Samstag, 20. Mai 2006

Tempranillo!

Kürzlich wieder ein Fixtemin in der VHS zum Thema Tempranillo mit Schwerpunkt Spanien und Portugal. Letzteres ist ja seit einiger Zeit in aller Munde und wird noch immer als Geheimtip gehandelt. Daß sich (nicht nur) aus den Rebsorten der Portweine auch hervorragende Rotweine keltern lassen, habe ich Gaumen nun schon des öfteren erleben dürfen und für Freunde des reifen Gerbstoffes ist der Douro eine wahre Fundgrube!
In der April-Ausgabe von Vinum ist ja ein schöner Bericht über Portugals Frauenpower-Weine drinnen. Sandra Taveres da Sivas 2001 Chocalpaha aus der Estremadura war mir trotz Heidelbeeranklängen und Mineralik zu weich und lasch, zu wenig fordernd, ist aber bei den meisten Verkostern gut angekommen. Begeistert war ich hingegen von Susana Estebans Quinta do Crasto Reserva 2003. Hier spürt man förmlich die Hitze Portugals, anfangs süßsaure Drops, dann Kirscharomen, Mineralik, ein regelrechter Dialog zwischen Fruchtsüße und Tannin, gutstützende Säure, ** mit Potential/*** um €17!

Ein P/L-Schnäppchen ist im Alejandro Fernandez' Dehesa la Granja, Vino de Mesa 2001Toro-Gebiet um €10, herb würzig und die allen Fenandez' Weinen zueigene Harmonie und Balance zeigend, mehr Wein um weniger Geld gibt's nicht!

Wunderschön auch der Vino de la Tierra der Bodegas Mauro, Ribera del Douero, ein schwarzes, dichtes, junges und fruchtsüßes Konzentrat mit superben Anlagen, **/***, €25. Ein Erlebnis war der 2003er Domino de Atauta, ebenfalls Ribero del Douero, aus 120 Jahre alten Rebstöcken - also vor der Reblaus Ära! - Burgunder Stilistik, Eleganz und Rasse zeigend, mit viel Druck, herrlich und **(*)/***, €25.

Also wie immer jede Menge toller Weine für's gute Geld. PS: Viele der obegenannten Weine gibt es bei Isabel Simals Cielo del Vino in München, rundherum zu empfehlen!

Dienstag, 9. Mai 2006

Chateau Mayne Lalande

Nun ja, irgendwie habe ich ein Faible für (rote) Bordeaux, das läßt sich wohl nicht verheimlichen, auch wenn mein Herz hier für jene Weine schlägt, welche nicht so sehr im Rampenlicht stehen, und daher kann ich auch immer mit Fug und Recht behaupten, daß Weine aus Bordeaux gemessen an ihrer Qualität (und Lagerfähigkeit) günstige Weine sind.

Trotz alledem sind Bordeaux manchmal sehr komplizierte Wesen, fast kapriziös, wehe, man erwischt sie im falschen Moment! Den richtigen vorherzusagen, bedarf aber fast eines Orakels ;-)

So geht es mir auch mit Chateau Mayne Lalande, einem Cru Bourgeois aus dem Listrac; ein Weingut, daß ich seit seinen Anfängen in der Öffentlichkeit (gepuscht von Chateau Classic) verfolge. Bernard Lartique - dem Inhaber - verdanke ich meine schlimmste Verkostungserinnerung eines Weines dieser Region, den 1999er, dünn, sauer, bestenfalls verschlossen mit einer vagen Hoffnung auf Wiederauferstehung. Auch eine Woche in der Karaffe mit täglichem verkosten brachte keine Besserung! Keine €3 hätte ich für diesen Wein locker gemacht! Wird der jemals (wieder?) was werden? Oder war's das schon? Only time will tell!
Im Gegensatz dazu der 2003er: wundervolle Röstnase, am Gaumen mittelgewichtig, sehr geschliffen, mit feiner Säure, ein Gentleman, am dritten Tag dann in voller Pracht, offen und weichherzig, Anklänge an Kirschfrucht, Mon Cheri-Noten, Zwetschke, am Gaumen herrliche Fülle, Früchtsüße gepaart mit reifen Tanninen, alles im Lot und wunderbar seidig, ein Traum für €15, der immer Lust auf einen weiteren Schluck macht, so nah liegen Hölle und Himmel beisammen, Bordeaux, ich bleib dir treu!

Sonntag, 30. April 2006

Frühlingsweinerwachen

Verkostungstermine in Linz im Frühling gibt es doch etliche, wie zB. die Jahrgangspäsentation der Steiermark, die Frühlingsweinkost im PKV - beide leider aus Firmengründen versäumt, wobei mein Sättigungsgrad bei der Steiermark derzeit sowieso erreicht ist, weil doch noch immer die gleichen vorhersagbaren Winzer gefallen - Wakolbingers Weinwunder im Langgraf und die Verkostung von Jörg Infeld im Alten Rathaus, bei der ich heuer das erste Mal war. Und da waren ein paar ganz interessante Weine dabei.

Fast alle haben einen leichten jungen Wein für die Terasse im Sommer, meistends eine Cuvee und meistens mit Eiszuckerlaromen in Folge der Reinzuchthefe und kalten Vergärung, alle Weine sauber, gefällig und beliebig austauschbar. Gefallen haben mir sehr gut
  • Familienweingut Rosenberger, Rohrendorf (www.rosenbergerwein.at), Grüner Veltliner Kaiserstiege 2005 und Kellerweingarten 2005, beide mit Würze, guter Struktur und ansprechendem Trinkfluß, auch der Chardonnay hat mir sehr gut gefallen, weil mit ansprechendem Zitrusduft, glasklar, fokussierter Säure, messerscharfe Kontur, bravo!
  • Weingut Artner, Cartnuntum, ein wunderschöner Basiszweigelt mit vegatiblen Aromen, ein ebenso ansprechender Rubin Carnuntum (um €9 ein superbes P/L-Verhältnis), beide 2005, ein bereits harmonischer Amarok 2004 mit festen Röstnoten, sehr, sehr ansprechend
  • Weingut Weixelbaum in Strass, sowieso bei den Grünen Veltlinern eine sicher Bank, aber auch beim Sauvignon Blanc Ried Sandgrube jedes Jahr Top. Dieser Wein war für mich diesmal ganz eindeutig the "wine of the show"; gebündelt, sortentypisch, fokussiert, perfekte Säure, wie aus einem Guß - für mich der Beste bisher vom Weingut - und da gibt es mit dem 2000er einen ziemlichen Benchmark!
  • Weingut Schneider in Tattentorf: endlich wunderschöne Pinot Noirs (harmonische Nasenweine!!) zu absolut vernünftigen Preisen - Classic €7, Reserve €15, auch der St.Laurent ist ein empfehlenswerter Wein, ein toller Tipp für den nächsten Besuch in dieser so unterschätzen Region.

Dienstag, 25. April 2006

Wiener Weine...

...sind ja (derzeit) nicht gerade der grosse Renner; dafür dürfte einerseits der Bekanntheitsgrad und andererseits die Quantität nicht ausreichen.
Einen kleine Querschnitt durch's Prgramm ergab aber ganz passable Weine, besonders die Burgundersorten haben mir gut geschmeckt - im Gegensatz zu Riesling und Grünem Veltliner. Als empfehlenswert habe ich folgende Weine in Erinnerung (alle *(*)/***
  • Weißburgunder 2004 Mitterberg, Obermann, Grinzing
  • Weißburgunder "Der Vollmondwein" 2004, Christ, Strebersdorf
  • Chardonnay Classic 2004, Zahel, Mauer
Von Zahel hat's auch einen guten Rotwein gegeben, den Antares Grand Reserve 2003 mit kühler Aromatik, gut eingebundenem Tannin, Kräuterwürze (ja herrlich!), Rumtopf und Dörrpflaumenaromatik *(*)/***.

Südtirol II

Naja, bin mit meinen Berichten wohl etwas in Verzug, aber was solls?! Bei den Roten aus Südtirol hat sich ohnehin das bestätigt, was ich vermutet habe - Lagrein Dunkel!
  • Lagrein Riserva Grieser Select 2002, Rottensteiner, Bozen, ein weicher und offener, leicht süßlicher Wein, etwas zu wenig fokussiert, auch im Abgang breit mit einem Bitterl, gefälliger Stil *(*)/***
  • Lagrein Riserva 2002, Abtei Muri, Gries, Tiefes und dunkles Violett mit schwarem Kern, die Farbe bleibt am Glas haften, süße Heidelbeeraromatik, Zwetscke, wuchtiger Alkohol, etwas kurzer Abgang, wunderschöner Wein **/***, Potential
  • auch der Lagrein Riserva "Taber" 2002, KG Magdalena wußte zu gefallen, war aber nicht ganz so harmonisch, die Frucht etwas maskiert und mit Ecken und Kanten behaftet *(*)/***
Die Blauburgunder waren eher entäuschend, dafür genoß ich noch einen Weißen, die Cuvee Contest des Anwesens Hirschprunn in Magreid von Alois Lageder, ruhig und strömend, Harmonie und Balance pur, Quitte und etwas Zitrus, der Chardonnay etwas dominierend gegenüber dem Grauburgunder, pippifein und aus einem Guß ***/***

Freitag, 20. Jänner 2006

Südtirol I

Südtirols Weine haben es in Österreich schwer. Das merke ich auch bei mir selbst. War ich vor ca. 10 Jahren noch regelmäßg Gast in Südtirol so hat sich dies radikal geändert. Auch weinmäßig habe ich den Anschluß an Südtirols Weine verpaßt, dabei bin ich über die Weißweine der KG Schreckbichl - Weißburgunder & Chardonnay der Praedium-Linie - überhaupt erst zum (österreichischen) Weißwein gekommen. Ein Stopp beim Hofer-Market in Sterzing zm Weinkauf, das ist für mich Südtirol. Erinnerungen an gute Weine habe ich genügend, zB. Lagrein Dunkel von Muri bzw. Taberhof, Weißburgunder Schulthauser der KG St.Michael, der Gewürtraminer Nußbaumer der KG Tramin oder eben besagte Weine der KG Colterenzio (auch Cornell-Linie). Auch den Cabernet Sauvignon Campagner der Kellerei Kaltern habe ich als sehr zuverlässigen Wein in Erinnerung.
Eine kürzliche Weinverkostung mir wiedereinmal Einblick in den derzeitigen Stand jenseits des Brenners gegeben -heute Teil I der erfreulichen Weine:
  • Moscato Giallo 2004 vom Weingut Manincor, Muskattraube pur, frisch und ansprechend, unkompliziert mit schönem Säurespiel *(*)/***
  • Weißburgunder Puntay 2003, Erste & Neue Kaltern, typischer Weißburgundernase, etwas Zitrusnoten, strömt ruhig, sehr harmonisch und ruhig, gutes Holz **/***
  • Exilissi 2003 von Baron die Pauli, Wow!! eine neue Referenz bzgl. Traminer, Goldgelb, verschwenderische Nase, viel Holz aber auch viel Frucht, intensiv, Essenz, ein Monument mit 16,5 Vol%! Ein Solowein der Extraklasse, fordernd mit viel Potenzial, Gratulation und klare*** Sterne meinerseits
Bei den Kaltererseeweinen hat sich nichts getan, helle und süffige unkomplizierte Speckjausenbegleiter für solche, denen die "Himbeerwasserln" zusagen. Trotz vielfachem Bemühen einiger renommierter Erzeuger kann man wohl aus aus der Vernatschtraube nicht mehr rausholen.
Bis nächste Woche zum Teil II - Sauvignon Blanc, Blauburgunder und Lagrein. Da wird's richtig spannend!

Dienstag, 10. Jänner 2006

Bordeaux 2005

Mit dem 2004 Jahrgang hatte ich das Gefühl, daß der Hype in Bordeaux wieder ein wenig nachläßt - ich erinnere mich an den Rummel um die 2003er und 2000er. Da der Jahrgang 2004 kontroversiell beurteilt wurde und die meisten Lager von den 2003er Bestellungen "voll" sind, ist die Nachfrage en primeur nicht sonderlich hoch, was wiederum zu einer deutlichen Preisreduktion der 2004er Weine führte.
Jetzt tauchen die ersten Meldungen zum Jahrhundertjahrgang 2005 auf (falstaff), Berichte zu einer mehr als guten Qualität bei der Ernte gab es ja schon vorher und das ewige Spiel beginnt auf's Neue, noch bevor irgendwas verkostet wurde - und die Verkostung von Faßmustern läßt ja auch nur bedingt Rückschlüsse auf den fertigen Wein zu! Nirgendswo scheint dieses Auf und Ab notwendiger zu sein als in Bordeaux.
Falls es wirklich so ein outstanding vintage war, wie es derzeit schon prophezeit wird, wunderbar - dann werden wenigstens die 2004 Weine im Preis fallen. Und im übrigen bewahrheitet sich sowieso die Weisheit: In großen Jahren kleine Chateaux kaufen, in kleinen Jahren große Chateaux!

Also abwarten und Tee ... äähh Bordeaux trinken.

Montag, 9. Jänner 2006

Leute, trinkt mehr Port...

...und eurer Wohlbefinden wird steigen! Jetzt im Winter ist die beste Zeit dieses herrliche Getränk im Freundeskreis oder aber alleine für sich zu genießen. Portwein - egal ob Ruby (= jung und fruchtig), Tawny (= lange Faßreife), Colheita (= Jahrgangstawny) LBV oder Vintage - trifft bei Frauen sowieso (fast) immer ins Schwarze. Die Männer hingegen haben oft eine (vielleicht historisch bedingte?) Ablehnung einer gewisse (Rest)Süße im Wein - das gilt ebenso für die wundervollen nicht trockenen Rieslinge aus Deutschland! Warum nur?
Meine Vorliebe gehört den Late Bottled Vintages (LBVs) und Dirk van der Niepoort hat einen wunderbar feinen 2000er, bei dem auch die Süße harmonisch und nicht zu ausgeprägt ist. Wer mehr ein Schleckermaul ist und die süßere Variante bevorzugt, dem schmeckt ganz sicher der 6 Grapes Ruby von Grahams. Beide Ports liegen unter Eur 20 und sind in Österreich zB. bei Wein & Co erhältlich.
2000 war übrigens ein hervorragendes Portweinjahr, genauso wie auch die 2003er, die jetzt auf den Markt kommen. Also rasch zugreifen!

Eine gute Zusammenfassung zum Thema Portwein findet sich hier und einen kurzen Überblick gibt's bei Wikipedia.

Montag, 2. Jänner 2006

Bordeaux Tipp

Nach einem kürzlich eher nüchternen Erlebmis mit einer Flasche Rolland de By 2000 habe ich jetzt wieder einen Winner in meiner letzten Subskription gefunden habe: Le Boscq 2002 (St. Estephe)

Keine fette Granate, sondern ein subtiler Wein mit komplexen Aromen und gut stützendem Holz, die kühle Aromatik macht Lust auf immer ein weiteres Glas - übrigens für mich ein untrügliches Zeichen für gute Qualität - offeriert am dritten Tage schöne Cassis-Fruchtnoten, ein rundum gelungener Wein. So soll Bordeaux (für mich) sein, **/***.

Das Beste daran ist, daß ich diesen preiswerten Wein (Eur 20) vor Silvester zufällig im Interspar endeckt habe. Für mehr Infos über Le Boscq zur Weinwelt wechseln und im Feld rechts oben einfach le boscq eingeben bzw. unter Weine des Medoc - et voila! Hier wird dann auch schnell klar, warum es so einen Geheimtipp beim Interspar gibt: Dourthe ist einer großen Handelsfirmen mit eigenen Weingütern im Bordelais.

Silvester, die 2te

Ja, ja, endlich wieder ein Winner - den Pol Roger White Foil meine ich:

Goldgelb, gereifte Nase - in diesem Fall eine sehr ansprechende Form des gout anglais - eher mild in der Säure und auch die Perlage ganz fein, sehr harmonisch aber leider kurz im Abgang. Für mich nicht der klassische Aperitiv, sondern auch ein passabler Essensbegleiter.

Sicherlich der beste NV Champagner, den ich bisher genießen durfte.