Posts mit dem Label Weinduett (oder mehr) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weinduett (oder mehr) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 28. Dezember 2010

Weinrallye #40 - Autochthone Rebsorten: Alphart's Rotgipfler Rodauner

Ein gut bekannter Bloggerkollege  - Wolf Hosbach von Hausmannskost 2.0 - ist wieder einmal an der Reihe und das Thema, welches er sich für die 40. Ausgabe der Weinrallye ausgesucht hat lautet schlicht und einfach:


Damit's nicht allzu einfach wird, gibt's von seine Seite noch ein paar Auflagen dazu!

***

Nun, eigentlich brauche ich über meine Wahl nicht lange nachzudenken! Endlich bietet sich einmal eine Bühne für eine autochthone Rebsorte, welche mir schon während meiner zahlreichen Heurigenbesuche zu Ausbildungszeiten (am Kolleg für Feinwerktechnik / Mechatronik an der HTBLA&VA Mödling) sehr gut gemundet hat.
Kurz und gut - es geht um die heimische Rebsorte Rotgipfler.

Auch wenn diese lt. Rudolf Steurers Weinhandbuch ausgehend von der Steiermark in früheren Jahren in kleinen Mengen auch in Baden, Württemberg und im Elsaß zu finden war, hat sie nun ihre alleinige Heimat in der Thermenregion (1|2|3) gefunden, ist also nun eine waschechte österreichische Spezialität und hat zusammen mit dem Zierfandler als "Spätrot-Rotgipfler" den legendären Ruf des Gumpoldkirchner Königweins begründet. Das alles liegt aber schon etliche Jahrzehnte zurück.
Heute sind die beide Rebsorten etwas aus der Mode, völlig zu Unrecht, sind beide doch in der Lage, höchst individuelle und charaktervolle Weine hervorzubringen.

Wenn ich in meinem Bekannten und Verwandtenkreis - viele davon passionierte Weingenüssler - nach Rotgipfler frage, würden vermutlich nicht allzu viele Hände in die Höhe gestreckt werden. Schade, denn gerade der Rotgipfler ist ein toller und vor allem vielseitiger Wein, das auch die Kostnotizen wieder eindrucksvoll belegen können.
Rotgipfler macht solo genauso Spaß als auch als universeller Speisebegleiter zu Terrinen, würzigem Käse, Raclette & Käsefondue, kräftigeren Fischgerichten bzw. Fisch mit würzigen Saucen, zu Kuchen und nicht zu süßen Desserts, aber auch zu Räucherlachs haben mir die Flaschen wirklich viel Freude bereitet und waren eine willkommene Abwechslung zu ansonsten kredenzten, holzgeschulten Burgundersorten.
Zudem haben die Rotgipfler-Flaschen entsprechender Qualität ein tolles Reifepotential, 10 Jahre und mehr sind für diese Rebsorte eine Leichtigkeit.

Die Alpharts
Bildquellennachweis: Homepage Weingut Alphart

Mein Lieblings-Rotgipfler kommt von Lisi und Karl Alphart aus Traiskirchen von der südöstlich ausgerichteten Lage Rodauner, unter welcher die Südbahn durch den älteste Bahntunnel Österreichs - dem Busserltunnel - verläuft.
Neben einem einfacheren "Rotgipfler vom Berg" und dem "Rodauner Top Selektion" sowie dem süßen Topwein "PUR" ist der "Rotgipfler Rodauner" die mittlere Qualitätsschiene im Haues Alphart und mit ca. €12 im Fachhandel bzw. ab Hof zu erstehen. Dass dieser Wein meiner bescheidenen Meinung nach jeden Cent wert ist, belegt meine kleine Vertikale aus 5 Jahrgängen eindrucksvoll und spiegelt sich auch in Nominierungen für den SALON Österreich dieses Weins wieder.

  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2003, Thermenregion, NK, prachtvolles Gold, in der Nase alle was den Namen "exotische Frucht" verdient, kandierte Ananas, Honimelone, ein hedonistischer Gaumenspaß, mit vollem Schmelz auf der Zunge, die (jahrgangsbedingt nicht vorhandene) Komplexität wird in keinster Weise vermisst, weil bei diesem Wein der Trinkfluss so fantastisch hoch ist - süffig, saftig, mundfüllend und balanciert!  **/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2004, NK, viel heller im Farbenspiel, im Vergleich zum Vorgänger "nur" ein schönes, sattes Strohgelb, wirkt vom ersten Moment an tiefer, mit einer vielschichtigen Nase, das Exotikbukett ist auch hier vorhanden, aber in einer weit dezenteren Form im Hintergrund, Mineralikanklänge, Feuerstein, Honig und Blütennoten, besitzt viel mehr Spannung, am Gaumen dann wiederum diese ausladende Weite, rund und harmonisch, aber ohne jegliches Anzeichen von Breite oder Plumpheit, der Spannungsbogen verdichtet sich hin zum Abgang, wirkt engmaschiger, die mineralischen Töne feiern ein wahres knisterndes Feuerwerk auf den Geschmacksknospen meiner Zunge ab, toller Stoff, vereint auf prachtvolle Weise das beste aus beiden Welten, Weinhedonismus und -intellekt balanciert im Dialog, was möchten Weinliebhaber mehr erwarten? **-**(*)/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2006, NK, kräftiges Strohgelb, ist sicherlich der feinst gewobene in dem Dreiergespann 03-04-06, er besitzt die Vorzüge der beiden vorherigen Jahrgänge in einer angenehmen Art vereint, der runde, zart cremige Trinkfluss mit Schmelz und die Komplexität durch mineralische Noten, wirkt irgendwie leichtfüßig und hat doch Substanz im Mund vorzuweisen. Und doch frage ich mich, ob dies beim Rotgipfler eine (für mich persönlich befriedigende und) wünschenswerte Symbiose darstellt, denn irgendwie mag ich diesen Wein nicht so recht verstehen, kann er sich doch (Stand heute) nicht so recht entscheiden, was er darstellen möchte: ein schmeichelnder Verführer oder strammer Max? Jammern auf hohem Niveau, ein paar Jahre zuwarten wird die Sache klären! **/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2008, SV, wiederum ein kräftiges Strohgelb, wow - was für eine hedonistische Komponente bereits in der Nase! Woran erkenne ich, dass ich einem Wein komplett verfallen bin? Nun, zum einen, dass die Flasche so schnell geleert ist, dass ich auch nicht ansatzweise Zeit und Gedanken an eine Kostnotiz verschwendet habe und es mir trotzdem keine Mühen bereitet, diese aus dem Gedächtnis abzurufen.
    Diese Flasche war einfach göttlich. Perfekt hinsichtlich ihrer genüsslichen Art, mit diesem unvergleichlich cremigen Schmelz, perfekt im Sinne eines intensiven, aber niemals üppig wirkendem Aromenbuketts der Marke "Sonne Tropicana" im strengen mitteleuropäischen Winter.  Mango, Ananas, Litschi, perfekt umrahmt von mineralischen Noten, mit einer tollen Fruchtsüsse unterlegt, so kleidet dieser Götterstoff den gesamten Mundraum aus, so g'schmackig (für die geneigten Leser aus dem Nachbarland: lecker) und mit der einzig alleinigen und wahren Mischungsformel zwischen Intellekt (sprich den mineralischen Komponenten) und Bauchgefühl (saftig, rund, cremig weich) ausgestattet, dabei üppig, aber niemals kitschig, mit einem feinen, lebendigen Säurenerv durchzogen, jetzt bereits mit solchem Trinkfluß und Spaß zu genießen, dass höchstwahrscheinlich keine der Flaschen in meinem Keller den nächsten Winter erleben wird! Für mich ein Wunderstoff, der mich vor Karl Alphart auf die Knie gehen lässt, die Hände empor gestreckt und den Lippen ein "bitte, schnell noch ein weiteres Flascherl" entfleuchend!
    Das ist der Stoff, den wir unseren Nachbarn mit ihren göttlich hedonistischen Rieslingen a la Niewodniczanski und Heymann-Löwenstein mit den Worten "..probiert Mal von unserem.." entgegenhalten sollten! Stoff zum Träumen, die Höchstnote und noch einen Stern dazu!
    Potential! ****/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2009, SV, irgendwo zwischen Stroh- & Goldgelb, dies ist wiederum ein "inverser Rodauner". Meisten rittern ja die mineralischen Töne mit den exotischen um die Vorherrschaft und in diesem Jahrgang (zu diesem Zeitpunkt) ist eindeutig die spannungsgeladene Mineralik in der dominanten Stellung. Ab und zu blitzt die Exotik durch, fast so als wolle sie mir zu verstehen geben, dass sie schon hier und vorhanden ist, jedoch noch ein / zwei Jahre zum Gleichgewicht benötigt werden. Harmonisch balanciert ist der Wein auch jetzt bereits, wirkt derzeit aber eher wieder intellektueller denn hedonitissch, die Saftig- & Cremigkeit ist jedenfalls wieder vorhanden, wenngleich auch (noch) nicht in dieser ausgeprägten Art der vorherigen Weine, blitzsauberer, leider nur mittellanger Abgang, dafür aber feine würzige Noten im Nachgeschmack.
    Jedenfalls eine etwas andere Stilistik, Apfel und Birnennoten, herrlich mineralisch und eine erfrischende neue Facette am Rotgipfler, welche ich ebenso liebe!
    **-**(*)/***
Tolle, weil abwechslungsreiche Köstlichkeiten im Spiegel der jeweiligen klimatischen Jahrgangsbedingungen. Jedes Jahr ein echtes geschmackliches Unikat, die Klammer bildet immer diese gaumenschmeichelnde Cremigkeit. Der 2008er hat's mir besonders angetan, da bleibt mir nur mehr eines zu sagen: zugreifen, Freunde!

Neben Familie Alphart gibt es auch beim Weinut Stadelmann (so wie die Alpharts in Traiskirchen zuhause) und Spaetrot - Gebeshuber in Gumpoldskirchen noch wunderbaren Rotgipfler. Selbstverständlich alles Betriebe der Thermenregion und selbstverständlich bleibt der Rotgipfler Rodauner auch Stammgast in meinem Weinkeller!

    Samstag, 23. Oktober 2010

    Edlmosers Maurerberg

    Beim Wiener Gemischten Satz bin ich eigentlich ein treuer Kunde von Fritz Wieningers Nußberg - ein Wein, der niemals enttäuscht und herrlichen Genuss im Wein bietet. Eine sichere Bank!
    Ab und zu bietet sich aber auch die Gelegenheit, über den nördlich Nußberg hinaus einen Abstecher zum westlich gelegenen Maurerberg ins Weingut Edlmoser zu tun. Das ist dann der Fall, wenn beim Jahrgangswechsel eines großen österreichischen Weinhändlers einige mir ansonsten zu teure Weine günstig  preisreduziert angeboten werden.
    Ich bin gespannt, ob dieser Wein aus 8 verschiedenen Rebsorten von 50 Jahre alter Stöcken im Vergleich zu meinem Lieblingsexemplar dieses österreichischen Klassikers zu reüssieren vermag - wohl eher eine rhetorische Frage - er kann! Ob aber der 20%-Preisaufschlag zum Nußberg argumentiert werden kann, ist wohl eine persönliche Entscheidung. Eine Vertikale des Nußberg wird mir persönlich diese Frage beantworten.

    • Josef Edelmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2006, Wien, Strohgelb mit einem deutlichem Grünstich, die Nase duftig, zart parfümiert, vielschichtige Assoziationen, grüner Apfel, Zitrusnoten, reif gelbfruchtig mit exotische Noten, Ananas, aber auch Weingartenpfirsich, stetig wandelnde Aromen im Glas, zeitweise einem österreichischen Riesling nicht unähnlich, deutlich mineralisch geprägt, braucht zwei Tage rinnt sanft und ausgewogen über meine Zunge, wunderbar reifer Säurebogen, toller und langer Nachgeschmack, wiederum sehr mineralisch und salzig, das ist toller Stoff und gemischter Satz in Höchstform, **-**(*)/***
    • Josef Edlmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2007, Wien, intensiv leuchtendes Strohgelb, die Farbe hat eine wenig "Leuchtstiftcharakter", braucht viel, viel Luft, über 2 Tage, um aus seinem Flaschenhals (mit Drehverschluss) aufgetaut herauszufließen, hätte ich diesen Wein im Restaurant geordert, wäre ich vermutlich enttäuscht von Dannen gezogen, so aber wird der Geduldige mit exotischen Duftanklängen im Glas verwöhnt, am ehesten noch Ananas, subtil verwoben mit einer dichten Mineralik, auch feine Würzenoten sind wahrnehmbar, der Wein wirkt für mich in der Nase erstaunlich bodenständig, ja fast erdig, ganz im Gegensatz zu den vielen mineralisch geprägten Weinen, welche einen eher intellektuellen Charakter aufweisen, am Gaumen kurz saftig, mittellang, dann übernimmt sofort wieder die Mineralik das Kommando bis in den doch langen, zart feurigen Abgang hinein, gehobene Stilistik, hat noch Potential, **/***
    2006 war einfach ein Superjahr, das spiegelt einfach auch der Vergleich dieser beiden Jahrgänge wieder. Eine Kostnotiz zum 2005er-Exemplar des Maurerbergs findet sich übrigens hier.

    Montag, 1. Februar 2010

    Tesch Hochberg x 4

    Es gibt Weine, die passen vom ersten Schluck an. Solch ein Exemplar ist zB. der Blaufränkisch (DAC) Hochberg von Tesch. Seit er mir vor einigen Jahren auf einer Verkostung als einer der wenigen Blaufränkisch positiven in Erinnerung geblieben ist, halte ich diesem strammen Burschen jedes Jahr die Treue.
    In seiner Jugend immer mit ungestümer Fruchtsüße und kräftiger Tanninstruktur geprägt, verträgt der Hochberg auch gut ein paar Jahre Lagerung, um sein ganzes Nuancenspiel zu erreichen.
    Teschweine sind niemals die subtilen, feingliedriegen Aristokraten, sondern haben immer etwas von einer sympathischen, leicht burschikosen Rustikalität und beweisen Charakter mit Ecken und Kanten. Besonders die würzige Art und feste Struktur des Hochbergs, der im Gegensatz zum Weinbaubetrieb in Neckenmarkt von einer bekannten Lage der Nachbargemeinde Horitschon stammt, sowie sein kräftiger Alkoholgehalt machen diesen Wein zu einem idealen Begleiter für frostige Winterabende.


    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg 2004, Mittelburgenland, jugendliches, dichtes Rot, herrlich würziges Nasenspiel, Liebstöckl, Schlehe, offene Fruchtcharme versprühend, Brombeere, am Gaumen gut mundfüllend, hat Struktur, Fruchtsüsse, feine Gerbstoffe begleiten den Abgang, rundherum gelungener Vertreter, am zweiten Tag wird die Struktur fester, die Tannine präsenter und der Grundcharakter etwas strenger, aber alles, ohne das gewinnende Wesen ernsthaft zu gefährden ;-) **/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg DAC 2005, der erste Jahrgang unter der neu geschaffenen DAC Mittelburgenland, sehr dunkler Kern, am Rand noch jugendliches Purpurrot, die Nase kühl, wiederum dominiert von tiefer Würze, schwarzer Pfeffer, dahinter Brombeere, süße Nase, in Rum eingelegte Früchte, mollig balanciertes Mundgefühl, saftig mit zivilisiertem Tannin, sehr ausladend und fast breit, im Abgang leicht feurig, im Endeffekt wiederum eine tolle Würzigkeit zeigend, im direkten Vergleich zum Vorgängerjahrgang fehlt im ein wenig die Engmaschiggkeit, wirkt breiter und auch die Feurigkeit im Abgang ist präsenter als beim '04er, *(*)-**/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg 2006, mit satten 14.5% V0l. hat das Exemplar aus dem hochgelobten Jahrgang 06 doch deutlich die beim Mittelburgenland DAC (mit Lagenbezeichnung) festgelegte, zulässige Obergrenze von 13.5% Vol. überschritten, daher gibt's in diesem Jahr kein DAC-Mascherl, dunkles Erscheinungsbild, Weichsel-Vanille als dominante Aromen beim Riechen, wirkt insgesamt schon sehr fertig und komplett, weich am Gaumen, für seinen doch hohen Alkoholgehalt ein fast seidiger Tänzer, die Gerbstoffstoffe kaum spürbar, im Abgang fest, ein wenig feurig und leicht herb, ein Winterwein zum Wärmen, ganz charmant, wirkt in Summe aber derzeit auch (noch?) beliebig, *-*(*)/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg DAC 2007, dunkelrot mit violettem Rand, jugendliche, fruchtbetonte Nase, weit offen und unmittelbar ansprechend, Brombeere mit einem feinen Schokotouch, wirkt sehr reif, hat auch ein bißchen was vom "Mon Cherie", am Gaufen sehr saftig, mit einer herzhaften Würzigkeit gesegnet, erstaunlich rund mit zivilen Gerbstoffen und schöner Säurebalance und obwohl der Alkohol auch bei diesem Jahrgang erschmeckbar ist, bleibt auch in diesem Jahrgang immer die Trinkbarkeit erhalten, *(*)/***

    Sonntag, 20. Dezember 2009

    SALON (I) - Chardonnay 08-Duett

    Der SALON Österreich Wein – seit nunmehr über 20 Jahren laut Eigendefinition "Österreich Wein härtester Weinwettbewerb" - ist zumeist Garant für hohen Standard und präsentiert sich seit heuer (2009) im neu gestalteten Gewand - angepaßt an die neue Werbelinie der Österreich Wein Marketing (ÖWM). Im gekürzten O-Ton ÖWM liest sich das folgendermaßen:

    "Basierend auf den Landesprämierungen werden in mehreren Blindverkostungen die besten Weine unabhängig ermittelt. Dadurch findet man im SALON immer wieder neue, junge Weingüter, für die der SALON oft das Sprungbrett zu weiteren Erfolgen ist. In einer Finalverkostung ermittelt die ÖWM die höchstbewerteten Weine einzelner Kategorien – die SALON Sieger! Im Vorfeld wurden auch die renommiertesten Weinmagazine, -journalisten und Sommeliers um ihre Nominierungen, die mit 40 Fixplätzen im SALON vertreten sind, gebeten. Jene Weingüter, die dabei am öftesten genannt werden, kommen als SALON Auserwählte in den SALON. Somit ergibt sich jedes Jahr ein spannender Mix" welcher in unterschiedlichen Wein- & Rebsortenklassen im Spätsommer in den österreichischen Casinos der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird.

    Summa summarum erfolgt die Auswahl- & Nominierung doch nach einem einigermaßen komplexen Regelwerk.

    Manchmal gibt es Weine (mit einem SALON-Flaschenaufkleber), an denen kann ich im LEH einfach nicht vorbeigehen kann, schon gar nicht, wenn sie als Sparringpartner zu einem ebenfalls im SALON ausgezeichneten Exemplar der gleichen Sorte, aber aus einer anderen österreichischen Weinregion handelt.

    • Weingut Heinzel, Chardonnay Ried Junge Bergen 2008, Weinviertel, helles Strohgelb, anfangs Eiszuckerl und C02, dann Blutorange und etwas Exotik, breite Nase, aber mit mächtigem Extrakt - wohlgemerkt bei nur 12.5% Vol. ! Sauber vinifiziert und auch am Gaumen wiederum breite, aber schmeichelnde Textur, harmonisch, mit Trinkspaß zu konsumieren und zu scharfen asiatischen Gerichten eine gute Wahl, *(*)/***
    • Vinum Pannonia Allacher, Chardonnay 2008, Gols, helles Strohgelb, frische Nase, etwas Blüten, zart würzig am Gaumen, gute Extraktfülle, sauber, aber kurzer und ein bißchen wäßriger Abgang, beliebige Stilistik, denn unter dieser Aufmachung treten schon genügend Weine an! Was bitteschön soll denn an diesem Wein SALON-würdig sein?
      Gemach, Gemach, denn sein wahres Ich offenbart dieser Wein eben erst am zweiten Tag. Dann aber dafür mit Gesteinsmehl, Apfel, Litschi und Ananasnoten, rollt straff und fokussiert über die Zunge, ein sehr nerviges Säurekorsett umtänzelt den Gaumen, gebündelt und mineralisch im Abgang - eine 180° Kehrtwendung des Weins - nicht schlecht - wenngleich sich aber noch immer die Frage nach dem Sortentypus stellt! *(*)-**/*** €7
    Beides sauber vinifizierte Weine, beide mit erstaunlich viel Extrakt für 12.5% Vol. - und doch so völlig konträre Stilistik. Bloß, woran ist dies für den Konsumenten ersichtlich?
    Nebenbei sind diese beiden Flaschen zwei Paradebeispiele dafür, daß die in den letzten Jahren so vielgeschmähte Chardonnay-Traube durchaus in der Lage ist, vielschichtige und interessante Weine auch im günstigen Preissegment von €5-8 hervorzubringen - sofern nur der Winzer sein Handwerk versteht.
    Technisch gut gemachter Wein findet sich heutzutage aber zuhauf im LEH-Meer der Weltweinproduktion. Ob da der SALON-Aufleber für den Konsumenten zum entscheidenden Mehrwert avanciert, vermögen diese 2 Flaschen wohl nicht ausreichend zu beantworten.
    Darum bin ich schon gespannt, was die demnächst zur Verkostung anstehenden '08er-SALON-Veltliner aus dem Weinviertel zu bieten haben.

    Samstag, 12. Dezember 2009

    2 x Glatzer Dornenvogel

    Das Weingut Glatzer vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen - scheint doch Walter Glatzer in Göttelsbrunn im Weinbaugebiet Carnuntum mit seinem Zweigelt Dornenvogel einen Platz am Stockerl des falstaff-Zweigelt-Grand Prixs fix abonniert zu haben.
    Reichte es heuer mit dem 2008er "nur" für den 3.Platz, so konnte der '07er-Dornenvogel im Vorjahr den Grand Prix für sich entscheiden und auch in der vinaria konnte der Wein heuer reüssieren.
    • Weingut Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2004, Carnuntum, besitzt noch Reste vom Purpur, dunkler Kern, in die vom Holz geprägte Aromatik mischen sich Noten von Brombeere, welke Schwarzeteeblätter und Teer, braucht Luft, der Wein erreicht am zweiten Tag sein Optimum, zeigt sich balanciert am mittelgewichtigen Gaumen, ausladend, bei guter Fruchtsüße, immer mit einer feinen Säureader durchzogen, harmonischer Abgang, mürbe Gerbstoffe, hat Klasse und Potential und wäre bzw. ist sicherlich zu dunklem Fleisch ein perfekter Begleiter, zu Recht oftmaliger Sortensieger, in dieser Verfassung hat dieser Wein ganz klar meine Präferenz gegenüber Hans Pitnauers Bienenfresser, **-**(*)/***
    • Weingut Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2007, Carnuntum, mitteldichtes Purpur, hochfeine Textur bereits in der Nase, das Holz deutlich riechbar, und trotzdem nicht dominant, sondern fein verwoben mit roten Fruchtkomponenten, dunkelrote Beeren, Kirsch, Zwetschkennoten, Nougat, moderne Stilistik, sicherlich, aber was für eine! Am Gaumen feinste Gerbstoffe in Kombination mit gutem Säurerückrat, bleibt immer eher auf der schlanken Seite, zart feuriger Abgang, feine Stilistik, **/***
    Zweifelsfrei zwei tolle Flaschen! Nach dem Motto "weniger (Holz) ist mehr (Frucht)" würde ich mir jedoch eine Reduktion des Holzeinsatz wünschen. Sicherlich würde es diesem Wein gut stehen, ohne etwas von seiner Klasse einzubüßen.

    Dienstag, 14. Juli 2009

    Pitnauer's Bienenfresser

    Der beste Zweigelt im Weingut von Hans Pitnauer hat den Namen Bienenfresser und trägt damit den Namen eines hübsch bunten und exotischen Vogels, der im Weinbaugebiet Carnuntum ua. in den Göttelsbrunner Rieden heimisch ist.
    • Weingut Pitnauer, Zweigelt Ried Bienenfresser Bärnreiser 2005, Carnuntum, bereits eine österreichische Legende, findet sich bei den Landes- und Sortenwettbewerben immer weit vorne, des öfteren am Stockerl.
      Tiefer Kern, wer gerne an klassischen Bordeaux riecht wird auch mit diesem Exemplar sehr glücklich sein, die Nase geprägt von noblen Edelhölzern, dunkles Nougat, röstig mit Kaffeearomen, tief, braucht ein paar Stunden um sich zu öffnen, verliert dann seine anfängliche Strenge und wird ziemlich rund, zeigt Holzwürze und sanftes Tannin, eine für seine 14.5% Vol.(!) erstaunliche harmonische Balance, auch im Abgang niemals breit oder feurig wirkend.
      Ein autochthoner Österreicher für Freunde der bordelaiser Weine, schön zu trinken mit Potential für die nächsten 5 Jahre - aber wo bleibt der Sortentypus? *(*)/***
    • Pitnauer, Zweigelt Bienenfresser 2007, Carnuntum, purpurer Rand mit dunklem Kern, vom Holz und der Röstung dominierte Nase, vielschichtige Kaffearomen, dahinter rote Früchte, am Gaumen gefällig weich, aber nicht breit, lebendiger, von Säure und Alkohol getragener Abgang, wird sich wahrscheinlich noch verbessern, meiner Meinung nach ist das aber einfach keine zeitgenössische Stilistik mehr, wirkt "Parker-esk", zu konzentriert, wo bleibt die Finesse und/ oder die Frische? *-*(*)/***
    Zweifelsohne sind das handwerklich gut gemachte Weine, welche ihre Liebhaber finden. Mich persönlich langweilt diese Art von Weintypus immer mehr. Ihnen fehlt einfach die innere Spannung, die Expressivität der Mineralik, die fordernde Art, sich mit ihnen auseinandersetzten zu müssen, die Komplexität, welche sich auch durch eine minütlich verändernde Aromatik manifestiert. Uniforme, weil überholzte und zu "intensive" Weine wie der 05er Bienenfresser sind Vertreter der Spezies "kennst du einen - kennst du alle". In einigen Momenten sind sie mit feinem Genuß zu konsumieren, auch durchaus ein zweites Glas, aber im Endeffekt versteht es keiner dieser beiden Exemplare mich zu fesseln.
    Schade, denn gerade im schwierigen, weil heißen Jahr 2003 hat Hans Pitnauer sein Klasse als Winzer mit feinen Weinen bewiesen! Quo vadis HP?

    Bildquellennachweis: Magellanwineimport

    Samstag, 27. Juni 2009

    Zwei badische 06er Grauburgunder

    Der Grauburgunder, eine Rebsorte, die vor langer Zeit einmal sehr "in" war - in Form von Pinot Grigio - und in den letzten Jahren meinem Gefühl nach von den Einkaufslisten der Weinliebhaber zwar nicht ganz verschwunden ist, zumindest aber ein Minderheiten-Dasein fristet. Grauburgunder assoziieren viele mit schweren, kräftigen Weinen ohne besonders ausgeprägte Aromatik.

    Das dies nicht immer so sein muß beweisen 2 feine Sortenvertreter aus Deutschlands wärmster Weinbauregion, dem badischen Kaiserstuhl. Dieser hat mit 19% Grauburgunder am Rebsortenspiegel auch den größten Anteil deutscher Weinbauregionen vorzuweisen.
    Mit Gestein vulkanischem Ursprungs samt Lößauflage erscheint mir dieser geradezu prädestiniert für die (weißen) Burgundersorten zu sein, da diese Rebsortenfamilie durch ihre noble Zurückhalten besonders gut in der Lage ist, die Vorzüge des jeweiligen Terroirs wiederzugeben - auch wenn die exakte Lagenspezifikation am Kaiserstuhl durch die in der Vergangenheit großflächigen Flurbereinigungen verwässert wurden.

    Beide Weingüter befinden sich südwestlich am Kaiserstuhl in gerade einmal 3.5 km Entfernung.



    Größere Kartenansicht

    • Franz Keller, Schwarzer Adler Grauburgunder Oberbergener Bassgeige 2006, Kaiserstuhl, Baden, feines Goldgelb, eine mehr als zurückhaltende Nase, am Gaumen initial saftig und herrlich harmonisch, wie aus einem Guß den Schlund hinunterströmend, mit der Zeit verändert sich der Wein weg von seiner Seidigkeit hin zu einer fokussierten, mineralischen Textur, die Nase ganz fein mit Exotik unterlegt, Ananas, mineralisch straff im Trunk, da wird das vulkanische Terroir erschmeckbar, mittelgewichtig und so gesehen wenig vom "Bass", dafür druckvoll und vor allem viel von der lebendighaften Quirligkeit einer "Geige", feine Balance - toller Wein, **/***
    • Weingut Holger Koch, Grauburgunder 2006, Baden, mittelkräftiges Stohgelb, brilliantes, leuchtendes Farbspiel im Glas, homogene Nase, Mineralik, Gesteinsmehl, ein bißchen auch von reifen gelben Früchten, balanciert, knackig und zielstrebig, erfrischend und lebendig, zeigt viel Extrakt, aus einem Guß, homogen, mit Spiel, so fokussiert und spielerisch, ja richtiggehend feinsinnig habe ich Grauburgunder noch nie wahrgenommen, das ist toller Stoff zum Basispreis, **/***, €9
    Wiederum zwei tolle Sortenvertreter aus unserem Nachbarland, meine Hochachtung an die Winzer!

    Mittwoch, 27. Mai 2009

    Weißes Leithabergduett - 2 x Liegenfeld

    Andreas Liegenfeld, einer der 14 Leithaberg-Winzer, Mitglied des Donnerskirchner Weinquartetts und Mr. Veltliner des Burgenlands, vinifiziert eine herrliche Weißweinpalette von Urgesteinsböden in Donnerskirchen, direkt am Fuße des Leithagebirges und in Reichweite des Neusiedlersees. Besonders seine Grünen Veltliner vom Leithaberg haben es in sich!
    • Andreas Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2005, Donnerskirchen, Neusiedlersee-Hügelland, grüngelbe Reflexe, schon die Nase verspricht einen saftigen Trinkgenuß, Exotik umschmeichelt den Gaumen, runder Fruchtcharme, Banane, süffige, harmonische Stilistik, angenehmer Wein, die packende Lagencharakteristik entsteht erst am zweiten Tag, da wird der Wein schlanker am Gaumen, gebündelter, wird dafür im Abgang breiter und auch ein wenig drucklos, die Exotik ist im Vordergrund, kandierte Ananas, Zitrus, in einer Blindprobe wäre das für mich (am ehesten) ein Moselriesling und nie und nimmer ein Grüner Veltliner! Am dritten Tag ein kleiner Hänger, am vierten zum letzten Achterl ist der Wein jedoch wieder voll präsent, dazu ein wenig Vanille, hedonistisch rund, bravo, **/***
    • Andreas Liegenfeld, Grüner Veltliner Leithaberg 2007, kräftiges Strohgelb, die reife Stilistik des Grünen Veltliners mit seinen Merkmalen deutlich erkennbar, Apfel, gelbe Früchte, Quitte(nkäse), im Mund recht saftig, herzhaft, wirkt im Mund ein wenig glatt, aber recht harmonisch, es muß ja nicht immer die Komplexität als Trinkspaß definiert sein, um an einem Wein Gefallen zu finden, oder? **/***
    Beides sehr schöne Weine, wenngleich auch mit unterschiedlicher Stilistik. Der Preis geht mit € 10 für die gebotene Qualität mehr als in Ordnung.
    Einen Bezug zum Jahrgang herzustellen will ich nicht wagen. Zum einen war 2005 in Österreich ein "durchwachsener", also teilweise durchaus schwieriger Jahrgang mit kühlem Sommer, aber tollem Herbst und zum anderen gab es 2007 rund um das Leithagebirge die Ernte(menge) dezimierende Hagelschäden und rund um den Neusiedlersee einen extrem heißen Sommer mit Rekordregenmengen im September.

    Donnerstag, 21. Mai 2009

    Eine Weninger-Trilogie

    Horitschon ist ein guter Ort!

    So beginnen die Rücketiketten auf Franz & Martina Weninger's Flaschenweine.
    Dem wollen wir doch mal mit 3 aktuellen Blaufränkisch - der Leitsorte des Blaufränkischlands, in dem sich Horitschon befindet - auf den Grund (der Flasche) gehen :-)

    • Weingut Weninger, Blaufränkisch Horitschon 2007, Mittelburgenland, jugendliches Purpur, frische, tiefgründige Fruchtaromen, Kirsch und Brombeer, aber auch leicht röstige Noten, am Gaumen mit straffer Säure gesegnet, das mag sicherlich nicht jeder, ich finde das aber eine sehr erfrischende (und durchaus passende!) Interpretation der Rebsorte, in sich ruhend und balanciert, kaum spürbares, seidiges Tannin, ein Rotwein für Weißweintrinker, *(*)/***

    • Weingut Weninger, Blaufränkisch Kirchholz 2006, Mittelburgenland, jugendliches Purpur, aus einer Anlage mit über 30-jährigem Rebbestand, vorwiegend Lehmböden, spontan vrgoren, sehr fein fruchtige Nase nach Weichseln, dazu weiche Vanilletöne, im Hintergrund dezente schwarze Pfefferaromatik, richtig strömend, sehr pointiert, am Gaumen lebendig, ziemlich straff, eher burgundisch, von der Säure auch in einen gut anhaltenden, fruchtigen Abgang getragen, feine Stilistik, **/***
    • Weingut Weninger, Blaufränkisch Hochäcker 2006, Mittelburgenland, ein Nachbar der Ried Kirchholz, Lehm, Lehm, Lehm! ..., wirkt sehr fokussiert und straff, "weinig", ein wenig Brombeerfrucht und viel Weichsel, dunkel, da ist eine Riechkomponente, welche ich nicht imstande bin zu benennen (was mich ziemlich nervt), die rassige Säurestruktur dominiert den Gaumen, sehr burgundisch obwohl die Kraft und Reife im Wein deutlich erschmeckbar ist. Nach drei Tagen ist er aufgetaut, der Hochäcker, da wird der Gaumen mit Volumen gefüllt, die Gerbstoffe erlebbar, alles wirkt ein wenig zugänglicher, ein toller Wein mit Riesenpotential aus einem sehr guten Jahr, naturgemäß am Anfang seiner Entwicklung - wahrlich - Horitschon ist ein guter Ort! **-**(*)/***
    Die neue Stilrichtung des Blaufränkisch ist in diesen Weinen eindeutig zu erkennen. Ein wenig intellektuell vielleicht und für viele Weinfreunde, welche eher dem üppig weichen Fruchttopf zusprechen, wahrscheinlich schwierig. Ich jedenfalls liebe diese Stilistik (and so does Mr. David Schildknecht), weil es mich zwingt, mich dem dem jeweiligen Wein auseinanderzusetzen. Klar, daß es auch Momente gibt, in denen man einfach süffeln möchte, ohne große Schwafelei über die tolle Weinaromatik, aber allzu oft kommt das bei mir nicht vor ;-)
    Eine Kaufempfehlung für den Hochäcker und den Kirchholz!

    Samstag, 7. März 2009

    3 x Leithaberg in Rot

    Auszug aus dem Webauftritt der 14 Leithaberg-Winzer:

    "..Philosophie .. unverwechselbar und regionaltypisch .. aus heimischen Rebsorten .. Natur- statt Reinzuchthefen .. Balance .. Charakter .. Mineralik .. Weine zum Entdecken und Nachdenken, mineralisch und dicht, hintergründig und langlebig - Weine, die sich immer noch weiterentwickeln und dabei ihrem Terroir treu bleiben."

    Das hört sich doch gut an und entspricht genau meiner Vorstellung von heimischem Wein. Bisher konnten mich aber immer in erster Linie die weißen Vetreter vom Leithaberg begeistern, die - zugegebenermaßen jungen - Rotweine waren meisterns dünn, hart und von der Säure geprägt.
    Nach ein paar Jahren der Reife ist es erneut an der Zeit meinen initialen Eindruck anhand zweier Flaschen zu hinterfragen!

    Toni Hartl, Blaufränkisch Leithaberg Rot 2004, beginnende Reife, aber mit dunklem & kräftigem Kern, süße Brombeerenfucht, wundervoll komplexe und tiefgründige Würze, volle Nase, am Gaumen satt, strukturiert, aber nicht aufdringlich, mit guter Säurestruktur, feine Gerbstoffe, in Summe aber nicht ganz harmonisch, eine gewisse bordelaise Affinität nicht abzusprechen, das ist die zukunftsweisende Stilistik für die österreichischen Roten, **/***

    Nittnaus, Leithaberg 2004, Neusiedlersee, strahlend klare Farbe, noch eher im Purpur, freundlich offen, Kirscharomen, dahinter ein wenig Milchschokolade, Kirschbrandy, fokussierter als der Hartl, minerlische Anklänge erkennbar, am Gaumen deutlich schlanker, mehr von der Säure geprägt, burgundischer, zeigt aber auch harte, trockene Gerbstoffe im Abgang, welche mit der trockenen Stilistik meines Erachtens (derzeit) keine rechte Harmonie bilden, *(*)/***



    Und zur Verifikation des durchaus positiven Eindrucks noch gleich einen Vertreter des Nachfolgejahrgangs..

    Toni Hartl, Blaufränkisch Leithaberg Rot 2005, braucht viel Luft um sich von seiner anfänglichen sperrigen Art zu verabschieden, dann aber sehr feinziselierte Himbeeraromatik mit viel Frucht, Wärme durchströmt meinen Riechkolben mit einer süße Würzigkeit, offenbart herrliche mineralische Noten, mittelgewichtig, mit fester Struktur am Gaumen, harmonische Säure, gute Würzigkeit im langen Abgang, viel kühler als der 05er, den dieser mühelos distanziert, rundherum ein herrlicher Wein mit burgundischer Tiefe und feinem Spannungsbogen, der aber Zeit von seinem Trinker einfordert, sich mit ihm auseinanderzusetzen, toller Stoff, besser kann Blaufränkisch nicht sein, ergo ziehe ich die Höchstnote! ***/***

    Ich bin mehr als positiv überrascht! Wiederum bewähren sich zwei alte (Wein)Wahrheiten:
    1. (Fast) Jede Flasche verdient eine zweite Chance
    2. Weineindrücke sind nur Momentaufnahmen
    Und ohnedies sollte wir alle regelmäßig unsere manifestierten Ansichten gründlich hinterfragen, am besten mit einem herrlichen Glas vom Leithaberg ;-)

    Sonntag, 22. Februar 2009

    Gobelsburgduett vom Grünen Veltliner

    Michael Moosbruggers Weine vom Schloß Gobelsburg befdürfen keiner erneuten Vorstellrunde. Jahr für Jahr liefert der falstaff-Winzer des Jahres 09 Spitzenqualität - übrigens auch in Rot - welche ihre ganze Pracht und Harmonie - je nach Sichtweise "jedoch erst" oder "auch noch immer" - nach einigen Jahren der Reife eindrucksvoll unter Beweis stellen.
    Dafür bieten sich Vertreter der beiden annähernd benachbarten ersten Lagen Grub und Lamm, eingezwickt am Fuße des berühmten vukanischen Zöbinger Heiligensteins und des Gaisbergs direkt an. Einen Blick auf beide Lagen gibt's zB. bei wineanorak.
    • Schloß Gobelsburg, Grüner Veltliner Kammerner Grub 2002, Kamptal, schönes Goldgelb, tief strömende und zart süßlich würzige Nase, viel Mineralik, die unvermeidliche Exotik aber auch eine herbe Würze vom Thymian, am Gaumen dann richtiggehend voll, mit einer öligen Konsistenz, rund, harmonisch balanciert, zeigt viel Schmelz, wundervolle Säure, die mineralischen Noten leben im Abgang nochmals prachtvoll auf, das ist der Olymp des Veltliners, der mich vollauf zufriedenstellt, mit höchstem Genuss zu gurgeln, wie bisher auch gilt für diesen Wein ebenfalls: Michael Moosbrugger Superstar, ***/***
    • Schloß Gobelsburg, Grüner Veltliner Kammerner Lamm 2002, Goldgelb, die Nase erwartet die balancierte Weite eines ruhigen, spiegelglatten Sees, gespannt bereit, in unbekannte Tiefen hinabzusteigen, ein wenig Quitte und Würze, am Gaumen dann viel engmaschiger und doch mit jener Offenherzigkeit eines Weines ausgestattet, der sich seiner Souveränität vollauf bewußt ist, rundum balanciert, das sind Weine, die beim Trinken Geschichten erzählen, soferne man Willens ist, ihnen ein wenig seiner Zeit zu schenken und in sie hinzuhören bereit ist, ein sehr schöner Begleiter zu mit Dolcelatte gefüllte Schweinsfilets, Knoblauchzucchini und glasiertem Sellerie, aber auch herrlich passend zur einfachen Jause, **(*)/***
    Bildquellennachweis: Weingut Schloß Gobelsburg

    Mittwoch, 10. Dezember 2008

    Vertikale vom Gebling

    Walter Buchegger's südlich exponierte Lage Gebling in im nordöstlichen Krems (Rohrendorf) - urkundlich bereits 1180 erwähnt - ist auf kalkhaltigen Konglomeraten und Löß mit über 60 Jahre alten Reben bestockt. Sein Grüner Veltliner Gebling wurde erstmals 2003 erzeugt. Buchegger ist Mitglied im vinovative-Verbund, hat eine originelle Homepage, und hat durch seine frührere Sportlerkarriere als Tischtennislandesmeister gute Kontakte zum ÖOC, was seinen Weinen auch zu bereits etlichen "Olympiastarts" im Österreicherhaus verholfen hat.

    Eine kleine Vertikale des Grünen Veltliners Gebling soll zeigen, ob der sensationelle 2005er Jahrgang würdige Nachfolger gefunden hat. Beim Stöbern im Keller bin ich dann auch noch auf eine Flasche des Vorgängerjahrgangs 2004 gestossen, sodaß ich nun anstatt der geplanten Trilogie ein Veltliner-Quartett ansagen kann :-)

    • Grüner Veltliner Gebling 2004, Kremstal, Salonwein, kräftiges Gelb, anfangs eher wie ein Klöcher Traminer, viel Süsse in der Nase, im Hintergrund zarte Veltlinerwürze, aber auch ein Alterston, am Gaumen knochentrocken, nicht uncharmant, die harmonische Milde des gereiften Weins kommt voll zum Tragen, zu Gerichten mit leichter Schärfe wahrscheinlich noch ein guter Begleiter, habe den Höhepunkt des Weins aber verpasst (auch dank des Kunstoffkorkens), nach weiteren drei Tagen plötzlich voll da, keine Spur mehr von der Altersmüdigkeit, am Gaumen quicklebendig, etwas flach hintenraus, *(*)/***
    • Grüner Veltliner Gebling 2005, kräftiges Strohgelb, viele Stoff, tabakig, mit Würze und Mineralik, herrlich cremig und harmonisch am Gaumen, hat in der Mitte Biß, rundum fein, so macht gereifter Veltiner Spaß, ein prachtvoller Sortenvertreter! **/***
    • Grüner Veltliner Gebling 2006, helles Strohgelb, die Brillianz etwas vermissend, wiederum die kräftige Veltlinerwürze in der Nase, diesmal aber im Wettstreit mit Zitrus, dem Wein fehlt ein weinig das Strahlende, am Gaumen wird der Wein dann ganz klar von der Zitrusfrucht dominiert, mittelgewichtig, wirkt etwas freudlos und lasch im Agbang, aus einem guten Jahrgang, da habe ich mir (viel?) mehr erwartet, */***
    • Grüner Veltliner Gebling 2007, helles Strohgelb noch mit zart grünen Reflexen, wirkt in der Nase sehr verhalten, fast flach, ohne Spannungsbogen, schüchterne Gelbfruchtanklänge, am Gaumen dann doch etwas Leben, aber untypisch für einen GV, wirkt eher wie ein verkappter Steirer aus der Reinzucht & Kaltvergärungsretorte, weit entfernt von einem harmonischen Ganzen, eine ungünstige Momentaufnahme? (*)/***
      Tag 2 wandelt das Bild ein wenig, wiederum gelbe Früchte, feine Würze, die Nase eher breit, hat aber einen gewissen Wiedererkennungswert, am Gaumen stoffig, die Säure im Kontext sehr niedrig, wirkt süffig und angenehm zu trinken, wird in seiner Gesamtbalance noch zulegen, *(*)/***
    Die Weine sind etwas durchwachsen, besonders die 2006er Flasche von einem an-und-für-sich sehr guten Veltlinerjahrgang läßt mich etwas ratlos zurück. Die anderen 3 Jahrgänge waren aber fein zu trinken und besitzen - wie die 04er Flasche eindrucksvoll belegt - auch etliches Stehvermögen. Nicht alltäglich für einen Wein der Acht-Euro-Klasse!

    Freitag, 24. Oktober 2008

    2 x St. Laurent

    St. Laurent - eine in Österreich beheimatete Minderheitsrebsorte (kleiner 1% im österreichischen Rebsortenspiegel) der Burgunderfamilie, findet insbesonders in der Thermenregion neben dem Pinot Noir sehr gute klimatischen Voraussetzungen. Konnte man früher meistens nur sehr kräftige Vertreter dieser Rebsorte finden - "fett" genug konnte es (damals?) gar nicht sein - wird heute zum Glück wieder vestärkt die burgundische Dimension in den Vordergrund gestellt, welche IMHO dieser qualitativ hochstehenden Rebsorte deutlich besser gerecht wird.
    Die beiden Vertreter mit klasischem Ausbau - beide aus Mitgliedbetrieben der Burgundermacher und preislich deutlich unter € 10 - konnten im Glas voll überzeugen!
    • Winzerhof Gisperg-Landauer, St. Laurent 2006, Thermenregion, junges Puprur, viel Frucht im Glas, Kirsche sowie Pilze, zart unterlegt mit würzigen Komponenten, sogar ein wenig Minze, am Gaumen wohldosierte Fülle, dabei lebendig, balancierte, feiner Säure, alles in guten Proportionen, eindeutig burgundische Affinität, herber Ausklang, fein, hervorragendes Preis- / Genußverhältnis, **/***
    • Johann Gisperg, St- Laurent Exklusiv 2006, Thermenregion, brilliantes Rubinrot, "geschmeidige" Nase, zart schokoladisch, Preiselbeere, parfumiert, balsamische & ätherische Noten, zeigt sich ebenfalls burgundisch, bereits balanciert, saftig, am Ende feinherb, gutes Finish, die Harmonie ist schon sehr weit gediehen, Potential, *(*)-**/***
    Bildnachweis: ichkoche.at

    Freitag, 3. Oktober 2008

    Gisperg's Burgunder

    Seit ein paar Jahren begegnen mir die Weine Johann Gispergs aus Teesdorf in der der Thermenregion auf diversen Verkostungen. Nicht immer waren die Eindrücke positiv, oftmals hart, sperrig und unzugänglich kamen mir die Weine vor. Heuer im Frühjahr aber hab' ich nach einem langen Gespräch mit Herrn Gisperg (ua. über die Polymerisation von Gerbstoffmolekülketten :-) nur positive Eindrücke mitgenommen - von ihm und seinen Weinen! Auch vinaria fand bei der Verkostung der österreichischen Rotweine im Preissegment bis €12 Gefallen, sodaß ich nicht umher konnte, ihm vor einigen Wochen einen Besuch abzustatten.

    Aufgefallen ist mir die für meine Begriffe verkehrte Logik der Bezeichnung: Reserve ist bei Gisperg mehr als Exklusiv. Anhand der Größe und des Gewichts der Flaschen kann die Intention der Wertigkeit innerhalb der Produktpalette aber wieder nachvollzogen werden.

    • Pinot Noir Exclusiv 2005, Thermenregion, helles Granatrot, die Nase ist von einem warmen Grundton geprägt, offen & zugänglich, Schlehe, trotzdem ein "ernster", seriöser Grundton, wunderbar balanciert am Gaumen, mit harmonische Säurestruktur fein ausklingend, so muß (für mich) Pinot Noir schmecken, im Vergleich zu den hochpreisigen Exemplaren aus Burgund ist dieser Wein mit einem Abhof-Preis von € 7,50 wohl als Super-Okkasion zu bezeichnen, **/***
    • Pinot Noir Reserve 2005, granatrot, viel Fruchtsüsse bereits in der Nase, Würze, Zwetschkenfrucht, einfach zusätzliche Komplexität vom grossen Barrique, wiederum mustergültige Balance, braucht ein wenig Luft um die feinen Nuancen freizulegen, dann viel Himbeere, wiederum tolle würzige Noten, gepaart mit einer schönen Mundfülle, diesmal aber viel mehr von einer nervigen Säure getragen, sehr, sehr angenehmer Wein, **/**, €12,50
    Gratulation Johann Gisperg - zwei rundherum empfehlenswerte Weine zu tollem Preis!

    Samstag, 16. August 2008

    Duett am Frauengrund

    Die Lage Frauengrund in Krems-Thallern, gleich südlich der Donau ist geprägt von sandigem, mittelschwerem Löß, ist eine der bedeutenden Lagen des südlichen Kremstals. Vorherrschende Rebsorte - wie könnte es anders sein - ist der Grüne Veltliner.
    Die Weine des geradlinigen jungen und talentierten Rudolf Fritz bebachte ich schon länger - siehe zB. Linzer Weinfrühling 2008. Der Vergleich beider Mitglieder der Kremser Veltlinermacher ergab sich durch ein Probenpaket des Weinmagazins vinaria.
    • Weingut Rudolf Fritz, Grüner Veltliner Frauengrund 2006, strohgelb, ein wenig grüne Reflexe, zeigt sich reduktiv, braucht viel Luft, entwickelt erst am zweiten Tag sein Aromenspektrum, leichtes Pfefferl, Tabak, mollig rund, sehr harmonische Säure, sauber vinifizierter Alltagswein, *(*)
    • Hauerhof Tanzer, Grüner Veltliner Frauengrund 2006, gleich sehr angenehme offene Nase, etwas gelbe Füchte, zart würzig, geht in der Entwicklung genau den umgekehrten Weg des Fritz'schen Frauengrunds, verliert an Intensität bzgl. Aromatik, wirkt am Gaumen etwas wässrig, der Druck fehlt, die Säure ist aber präsent, legt am nächsten Tag mächtig zu, feine exotische Aromatik, die Säure wird homogener, Gleichstand, *(*)/***

    Mittwoch, 30. Juli 2008

    2 x Veratina

    Das Rückenetikett der Cuvée Veratina ziert der (Einleitungs-)Satz: "Horitschon ist ein guter Ort." Für die Leitsorte des Ortes inmitten des Blaufränkischlandes gilt das ganz sicher!

    "Die" Veratina - benannt nach den beiden Töchter von Martina & Franz Weninger - unschwer als Ver(en)a & (Mar)Tina zu identifizieren - ist ein im Holz erzogener Blaufränkisch aus der sehr guten Blaufränkisch-Lage Hochäcker, gepaart mit ein wenig Zweigelt und Merlot.

    • Weingut Weninger, Cuvée Veratina 2002, Horitschon, Mittelburgenland, die Farbe geht bereits Richtung Granatrot, zeigt sich warm und sehr offen, Zwetschkenkompott, Rumtopf, über zart animalische Noten (der bekannt berüchtigte Pferdeschweiß) weiter zu rotbeeriger Frucht mit fein würzigen Komponenten, das Holz kaum erkennbar, die Erwartungen (nach den Eindrücken in der Nase) an das Mundgefühl werden erfüllt, anfangs sehr weich, "ein Schmeichler" also (denk ich mir), diese "tut-keinem-weh" Stilistik findet sicherlich bei einigen Weintrinkern gefallen, mir fehlt's da an Kühle, an Kontur, an Struktur, da hab' ich schon bessere Exemplare dieses Weins getrunken, (*)-*/***
      Am zweiten Tage deutlich frischer, wirkt kühler (jedoch nicht kühl), feiner seidiger Abgang, leicht feurig und herrlich (ge)würzig ausklingend, angenehmer Trinkfluß - na also, geht ja doch! *(*)/***

      Wiederum ein Exemplar, das Zeit braucht, nicht wirklich viel Zeit - was sind schon ein paar Stunden? Stunden, in denen der Wein seine Performance um 100% steigert! Diese Zeit sollte, nein muß vorhanden sein - wegen der Performance mein' ich! Andererseits, 2-3 Stunden im Restaurant? Das ist 'ne Ewigkeit - wo doch oftmals der Service das georderte Glas entweder viel zu bald - blöd bei gekühlten Weinen - oder erst nach vertilgter Hauptspeise zu bringen imstande ist. Ich bin immer wieder erstaunt ob der Konstanz dieser Leistung - unabhängig von geographischer Länge/ Breite und Zeit! Bei ganzen Flaschen geht's meistens schneller - wieso eigentlich? Ist doch viel mehr Aufwand, oder? Aber wer findet denn schon noch einen 2002er Veratina im Restaurant? Dort sind ja ohnehin immer nur mehr die allerneuesten Jahrgänge gelistet, und falls sich dann doch noch ein gereifter Wein findet, haftet diesem der (unbegründete?) Verdacht eines Ladenhüters an oder ist aber schlicht und einfach unbezahbar. Das aber ist eine andere Geschichte!

    • Veratina 2003, noch immer rubinrot, offene und intensive, von der Würzigkeit vollends dominierte Nase, am Gaumen so wunderbar rund und offen, feinste, fast seidige Gerbstoffe vermitteln einen unkomplizierten Trinkspaß, der die Frage nach Terroir oder Komplexität erst gar nicht aufkommen lässt, keine Spur der 14% Vol. merkbar, das fließt mit Genuß in meinen Schlund hinein, viel offensichtlicher kann ein Jahrgangsunterschied gar nicht ausfallen - und 2002 war beileibe kein schlechter Jahrgang im Mittelburgenland, **/***
    Bildnachweis: Ovino

    Sonntag, 25. Mai 2008

    Heiliger Urbanus im Doppelpack

    Zum heutigen Urbanststag können fast nur Weine vom Emmerich Knoll aus Loiben in der Wachau in Frage kommen. Das Weingut Knoll bedarf wohl keiner weiteren Vorstellung, spielt es doch gemeinsam mit Hirtzberger und FX Pichler in der absoluten Top-Liga der österreichischen Weine. Knoll-Weine weisen allesamt ein sehr gutes Lagepotential auf - allen voran natürlich die (sehr schwer erhältliche) Vinotheksfüllung.
    Das in den 1960iger Jahren gestaltete Etikett zeigt den Heiligen Urbanus - Schutzpatron der Weinbauern - aus der Loibner Kirche. Das Etikett genießt bereits Kultstatus - eine geglückte Verbindung von Corporate Identity und Traditon!
    • Grüner Veltliner Smaragd, Ried Kreutles 2004, tut sich anfangs schwer, braucht viel Luft, leichter Reifeton, balsamische Noten, aber auch Mineralik, wirkt ein wenig flach, am zweiten Tag taut der Kreutles dann richtig auf, zeigt helle Noten, präsentiert sich zart würzig, beginnt fast zu singen, plötzlich ist auch eine feine Säure da, fokussierter Abgang, macht Spaß, **/***
    • Grüner Veltliner Smaragd, Ried Loibenberg 2004, blasses Goldgelb, sofort offen und von Anfang an voll da, tabakkig, mit Würze, Ringlotten, wirkt rund und harmonisch am Gaumen, alles ist gut miteinander verwoben, nuanciertes Säurespiel, mittellanger Abgang, ein Winner vom ersten Moment an, **/***

    Samstag, 24. Mai 2008

    Rosato im Doppelpack

    Die bisherigen Roséweine wußten eigentlich alle zu gefallen - mal sehen, ob das Gesetz der Serie auch bei den beiden toskanesischen Gültigkeit beweist ;-)

    Castello di Ama, Rosato 2006 (Sangiovese), Toskana, lt. Beschreibung einer österreichischen Weinhandelskette "der heimliche Star des Weinguts".
    Dunkles Rosé, (endlich mal) Würze und Frucht halten sich vorbildlich die Waage, blitzsauber, angenehme Säurestruktur trotz teilweisem malokatischen Säureabbau, schöner Sommer-Terassenspaß, nicht zuviel versprochen
    , *(*)/***

    Badia a Coltibuono, Cetamura 2006, Toskana, die Farbe hat eigentlich schon mehr vom Rotwein als vom Rosé, zart süßliche Nase, kräuterwürzig (ja!), korrespondierend am Gaumen, leicht herb, knochentrocken im Finish, eher kurz, die Herbheit bleibt, ein perfekter Starter mit zivilen 12 Vol. % in der sommerlichen (Nachmittags)Hitze, auch dieser Rosé weiß zu gefallen, *(*)/***

    Hip-Hip-Hurra, weiter so :-) und auf geht's zu den 2007er Vertretern der Rosés!

    Bildnachweis: Castello die Amo & Badia a Coltibuono

    Montag, 5. Mai 2008

    Spargelwein

    Wie unschwer an den zahlreichen Postings zum Thema zu erkennen ist - es ist Spargelzeit und jeder hat wohl so seinen Favoritenwein zum noblenm Gemüse (abhängig von der Zubereitung).

    Spargel gibt es bei uns meistens in mehreren Varianten - parallel, nicht sequentiell ;-)
    Als da wären einmal lauwarmer Spargalsalat aus weißem und grünen Spargel mit Sauce Vinaigrette
    bzw. Spargel auf Mailänder Art, leicht angebraten, mit zerlassener Butter und Parmesan (hmmm :-)und dann ganz klassisch mit Sauce Hollandaise, Schinken bzw. Prosciutto (1|2) und möglichst frischen Erdäpfeln - Heurigen!

    Die Herausforderung ist es also einen Wein zu finden, der alle Varianten gleichermaßen gut begleitet. Die kritische Sache dabei ist eher die (Balsamico-saure) Vinaigrette. Neben den üblichen Verdächtigen - wie zB. einen reiferen Weißburgunder bzw. fülligen Grünen Veltliner - kommt mir da eine weiter heimische autochtone Rebserte - der Neuburger - in den Sinn.
    Eine Rebsorte, welche ihre Vorzüge nicht marktschreierisch in den Vordergrund stellt, sondern ihre Qualitäten als Speisenbegleiter im Stillen offeriert . BTW, wenn sich eine Rebsorte ohne Reue zum Wiener Schnitzel eignen soll, dann der Neuburger!

    Zu Unrecht haftet dem Neuburger noch ein etwas altmodisches Bild an, durch unsicheren Ertrag und der ihm manchmal anhaftenden Ausdruckslosigkeit (braucht unbedingt höhere Graduationen und 2 Jahre Flaschenreife) avancierte der Neuburger nicht gerade zum Liebkind der Winzer und Konsumenten. Immerhin nimmt diese Rebsorte noch 2,26% (Quelle: ÖWM) der österreichischen Weinanbaufläche in Besitz, vorwiegend in der Wachau (so zB. Neuburger 1000 Eimerberg von Klarl Lagler aus Spitz) und der Thermenregion.

    Weingut Karl Alphart, Neuburger Hausberg 2005, Thermenregion, Strohgelb, harmonische, aber bzgl, der Aromen für mich nicht leicht zu beschreibende Nase, feinwürzig, wirkt noch sehr frisch, zeigt sich am Gaumen mit guter Fülle, rundherum balanciert mit harmonischer Säure, saubere Vinifikation, guter Sortenvertreter einer leider vergessenen österreichischen autochtonen Rebsorte,*(*)/***

    Neuburger Hausberg 2006, Strohgelb, wundervolle Nase, anfangs nussig, dann Zitronenmelisse, schotige Aromen, gemüsig, geht prachtvoll auf, dann tabakig, zarte Orangenzesten, ein wenig Holz?, offenbart minütlich neue Facetten, mundfüllender Wein, cremig rund, fast weich, den ganzen Gaumen auskleidend, anschmiegsame Säure, ein ganzer Prachtkerl, stellt den Vorgängerjahrgang gnadenlos ins Abseits, ein perfekter Begleiter zum Solospargel mit Hollandaise, Bravo! **/***

    Um knapp über €7 hat sich dieser Wein mehr als nur ein Platzerl im Keller verdient!

    Bildnachweis Alphart Neuburger Hausberg: Weinwelt Interspar, Spargel (c) vinissimus 2008

    Montag, 24. März 2008

    Igler - "Vom Igel"

    Ab Ericio ("Vom Igel") ist der Topwein des Weinguts Hans Igler in Deutschkreutz, Mittelburgenland - dem Blaufränkischland - und besteht gut zur Hälfte aus Merlot, einem Drittel Blaufränkisch und Zweigelt. Ab Ericio ist in den letzten Jahren ein höchst erfolgreicher Wein, der 2005er wurde kürzlich falstaff-Sieger, der Vertreter aus 2004 belegte den 3. Platz. Auch andere österreichische Publikationen stuften den Wein ins internationale Premiumsegment ein. Das Preisschild ist mit € 30 etikettiert.
    • Ab Ericio 2000, klassisches Weinrot, vom Grundton her eher herb mit weinig-fruchtiger Nase, im Hintegrund sanfte Vanille und Schokotöne, sanfte Würze, eher kurze Präsenz und mittelgewichtig am Gaumen, deutlich Alkohol, wirkt nicht stimmig, Säure- & Gerbstoffspitz im Abgang, mit Süßholzwurzel säuerlich nachklingend, geht am zweiten Tag ein wenig auf, alles miteinander wirkt gut verwoben, balsamische Noten und eine feine Säurebalance im Abgang, für den Topwein aus einem exzellentem Jahrgang ein bißchen zu wenig, hat seinen Höhepunkt bereits überschritten, *(*)/***
    • Ab Ericio 2004, Purpurfarben mit schwarzem Kern, die Nase sehr schön verwoben, schwarze Ribisel (Johannisbeere), peffrig, nobles Holz (21 Monate!), alles gut zu einem harmonischen Ganzen integriert, seidig am Gaumen getragen, engmaschig am Gaumen, balancierte Säure trägt diesen Wein, der angenehme, aber eher kurze Abgang macht schon wieder Lust auf den nächsten Schluck, am zweiten Tag in Höchstform, einziger Wunsch meinerseits wäre ein etwas präsenteres Tannin, zeichnet für seine 14 %Vol. ein wirklich tänzerisch leichtes Gesamtbild, hat noch Lagerpotential, qualitativ aber bereits jetzt on-Top, bravo, **(*)/***