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Freitag, 28. Mai 2010

DAC - Quo vadis?

Im Rahmen der Vorstellung der DAC Krems-, Kamp- und Traisentalweine gab es auch ein von wine & partners organisiertes Fachseminar zum Thema "DAC -was soll das?".
Sepp Mantler, Markus Huber und (ein leider nicht erschienener) Fred Loimer sollten dabei die Protagonisten ihrer jeweiligen Heimatregion sein und neben betriebswirtschaftlichen auch geschichtliche Aspekte der DAC beleuchten.

Frau "Fred Loimer" Dorli Muhr von wine & partners

Unbestritten ist, daß die Region - im Gegensatz zur Rebsorte  - ein einzigartiges - weil nicht austauschbares - Unterscheidungsmerkmal ist. Deswegen hat ua. die Zuckerpyramide als Qualitätskriterium ausgedient. Soweit d'accord!

Das daran geknüpfte Beispiel, daß alle großen Weine der Welt als Synonym für ihre Region stehen - zB. die Premiers Crus im Bordelais, Romanée-Conti, Sassicaia & Ornellaia, Mondavi, um nur ein paar davon zu erwähnen - hinkt, da alle diese Weinregionen erst im Schlepptau des Betriebes, sprich der Marke(!) ihren Ruf etabliert haben.
Nun existieren in obigen 3 österreichischen Weinbaugebieten wirklich hervorragende Betriebe, diese aber mit internationalen Größen auf eine Stufe stellen zu wollen, erscheint mir alleine schon aufgrund der Größe (und somit Exportmöglichkeit) unangebracht - auch wenn die Qualitäten dies durchaus verdienen.

Zudem gibt es noch einige weitere Punkte, die das Konzept DAC bzw. seine Umsetzung nicht stringent erscheinen lassen:
  • Der Heimmarkt ist imstande, zwischen den Weinregionen zu unterscheiden und daher ist eine übergeordnete DAC zur Konsumentenorientierung innerhalb von Österreich nicht notwendi
  • Im Gespräch mit den Winzern, die eine nicht unbedeutende Exportquote aufzuweisen haben, ergibt sich ein ähnliches Bild, wenngleich auch aus unterschiedlichen Gründen. Die Importeure verlangen nach "Blaufränkisch" und "Grünem Veltliner", der Betrieb und die Marke ist dabei wichtig, die Region aber bereits hinderlich. Man ist schon froh, wenn das kleine Österreich als Weinbauland permanent in den Köpfen der ausländischen Konsumenten verankert werden kann, da ist für Regionsbezeichnungen kein Spielraum mehr. Also wieder kein Argument für die DAC.
  • Am ehesten glaube ich an den Erfolg der DAC, wenn der der Konsument mit dieser eine entsprechende Stilistik verbinden kann. Dies ist IMHO am ehesten bei den neuen DAC Leithaberg  - das Terroir soll hier mit *mehreren* Rebsorten transportiert werden - und DAC Eisenberg / Südburgenland, in eingeschränktem Maß auch bei der DAC Mittelburgenland (für Blaufränkisch) möglich. Zu abhängig ist aber iA. der Gesckack von der Betriebsphilosophie, zu unterschiedlich die Arbeit der Kostkommision zB. bei den DAC Weinviertel-Weinen.
  • Zudem gibt es jetzt noch mit der Lagenklassifikation der Traditionsweingüter ein (zugegebenermaßen kleines) AlternativParallelsystem. Steht dies für sich alleine? Ist da die Verbindung zur DAC? Ergibt das für den Konsumenten ein homogenes Bild?
Daß es trotzdem eine richtige Entscheidung ist, Krems-, Kamp- und Traisentalweine gemeinsam zu positionieren, liegt allein schon an der Ähnlichkeit der drei Regionen im historischen, kulturellen und geologischen Kontext. Ob die richtige Klammer dafür aber die DAC ist, sei dahingestellt. Zumindest aber ist es ein naheliegender Schritt.

Nachlese zu DAC auch bei Bernhard Fiedler (1|2|3)

Sonntag, 28. Februar 2010

Burgenlandweinpräsentation

Im für diese Veranstaltung bereits bewährten Linzer Designcenter fand am 25.2. die Präsentation der aktuelle burgenländische Weinpalette in Weiß-Rot & Süß zur Verkostung bereit.
65 Weingüter mit im Schnitt 5 Weinen sorgten für die ganze Bandbreite burgenländischer Winzerkunst - ganz klar, daß der Konsument daraus nur einen kleinen Ausschnitt verkosten kann. Am Besucherinteresse gemessen kann dem Abend jedenfalls ein toller Erfolg zugesprochen werden.

Licht und Schatten lagen nahe beieinander - mein Kurzresummée fällt wie folgt aus:
Nichts Großes, dafür viele wirklich gute Weine, aber auch etliches Enttäuschendes, teilweise sogar von renommierten Betrieben - darüber gab es einen klaren Konsens mit vielen Weinfreunden.

Besonders erfreulich war diesmal jedoch, daß ich Winzer und Bloggerkollege Bernhard Fiedler persönlich kenngelernt habe. Jemanden die Hand zu schütteln und mit ihm eine gute Dreiviertelstunde zu plaudern hat doch eine andere Qualität - nicht immer nur Kommentare zu Blogbeiträgen zu verfassen. Und das, obwohl ich Bernhards Beiträge wegen ihrer klar strukturierten Wissensvermittlung für Weininteressierte und klaren Sprache mehr als schätze.

Bernhard Fiedler (rechts) vom Grenzhof Fiedler aus Mörbisch, Burgenland

So hatte ich auch gleich einmal die Möglichkeit, einen Ausschnitt aus der Weinpalette vom Grenzhof Fiedler verkosten zu können und etwas von Bernhards Weinverständnis und -interpretation vermittelt zu bekommen. Allesamt sind sie blitzsauber, zeigen eine feine Frucht und Balance am Gaumen, keine Blender, sondern grundsolides, wohlüberlegtes Winzerhandwerk. Weine, die guten Trinkspaß besitzen und auch leise Zwischentöne zum Hineinhorchen offerieren.
Besonders zugesagt haben mir 2 Weine, einerseits der 2009er Muskat Ottonel, eine traditionsreiche Rebe im Burgenland, vital traubig, sommerlich leicht & beschwingt, trocken, wirkt wegen seine aromatischen Art sehr zugänglich, mit einer harmonische Säurestruktur und zum Zweiten ein vielschichtiger 2006er Cabernet Sauvignon, herrliches Toasting und Röstaromatik, Kaffee, zarte Cassisaromen, fließt mit großer Finesse über die Zunge, eher schlank, reife Gerbstoffstruktur, paprizierend im Nachgeschmack, wirkt noch jung, ist aber bereits mit Genuß zu trinken, Potential!

***
Was gibt es sonst noch zu bemerken?
Schade, daß es keinen gemeinsamen Auftritt der Leithabergwinzer (so wie vor zwei Jahren) gegeben hat. Eine vergebene Chance, die Weine der künftigen DAC Leithaberg (ab Jahrgang 2009) von Anfang an gleich in das richtige Licht zu setzen und Marketing im Vorfeld zu betreiben.
Geschlossener agierten hier die Weinbaukollegen vom Eisenberg, welche zukünftig ebenfalls mit einer eigenen DAC bedacht wurden (ab 2009, Reserve-Weine ab Jahrgang 2008) und zumindestens die Leitbetriebe der Region unter einem gemeinsamen Vermarktungskonzept "Deutsch-Schützener Six-Pack" ihre Blaufränkisch zur Verkostung anboten. Unter dem Slogan „Mit der Kraft der südburgenländischen Erde“ zeigen die Weingüter Kopfensteiner, Krutzler, Schützenhof, Wachter-Wiesler, Wallner und Weber einmal mehr, welches tolles Potential als eigenständige Terroirlage rechtfertigt.

Viele 2007er Rotweine präsentieren sich in toller Verfassung und gerade bei Betrieben, welche eine eher kraftvolle Stilistik pflegen, zeigen sich die Vertreter des Nachfolgejahrgangs oftmals durchwegs balancierter und mit besserem Trinkfluß ausgestattet.

Weine, die ich - und der mich begleitenden Weinfreund Richard Touzimsky - positiv vermerkt haben:
  • ein frisch feiner, traubiger und von Riesling geprägter Frizzante Cuvée 2008 der Sektkellerei Gebrüder Szigeti,
  • ein feiner 2008er Imperial Weiß der Schloßkellerei Halbturn, Finesse, fein verwobenes Holz, wirkt komplett, gute Balance zeigt ebenso der 2006er Koenigsegg Rot, viel Fruchtcharme aus einer Cuvée aus Zweigelt, Blaufränkisch und St. Laurent mit 1/3 neuem Holz, erhaben der 2007er Imperial Rot, noble Bordeaux-Stilistik, mit viel Würze, sehr geschliffen, tolle Harmonie, gute Länge,
  • ein toller, messerscharfer '09er Muskateller vom Weingut Mariell, frisch, mit viel Zitus, glockenklar und blitzsauber, wer braucht da noch einen Südsteirer ;-)
  • Günter Triebaumer zeigt einen diesmal etwas fetteren, nicht ganz durchgegorenen, dafür intensiveren 2009er Furmint, lang, ein versprechen für die Zukunft, ein wiederum toller '09er Sauvignon Blanc, frisch, guter Extrakt im Glas, rot paprizierend, aber nicht vorlaut und ein hochfeiner 2007er Blaufränkisch Reserve, Kaffee und Likör, süßer Fruchtgaumen, gute Säurestruktur, im Dialog mit reifen Gerbstoffen, toller Wein!
  • mit Potential die Faßprobe vom 2008er Blaufränkisch Biiri des Weingut Igler, süße Kirsche, etwas Rumtopf, kräftiges Tannin, derzeit aber auch noch nicht ganz balanciert, gute Anlagen,
  • ein diesmal fast ziviler 2007er Titan vom Weingut Tesch, süße Frucht, Holz, Palisander, gute, feste Struktur zeigend, dabei am Gaumen fast schmeichelnd weich, macht bereits richtig Spaß zu trinken, ein Titan mit Charme :-)
  • seit 2008 neu im Programm beim Weingut Johann Heinrich ist der Alpha, Blaufränkisch trifft hier auf Nebbiolo, der '09er zeigt sich bei feiner rotbeeriger Frucht sehr balanciert am Gaumen, weich, gute Säure, ansprechend schlanker und unkomplizierter Trinkspaß, das pure Gegenteil der hedonistische Blaufränkisch Goldberg Reserve 2007, Würze, viel Struktur, Zwetschke, weich, saftig im Mundgefühl, feuriger Abgang mit guter Länge,
  • Vinum Ferreum, Cuvée Saeculum 2006, Blaufränkisch, Zweigelt und Merlot, würzig, engmaschig und am Gaumen und doch mit Spiel, feiner Dialog von Gerbstoffe und Säure ergeben einen durch & durch spannenden Wein,
  • gelungen ist der 2007er Blaufränkisch Weinberg vom Weingut Kopfensteiner, zeigt Finesse, ist warm im Mund, Säurebalance und Tannin, sehr schön auch der 2007er Blaufränkisch Eisenberg Selektion, fokussiert, weicher Fruchtgaumen, Holz gut integriert, Mineralik im Abgang, fest, terroirbezogen, gute Balance,
  • Weinbau Weber zeigt einen festen '07er Centaurus, kraftvolle Struktur und viele, viele Gerbstoffe, noch etwas bitter hintennach, zuwarten, prachtvoll der 2007er Vinea, eine Cuvée aus Cabernet, Blaufränkisch und Merlot, Kaffee, Mokka, tiefe Struktur, viel Power, vitale Säure, harmonischer als der Centaurus, Charakterwein,
  • superb auch die 2008er Faßprobe des Perwolffs von Reinhold Krutzler, violett, dunkles Fruchtconfit, Schokotouch, mittelgewichtig, wunderbar ausbalanciert, bereits animierender Dialog zwischen Säure und Tannin, zeigt beste Anlagen, wie immer ein toller Stoff!
Nächster Halt bei der Weinviertel DAC-Verkostung in KW9.

Samstag, 1. August 2009

100er-Punktevergabe

Über den Sinn und Unsinn der Weinbeurteilung nach der amerikanischen(sic!) 100-Punkte-Klassifikation sind wohl schon etliche Zeilen verfaßt worden. Wie divergierend darin die Beurteilung oftmals sind, ist mir vor kurzem wieder einmal anhand zweier (mir bekannter) Weine aufgefallen.

Zweigelt Classique 2007 vom Weingut Pöckl, Neusiedlersee
  • Niko Rechenberg (86-88)
  • Peter Moser 91 (falstaff, 2. Grand-Prix-Sieger Zweigelt Grand Prix)
Toni Hartl, Blaufränkisch Leithaberg 2006, Neusiedlersee/Hügelland (einer IMHO besten Weine, die unser Land zu bieten hat)
  • 89 von 100 falstaff Punkten (Peter Moser)
  • 3 von 5 Vinaria Sternen (??)
  • 97 von 100 A la Carte Punkten (Dr. Michael Pronay)
Wie gravierend ist nun das Überschreiten der "magischen", weil werbewirksamen, 90-Punkte-Grenze im ersten Beispiel? Oder ist es nur eine Frage der persönlichen Vorliebe für eine bestimmte Stilistik? Hatte einer von beiden Verkoster einen schlechten Tag? Oder nur der Wein? Oder liegen beide Bewertungen ohnehin innerhalb der "Beurteilungsunschärfe"? Wie hoch die wohl ist? Und wie definiert sich der Unterschied zwischen 89 und 91 Punkten?
Beim zweiten Beispiel, da wird's schon ein wenig heftiger! Von Unschärfe kann bei einer 8-Punkte-Differenz keine Rede mehr sein! Ich nehme an, es liegt schlichtweg am Gefallen bzw. Mißfallen einer bestimmten Weinausprägung.
Und was bringt das für den Endverbraucher? Wo bleibt da bitteschön der Nutzen und vor allem die Nachvollziehbarkeit für die Konsumenten?

Addendum:
Natürlich ist mir bewußt, daß eine unterschiedliche Einschätzung per se keine Korrelation mit dem zugrundeliegenden Beurteilungsschemata aufweist. Aber in einfacheren Systemen - wie zB. mit 5-Sternen - würden unterschiedliche Präferenzen mehr Spielraum bieten, zumal Wein nunmal sehr stark subjektiv und emotional geprägt ist (und alle Versuche ihn objektivierbar zu machen bisher nicht nur eher mäßigen erfolgreich verlaufen sind, sondern dem Thema auch den Großteil seiner Faszination raubt).
Zudem könnte ein grob gerastertes Beurteilungschema die Konsumenten eher dazu bewegen, die (hoffentlich vorhandene) verbale Beschreibung des Weins genauer zu interpretieren. Was dann aber wohl bei den "Punktesammlern & Etikettentrinkern" für Verstimmung sorgen würde.. .

Mittwoch, 27. Mai 2009

Weißes Leithabergduett - 2 x Liegenfeld

Andreas Liegenfeld, einer der 14 Leithaberg-Winzer, Mitglied des Donnerskirchner Weinquartetts und Mr. Veltliner des Burgenlands, vinifiziert eine herrliche Weißweinpalette von Urgesteinsböden in Donnerskirchen, direkt am Fuße des Leithagebirges und in Reichweite des Neusiedlersees. Besonders seine Grünen Veltliner vom Leithaberg haben es in sich!
  • Andreas Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2005, Donnerskirchen, Neusiedlersee-Hügelland, grüngelbe Reflexe, schon die Nase verspricht einen saftigen Trinkgenuß, Exotik umschmeichelt den Gaumen, runder Fruchtcharme, Banane, süffige, harmonische Stilistik, angenehmer Wein, die packende Lagencharakteristik entsteht erst am zweiten Tag, da wird der Wein schlanker am Gaumen, gebündelter, wird dafür im Abgang breiter und auch ein wenig drucklos, die Exotik ist im Vordergrund, kandierte Ananas, Zitrus, in einer Blindprobe wäre das für mich (am ehesten) ein Moselriesling und nie und nimmer ein Grüner Veltliner! Am dritten Tag ein kleiner Hänger, am vierten zum letzten Achterl ist der Wein jedoch wieder voll präsent, dazu ein wenig Vanille, hedonistisch rund, bravo, **/***
  • Andreas Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2007, kräftiges Strohgelb, die reife Stilistik des Grünen Veltliners mit seinen Merkmalen deutlich erkennbar, Apfel, gelbe Früchte, Quitte(nkäse), im Mund recht saftig, herzhaft, wirkt im Mund ein wenig glatt, aber recht harmonisch, es muß ja nicht immer die Komplexität als Trinkspaß definiert sein, um an einem Wein Gefallen zu finden, oder? **/***
Beides sehr schöne Weine, wenngleich auch mit unterschiedlicher Stilistik. Der Preis geht mit € 10 für die gebotene Qualität mehr als in Ordnung.
Einen Bezug zum Jahrgang herzustellen will ich nicht wagen. Zum einen war 2005 in Österreich ein "durchwachsener", also teilweise durchaus schwieriger Jahrgang mit kühlem Sommer, aber tollem Herbst und zum anderen gab es 2007 rund um das Leithagebirge die Ernte(menge) dezimierende Hagelschäden und rund um den Neusiedlersee einen extrem heißen Sommer mit Rekordregenmengen im September.

Montag, 18. Mai 2009

Weinrallye #23 - WeinFrauenPower

Gastgeber ist diesmal Iris vom Weingut Lisson und sie hat sich zum Thema ein längst überfälliges, nämlich "Winzerinnen-Wein" ausgesucht.

Ein älterer, teilweise amüsanter, aber streckenweise auch stereotyper Artikel zum Thema "Winzerinnen (in A)" gibt es im Forum TAW nachzulesen.

(Österreichische) Winzerinnen, die mir spontan einfallen:
Maria Kerschbaum, Judith Beck, Birgit Braunstein, Birgit Eichinger (deren Konterfei hier stellvertretend für alle Winzerinnen abgebildet ist), Silvia Heinrich-Kaynak, Ilse Maier (Geyerhof), Petra Unger, Silvia Prieler, Heidi Schröck, Marion Ebner-Ebenauer, Inga Funke (Graf Hardegg) uvam.
Auch international befinden sich noch die eine oder andere Flasche in meinem Keller, welche die Handschrift von Winzerinnen tragen, so zB. von Eva Clüsserath, Elisabetta Foradori, Elena Walch, Emanuela Stucchi (Badia a Coltibuono), Serena Bonacossi (Capezzana), Barbara Widmer-Kronenberg (Brancaia), Caroll Duval-Leroy, Catherine Maisonneuve, Maria-José López de Heredia, Filipa Pato und Sandra Tavares da Silva aus Portugal.
Viele davon finden sich auch in Rolf Kleins Buch "WEINFRAUEN - Die besten Winzerinnen und ihre Weine" wieder.

Diese Namen sind ja nur die Spitze eines Berges und daher ließe sich die Liste lange weiterführen. Alles Zeugnis dafür, daß Frauen im Weinbusiness längst mit ihren Spitzenprodukten etabliert sind. Auch Weinvereine von Frauen fallen mir zwei ein, die schwarzen Katzen und natürlich jener der 11 Frauen und ihrer Weine!

Auch wenn ich persönlich niemals aktiv zwischen Wein aus Frauen- oder Männerhand unterschieden habe und schon gar nicht der Ansicht bin, daß sich anhand der Weinstilistik das Gender eruieren läßt, so kann ich doch für mich festhalten, daß es sich mit Winzerinnen oftmals leichter, weil nicht immer tierisch ernst, über den Wein fachsimplen läßt. Auf die Fachkompetenz habe ich dabei aber noch nie verzichten müssen. Diese ist ohnehin anhand des für die Konsumenten einzig überzeugenden Merkmals - der Produktqualität - leicht nachvollziehbar.

Und zum Thema "Sex sells" - und das gilt natürlich auch für Wein - fällt mir immer zuerst ein sonnengebräunter Hühne aus Jois ein - und keine Frau ;-)

Eigentlich wollte ich ja einen Wein der Carnuntumer Winzerin Birgit Wiederstein vorstellen, doch da ich von dieser nur Rotweine besitze und es mich zur Spargelzeit gerade nach Weißburgunder gelüstet - einer so unterschätzten und derzeit etwas vergessenen Rebsorte - habe ich kurzerhand umdisponiert.

Und so gibt's statt dessen einen wundervollen Weißen von einer meiner Lieblingsregionen, dem Leithaberg.
Passend zur Weinrallye zeichnete das Weinmagazin falstaff die Familie Prieler zum "Winzer des Jahres" aus und damit auch die promovierte Mikrobiologin Silvia Prieler - Gratulation!

Kleiner Auszug aus der Homepage der Familie Prieler:
"Das Leithagebirge, von den Einheimischen „Leithaberg“ genannt, ist der letzte Ausläufer der Alpen vor ihrem Übergang in die pannonische Tiefebene. Etwa 400 Meter hoch, 5-7 Kilometer breit und 35 Kilometer lang zieht sich das Massiv von Nordost nach Südwest. Es stellt also ein sehr eigenständiges Terroir dar, dessen Besonderheiten herauszuarbeiten, eine Gruppe von 15 Winzern sich zum Ziel gesetzt hat. Der Boden des Leithabergs ist geprägt vom Schiefer und Muschelkalk. Daraus ergeben sich Weine, die nicht üppig und mächtig sind, sondern mineralisch-geprägt, tiefgründig, engmaschig und spannungsgeladen."


Weingut Prieler, Leithaberg Weiß(burgunder) 2006, Neusiedlersee-Hügelland, klares Strohgelb, bereits die Nase ist herrlich straff, keine der bei Weißburgunder oftmals so typischen Aromen wie Haselnuß, Brioche, Biskuitt, Brot oder aber auch Nuß sind anzutreffen, dagegen herrscht eine gebündelte Mineralik, wie ich nicht viele Weine in dieser Art kenne, hell, klar und vibrierend, Apfel, Noten von sauren Drops, Würze, im Mund setzt sich diese Stilistik dann fort, wirkt wiederum fokussiert am Gaumen, mittelgewichtiger, straffer und engmaschiger, leicht salziger Ausklang, aber nicht ohne Spiel und feine Fruchtsüsse, prachtvolle Säurestruktur, ein toller Wein, die Rebsorte Weißburgunder als perfekte Botschafterin des Leithaberg-Terroirs mit Lagencharakter, **(*)/***

Bildquellennachweis: Homepage Eichinger

Samstag, 7. März 2009

3 x Leithaberg in Rot

Auszug aus dem Webauftritt der 14 Leithaberg-Winzer:

"..Philosophie .. unverwechselbar und regionaltypisch .. aus heimischen Rebsorten .. Natur- statt Reinzuchthefen .. Balance .. Charakter .. Mineralik .. Weine zum Entdecken und Nachdenken, mineralisch und dicht, hintergründig und langlebig - Weine, die sich immer noch weiterentwickeln und dabei ihrem Terroir treu bleiben."

Das hört sich doch gut an und entspricht genau meiner Vorstellung von heimischem Wein. Bisher konnten mich aber immer in erster Linie die weißen Vetreter vom Leithaberg begeistern, die - zugegebenermaßen jungen - Rotweine waren meisterns dünn, hart und von der Säure geprägt.
Nach ein paar Jahren der Reife ist es erneut an der Zeit meinen initialen Eindruck anhand zweier Flaschen zu hinterfragen!

Toni Hartl, Blaufränkisch Leithaberg Rot 2004, beginnende Reife, aber mit dunklem & kräftigem Kern, süße Brombeerenfucht, wundervoll komplexe und tiefgründige Würze, volle Nase, am Gaumen satt, strukturiert, aber nicht aufdringlich, mit guter Säurestruktur, feine Gerbstoffe, in Summe aber nicht ganz harmonisch, eine gewisse bordelaise Affinität nicht abzusprechen, das ist die zukunftsweisende Stilistik für die österreichischen Roten, **/***

Nittnaus, Leithaberg 2004, Neusiedlersee, strahlend klare Farbe, noch eher im Purpur, freundlich offen, Kirscharomen, dahinter ein wenig Milchschokolade, Kirschbrandy, fokussierter als der Hartl, minerlische Anklänge erkennbar, am Gaumen deutlich schlanker, mehr von der Säure geprägt, burgundischer, zeigt aber auch harte, trockene Gerbstoffe im Abgang, welche mit der trockenen Stilistik meines Erachtens (derzeit) keine rechte Harmonie bilden, *(*)/***



Und zur Verifikation des durchaus positiven Eindrucks noch gleich einen Vertreter des Nachfolgejahrgangs..

Toni Hartl, Blaufränkisch Leithaberg Rot 2005, braucht viel Luft um sich von seiner anfänglichen sperrigen Art zu verabschieden, dann aber sehr feinziselierte Himbeeraromatik mit viel Frucht, Wärme durchströmt meinen Riechkolben mit einer süße Würzigkeit, offenbart herrliche mineralische Noten, mittelgewichtig, mit fester Struktur am Gaumen, harmonische Säure, gute Würzigkeit im langen Abgang, viel kühler als der 05er, den dieser mühelos distanziert, rundherum ein herrlicher Wein mit burgundischer Tiefe und feinem Spannungsbogen, der aber Zeit von seinem Trinker einfordert, sich mit ihm auseinanderzusetzen, toller Stoff, besser kann Blaufränkisch nicht sein, ergo ziehe ich die Höchstnote! ***/***

Ich bin mehr als positiv überrascht! Wiederum bewähren sich zwei alte (Wein)Wahrheiten:
  1. (Fast) Jede Flasche verdient eine zweite Chance
  2. Weineindrücke sind nur Momentaufnahmen
Und ohnedies sollte wir alle regelmäßig unsere manifestierten Ansichten gründlich hinterfragen, am besten mit einem herrlichen Glas vom Leithaberg ;-)

Sonntag, 1. März 2009

Februarweine

Nun, diesen Monat hab' ich mich einfach dem hedonistischen Trinkspaß hingegeben ohne groß Notizen der Weine zu machen.
Das war richtiggehend angenehm, kann doch die - zugegebenermaßen selbst auferlegte - Aufzeichnungspflicht manchmal ganz schön anstrengen!
Nachfolgende kurze Zusammenfassung also aus meinem Gedächtnis rekapituliert:
  • Lapostolle Marnier, Merlot 2006, Chile, üppige Fruchtaromatik, viel Würze zeigend und doch mit einer inneren, geschliffenen Struktur behaftet, schöne, fast nervige Säure und trotzdem, obwohl nicht merklich, mit 14.5 % Vol. ein Alkoholmonster, das sich auch am nächsten Tag noch in meinem Kopf quicklebendig gezeigt hat :( *(*)/***
  • Maglock-Nagel, Grüner Veltliner Gaisberg 2006, Kamptal, Herr Maglock, ein Verfechter der reinzuchthefe erzeugt prima frische Weine, die aber jung getrunken am Meisten Spaß vermitteln. Dieses Exemplar macht aus seiner Veltlinerserie bisher den größten Spaß, viel Trinkfluß, sauber, die typische Veltlinerwürze, feiner Jausenbegleiter, *(*)/***
  • Bernhard Ott, Grüner Veltliner "Der Ott 2007", Wagram, kräftig in der Farbe, verrät aber seine Jugend noch durch einen grünen Farbreflex, expressive Nase, helle, leicht süßliche Ankläne vermischen sich mit voller Würze, bereits super zu trinken, am Gaumen voll, schon gute Balance zeigend, ein sicherer Griff mit viel Potential für die nächsten Jahre, **/***
  • Weingut Prieler, Weißburgunder Leithaberg Weiß 2006, Neusiedlersee-Hügelland, ein harmonisches, komplexes Gebilde, nicht mehr ganz diese messerscharfe Brillianz des Vorjahres zeigend, dafür großem Trinkspaß auf hohem Niveau und feiner Struktur zeigend, gute Balance, feine Mineralik und genug Leben für die nächsten Jahre **/***
  • Josef Pöckl, Zweigelt Classique 2005, Neusiedlerse, kirschfruchtig, Mon-Cheri-Noten, attraktive Nase, mittelgewichtig, viel Säure und eine ordentliche Portion Tannin im Abgang, leichtes Bitterl, eine komplett andere Zweigelt-Stilistik, der ich persönlich - obwohl nachvollziehbar gut gemacht - nicht viel abgewinnen kann, zu gewollt, zu erzwungen, ohne wirklichen Trinkfluß, die mögliche Leichtigkeit eines deartigen Weins zugunsten einer seriösen Maskierung vermissend! */***
  • Weingut Heinrich Lunzer, Pinot Noir 2003, Neusiedlersee, viel attraktive Frucht, naturgemäß des Jahrgangs wegen eher ein kräftigerer Vertreter mit fester Struktur und Gerbstoffen, gekonnter Holzeinsatz, kein wirklich klassischer Pinot, eher die österreichische Interpretation, läßt sich aber mit viel Spaß und Genuß trinken, da die Noblesse der Rebsorte den Wein vor üppigen oder gar überreifen Noten bewahrt, feine Begleitung zum Lammragout mit Kapern, schwarzen Oliven und Schafskäse, *(*)-**/***
  • Weingut Gager, Q2 2005, Mittelburgenland, eine Cuvée aus Zweigelt & Rösler, nach einer Flasche Pannobile 2003 vom Heinrich, der mit seiner kräftigen und balancierten Fruchtsüsse punktete, hatte es der Q2 mit einer Herbheit nicht allzuleicht. Straff, aber alles fein im Lot, ist der Rösler dem Wein doch deutlich anzumerken, viel dunkle Beeren, für den Preis von € 10 ein fairer Weinwert, nettes Etikett, *(*)/***

Sonntag, 2. November 2008

Weine im Oktober

  • Schreckbichl Chardonnay Cornell 2002, Südtirol, eine Flasche mit Sonderrabatt, leider zu lange in der "Supermark-Sonne", wirkt Sherry-artig, nussig, oxidativ, vorbei :(
  • Leopold Aumann, Merlot vom Harterberg 2003, Thermenregion, dunkle Robe, noch jugendlich, fast purpur, hochfeine Aromatik in der Nase, intensiv, alle Schattierungen von Kaffearomen, von (Kaffee)Röstung bis (Kaffee)Likör, dann balsamische Noten, teerig, am Gaumen herrlich korrespondierend, wird wiederum von viel Kaffearomatik getragen, alles wundervoll balanciert, dabei fest und fokussiert, keine Spur von Breite oder Überreife, trotzdem feine Früchtsüße, im langen Abgang von feiner Säure getragen, ein Österreicher nach Bordelaiser Vorbild, gibt einem perfekten Pirat für eine Bordeaux-Verkostung ab, pipifeiner Stoff, macht einfach nur Spaß, wirkt juvenil mit viel Potential für die Zukunft, am Tag 2 ergibt sich ein anderes Bild, die balsamische Note dominiert den Wein, dieser wirkt nun deutlich herber, ein wenig Rumtopf, seinen Charme hat der Wein abgelegt, **-**(*)/***
  • Johann Gisperg, Terroir de Pierre 2005, Thermenregion, purpur mit scharzem Kern, herrlich tiefe, runde und würzige Nase, anfangs Tinte, dann Amarenakirsche, Dörrobst und Nougataromen, zart (positiv) alkoholisch, am Gaumen subtile Balance zwischen Fülle, Würze und Geschmeidigkeit, saftig und süffig, die Gerbstoffe tragen den Wein im ersten Schluck in die Harmonie, welche mit feiner Säure am Gaumen ausklingt, kein großer & komplexer Wein, aber easy to drink mit hohem Anspruch, mir taugt der Wein, bravo, wieder ein 2005 Weinwunder, **-**(*)/***
  • Kummer-Schuster, Zweigelt Alte Reben 2006, Neusiedlersee, falstaff Zweigelt Cup Gewinner 2007, dunkles Purpur, das dreiviertel Jahr Reife seit meiner letzten Verkostung hat dem Wein geschmacklich gut getan, runde Nase, Weichsel und Vanille, mit Struktur und Biß am Gaumen, feine Gerbstoffe, wirkt sehr balanciert, im Abgang mit herber Grundnote, sehr gut gemachter, allerdings auch ein bißchen beliebiger Wein, *(*)-**/***
  • Weingut Schloss Fels, Gewürztraminer vom Rohrendorfer Berg 2006, Kremstal, Salonwein 2007, Schloss Fels, seit 1986 im Besitz der Spar AG und somit Haus & Hoflieferant einer breiten Palette von billigen Supermarktweinen, schönes Strohgelb, prasentiert sich mit parfumierter Nase, Rosenton gut erkennbar, sehr sortentypisch, am Gaumen cremig rund, die Reststüsse mit ansprechender Säure fein gepuffert, überaus angenehmer und süffiger Trinkspaß um wenig Geld (€ 7), wenngleich dieser Wein auch nicht ganz die feinziselierte Art der Vertreter aus Klöch erreicht, *(*)/***
  • Weingut Jägle, Spätburgunder 2005, Baden, brilliant leuchtendes Bordeauxrot (!), sehr angenehme Burgundernase, harmonisch, sehr weinig, ein wenig Würze, am Gaumen rund, vom Barrique geschliffen, gute Struktur, schöbe Säure im Finish, dieser Wein macht eigentlich alles richtig, sehr balanciert, fein, schon der Riesling aus dem gleichen Haus wusste zu gefallen, *(*)-**/***
  • Aalto 2001, Ribero del Duero, Spanien, undurchsichtiger Kern, Reife am Rand aber bereits erkennbar, überschwengliche Fülle und Aromatik, Brombeere, viel Schokolade, viel Fruchtsüsse, aber auch viel Säure als Pedant und reife Gerbstoffe, wirkt trotzdem etwas breit im Abgang, übrig bleibt etwas marmeladiges und die Tannine bleiben im Mund kleben, bin mir aber sicher, das es etliche Liebhaber dieser Stilistik gibt, wirkt fast wie ein Supertuscan, erst am zweiten Tag emanzipiert sich dieser Wein zu mehr Balance, zu feiner Harmonie, zu weniger Süsse und mehr Säure, zu grazileren Noten, nicht aber ohne eine feste Struktur mit guten Gerbstoffen zu zeigen, gut so! *(*)-**/***
  • Juvé y Camps, Cava Reserva de la Familia 2001, Sant Saturnia, wenig Perlage, wachsig, Honig, Reifetöne, einem großen Chenein Blanc nicht unähnlich, herrliche diffizil, am Gaumen knochentrocken, noch genügend Vitalität durch C02, fast wünscht ich mir ein wenig Dosage - das Ding hat sicherlich zero! **/***
  • Hans & Anita Nittnaus, Leithaberg Weiß Chardonnay Joiser Freudshofer 2005, Neusiedlersee, sehr fein, braucht viel Wärme, feinziseliert, gelbe Früchte, Mineralik, am Gaumen schlank, alles vom Kalkgebirge, sehr ungewöhnlich für Chardonnay, läßt mich insgesamt eher ratlos zurück, denn es fehlt die Fokussiertheit, der Druck und auch die Säure wirkt eher flach, wenngleich auch alles eigentlich ganz proportioniert ist, kann aber über drei Tage nicht wirklich zulegen, das alles ergibt unter Berücksichtigung des Preisaspekts (€ 15) höchstens */***, der 2006er war bei seiner Verkostung im Frühling ein, nein, der faszinierendste Weißwein!

Samstag, 3. Mai 2008

Burgendland in Weiß.Rot.Süß

Die Präsentation ausgewählter Weine des Burgenlands im Linzer Design Center liegt ja jetzt schon ein paar Tage zurück. Ich konzentriere mich in meiner Zusammenfassung auf jene Weine (in zufälliger Reihenfolge), die mir positiv in Erinnerung geblieben sind.
  • Als Einstieg der Muskat Ottonell Sekt 2006 von der Sektkellerei Szigeti, gute Muskataromatik, viel Volumen, aber auch CO2,
  • Günter Triebaumer, Rust, ein herrlicher Furmit 2007, eine leider viel zu unbekannte und unterstätze Rebsorte (im trockenen Ausbau!), Heu, Blumenwiese, Äpel, vielschichtig & mit wundervoller Säure, ein Winner ebenso der Muskateller, steirische Stilistik, viel Zitrus, knochentrocken, gelungen & macht Spaß (meinte auch kürzlich die Zeitschrift vinaria),
  • Merlot Schneiderteil 2005, Esterhazy Wein, viel Frucht, gute Struktur und Trinkanimo, auch der Estoras 2006, eine Cuvée aus 2/3 Blaufränkisch und Cabernet zeigte sich fruchtbetont, hatte Charme, aber auch viel Tannin, etwas austrocknend hintennach,
  • Weingut Feiler-Artinger, fruchtig-süß der Blaufränkisch 2006, mit weichem Tannin, macht Spaß, ebenso der röstige Cabernet Sauvignon 2005, feste Struktur gepaart mit feiner Säure, harmonisch & gut,
  • die Weißen aus der 2006er-Serie der Leithaberg-Winzer waren für mich die überzeugensten Weine - eine durchgehend feine Serie (annähernd) aller beteiligten Betriebe. Nirgendswo in Österreich gibt es derzeit soviel gebündeltes Terroir. Interessant war's die Silistikunterschiede der Chardonnay und Grüne Veltliner-Weine auf unterschiedlichem Boden (Urgesteinsböden - Kalk, Schiefer) zu erkosten. Bester Vertreter für mich war der Chardonnay von Hans Nittnaus, extreme Mineralik, sehr lebendig, perfekt balanciert mit dem richtigen Säurebiß, ein sehr, sehr guter Wein, ebenso der vom Weißburgunder LeithabergWeingut Prieler, Mineralik, Feuerstein, feine Blance, nervige Struktur, fast ähnlich der Grüne Veltliner vom Weingut Sommer in Donnerskirchen, gut auch die Vertreter vom Weingut Nehrer in St. Georgen, Erbhof Bayer in Donnerskirchen, Birgit Braunstein aus Purbach, eher internationale Stilistik mit gut eingebundenem Holz, ebenso der etwas lebendigere Leithaberg Weiß des Weingut Gmeiner aus Purbach (alle Chardonnay), die Cuvée aus Weißurgunder & Neuburger(!) vom Weingut Tinhof und Toni Hartls Cuvée aus Chardonnay und Grünem Veltliner in einer bemerkenswerten Harmonie, die Vorzüge beider Sorten vereinend.
    Von den roten Leithabergweinen konnte mich keiner so wirklich überzegen, zu karg & schlank sind manche Weine, unbalanciert mit überprportional viel Tannin, gesamtheitlich gesehen zu unheitlich die Stilistik, viele (derzeit) ohne Balance, akzeptabel die Weine der Weingüter Mariell, Hartl & (na klar :-) Nittnaus.
  • Weingut Strehn, Deutschkreutz, ein feiner Blaufränkisch Joseph 2005, erdig & dunkelwürzig, engmaschig & mineralisch
  • im guten Mittelfeld waren die Weine von Weniger, Frau Weninger wirkte zum Schluß der Veranstaltung sehr müde, am Besten gefiel mir der Pinot Noir Kalkofen 2005, sehr sortentypisch und mit guter Länge,
  • sehr fein - wie immer - präsentierten sich auch die Weine quer durch die Bank vom Weingut Giefing in Rust, Notizen bereits am PlusCity-Festival gepostet,
  • und als guter Abschluß ein mit viel Holz und kräftiger Struktur versehener Blaufränkisch Juwel 2004 von einem verwaisten Stand des Rotweinguts Prickler in Lutzmannsburg, zu Recht im Salon 2007 und mit viel Potential.
Resumierend vermerke ich , daß mich viele rote Weine nicht überzeugen konnten und angesichts der Preisschilder der Weine frag' ich mich schon, woher die Winzer die Chuzpe nehmen, so an der Preisschraube zu drehen. Einigen Konsumenten fehlt anscheinend der internationale Vergleich, denn sonst würden sie ihr Geldbörsel desöfteren im Hosensack belassen. Erwähnenswert aber auch, daß genügend burgenländische Weingüter existieren, die gute Weine zu sehr fairen Preisen vertreiben.

Somit sollte die Überschrift des Blogeintrags eigentlich folgendermaßen lauten:

Weiß ja! rot schwierig und süß - leider aus ;-)

Montag, 1. Oktober 2007

Weinmomente im September

  • Chateau Roquefort "Les Genets" 2005, Blanc de Provence, aus der Provence habe ich schon so fabelhafte Weisse getrunken, wild in den Aromen, ungestüm und ehrlich und dabei immer zugänglich. Diese Flasche aus den Rebsorten Clairette und Ribolle zeigt sehr verhalten, ein bißchen Heublumen, aber keine Kräuterwürze, auch keine Ungestümheit und kein saftiger Abgang, dafür eine dem österreichischen Gaumen adequate (?), fast forsch wirkende Säure. Ein Sommerterrassenwein für die Nachmittagshitze, nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut, */***
  • Setzer, Grüner Veltliner "8000" 2004, Weinviertel, jugendliche Farbe,helle Nase, Honigaromen, reif, aber fokussiert, zeigt sich sehr harmonisch, internationale Stilistik (soll heißen: sehr balanciert bzgl. Säure - wahrscheinlich hat da aber der Kunstoffkorken seiniges dazu beigetragen), sehr guter Trinkfluß, macht (trotzdem? bzw. noch immer!) herrlichen Spaß, **/***.
  • Josef Tesch, Blaufränkisch DAC Hochberg 2005, Mittelburgenland, hat mir im Frühling sehr gut gefallen, enthält dieses Jahr auch das Selektionsmaterial des Titan, dunkelwürzig, Himbeere, streng am Gaumen, Säure, derzeit ziemlich ernst, ja verschlossen, läßt sein Potential nur erahnen, braucht viel Luft, zeigt sich am zweiten Tag erstmals zugänglicher, viel Struktur, ein Potentialwein, denn Tesch-Weine sind niemals frühe Blender, derzeit *(*)/***
  • Adam-Lieleg, Welschriesling Classic 2005, Südsteiermark, attraktive, für einen Welsch ziemlich expressive Nase, grüne Äpfel, viel Extrakt, bewundernswerte Säurestruktur, knochentrocken, trinkanimierend und trotzdem nicht so fordernd, wer sagt da noch, daß solche Weine nicht auch im zweiten Jahr nach der Lese noch Spaß machen? **/***
  • Maglock-Nagel, Grüner Veltliner Gaisberg 2006, Kamptal, faszinierende und hochfeine Nase, minütlich sich ändernde Aomatik, cremig und dicht, leichte mineralische Noten, jeden Tag neue Facetten zeigend, dabei auch immer blitzsauber und animierend, für €5 ein wahres Schnäppchen, **(*)/***
  • Holger Koch, Grauburgunder 2006 "Edition Holzfass", Baaden, anfangs sehr reduktiv, Zitrusnoten, blitzsauber, niemals hätte ich diesen Wein der Gruppe "spontan vergoren" zugerechnet, braucht ein wenig Luft, das Gegenteil eines klassischen (= schweren) Grauburgunders, aber auch des Graupert vom Weingut Michelits, *(*)/***
  • Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2006, Carnuntum, kräftige, aber hochfeine Röstung, dunkelfruchtig, Teeanklänge, Kaffeearomen, für Nasentrinker, trinkt sich fast leichtfüssig, dabei mit Hilfe der richtigen Dosis reifer Tannine gute Struktur zeigend, zeigt sich in seiner Reife harmonisch rund und weich, ein Glas ist nicht genug, seit Jahren ein fixer Tipp und ein herrlich gemachter Wein, der seine Qualität aber nur am ersten Tag voll ausspielte, **/***
  • Laurenz V Moser, Friendly Grüner Veltliner 2006, Kamptal, der von Fred Loimer vinifizierte Wein mach seinem Namen alle Ehre, denn dieser Wein ist wirklich freundlich (zu trinken) und eher in internatilionaler Stilistik mit noble Säurestruktur gehalten, hübsche Fruchtnase, welche bei allen sofort Anklang findet, kein (wie soft in 2006) fetter Wein, sondern einer mit Finesse, besitzt Charme, bravo, **/*** (€10)
  • Krutzler, Blaufränkisch Weinberg 2000, Südburgenland, eine herrlich vielschichtige Weintrinkernase mit mineralischen Noten, terroirbetont, ein wenig Zedernholz, balsamische Anklängen, mittelgewichtig, aber fein strukturiert, noch immer sehr schöne Fruchtsüsse, in Summe aber nicht ganz homogen, ist gut gereift, sollte getrunken werden, *(*)/***
  • Weixelbaum, Sauvignon Blanc Wahre Werte 2003, Kamptal, schon die Nase kündigt einen Kraftlackl an, anfangs nicht sehr sortentypisch, Grappa-Nase, ein wenig Holler, gelbe Früchte, zeigt sich fest strukturiert, mit viel Schmelz, Abgang könnte länger sein, für Freunde, die's im Glas gerne krachen lassen, wird in ein paar Jahren aber Top dastehen (so wie schon der 2000er auch), *(*)/***
  • Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2005, Neusiedlersee-Hügelland, GV aus dem Burgenland, das hat schon was ketzerisches, oder? Nicht aber in Donnerskirchen, denn dort hat die Sorte quasi ihr burgenländisches zuhause. Sehr subtile Aromatik, zarte Würznoten, hinten etwas Zitrus, nervig und straff, rinnt so herrlich fokussiert über die Zunge, wieder Zitrus im Abgang, minerlischer Typus, vom Schiefer geprägt, ja, gefällt mir gut, wie überhaupt das ganze Leithabergprojekt, wünsch mir aber noch das Quentchen mehr "Extra" in diesem Wein, vielleicht kommt's ja noch? Erstmals **/***.

Sonntag, 1. April 2007

Burgenland im Design Center Linz...

...war eine sehr angenehme Athmosphäre, der Teppich dämpft die Geräuschkulisse, der Andrang hielt sich in Grenzen, auskunftsfreudige, entspannte WinzerInnen und einige gute Weine wie
  • Szigeti Sektkellerei, solide Qualität, sehr gut gefallen hat mir die Cuvee Prestige Brut 2005, seriöser Stoff, Champagnernase, sehr cremig am Gaumen,
  • Meinklang, Pamhagen, ein hervorragender Grüner Veltliner mit Würze und ein Grauburgunder Graupert, beide sehr stimmig von der Nase bis zum Abgang, "fließen", mit homogenen Trinkfluß, ja, das macht biodynamischen Weinbau sympthatisch, ebenfalls ein wunderschöner Rösler Prädikatswein, schöne Triologie von Süße, Gerbstoffe und Säure.
  • Erbhof Bayer, Donnerskirchen, ein guter Sauvignon Blanc Verum, nicht so vorlaut und nicht wirklich sortentypisch, aber gut mit schöner Würze, ein wundervoller Chardonnay Verum, hat alles, Exotik in der Nase, am Gaumen kühl, mit Struktur und Säure, ebenso der GV vom Leithaberg, extreme Reife, Mineralik, herrlich feinziselierte Säure, wunderschön,
  • Liegenfeld, Donnerskirchen, ein angenehm trinkanmierender GV Classic, leichtes Eiszuckerl, aber nicht unangenehm, bereits rund und dicht, Chardonnay Hofsatz, sehr Exotik, steirischer Typus, lebendig, aus einem Guß, GV Leithaberg, Reife, öffnet sich mit viel Luft, sehr "weicher" Wein, nicht ganz das Niveau vom Bayer,
  • Schönberger, Mörbisch, eine wundervolle weiße Serie, Homogenität pur, macht Spaß von vorne bis hinten - Burgenland Weiß, ein sortentypischer Pinot Blanc mit Biskuittanklängen, ein ziemlich intensiver, grasiger Sauvignon, Brennesselnoten, schlußendlich eine refe Herbstcuvee, das Holz bereits gut integriert, fließend, auch jetzt schon mit viel Freude zu genießen,
  • Schandl, Rust, ein herrlich zitrusfruchtiger Furmint, pipifein erfrischend, so locker und trinkfreudig habe ich Furmint noch nie erlebt, eine unbedingte Empfehlung,
  • Feiler-Artinger, Cuvee "1010" 2004, dunke Würze, vielschichtig, am Gaumen gut strukturiert, gute Gerbstoffe, schöner Wein,
  • DAC Mittelburgenland, Blaufränkischland, sehr gut gefallen hat mir der DAC Hochberg 2005 von Josef Tesch, frucht und Reife in Harmonie, guter Körper, ebenso vom Weingut Hundsdorfer der 2003er Blaufränkisch Barrique, hochfeine, röstige Nase, überschwengliche Fruchtsüße am Gaumen, langer Abgang, à point.
Die Roten - bis auf obige Ausnahmen - waren durchwegs entäuschend, die beiden verkosteten Weine vom Leithaberg ebenso (einer eindimensional, keine hatte die erhoffte Mineralik, der andere eher ein Leichtgewicht), ebso die holzbetonten und viel zu breiten Cuvees von Schindler, auch an Schönbergers Weine fand mein Gaumen keine Freude, zu hell, zu fruchtig, sanft am Gaumen trotz der merklichen Gerbstoffe, aber irgendwie können sich die Weine nicht entscheiden, was sie darstellen wollen, kräftig und strukuriert oder doch fruchtig weich und die Mitte fehlt mir am Gaumen komplett. Ibys Chevalier 2004 war hart, schlank und mit viel Säure - vielleicht aber auch nur gerade verschlossen.