe, summa summarum mit viel Potential, wird sich mit etwas Geduld fein entwickeln, ein guter Wert, aber mindestens einen Tag voher dekantieren! Erst dann kommt die Fruchtsüsse zum Vorschein und das feste Tannin wird etwas zahm(er), zeigt viel Struktur, aber derzeit sicherlich kein Charmeur! *(*)/***

Chateau d'Escurac, Cru Bourgeois Superieur, Médoc


Dunkles Rubin, rotbeerige Nase, zart gemüsig, merklich Alkohol in der Nase (14% Vol.), gut balanciert, mittlerer Körper, feines Tannin, erst der 3. Tag zeigt dann das wahre Potential auf, Holler- und Brombeerbouquet, gut integrierte Röstung, köstliche Früchtsüsse am Gaumen, viel Würze, subtile Fülle, der Alkohol schön integriert, alles wunderbar reif, harmonisches und langes Finish, sensationelle Gerbstoffe im Duett mit seidiger Säure, ja, ja liebe Weinschwestern, da kommt Freude auf - Danke Monsieur Jean-Marc Landuron!
Hier hat Gabriel meiner Meinung nach um einen Punkt zu tief gegriffen, **-**(*)/***

Was ist noch offen? Chateau Kirwan, Tour Haut Caussan und d'Agassac.
Die bisherigen Highlights? Orange eingefärbt!

Teil 1 (Lussac | Bellisle Mondotte | Jacquemeau)
Teil 2 (Veyry | Phélan Ségur)
Teil 3 (Charmail | de Crabitey)
Teil 4 (Cambon Pelouse | d'Aurilhac | d'Escurac)

Bildnachweis: c&d insider wine blogg

Freitag, 24. Oktober 2008

2 x St. Laurent

St. Laurent - eine in Österreich beheimatete Minderheitsrebsorte (kleiner 1% im österreichischen Rebsortenspiegel) der Burgunderfamilie, findet insbesonders in der Thermenregion neben dem Pinot Noir sehr gute klimatischen Voraussetzungen. Konnte man früher meistens nur sehr kräftige Vertreter dieser Rebsorte finden - "fett" genug konnte es (damals?) gar nicht sein - wird heute zum Glück wieder vestärkt die burgundische Dimension in den Vordergrund gestellt, welche IMHO dieser qualitativ hochstehenden Rebsorte deutlich besser gerecht wird.
Die beiden Vertreter mit klasischem Ausbau - beide aus Mitgliedbetrieben der Burgundermacher und preislich deutlich unter € 10 - konnten im Glas voll überzeugen!
  • Winzerhof Gisperg-Landauer, St. Laurent 2006, Thermenregion, junges Puprur, viel Frucht im Glas, Kirsche sowie Pilze, zart unterlegt mit würzigen Komponenten, sogar ein wenig Minze, am Gaumen wohldosierte Fülle, dabei lebendig, balancierte, feiner Säure, alles in guten Proportionen, eindeutig burgundische Affinität, herber Ausklang, fein, hervorragendes Preis- / Genußverhältnis, **/***
  • Johann Gisperg, St- Laurent Exklusiv 2006, Thermenregion, brilliantes Rubinrot, "geschmeidige" Nase, zart schokoladisch, Preiselbeere, parfumiert, balsamische & ätherische Noten, zeigt sich ebenfalls burgundisch, bereits balanciert, saftig, am Ende feinherb, gutes Finish, die Harmonie ist schon sehr weit gediehen, Potential, *(*)-**/***
Bildnachweis: ichkoche.at

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Weinrallye #16 - Weingenuss im Restaurant

Gastgeber ist diesmal Theo von Notizen für Geniesser. Er möchte von uns (Bloggern) wissen, welche Weine auf den Tisch kommen, wenn wir ins Restaurant gehen.

Hmm, das ist ein gar nicht so triviales Thema, da muß ich schon ein wenig meine Hirnzellen bemühen - ein gutes Glas Rotwein - Kostnotiz ist am Ende des Beitrags zu finden - hilft wie immer dabei, diese auf Trab zu bringen!

{ ... }

Also lieber Theo - weil du ja Mathematiker bist - will ich es mal so formulieren:

Weinbestellung im Restaurant = f( Stimmung,
[ggT aller] getätigte[n] Essensbestellung[en],
Σ Weinverständnis der mich begleitenden Personen,
Weinkartenindex des Restaurants (#),
Hedonismußbedürfnisfaktor (*),
aktuelle persönliche Befindlichkeitskonstante ($),
[des nach oben hin immer offenen] Trockenheitsfaktor[s] meiner Gurgel ,
Weinpreispolitik des Lokals,
Charmeoffensive der Sommeliere );

(#) inkludiert neben den Positionen auf der Weinkarte auch Dinge wie zB. Glaskultur, Fachkundigkeit des Personals, offene Weinauswahl, etc.
(*) Hedonismußbedürfnisfaktor = (von meiner lieben Renate genehmigtes Weinbudget ;-) / (erlebter Weingenußfaktor der letzten Woche)
($) immer sehr hoch ;-)

Naja, s'ist zum Glück in den seltensten Fällen so kompliziert, meistens reicht die einfache Bauchentscheidung für einen Konsens und zu vielen Gerichten der klassischen österreichischen Küche - wie zB. Rindfleischgerichte, div. Gröstl, Schweins- & Surbraten - passt ohnehin ein frisch gezapftes Seidl Bier viel besser!

Apropos Weinpreispolitik in Restaurants:
Nun habe ich ja vollstes Verständnis für die wahren Kosten der qualitätsorientierten Küche - und das muß nicht immer nur die Hauben- & Sterneküche sein! Frische qualitativ hochstehende Zutaten und gestandenes Kochhandwerk können per se *nicht* günstig - aber Preis wert - sein. Zudem war und bin ich immer ein Befürworter der Offenlegung von wahren Kostenstrukturen. Quersubventionierung ist mir ebenso unverständlich wie (sozial undiffernzierte) Zuschüsse nach dem Gießkannenprinzip. In der (Spitzen)Gastronomie ist ersteres leider weit verbreitet - horrende Weinpreise stützen oftmals tolles Essen zu (wahrscheinlich) zu moderaten Preisen!
Das mag die Fraktion der "Weinverweiger" unter den Gourmets freuen - gibt's die überhaupt? - nicht aber mich, der Wein als unverzichtbaren Bestandteil eines gelungen Abendessens sieht. Ich bin nicht bereit, für einen Flasche, welcher Ab-Hof zu €8 zu erstehen ist, einen Aufschlag von 300% zu entrichten. Da greif ich lieber zu einem bereits im Einkauf teureren bzw. oftmals gar nicht mehr erhältlichen Wein und lebe mit einem "nur" 100%igen Aufschlag. Freilich, in absoluten Zahlen ist dies immer noch wesentlich teurer als im ersten Beispiel. Da teile ich dann dafür die Flasche lieber auf 4 anstatt auf 2 Personen auf und so wird's dann wieder ertäglich. Außerdem ist bei einem hervorragendem Exemplar "der Schmerz beim Zahlen wesentlicher kürzer als der Genuss beim Trinken" [(c) Harry Müller 2005].

Freilich gibt's auch positive Beispiele, wie zB. das Gasthaus - welch sympathischer Begriff - Schrot in Alkoven. In Erinnerung sind mir neben der gut bedachten Weinauswahl faire Weinpreise von zB. Blaufränkisch Moric aus Neckenmarkt bzw. Muhr van der Niepoort (ja genau! Die Frau von Dirk) aus Prellenkirchen.

Dabei ist eine weinfreundliche Kalkulation gar nicht schwer zu realisieren. Entweder über den Abhof-Preis mit fixem Aufschlag (welcher in weinnahene Regionen schon manchmal zu finden ist) bzw. über den erträglichen Kalkulationsaktor 2.
Im übrgen: Nur Mut bei neuen, jungen Namen auf der Weinkarte - immer die gleichen Weingüter lesen zu müssen langweilt unendlich - auch den Gaumen!

Als Rallyewein habe ich ein Exemplar ausgewählt, das mir mit dem 2003er Jahrgang besonders Spaß gemacht hat - in der Verdi-Einkehr ebenso wie in der Bergdiele - und leider viel zu schnell auf den Nachfolgerjahrgang umgestellt worden ist, welcher sich jung getrunken etwas sperrig präsentierte. Ein Jahr später ist es Zeit zu überprüfen, in wieweit sich der Wein entwickelt hat.

Weingut Pöckl, Rosso e Nero 2004, Neusiedlersee, purpur, wirkt noch sehr jugendlich, rotbeerige Frucht wird von Würzekomponenten dominiert, Weichsel, Vanille, am Gaumen aber schon sehr zivilisiert, mittelgewichtig, feine Gerbstoffstruktur, insgesamt sehr balanciert, feuriger Abgang, kann in den nächsten Jahren sicherlich noch ein wenig zulegen, ordentlich gemacht, *(*)/***

Samstag, 11. Oktober 2008

Weinrätselbilder #1

Liebe Weinfreunde, absofort gibt's bei vinissimus ein heiteres Weinbilder-Ratespiel.
In unregelmäßigen Abständen werden Wein-bezogene Dinge in neuen (hoffentlich ungewohnten) Perspektiven vorgestellt. Mal sehen, wer von euch Weinspürnasen den ersten Tipp richtigen abgibt. Als kleinen Anreiz gibt's auch was zu gewinnen: wer als erster 4 richtige Lösungen als Kommentar zum Post abgibt, dem vermach ich eine Flasche Rebensaft aus meinen Privatbeständen!

Also auf geht's - hier das erste Bild.

PS: Die Auflösung gibt's dann immer beim nächsten Rätsel!

Montag, 6. Oktober 2008

Rankings?

In regelmäßigen Abständen tauchen Blog-Top XXX-Listen auf - auf Webseiten, von deren Existenz ich nicht einmal etwas weiß. Meistens vergehen diese auch so schnell wieder wie sie gekommen sind - klaro, ohne eigenen Content?
Rankings sind mir ja auch völlig egal. Der einzige Grund, warum sie hier einmal in einem Posting erwähnt werden liegt nur an meinem Erstaunen, daß ich mit vinissimus ebenfalls meistens drin vertreten bin - und das nicht einmal an letzter Stelle! Ganz ohne Werbung und ohne Suchmaschinentuning - Wunder der Technik ;-) Na wenn das kein Grund für ein gutes Glas Wein heute Abend ist.. .

Freitag, 3. Oktober 2008

Gisperg's Burgunder

Seit ein paar Jahren begegnen mir die Weine Johann Gispergs aus Teesdorf in der der Thermenregion auf diversen Verkostungen. Nicht immer waren die Eindrücke positiv, oftmals hart, sperrig und unzugänglich kamen mir die Weine vor. Heuer im Frühjahr aber hab' ich nach einem langen Gespräch mit Herrn Gisperg (ua. über die Polymerisation von Gerbstoffmolekülketten :-) nur positive Eindrücke mitgenommen - von ihm und seinen Weinen! Auch vinaria fand bei der Verkostung der österreichischen Rotweine im Preissegment bis €12 Gefallen, sodaß ich nicht umher konnte, ihm vor einigen Wochen einen Besuch abzustatten.

Aufgefallen ist mir die für meine Begriffe verkehrte Logik der Bezeichnung: Reserve ist bei Gisperg mehr als Exklusiv. Anhand der Größe und des Gewichts der Flaschen kann die Intention der Wertigkeit innerhalb der Produktpalette aber wieder nachvollzogen werden.

  • Pinot Noir Exclusiv 2005, Thermenregion, helles Granatrot, die Nase ist von einem warmen Grundton geprägt, offen & zugänglich, Schlehe, trotzdem ein "ernster", seriöser Grundton, wunderbar balanciert am Gaumen, mit harmonische Säurestruktur fein ausklingend, so muß (für mich) Pinot Noir schmecken, im Vergleich zu den hochpreisigen Exemplaren aus Burgund ist dieser Wein mit einem Abhof-Preis von € 7,50 wohl als Super-Okkasion zu bezeichnen, **/***
  • Pinot Noir Reserve 2005, granatrot, viel Fruchtsüsse bereits in der Nase, Würze, Zwetschkenfrucht, einfach zusätzliche Komplexität vom grossen Barrique, wiederum mustergültige Balance, braucht ein wenig Luft um die feinen Nuancen freizulegen, dann viel Himbeere, wiederum tolle würzige Noten, gepaart mit einer schönen Mundfülle, diesmal aber viel mehr von einer nervigen Säure getragen, sehr, sehr angenehmer Wein, **/**, €12,50
Gratulation Johann Gisperg - zwei rundherum empfehlenswerte Weine zu tollem Preis!

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Septemberweine

  • Köfererhof, Sylvaner 2005, Eisacktal, Südtirol, strohgelb, anfangs eine flüchtige grüne Nase, dann Exotik, Birne, Rosenaromen, nichts vordergründig, am Gaumen balancierte Fülle mit Spannung - wie wenn man eine 4.5V Batterie an seine Zunge hält - ein wenig CO2 im Abgang, wieder die Birne, lebendig und feiner Trinkfluß, *(*)/***
  • Château Sociando Mallet 1996, Haut-Médoc, Bordeaux, beginnendes Granat mit dunklem Kern, prachtvolle Bordeauxnase, Edelhölzer, integrierte Röstaromatik, nach einer Stunde kommen kräftige Gerbstoffe zum Vorschein, erst am nächsten Tag ist dann alles in Balance, kräuterwürzige Töne, den Mund füllend, aber nicht schwer am Gaumen, mit einer feinen Säurestruktur harmonisch ausklingend, Potential für weitere 10 Jahre, **/***
  • Meinklang Michelits, Grauburgunder Graupert 2005, Neusiedlersee, Gewinner der falstaff-Burgunder-Trophy (1|2|3), kräftiges Strohgelb, keine laute Töne, ein wenig Heuwiese, Blüten, mit der Luft kommen dann aber ganz feine würzige Noten, besitzt eine innere Spannung, wirkt für einen Grauburgunder sehr feingliedrig, in sich ruhend, ein "Garrique"-Provencewein, diesmal aber aus Österreich ;-), am dritten Tag dann helle Vanille und Karamellaromen, Blütenhonig, zeigt eine tolle burgundische Tiefe, immer fokussiert, **(*)/***
    (2006 Verkostungsnotiz)
  • Seewinkelhof Salzl, Grande Cuvée 2003, Neusiedlersee, helles Rubin mit Wasserrand, duftig leichte Nase, Dörrzwetschken, eher breit, am Gaumen ein Vanille-Schmeichler, eher leichtgewichtig, es fehlt das Volumen und die Kontur, was bitteschön - bis auf die Anzahl der Rebsorten (Zweigelt, Cab.Sauv., Merlot & Blaufränkisch) - soll an diesem Wein "grande" sein?, (*)/***
  • Heymann-Löwenstein, Riesling Schieferterrassen 2003, Mosel, zwischen Stroh- & Goldgelb, die Nase schon erfrischend klar, Exotik, so lustvoll süffig im herrlichen Dialog zwischen Fruchtsüsse und Säurespiel, so unvergleich labend und lebendig, das kann nur deutscher Moselriesling, für mich am liebsten "pur" als Aperitif, klasse Wein und das mit einer 5 Jahre alten Basisiqualität - tu felix germania, **(*)/***
  • Schloß Gobelsburg, Grüner Veltliner Allerheiligenstiftung 2006, Kamptal, wird aus den Trauben der unter 20-jährigen Reben gewonnen, helles Strohgelb, pikante Veltlinerwürze, am Gaumen frisch, sehr lebendig, mit guter Mundfülle, fokussiert, nervige Säure, straffer, gebündelter Abgang, ein rundherum gelungener Wein, einziger Kritikpunkt - der Kunststoffkorken, *(*)/***
  • Poliziano, Vino Nobile Asinone 2001, Toskana, farblich ist eine erste Reife erkennbar, sehr dunkler Kern, so typisch Toskana, eingelegte Rumfrüchte, überschwengliche Fülle & Süsse, aber auch massenhaft Gerbstoffe, welche zwar wunderbar reif sind, jedoch für meinen Gaumen in Summe den Wein anfangs ein wenig die Balance nehmen. Erst am zweiten Tag offenbahrt sich mit viel Luft die Harmonie, windervoller Dialog zwischen Tannin & Säure, hat von allem nur das beste mitbekommen und ist ein Versprechen für die Zukunft, gesicherte Zukunft für die nächsten 5 Jahre, **-**(*)/***
  • Heike & Gernot Heinrich, Pannobile 2002, Neusiedlersee, feine, tiefgründige Nase, wundervoll balanciert, das Holz fein integriert, alles im Lot, mit Schmelz zu trinken, *(*)-**/***
  • Alphart, Neuburger Hausberg 2007, Thermenregion, Birne, grüner Apfel, insgesamt noch etwas mostig, viel CO2, eher schlank, beliebig, technisch sauber gemacht, ohne Zweifel, hat aber wenig vom Charme und einnehmender Stilistik der beiden Vorgängerjahrgänge, erstmal zuwarten, */***
  • Château Mayne Lalande Cru Bourgeois 2003, Listrac, Médoc, beginnendes Garant, viel, viel Würze in der Nase, straff, ernster Grundton, viel Säure, der Körper am Gaumen noch nicht ausbalanciert, zivilisierte Gerbstoffe, ein Versprechen für die Zukunft, ganz fein, *(*)-**/***
  • Meinhard Forstreiter, Grüner Veltliner Schiefer 2005, Kremstal (& Mitglied der Kremser Veltlinermacher), sattes Goldgelb, herrlich eürzige Nase, Tabak, da zeigt die Rebsorte ihr ganzes Potential, am Gaumen schwebend, ja fast federleicht, mit guter Struktur am Gaumen, wirkt vollkommend balanciert, das sind *die* heimischen Weine, die ich mir als Pedant zu den grandiosen deutschen Rieslingen vorstelle, **/***

Sonntag, 28. September 2008

Das Getränk zur Wahl..

Österreich hat gewählt und anstatt eines tiefschwarzen Rotweins ist (zumindestens einmal) heute blauer Curacau und orangefarbener Bolero angesagt. Letzterer ist übrigens besonders wandlungsfähig und (als Instantgetränk) in (fast) allen Farbschattierungen erhältlich ;-) Auch grüner Absinth ist heute nicht wirklich auf Zustimmung gestossen.
Da lob' ich mir (m)einen feinen, politisch neutralen Weißwein - ganz patriotisch natürlich Grüner Veltliner - als Getränk der Stunde. An die Nebenwirkungen der zukünftig möglichen Mixvarianten mag man dabei noch gar nicht denken!

Tücken des Schraubverschlusses

An-und-für-sich bin ich ja ein Verfechter des Schraubverschlusses - einfach, praktisch und gut.
Aber das Ding hat auch seine Tücken! Nämlich immer dann, wenn die Kapsel nicht fest genug am Flaschenhals sitzt und durchdreht. Und das ist mir bereits mehrmals passiert - meistens fangt sich die Kapsel aber und bietet dann genügend Widerstand dem Aufdrehen gegenüber - wobei bei der letzten Flasche richtiggehend Gewalt notwendig war, um den Schraubverschluss von der Kapsel zu trennen. Ohne meine orangefarbene Schraubhilfe aus Weichgummi - ursprünglich für bockige Gurken-, Marmeladen- & sonstige Schraubgläser angeschafft - wäre die Flasche nicht zu knacken gewesen!
Ich tippe da einmal auf Einstellungsprobleme beim Applizieren des Verschlusses bei der Abfüllung - vielleicht liegt's ja auch nur an Toleranzproblmen einzelner Flaschen? Auf alle Fälle ist's nervig!

Freitag, 26. September 2008

Ein Liter Schwarz

Wieder einmal etwas aus dem Restflaschenregal einer großen österreichischen Weinhandelskette ... und meine erste Flasche des berühmt berüchtigten Johann „Hans“ Schwarz, Fleischhauermeister aus Andau im Seewinkel, auch liebevoll "the butcher" genannt, und dessen Wein so schmecken sollen wie er selbst aussieht - kräftig.

Grund zuzugreifen war eigentlich die Literflasche, welche unter Weinfreunden schon seit langer Zeit mehr keinen rechten Zuspruch findet - vom Doppler, der Austromagnum, gar nicht zu sprechen!

Weingut Johann Schwarz, Cuvée "A Liter Schwoaz" 2006, Neusiedlersee, leuchtendes Strohgelb, volle Nase, viel Würze mit ein wenig Zitrustouch, Grapefruit und Orangen, zart süßliche Frucht, am Gaumen viel Volumen, kein "Waserl", aber immer mit balancierter Säure ausgestattet, wahrscheinlich in gebrauchten Barriques ausgebaut, für Liebhaber etwas kräftigerer Weißweine macht diese Literware definitiv Spaß zu trinken, *(*)/***
Da keine Rebsorten angegeben sind geb' ich einfach mal meinen Tipp ab: die Würze kommt vom Grünen Veltliner - oder einer anderen "schmeckerten" Rebsorte wie zB. Sauvignon Blanc - und das Volumen vererbt der Chardonnay. Das richtige Ergebnis ist wie immer unter Zuhilfenahme der stets freundlichen Frau Google in erahrung zu bringen: Chardonnay, Sämling und Sauvignon Blanc, die genaue Verteilung bleibt Geheimnis des Herrn S.

Bildnachweis: Weingrube.com

Donnerstag, 25. September 2008

Der Cabernet, der Merlot sein wollte..

Es war einmal ein frisch gefüllter, junger Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 2006, welcher als Österreicher ein bißchen neidisch auf seine potenten Kollegen aus der "Neuen Welt" schielte. Und weil er als Junger eben ein wenig ungestüm war, entschloß er sich zu einer Reise nach Chile, wo er einen Kollegen namens Merlot kennenlernte, dessen opulente Fruchtsüsse gepaart mit der peffrigen und feurigen Würze ihn besonders in seinen Bann zog. Da er noch als unetikettierte "Greenbottle" durch die Lande zog, beschloß er fortan, sich als Merlot zu tarnen.

Johann Gisperg, Cabernet Sauvignon 2006, Thermenregion, rubin mit bereits in Granatrot gehende Ränder, sehr zivile Nase, etwas Rauch und selchige Noten, die Frucht ganz im Hintergrund, am ehesten noch zarte Weichselaromatik erkennbar, am Gaumen eine angenehme Weichheit, aber mit viel fokussierter Struktur, tolle Würze, viel weißer Pfeffer, ganz und gar ein chilenischer Merlot, wird von feinstem Tannin und fester Säure in den langen Abgang getragen, jung, mit Potential, jetzt schon mit viel Genuss, aber Sortencharakter ist derzeit nicht vorhanden, *(*)-**/***

Sonntag, 21. September 2008

Bordeaux 2005 (3)

Im dritten Teil meiner Jahrhundertjahrgangseinkäufe gibt es ein Wiedersehen mit einem "alten Bekannten" und ein "neues Gesicht" im Glas.

Château Charmail 2005, Crus Bourgeois Supérieurs, Haut Médoc
Ein Blend aus 45% Merlot und 35% Cabernet Sauvignon, der Rest ist Cabernet Franc und Petit Verdot, relativ dunkles Rubin, die Nase sehr verhalten, Röstaromen dominieren, dahinter Rumtopf & Dörrzwetschke, breit angelegt und etwas alkoholisch, auch am Gaumen leicht brandig und ingesamt sehr leichtgewichtig, dabei rund, fast weich, leicht austrocknende Gerbstoffe dominieren den Abgang. Am 2. & 3. Tag ein wenig Edelhölzer, leicht parfumiert, der Alkohol ist deutlich harmonischer eingebunden, ebenso wirkt der Wein am Gaumen jetzt voller, wiederum kräftiges, trockenes Tannin, das sich aber mit der Zeit einbinden wird. Weit besser als am ersten Tag.
Naja, das ist trotzdem nicht gerade das, was ich erwartet habe und schon gar nicht was ich bisher von Eigentümer Olivier Sèze verkosten konnte, die 90 Parker und 18 Gabriel-Punkte für den 2005er erscheinen mir (derzeit) zu hoch, schließlich kratzt der Wein preislich bereits an der € 30-Marke, verrückt! Wie immer aber kann es sein, daß sich der Wein gerade in einer schwierigen Phase zeigt.
Derzeit ist er jedenfalls ein sehr roher Bursche ohne wirklichen Charme, fast ein wenig zuviel des Guten bei der Extraktion, ohne jegliche Frische und Trnkfreude, an der Grenze der Überextraktion. Ich behaupte, er leidet an den Folgen des (zu) guten Jahrgangs, fraglich, ob sich das zukünftig alles zu einer Balance zusammenfindet? */***

Château de Crabitey 2005, Graves, Pessac-Léognan
Eine warme Empfehlung des Weinhändlers meines Vertrauens während der Subskriptionsphase (ja genau der, welcher auch den Veyry empfohlen hat), leuchtendes Rot (zwischen Purpur und Rubin) mit dunklem Kern, am ersten Tag noch etwas verkapselt, aber bereits mit Druck, das Potential nur angedeutet, am zweiten Tag dann wie verwandelt, zeigt sich subtil und nuanciert, mit Frucht und Holz in perfekter Symbiose, viel Preiselbeeraromatik, rotbeerige Würze, tief, am Gaumen ein Schmeichler, weich aber nicht lasch, perfekte Säurestruktur gepaart mit einer feinen, reifen Menge an Gerbstoff, harmonisch und seidig lange auf der Zunge ausklingend, das ist wahre Klasse, so muß Bordeaux-Wein aus einem guten Weinjahr sein, hat zum Phélan-Ségur eine gewisse Affinität, bravo, zeigt sich auch noch am Tag 3 fein, die Nuancen sind aber dahin, **(*)/***

Für Interessierte gibt es hier Teil 1 & 2 nachzulesen.