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Samstag, 30. April 2011

Weinrallye #44 - Rhone

Christoph Raffelt vom Blog (& Shop) originalverkorkt ist diesmal Gastgeber der 44. Weinrallye mit seiner Vorgabe: "Die Rhone - der Fluß - die Winzer".

Ein dem Thema, das für mich von seinen Möglichkeiten her ein wenig klingt wie:

Nehmen sie ein Glas und öffnen sie eine Flasche Rotwein.. ;-)

Rhone, ja da gibt es ein paar für jeden Weinfreund klingende Namen: Hermitage, St. Joseph, Cornas, Tavel, Chateauneuf-du-Pape, usw.
Eine Vielzahl von Appelationen und geologischen Formationen finden sich entlang der Rhône - und wollten wir alle einmal in Form einer Weinrallye abhandeln, so würde uns die nächsten 10 Jahre wohl nicht fad werden.
So ist wohl auch ein wenig dieser für mich undurchschaubaren Gebietskomplexität zu schulden, dass die Rhône bisher auf meinem Weinradar eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Den südlichsten Teil dieses über 800km langen Flusses habe ich auch bereits bereist, wobei der Fluss selbst keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat - sofern ich diesen überhaupt wahrgenommen habe - ganz im Gegenteil zB. zu den faustgroßen Steinen in den Weinbergen Châteauneuf-du-Papes.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich persönlich diese Regionen geografisch gesehen eher zur Provence als denn der Rhône zugehörig empfinde, beim Wein überhaupt, denn eigentlich bleibt in meinem Weinverständnis ein Gigondas ein Gigondas, ein Vacqueyras eben ein Vacqueyras und ein CdP ein CdP und das alles hat mit der Rhône so rein gar nichts gemeinsam! Auch wenn es aus zB. klimatischen Gründen nicht ganz nebensächlich ist, dass die Rhône ganz in der Nähe fließt. Aber das gilt eben nur für den kleinen, südlichen Teil samt meinen ganz persönlichen Erlebnissen.
Die Weinbauregion Rhône ist für mich also jener unbekannte, nördliche Teil hinauf bis Lyon (der Fress- pardon Gourmethauptstadt), den ich nur von den Weinatlanten und den darin befindlichen Bildern kenne. Schade eigentlich!

Obwohl es entlang der Rhône viele zugelassenen Rebsorten (Grenache, Mourvedre, Carignan, Cinsault, Viognier, Marsanne, Rousanne, ..) gibt und einige der Weine auch auf einen zahlreichen Rebsortenmix in ihren Cuvees setzen, so verbinde ich mit der Rhône doch hauptsächlich eine Rebsorte: Syrah!

Ja, (reinsortige) Syrah von der Rhone hatte ich noch nicht allzuviele, einige spannende, vom kargen Gesteinsterroir geprägte Weine waren für mich sehr "schwierig" zu trinken (Vincent Paris), ein paar gereiftere, harmonische (Hermitage), aber nicht komplex genug für's Geld und der Rest (aus dem französischen Supermarche) so durchschnittlich, dass der Wein von jeder beliebig anderen Region und Rebsorte der Welt ebenso gut hätte sein können.

 

So kommt es dann auch, daß die paar Flaschen in meinem Weinkeller, die das Wort Rhône auf dem Etikett tragen, meistens mit dem Präfix "Côtes du" bzw. Postfix "Village" versehen sind.
Das sind oftmals jene Weine, die Frucht, dunkle Würzigkeit gepaart mit Saft und Kraft zu einem harnonischen Ganzen vereinen und dann oftmals noch immer im Geldbörsel-schonenenden Bereich um €10 liegen. Weine, die in ihrer Jugendlichkeit soviel Spaß machen, daß keine Notwendigkkeit besteht, sie auch nur eine Woche länger unter Verschluß zu halten, was aber ihrer Lagerfähigkeit bis zu 5 Jahren keinen Abbruch tut, wie meine beiden Exemplare belegen, welche ich, letzte Woche im Glas hatte: den ersten direkt aus meinem Keller, den zweiten im Rahmen einer Verkostung zum unter dem Titel "Frankreich, ein Streifzug durch unbekannt(ere) Regionen".
  • Domaine Daniel & Denis Alary, La Font d'Estévenas 2005, Côtes du Rhone, purpurfarben mit dunklem Kern, sehr würzig mit vielschichtige Noten, fruchtsüß mit Anklängen nach Brombeere und Sauerkirsche in der Nase, der für die Rhone so typische weißer Pfeffer findet sich auch in diesem Wein, ebenso Wacholder, am Gaumen fest strukturiert, erstaunlich schlank für seine 14.5% Vol., da ist nicht mehr viel zu merken von der anfänglichen überschwenglichen Fruchtsüsse, eher herber Grundton, eine tiefe Kräuterwürzigkeit kleidet meinen Mundraum aus, fein balanciert in allen Belangen, harmonische, lebendige Säure, sehr gute Länge samt feurigem Abgang, ganz eigenwilliger Charakter, im Rückgeschmack wiederum Wacholdernoten, *(*)/***, €13
    Im Vergleich zur Kostnotiz vor 3 Jahren hat dieses Exemplar ein wenig an Fruchtcharme & Süße, an Gefälligkeit und unmittelbarer Zustimmung eingebüßt, nicht aber an der "Trinkigkeit" und dem Preis-Leistungs-Verhältnis..
  • Nicolas Croze, Notre Dame de Mélinas 2009, Côtes du Rhone, satte Farbe mit dunklem Kern, tiefe Fruchtcharme, zarter Schokotouch, Wacholder und Olive, die volle Kräuterwürze der Garrique, dunkle Beeren, saftig am Gaumen, viel Kraft im Mund, die natürlich auch dem kräftigen Alkohol geschuldet ist, ein gut gemachter Côtes du Rhone, hinten nach etwas breit und nicht allzulang, ein den Preis werter Spaßwein für die doch noch recht kühlen Abende, *(*)/***, €9
Zeit wird's also, die nördlich Rhône zu bereisen, aber gilt das nicht auch für das Napa Valley, Neuseeland, die Weinbauregionen Argentiniens und und und ?

Wie das alles zu schaffen sein wird? Kein Problem, es sind nur mehr 23 Jahre bis zur Pension.. .

    Sonntag, 27. März 2011

    Man(n) muß doch auch mal..

    ..Glück haben, bei den Weinflaschen, oder?

    Nach den ersten Vorboten des kommenden Frühlings sind die letzten Tage wettermäßig wieder etwas durchwachsener und so habe ich im Keller  nach ein paar reiferen Flaschen der Marke "5 Jahre +" Ausschau gehalten, die den vergangenen Winter "unbeschadet" - weil nicht im "zu konsumieren"-Regal gelandet sind - überstanden haben.
    Ohnenhin war ich in der Vorwochen nicht gerade vom Weinglück verfolgt:
    • Ein Weinfreund, der mir 2 Flaschen überließ ("was hältst du denn von diesem hier?") - einer davon ein ziemlich unreifer 08er Cabernet Sauvignon aus einer österreichischen Weißweinregion! Was motiviert eigentlich Winzer in Langenlois zum Anbau dieser Sorte? Das können entweder nur die Forderungen penetranter Stammkunden sein oder maßlose Selbstüberschätzung..?!
    • 2 Flaschen mit geschäumten Kunststoffkork, beide gut unter einer Kapsel versteckt und beide inzwischen überreif an der Grenze zur Antrinkbarkeit, lasch und fad (05er Veltliner Grande Reserve vom Weingut Forstreiter in Krems und ein 06er St. Laurent vom Weingut Mauß)
    • und dann noch 2 Korkschleicher (01er Chianti Classico Riserva Rocca Guiccarda von Barone Ricasoli und ein 05er Grüner Veltliner Schweren Zapfen vom Weingut Fritz, Kremstal)
    Wenn ich dann also aus diesem Fundus von insgesamt 7 Weinen noch von 2 augesprochen - und auch unerwartet(!) - gut gelungenen Exemplaren zu berichten darf, bleibt mir eigentlich nur noch zu erwähnen:

    Man muß ja gelegentlich auch mal Glück haben!
    • Alexander von Essen, Capaia 2004, tiefdunkle Farbe mit granatrotem Rand, eine wirklich tiefe, extrem kräuterwürzig geprägte Nase, feste Faßbrandnoten, aber auch die Cassistöne der Rebsorte sind noch da, ein wenig Balsamik, reife Gerbstoffe bilden das Fundament, auf dem Fruchtsüße und Säurestruktur ihr durchaus stilvolles Erscheinungsbild aufbauen, mittelgewichtig am Gaumen, aber durchaus kraftvoll, sauber und in Summe sehr ausgewogene Stilistik ohne Ecken und Kanten, die feingliedrige Säure verleiht dem Wein fast eine vitale Leichtfüßigkeit, der Abgang könnte ruhig etwas länger anhalten, aber was für ein Vergleich zu früheren (rauhen und unbalancierten) Flaschen, ein Phönix aus der Asche, kein komplexer Wein, aber mit schönem Trinkfuß der Marke Winterwärmer, **-**(*)/***
    • Weingut Dreisiebner-Stammhaus, Morillion Hochsulz 2005, Südsteiermark, helles Strohgelb, sehr reife, anfangs aber feinziselierte Frucht, geht dann mächtig im Glas auf, intensive, aber niemals breite Anklänge an Litschi und Fisalis, kandierte Ananas im Hintergrund, das Holz gut verwoben, das Mundgefühl doch eher schlank, zarte Mineralik, engmaschige und lebendig Säurestruktur, die im Abgang richtiggehend elektrisierende Wirkung zeigt, also eine beispielgebende Wirkung einer gebündelte Mineralik, fokussiert und blitzsauberer Abgang! **(*)/***

    Samstag, 29. Jänner 2011

    Portugal ganz Groß!

    Auftakt zu den diesjährigen VHS-Verkostungsrunden - und was für einer! Kein einziger der 13 Weine unter meiner *(*)-Bewertung, das heißt ins Verbale übersetzt: Alles prachtvolle und überdurchschnittliche attraktive Exemplar!
    Wunder ist das keines, eher der Lohn für kompromissloses und qualitätsorientiertes Arbeiten. Zudem waren die beiden Jahrgänge 2005 und 2007 klimatisch sehr vielversprechend.
    Allen Rotweinen gemeinsam war jedenfalls eine unglaublich tiefe, schwarzviolette Farbe, reifes Tannin und ein spannungsvoller Säurebogen als Gegenpart. Eine tolle Stilistik, auch wenn sich die Weine (aus der gleichen Region) teilweise sehr ähnlich sind - das aber kann für konsumenten auf der Suche nach Weinen ähnlicher Stilistik auch von Vorteil sein. Wer jedenfalls kräftige Winterweine mit Fruchtsüsse und Power liebt, ohne jedoch auf Ausgewogenheit, ja sogar Finesse verzichten zu müssen, der ist in Portugal, insbesonders dem Douro-Tal goldrichtig. Und mit 3 tollen Vertretern im Preisbereich von €10-15 auch preislich mehr als attraktiv. Selbst die Topweine dieser verkostung liegen preislich nicht höher als Bordeaux im besseren Einstiegssegment. Rundherum zu empfehlen!

    3x Weiß, 8 x Rot & 2 x Gespritet
    1. Anselmo Mendes, Muros Antigos 2009, Vinho Verde DOC, "milchiges" Strohgelb, erstaunlich aromatischer Duft, florale Noten, etwas Zitrus, wirkt sehr homogen, tolle Säure, macht Lust auf einen Fisch als Speisenbegleiter und auf das 2. Glas sowieso, *(*), €9
    2. Jorge Moreira, pó de poeira 2009, Douro Vinho Regional, klares Strohgelb, feine Barriquenoten, durchströmt ruhig und balanciert meinen Riechkolben, fast keine Primärfrucht vorhanden, ganz schüchtern rosa Grapefruit-Noten, dafür mineralisch und salzig, *(*)-**/***, €15
    3. Wine & Soul, guru 2009, Douro DOC, Tavares da Silva, helles Strohgelb, Mineralik, kein Holz merkbar (hat er aber), sehr feine und fließende Stilistik, burgundisch, wirkt kühl und sehr lebendig, am Gaumen wiederum die Mineralik, sehr gut, aber auch teuer! **/***, €29
    4. Rapariga da Quinta, Reserva 2007, Alentejo Vinho Regiona, dunkle Farbe und dunkler Kern, sehr beerenfruchtig, konzentrierte Säure, Würze, Weihrauch, Rumtopf, jetzt bereits fein zu trinken, zeigt schöne Gerbstoffe parallel zur lebendigen Säurestruktur, Trinkwein ohne ins "Philosophieren" zu kommen, gutes PLV! *(*)-**/***, €10
    5. Alvaro Castro, Pape 2005, Dao DOC, dunkle Farbe, dicht, die pure, richtiggehende extreme Mineralik (yeah!), Würzenoten, Graphit, Heidelbeere, sehr fokussiert und direkt, mit einer kräftigen Säure hinten nach, sehr lang haftend, tolle Stilistik, eigenwilliger Charakterwein aus je 50% Touriga Nacional und Baga, **(*)/***, €30
    6. Quinto do Mouro 2004, Alentejo Vinho Regiona, leichte Reife am Rand (das kann dann schonmal kein Dourowein mehr sein), zeigt etwas Balsamik nebst Rosinen und Rumptopf, Zwetschke, erinnert ein wenig an Piemont, sehr traditionelle Stilistik, *(*)/***, €27
    7. Lavradores de Feitoria, Tres Bagos 2005, Douro DOC, violetter Rand, der Kern ist undurchsichtig, Gewürznoten, Kirsche, etwas balsamische Noten, frische Säure, reife Gerbstofftextur, wirkt sehr lebendig, zart feurig im Abgang, tolles PLV, *(*)/***. €10
    8. Quinta de la Rosa, Passagem 2006, Douro DOC, tiefe Farbe, viel Würze bereits beim ersten Hineinriechen, besitzt eine innere Spannung, tolles Mundgefühl, Fruchtiefe und -süße sind reichlich vorhanden, insgesamt sehr balanciert, reifes, superbes Tannin mit feiner Textur, die obligatorische forsche Säure als Gegenpart, sehr guter Weinwert! **/***, €15
    9. Quinta da Vale d. Maria 2007, Douro DOC, Christiano van Zeller, Quinta do Noval, dunkel- bis schwarzfarben, Kirsche, sehr würzig, alles fein mit einem Schokotouch hinterlegt, wirkt sehr modern, aber gut (gemacht), tolle Gerbstoffstruktur, sehr engmaschig und reif, erzeugt ziemlichen Druck am Gaumen, in Summe fast schon ein wenig zu schön, wo bleiben die individuellen Ecken & Kanten, **-**(*)/***, €30
    10. Jorge Moreira, poeira 2007, Douro DOC, undurchsichtige Farbe, fokussiert, aber verschlossen, deutet das vorhandene Potential nur vage an, Würze, wirkt sehr dicht, besitzt die Tugenden der Vorgänger, vitale Säure & reife Gerbstoffe in Balance, wirkt trotz seiner inneren Dichte frisch und lebendig, die Komplexität aber derzeit vermissend, viel zu jung.., **-**(*)/***, €32
    11. Quinta de la Rosa, Reserve 2005, Douro DOC, offen, wirkt gut entwickelt und reif, auch deutlich wärmer als die 07er-Weine, Schlehenaromen, fein fruchtsüß, ein Traum von Tanningerüst im Mund, intensiv, alles sehr harmonisch und balanciert, großer Genuss! **-**(*)/***, €26
    12. Quinta da Vale d. Maria LBV (Vintage Bottled Vintage) Port 2006, Douro DO, zeigt gute Frucht und Gerbstoffe, ist eher von der süßen Sorte, macht Spaß, o, weil nur mehr genossen und nicht verkostet :-)
    13. Quinta da Vale Meao, Vintage Port 2007, Douro DOC, eine sensationelle violette Farbe, korrespondierende Heidelbeeraromatik, ein toller Extrakt kleidet den Mundraum aus, zeigt viel Würze und eine enorme Konzentration, Stoff für Jahrzehnte, jetzt noch in der Fruchtphase genießen oder dann im Keller vergessen :-) oW
    Bezugsquellen für all diese Weine: Lobenberg, K&U

    Sonntag, 17. Oktober 2010

    Frizzante? Frizzante!

    Frizzante - auch Perlwein gennant, aber das klingt ja um einiges langweiliger - führt(e) in meinem Weinuniversum ein Schattendasein. Mehr oder weniger eigentlich alleine aus qualitativen Gründen. Wenn immer es geht, dann greife ich lieber zu Spumante (wenn wir schon bei der italienischen Notation bleiben wollen), der nach der klassischen Flaschengärung produziert wird. Egal ob in Italien, Deutschland, Spanien oder zuhause in Österreich. Natürlich ist das nur eine Seite, denn die andere ist eine steuerliche (auch wenn die Schaumwein- / Sektsteuer in Österreich seit 2005 abgeschafft ausgesetzt ist) bzw. der Aufwand im Herstellungsprozess.
    Jedenfalls hatte ich im letzten Monat drei ausgewiesen tolle, weil trinkanimierende Exemplare - 2 aus dem Weinviertel, eines aus Italien, genauer aus der Emilia Romagna - im Glas, welche auch meinen qualitativen Anspruch an ein solches Getränk ganz locker erfüllen konnten und mich wieder einmal meiner Weinvorurteile bewußt werden ließen. Alle drei waren aus aromatischen Traubenmaterial vinifiziert, einmal Muskateller, einmal Muskat Ottonel und einmal aus der geschundenen roten Lambrusco-Traube - allesamt im Glas quicklebendig!

    Ungetrübtes, lebensfrohes Weinvergnügen in Reinform (erleichtert die Zeit zum innerlichen Reflektieren seiner Vorurteile ;-)
    • Weingut Laurer, Muskatello Frizzante 2008, Weinviertel, im SALON 2009 vetreten, intensives, sortentypisches Bukett, kräftige Perlage, deutliche Restsüße verleiht dem Wein ein tolles Volumen und einen richtig saftigen, weil trinkfreudigen Stil, gemeinsam mit 2 Damen war diese Flasche bei angenehmen Nachmittagstemperaturen im Nu geleert, ein qualitativ seriöser "Spaßwein" erster Ordnung, süffig und belebend,  *(*)-**/*** 
    • Gatterburg'sche Schloßkellerei, Contessa M.O. (Muskat Ottonel) 2008, Retz, wirkt im Vergleich zum Laurer feiner, diffiziler und auch trockener, sicherlich auch - aber nicht ausschließlich - aufgrund der Rebsorte nicht so vorlaut, feine Perlage, sehr harmonisch, ein perfekter Appetizer zu jeder Jahreszeit, *-*(*)/***
    Bildquellennachweis: Cantina Medici Ermete
    • Cantina Medici Ermete, Lambrusco Concerto Reggiano Frizzante 2009, Emilia-Romagna,  der 15 Jahrgang (15 "vintages of success"), tiefvolette Farbe, intensive Waldbeernase, tiefe Fruchtsüße, am Gaumen durch die Perlage herrlich belebend, wirkt ist süffig rund, dabei mit feinen Gerbstoffen(!) behaftet, die einem ein wirklich tolles Mundgefühl verschaffen, wirkt trocken (trotz der 9g/l RZ), insbesonders im Abgang, im Gambero Rosso höchst dekoriert sorgt dieses Weingut seit Jahren für einen neuen Qualitätsschub bei der Rebsorte Lambrusco. Und ich bin nur einer unter vielen, die sich unter die Laudatoren bei diesem Wein einreihen! Ein Bravo der Cantina und unbedingt eine Flasche probieren - Bezug ua. via K&U, Ronaldi, Wein & Co.Zum Glück bin ich im meiner Jugend beim Italiener nie der Versuchung erlegen, das süße Lambrusco-Zeugs zu probieren - zu meiner Zeit war nämlich gerade ein ebenso simpel gestrickter Valpolicella "in" - denn sonst hätte ich diese Flasche wohl niemals probiert, sondern eher in schön dekorativem (sprich undurchsichtigem ;-) Geschenkpapier weitergereicht.. **/***

    Mittwoch, 7. Juli 2010

    Mission Bordeaux 2007

    Während sich alle Welt am neuen Jahrhundertjahrgang erfreut - nach 2000, 2003 und 2005 eh' erst der vierte(!) in dieser Dekade - und sich gleichzeitig über die absurden Preisgestaltungen der arrivierten Châteaus mokieren - wieso eigentlich, ist doch das gleiche bigotte Schauspiel wie jedes Jahr? - ist es an der Zeit, sich an den noch "frischen" (und preiswerten) 2007er Weine zu erfreuen.
    Schon lange habe ich es aufgegeben, den traditionellen Jahrgangsbewertungen wie ein Lemming zu folgen, zu angenehme Weine aus kleinen Jahrgängen habe ich schon im Glas gehabt. Und das ohne 20-jährige Bordeauxerfahrung, ohne Teilnahme an Primeurvertkostungen und auch ganz ohne Premiers Crus!
    Ja ich wage sogar die Behauptung, daß bei sorgfältiger Auswahl der Flaschen ein ebenso großer Trinkspaß wie bei den sogenannten Topjahrgängen garantiert ist - alleine schon wegen der entspannteren Erwartungshaltung dem Flascheninhalt gegenüber. Die Schonung der eigenen Geldbörse inkludiert!

    2 außerordentliche und 3 wirklich gute Weine - allesamt noch in ihrer ansprechenden Fruchtphase behaftet - haben mich sehr positiv überrascht! So soll's sein und das ist mit ein Grund, warum sich (preislich angemessener) Bordeaux nachwievor in meinem Keller findet!
    • Château Rol Valentin 2007, St. Emilion, Rubinrot, hochfeine und expressive Nase, tolle Röstaromen, Kaffeelikör. Milchschokolade, Brombeere, wirkt sehr kühl, korrespondierende Aromatik am Gaumen, sehr zivile Stilistik, Noblesse, mittelgewichtig, gut saftig, balanciert, zeigt schon gute, fruchtbetonter Abgang, die Gerbstoffe im Hintergrund, recht harmonisch, mittellanger Abgang, macht Spaß, **/***, Potential!
    • Château la Grave 2007, Pomerol, ein Wein aus dem Stall von Jean Pierre Moueix, mitteldichtes Rubinrot, erster Eindruck beim Reinriechen: pures Cassis / Johannisbeer, zweiter Eindruck: ich bin falsch in Bordeaux - viel eher ist das hier Merlot aus Chile, tiefe, strömende Würze & Gewürze, das Holz perfekt integriert, ein wenig zitronig, dunkle Schokolade, am Gaumen saftig (und so wie in Übersee) leicht feurig, hat Pepp, balanciert mit reifem Tannin, insgesamt macht der Wein Spaß, hat für mich aber ein Identitätsproblem! Wirkt insgesamt geschliffener als die Weine aus der neuen Welt, aber Bordeaux ist das trotzdem nicht. Obwohl, was weiß ich schon von Pomerol? Entwickelt am dritten Tag dann balsamische Noten, Teer, wirkt seriöser, wiederum Anklänge an Zitrus, toller, weil richtig hedonistisch reifer Stoff! **-**(*)/***
    • Château Barde Haut 2007, St. Emilion Grand Cru, leuchtendes, aber nicht allzu dichtes Rubinrot, sehr getragene, attraktive Nase, Heidelbeere und Brombeere, Zwetschke, Milchschokolade, leicht parfumiert, straffes Mundgefühl, wirkt kompakt, gute Balance, fokussiert zum Abgang immer mehr, engmaschig, herrliche, feinnervige Säurestruktur stützt den Wein, minutenlanger Abgang, geschmeidiger Extrakt und Säure umkleidet den Gaumen! Zeigt am zweiten Tag eine Tolle Textur, ätherische Noten von Eukalyptus, Veilchen, insgesamt sehr vielschichtig, reifes und weiches Tannin, feurige, bleibt immer engmaschig und wirkt niemals fett oder gar breit, viel Potential, toller Stoff zum attraktiven Preis! **-**(*)/***
    • Château Belgrave 2007, Haut Medoc, sattes Rubinrot, anfangs feine Röstaromatik, Tropenholz, die Frucht im Hintergrund, wirkt etwas "spröde", aber nicht unharmonisch, am dritten Tage dann das blühende Leben, die Holznoten sind komplett eingebunden, Himbeere, ganz zart Brombeernoten, Zwetschkenkonfit, dunkle Schokolade, am Gaumen fest, der Cabernet-Anteil ist merkbar, und doch so runder Fruchtgaumen, wunderbar balanciert, reife Gerbstofftextur macht den Wein angenehm stoffig, kühler Weingenuß bis in den mittellangen Abgang, bereitet gutes Trinkvergnügen und bietet viel Wein für's Geld, **/***
    • Domaine de Chevalier 2007, Pessac-Leognan, Rubinrot mit dunklem Kern, rotbeerige, ansprechende Fruchtnoten, die Holzunterstützung fast nicht merkbar, feiner Gaumen, zurückhaltend, aber trotzdem gute Struktur zeigend, reifes Tannin, alles in feiner Harmonie, nach 3 Tagen zeigt der Wein viel Würze, schwarzer Pfeffer, erdige Komponenten, schöne Balance zwischen Fülle und Säure, zeigt eine superbe Balance und ist wiederum ein gelungenes Beispiel dafür, warum ich Bordeaux so mag - zivilisierte Kraft in "a perfect shape", ist aber am Ende des Tages (für sein Preisetikett) auch ein wenig (zu) einfach gestrickt! Zuwarten, *(*)-**/***

    Samstag, 12. Juni 2010

    Genußvolle März-, Aprilweine & Maiweine

    Die letzten 3 Monate fanden sich wahrlich ein paar ganz besonders angenehme Tropfen im Weinglas wieder, insbesonders auch aus der Rebsorte Riesling. Das freut mich umso mehr - und nehme es als Belohnung meines Gaumens - da ich doch 15 Jahre meines Weinlebens "verbraucht" habe, um mir diese Weinvarietät schmackhaft zu machen.. :-)
    • Heymann-Löwenstein, Riesling "Vom blauen Schiefer" 2004, Mosel, feinstes Goldgelb, anfangs etwas Petrol und nasser Stein, öffnet sich dann zu einem breiten Spannungsbogen zwischen mineralischen Noten, Gesteinsmehl und balancierter Exotik, von keiner Komponente zuviel oder zuwenig, ein wundervoll balanciertes Exemplar von Wein, hedonistisch mit temporärer Üppigkeit am Gaumen und nervigem Säurespiel im Ausklang, seidig rinnt jeder Schluck die Kehle hinunter, so genußvoll mit allen Sinnen, da wird jede Punktebewertung zur Farce, bravo!
    • Ansgar Clüsserath, Riesling Spätlese 2002, Trittenheim, Mosel, klares Goldgelb, etwas phenolisch, reife Rieslingnase, in der Nase ein feiner Süß-Sauer-Dialog, zart zitrusfruchtig am Gaumen, die Säure steht über der Restsüsse, nicht unharmonisch, aber noch keine kompakte Einheit, dafür mit schönem, feinziselierten, zitrussaurem Nachgeschmack, mittelang, *(*)/***
    • Ansgar Clüsserath, Riesling Steinreich 2006, Trittenheim, Mosel, helles Goldgelb, reife, gelbe Früchte, Pfirsich- & Marillennoten, fließt saftig über die Zunge und dann im Abgang eine ungeheure pointierte Note zu entwickeln, schlank und mit nerviger Säure gesegnet hat der Wein mit seinen mineralischen Noten hintennach einen feinen Spannungsbogen mit Überraschung zu bieten, ein reeller, unaufdringlicher Wein mit Anspruch, *(*)-**/***
    • Schloß Lieser, Riesling (feinherb) 2008, Mosel, blasses Strohgelb, diffizile Nase, nicht wirklich fruchtig, nicht mineralisch und nicht balsamisch, ein wenig saure Drops, die Süße gut schmeckbar, aber noch keine rechte Verbindung mit der Säure zeigend, trotzdem in Summe harmonisch, im Abgang zart zitronig und gut von einer nervigen Säure dominiert, prinzipiell ich mag ich diese Stilistik mit Restzucker und glaube, daß diese Exemplare aber ein paar Jahre Flaschenreife brauchen um ihr wahres Ich zu zeigen, im derzeitigem Zustand nur */***, aber Potential
    • Philipp Wittmann, Riesling trocken K&U-Edition 2007, Rheinhessen, strohgelbe Farbe, reife Fruchtnoten nach gelben Früchten, etwas Zitrus, im nächsten Augenblick feine Mineralik, hat eine erstaunliche Affinität zu einem gutgemachten Grünen Veltliner der mittleren Graduation, saftiger Zungenschmelz, eine trinkanimierende, höchst zivile Säurestruktur, ein feines Exemplar, das sich sich unkompliziert trinken läßt und alles richtig macht, **/*** 
    • Willy Bründlmayer, Riesling Zöbinger Heiligenstein 2005, Kamptal, Strohgelb, animierende und appetitliche Nase, mit phenolischen Anklängen unterlegt, auch florale Noten sind
      vorhanden, von deutlicher Mineralik geprägt, frisches Mundgefühl, ein Hauch Zitrus,
      wirkt mit seinen 12.5% Vol. dabei animierend und druckvoll mit guter Länge, ein
      tolles Exemplar vom Abverkaufsregal
      , **-**(*)/***
    • Luise Freifrau von Racknitz, Riesling 2007, Nahe, ein toller Gaumenwein, einer von jener Sorte, bei der du auf's Analysieren vergißt und dich dem Trinkgenuß hingibst, eine äußerst harmonische Säurestruktur, am Gaumen fast weich, samtig-saftig und animierend, solo mit zartem Zitrustouch und zum Essen ein richtiger Genuß, wieder ein feinee Wein aus einer tollen Weinbauregion! *(*)-**/***
    "Wo viel Riesling, da auch viel Grüner Veltliner", zumindestens bei mir. Oder auch: "Kein Riesling ohne Grünen Veltliner als Pendant":
    • Weingut Markus Huber, Grüner Veltliner DAC Obere Steigen 2008, Traisental, fette Schlieren im Glas, sattes Goldgelb gibt die ersten Hinweise auf reifes Traubenmaterial, dazu korrespondierende Exotik in der Nase gepaart mit dem berühmten Pfefferl, mineralisch verwoben, am Gaumen fokussiert mit nerviger Säure, druckvoll, eher schlank, macht im Abgang wieder auf und verhilft dem Wein so zu ansprechendem, saftigem Trinkfluß, ein Paradebeispiel österreichischer Velilinerkunst mit feinen 12.5% Vol., **-**(*)/***
    • Weingut Markus Huber, Grüner Veltliner Alte Setzen 2006, Traisental, ein Lößveltliner vom Bilderbuch, helles Gold mit einem zarten Grünreflex, viel Würze im Glas, gelbe Früchte, Tabak, Pfeffer, aber auch parfumiert, fast Traminer-like, kräftiger Extrakt sorgt für einen saftigen Stoff, der da hedonistisch über meine Zunge läuft, homogene Struktur, die Säure weich integriert, fast seidig und mittellang ausklingend, ein Wein, von dem ich nach Verhallen des ersten Schluckes sofort den nächsten nehmen muß :-), ein Paradeexemplar zu leicht scharfen Gerichten, **-**(*)/***
    • Weingut Hindler, Grüner Veltliner Classic DAC 2007, Schrattenthal, Weinviertel, kräftiges Strohgelb, eine prachtvoll sortentypische Nase, weit geöffnet, aber nicht breit, zeigt Würze, Exotik, am Gaumen straff, fokussiert, trotzdem mit einem fast saftig anmutenden Trinkfluß, deutlich mineralisch geprägt, alles gut balanciert, ein würdiger Sortenvertreter und wiederum Beweis für die Klasse, die das Weinviertel zu liefern im Stande ist, **-**(*)/***
    • Weingut Bergmann (Retzer Windmühlenheuriger), Grüner Veltliner DAC 2008, Retz, Weinviertel, blasses Strohgelb, kühle, fokussiert Nase, Stachelbeere, rosa Grapefruit, ungemein vielschichtiges Aromenspektrum, zarte Cassisanklänge, würzig, am Gaumen rund, aus einem Guss, stringenter Wein aus biologisch arbeitendem Betrieb, vielleicht nicht wirklich sortentypisch, aber nichts desto trotz ein feines Exemplar, *(*)-**/***
    • Weingut Breitenfelder, Grüner Veltliner Weinviertel DAC 2008, helles Strohgelb, in der Nase ein wenig gemüsig, aber auch Exotik, durchaus vielschichtig, recht zugänglich, einige Würze am Gaumen, zeigt eine gute Harmonie, Zitrus im Abgang, sauber zu trinken, *(*)/***
    • Winzer Jassek, Grüner Veltliner DAC 2008, Weinviertel, Strohgelb, etwas Zitrus, florale Aromen, leichtes Pfefferl, am Gaumen schlank, balancierte Säurestruktur, sauberer Sommertrunk, aber auch nicht mehr, */***
    Ein feiner Vertreter aus dem nördlichen Frankreich:
    • Eric Nicolas, Domaine de Belliviere, Chenin Blanc Vieilles Vignes Eparses 2004, Coteaux du Loir, eine Farbe zwischen Strohgelb & Gold, die typische Chenin Blanc-Nase, wachsig, leichte Honigaromen, Blüten, sehr getragen in der Nase, blitzsauber am Gaumen, geschmeidig und fast saftig, tolle Stilistik, langer Nachgeschmack nach den Eingangs erwähnten Aromen, herrlich anders, für mich herrlich "altmodisch", **/***
    Und auch in Süß hatte ich diesmal ein gutes Händchen..
    • Weingut Kraft, TBA Riesling x Sylvaner 1991, Rust, helle Kaffeefarbe mit am Rand orange-gelbem Einschlag,leicht oxidierter Einschlag, nussige Noten, Orangenzesten, eine feinziselierte Säure ist bereits beim Riechen bemerkbar, am Gaumen dann den ganzen Mundraum auskleidende Extraktbombe, das volle Aromenspektrum ähnlich einem Balsamico Traditionale, vielschichtige Textur, komprimiert und druckvoll, nervige Säurestruktur in in toller Balance mit dem Restzucker, ein geschmackliches Feuerwerk, toller Stoff, unendlicher Abgang läßt die Zunge schnalzen, ein 1/16 Glas reicht für den ganzen Abend, über 2 Wochen genossener, hedonistischer Stoff in einer leider viel zu kleinen Flasche, **(*)/***   
    Und auch zwei heimische Rotweine komplettieren die Palette in "Rot-Weiß-Süß"..

    • Weingut Draxler, Zweigelt Selektion 2007, Neckenmarkt, Mittelburgenland, mitteldichtes Purpur, eine feinfruchtiges Aromenspiel, rotbeerig, Gewürzanklänge, Marzipannoten, fast schwebend leicht mit deutlich "burgundischem Einschlag", mittelgewichtiger, recht saftiger Gaumen, tolle Fruchtsüße harmonisch, zarte Gerbstoffe im Einklang mit lebendiger Säure, äußerst gelungener Wein, der viel Trinkspaß bietet, *(*)-**/***
    • Grenzhof Fiedler, Cabernet Sauvignon 2006, Mörbisch, Neusiedlersee, rubinrot, dunkler Kern, verführerische Nase vom Toasting, ganz im Bordelaiser Stil, Kaffeelikör, roter Paprika, tiefe Würze, schwarzrotes Beerenconfit, gutes Volumen, saftige Stilistik, getragen von einer schönen Säuretextur, daher quicklebendig, mit elegantem Charme, mittellanger Abgang, gute Gerbstofftextur im Nachgeschmack, die erst am zweiten Tag so richtig zum Tragen kommt, blitzsauberer, trinkfreudiger Wein am Anfang seiner Möglichkeiten, **/***

    Sonntag, 21. Februar 2010

    Spanien (2)

    Der 2. Abend mit den Spaniern brachte nach meinem Geschmack zwar weniger Spitzengewächse, dafür aber eine gleichmäßigere Dichte bzw. Qualität im Mittelfeld, sowie zahlreiche wirklich ansprechend gestaltete Etiketten!


    Die empfehlenswerten Weine (2 x Weiß & 3 x Rot):
    • Ca N'Estruc, Blanco 2008, Catalunya, dieser Verschnitt aus den Rebsorten Xarel-lo, Macabeo und Chardonnay aus verschiedenen Anbaugebieten Kataloniens, daher auch die "Groß-DO" Catalunya! Von immerhin 30-40jährigen Rebstöcken ist das ein frischer Sommerterrassenwein, blasses Strohgelb, traubig, frische Hefearomatik, trocken und balanciert, ein Aperitifwein ohne Reue schlechthin, *(*)/***, € 5,50
    • Pazo de Señorans, Seleccion de Añada 2004, Rias Baixas, 100% Albariño, leuchtendes Gold, Nase deutlich geprägt vom langen Ausbau auf der Feinhefe, gute Frucht, Zitrus, vielschichtig, das Holz fein verwoben, komplex am Gaumen, cremig und dicht, niemals fett, mit harmonischer Säure, tolles Exemplar, 98 Punkte im Guia Proensa, daher leider auch nicht wirklich günstig! *(*)-**/***, €36
    • Bernabé Navarro, Beryna 2006, Alicante, dieser von Peñín immer deutlich über 90 Punkte ausgezeichnete und hochgelobte Wein entsteht aus einem Mix von 60% Monastrell, der Rest ist Tempranillio, Cabernet, Syrah und Merlot, dunkle Farbe, intensive Aromatik, durchdringend, aber frisch, zeigt eine gute Balance und hat die richtige Portion Gerbstoffe, das Holz wirkt zart unterstützend, macht Spaß, genießt schon fast Kultstatus, zurecht, denn mit €11 bietet die Flasche ein hervorragendes Preis-Genußverhältnis, *(*)/***
    • Alejandro Fernández, El Vinculo Crianza 2005, La Mancha, Tempranillo vom Altmeister aus dem Ribero del Duero in bewährter Qualität, dunkel und herb, Rum und Bitterschokolade, kräftige Säure und Gerbstoffe, eigenwillig, zeigt Charakter mit Struktur, in Summe ist alles in Harmonie, *(*)/***, €15
    • Álvaro Palacio, Pétalos del Bierzo 2007, aus der neuen DO Bierzo, gewonnen aus der autochthonen Rebsorte Mencia, dunkelrot, intensiv beerig-würzig, Pfeffer, Muskatnuß, zartes Bitterl am Gaumen, Ribiselaromen, herbe Grundnote, gute Säurestruktur, ein eigenwilliger Charakterwein, der die Gemüter spaltet, mir aber gut gefällt, Bio! *(*)/***
    • Navazos, La Pota de PX de Montilla-Moriles No.12, Montilla-Moriles, für mich eindeutig der Star der Verkostung, ein Wein gewonnen aus der Pedro-Ximénez-Rebsorte, welcher 25-27 Jahre im Solera-System gealtert ist, sein Alkoholgehalt ist dadurch auf etwas über 10% Vol. abgerundet worden, ein Dessertwein mit einer unglaublich leuchtenden schwarz-gelben Farbe, ein dickes, fast klebriges Elixier, von der Substanz her ähnlich einem Balsamico-Traditionale, tolle Aromatik, betörender Stoff, den man entweder liebt oder ablehnt, ein 1/16 davon reicht, da dieser Wein so intensiv ist, daß die Sättigungsschwelle sehr niedrig ist, umso unverständlicher ist es daher, daß diese Granate in 0,75l-Flaschen abgefüllt wurde, von René Gabriel mit der Höchstnote 20/20 bedacht, hält die nächsten 50 Jahre, unbedingt probieren! **/***, €43
    Einige Weine der renommierten Hersteller konnten mich nicht überzeugen, so zB. der erste Jahrgang des PSI 2007 von Starönologe Peter Sissek, streng, herb und kantig, Mineralik und Heidelbeere, kräftigste Säureattacke am Gaumen, jeder Schluck will sich erarbeitet werden, ebenso der Pintia 2005 von Vega Sicilia, (zu) weiche Nase, austrocknend im Mund und der mächtige Alkohol waren trotz Würze, Graphit und Zederaromen so gar nicht meins!

    Bildquellen & Bezugnachweis: Cielo del Vino (alle Bilder), vif

    Alles in allem eine feine Verkostung mit ein paar wirklich empfehlenswerten Weinen!
    Nachlese Teil 1

    Dienstag, 2. Februar 2010

    Monatsweinliste Jänner

    • Weingut Tenuta Kornell, Zeder Cabernet Sauvignon Merlot 2004, Südtirol, erstaunlich junge Farbe, am Rand purpurviolett, der Rest undurchdringlich dunkel, die Nase dann ebenso, verhaltene Dunkelfrucht, die würzigen Aromakomponenten dominieren aber, Bourbonvanille, am Gaumen zeigt sich dieser Wein eher leichtgewichtig, rund und weich, fast belanglos, weder Tannin noch Säure dominieren, bilden aber auch keine erkennbare Geschmackskontur, im Abgang haben die Gerbstoffe dann die Nase vorn, in aber Summe kein Wein, der nachhaltig in Erinnerung bleibt, (*)-*/***
    • La Rioja Alta, Vina Ardanza 1996, Rioja, Spanien, Granatrot, deutlich Orangetöne, Wasserrand, hat diese herrlich altmodische, fast "modrige" Note, die ein klassischer Riojas mit seinem jahrelangen Faßausbau mit sich bringt, feine Struktur, Säure und Adstringenz in einem harmonisch Gleichgewicht, die Holznote bleibt deutlich am Gaumen haften und dominiert auch den Abgang, entweder man liebt diese Art der unvergleichlichen Rioja-Stilistik oder aber man wendet sich modernerem Stoff zB. von Artadi zu, für mich paßt's (noch), auch wenn diese Flasche im Rückgeschmack seine Harmonie schon etwas vermissen läßt, *(*)/***
    • Weingut Brandl, Riesling Kogelberg 2007, Zöbing, Kamptal, Strohgelb, ist anfangs noch die Zitrusaromatik im Vordergrund, schält sich bald ein fokussiertes, mineralisches Exemplar von Wein heraus, etwas Feuerstein, zeigt viel Spannung auf der Zunge, straff, nervige Säure, zeigt eine geschliffene Eleganz, alles in Balance, feiner Abgang, blitzsauber, macht Spaß und Lust auf die nächsten lauen Sommernächte auf der Terrasse ;-), *(*)-**/***
    • Henri Goutorbe, Cuvée Traditione NV Brut, Ay, Champagne, gereiftes Gold, die Perlage schon etwas schwach, das mag wohl auch an den 2-3 Jahren liegen, welche dieses Exemplar bereits im Keller verweilte, aber eine kräftige und attraktive, zart süßliche Nase, am Gaumen korrespondierend viel Extrakt, kleidet den Mund fein aus, wirkt nicht allzu trocken, aus einem Guß, etwas Quitte im Abgang, findet bei den Damen Anklang :-), *(*)/***
    • Mazzei, Fonterutoli Chianti Classico DOCG 2003, Toskana, dunkles Rubinrot, eine unglaublich expressive, fast laute Nase, Herzkirsche und Brombeere, saftiger Fruchtgaumen, verschwenderische, die Zunge umhüllende Fruchtsüße, dabei gut gestützt von balanciertem Gerbstoff und ansprechender Säure, insgesamt gut ausgewogen und noch sehr jugendlich, bietet Fülle und Noblesse gleichermaßen, dieser Wein ist immer eine sichere Bank, diese Flasche jedoch war "outstanding", **/***
    • Mazzei, Fonterutoli Chianti Classico Riserva DOCG Ser Lapo 2005, Toskana, Rubinrot, verhaltene Aromatik, erdiger und strenger Grundcharakter, etwas Tintenblei, sehr straffes Tanninkorsett, wirkt am Gaumen etwas breit und läßt den Trinkcharme vermissen, nicht direkt schlecht, mehr eintönig und als Essensbegleiter sicherlich besser geeignet denn als Solowein, aber den Vergleich zum vorigen Wein (CC '03) hielt er in keinster Weise stand (bei annähernd gleichem Preis, wenngleich auch anderem Jahrgang), *-*(*)/***

    Montag, 1. Februar 2010

    Tesch Hochberg x 4

    Es gibt Weine, die passen vom ersten Schluck an. Solch ein Exemplar ist zB. der Blaufränkisch (DAC) Hochberg von Tesch. Seit er mir vor einigen Jahren auf einer Verkostung als einer der wenigen Blaufränkisch positiven in Erinnerung geblieben ist, halte ich diesem strammen Burschen jedes Jahr die Treue.
    In seiner Jugend immer mit ungestümer Fruchtsüße und kräftiger Tanninstruktur geprägt, verträgt der Hochberg auch gut ein paar Jahre Lagerung, um sein ganzes Nuancenspiel zu erreichen.
    Teschweine sind niemals die subtilen, feingliedriegen Aristokraten, sondern haben immer etwas von einer sympathischen, leicht burschikosen Rustikalität und beweisen Charakter mit Ecken und Kanten. Besonders die würzige Art und feste Struktur des Hochbergs, der im Gegensatz zum Weinbaubetrieb in Neckenmarkt von einer bekannten Lage der Nachbargemeinde Horitschon stammt, sowie sein kräftiger Alkoholgehalt machen diesen Wein zu einem idealen Begleiter für frostige Winterabende.


    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg 2004, Mittelburgenland, jugendliches, dichtes Rot, herrlich würziges Nasenspiel, Liebstöckl, Schlehe, offene Fruchtcharme versprühend, Brombeere, am Gaumen gut mundfüllend, hat Struktur, Fruchtsüsse, feine Gerbstoffe begleiten den Abgang, rundherum gelungener Vertreter, am zweiten Tag wird die Struktur fester, die Tannine präsenter und der Grundcharakter etwas strenger, aber alles, ohne das gewinnende Wesen ernsthaft zu gefährden ;-) **/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg DAC 2005, der erste Jahrgang unter der neu geschaffenen DAC Mittelburgenland, sehr dunkler Kern, am Rand noch jugendliches Purpurrot, die Nase kühl, wiederum dominiert von tiefer Würze, schwarzer Pfeffer, dahinter Brombeere, süße Nase, in Rum eingelegte Früchte, mollig balanciertes Mundgefühl, saftig mit zivilisiertem Tannin, sehr ausladend und fast breit, im Abgang leicht feurig, im Endeffekt wiederum eine tolle Würzigkeit zeigend, im direkten Vergleich zum Vorgängerjahrgang fehlt im ein wenig die Engmaschiggkeit, wirkt breiter und auch die Feurigkeit im Abgang ist präsenter als beim '04er, *(*)-**/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg 2006, mit satten 14.5% V0l. hat das Exemplar aus dem hochgelobten Jahrgang 06 doch deutlich die beim Mittelburgenland DAC (mit Lagenbezeichnung) festgelegte, zulässige Obergrenze von 13.5% Vol. überschritten, daher gibt's in diesem Jahr kein DAC-Mascherl, dunkles Erscheinungsbild, Weichsel-Vanille als dominante Aromen beim Riechen, wirkt insgesamt schon sehr fertig und komplett, weich am Gaumen, für seinen doch hohen Alkoholgehalt ein fast seidiger Tänzer, die Gerbstoffstoffe kaum spürbar, im Abgang fest, ein wenig feurig und leicht herb, ein Winterwein zum Wärmen, ganz charmant, wirkt in Summe aber derzeit auch (noch?) beliebig, *-*(*)/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg DAC 2007, dunkelrot mit violettem Rand, jugendliche, fruchtbetonte Nase, weit offen und unmittelbar ansprechend, Brombeere mit einem feinen Schokotouch, wirkt sehr reif, hat auch ein bißchen was vom "Mon Cherie", am Gaufen sehr saftig, mit einer herzhaften Würzigkeit gesegnet, erstaunlich rund mit zivilen Gerbstoffen und schöner Säurebalance und obwohl der Alkohol auch bei diesem Jahrgang erschmeckbar ist, bleibt auch in diesem Jahrgang immer die Trinkbarkeit erhalten, *(*)/***

    Montag, 18. Jänner 2010

    Nachtrag Triple V

    Hab' ich's doch gewußt, daß sich in den Untiefen meines Kellers bei den unzähligen Verkostungspaketen noch eine Flasche Van Volxem Saar Riesling 2005 findet. Dieser fehlende Jahrgang ließ meine geplante 5er-Vertikale zu einer Viererpack-Verkostung - eben mit '05er-Lücke - schrumpfen.

    Dafür kann ich jetzt neben dem einfachen Saar Riesling auch gleich die Notiz des Rieslings Alte Reben aus gleichen Jahrgang frei Haus mitliefern!
    • Van Volxem, Saar Riesling 2005, 12%, schönes, vor allem klar leuchtendes Goldgelb im Glas, zeigt anfangs gleich gereifte Petroltöne, nicht übermäßig, aber für mich schon einen Tick zu viel, die Nase ist aber am dritten Tag komplett differenziert von diesen balsamischen Noten, dafür kommen süßliche, kandierte exotische Fruchtkomponenten zum Vorschein, komplexe Aromen wechseln sich sekündlich ab, Champignons, Kleber, Feuerstein, fast üppiger, hedonistischer Fruchtschmelz am Gaumen, jedoch immer die Balance haltend, die sich dann mit der feinziselierten Säurestruktur im Abgang zu einem trockenen Nachgeschmack mit mineralischer Ader fokussiert, ist spannungsgeladen, das gibt dem Wein einen erstaunlichen extra Kick hintennach, auch in dieser Phase weist der Wein vollends zu überzeugen, prachtvoll, setzt nahtlos am hohen '04er-Standard an, **-**(*)/***
    • Van Volxem, Riesling Alte Reben 2005, kräftig und strahlend leuchtendes Goldgelb, auch hier sind die 4 Jahre auf der Flasche bereits in der Nase präsent, aber auf eine sehr angenehme Weise, ein reifer Riesling mit Anklängen an Wachs, Honig und einem Tupfer Petrol, sehr balanciert im Mund, zeigt trotzdem "Öl", ist mit einer inneren Spannung gesegnet, die den Trinkfluß zuträglich ist, tänzelnde Säure im ziemlich langen Nachgeschmack, wer's gerne ein wenig reifer hat, für den ist dieser Wein jetzt à point, *(*)-**/***

    Dienstag, 1. Dezember 2009

    Novemberweine

    Die themenbezogenen Beiträge werden immer mehr. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die (Länge der) Monatsweinliste. Nicht so wirklich schlimm, war es doch wieder einmal ein Monat mit durchgehend feinen Weinen :-)
    • Judith Beck, Pannobile 2005, Neusiedlersee, eine Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent, dunkelrotes Rubin, mittelkräftige, rotfruchtige Nase, auch etwas Brombeere, das Holz doch deutlich wahrnehmbar, läßt aber der Frucht genügend Spielraum, mundfüllende Struktur, aber zivilisiert am Gaumen, sanftes Tannin in Kooperation mit einer feinen Säureunterstützung, herber Grundcharakter, wieder deutliche Barriquenoten, balancierter Abgang, hat (am dritten Tag) gute Stunden, wo der Wein scheint, tendenziell die richtige (burgundische) Richtung, läßt mich aber ob des dominanten Holzbrands, das mein Harmonieempfinden stört, ein wenig zwiespältig zurück, *(*)/***
    • Weingut Nigl, Grüner Veltliner Privat 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, in der Nase die bei Weinen solcher Reife üblichen Aromen nach Birne, gelben Früchten, Tabak, der erste Schluck manifestiert sich wie eine Explosion am Gaumen, unglaublich druckvolle Dichte und harmonische Konzentration macht sich auf der Zunge breit, dabei zu jeder Zeit saftig und süffig, ein Hedonistenwein mit langem, zart mineralisch unterlegtem Nachhall, schön zu trinken. Das Einzige was man diesem Wein in der €20-Preisklasse ankreiden könnte ist die mangelnde Komplexität. Aber Angesichts des Offenheit und des wundervollen Trinkflusses ist dies ein Jammern auf hohem Niveau :-) **/***
    • Peter Jakob Kühn, Riesling Oestricher Lenchen Spätlese 2002, Rheingau, Goldgelb, komplexe tertiäre Aromen zum Riechen, Petrol in angenehmer Dosis, aber auch viel Honig, Nüsse, ein wenig altmodisch nach antiken Möbeln, den Gaumen gut auskleidend, die Süße steht etwas von der Säure abseits, so gesehen keine wirklich harmonische Einheit, etwas zuckrig im Abgang, dann jedoch mit einer versöhnlichen Balance im Rückgeschmack fein ausklingend, *(*)/***
    • Weingut Tscheppe, Morillon vom Pössnitzberg 2006, Südsteiermark, dem Genußportfolio der Gebrüder Polz zugehörig, Strohgelb, eine fein ziselierte Nase, brotig, Zitrusnoten, blitzsauber und unheimlich appetitanregend, frisch im Mund mit korrespondierender Trinkanimo, wird wirklich fein von Zitrus getragen, nervige Säure, leicht herb, balanciert und somit einfach ein perfekter Trinkspaß mit nur 12% Vol., **/***
    • Weingut Dr. Heger, Grauburgunder Ihringer Winklerberg Spätlese trocken 2005, Baden, Goldgelb im Glas, braucht ein wenig um seine Reifenoten abzulegen, offenbart eine "straffe" Nase in Verbindung mit gelben Früchten, Birne, geht ins Exotische, zeigt viel Agilität im Mund, gutes Säurekorsett, schlank, fast juvenil, aber extraktreich abgefedert und rund, harmonisch ausklingend, wiederum reife Birnenoten im Abgang, mineralischer Nachgeschmack, bereitet einiges Trinkvergnügen, hat aber am zweiten Tag seine Strahlkraft verloren - also zügig trinken ;-) *(*)-**/***
      Verkostungsnotitz zweier badischer 06-Sortenvertreter
    • Weingut Knoll, Grüner Veltliner Kreutles Smaragd 2007, Wachau, ein fast unnatürlich leuchtendes Goldgelb, fein pikante und intensive Nase, hat Würze, reife Gelbfrucht, Tabak, am Gaumen schön offen, mit Spiel, im Dialog mit einer harmonischen Säure ergeben sich im Nachgeschmack auch mineralische Noten, hat Trinkfluss, ein Wein mit Anspruch und trotzdem "leicht" zu trinken - was will man mehr? Einziger - zugegebener nur gedanklicher - Wermutstropfen: Auf eine längere Haltbarkeit dieses Weines würde ich nicht setzen, **/***, Notiz des 2004er-Weins

    Donnerstag, 5. November 2009

    Wonneschauer

    Prinzipiell bin kein Freund von süßen und womöglich auch noch galligen Mehlspeisen - Pikantes liegt mir mehr. Auch wenn ich einer Kreation á la Gurkerl-Chili-Torte durchaus was abgewinnen kann, so gibt es doch das eine oder andere Dessert, das mich frohlocken läßt. Kuchenartiges in Kombination mit herber Scholokade zum Beispiel. So gehören Marmorgugelhupf, die Sachertorte und die (italienische) lauwarme Schokotarte zu meinen All-Time-Favorites.

    Vor kurzem haben wir bei der Linzer Genußmeile Schokotartes in Miniaturausführung entdeckt. Die SchokoTaler der Kremstaler Hofbäckerei sind kleine Köstlichkeiten, ein wenig herb und doch leicht süß, innen immer noch ein wenig fest & teigig und bieten so einen herrlichen Genuß, noch dazu in der richtigen Portionsgröße, sodaß ich auch ein zweites und drittes und .. ohne Reue verschlingen kann.

    In Kombination mit einer Beerenauslese-Cuvée 2005 vom renommierten Illmitzer Süßweinpapst Kracher wurde dies zu einem fulminanten Wochenendebeginn vorm kleinen Freitag-Nachmittagsschläfchen :)
    War mir die nach Orangenzesten und Honigaromen duftende Cuvée aus Welschriesling und Chardonnay solo genossen insgesamt doch noch zu sehr auf der süssen Seite, ohne Gegenpart, offenbarte der goldgelbe Nektar in Kombination mit den kleinen Tartelets ein himmlische und harmonische Kombination. Der mit über 100g /l doch kräftige Restzucker des Weins wurde perfekt abgepuffert, war nur mehr in Nuancen erahnbar, eine feinziselierte Säure kam zum Vorschein und ein stimmiges, stringentes Geschmacksbild zur Symbiose beider Beteiligter stellte sich am Gaumen ein. Eine Wucht, **/***.

    Warum gibt's nicht öfters Süßwein in dieser Kombination? Wieso - gibt's doch jetzt..

    Donnerstag, 22. Oktober 2009

    Kleiner Rieslingwettstreit (2)

    Riesling zählt erst seit 5 Jahren zu meinen Lieblingssorten. Einzig und allein ist das der Verdienst von wundervollen Exemplaren aus deutschem Lande!
    Natürlich lassen sich auch in meinem Heimatland Österreich feine Exemplare finden, aber selten in dieser feinen Nuanciertheit, Fokussiertheit, messerscharfen Klarheit oder hedonistischen Ausprägung der fruchtsüssen Vertreter. Und selten in dieser Preisklasse - wie der einfache Wein von Christmann deutlich belegt! So konkurrenzlos ich unseren Grünen Veltliner halte - auch international - so konkurrenzlos ist auch deutscher Riesling - auch wenn ich damit (noch immer) einsamer Rufer hierzulande bin..
    • Ansgar Clüsserath, Riesling Spätlese 2002, Mosel, klares Goldgelb, etwas phenolisch, reife Rieslingnase, in der Nase ein feiner Süß-Sauer-Dialog, zart zitrusfruchtig am Gaumen, die Säure steht über der Restsüsse, nicht unharmonisch, aber noch keine kompakte Einheit, dafür mit einer schönen feinziseliertem zitrussaurem Nachgeschmack, mittelang, *(*)/***
    • Heymann-Löwenstein, Riesling "Vom blauen Schiefer" 2004, Mosel, feinstes Goldgelb, anfangs etwas Petrol und nasser Stein, öffnet sich dann zu einem breiten Spannungsbogen zwischen mineralischen Noten, Gesteinsmehl und balancierter Exotik, von keiner Komponente zuviel oder zuwenig, ein wundervoll balanciertes Exemplar von Wein, hedonistisch mit temporärer Üppigkeit am Gaumen und nervigem Säurespiel im Ausklang, seidig rinnt jeder Schluck die Kehle hinunter, so genußvoll mit allen Sinnen, da wird jede Punktebewertung zur Farce, bravo!
    • Weingut Ansgar Clüsserath, Riesling Vom Schiefer 2005, Mosel, strohgelb, nasses Gestein, Mineralik, phenolische Anklänge, Petrol, aber auch Ananas, am Gaumen recht rund, weich, mit viel Zitrusgeschmack, angenehm balancierter Säure im Abgang, harmonischer und facettenreicher Wein, *(*)/***
    • Weingut der Stadt Krems, Riesling Steinterassen 2006, Kremstal, strohgelb, sehr diffus wirkende Nase, wenig bis gar keine Frucht, irgendwo dahinter schlummert ein wenig angedeutet die Mineralik, sehr schlanker Körper, aber ohne wirklichen Fokus, kann sich nicht entscheiden was er sein will, frucht- oder mineralikdominiert, Säurebalance ist ok, kurzer Abgang, läßt mich ratlos zurück und ist mir in dieser Phase nicht einmal einen Punkt wert! Ein Wein von kargen Urgesteins- und Schotterböden, aus einem sehr guten Jahr, von einem renommierten Erzeuger, ..?? Es sind genau solche Rieslingexemplare, die mich ganz klar in meiner Präferenz für trockene deutsche Rieslinge bestätigen - auch wenn hier von der stilistischen Bandbreite zuweilen Äpfel mit Birnen verglichen werden - die fruchtsüßen Exemplare sind sowieso konkurrenzlos!
      Nach 5 Tagen gewinnt dieser Wein zugunsten der mineralischen Noten deutlich an Profil, zeigt eine innere Dichte beim Riechen und offeriert eine schöne Pikanz, auch phenolische Komponenten in Form von (annehmbaren) Petroltönen sind vorhanden, am Gaumen noch immer schlank, jetzt auch präzise und mit wirklich knackiger Säure ausgestattet, Feuerstein im Abgang, na also, so macht dieses Exemplar doch noch Spaß und ich muß meine Meinung vom österreichischen Riesling und Fritz Miesbauer relativieren ;-) - *(*)-**/***
    • Weingut Ansgar Clüsserath, Riesling Vom Schiefer 2007, Mosel, ich habe den Wein nach einem österreichischen Roten Veltliner aus einem von mir geschätzten Weingut im Glas, was soll ich sagen, einfach ein Mehr an Frische, an Frucht, an Aromatik, an Spannung! Klares Strohgelb, in der Nase wundervolle Reife, ein wenig gelbe Früchte, Pfirsich, alles untermalt mit zarter Mineralik, am Gaumen frisch, mit Substanz, das hat was zum Beißen und Kauen, nervige Säure, prachtvoller Wein zum prachtvollen Preis! **-**(*)/***
    • Weingut Christmann, Riesling 2007, Pfalz, siehe Weinrallye #26 - Tipp vom Weinhändler
    Als Nachlese: Teil 1

    Samstag, 3. Oktober 2009

    Septemberweinliste

    • Weingut Josef Fritz, Roter Veltliner Steinberg 2007, Wagram, strohgelb, hochfeine Nase mit verwobenen Holznuancen, reife Textur, Biskuit, zart nussig, zeigt ein feines Volumen am Gaumen, wirkt aber zu keiner Zeit überladen, cremige Textur, balanciert, etwas breit im Abgang, hat Potential für Jahre, **/***
    • Schloß Gobelsburg, Grüner Veltliner Renner 2006, Kamptal, kräftiges Strohgelb im Übergang zum Gold, exotische Noten, allem voran kandierte Ananas, verändert sich mit der Zeit zu reifer Birne, offeriert ein fokussiertes Mundgefühl, im feinen Dialog zwischen weitem Fruchtspiel und gebündelter Mineralik, dichte Textur, fast ein wenig zu trockener Abgang, aber das ist bei diesem wirklich feinen Exemplar nur eine persönliche Anmerkung, gute Länge, **/***
    • Weingut Giefing, Pinot Noir Cavallo 2003, Rust, Neusiedlersee-Hügelland, zeigt bereits eine gereifte Farbe Richtung ziegelrot, herrlich verwobene Nase, anfangs gedörrte Früchte, ein wenig Rumtopf, gute Holzintegration, auf seine Grundstrukturen reduziert, für einen Wein aus dem Hitzejahr 2003 recht lebhafte Säure, balsamische Noten, Teer, balancierter Abgang, gelungenes Exemplar, hat für mich jedoch mehr Affinität zu einem klassischen Rioja Riserva als zu Pinot Noir, jedenfalls hochelegant, **-**(*)/***
    • Weingut Christ, Weißburgunder "Der Vollmondwein" 2007, Wien, helle, fast "weißlich" durchsichtige Farbe, nur anfangs ein wenig Biskuit, dann übernimmt sofort die Zitrusfrucht das Kommando, harmonisch, mit deutlicher Mineralik am Gaumen (neben der Zitrone!), balanciertes Säurespiel, trinkfreudiger Wein, der in diesem Jahr aber die Sortentypizität vermissen läßt, *(*)-**/***, Verkostungsnotiz 2005
    • Maglock-Nagel, Grüner Veltliner Gaisberg 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, anfangs diffuse Nase, welche sich aber mit Luftzufuhr deutlich einem reifen Sortenvertreter annähert, gelbfruchtig und tabakkig, mollig rund am Gaumen mit feinem Süssecharme, in Summe recht balanciert, hat sich wacker gehalten, wenn man bedenkt, daß die Weine aus diesem Haus sich immer sehr früh in Trinkform präsentieren und auch der allgemeine Vinifikationsstil reduktiv und fruchtbetont ist, *(*)-**/***
    • Weingut Aigner, Grüner Veltliner Weinzierlberg 2007, Krems, helles Strohgelb, sehr "veltlineske" Nase, reife Birne gepaart mit zarter Würze, am Gaumen sehr straff, nervige Säure, zeigt eine sehr schlank Statur, spritziger Terassenwein, sauber und unkompliziert, *-*(*)/***

    Montag, 14. September 2009

    PJK - 2 x "L" & 1 x "Q"

    Ich habe mit den ersten Flaschen so meine Schwierigkeiten mit Peter Jakob Kühns Weine gehabt, fiel doch meine Begegnung mit seinen Weinen gerade in die Zeit der Umstellung vom Hightech-Winzer auf biodynamische Bewirtschaftung. Gut, daß diese vollzogen wurden, denn inzwischen weiß ich die Weine des Rheingauer Winzers aus Oestrich zu schätzen - vor allem werden diese von Jahr zu Jahr kontur- und finessenreicher.
    Die verkosteten Exemplare stammen aus der 150ha großen Oestricher Einzelage Doosberg, welche Teil der Großlage Gottesthal ist und auch die bekannte Lage Lenchen enthält. Der Quarzit ist dabei eine Cuvée aus verschiedenen Teilbereichen des Doosbergs, wohingegen der "L" aus einem Weinbergsbereich mit der alte Katasterbezeichnung Landgeflecht - einem aus geflochtener Weide gegen Tierfraß geschütztem Teilbereich - stammt. Die 2 Trauben sind ein Hinweis auf die Traubenqualität im Spätlesebereich.
    • Peter Jakob Kühn, Riesling 2 Trauben "L"andgeflecht 2005, Oestrich, Rheingau, sattes Goldgelb, ein prachtvolle, sehr expressive Nase, Honig, Bergkräuterwürze, fast wie eingedickter Almdudler, ebenso am Gaumen, weitmaschiges Fruchtspiel, voll, aber nicht üppig, strahlt eine gewisse Gelassenheit und Souveränität aus, extraktreich, von einem weichen Säuregerüst umrahmt, Schmelz, ein hedonistisches Exemplar mit langem Abgang, **/***
    • Peter Jakob Kühn, Riesling 2 Trauben Quarzit 2006, Oestrich, Rheingau, kräftiges Strohgelb, straffe Nase, schlank, eine herrliche Kräuterwürzigkeit entspringt dem Glas, mittelgewichtig, hat Spiel am Gaumen, in Summe etwas schlanker, aber das steht dem Wein recht gut, auch trockener, mit packender Mineralität auf der Zunge, im Abgang Zitrusfrucht, feines Säurespiel, straffer, forscher, fordernder, nerviger als der "L" und ebenfalls rundherum gelungen, so macht Riesling Spaß! **-**(*)/***
    • Peter Jakob Kühn, Riesling 2 Trauben "L"andgeflecht 2006, Oestrich, Rheingau, strahlendes Goldgelb, anfangs pure Feuersteinaromen, welche dann einer Würzigkeit weichen, wirkt sehr offen und zugänglich, das bestätigt dann auch der erste Schluck, knisternde Mineralik auf der Zungenspitze, zeigt eine feine Balance zwischen Zugänglichkeit und Straffheit, ich könnte auch innere Harmonie als Synonym verwenden, spannend, mittellanger, wiederum kräuterwürziger Abgang, fein-fein, **-**(*)/***
    Allesamt jedenfalls tolle Weine mit einer ganz eigenen Identität und Aromatik. Hervorragend geeignet für den Genuß im Rahmen der letzten warmen Tage. Und als Erinnerung an einen vor 2 Jahren im Rheingau (arbeitsam!) verbrachten österreichischen Nationalfeiertag ;-)

    Dienstag, 14. Juli 2009

    Pitnauer's Bienenfresser

    Der beste Zweigelt im Weingut von Hans Pitnauer hat den Namen Bienenfresser und trägt damit den Namen eines hübsch bunten und exotischen Vogels, der im Weinbaugebiet Carnuntum ua. in den Göttelsbrunner Rieden heimisch ist.
    • Weingut Pitnauer, Zweigelt Ried Bienenfresser Bärnreiser 2005, Carnuntum, bereits eine österreichische Legende, findet sich bei den Landes- und Sortenwettbewerben immer weit vorne, des öfteren am Stockerl.
      Tiefer Kern, wer gerne an klassischen Bordeaux riecht wird auch mit diesem Exemplar sehr glücklich sein, die Nase geprägt von noblen Edelhölzern, dunkles Nougat, röstig mit Kaffeearomen, tief, braucht ein paar Stunden um sich zu öffnen, verliert dann seine anfängliche Strenge und wird ziemlich rund, zeigt Holzwürze und sanftes Tannin, eine für seine 14.5% Vol.(!) erstaunliche harmonische Balance, auch im Abgang niemals breit oder feurig wirkend.
      Ein autochthoner Österreicher für Freunde der bordelaiser Weine, schön zu trinken mit Potential für die nächsten 5 Jahre - aber wo bleibt der Sortentypus? *(*)/***
    • Pitnauer, Zweigelt Bienenfresser 2007, Carnuntum, purpurer Rand mit dunklem Kern, vom Holz und der Röstung dominierte Nase, vielschichtige Kaffearomen, dahinter rote Früchte, am Gaumen gefällig weich, aber nicht breit, lebendiger, von Säure und Alkohol getragener Abgang, wird sich wahrscheinlich noch verbessern, meiner Meinung nach ist das aber einfach keine zeitgenössische Stilistik mehr, wirkt "Parker-esk", zu konzentriert, wo bleibt die Finesse und/ oder die Frische? *-*(*)/***
    Zweifelsohne sind das handwerklich gut gemachte Weine, welche ihre Liebhaber finden. Mich persönlich langweilt diese Art von Weintypus immer mehr. Ihnen fehlt einfach die innere Spannung, die Expressivität der Mineralik, die fordernde Art, sich mit ihnen auseinandersetzten zu müssen, die Komplexität, welche sich auch durch eine minütlich verändernde Aromatik manifestiert. Uniforme, weil überholzte und zu "intensive" Weine wie der 05er Bienenfresser sind Vertreter der Spezies "kennst du einen - kennst du alle". In einigen Momenten sind sie mit feinem Genuß zu konsumieren, auch durchaus ein zweites Glas, aber im Endeffekt versteht es keiner dieser beiden Exemplare mich zu fesseln.
    Schade, denn gerade im schwierigen, weil heißen Jahr 2003 hat Hans Pitnauer sein Klasse als Winzer mit feinen Weinen bewiesen! Quo vadis HP?

    Bildquellennachweis: Magellanwineimport

    Freitag, 3. Juli 2009

    Weinmonatsliste Juni

    • Werner Achs, Zweigelt Goldberg 2005, Gols, Neusiedlersee, dunkles Purpur, fruchtig, aber nicht vordergründig, unterlegt von tiefer Würze, wunderschön umrahmt vom kaum merkbarem Holz, am Gaumen mittelgewichtig, und doch von fester Struktur, feurig und fokussiert, von erstaunlich erfrischender Leichtigkeit für einen Roten, wunderschöne mineralische und kühle Textur, purer Trinkspaß, von dem man auch gerne ein drittes Glas sich einschenken läßt, eine feine Überraschung - Zweigelt mit Modellcharakter! **(*)/***
    • Weingut Ebner-Ebenauer, Weißburgunder 2007, Weinviertel, helles und klares Strohgelb, die Nase wird von einer dominanten (fast schweißtreibender) Zitrusfrucht dominiert, zeigt viel Fett im Glas, der dann auch schön als Mundgefühl erschmeckbar wird, füllig rund, gut gestützt durch ein harmonisches Säurerückrat, trinkanimierend, die Nase wird verwobener, offenbart jedoch keine rebsortentypischen Aromen wie Haselnuß, Biskuit udgl. mehr, gefällt mir trotzdem gut, *(*)-**/***
    • Weingut Geyerhof, Grüner Veltliner Steinleiten 2007, Kremstal, Ilse Mazza's Bioweingut war mit diesem Wein im Salon 2008 vertreten, zwischen kräftigem Strohgelb und hellen Goldgelb, ein klassischer Sortenvertreter, viel Gelbfrucht, anfangs auch ein wenig Tabak, mineralische Spannung direkt an der Zungenspitze, mit viel Extrakt volles Volumen, immer balanciert, kein intellektueller, sondern hedonistischer Gaumenwein, mit dem Extra-Bio-Kick, die innere Spannung immer präsent, harmonischer GV, fein, **/***
    • Weingut Capaia, Blue Grove Hill 2006, Südafrika, dunkle Farbe mit anfangs intensiven Raucharomen - O-Ton meiner lieben Renate "wie eine aufgelöste Zigarre"- wirkt leichtgewichtig, hell & alkoholisch.
      Zwei Tage dauert die Metamorphose, dann notiere ich herrliche Heidelbeeraromatik, rauchig-selchige Noten, aber auch Fruchtkomponenten, die Johannisbeere vom Cabernet ist deutlich im Vordergrund, alles gut verwoben, am Gaumen harmonisch, mittelgewichtig, wirkt fast kühl, sehr balanciert, der Merlot rundet alles ab, mit einer fast schwebend leichten Textur am Gaumen, das ist bei 14% Vol. nun wahrlich eine Meisterleistung, eine Stilistik, die mich unmittelbar gefangen nimmt, trinkfreudig, fein, hat was faszinierendes an sich und wetzt die vor kurzem entstandenen Scharte des Sauvignon Blanc aus,
      **-**(*)/***

    Samstag, 20. Juni 2009

    Weinrallye #24 - Die Nahe

    Gastgeber der Weinrallye ist diesmal Alexander "der" Ultes und er möchte mit seinem Thema "Das Gute liegt wirklich NAHE" eine, seiner Meinung nach "zu Unrecht, nur wenig anerkannte Weinregion", die Nahe (2) ins Rampenlicht rücken.

    Nun - wie immer liegt - die Wahrheit ein Stückchen im Auge des Betrachters, denn von meiner Heimatstadt Linz aus gesehen liegt die Nahe bei Gott nicht nahe, sondern einigermaßen fern!
    Da ich aber im patriotischen Österreicherland ein - zumindest manchmal - einsamer Rufer zugunsten der oftmals so spannenden deutschen Weine bin, finde ich Gefallen an dieser lokalen zentrierten Rallye. Ermöglicht es mir doch, mich mit einer Weinregion auseinanderzusetzen, die zwar in Form einzelner Flaschen wie zB. einer 06er Riesling Hermannshöhle von Dönnhoff oder Grauburgunder vom Schloßweingut Diel in meinem Keller vertreten ist - ua. fehlen noch Crusius, Schönleber, usw. - aber nicht aktiv in meinem Weinbewußtsein vorhanden ist. In Anbetracht der Dichte von Spitzenweingütern hat es diese Weinbauregion, die mit etwas über 4000ha Anbaufläche in etwa mit dem österreichischen Kamptal vergleichbar ist - aber allemal verdient.

    Und siehe da, wurde ich doch bei der Suche nach einem entsprechenden Rallyewein der Nahe nahe Linz fündig. Die Vinothek Wagner in Gmunden führt Weine des Weinguts Schäfer-Fröhlich. Und dieses mir bisher unbekannte Weingut scheint bei Recherche ebenfalls einer der ganz "Großen" dieser Region zu sein:
    • Tim Fröhlich wurde im Gault Millau 2005 zum "Aufsteiger des Jahres" gekürt,
    • Robert Parker - oder besser sein für den deutschen und österreichischen Wein zuständigen David Schildknecht - meint "Es gibt in Deutschland derzeit kein spannenderes Weingut als Schäfer-Fröhlich." (Quelle Wein-Plus),
    • "..ein echtes Dreamteam..” schwärmt Stuart Pigott in seinem letzen Buch „Wein spricht deutsch” und
    • auch international können die Weine reüssieren, wie zB. beim Weinkritiker Claude Kolm mit seiner The Fine Wine Review aus San Francisco, welcher regelmäßig voll des Lobes ist und den "Riesling Monzinger Halenberg 2005 Großes Gewächs" mit 98/100 Punkten bewertet, angeblich die höchste Bewertung, die jemals ein deutscher, trockener Weißwein erreicht hat! (Quelle Wein-Plus)
    Erstanden habe ich eine Flasche Riesling trocken der Lage Bockenauer Felseneck und eine Flasche Riesling Spätlese Monzinger Halenberg, jeweils aus dem hervorragenden Jahr 2007 - beides lt. Deutschem Weinatlas privilegierte Lagen.
    Der Halenberg erscheint mir noch viel zu jung für ansprechenden Genuß und so wende ich mich dem Gewächs aus dem Bockenauer Felseneck zu, einer Süd-/Südwestlage mit Konglomeraten aus blauem Schiefer, Quarzit, Basalt, aber auch Lehm und Lößanteilen. Kräftige Mineralik im Glas sollte also vorprogramiert sein.


    Weingut Schäfer-Fröhlich, Riesling Bockenauer Felseneck 2007 trocken, Nahe, strohgelbe Farbe mit deutlichen Grünreflexen, phenolische Töne, zarte Exotik, Fichte, glockenklar und vibrierend, straff am Gaumen, dominierende Zitrusnoten mit rassigem Säurespiel als Prüfstein für die Geschmacksnerven, fordernd, hat eine innere, sehr fokussierte Spannung vorzuweisen und bietet trotzdem viel Spiel am Gaumen, zieht in einem durch, messerscharf, dabei gute Balance zeigend, wiederum phenolische Noten im Abgang, behält seine Pikanz und Frische durch die omnipräsente Zitrusfrucht, beweist Eigenständigkeit, ein wirklich toller Charakterwein, jetzt bereits wunderbar genußfähig, **-**(*)/***, €19

    Bei einem deutschen Weinhändler habe ich zu den 2007er des Weinguts folgendes Resummée gefunden:

    "Rieslinge mit glockenklaren Aromen voll vibrierender Spannung, explosiver Finesse und von kristalliner Frische – Beseelte Terroirweine mit laserstrahlartig gebündelter Energie auf absolutem Weltklasseniveau!"

    Dem kann ich nur zustimmen!