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Sonntag, 27. April 2008

Spiel - Satz - Sieg

Wien ist die einzige Weltstadt mit komerziellem und wirtschaftlich bedeutsamen Weinbau.

Einer famosen Vierergruppe - marketingmäßig unter WienWein firmierend - ist es in den letzten Jahren gelungen, eine Renaissance des Wiener Weins einzuläuten. Nun, da ich weder in Wien beheimatet bin, noch den Wiener Wein der einzig guten in Österreich einschätze, wäre das nicht sonderlich bemerkenswert, wenn, ja wenn sich die vier Herren nicht um eine alte österreichische Tradition angenommen hätten, welche mir am Herzen liegt - der Mischsatz oder auch Gemischte Satz.

Diese Tradition, einst zum Zwecke der Risikominimierung ersonnen, ist neben Wien nur noch in der Südsteiermark verbreitet und für das Kamptal hält das Weingut Ehn die Fahne mit seinem "Gemischter Satz Alter Panzaun" hoch. Legendär (auch des Reifevermögens wegen) ist Fritz Wieningers Mischsatz Nußberg Alte Reben von über 40-Jahre alten Anlage. Typische Rebsorten im gemischten Weingarten sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) neben den "schmeckerten Rebsorten" Muskat Ottonel, Gelber Muskateller, Traminer, Sauvignon Blanc auch Riesling, Grüner Veltliner, Rivaner / Sämling, Weißburgunder, Welschriesling, Chardonnay und Neuburger.

WienWein bietet den gemischten Satz in eine Klassik und in einer Lagenlinie aus alten Rebbeständen an und einige Weine werde ich im Laufe der in naher Zukunft hoffentlich zahlreichen sonnigen Wochenenden vorstellen.

Edelmoser, Cuvée vom Strand 2006, Wien, eine Anspielung auf die Tatsache, daß das Urmeer vor über 12o Millionen Jahren bis an die Tore Wiens reichte, gewachsen auf sandigen Urgesteinsboden südlich von Wien, helles Strohgelb, helle und frische Nase, keine Rebsorte sticht hervor, somit ein perfekter Mischling (Cuvée im klassischen Sinne ist ein gemischter Satz ja nicht, da alle Rebsorten gleichzeit geerntet und ausgebaut werden), leicht würzig, Mineralik, am Gaumen sehr gut proportioniert, frische, mit milder Säure, somit auch für den internationalen Gaumen gut geeignet, runder Trinkfluß, harmonischer Wein, als Apero zu kraftvoll, aber als Jausenbegleiter perfekt, *(*)/***

Nach nicht einmal 90 Minuten heißt es (Säure)Spiel - (Gemischter)Satz - 1:0!
(auch auf die Gefahr hin, daß jetzt Fußball- & Tennisfans gleichermaßen aufschreien ;-)

Samstag, 23. Oktober 2010

Edlmosers Maurerberg

Beim Wiener Gemischten Satz bin ich eigentlich ein treuer Kunde von Fritz Wieningers Nußberg - ein Wein, der niemals enttäuscht und herrlichen Genuss im Wein bietet. Eine sichere Bank!
Ab und zu bietet sich aber auch die Gelegenheit, über den nördlich Nußberg hinaus einen Abstecher zum westlich gelegenen Maurerberg ins Weingut Edlmoser zu tun. Das ist dann der Fall, wenn beim Jahrgangswechsel eines großen österreichischen Weinhändlers einige mir ansonsten zu teure Weine günstig  preisreduziert angeboten werden.
Ich bin gespannt, ob dieser Wein aus 8 verschiedenen Rebsorten von 50 Jahre alter Stöcken im Vergleich zu meinem Lieblingsexemplar dieses österreichischen Klassikers zu reüssieren vermag - wohl eher eine rhetorische Frage - er kann! Ob aber der 20%-Preisaufschlag zum Nußberg argumentiert werden kann, ist wohl eine persönliche Entscheidung. Eine Vertikale des Nußberg wird mir persönlich diese Frage beantworten.

  • Josef Edelmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2006, Wien, Strohgelb mit einem deutlichem Grünstich, die Nase duftig, zart parfümiert, vielschichtige Assoziationen, grüner Apfel, Zitrusnoten, reif gelbfruchtig mit exotische Noten, Ananas, aber auch Weingartenpfirsich, stetig wandelnde Aromen im Glas, zeitweise einem österreichischen Riesling nicht unähnlich, deutlich mineralisch geprägt, braucht zwei Tage rinnt sanft und ausgewogen über meine Zunge, wunderbar reifer Säurebogen, toller und langer Nachgeschmack, wiederum sehr mineralisch und salzig, das ist toller Stoff und gemischter Satz in Höchstform, **-**(*)/***
  • Josef Edlmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2007, Wien, intensiv leuchtendes Strohgelb, die Farbe hat eine wenig "Leuchtstiftcharakter", braucht viel, viel Luft, über 2 Tage, um aus seinem Flaschenhals (mit Drehverschluss) aufgetaut herauszufließen, hätte ich diesen Wein im Restaurant geordert, wäre ich vermutlich enttäuscht von Dannen gezogen, so aber wird der Geduldige mit exotischen Duftanklängen im Glas verwöhnt, am ehesten noch Ananas, subtil verwoben mit einer dichten Mineralik, auch feine Würzenoten sind wahrnehmbar, der Wein wirkt für mich in der Nase erstaunlich bodenständig, ja fast erdig, ganz im Gegensatz zu den vielen mineralisch geprägten Weinen, welche einen eher intellektuellen Charakter aufweisen, am Gaumen kurz saftig, mittellang, dann übernimmt sofort wieder die Mineralik das Kommando bis in den doch langen, zart feurigen Abgang hinein, gehobene Stilistik, hat noch Potential, **/***
2006 war einfach ein Superjahr, das spiegelt einfach auch der Vergleich dieser beiden Jahrgänge wieder. Eine Kostnotiz zum 2005er-Exemplar des Maurerbergs findet sich übrigens hier.

Montag, 4. August 2008

Entspannung beim Gemischter Satz

Michael Edlmoser, Maurerberg Alte Reben 2005, Wien, ein Gemischter Satz aus 8 verschiedenen Sorten, vorwiegend Riesling, Burgunder, Grüner Veltliner, aber auch Sylvaner, Neuburger, Zierfandler, Taminer und Welschriesling, der Wein stammt aus einem annähernd 50 jahre alten Weingarten am Maurerberg, die Farbe dunkles Goldgelb - warum erschrecke ich da beim Einschenken und erstmaligen Sichten einer solchen Farbe immer nur so? - wunderbar altmodische Nase, nussig, Honig, ein wenig Balsamik und auch diese schwer fassbare Mineralik gibt's zu riechen, entspannter Wein, sehr harmonisch im Mund, balanciert, feine Säure und (die Farbe täuscht!) ganz trocken ausklingend, ein Wein, der durch seine Gelassenheit Souveränität ausstrahlt, *(*)-**/***

Na also, ein schöner Wein, den meine Weinnase in der Fundgrube zu einem stark reduziertem Preis aufgestöbert hat. Nichtdestotrotz glaube ich, daß der Wein, wäre er mit einem Schrauber anstatt einem Plastikkorken verschlossen worden, noch mehr zu begeistern gewußt hätte.
Im übrigen ist der 2007er Jahrgang dieses Weins Sieger des Wiener Weinpreises 2008 in der Kategorie Gemischter Satz geworden.

Die bisher verkostete Weintrilogie des WienWein-Quartetts: 1 | 2 | 3

Sonntag, 20. Juli 2008

Nächste Runde mit dem Gemischten Satz

Nach soviel Wieninger soll auch einmal ein anderes der 3 verbleibenden Mitglieder des Wiener Quartetts "zum Munde" geführt werden - aufgrund eines heißen Tages habe ich mich für eine leichten Sommerwein entschlossen:

Weingut Zahel, Wiener Gemischter Satz 2007, Wien, ein "sommerleichter" Wein aus Grünem Veltliner, Chardonnay und Riesling mit nur 11.5% Vol., anfangs zart fruchtig nach grünem Apfel, dann viel Birne, wirkt dumpf, Eiszuckerlaromatik, am Gaumen zitronig,wirkt fad und lustlos, leichtes Bitterl und schmierig, der Säurebogen ohne Spannung und flach im Ausklang, viel Weinstein, ohne Wertung!

Sorry, aber so "macht" man keinen Sommerwein. Der soll vibrierend in der Nase sein, strahlend, mit messerscharfer Kontur und einer festen, rassigen Säure, trinkanimierend, den Speichelfluß in Gang setzend und Lust auf den nächsten Schluck machen.

Hätte der Wein keinen Schraubverschluß, hätte ich glatt einen Verdacht auf einen Korkschleicher, aber so?
Im übrigen beobachte ich ein ähnliches Phänomen bei meinem heurigen (2007er) Alltagswein, welcher ebenfalls nach einem furiosen Start im Herbst jetzt bereits sein Strahlen eingebüßt hat - ebenfalls ein Gemischter Satz. Ein (gezieltes?) Vinifikations-Problem?
Darauf deutet auch die Verkostungsnotitz des vinaria-Jungweinatlas 2008 hin, welche zu diesem Wein vermerkte: "Vom Start weg animierend und frisch..feingliedrige Art..rassige Säutestruktur.."

Ein etwas ratloser vinissimus.. .

Bildnachweis: Web

Sonntag, 15. Juni 2008

Wien wie Wieninger

Derzeit erlebt der Gemischte Satz ja (zurecht) eine Renaissance. Dazu hat wohl auch Fritz Wieningers Gemischter Satz Alte Reben vom Wiener Nußberg nicht unerheblich beigetragen. Aus über 40 Jahre alten Reben erzeugt Fritz Wieninger einen komplexen und hocharomatischen Wein, der seit dem 2002er Jahrgang einen Stammplatz in meinem Keller hat.

Fritz Wieninger, Gemischter Satz Alte Reben Nußberg 2006, Wien, kräftiges Strohgelb, prachtvoll offene Nase von Anfang an, sehr mineralisch, mittelgewichtig am Gaumen, gut balanciert, wirkt sofort trinkanmierend, harmonische Säure bis in den Abgang, wiederum feine Mineralik, hervorragender Wein mit herrlichem Trinkspaß, ein Sieger von Anfang an, läßt sich mit einer herrlichen Selbstverständlichkeit trinken und befriedigt doch auch anspruchsvolle "Nasentrinker", der beste Nußberg bisher, Danke Fritz! **(*)/***

Bildnachweis: Homepage Wieninger

Samstag, 2. August 2008

Gemischter Satz, der nächste Flop?

Nach dem Flop vom letzten Mal hatte ich diesmal wieder Hoffnung auf einen Wein, der die bisher beeindruckende Erfolgsserie des Wiener Gemischten Satzes weiterführt. Aufgrund der warmen Temperaturen fiel die Wahl auf einen "leichteren" Vertreter.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Weingut Christ, Wiener Gemischter Satz 2007, Wien, strohgelb, schon in der Nase anfangs ziemlich mostig, dann Birnenaromen, am Gaumen diffus, wiederum die Birne, ein wenig vordergründiges CO2, da will einfach kein (Trink-)Spaß aufkommen, was ist da bloß los? o.W. (Schraubverschluß)

Entäuschung macht sich breit - also Flugs in den Keller geeilt um einen (hoffentlich besseren) Ersatz zu finden - und der Griff zum bisher Bewährten sollte auch diesmal wieder ein Garant für Zufriedenheit sein:

Weingut Edelmoser, Cuvée vom Strand 2007, Wien, strohgelb, leicht grüne Refelexe, eine sehr verwobene und harmonische Nase, Mineralik, weitab der klassischen Primärfrucht, kommt somit meiner geschätzten Stilistik entgegegen, ausgewogen und blitzsauber, dem 2006er Jahrgang ein würdiger Nachfolger, unkomplizierter Trinkspaß auf hohem Niveau - gerettet :-) **/***

Bildnachweis: Wein & Co

Freitag, 2. Jänner 2009

Ende-des-Jahres-Weinliste

  • Alejandro Fernandez, Condado de Haza 2001, Ribera del Duero, dunkler Farbkern, am Rand bereits Reife Richtung Granatrot erkennbar, anfangs ein wenig rohes Fleisch, animalisch, dann tiefe Würzigkeit, saftig und rund am Gaumen, tut keinem weh, fast ein everybody's darling, macht trotzdem Spaß und hält sich über 4 Tage gut in der Flasche, *(*)/***
  • Bodegas Norton, Torrontes 2006, ein echter Apertifwein, sehr traubig, einem Muskateller sehr nahe, sauber & frisch, knackig, am Gaumen ausgewogen, die Säure sehr balanciert, fein, *(*)/***
  • Hans & Christine Nittnaus, Nit'ana 2004, Gols, Neusiedlersee, schönes Bordeauxrot, tiefe Nase, anfangs sehr würzig, dann sehr weinig, zart parfumiert, singt glockenklar im Glas, feine Fruchtsüsse, Beerenkonfit, sehr, sehr stimmig, seidenweich am Gaumen, wirkt in keiner Phase des Genusses aufdringlich, trotzdem saftig, gleitet nobel über meine Zunge, hedonistischer Trinkspaß, offenbart über die Tage immer neue Facetten, Minze, Fenchel, großartig, läßt mich "bitte noch ein Glas" sagen, eine wahrlich positive Überraschung, **-**(*)/***, einzige Anmerkung meinerseits: am Rückenetikett steht "Edles Rotweincuvée" - liebe Famile Nittnaus, schlimm ist das!
  • Domaine Les Yeuses, Viognier 2006 Vin de Pays d'Oc, ein stimmiger und fein aromatischer Wein mit viel Extrakt am Gaumen, sehr balanciert, gute Mundfülle, leicht zu trinken, genügt aber auch dem anspruchsvollen Weintrinker, bin überrascht, daß sich diese Flasche noch so gut präsentiert, nachdem Viognier eine nicht allzu lagerfähige Rebsorte ist und die letzte (mit geschäumtem Konstoffkork) verschlossene Flasche sich bereits flach und fad verkostet hat, **/***
  • Porto Pocas, LBV 2000, süß, kräftig, leicht ruppig, ein burschikoser Muskelprotz für Schleckermäuler, aber nicht ohne Charme, da mit der vorhandenen Würzigkeit gut zur vorweihnachtlichen Bäckerei passend, *(*)/***
  • Domaine Gauby, Les Calcinaires 2005, Südfrankreich, nach dem Öffnen der Flasche wird verständlich, warum viele Weintrinker oftmals mit Bioweinen ihre Schwierigkeiten haben, aber schon nach 15 Minuten Luft entwickelt der Wein ein vielschichtiges Bouquet, weißer Holler, Birne, Gesteinsmehl, exotische Früchte, vor allem Ananas, über alledem schwebt eine feine Mineralik, Feuerstein, dann wieder Parfumnoten, leicht würzig im Hintergrund, immer glockenklar, braucht einfach seine Zeit zur Reife, hat auch an Substanz am Gaumen gewonnen, balanciert, fein harmonisch - aber leider drucklos - im Abgang, **/***
  • Moric, Neckenmarkter Blaufränkisch 2005, Burgenland, dieser Wein wird von allen Seiten hoch gelobt, warum nur?
    Ich finde den Wein gut, ja er hat eine feine fruchtige, fast burgundische Tiefe, Himbeeren, etwas Marzipan, gut verwoben mit einer zart würzigen Komponente, er ist auch sauber am Gaumen, drängt sich weder vor noch auf, ist geschliffen und elegant, aber schrecklich kurz, hat eine schöne Säure, aber fehlendes Tannin! Diese Art der Qualität gibt es auch um weniger als den halben Preis, auch wenn ich für *diese* Art der Blaufränkisch-Stilistik sehr zugänglich bin! Ist das vielleicht der Grund für die Euphorie? *-*(*)/***
  • Fritz Wieninger, Gemischter Satz 2007, Wien, der "einfache" Gemischte Satz aus der goßen Palette von Wieningers exzellenten Weinen bildet heuer den Schlußpunkt zu meiner Serie der "Sätze".
    Helles Strohgelb mit viel Zitrus in der Nase, frisch, sauber fruchtig, mit trinkanimierender Säure und wiederum Zitrusnoten am Gaumen, unkomoliziertes Trinkvergnügen, läßt aber den eigenen Charakter des Gemischten Satzes vermissen, *-*(*)/***
Bildquellennachweis: Weinwelt Interspar, Wieninger

Samstag, 8. März 2008

Weinrallye #9 - Alltagsweine

Folge 9 der Weinrallye wird vom Weingut Steffens-Keß mit Thema "Alltagsweine, einfach (&) unkompliziert" vorgegeben.

Für vinissimus ist das Thema der Alltagsweine aber eigentlich kein Thema, denn in meinem Keller finden sich gerade eine Handvoll Weine, welche die Anzahl 3 erreichen oder überschreiten.

Was läßt sich nun daraus schlußfolgern?
Ganz einfach! Erstens liebe ich die Vielfalt, zuviele Flaschen von einem Wein lassen bald einmal Langeweile aufkommen. Zugegebenermaßen ist meine Neugierde samt Verlockung der önologischen Vielfalt einfach viel zu groß. Zweitens - hier bestätigt die Ausnahme die Regel - finde ich, daß es nur wenige Weine wirklich rechtfertigen, davon ein paar Flaschen zur Seite zu legen. Von diesen kann man dann aber gar nicht genug haben - ein Beispiel aus dem heimischen Rebberg: John Nittnaus' Pannobile 2000 - einfach Weltklasse! Drittens ist dies ein wichtiger Schutzmechanismus um den Weinkeller nicht ob meiner (W)Einkaufslust aus allen Nähten platzen zu lassen - vom Schrumpfungsprozess in meiner Geldbörse will ich da gar nicht erst sprechen ;-)
Ergo dessen ist bei mir eigentlich fast jeder Wein ein Kanditat zum Alltagswein, wenngleich die meisten auch nicht der klassischen Definition eines solchen entsprechen.

Ab und zu stolpere ich aber dann bei meinen Verkostungstouren doch über Weine, die mich unmittelbar ansprechen, leicht, ohne Reue auch einmal in Durstquantitäten und zudem mit großem Genuss zu konsumieren sind. Auch das Preisschild in Anbetracht der gebotenen Qualität erscheint mehr als passend. Gaumen, was willst du da mehr erwarten? Da schreit das Hirn - was das Bauchgefühl doch schon lange weiß - geradezu: Zugreifen! Und auch vor seiner Liebsten sind solche Einkäufe ob der Ratio - falls notwendig - recht überzeugend zu vertreten.

Zwei Weine, bei denen mir das kürzlich passiert ist und ein schäumender Dauerbrenner, die daher *derzeit * mein Alltagswein-Mascherl umgehängt bekommen haben, bilden das folgende Trio. Warum's gleich drei sein müssen, ist schnell erklärt: erstens für die unterschiedlichen Vorlieben der Gäste - ja, ja, auch bzw. genau denen will man auch seine Alltagsweine vorsetzen und schließlich habe ich einige Bekannte, welche zB. ausschließlich Weißwein trinken - und zweitens für den eigenen Gusto je nach Lust & Laune:
  • SCHÄUMEND der Canella Spumante, ganz egal ob klassisch als Prosecco di Conegliano DOC oder alternativ auch der "neue" Rosé von Canella (dann natürlich nicht vom Prosecco)! Von diesen zweien hab' ich immer ein paar Flaschen vorrätig und beide Vertreter - zugegebenermaßen ein Massenprodukt - schmeckt mit seiner cremigen Art auch anspruchsvollen Zeitgenossen, um €6 eine wahrlich erfrischende Alternative zu heimischen Sekten im Einsteiger-Preis-Segment und vor allem leicht zu bekommen,
  • in WEISS vom Winzerhof Landauer-Gisperg, Tattendorf, Thermenregion, ein herrlich frischer und aromatischer Gemischter Satz 2007, herrlich unkomplizierter Trinkgenuß mit saftiger Aromatik vom Grünen Veltliner und Traminer, ein "Schmeckerter" im besten Sinne, guter Säurebiß und moderater Alkoholgehalt prädestinieren ihn zu einem perfekten Aperitif, ein guter Weinwert mit Schrauber - so bleibt die Frucht schön sauber und der Korkteufel draußen! - zum Spartarif um € 5,
  • und in ROT der Blaufränkisch Nyék-Classic 2006 vom Weingut Hufnagel in Neckenmarkt, Mittelburgenland, fein würzig fruchtige Noten, zarte Holznuancen, dabei rund und saftig am Gaumen, harmonische, mittlere Struktur, der ansprechende Säurebiß sorgt auch für die Lust auf ein zweites Glas, mit € 5,50 ein mehr als überzugendes Preis-Genuß-Verhältnis.
Es muß nicht immer Premier Cru aus Bordeaux sein! Aber schön wär's schon, gell ;-)

Freitag, 23. März 2007

Cuveés von üüüüberall

Eine Verkostung mit 24 Weinen zum Thema "Cuveés" brachte wieder einmal einige Spitzenweine zu Tage, von welchen ich euch meine Favorits nicht vorenthalten möchte. Erwähnenswertes Detail am Rande: die Meinungen der Gruppe zu einigen Weinen waren diesemal sehr heterogen!
  • Champagne Cuvee Saint Anne Brut, Chartogne-Taillet, hefige Noten, brotig, cremig und rund, stimmig, guter Abgang, €24, Bezug: Noitz
  • Gemischter Satz Nußberg Alte Reben 2005, Fritz Wieninger, Wien, anfangs diffus, Würze, florale Aromen, dicht und reif, gut antrinkbar, viel Potential, € 14
  • Les Calcinaires Blanc 2005, Domaine Gauby, Parfumnase, aber nicht vordergründig, fokussiert, salzig, Würze und Minealik, quicklebendig am Gaumen, harmonisch, wow! - das ist Stoff, dabei einer seiner Bascic-Weine, € 14, K&U
  • Vinas de Gain 2003, Artadi, Rioja, Schwarze Farbe, würzig und dunkelfruchtig, rohes Fleisch und Leder, sehr modern, sicherlich gut gemacht und trotzdem habe ich diesem Wein nichts abgewinnen können, hat keine Seele und schon keine Identität für einen Rioja, hat den meisten anderen aber gut gefallen, € 17
  • Chateau Bel-Air La Royére 2002, Fronsac, Bordeaux, Schwarz, Röstnase, die Säurestruktur schon in der Nase sprürbar, kräftiges Tannin am Gaumen, dunkle Beeren, lebendige Säure aber balanciert, vital, fordernd, herrlich, mein Star des Abends!, €25, K&U
  • Il Molino die Grace, Chianti Classico Reserva Il Margone 2001, schöne Reife, Flieder, warme Töne (da fühlt man sich geborgen und zu Hause), traditionell, hat nach dem Bordeaux einen schweren Stand, €25, Weinwelt Interspar
  • Cava Brut Natural, Reserva de la Familia 2003, Juvé y Camps, Hefenoten, quirlig mit viel knackiger Säure, erfrischend mit viel regionalem Charakter, knochentrocken, macht einfach Spaß, € 16, Wein & Co
  • Thiel, Zierfandler Rotgipfler Grand Select 2005, Thermenregion, kräftige Gold, Gelbfruchtnase, Marillen, expressive Aromatik, vom Holz ganz leicht getragen, gute Struktur mit schönem Körper, balanciert, langer Abgang,"home of the good stuff", € 15
  • Eric Pfifferling, Domaine L'Anglore 2004, Tavel, ein Rose aus 5 verschiedenen Rebsorten, Biowein, der's in sich hat, mit Stil und Stengeel vergoren, sehr dunkel für einen Rose, Preiselbeeren und Zwetschkenanklänge, ein spontantes Uhhh, am Gaumen geht dann die Post ab, Kräuterwürze, Gerbstoffe!!!, herb mit floralen Aromen, ein Wein zum Diskutieren, ergründen, suberbe Qualität zur mediterranen Küchemit Oliven und Thymian, ein Erlebnis!, € 11, K&U
  • Baron von Essen, Capaia 2004, viel Holz, modern, Würze, grüner Paprika, lebt durch Dialog von Säure und Tannin, gefällt mir sehr gut, wurde von den anderen durch das präsente Barrique eher abgelehnt, € 24
  • Chateau Doyac 2001, Haut Medoc, Bordeaux, ernste Nase, ruhig und streng, Frucht am Gaumen, harmonisch, solider Wein mit sehr gutem P/L-Verhältnis, guter Essensbegleiter, € 9!!
  • Les Vieilles Vignes 2001, Domaine de Villeneuve, Chateauneuf-du-Pape, Biowein, viel Würze, streng, Alkohol sehr gut integriert, klassischer Rotwein traditioneller Machart, € 26
  • Castillo Ygay 1989 Gran Reserva, Marques de Murrieta, Granatrot, rotbeerige Frucht, fast schon burgundische Dimesion, harmonisch, feines Tannin, Würze, offen, Potential für viele Jahre, € 30, Cielo del Vino
  • Quinta do Noval, LBV 1997, Douro, Heidelbeere, Frucht!, päsentiert sich in perfekter Verfassung, strukturiert mit feinem Tannin, Schoko, Rosinen, pipifeiner Port, ein Hochgenuß um wohlfeile € 17

Sonntag, 3. Juni 2007

Mai Weine

  • Cascinacastle't, Barbera d'Asti Passum 2000, anfangs toskanische Aromatik, viel Säure, alkoholisch (14,5%), die Harmonie vermissend, kann mich nicht überzeugen,
  • Clos Marie, L'Olivette, Pic St.Loup 2002, Würze und wilde Kräuter der Garrique, das macht Spaß, seidig leicht am Gaumen und trotzdem mit der notwendigen Verwegenheit, einfach Klasse, **(*)/***
  • Chateau Reignac, 2003, Bordeaux Superieur, anfangs breite, marmeladige Nase, macht die Jahrgangshitze deutlich, nach einem Tag aber viel subtiler, viel Würze vom dominerenden Merlot, Röstaromen, reifes Tannin, gute Struktur, saftig, ein herrlich' Maulvoll Wein, hält sein Form über 4 Tage ganz perfekt, **(*)/***
  • Ehn, Grüner Veltliner Oberer Panzaun 2005, Kamptal, leicht würzige Nase, korrespondierend am Gaumen, harmonisch, */***
  • Ehn, Gemischter Satz Panzaun 2003, der Kunstoffkorten hat jegliche Duftstoffe dieses hocharomatischen Weins regelrecht aufgesogen, noch sehr schöne Säurestruktur, ohne Wertung!
  • Brolio 2003, Chianti Classico, dunkelfruchtige Aromatik, gute Struktur mit reifem Tannin, etwas Würze, mit zunehmender Luft entwickelt sich dann eine lakritzartige Schmiere am Gaumen, welche den Geschmack im Abgang unangenehm dominiert, */***
  • Chateau d'Aurilhac 2003, Haut-Medoc, zurückhaltende Nase, kräftiges, reifes Tannin, am Gaumen bereits harmonisch, saftig zum Trinken, ein angenehmer Wein, derzeit aber etwas eindimensional, *(*)/**
  • Uwe Schiefer, Blaufränkisch Szapary 2003, Südburgenland, wunderschöne Nase mit vielfältiger Aromatik, präsentiert sich sehr geschliffen, am Gaumen fast schlank, trotz einiger unbestrittener Vorzüge tu ich mir schwer mit dieser Stilistik, */***
  • Setzer, Weinviertel, Grüner Veltliner Erste Lage 2004, glockenklare, vibrierende Nase, Frucht und Mineralik gepaart, perfekte Harmonie mit langem Abgang, Veltliner in Hochform, ***/***
  • Nigl, Grüner Veltliner Gärtling 2006, Kremstal, ein frischer Sommerwein, leichtes Pfefferl, Apfel, geschmeidiger Trinkfluß, keine Spur von einem Einsteigerwein!, **/***