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Samstag, 14. März 2009

Empfehlenswerte 2005er

Kleine Verkostungsrunde zum Thema "Jahrhundertjahrgang 2005" mit 24 Weinen.
Bisher habe schon ein paar tolle Weine aus diesem Jahrgang verkosten können - nicht nur aus Bordeaux! - auch auf ein paar meiner Postings verteilt nachzulesen!

Eine Auswahl von ein paar grandiosen Weinen möchte ich kurz vorstellen, weil diese erstens größenteil noch erhältlich sind und IMHO neben Authentizität und einer individueller Stilistik auch ein (an der dargebotenen Qualität gemessens) vergnügliches Preis-/ Leistungsverhältnis aufzuweisen haben.
  • Bründlmayer Brut 2005, Kamptal, Österreich, brotig & hefig, Biskuit, cremig & dicht, schöne Noten vom großen Holzfass, sehr gute Qualität, **/***, €20
  • Holger Koch, Weißburgunder *** 2005, Baden, Deutschland, leuchtendes Stroh, strömende, klare Aromatik, gelbe Früchte, Würze, dicht, balanciert, stringenter Wein, prachtvoller Sortenvertreter, **/***, €19
  • Marjan Simcic, Sauvignon Blanc Reserve, Goriska Brda, Slowenien, ein spezielles Exemplar für all jene, die dieser Rebsorte einmal in einer anderen Schattierung erleben möchten, natürlich spuntanvergorgen und 18 Monate auf der Hefe, goldgelb, üppige Nase, extreme Reife, grasige und paprizierende Noten, Cassis, aber alles ohne jegliche Art von Primärfruchtigkeit, mundfüllend, am Gaumen findet sich eine wunderbare Harmonie, komplex & seriös, ein großer Individualist, **-**(*)/***, €19
  • Domaine Lombard, Brézème Eugene de Monicault 2005, Cotes du Rhone, Frankreich, jung, violett. Schoko- & Kaffeenoten, rotbeerig, balanciert, herrlich ausgereifte Tanninstruktur, würzig und kühl, dicht, wirkt sehr kompakt, so soll - nein so muß! - Syrah von der Rhone schmecken, **/***, €20
  • Quivira, Petite Sirah 2005, Dry Creek Valley, Sonoma, USA, dunkelstes Purpur mit einer unglaublichen Würze, lebhaft, gefangen im spannungsgeladenen Dialog zwischen Gerbstoffen und einer kräftigen Säurestruktur, extrem reif, dabei kühl und konzentriert wirkend, eine echte Überraschung aus jenem Land, das noch immer mit fetten Alkohlbomben assoziiert wird, spannend! **(*)/***, €23
  • Bouvet Ladubay, Instinct Brut 2005 (Chenin Blanc), Samur, Loire, Frankreich, Hefe- & Blütenaromatik, so wunderbar cremig und dicht, da braucht's keinen Champagner, nur in der Magnum erhältlich und daher ein sehr gutes Alterungs- & Reifepotential aufweisend, wie mein 98er Exemplar zur 10. Weinrallye bewiesen hat, **/***, €32
  • Domaine Huet, Chenin Blanc, Clos du Bourg Moelleux Premiere Trie 2005, Vouvray, Loire, Frankreich, ein perfekter Süßwein mit etwas über 60g Restzucker / l, golden im Glas, prachtvolle Nase, komplex, vielschichtig, mineralisch, strömt so richtig durch meinen Riechkolben, ein Traum von Wein, das ist Chenin Blanc vom Allerfeinsten, eine Offenbarung, ein Hochgenuß, meinen allergrößten Respekt vor der Vinifikation der Weine bei der Domaine Huet, **(*)/***, €42
    Verkostungsnotitz des trockenen Clos de Bourg
  • Bergquist / Moreira, Passagem 2005, Douro, Portugal, jung, violett, dicht, süß-saure Aromen, Würzigkeit, Zimt, viel reifes Tannin, gehaltvoll, pures Mundgefühl, hormonisch, lange, großes Potential, die machen einfach Spaß, die Weine von Jorge Moreira aus den Spielarten der Touriga-Traube, **(*)/***, €18

Samstag, 16. Februar 2008

American Dreams, Part Two

Hier geht's zum ersten Teil.
  • Gestartet wurde mit einem Sekt von Gloria Ferrer aus Carneros, Sonoma Brut, frisch, hefig, brotige Noten, geröstete Haselnüsse, sehr perlend, schlank und sauber, €19.
  • Schug Winery, Chardonnay 2005, Carneros, klassische Chardonnaynase, sehr angenehmes Toasting, fast kühl, am Gaumen, dann noch nicht ganz rund, aber viel Potential zeigend, ziemlich langer Abgang, wunderschönes Exemplar, *(*)-**/***, €22
  • Laurel Glen, Reds 2005, Sonoma, eine Cuvee aus sehr, sehr alten Reben, vornehmlich Zin, Syrah & Carignan aus Lodi, Blauviolett, erstaunlich dicht, herrlicher Nasenwein, spicy, Rumpflaume, Würze zeigend, vielschichtig, immer wieder neue Facetten zeigend, mittelgewichtig, unmittelbarer und (er)frische(nde)r Trinkspaß, kühl im Abgang und genau das Gegenteil der alkoholreichen Monsterweine, sensationelles Preis/ Genussverhältnis um €10, nicht umsonst als "Wine for the People" tituliert, **/***, liefert den Beweis, daß gut und günstig aus den Staaten möglich ist!
  • Cristom Vineyards, Pinot Noir Sommers Reserve 2005, Oregon, für einen Pinot sehr kräftige Farbe, die Rebsorte ist eindeutig auszumachen, dominante Säure, wirkt eine wenig wankelmütig im Glas, hinterlässt gemischte Gefühle, €26
  • Au Bon Climat, Pinot Noir Barham Mendelson 2005, Russian River, Granatrot, wirkt oxidativ, zeigt eine enorme Fruchtsüsse in der Nase und am Gaumen, kraftvolles Tannin vor der Zunge (Lippe), viel Struktur, kein schlechtes Exemplar von Wein, */***, €34
  • Francis Ford Coppola, Merlot Blue Label Diamond 2005, California, wer kennt ihn nicht, als Regisseur und Produzent einiger berühmter Filmepen. Ich wage aber zu prognostizieren, dass seinen Weinen dieser Erfolg (in good old Europe) aber nicht in gleichem Maße beschieden sein wird; dunkelster, violetter Stoff, Würze, Kirsche, Vanille, fett & rund ohne erkennbare Struktur und Kanten, überhaupt nichts (für mich) typisches von der Sorte, protzig, aber nicht ohne Finesse und Säure am Gaumen, ist noch der Beste der drei verkosteten Weine, €18
  • Francis Ford Coppola, Claret Black Label Diamond 2005, ein typischer Bordeauxblend mit CS, Merlot, CF und Malbec, wiederum violett mit dunkelschwarzem Kern, wirkt in der Nase toral überkonzentriert, viel Säure, die Wucht erschlägt einem dann am Gaumen, die Stilistik wirkt ein übriggebliebener Dinosaurier einer vergangenen Epoche, €18
  • Francis Ford Coppola, Zin Red Label Diamond 2005, setzt die Stilistik fort, überkonzentriert, dabei aber labrig weich, wirkt unnatürlich und gemacht, komplett unblanciertes und unharmonisches Mundgefühl, sorry Mr. Coppola, aber mit dieser Stilistik ist es mir unvorstellbar, daß man solche Weine auch nur ansatzweise als angenehm zu Trinken empfinden kann, €18
  • Quivira Vineyards, Zinfandel 2004, Sonoma, ein Bio-Exemplar, schimmert purpur, kühle Würzigkeit, gute Struktur, ist äußerst saftig, wirkt harmonisch und reif, einige Gerbstoffe und Würze im Abgang, bravo, *(*)/***, €18
  • Ravenswood, Cabernet Sauvignon Gregory Vineyard 1991, Sonoma, mit 25% Merlot verschnitten, beginnendes Braun, viel Eukalyptus, komplexe Nase, medizinische Noten am Gaumen, feine Säure, hat sich gut gehalten für sein Alter, Respekt, €29
  • Ladera Vineyards, Cabernet Sauvignon Lone Canyon 2001, in der Farbe absolutes Schwarz, das schwärzeste Schwarz, daß ich jemals bei einem Wein gesehen habe, viel Kräuterwürze Richtung Maggikraut gehend, präsentiert sich dabei strukturiert und fest am Gaumen, reifes, mürbes Tannin, schöner Wein, wenn da nicht das stolze Preisschild wär! *(*)/***, €54
  • Ojai, Syrah Stolpman Vineyards 2004, St. Barbara, wiederum ein biologischer Vertreter, purpur mit schwarzem Kern, sehr tiefgründige Nase, fruchtige und würzige Anklänge, reife und süsse Gerbstoffe, fast molliges Mundgefühl, hervorragend, *(*)/***, €28
  • Corison, Cabernet Sauvignon 2000, Napa Valley, schwarzer Kern, feminine Nase, ruhig, balanciert, Cassis, im direkten vergleich zu den Vorgängern herrlich unspektakulär (normalerweise deute ich das verhalten positiv), beerig, harmonisch, kein Blender, */***, €43
Welches Resumee habe ich nun aus dieser Verkostung gezogen?
Nun, zum einen gab's erstmals richtiggehend attraktive amerinaische Weine. Konnte ich die Weißen mit ihrem (sehr gekonnten) Holzeinsatz noch eher der amerikanischen Stilistik zuschreiben, widersprachen einige Roten meinem zugegebenermaßen auch von Klischees geprägten amerikanischem Weinbild, Ausnahmen wie die Coppola-Weine - die für mich ohnehin die Flops der Verkostung darstellten - einmal ausgenommen. Zum anderen gab es zwei sehr gute Vertreter aus biologischem Weinbau und einen so wundervollen, komplexen und preisgünstigen Roten, den jeder einmal probiert haben sollte! Der - und das nur nebenbei bemerkt - nochdazu aus dem sehr mengenstarken Jahrgang 2005 entsprang.
Die Weine waren allesamt sehr kräftig, was sich naturgemäß auch in den Volumsprozenten niederschlägt. Für Personen, die vor dem Geniessen bereits misstrauisch das Etikett nach dem Alkoholgehalt beäugen, werden diese Weine daher wohl nur einen bedingten Genuß darstellen, 14% - 14,5% Vol. sind die Regel und ein bißchen mehr auch keine Seltenheit. Trotz des klimatisch bedingten höheren Alkoholgehaltes der Weine wirkten diese in Summe aber sehr stimmig und fast immer weit weniger alkoholisch als zB. die australischen Pendants. Keine unangenehmen Alkoholstecher in der Nase, keine brandig wirkenden Weine am Gaumen oder im Abgang.
Interessant war dabei für mich festzustellen, daß sich die Weine in einem kleinen Glas á la Riedel Universal (= Chardonnay) weit wohler fühlten als im Bordeaux-Kelch. In letzterem wirkten die Weine dumpfer, verschwommen, weit weniger fokussiert und vor allem meistens alkoholischer.

Alles in allem 2 gelungene Abende, die mein Amerika-Weinbild etwas zurechtgerückt haben.

Bildnachweis Laurel Glen Reds: K&U - Die Weinhalle

Mittwoch, 14. Mai 2008

2005er mit Sinnesrausch

Daß das Weinjahr 2005 nicht nur im Bordelais gute Weine entstanden ließ, sondern sich auch abseits der bekannten französischen Gebiete hervorragende Tropfen finden lassen, hat unsere diesjährig letzte VHS-Verkostungsrunde mit dem Folgethema "Frankreich - Streifzug abseits der bekannten Regionen" zu Tage gebracht.
Mein Enthusiasmus lag auch darin begründet, daß ich keinen einzigen Wein (nicht nur die 2005er) mit weniger als *(*)/*** Sternen bedacht habe, ein Umstand, der in den letzten 5 Jahren meiner Teilnahme an diesen Verkostungen noch nie eingetreten ist.

Durchgängig famoser Stoff - fast alle Weine meines Wissens noch (bei K&U) erhältlich - bedenkenlos zugreifen!
  • Domaine Michel Bailly, Sauvignon Blanc Les Vallons 2006, Pouilly-Fumé, Loire, Strohgelb, Cassis, viel Mineralik, sehr reif, druckvoll, gute Säurebalance, cremige Textur, schön, € 13, *(*)/***
  • Domaine Huet, Chenin Blanc Clos di Bourg 2005, Tourraine, Loire, Notiz als Addendum zur 10. Weinrallye
  • Domaine Rijckart, Traminer Côtes du Jura Sarres 2004, Jura, ein Traminer der Kontroverse, denn dieser Wein hat so rein gar nichts von einem "klassischen" Traminer, Goldgelb, intensive & eigenwille Nase, weißer Pfirsich, dann wieder brotig, extrem straff am Gaumen, fokussiert, wirkt sehr karg, etwas käsig, Quitte, eine schroffe und massive Säure trifft den Gaumen, sehr schlank, aber harmonisch im Abgang, sehr individuell, ein Wein zum Sich-Beschäftigen, auf alle Fälle komplex und diskussionswürdig, € 18, *(*)/***
  • Domain Nicolas Croze, Notre Dame de Mélinas 2005, Côtes du Rhone, Cuvée aus Grenache, Syrah, Cinsault und Mourvedre, violett, herrliche Gewürznoten durchströmen meinen Riechkolben, sehr feingliedriger, graziler Wein mit lebendiger Säure, frisch, trotzdem feine Fruchtsüsse zeigend, trinkanimierend, endlich ein Roter für die Sommertrasse! Ein Preis-Leistungshit um € 9, **/***
  • Domaine Alary, La Font d'Estévenas 2005, Côtes du Rhone Village, Cuvée aus Syrah & Grenache, tiefschwarzes Violett, süße Gewürze, rauchig, rund, Harmonie, wird gut getragen von einer nervigen Säure, dicht, füllig mit reifen Gerbstoffen, ein echter Schleckerwein mit äußerst ausbalancierten 14 Vol.%, gutes Potential samt super Preis-Leistung zeigend, € 13, **(*)/***
  • Patrick Ducournau, Tannat Chapelle Lenclos 1999, Madiran, einer meiner Lieblingsrebsorten (und angeblich die einzige, die bei der richtigen(!) Dosis lebensverlängernd wirkt), tiefschwarz, balsamische Noten, Teer, ledrig, wiederum herrliche Säure, reifes und ausbalanciertes Tannin, da schnalzt die Zunge, wirkt naturgemäß härter & "hantiger", aber auch seriöser, definitiv kein Faserschmeichler, aber mir schmeckt's, konträrer Kommentar meiner Sitznachbarin: "Medizin schmeckt halt nicht anders!" ;-), € 16, *(*)/***
  • Clos Marie, Pic Saint Loup L'Olivette 2005, Coteaux du Languedoc, jugendliche Farbe, unerhörte Kräuterwürzigkeit, Oliven, mürbes Tannin, rund, fast süffig, feste Struktur, macht bereits viel Spaß, Harmonie, seriös & ernst im Abgang, € 14, **/***
  • Domaine Alquier, Les Premières 2005, Faugéres, Rubinrot, geschliffene Nase, leichter Alkohol riechbar, etwas Kräuter, zarte Mineralik, schön kräftige Säure, superbes Tannin, lebhafter Wein, wunderschön, und das ist die Basisqualität der Domaine! €13, *(*)/***
  • Domaine de la Janasse, Chateuneuf du Pape 2005, dunkkles Rubin, Zwetschke, prachtvolle Fruchtsüsse, Dialog zwischen fokussierter Kraft & Eleganz, wirkt fast spielerisch, balanciert, wiederum viel Kräuterwürze, hurra, da geht die Post ab, sensationeller Stoff, € 28 **(*)/***
  • Remy Pedreno, Clos de la Belle 2005, Vin de Pays du Gard, Remy Pedrenos letzter Jahrgang, ab dann gab's / gibt's nur noch Roc Anglade-Weine, 100% Syrah, Violettschwarz, animalische Noten, konzentriert, herrlich kühl, prachtvolle Nase, fruchtsüss, wundervolle Fülle, weich & harmonisch, sehr, sehr guter Wein, € 32, **(*)/***
  • Domaine de la Tour du Bon, Saint Ferreol 2004, Bandol, dunkler Kern, hat eine eher verschlossene Nase, süsse Anklänge, Rumtopf, würzig, kräftige Struktur & Statur mit 14,5 Vol.%, macht Spaß, ganz hervorragend gelungen, € 29, **/***
  • Domaine de la Garance, Bruixas 2000, Vin de Liqueur Languedoc, ein auf 16 Vol. % gespriteter Wein, würdiger, balancierter Ausklang des Abends, weich und rund, ein richtiges "Betthupferl", € 16 und ohne Wertung

Sonntag, 29. Juni 2008

(Bewährungs-)Probe von Gabriels Bordeaux-Empfehlung 2005

Selten hat ein Weinjahrgang im Bordelais solch eine übergreifende Zustimmung beim (Fach-)Publikum und in den Medien gefunden wie der 2005er. Euphorisch wurde dieser von Anfang an über den grünen Rebstock in den Weinhimmel gelobt und wurde sogleich mit den höchsten Weihen bedacht. Daß 2005 ein Ausnahmejahr den Wein betreffend war - nicht nur im Bordelais - habe ich bereits in meinem Blog 2005er mit Sinnesrausch festgestellt - und auch in Österreich sind (nicht nur) bei den Pinots und St. Laurents in der Thermenregion prachtvolle Weine entstanden.

Nicht immer aber rechtfertigen diese (schon fast inflationären) Jahrhundertjahrgänge ihre Vorschußlorbeeren. In ihrer Jugend noch mit allen Tugenden ausgestattet, fehlt ihnen im weiteren Reifeverlauf oftmals die Fokussiertheit, die Weine werden breit, manchmal marmeladig und verlieren ihre Spannung auf der Zunge.
Grund für mein Mißtrauen gegenüber den Hypes sind die bisher (von mir aus meinem Bestand) verkostetet Weine (nicht nur französischen Ursprungs) der ebenfalls hoch bewerteten Jahrgänge 2000 und 2003, welche bisher ihre Stärken nicht ausspielen konnten. Am Potential scheitert es nicht, wohl aber den richtigen Trinkzeitpunkt dieser manchmal leider viel zu kapriziösen Diven zu finden ;-) Im Gegenzug zeigen die kleineren Jahrgänge wie zB. 2001 und 2004 meistens eine weit bessere Leistung, als in ihnen anfangs zugestanden wurde und so findet auch mein Gaumen diese Weine oftmals viel befriedigender.

2005 habe ich gemäß dem Motto "Großer Jahrgang, kleine Weingüter" gehandelt und bin ua. den Empfehlungen (des rechten Ufers) von René Gabriel bei Mövenpick Wein gefolgt - der Lussac wurde breit beworben. Die Weine sind nun eingetroffen und müssen sich sogleich im Glas beweisen, solange ich mir noch sicher sein kann, sie in ihrer Fruchtphase zu erwischen.

Château Lussac 2005, Lussac - St. Èmilion-Lussac
80% Merlot, 20% Cabernet Franc, dichte, sehr dunke Farbe, betörende subtile Aromatik, anfangs stehen balsamische Noten im Vordergrund, Teer, Leder, dann Flieder, Brombeeren, immer getragen von der teerigen Textur, am Gaumen dicht, mit Unmengen an reifen Gerbstoffen, das lehrt sogar den Tannatweinen des Südens das Fürchten, das "beißt" im Mund und ist bereits hart an der Schmerzgrenze, am zweiten Tage wird die Sache etwas ziviler, noch immer kräftiges Tannin, jedoch viel homogener, viel engmaschiger gepaart mit einer feinen Fruchtsüße, jedoch niemals opulent wirkend, guter Ausklang, das Pelzige der Tannine weicht einer feinen Säure, harmonisch ausklingend, **(*)/***

Ein Merlot-domiertes "Tannin-Monster" - vom Cabernet Franc? - so was habe ich in dieser Art noch nicht erlebt. Für Gerbstoff-Fanatiker - ich kann Gerbstoffe auch in höherer Dosage ganz gut leiden, solange sie nicht im Mund austrocknend sind - und einer genügend langen Dekantierzeit macht der Wein aber bereits jetzt schon viel Spaß, ein gelungener Einstieg in die 2005er Weine, besonders die intensive und volle Aromatik hat dazu beigetragen. Alles ist mehr als reichlich und im Überfluß vorhanden, ob sich das in einer Dekade aber hin zu mehr Subtilität entwickeln wird - ich weiß es nicht. Zumindestens mit dieser Flasche sind die Lobeshymnen meinerseits nachvollziehbar, auch wenn diese Art der Weinstilistik sicherlich bei manchen auf Vorbehalte stoßt.

Château Bellisle Mondotte 2005, St. Émilion Grand Cru
Alleine schon die Eigentümerfamilie de Boüard de Laforest (Château Angélus) und der "diensthabende" Önologe Stéphane Derenoncourt sollten ein Grant für eine ausgezeichnete Qualität sein.
Ein wunderschönes, klares und brilliantes, aber eher helles Purpur, die Nase nicht zu überschwenglich, feine Kräuterwürze, zarte Schwarzfruchtaromen, viel geschliffener und seidiger als der Lussac, mehr Sir als Muskelmann, feine Gerbstoffe, am Gaumen mittelgewichtig, die Tanninstruktur verstärkt sich zunehmend mit dem Sauerstoffkontakt, bleibt aber immer fein balanciert, zum Lussac ziemlich konträre Stilistik, wird sich mit ein paar Jahren Geduld zu einem feinen Wein (ähnlich dem 99er Marsau) entwicklen. Daß der Wein geschätzt wird, zeigt auch sein Preisprung von über einem Drittel bei Arrivage, *(*)-**/***

Château Arnaud de Jacquemeau, St. Émilion Grand Cru 2005
70% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon, 10% Malbec, klare Farbe zwischen Rubin und Purpur, hübsche Nase nach Himbeeren und Brombeeren, das Holz sehr schön verwoben, wirkt leicht alkoholisch, am Gaumen rund & offen, zeigt sicht richtiggehend trinkfertig, mittelgewichtig, etwas breit und warm, gefällig im Abgang, etwas strukturlos, in den einschlägigen Zeitschriften würden wir von einem "gastronomischen Wein" lesen, (derzeit) ohne Komplexität und IMHO durch die Klasse der beiden Vorgänger für diesen tollen Jahrgang zu wenig, */***

Unter Berücksichtung des Einstandpreises - die drei Weine haben in der Subskription fast bis auf den Cent das Gleiche gekostet (€ 16) - bietet der Lussac neben seiner beeindruckenden Performance und Potentials wegen wohl das beste Preis-Genuß-Verhältnis. Somit geht René Gabriels Empfehlung für diesen Wein mehr als in Ordnung!

Bildnachweis: Mövenpick Wein

Samstag, 29. März 2008

Weinfrühling im Alten Rathaus

Mit 35 Ausstellern - zu 3/4 aus den Regionen Kremstal, Kamptal und Wagram, der Rest aus der Thermenregion, dem Neusiedlersee und der Steiermark - ein angenehmer und vor allem überschaubarer Rahmen. Die (nicht von allen WinzerInnen eingehaltene ;-) Vorgabe von 5 Weinen sorgt dabei für eine überschaubare und vor allem verkostbare Menge.
Die Probe war vom Umfang her sicherlich nicht repräsentativ für einen österreichischen Gesamtquerschnitt, bot mir dennoch einen guten ersten Einblick in die (ev. regionale) Gegebenheiten des aktuelle Jahrgangs - mein Fokus lag dabei vorwiegend auf den Grünen Veltlinern (GV).
  • Positiv, daß sich die 2007er GVs im Kabinettbereich bereits sehr zugänglich und harmonisch präsentieren und eine der Gastronomie zugute kommende Stilistik zeigen. Im Vergleich zum Vorgängerjahrgang - ein sehr gutes Jahr für den GV - zeigt sich der 2007er Jahrgang bereits weiter fortgeschritten in seiner Entwicklung.
  • Es gibt sie wieder, die (Sommer)Weine mit niedrigem Alkohlolgehalt um die 12% Vol., auch die "Granaten" liegen gut ein Volumsprozent unter dem Vorjahresniveau.
  • Jene Weine im Spätlese bzw. Smaragdbereich, welche bereits verkostet werden konnten, zeigten sich bereits durchaus antrinkbar, wirken derzeit aber eher eindimensional und fern der Beurteilbarkeit, Potential für schöne Weine besitzt der Jahrgang allemal.
  • Manchmal lag die Säure niedrig, die Exemplare wirken dadurch flach und lassen somit den Trinkfluß vermissen. Ebenso zeigten einige GVs eine sortenuntypische - zB. sauvignoneske - Aromatik, was dem Trinkspaß per se aber nicht entgegensteht.
Zu gefallen wussten heuer:
  • Weingut Rudolf Fritz, Thallern, Kremstal, eine bestechend schöne Kollektion, die beiden GVs Herrentrost und Frauengrund präsentieren sich mit vibrierender Frucht, sehr trinkanimierend und mit einer herrlichen Säurestruktur, der Riesling Steinhagen steht den Grünen Veltlinern nicht nach, auch die Kostprobe des Top-Veltliners aus der Lage Schwerer Zapfen zeigt viel Potential, alles in allem ist Rudolf Fritz heuer eine sichere Bank!
  • Weinhof Parzer, Furth-Göttweig, Kremstal, sehr schön der runde und vollmundige GV Reserve, eine Selektion aus den besten Trauben von Urgesteins- und Lößlagen,
  • bei den Weinen des Weinguts Schlamberger überzeugte besonders der GV Premier Grü Sandgrube (Krems), volle, klare Nase, lebhaft mit feiner Mineralik, auch die beiden Veltliner Dürnstein und vom Pfaffenberg aus der Wachau gefielen mir, erster etwas milder in seiner Säure,
  • Weinhof Arndorfer, Strass, Kamptal, ein herrlicher GV Dionysos Taufwein, kräftiges Goldgelb, viel Würze, wuchtige, runde Struktur, viel eigener Charakter, empfehlenswert auch der sortentypische Sauvignon Blanc Strass, weisser Holler gepaart mit nerviger Säure, ebenfalls ein Genuß ist es ob ihrer Begeisterungsfähigkeit mit der charmanten Dame des Hauses zu plaudern,
  • Verlaß ob der Qualität ist auch auf das Weingut Maglock-Nagel in Strass, Kamptal, sehr primärfruchtig ausgebaute Weine, ein wundervoller Riesling Wechselberg, glockenklare Frucht, frisch, zitronig im Abgang, sehr trinkfertig auch bereits der kräftige, parfumierte Veltliner vom Gaisberg, jener vom Wechselberg tendiert stilistisch heuer mehr Richtung Sauvignon, aber mit viel Trinkanimo,
  • Weingut Rosenberger, Rohrendorf, Kremstal, angenehm der GV Nachtfalter, ein klassischer Leicht + Trocken Sommerveltliner, am Besten schmeckte mir der Veltliner Kellerweingarten mit glockenklaren Zitrusnoten und nerviger, feiner Säurestruktur,
  • Reinberger, Grafenwörth, Wagram, erfrischend der Veltliner Rose Grün, leicht pfeffrig, sehr fein auch der Rote Veltliner, frischer Exotiktouch, durch eine leichte Süße am Gaumen gut gepuffert, feiner Säuredialog, sehr harmonisch,
  • Weingut Franz Anton Mayer, Königsbrunn, Wagram, ein prachtvoll kräftiger 2006er Veltliner Rainmacher, wuchtig, mit feinem, integrierten Holz, ein intensiver Sauvignon Blanc, Cassis pur im Glas, harmonisch, aber was für ein Kraftlackel, ganz der Winzer selbst ;-)
  • Weingut Reiterer, Wies, Südweststeiermark, der Schilcherspezialist, am schönsten war für mich jener der Lage Lamberg, schöne Erdbeerfrucht, klar, rassige Säure, ein Klassiker, zivilisierter und somit internationaler die Variante vom Engelweingarten, auch der Sekt hat was, mir persönlich aber etwas zu künstlich von der Aromatik und vielzuviel CO2,
  • Johann Gisperg, Teesdorf, Thermenregion, zeigt ebnfalls eine bestechende Linie , seine Stilistik ist über alle Rotweine gut erkennbar, der Gaumen eher schlank, aber engmaschig, immer mit guter Fruchtsüße und reifem, mürben Gerbstoffen, am Besten der Pinot Noir Reserve 2005, Cabernet Sauvignon 2005 und die Cuvèe Terroir de Pierre 2005 aus CS und St.Laurent, alles schöne und fair bepreiste Weine,
  • Weingut Heggenberger, Tattendorf, Thermenregion, ein prachtvoller klassischer Pinot Noir 2005 von den Burgundermachern, mit viel Sortentypizität in der Nase, rund, fruchtig, balanciert, mundfüllend, feiner und unkomplizierter Trinkspaß, auch die Reserve vom Pinot 2005 ist gut gelungen, diese wirkt seriöser, strenger und fokusiereter.
Nachlese Weinfrühling 2007

Mittwoch, 7. November 2007

2 x Röttgen 2005

Der selbe Winzer, die gleiche Rebsorte (Riesling), die gleiche Lage, der selbe Jahrgang - das ermöglicht doch einen spannender Vergleich, oder?

Bildnachweis: Homepage Heymann-Löwenstein (Der Röttgen im Winter 2005)
  • Heymann-Löwenstein, Röttgen 1.Lage Alte Reben 2005, Mosel, wie immer strahlendes Goldgelb, gebündelte Mineralität, und doch rinnt dieer Wein so samtig weich über den Gaumen, dabei in jeder Phase intensiv, durch den etwas höheren Restzucker fast medidativer Charakter - ein sanfter Riese.
    Zitat aus der H.L- Homepage: "Expressiv, ohne auch nur ansatzweise breit zu sein. Üppig, ohne an-strengend zu wirken. Softness gepaart mit Anspruch. Überbordernde gelbe Frucht unterlegt mit wenig Nougat und Kaffee. Barock, ja manièristisch, sehr weich am Gaumen und trotzdem enorm mineralisch, lang." - dem ist nichts hinzuzufügen, **/***
  • Heymann-Löwenstein, Röttgen 1. Lage 2005, Mosel, kräftiges Goldgelb, wiederum viel riechbare Mineralität!, fokussierter als die alten Reben, auch am Gaumen etwas gebündelter, dafür nicht ganz so in perfekt in Balance, nicht ganz so intensiv und nicht ganz so souverän gelassen im Vergleich zu den alten Reben, dafür mit mehr Spannung, einem herrlichen Säurespiel, und immer wieder diese Expressivität der Mineralik auf der Zungenspitze, jetzt bereits schon so wundervoll zu genießen, **(*)/***
Beide besitzen Charme, doch der "normale" Röttgen hat derzeit für mich einfach mehr Pepp! Ihre Alltagstauglichkeit haben die beiden Weine übrigens die letzten Tage zu mannigfaltigen Speisen bewiesen; von scharfen Piri-Piri-Sardinen über verschiedene Olivenaufstriche, Rindfleisch aus dem Wok bis hin zu Spinat-Tofu-Maultaschen (ja, ja, auch sowas gibt's in Österreich zu erstehen ;-) - wichtig war immer nur eins: die Weine im großen Burgunderglas bei annähernd Zimmertemperatur zu genießen!

Sonntag, 2. November 2008

Weine im Oktober

  • Schreckbichl Chardonnay Cornell 2002, Südtirol, eine Flasche mit Sonderrabatt, leider zu lange in der "Supermark-Sonne", wirkt Sherry-artig, nussig, oxidativ, vorbei :(
  • Leopold Aumann, Merlot vom Harterberg 2003, Thermenregion, dunkle Robe, noch jugendlich, fast purpur, hochfeine Aromatik in der Nase, intensiv, alle Schattierungen von Kaffearomen, von (Kaffee)Röstung bis (Kaffee)Likör, dann balsamische Noten, teerig, am Gaumen herrlich korrespondierend, wird wiederum von viel Kaffearomatik getragen, alles wundervoll balanciert, dabei fest und fokussiert, keine Spur von Breite oder Überreife, trotzdem feine Früchtsüße, im langen Abgang von feiner Säure getragen, ein Österreicher nach Bordelaiser Vorbild, gibt einem perfekten Pirat für eine Bordeaux-Verkostung ab, pipifeiner Stoff, macht einfach nur Spaß, wirkt juvenil mit viel Potential für die Zukunft, am Tag 2 ergibt sich ein anderes Bild, die balsamische Note dominiert den Wein, dieser wirkt nun deutlich herber, ein wenig Rumtopf, seinen Charme hat der Wein abgelegt, **-**(*)/***
  • Johann Gisperg, Terroir de Pierre 2005, Thermenregion, purpur mit scharzem Kern, herrlich tiefe, runde und würzige Nase, anfangs Tinte, dann Amarenakirsche, Dörrobst und Nougataromen, zart (positiv) alkoholisch, am Gaumen subtile Balance zwischen Fülle, Würze und Geschmeidigkeit, saftig und süffig, die Gerbstoffe tragen den Wein im ersten Schluck in die Harmonie, welche mit feiner Säure am Gaumen ausklingt, kein großer & komplexer Wein, aber easy to drink mit hohem Anspruch, mir taugt der Wein, bravo, wieder ein 2005 Weinwunder, **-**(*)/***
  • Kummer-Schuster, Zweigelt Alte Reben 2006, Neusiedlersee, falstaff Zweigelt Cup Gewinner 2007, dunkles Purpur, das dreiviertel Jahr Reife seit meiner letzten Verkostung hat dem Wein geschmacklich gut getan, runde Nase, Weichsel und Vanille, mit Struktur und Biß am Gaumen, feine Gerbstoffe, wirkt sehr balanciert, im Abgang mit herber Grundnote, sehr gut gemachter, allerdings auch ein bißchen beliebiger Wein, *(*)-**/***
  • Weingut Schloss Fels, Gewürztraminer vom Rohrendorfer Berg 2006, Kremstal, Salonwein 2007, Schloss Fels, seit 1986 im Besitz der Spar AG und somit Haus & Hoflieferant einer breiten Palette von billigen Supermarktweinen, schönes Strohgelb, prasentiert sich mit parfumierter Nase, Rosenton gut erkennbar, sehr sortentypisch, am Gaumen cremig rund, die Reststüsse mit ansprechender Säure fein gepuffert, überaus angenehmer und süffiger Trinkspaß um wenig Geld (€ 7), wenngleich dieser Wein auch nicht ganz die feinziselierte Art der Vertreter aus Klöch erreicht, *(*)/***
  • Weingut Jägle, Spätburgunder 2005, Baden, brilliant leuchtendes Bordeauxrot (!), sehr angenehme Burgundernase, harmonisch, sehr weinig, ein wenig Würze, am Gaumen rund, vom Barrique geschliffen, gute Struktur, schöbe Säure im Finish, dieser Wein macht eigentlich alles richtig, sehr balanciert, fein, schon der Riesling aus dem gleichen Haus wusste zu gefallen, *(*)-**/***
  • Aalto 2001, Ribero del Duero, Spanien, undurchsichtiger Kern, Reife am Rand aber bereits erkennbar, überschwengliche Fülle und Aromatik, Brombeere, viel Schokolade, viel Fruchtsüsse, aber auch viel Säure als Pedant und reife Gerbstoffe, wirkt trotzdem etwas breit im Abgang, übrig bleibt etwas marmeladiges und die Tannine bleiben im Mund kleben, bin mir aber sicher, das es etliche Liebhaber dieser Stilistik gibt, wirkt fast wie ein Supertuscan, erst am zweiten Tag emanzipiert sich dieser Wein zu mehr Balance, zu feiner Harmonie, zu weniger Süsse und mehr Säure, zu grazileren Noten, nicht aber ohne eine feste Struktur mit guten Gerbstoffen zu zeigen, gut so! *(*)-**/***
  • Juvé y Camps, Cava Reserva de la Familia 2001, Sant Saturnia, wenig Perlage, wachsig, Honig, Reifetöne, einem großen Chenein Blanc nicht unähnlich, herrliche diffizil, am Gaumen knochentrocken, noch genügend Vitalität durch C02, fast wünscht ich mir ein wenig Dosage - das Ding hat sicherlich zero! **/***
  • Hans & Anita Nittnaus, Leithaberg Weiß Chardonnay Joiser Freudshofer 2005, Neusiedlersee, sehr fein, braucht viel Wärme, feinziseliert, gelbe Früchte, Mineralik, am Gaumen schlank, alles vom Kalkgebirge, sehr ungewöhnlich für Chardonnay, läßt mich insgesamt eher ratlos zurück, denn es fehlt die Fokussiertheit, der Druck und auch die Säure wirkt eher flach, wenngleich auch alles eigentlich ganz proportioniert ist, kann aber über drei Tage nicht wirklich zulegen, das alles ergibt unter Berücksichtigung des Preisaspekts (€ 15) höchstens */***, der 2006er war bei seiner Verkostung im Frühling ein, nein, der faszinierendste Weißwein!

Montag, 1. Oktober 2007

Weinmomente im September

  • Chateau Roquefort "Les Genets" 2005, Blanc de Provence, aus der Provence habe ich schon so fabelhafte Weisse getrunken, wild in den Aromen, ungestüm und ehrlich und dabei immer zugänglich. Diese Flasche aus den Rebsorten Clairette und Ribolle zeigt sehr verhalten, ein bißchen Heublumen, aber keine Kräuterwürze, auch keine Ungestümheit und kein saftiger Abgang, dafür eine dem österreichischen Gaumen adequate (?), fast forsch wirkende Säure. Ein Sommerterrassenwein für die Nachmittagshitze, nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut, */***
  • Setzer, Grüner Veltliner "8000" 2004, Weinviertel, jugendliche Farbe,helle Nase, Honigaromen, reif, aber fokussiert, zeigt sich sehr harmonisch, internationale Stilistik (soll heißen: sehr balanciert bzgl. Säure - wahrscheinlich hat da aber der Kunstoffkorken seiniges dazu beigetragen), sehr guter Trinkfluß, macht (trotzdem? bzw. noch immer!) herrlichen Spaß, **/***.
  • Josef Tesch, Blaufränkisch DAC Hochberg 2005, Mittelburgenland, hat mir im Frühling sehr gut gefallen, enthält dieses Jahr auch das Selektionsmaterial des Titan, dunkelwürzig, Himbeere, streng am Gaumen, Säure, derzeit ziemlich ernst, ja verschlossen, läßt sein Potential nur erahnen, braucht viel Luft, zeigt sich am zweiten Tag erstmals zugänglicher, viel Struktur, ein Potentialwein, denn Tesch-Weine sind niemals frühe Blender, derzeit *(*)/***
  • Adam-Lieleg, Welschriesling Classic 2005, Südsteiermark, attraktive, für einen Welsch ziemlich expressive Nase, grüne Äpfel, viel Extrakt, bewundernswerte Säurestruktur, knochentrocken, trinkanimierend und trotzdem nicht so fordernd, wer sagt da noch, daß solche Weine nicht auch im zweiten Jahr nach der Lese noch Spaß machen? **/***
  • Maglock-Nagel, Grüner Veltliner Gaisberg 2006, Kamptal, faszinierende und hochfeine Nase, minütlich sich ändernde Aomatik, cremig und dicht, leichte mineralische Noten, jeden Tag neue Facetten zeigend, dabei auch immer blitzsauber und animierend, für €5 ein wahres Schnäppchen, **(*)/***
  • Holger Koch, Grauburgunder 2006 "Edition Holzfass", Baaden, anfangs sehr reduktiv, Zitrusnoten, blitzsauber, niemals hätte ich diesen Wein der Gruppe "spontan vergoren" zugerechnet, braucht ein wenig Luft, das Gegenteil eines klassischen (= schweren) Grauburgunders, aber auch des Graupert vom Weingut Michelits, *(*)/***
  • Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2006, Carnuntum, kräftige, aber hochfeine Röstung, dunkelfruchtig, Teeanklänge, Kaffeearomen, für Nasentrinker, trinkt sich fast leichtfüssig, dabei mit Hilfe der richtigen Dosis reifer Tannine gute Struktur zeigend, zeigt sich in seiner Reife harmonisch rund und weich, ein Glas ist nicht genug, seit Jahren ein fixer Tipp und ein herrlich gemachter Wein, der seine Qualität aber nur am ersten Tag voll ausspielte, **/***
  • Laurenz V Moser, Friendly Grüner Veltliner 2006, Kamptal, der von Fred Loimer vinifizierte Wein mach seinem Namen alle Ehre, denn dieser Wein ist wirklich freundlich (zu trinken) und eher in internatilionaler Stilistik mit noble Säurestruktur gehalten, hübsche Fruchtnase, welche bei allen sofort Anklang findet, kein (wie soft in 2006) fetter Wein, sondern einer mit Finesse, besitzt Charme, bravo, **/*** (€10)
  • Krutzler, Blaufränkisch Weinberg 2000, Südburgenland, eine herrlich vielschichtige Weintrinkernase mit mineralischen Noten, terroirbetont, ein wenig Zedernholz, balsamische Anklängen, mittelgewichtig, aber fein strukturiert, noch immer sehr schöne Fruchtsüsse, in Summe aber nicht ganz homogen, ist gut gereift, sollte getrunken werden, *(*)/***
  • Weixelbaum, Sauvignon Blanc Wahre Werte 2003, Kamptal, schon die Nase kündigt einen Kraftlackl an, anfangs nicht sehr sortentypisch, Grappa-Nase, ein wenig Holler, gelbe Früchte, zeigt sich fest strukturiert, mit viel Schmelz, Abgang könnte länger sein, für Freunde, die's im Glas gerne krachen lassen, wird in ein paar Jahren aber Top dastehen (so wie schon der 2000er auch), *(*)/***
  • Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2005, Neusiedlersee-Hügelland, GV aus dem Burgenland, das hat schon was ketzerisches, oder? Nicht aber in Donnerskirchen, denn dort hat die Sorte quasi ihr burgenländisches zuhause. Sehr subtile Aromatik, zarte Würznoten, hinten etwas Zitrus, nervig und straff, rinnt so herrlich fokussiert über die Zunge, wieder Zitrus im Abgang, minerlischer Typus, vom Schiefer geprägt, ja, gefällt mir gut, wie überhaupt das ganze Leithabergprojekt, wünsch mir aber noch das Quentchen mehr "Extra" in diesem Wein, vielleicht kommt's ja noch? Erstmals **/***.

Dienstag, 13. November 2007

Plus City Weinfestival

Das alljährlich in der Plus City stattfindende Weinfestival ist nun nicht gerade ein Topereignis in der heimischen Weinlandschaft, bietet aber durch die Location in einer der größten Shopping Malls Österreichs einem breiten Publikum die Möglichkeit, sich in einer entspannten Athmospäre intensiver mit den unterschiedlichen heimischen Weinregionen und -stilen auseinanderzusetzen. Neben Top-Winzern wie Bründlmayer, Jurtschitsch, Opitz, Giefing und Tement lassen sich auch jedes Jahr eine neue Namen mit hervorragenden Qualitäten entdecken. Nachfolgend ein paar Impressionen von einem angenehmen Samstag-Nachmittag:
  • Terra Gomeliz, Sebastian Lerchl, Südsteiermark, ein junges Weingut, sehr gut gefallen haben mir die Cuvée Gomeliz 2006, ein fruchtiger Allrounder, gut balanciert, ein hübscher Wein, ebenso der Sauvignon Blanc 2006, sortentypisch mit viel weißem Holler, Traminer 2006, klassischer Rosenduft, wirkt fest strukturiert und doch grazil, wunderschön harmonisch, ein Tipp!
  • Weingut Grebenz, Südsteiermark, der schönste Wein war der Muskateller 2006, ganz sortentypisch, trocken ausgebaut und doch mit einem cremigen Schmelz im Abgang behaftet, sehr angenehm!
  • Weingut Spätrot, Thermenregion, die Weißen sind Gumpoldskirchner Königsweine, das heißt, Cuvees aus Zierpfandler und Rotgipfler zu annähernd gleichen Teilen. Die Nase bei allen 3 Weinen eher verhalten, die Klassik 2006 und Reserve 2005 (für mich ungewohnt) säurebetont, die Spätlese aus gleichem Jahr dafür im faszinierenden Spannungsfeld von Süße und Säure fein ausklingend.
  • Winzerhof Landauer-Gisperg, der Sieger des falstaff 2006 Zweigelt Grand Prix (den es leider nicht zu verkosten gab), einen herrlich frischen und aromatischen Gemischten Satz 2006, man tippt auf anteiligen Muskateller, jedoch kommt diese saftige Aromatik hier vom Grünen Veltliner und Traminer, herrlich unkomplizierter Trinkgenuß, diesen bietet ebenfalls der fruchtige Pinot Noir 2006 der Serie "Die Burgundermacher", nicht ohne Finesse, der St.Laurent Selektion und die Cuvee Neptun sind falstaff prämierte Weine, kräftig, wirken auf mich aber derzeit ein wenig alkoholisch, sind aber noch sehr jung und werden sich harmonisieren.
  • Schuster-Wimmer, Halbturn, Neusiedlersee, ebenfalls Sieger des falstaff 2006 Zweigelt Grand Prix, und den es auch nicht zu verkosten gab :-(, die anderen Weine machten das aber wett, wine 9 nine 2006, eine Cuvee aus 4 verschiedenen Rebsorten, weich und harmonisch, aber mit Anspruch, sehr gefällig, der Blaufränkisch 2006 präsentierte sich mit tiefer Frucht, sehr rund, mit Balance, hat auch im Mittelbau was zu bieten, feines Tannin, so geschmeidig, wie ich es normalerweise nur vom Zweigelt kenne, SALON-Wein, um wohlfeile € 5,50, fest strukturiert auch der Rot vom Heideboden 2006, rotbeerig, feiner Holzeinsatz, eine rundherum harmonische Sache, sehr gutes Preis- / Genußverhältnis um knapp über € 10
  • Weingut Hufnagel, Neckenmarkt, Mittelburgenland = Blaufränkischland, ein eher harter und dünner Blaufränkisch Ried Sonnensteig 2006, viel besser der Blaufränkisch Nyék-Classic 2006, feine Röstnoten, harmonisch, gute Struktur, gutes PLV, € 5,50, ebenfalls ein Winner der Blaufränkisch 2005, Goldmedaille der burgenländischen Landesprämierung, SALON-Wein 2007, vielschichtig, guter Körper, reifes Tannin, € 9,50, sein großer Bruder der Blaufränkisch Ried Neuberg 2006, SALON-Sieger 2007 zeigt sich eher hart am Gaumen, verschlossen viel Tannin, zum Abschluß der Shiraz 2004, sehr rund und fruchtige Nase, offen, aber fehlende Struktur, im Finish leicht austrocknendes Tannin, € 15, war das einzige Weingut, das sich die Kostproben trotz Bestellung bezahlen ließ, dafür aber für die Lieferung keine Versandkosten berrechnete!
  • Weingut Hundsdorfer, Neckenmarkt, Mittelburgenland = Blaufränkischland, alle verkosteten Weine - Zweigelt & St. Laurent Classic 2006, Pinot Noir 2005 Classic, Cuvee Canis & Cabernet Sauvignon 2004, Blaufränkisch Juwel 2003 - präsentieren sich (derzeit) eher hart, mit viel Tannin und schlankem Körper, fade Nase, schade, von diesem Weingut habe ich schon tolle Weine verkostet, die Ausnahme bildet diesmal der Zweiglt Barrique 2004, hübsche Nase, alle in Balance mit viel Struktur und feinen Gerbstoffen, Fr. Hundstorfer teilte meine Meinung über ihre Weine übrigens nicht und reagierte etwas schroff!
  • Erich Giefing, Rust, Neusiedlersee-Hügelland, Selbstbewußtsein hat er schon, der Hr. Giefing, aus hervorragenden Palette gefällt mir besonders der Zweigelt Reserve 2004, ein runder, stoffiger Wein mit hervorragender Struktur, ebenso der Bordeaux-Blend Cabernet Sauvignon / Merlot 2005, bereits sehr offen, immer einer meiner Favoriten der Cavallo 2003, Pinot Noir vom feinsten, feine Nase, balanciert und superbes Gerbstoffgerüst, auch der Blaufränkisch Reserve 2003, gut antrinkbarer Wein mit gutem Potential, ebenso die Cuvee Cardinal 2003, auch schon zugänglicher, alles stimmig, in Summe hohe Qualität wenngleich auch zu (angemessenen) hohen Preisen (€14 - 29)

Samstag, 29. Jänner 2011

Portugal ganz Groß!

Auftakt zu den diesjährigen VHS-Verkostungsrunden - und was für einer! Kein einziger der 13 Weine unter meiner *(*)-Bewertung, das heißt ins Verbale übersetzt: Alles prachtvolle und überdurchschnittliche attraktive Exemplar!
Wunder ist das keines, eher der Lohn für kompromissloses und qualitätsorientiertes Arbeiten. Zudem waren die beiden Jahrgänge 2005 und 2007 klimatisch sehr vielversprechend.
Allen Rotweinen gemeinsam war jedenfalls eine unglaublich tiefe, schwarzviolette Farbe, reifes Tannin und ein spannungsvoller Säurebogen als Gegenpart. Eine tolle Stilistik, auch wenn sich die Weine (aus der gleichen Region) teilweise sehr ähnlich sind - das aber kann für konsumenten auf der Suche nach Weinen ähnlicher Stilistik auch von Vorteil sein. Wer jedenfalls kräftige Winterweine mit Fruchtsüsse und Power liebt, ohne jedoch auf Ausgewogenheit, ja sogar Finesse verzichten zu müssen, der ist in Portugal, insbesonders dem Douro-Tal goldrichtig. Und mit 3 tollen Vertretern im Preisbereich von €10-15 auch preislich mehr als attraktiv. Selbst die Topweine dieser verkostung liegen preislich nicht höher als Bordeaux im besseren Einstiegssegment. Rundherum zu empfehlen!

3x Weiß, 8 x Rot & 2 x Gespritet
  1. Anselmo Mendes, Muros Antigos 2009, Vinho Verde DOC, "milchiges" Strohgelb, erstaunlich aromatischer Duft, florale Noten, etwas Zitrus, wirkt sehr homogen, tolle Säure, macht Lust auf einen Fisch als Speisenbegleiter und auf das 2. Glas sowieso, *(*), €9
  2. Jorge Moreira, pó de poeira 2009, Douro Vinho Regional, klares Strohgelb, feine Barriquenoten, durchströmt ruhig und balanciert meinen Riechkolben, fast keine Primärfrucht vorhanden, ganz schüchtern rosa Grapefruit-Noten, dafür mineralisch und salzig, *(*)-**/***, €15
  3. Wine & Soul, guru 2009, Douro DOC, Tavares da Silva, helles Strohgelb, Mineralik, kein Holz merkbar (hat er aber), sehr feine und fließende Stilistik, burgundisch, wirkt kühl und sehr lebendig, am Gaumen wiederum die Mineralik, sehr gut, aber auch teuer! **/***, €29
  4. Rapariga da Quinta, Reserva 2007, Alentejo Vinho Regiona, dunkle Farbe und dunkler Kern, sehr beerenfruchtig, konzentrierte Säure, Würze, Weihrauch, Rumtopf, jetzt bereits fein zu trinken, zeigt schöne Gerbstoffe parallel zur lebendigen Säurestruktur, Trinkwein ohne ins "Philosophieren" zu kommen, gutes PLV! *(*)-**/***, €10
  5. Alvaro Castro, Pape 2005, Dao DOC, dunkle Farbe, dicht, die pure, richtiggehende extreme Mineralik (yeah!), Würzenoten, Graphit, Heidelbeere, sehr fokussiert und direkt, mit einer kräftigen Säure hinten nach, sehr lang haftend, tolle Stilistik, eigenwilliger Charakterwein aus je 50% Touriga Nacional und Baga, **(*)/***, €30
  6. Quinto do Mouro 2004, Alentejo Vinho Regiona, leichte Reife am Rand (das kann dann schonmal kein Dourowein mehr sein), zeigt etwas Balsamik nebst Rosinen und Rumptopf, Zwetschke, erinnert ein wenig an Piemont, sehr traditionelle Stilistik, *(*)/***, €27
  7. Lavradores de Feitoria, Tres Bagos 2005, Douro DOC, violetter Rand, der Kern ist undurchsichtig, Gewürznoten, Kirsche, etwas balsamische Noten, frische Säure, reife Gerbstofftextur, wirkt sehr lebendig, zart feurig im Abgang, tolles PLV, *(*)/***. €10
  8. Quinta de la Rosa, Passagem 2006, Douro DOC, tiefe Farbe, viel Würze bereits beim ersten Hineinriechen, besitzt eine innere Spannung, tolles Mundgefühl, Fruchtiefe und -süße sind reichlich vorhanden, insgesamt sehr balanciert, reifes, superbes Tannin mit feiner Textur, die obligatorische forsche Säure als Gegenpart, sehr guter Weinwert! **/***, €15
  9. Quinta da Vale d. Maria 2007, Douro DOC, Christiano van Zeller, Quinta do Noval, dunkel- bis schwarzfarben, Kirsche, sehr würzig, alles fein mit einem Schokotouch hinterlegt, wirkt sehr modern, aber gut (gemacht), tolle Gerbstoffstruktur, sehr engmaschig und reif, erzeugt ziemlichen Druck am Gaumen, in Summe fast schon ein wenig zu schön, wo bleiben die individuellen Ecken & Kanten, **-**(*)/***, €30
  10. Jorge Moreira, poeira 2007, Douro DOC, undurchsichtige Farbe, fokussiert, aber verschlossen, deutet das vorhandene Potential nur vage an, Würze, wirkt sehr dicht, besitzt die Tugenden der Vorgänger, vitale Säure & reife Gerbstoffe in Balance, wirkt trotz seiner inneren Dichte frisch und lebendig, die Komplexität aber derzeit vermissend, viel zu jung.., **-**(*)/***, €32
  11. Quinta de la Rosa, Reserve 2005, Douro DOC, offen, wirkt gut entwickelt und reif, auch deutlich wärmer als die 07er-Weine, Schlehenaromen, fein fruchtsüß, ein Traum von Tanningerüst im Mund, intensiv, alles sehr harmonisch und balanciert, großer Genuss! **-**(*)/***, €26
  12. Quinta da Vale d. Maria LBV (Vintage Bottled Vintage) Port 2006, Douro DO, zeigt gute Frucht und Gerbstoffe, ist eher von der süßen Sorte, macht Spaß, o, weil nur mehr genossen und nicht verkostet :-)
  13. Quinta da Vale Meao, Vintage Port 2007, Douro DOC, eine sensationelle violette Farbe, korrespondierende Heidelbeeraromatik, ein toller Extrakt kleidet den Mundraum aus, zeigt viel Würze und eine enorme Konzentration, Stoff für Jahrzehnte, jetzt noch in der Fruchtphase genießen oder dann im Keller vergessen :-) oW
Bezugsquellen für all diese Weine: Lobenberg, K&U

Dienstag, 1. Juli 2008

Monatsweinliste Juni

  • Stiftskellerei Neustift, Eisacktaler Sylvaner 2005, Brixen, trotz Plastikstöpsel (noch?) herrliche frisch, keine ausgewiesene Aromatik auszumachen, verhaltene Gelbfrucht, lebendig, sehr süffig, die Flasche ratzfratz mit viel Spaß geleert, *(*)/***
  • Chateau Pey la Tour 2006, bewies wiederum seine tolle Qualität alls Alltagsbordeaux, weinige Nase mit würzigen Anklängen, pfeffrig, zeigt eine schöne Balance und Säure, feinkörnige Gerbstoffe, macht alles richtig, brilliert auch im großen Riedel vinum-Bordeaux-Glas, mehr Wein kann man sich um € 6.50 nicht erwarten, **/***
  • Laurel Glenn Vinyards, Reds (a wine for the people) 2006, Lodi, Kalifornien, mitteldunkles Purpur, opulente Fruchtsüsse trifft auf kühle Gewürznoten ("spicy"), süffig, offen, opulent, aber immer mit Struktur und kühler Frische, sexy Wein, pur oder zum Steak vom Griller, wiederum eine Traumcuvée aus Zinfandel, Carigane und Petite Syrah um lächerliches Geld, Modellcharakter , schon der Vorgängerjahrgang hat mir die Freudentränen ins Gesicht getrieben, und die 14.5 Vol%? Perfekt integriert! Zugreifen! **(*)/***
  • Karl Alphart, Rotgipfler Rodauner 2006, Thermenregion, gefällt wie immer, helle, blitzsaubere Gelbfrucht-Aromatik, fest strukturiert, druckvoll am Gaumen, ein Sir von Wein, eine sichere Bank (wär's doch auch im Fußball so ;-), **(*)/***
  • Gumphof, Sauvignon Blanc Praesulis 2005, Südtirol, goldgelb, expressive Nase, Holler, Cassis, aber auch leicht grasige Anklänge, wirkt ziemlich rund, kräftige Statur, fast breit, aber alles in Harmonie, guter Speisenbegleiter, *(*)/***
  • Bernard Magrez, Château La Tour Carnet 2005, Quatrième Cru Classé Haut-Médoc, führt die Serie der trinkreifen 2001er fort, sehr angenehme Nase, Edelhölzer, Brombeeren, dunkel, zeigt sich am Gaumen sehr geschliffen, zivilisierte Gerbstoffstruktur, fast ein wenig zu brav (so wie das Etikett auch), zu "abg'schleckt" sagt man auf gut österreichisch, könnte ein wenig mehr Ecken & Kanten zeigen, trotzdem ein gut gemachter und solider Weinwert mit distinguierter Säurenote im Rückgeschmack (um es mit einer Wortcreation von Peter Moser des Magazin falstaff auszudrücken), *(*)-**/***
  • Weingut Leitner, Pannobile 2004, Burgenland, das ist Purpur pur ;-), eine weiche Nase nach Weichseln und Vanille, offen und rund, gefällig, mit feiner Säurestruktur ausklingend, am zweiten Tag viel Herbe, streng, etwas Tannin kommt hinzu, ??
  • Feudo Arancio, Grillo 2005, Sizilien, Grillo, eine autochthone sizilianische Rebsorte, helles Strohgelb, etwas verhalten, ein wenig Jasmin, satte Struktur, ähnlich einem kräftigen Veltliner, noch recht frisch, zart herb im Abgang, gefällig, */***

Samstag, 3. Mai 2008

Burgendland in Weiß.Rot.Süß

Die Präsentation ausgewählter Weine des Burgenlands im Linzer Design Center liegt ja jetzt schon ein paar Tage zurück. Ich konzentriere mich in meiner Zusammenfassung auf jene Weine (in zufälliger Reihenfolge), die mir positiv in Erinnerung geblieben sind.
  • Als Einstieg der Muskat Ottonell Sekt 2006 von der Sektkellerei Szigeti, gute Muskataromatik, viel Volumen, aber auch CO2,
  • Günter Triebaumer, Rust, ein herrlicher Furmit 2007, eine leider viel zu unbekannte und unterstätze Rebsorte (im trockenen Ausbau!), Heu, Blumenwiese, Äpel, vielschichtig & mit wundervoller Säure, ein Winner ebenso der Muskateller, steirische Stilistik, viel Zitrus, knochentrocken, gelungen & macht Spaß (meinte auch kürzlich die Zeitschrift vinaria),
  • Merlot Schneiderteil 2005, Esterhazy Wein, viel Frucht, gute Struktur und Trinkanimo, auch der Estoras 2006, eine Cuvée aus 2/3 Blaufränkisch und Cabernet zeigte sich fruchtbetont, hatte Charme, aber auch viel Tannin, etwas austrocknend hintennach,
  • Weingut Feiler-Artinger, fruchtig-süß der Blaufränkisch 2006, mit weichem Tannin, macht Spaß, ebenso der röstige Cabernet Sauvignon 2005, feste Struktur gepaart mit feiner Säure, harmonisch & gut,
  • die Weißen aus der 2006er-Serie der Leithaberg-Winzer waren für mich die überzeugensten Weine - eine durchgehend feine Serie (annähernd) aller beteiligten Betriebe. Nirgendswo in Österreich gibt es derzeit soviel gebündeltes Terroir. Interessant war's die Silistikunterschiede der Chardonnay und Grüne Veltliner-Weine auf unterschiedlichem Boden (Urgesteinsböden - Kalk, Schiefer) zu erkosten. Bester Vertreter für mich war der Chardonnay von Hans Nittnaus, extreme Mineralik, sehr lebendig, perfekt balanciert mit dem richtigen Säurebiß, ein sehr, sehr guter Wein, ebenso der vom Weißburgunder LeithabergWeingut Prieler, Mineralik, Feuerstein, feine Blance, nervige Struktur, fast ähnlich der Grüne Veltliner vom Weingut Sommer in Donnerskirchen, gut auch die Vertreter vom Weingut Nehrer in St. Georgen, Erbhof Bayer in Donnerskirchen, Birgit Braunstein aus Purbach, eher internationale Stilistik mit gut eingebundenem Holz, ebenso der etwas lebendigere Leithaberg Weiß des Weingut Gmeiner aus Purbach (alle Chardonnay), die Cuvée aus Weißurgunder & Neuburger(!) vom Weingut Tinhof und Toni Hartls Cuvée aus Chardonnay und Grünem Veltliner in einer bemerkenswerten Harmonie, die Vorzüge beider Sorten vereinend.
    Von den roten Leithabergweinen konnte mich keiner so wirklich überzegen, zu karg & schlank sind manche Weine, unbalanciert mit überprportional viel Tannin, gesamtheitlich gesehen zu unheitlich die Stilistik, viele (derzeit) ohne Balance, akzeptabel die Weine der Weingüter Mariell, Hartl & (na klar :-) Nittnaus.
  • Weingut Strehn, Deutschkreutz, ein feiner Blaufränkisch Joseph 2005, erdig & dunkelwürzig, engmaschig & mineralisch
  • im guten Mittelfeld waren die Weine von Weniger, Frau Weninger wirkte zum Schluß der Veranstaltung sehr müde, am Besten gefiel mir der Pinot Noir Kalkofen 2005, sehr sortentypisch und mit guter Länge,
  • sehr fein - wie immer - präsentierten sich auch die Weine quer durch die Bank vom Weingut Giefing in Rust, Notizen bereits am PlusCity-Festival gepostet,
  • und als guter Abschluß ein mit viel Holz und kräftiger Struktur versehener Blaufränkisch Juwel 2004 von einem verwaisten Stand des Rotweinguts Prickler in Lutzmannsburg, zu Recht im Salon 2007 und mit viel Potential.
Resumierend vermerke ich , daß mich viele rote Weine nicht überzeugen konnten und angesichts der Preisschilder der Weine frag' ich mich schon, woher die Winzer die Chuzpe nehmen, so an der Preisschraube zu drehen. Einigen Konsumenten fehlt anscheinend der internationale Vergleich, denn sonst würden sie ihr Geldbörsel desöfteren im Hosensack belassen. Erwähnenswert aber auch, daß genügend burgenländische Weingüter existieren, die gute Weine zu sehr fairen Preisen vertreiben.

Somit sollte die Überschrift des Blogeintrags eigentlich folgendermaßen lauten:

Weiß ja! rot schwierig und süß - leider aus ;-)

Sonntag, 30. Dezember 2007

Friulanische Gaumenfreuden

Eine schon einen Monat zurückliegende Verkostung der VHS-Runde hatte Friaul zum Thema, einen - wie immer subjektiven - Auszug der besten Weine gibt's nachfolgend. Auffallend war für mich der Wandel in der Stilistik der Weine seit meinem letzten Besuch im Jahre 2002 - weg von einem - zugegebenermaßen immer perfekten und harmonisch wirkenden - Holzeinsatz hin zu mehr konturierten, die Frische betonendenden Weinen. Die Weißen waren niemals üppig und auch die Säure liegt für die internationale Stilistik eher hoch - für einen von österreichischen (und deutschen!) Weißweinen verwöhnten Gaumen also erfreulich und gerade richtig :-)
  • Casella, Ribolla Gialla 2006, Collio Orientali, kräftige Farbe, markanter Geruch, Feuerstein, wirkt eher wie ein Sauvignon Blanc, hat Struktur und eine schöne Säure, wirkt rund und besitzt Spannung, */***, € 13
  • Rocca Bernada, Sauvignon 2006, Collio Orientali, vorlaute, grasige Nase, Brennessel (einige Mitverkoster waren mehr auf der Ribisel- & Stachelbeerschiene), am Gaumen sehr fokussiert, mit kräftiger Säure, harmonisch, *(*)/***, € 14
  • Borgo San Daniele, Arbis Blanc 2005, Venezia Julia IGT, eine Cuveé aus Tocai (die jetzt Sauvignonasse heißt), Sauvignon Blanc, Chardonnay und Weißburgunder, glockenklare helle Nase, die Rebsorten perfekt vermählt, bildet ein harmonisches Ganzes, leider etwas kurz im Abgang, **/***, € 18
  • Edi Keber, Tocai 2006, Collio, dauerhafter Bezieher der Tre Bicchieri des Gambero Rosso, kräftige Nase, ziemlich expressiv und würzig, dicht, etwas breit am Gaumen, rund und harmonisch im Abgang, *(*)/***, € 11
  • Castelvecchio, Terrano 2005, Venezia Julia IGT, eine Spielart der Refosco-Traube von einem Bio-Weingut, präsentiert sich in Purpur mit dunklem Kern, würzige Nase, am Gaumen dominiert dann etwas überraschend eine kräftige Säure, trotzdem sehr ausgewogen, ein Wein, der die Säure zu seiner Seele macht, ist anders - und das gefällt mir - als die anderen Weine, polarisiert, **/***, € 8
  • Sgubin, Cabernet Franc 2005, Venezia Julia IGT, warme Nase, vermittelt ein "endlich-zuhause-Gefühl", so sortentypisch mit den vegitabilen grünen Noten, ganz weich am Gaumen, schöner Wein, **/***, € 15
  • Dorigo, Tazzelenghe 2000, Collio Orientali, wirkt gereift in Farbe und Geruch, aber noch mit Fruchtsüsse behaftet, mittelgewichtig, wirkt lebendig durch seine feine, seidige Säure, Süsseschmelz wiederum im Abgang, ist jetzt am Höhepunkt, ein sehr ziviler "Zungenschneider" (so die wörtliche Übersetzung der Rebsorte Tazzelenghe), *(*)/***, 32
  • La Viarte ("der Frühling"), Merlot 2003, Collio Orientali, wiederum ein gereifter Vertreter, Würzekomponenten und Süsse, 12 Montae Barrique, mächtiger Körper, rund, wirkt durch seine kräftige Säure äußerst vital, zeigt eine mineralische Komponente, pipifeiner Zungengenuß einer sehenswerten Show-Winery, **/***
  • Jermann, Pignacolusse 2002, Venezia Julia IGT, aus der Rebsorte Pignolo, granatrot, Rösttöne, viel Maggikraut, kräftiges Tannin, auch der Alkohol ist deutlich schmeckbar, in Summe aber eine runde Sache, gut mundfüllend, langer Abgang, **/***, € 30

Montag, 18. Jänner 2010

Nachtrag Triple V

Hab' ich's doch gewußt, daß sich in den Untiefen meines Kellers bei den unzähligen Verkostungspaketen noch eine Flasche Van Volxem Saar Riesling 2005 findet. Dieser fehlende Jahrgang ließ meine geplante 5er-Vertikale zu einer Viererpack-Verkostung - eben mit '05er-Lücke - schrumpfen.

Dafür kann ich jetzt neben dem einfachen Saar Riesling auch gleich die Notiz des Rieslings Alte Reben aus gleichen Jahrgang frei Haus mitliefern!
  • Van Volxem, Saar Riesling 2005, 12%, schönes, vor allem klar leuchtendes Goldgelb im Glas, zeigt anfangs gleich gereifte Petroltöne, nicht übermäßig, aber für mich schon einen Tick zu viel, die Nase ist aber am dritten Tag komplett differenziert von diesen balsamischen Noten, dafür kommen süßliche, kandierte exotische Fruchtkomponenten zum Vorschein, komplexe Aromen wechseln sich sekündlich ab, Champignons, Kleber, Feuerstein, fast üppiger, hedonistischer Fruchtschmelz am Gaumen, jedoch immer die Balance haltend, die sich dann mit der feinziselierten Säurestruktur im Abgang zu einem trockenen Nachgeschmack mit mineralischer Ader fokussiert, ist spannungsgeladen, das gibt dem Wein einen erstaunlichen extra Kick hintennach, auch in dieser Phase weist der Wein vollends zu überzeugen, prachtvoll, setzt nahtlos am hohen '04er-Standard an, **-**(*)/***
  • Van Volxem, Riesling Alte Reben 2005, kräftig und strahlend leuchtendes Goldgelb, auch hier sind die 4 Jahre auf der Flasche bereits in der Nase präsent, aber auf eine sehr angenehme Weise, ein reifer Riesling mit Anklängen an Wachs, Honig und einem Tupfer Petrol, sehr balanciert im Mund, zeigt trotzdem "Öl", ist mit einer inneren Spannung gesegnet, die den Trinkfluß zuträglich ist, tänzelnde Säure im ziemlich langen Nachgeschmack, wer's gerne ein wenig reifer hat, für den ist dieser Wein jetzt à point, *(*)-**/***

Sonntag, 3. Februar 2008

Meine Weine vom Jänner

  • Podere La Brancaia, Il Blu 2000, Toskana, der von mir aufgrund seines stetig steigenden Preises letzte erworbene Jahrgang (zu € 33) , zeigt noch eine kräftige Farbe ohne ein Zeichen von Alterung, sehr offene und tiefe Nase, im Duft ein typischer Toskaner, wirkt sehr mineralisch, mundfüllend und sehr saftig, die Luft fördert trotz des hohen geschmeidigen Merlotanteils massive Gerbstoffe zu Tage, welche hintennach ein wenig austrocknend wirken, in Summe ein guter, aber überteuerter Wein mit noch einigen Jahren Leben, **/***
  • Rosenberger, Grüner Veltliner Kellerstiege 2005, Kremstal, strohgelb, war anfangs noch leicht perlend, bin erstaunt, daß sich das im Schrauber so lang gehalten hat, sanft würzig, leichtes Pefferl, mittelgewichtig, ganz harmonisch und sauber, wirkt jedoch etwas laktisch im Abgang und könnte etwas mehr Kontur zeigen, */***
  • Volpe Pasini, Refosco Zuc di Volpe 2001, Friaul, hat noch eine beruhigende Farbtiefe, schöner Wasserrand, zeigt viel Würze, Aromen von Tabak, aber auch grüne Noten wie vom unreifen Tomaten bzw. grünem Paprika, durchaus voller Wein im besten Sinn, die sehr seidige Struktur unterstützt den Trinkfluß, kräftiges, reifes Tannin im Abgang, ein herrlicher Wein, solo und zum Essen, und eine Flasche, die wirklich singt - die vorigen 2 Flaschen ließen meine Hoffnung auf ein nochmals wirklich gute Flasche schwinden, geht am 2.Tag aber in die Knie, das Tannin nimmt überhand, die seidige Komponenten kommen abhanden und der Wein wird ein wenig rustikal, **/***
  • Schloß Halbturn, Imperial Weiß 2004, Neusiedlersee, ich mag diesen Wein wegen seines gekonnten, Richung internationlaler Stilistik gehender Ausbaus, klaro, das heißt viel Holz, aber eben gekonnt zu einem fein balanciertem Ganzen gesponnen. Diesmal habe ich dem Wein viel Zeit gegeben, Tage, um präziser zu sein, und siehe da, am 5. Tag zeigt dieser Wein wundervolle neue Facetten, neben brotig und nussigen Aromen gibt es nun tropische Früchte, kandierte Ananas, aber auch balsamische Noten Richtung Terpentin, Wachs und ganz zart Petrol vernehmbar, überaus stimmig! Die Kehrseite ist, daß der Wein am Gaumen bereits flach wirkt, jedoch noch immer sehr geschmeidig mit einer ziemlich beachtlichen Länge im Abgang, **/***.
  • Chateau Montrose 1994, Bordeaux, mein erster Subskriptionsjahrgang und meine erste Flasche dieses von Rene Gabriel mit 19 Punkten bewertetet Weins - mal sehen: Ziegelroter Rand, dunkler Kern, da ist sie wieder, die (für mich) typische und trinkgenuß versprechende Bordeauxnase, zeigt Würze, Maggikraut, noch deutlich Fruchtsüße riechbar, ein Schluck offenbart präsentes Tannin, Adstringenz, eine schöne Säure stützt den Wein, etwas Alkohol, bis auf die Gerbstoffe aber insgesamt recht schlank, diese sorgen für ein gutes und langanhaltendes Finish, die Tannine sind aber leicht austrocknend, die strenge Herbheit ist dem vom Cabernet Sauvignon dominierten Wein aus St. Estephe anzumerken, wird am zweiten Tag runder, jedoch auch indifferenzierter, war ein guter Essensbegleiter zu Beiriedschnitte mit Schupfnudeln und Balsamicogemüse, jetzt trinken, aber noch mit genügende Lebenssaft für die nächste Dekade, */*** oder äquivalente 16 Punkte, mehr wird's nicht.
  • Hans und Christine Nittnaus, Zweigelt Luckenwald 2002, Gols, Neusiedlersee, wassriges Rubin, wirkt sehr jugendlich, intensive Nase, Rumtopf, Süssholz, eher streng und mittelgewichtig, wirkt fast schon ein wenig hart, braucht viel Luft, wird runder, mundfüllendes, aber recht kurzes Tannin, im Abgang Säure und wiederum Noten der Süssholzwurzel, */***
  • Weingut Familie Bauer, Cuvée Reserve 2004, Großriedenthal, Wagram, Röstig-toastige Nase, Schokolade und Beerenkonzentrat; am Gaumen angenehm reife Tannine, guter Druck, dennoch elegant, feine Gerbstoffe, legt zu, eine durchaus gelungene Komposition aus Zweigelt, Merlot und Cabernet Sauvignon, *(*)/***
  • Weingut Setzer, Grüner Veltiner 1. Lage 2005, Weinviertel, Anklänge an Mhyrre, Birnennoten, gut strukturiert, moderates Säurespiel, sehr balanciert, bewundernswert, wie solche Weine im reinen Stahltankausbau entsehen können, ich hätte eher auf großes Fass getippt, leider wiederum mit Plastikkorken verschlossen, **/***
Nicht weiter erwähnenswert sind ein (brav fruchtbetonter) Zweigelt 2006 Fasanweingarten von Weingut Fischer in Sooß und ein etwas eiszuckerlbehafteter Grüner Veltliner Weinzirlberg 2005 vom Weingut der Stadt Krems, jedoch sehr süffig. Das Negativbeispiel des Monats war ein Welschriesling 2007 vom Weingut Winkler-Hermaden aus der Süd-Oststeiermark, ein geruch- und geschmackloses Etwas mit einer Säure, die selbst gestandene österreiche Zungen mit Essig assoziieren - und das als Empfehlung in einem haubendekorierten Lokal zum heimischen Saibling!

Sonntag, 17. August 2008

Bordeaux 2005 (2)

Weiter geht's im hochgelobten Jahrgang mit..

Chateau Veyry 2005, Côtes de Castillion,
aufgrund der vollmundigen Beschreibung des Weinhändlers meines Vertrauens (ua. "Prachtstück") habe ich diesen Weines subskribiert, Christian Veyry, der sein Handwerk bei Michel Rolland erlernte, ist (derzeit) sowas wie der Darling der alternativen Bordeaux-Szene (was auch immer sich hinter einem solchen Begriff verbergen mag), purpur mit dunklem Kern, viel Würze und fein röstige Nase, Zedernholz, Brandy-Kirsche, eine gewisse "Kühle" ist dem Wein nicht abzusprechen, die 14.5% Vol. lauern aber gleich dahinter, am 3. Tag viel Maggikraut, am Gaumen balanciert aber in Summe unspektakulär, ja fast schlank und ohne Fruchtsüße ausgestattet, merklich Alkohol und etwas austrocknende Gerbstoffe im Finish, erinnert mich ein wenig an die Weine von Capaia, naja, das braucht wohl noch, bei den Analysten heißt das erst einmal: "hold", o.W.
Im übrigen gibt's hier ein paar Worte zu diesem Wein; meine Flaschen ziert übrigens ein viel hübscheres Etikett.

Château Phélan Ségur 2005, St. Estèphe, ein Wein, der mich bisher noch nie entäuscht hat und dies bewahrheitet sich einmal mehr auch mit dem aktuellen Jahrgang. Helles, leuchtendes rubinrot, eine hochfeine Nase mit Tiefe, röstig, nach Kaffee und Edelhölzer, dahinter von rotbeeriger Frucht getragen, am Gaumen sehr stimmig und ausgewogen, Säure und die wohldosierten, reifen Gerbstoffe in balancierter und harmonischer Zweisamkeit, mit Druck, aber alles andere als ein Kraftprotz, ein Gentleman's Claret wie aus dem Bilderbuch, **(*)/***
Die Einstufung als Cru Bourgeois Exceptionnel ist schlichtweg ein Witz, die Weine befinden sich meiner Meinung nach qualitätsmäßig locker auf Augenhöhe mit den Nachbarn Calon-Segur (Troisième) und Montrose (Deuxième Grand Cru Classé) - aber die Klassifikation ist für Weinliebhaber, die ihren eigenen Sinnen (ver)trauen, ohnehin nur schmuckes Beiwerk ;-)

Nett finde ich die Idee, daß der Wein seinen Namen im & am Boden der Flasche trägt - ein Luxus, der mir bisher noch bei keinem anderen Hersteller aufgefallen ist.

Was liegt noch in der Kiste? Kirwan, Charmail, d'Aurilhac, Valmengaux, d'Escurac, La Serre und Bel-Air La Royère.