Freitag, 16. November 2007

Weinrallye #5 - Sangiovese

...vorzugsweise nicht aus der Toskana - das ist das Thema! Natürlich habe ich zuallererst einmal recheriert, welche Weine der Rebsorte Sangiovese denn mit vertretbaren Aufwand und zu vertretbaren Kosten! aus alternativen Regionen zu beschaffen wären - erwartungsgemäß waren das nicht allzuviele - weder bei den Regionen, noch bei den Weinen. Meine üblichen Quellen lassen mich bei den Weinrallye-Themen ohnehin schon länger im Stich ;-(. Von den italienischen Sangioveseweinen außerhalb der Toskana hat mich zudem kein einziger Wein wirklich für eine Verkostung "angesprungen". Interessant wären aber die Sangiovese aus dem Napavalley - nun ja, da hoffe ich stark auf die weiteren Teilnehmer dieser Rallye :-)
Wolf Hosbach vom Weblog Hausmannskost (Veranstalter dieser 5. Weinrallye) hat aber zum Glück nicht allzu strenge Regeln vorgegeben, sodaß auch Weine aus der Toskana zulässig waren. Also ab in den Keller und zurück mit einem Wein aus einer etwas - wie mir scheint - vergessenen Region innerhalb der klassischen Sangiovese-Anbauregion Toskana, dem Carmignano. Carmignano hat Tradition - und was für eine! Bis zu Karl dem Großen lässt sich der Weinbau in diesem Gebiet zurückverfolgen und erzielte lange Zeit innerhalb der Toskana mit Abstand die höchsten Preise.

Was habe ich im Keller gefunden? Einen Wein von Mauro Vanucci, einem Modernisten - das heißt 100% neues Holz jedes Jahr, eine Empfehlung von Hr. Hofer aus Sterzing! Der Piaggia 1999 Riserva bekam im Wine Advocate #144 (Dec 2002) 94 RP-Punkte, die Bewertungen im Cellartracker sind ebenfalls nicht viel geringer - also Nase rein ins Glas!

Mauro Vanucci, Piaggia Riserva 1999, Carmignano, Sangiovese = "Blut des Jupiters", das paßt für die Farbe des Weines, schwarzer Kern, hübsche Nase, fesselt mich lange, Liebstöckl, ledrig und rauchig, man erkennt den Cabernet als Juniorpartner der Sangiovese, am Gaumen fest, strukturiert, süß, massig Gerbstoffe, etwas austrocknend im Finale, in Anbetracht des Preises vermisse ich etwas die Komplexität, noch jung und mit Potential für das nächste Jahrzehnt, *(*)/***, erst am zweiten Tag zeigt der Wein seine ganze harmonische Pracht, wirkt jetzt dicht verwoben, viel Würze zeigend, aus einem Guß, fein, kann noch zulegen, **/*** €27

Bin ja schon gespannt auf die Notizen von Sangiovese-Weine außerhalb der Toskana. Letztendlich aber habe ich mich gefragt, ob denn nicht schon genug globalisierte Weine aus globalisierten Rebsorten existieren? Ist es denn nicht für uns Weinliebhaber von unschätzbarem Wert, wenn wir einige Rebsorten mit nur einem einzigen definierten Ursprungsgebiet in Verbindung bringen? Brauchen wir einen Grünen Veltliner aus Neuseeland oder einen Dornfelder aus Washington? Ich meine Nein. Und wird sich ein Sangiovese aus der Emiglia Romana von einem Sangiovese aus der Toskana signifikant unterscheiden? Ich glaube Nein. Von Sangiovese aus Sizilien oder Korsika? Wahrscheinlich nicht zu sehr. Und aus den Vereinigten Staaten? Vielleicht (so zumindestens meine Vermutung)! Vielfalt ja, aber nur unter der Prämisse einer für Konsumenten erkennbaren Differenzierung und nicht als Offenbarung des hundertsten uniformen Einheitsweins! Sangiovese - das sind und bleiben für mich die einzigartigen Weine der Toskana!

Kommentare:

LarsB hat gesagt…

Nun, zumindest zwischen den von mir verkosteten Sangiovese aus Sizilien und der Toskana war ein großer Charakterunterschied zu schmecken. Ansonsten bin ich sehr deiner Meinung, auf deutschen, kalifornischen (...) Sangiovese kann ich gut verzichten. Die Klimabedingungen der Zentraltoskana sind für die Rebsorte optimal, hier bringt sie besten Ergebnisse in die Gläser.
So ein herausforderndes Rallye-Thema finde ich aber durchaus mal spannend, weil es interessante Diskussionen anregt. Herzliche Grüße, Lars.

vinissimo hat gesagt…

Hallo Lars,

ja natürlich existieren Unterschiede - alleine schon wegen der unterschiedlichen Klimabedingungen oder des kellertechnisch unterschiedlichen Ausbaus eines Weins. Wiegesagt, die Sangiovese aus Napa hätten mich brennend interessiert (und tun das noch) - das Thema möcht' ich auch mal angehen! Warum nur ist es so schwierig, **eine** Flasche eines Weines abseits des Mainstreams bei den Händlern zu bekommen? So wie's aussieht werde ich lästig bleiben müssen ;-)