Ich habe dieses breite Thema bewußt nicht eingeengt, um so möglichst viel Spielraum für den jeweiligen persönlichen Geschmack zu lassen. Aus Erfahrung kann ich berichten, daß viele (zumeist männliche) Weinfreunde eine Abneigung gegen "süßlich schmeckende" Weine haben. War und ist mir immer noch unverständlich. Solange ich zur Süße auch einen Gegenpol zB. in Form von Säure oder Gerbstoffen vorfinde - einem pampigen, zuckrigen Etwas kann auch ich nichts abgewinnen - finde ich diese Art von Wein wirklich himmlisch.
Für meinen Beitrag zur Rallye habe ich mich ursprünglich für 2 Weine entschieden - einen oxydativ ausgebauten Madeira und einen süßen, aber reduktiv erzeugten Sherry.
Der 3. Wein, ein "falscher" Port - hat sich gestern spontan bei unserer VHS-Verkostungsrunde ergeben und komplettiert den Beitrag. Aber wie heißt's so schön: man muß ja auch mal Glück haben.. ;-)
(1) Sherry
Pale Cream-Sherry aus der Palomino-Traube ist ein Erzeugnis aus der Gruppe der der Finos - also unter der bekannten Florhefe gereift und somit vor Oxydation geschützt. Anschließend wird dieser durch Traubenmostkonzentrat ergänzt und erhält so seine typische Süsse.Die Flasche liegt schon seit einigen Jahren in meinem Weinkeller - hat also geduldig auf diesen Auftritt gewartet - und ist ein Mitbringsel vom Cousin meiner lieben Renate aus seinem damaligen Andalusienurlaub - Danke Christian!

(2) Madeira
Madeira-Wein gibt es - ähnlich dem Sherry - in einer Vielzahl von Varietäten, unterschiedliche Rebsorten prägen unterschiedlich Stile in sowohl trockener als auch süsser Ausprägung!Typisch für Madeirawein ist seine Reifung durch Lagerung bei hohen Temperaturen. Ursprünglich wurde der positive Effekt der Hitze auf den Geschmack der Weine angeblich zufällig durch den Transport der Fässer auf Schiffen durch tropische Gebiete entdeckt, heute wird dieser Reifung meistens durch direktes Erhitzen auf bis zu 50°C im Tank vollzogen (estufas), selten durch eine viel länger andauernde, traditionelle Lagerung unter dem heißen Blechdach.
Die meisten Madeiras sind außerdem verschnittene Weine - so auch mein Vertreter für die Rallye.

(3) Port
Nein, diesmal nicht aus Portugal, der Heimat des Portweins, sondern aus Südafrika. Daß es dort auch Portweinerzeuger gibt, war mir neu, aber schließlich ist dieses Land ja über Jahrhunderte ein klassisches Einwanderungsland gewesen und Reben waren von Anfang an im Gepäck der Auswanderer mit dabei!
Recht amüsant finde ich die vorgenommenen "Modifikationen" auf der Etikette, um den Einfuhrbestimmungen in die EU gerecht zu werden. Die Portugiesen haben sich ja die Bezeichnung Portwein (wie die Franzosen bei ihrem Champagner ja auch) exklusiv mit Hilfe eines Handelabkommens gesichert. Auch gegen phonetisch ähnliche Begriffe wird seitens des Instituto do Vinho do Porto mobil gemacht, wie das Beispiel des österreichischen Forticus - vormals Porticus - des Weinguts Graf Hardegg sehr schön belegt.

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Wie immer wurde ich von dieser Art der Weinbereitung nicht entäuscht und deshalb wird die Stilistik der gespriteten Weine auch zukünftig meinen Gaumen erfreuen. Sie biet i.A. ein gutes Preis-/ Genußverhältnis, sodaß meiner Meinung nach kein wirklicher Weinfreund an diesen fantastischen und vielfältigen Weinen vorbeikommt!
4 Kommentare:
Für den Port würde ich sogar zu dir laufen :-)
Thomas, na dann mal los, die Flasche hab' ich noch ;-)
Dass sich das händische Überkleben für die Firma lohnt, wundert mich...
..naja, wahrscheinlich noch echte "Schwarzarbeit"..
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