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Mittwoch, 5. Mai 2010

Würzburger Sylvaner

Silvaner (Sylvaner) habe ich lange Zeit ausschließlich immer mit Südtirol, genauer gesagt dem nördlichen Eisacktal verbunden. In Deutschland war diese Rebsorte einmal mit einem Rebsortenanteil von 1/3 die dominierende Weinrebe. Heute erblüht der Silvaner hauptsächlich in den Weinbaugebieten Rheinhessen und Franken, sowie in Südtirol in der Gegend rund um Brixen.

Jedenfalls beweist das nachfolgende 3er-Gespann des Zehnthof Luckert, mit seinen mineralisch geprägten, auf Muschelkalk kultivierten Reben, daß die Würzburger Silvaner (ja! - Bocksbeutelflasche :-) zu Recht als Heimat dieser Rebsorte gilt.
Tolle Weine, welche zukünftig einen Fixplatz in meinem Keller zugesprochen bekommen!



  • Zehnthof Luckert, Sylvaner Alte Reben Sulzfelder Maustal 2007, Franken, helles Strohgelb, expressive und fokussiert Nase, Pfirsich, Marille, fast auch ein wenig Richtung Exotik, aber immer pointierte Stilistik, am Gaumen tänzelt dann die knisternde Mineralik auf der Zungenspitze, spannungsgeladen (wer jemals auf der Zunge eine 9V-Batterie angelegt hat, weiß was ich meine ;-), schlank bis mittelgewichtig, zeigt viel Trinkfluß, balanciertes Säurespiel, mustergültig, cremig weich mit viel Extrakt im Mund ausklingend, aber auch sortentypisch? **-**(*)/***
  • Zehnthof Luckert, Blauer Sylvaner Sulzfelder Maustal 2008, kräftiges Strohgelb mit hellem Goldreflexen, intensive Nase, gelbe Früchte, gebündelt - mit einer inneren Spannung - und trotzdem mit Spiel am Gaumen, ein feiner Dialog zwischen Zügel und Freiheit, einiges an Extrakt, anfangs cremig weich, dann spannungsgeladen (vulgo mineralisch) ausklingend, guter Abgang! Macht einfach Spaß! **/***
  • Zehnthof Luckert, Blauer Sylvaner Sulzfelder Cyriakusberg 2008, feines Strohgelb, Anklänge an Honig, Zitrustouch, ein zarter Würzehauch, die Mineralik nur dezent im Hintergrund, zeigt anfangs fast ein cremig weiches Mundgefühl, die Säure und Mineralik tritt erst im Abgang hervor, wieder die Zitrusnoten im Rückgeschmack, feine Quitte, spannungsgeladen hinten nach, wirkt zuerst recht kuschelig und läßt das Messerscharfe vermissen, braucht 3 Tage um zu erblühen und ist dann aber ein bißchen ein Wolf im Schafspelz, souveräne Silvanerqualität, **/***
Von wegen - lieber Würtz - die Österreicher kaufen keinen Wein aus deutschen Landen ;-)

Mittwoch, 13. Jänner 2010

Weinrallye #29 - Schweizer Varietäten

(1) Prolog

Ausrichter der 29. Runde der Weinrallye ist Robert Sprenger vom Blog lamaicucina und er hat sich diesmal ein Weinthema zu seiner Heimat ausgesucht:

Schweizer Weine bzw. Weine aus dem (italienischen) Valtellina

Ein wenig verhext ist es schon mit den Weinrallyethemen, den bereits Iris hat zur 8. Runde mit "Etikettentrinker - Alles für's Auge" ein Thema vorgegeben, das ganz oben auf der Liste für meine eigene Rallye stand.
Und nach der Durchführung dieser habe ich Rallyevater Thomas eigentlich auch bereits ein Thema für meine zweite (Sommer)Rallye vorgeschlagen, das ihr sicherlich bereits erraten habt: Genau, Schweizer Wein wär's gewesen, genauer gesagt: Autochthones Schweiz - bezogen entweder auf Wein bzw. Rebsorte oder aber - um dem Thema etwas mehr Spiel in Richtung Breitenwirksamkeit zu geben - Essen.

Und jetzt?
Nun hat sich Robert dieses Thema bemächtigt! Aber wie heißt es so schön: Wer zuerst kommt mahlt zuerst :-)
Natürlich sehe ich das mit zwei lachenden Augen, kommt doch nun diese spannende Rallye
  • erstens viel früher,
  • zweitens mit einem waschechten Schweizer als Initiator,
  • drittens Dank Robert's populärem Blog wahrscheinlich mit einer ungleich größeren Reichweite, als ich sie jemals auch nur ansatzweise erreichen hätte können und
  • viertens, nun, jedenfalls von einem Namenskollegen!
Also ran an's Thema und das mit Schwung und Elan!


(2) Also, dann mal ganz von Vorne..

Schweizer Produkte haben in unzähligen Bereichen einen wohlklingenden Namen:
  • bei Banken,
  • bei Uhren,
  • Präzisionsmaschinen im optischen und mechatronischen Bereich,
  • Käse und Schokolade,
  • die Schweiz als Synonym für Berge, Sauberkeit und Lebensqualität,
  • ...
Die Liste ließe sich mit Sicherheit noch weiterführen, aber Wein? Die Schweiz und Wein?

Mal ehrlich, was fällt euch denn zu Schweizer Wein spontan so ein?
Pinot Noir von Gantenbein vielleicht? Und dann etwa noch der "Eidechsliwy" Aigle les Murailles von Henri Badoux mit der grünen Eidechse am Etikett? Chasselas vielleicht noch! Achso, der zuletzt genannte ist eh' ein Wein aus dieser Rebsorte, aha, na dann!
Und weiter?

[Stille..]

Naja, das war dann ja wohl eher dürftig..


(3) Ein paar Fakten

Historisch gesehen ist die Schweiz jedenfalls ein Weinland mit Tradition, denn bereits 500 vor Christi kamen nachweislich die ersten Weinlieferung von Marseille nach Basel.
Interessant - und selbst den wenigsten Schweizern bewußt - ist auch die Tatsache, daß in *jedem* Kanton der Schweiz Weinbau betrieben wird (nur nach der Menge darfst du nicht fragen ;-).

Der Schweizer Wein bleibt wohl schon aufgrund seiner geringen Produktionsmengen ein Minderheitenprogramm. Die Weinanbaufläche der Schweiz beträgt mit 15.000ha weniger als ein Drittel der österreichischen Fläche. Zwei Drittel davon nimmt alleine die französische Westschweiz (Wallis, Waadt, Genf) ein, das verbleibende Drittel teilen sich die deutschsprachige Ostschweiz (Zürich, Schaffhausen, Garbünden, Aargau, Thurgau, St.Gallen und Basel) und die italienischsprechende Südschweiz (Tessin).

Zudem wird die größte Menge der Produktion von den Eidgenossen selbst im Land konsumiert, so daß die Chance auf eine gute Flasche im Ausland verschwindend gering ist. Spricht das nun für die Qualität oder nur für ein gesundes Nationalbewußtsein?
Wahrscheinlich ist es nur die logische Folge der Verquickung zweier Umstände: der kleinen Produktion und des großen Weindurstes der Nachbarn.
Liegen doch beim Weinverbrauch die eidgenössischen Konsumenten mit 36 l pro Kopf in der Statistik noch deutlich über jenen der Österreicherinnen und Österreicher (mit knapp über 30l), importieren aber immerhin 2.2% der gesamten Weltweinproduktion und das bei gerade etwas über 0,11% der Weltbevölkerung. (Quelle: ÖWM Doku 2009)

Wer auf dem Artikel über den "Weinbau in der Schweiz" auf Wikipedia nachsieht, wird feststellen, daß sich dort ziemlich viele (nur mir?) unbekannte Rebsorten im Anbau befinden. Oder schon einmal was von einem Doral gehört? Oder schon einmal einen Räuschling, Solaris oder Johanniter getrunken? Auch bei den roten Rebsorten liest sich die Liste wie ein Who-is-Who der Unbekannten: Gamaret, Garanoir, Ancellotta, Bondola, Maréchal Foch, Dakapo, Léon Millot, Carminoir, Galotta, Plant Rob
ert (ist da wer Led Zeppelin-Fan?) usw. um nur einige zu nennen, die teilweise auch schon bei Robert's Einführung in den Schweizer Weinbau beim Rallyeaufruf Erwähnung fanden. Einige davon - nicht alle - sind echte schweizer autochthone Rebsorten!
Klar, bedeutende Mengen dieser Weine gibt es nicht, nicht mal in der Schweiz selbst. Aber mein Bild über den schweizerischen Weinbau, vor allem als Weinland mit einer großen Vielfalt, hat es doch nachhaltig verändert.

Die Schweiz - ein Weinland? Jawohl, und was für eines!


(4) Und selbst?

Bisher hatte ich durchwegs positive Erlebnisse mit den Schweizer Weinen: köstlichen Waadter Chasselas in einer Fischtaverne direkt am Lac de Neuchâtel (Neuenburger See), rote Cuvées aus dem Wallis und auch den einen oder anderen guten Schluck aus den uns allen bekannten globalen weißen Weinsorten wie Chardonnay bzw. Grauburgunder aus dem Kanton Zürich ist schon mit Genuß durch meine Gurgel geflossen.

Und auch der distinguierte Weinshop der Martel AG ist mir während meines 14-tägigen Aufenthaltes in
St. Gallen gut in Erinnerung geblieben.

Vor gut einem dreiviertel Jahr habe ich dann einen Schweizer Arbeitskollegen genötigt, mir je eine weißes und rotes Exemplar dieser "unbekannten" Rebsorten mitzunehmen. Am Zugersee beheimatet, in unmittelbarer Nähe des Mövenpick-Weinkellers in Zug, ließ er sich 2 Flaschen empfehlen, von denen mir der Weiße ein bisher unbekanntes, neues Geschmackserlebnisse bescherte und der Rote sich mit großem Genuß trinken ließ. An dieser Stelle sei dir, lieber Paul, nochmals herzlich dafür gedankt! Und alles Gute für deinen neuen Job!


(5) Die Weine

Lange geschwafelt, jetzt sollen endlich die beiden Weine für sich sprechen dürfen..

  • Staatskellerei Zürich (2), Chorb Rheingau Solaris 2007 Demeter, eine in unseren Breitenkreisen gänzlich unbekannte, weiße Rebsorte, welche 1975 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg neu gezüchtet würde, hier in einer nach Demeter biodynamischen Form angebaut und vinifiziert, mit kräftigem Strohgelb, neutrale und zurückhaltende Nase, leicht angedeuted rieche ich grüne Äpfel, etwas Ringlotten, weiße Blüten, insgesamt ein eher schweres Bukett, am Gaumen dann kräftiges Volumen, ein bißchen zuckrig, aber auch zu einem Großteil ins doch recht harmonische Gesamtbild eingebunden, zu scharfen, asiatischen Gerichten gut passend, ein bißchen vergleichbar mit einem restsüssen Muskateller, gehört gut gekühlt getrunken.
    Auch wenn dise Art der Weinstilistik nicht unbedingt zu meinen bevorzugten gehört - und ich bin süßen Weinen durchaus zugetan - so bescherte mir der Solaris zumindestens ein Geschmackserlebnis, daß ich bisher so in meinem Weinleben nocht angetroffen habe. Dieser speziellen Weine werden sich wohl ihre Liebehaber suchen (und auch finden) und entziehen sich daher jeglichem Bewertungsmaßstab!

  • Staatskellerei Zürich, Gamaret 2006, die schwere Flasche in eleganter Aufmachung (mit Siebdruck direkt auf Flasche) unterstreicht den Prestigecharakter dieses Weines, kräftige, dunkle Farbe, das Bukett dieses Weines erinnert mich zuallererst einmal sofort an einen österreichischen St. Laurent in burgundischer Ausbaustilistik (wie es sie zB. in der Thermenregion rund um Tattendorf gibt), tief würzig, fast teerig, ein wenig Lakritz, minimal moussierendes und nicht störendes(!) C02, strömt ruhig und harmonisch den Gaumen entlang, sehr zivil und balanciert bei angenehmen 12.5% Vol. , mittelgewichtig und richtiggehend saftig, wiederum kräftige Würzearomatik, welche auch den Abgang dominiert, guter Nachhall, wirkt alles aus einem Guß, meine liebe Renate und ich finden den Wein unmittelbar ansprechend und äußerst gelungen, **/***
(6) Konklusio

Schweizer Weine sind es wert probiert zu werden!
Schade nur, daß dies wohl nur direkt im Lande möglich ist. Obwohl, der Mövenpick-Weinshop ist rund um die Uhr verfügbar, auch von den Nachbarländern Deutschland und Österreich aus..
..und René Gabriel freut sich ganz sicher ob eurer Bestellung! Auch wenn er nicht mehr als Chefeinkäufer für dieses Unternehmen tätig ist ;-)

(7) Post Scriptum

Wem die Neugierde gepackt hat und bereits ganz am Anfang meines Beitrags wissen wollte, was sich
wohl für ein Inhalt in dieser prachtvoll farbigen Schweizerweinflasche befindet, dem kann ich nur ein's empfehlen:

Stay Tuned & Keep on Reading This Blog!

Samstag, 6. Juni 2009

Sauvignoneske Mischgefühle

Nach dem herrlicher Erlebnis der beiden 5-jährigen Sauvignon Blancs verspühre ich wieder auf verstärkt Lust auf diese aromatischen Trendsorte. Und ja, lieber Dirk Würtz, Sauvignon passt mit seinen oft grünen Aromen ganz hervorragend zu (grünem und weißem) Spargel!

Diesmal wollte ich allerdings sehen, was andere Länder aus dieser Rebsorte machen. Exemplare aus der (neben der Südsteiermark) wohl bekanntesten Sauvignon-Region von der Loire - wie zB. Puilly Fumé und Sancerre - habe ich aber leider derzeit nicht im Keller.
Macht auch nicht's, denn ein Vergleich in der kleinen 4er-Runde brachte einem wirklich hervorragenden Wein zum Vorschein, der auf allen Ebenen zu überzeugen wußte. Neben einem verläßlichen heimischen Klassiker aber leider auch zwei absolute Langweiler - einer davon sogar mit renommiertem Namen!
  • Capaia, Sauvignon Blanc Blue Groove Hill 2008, sehr helle Farbe, zeigt eine ziemlich komplexe Nase mit vielen unterschiedlichen Aromakomponenten, der grüne Typus überwiegt ganz leicht, zeigt Noten von Stachelbeeren, grünem Paprika, aber auch ganz leichte Anklänge von Cassis im Hintergrund, wirkt beim Riechen frisch und ein wenig zitronig, ich erwarte mir einen ziemlich straffen, vor allem eine säurebetonten Wein, obwohl das Glas guten Extrakt in Form von schönen Schlieren anzeigt, im Mund dann eher Ernüchterung, wie erwartet, eine prägnante Säurestruktur, geschmacklich im Gesamtbild jedoch flach, fad, lasch und ohne Spannungsbogen, völlig lustloser Wein, der sein Ende im Abflußrohr fand (was selten, aber manchmal eben doch vorkommt), sorry Herr Baron Alexander von Essen, aber um €10 erwarte ich mir eine andere Liga von Wein! oW.
  • Victor Contis, La Zeste des Avignon 2006, Vin de Pays d'Oc, eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und Chardonnay, Strohgelb, sehr verhalten, ein bißchen florale Ankänge, mittlere Säure, gefällig und sauber vinifiziert, aber auch belanglos, (*)/***
  • Nautilus Estate, Sauvignon Blanc 2007, Marlborough, Neuseeland, Nautilus ist das neuseeländische Weingut von Robert Hill-Smith, Besitzer der berühmten australischen Kellerei Yalumba, blasses Strohgelb, wirkt frisch und kühl mit einer duftigen Nase nach grünem Paprika, ganz zart im Hintergrund finde ich auch Cassisaroma, im Mund ein korrespondierendes Fruchterlebnis - das ist was ich als Harmonie empfinde, der am Gaumen das hält, was die Nase verspricht - im Mund fein feurig mit tollen rot paprizierenden Aromen, wirkt aus einem Guß, die nervige Säurestruktur im balancierten Dialog mit Extrakt und Volumen am Gaumen, ein fein-aromatisches Exemplar, das mich außerordentlich fesselt. Das Preisschild von €14 geht für die gebotene Qualität voll in Ordnung, wenn man bedenkt, daß die Steirische Klassik ebenfalls bereits seit einigen Jahren die €10-Hürde hinter sich gelassen hat.
    Dieser Wein bietet alles, was IMHO für einen Premiumwein notwendig ist: eine komplexe Aromatik in der Nase und als Mundgefühl, nerviger Säurerückhalt, Balance und einen druckvollen Spannungsbogen am Gaumen, eine klare Empfehlung, **(*)/***
  • Erwin Sabathi, Sauvignon Blanc 2007, Südsteiermark, helles Strohgelb, sehr laute, weil intensive Nase, viel Johannisbeere (Cassis), voll am Gaumen, richtiggehend mundfüllend, bereits recht voluminöses Mundgefühl, sicherlich auch ein Folge des guten Jahrgangs, zweifellos blitzsauber vinifiziert mit einer harmonische Säurestruktur, garantierter Trinkspaß für ein breites Publikum, wie immer ein sehr zuverlässiger Weinwert, der bereits einen Tick mehr als die "Steirische Klassik" zu bieten hat, jedoch könnte der Wein für mich ein wenig gebündelter sein, *(*)-**/***
Die Enttäuschung Capaia dauerte nur halb so lang wie die Freude, einen tollen Neuseeländer entdeckt zu haben, der eine eigene stilistische Interpretation dieser Aromasorte vorweisen kann!