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Dienstag, 20. Juli 2010

TYA 1999 - Rotes Österreich und der Rest (6)

Bei den österreichischen Spitzenweinen in der Preisklasse um €35 habe ich einfach den Anspruch, daß sich die Weine mit Lagerung verbessern und die 10-Jahreshürde mit Bravour meistern. Aus einem guten Jahr - und das kann bei den heimischen 99er-Weinen als gegeben angesehen werden - und mit der entsprechenden Weinstilistik (keine Weichspüler!) sollten sich meine Vorstellung auch im Glas wiederfinden.

Als Tipp habe ich im Vorfeld den Admiral, Comondor und Titan etwa gleichauf eingeschätzt, alle drei habe ich in ihrer Jugend als stramme Burschen mit mächtigen Gerbstoffen erlebt, der Gabarinza etwas femininer und auch den Perwolff kenne ich als Wein, der schon in jung getrunken großen Spaß bereitet.
Meine Prognose sollte sich allerdings nur zur Hälfte bewahrheiten und leider waren auch wiederum Korkler mit von der Partie :( - na klar! So wirklich überzeugen wußte nur Teschs Titan, über den ich als Sieger auch ein paar Worte verlieren möchte.
Der Titan ist der Spitzenwein des Weinguts Josef "Pepi" Tesch. 1999 war nach 1997 der 2.te Titan und wurde noch mit Hilfe von Freund und Nachbar Heribert Bayers vinifiziert, der damals in Sachen Weinkonsulent mit so klingenden Namen wie Franz Schindler, Josef Umathum, Hans Feiler, Gustav Krug und Erich Giefing als Geburtshelfer einiger österreichischer Barrique-Weinlegenden wie zB. Cuvée d'Or, Hallebühl, Solitaire, Albatros und Cardinal fungierte. Ein nachvollziehbarer Schritt, da nach der Auswanderung des Bruders die Nachfolge im Betrieb Tesch ungewiß war und Josef Tesch vollberuflich als Kellermeister bei der Winzergenossenschaft Neckenmarkt engagiert war. Der 1999er ist meines Wissens übrigens auch der einzige Jahrgang des Titans, der in seinem Rebsortenmix zu einem Viertel Zweigelt enthält.  (1|2)

Ganz interessant zur Nachlese ist auch die 99er-Hitliste von Peter Moser aus der falstaff-Verkostung.

  • Krutzler, Perwolff 1999, Südburgenland, eine Cuvée aus mehrheitlich Blaufränkisch, leider in der Nase deutlicher Kork, am Gaumen dann zum Glück kaum merklich, als Essensbegleiter noch akzeptabel und trotzdem: warum trifft es immer solche Flaschen und nicht die €10 Weine?
    Ich gebe daher - wie immer bei solchen TCA-verseuchten Exemplaren - nur eine Grundtendenz an: der Perwolff wirkte insgesamt noch juvenil mit einer feinen Säurestruktur, zivilisiertes, eher geschliffenes Gesamterscheinungsbild, oW.
  • Pöckl, Admiral 1999, Mönchhof, Neusiedlersee, eine Cuvée aus 70% Zweigelt und je 15% Blaufränkisch bzw. Cabernet Sauvignon, beginnendes Granatrot, in der Mitte mit "festem" Kern, expressive Tertiäraromen nach Leder und Balsamik, Teer, Bitterschokolade, am Gaumen mit noch viel süßer, rotbeeriger Frucht ausgestattet, zeigt sich erstaunlich rund und ausgeglichen, hätte mir viel mehr Gerbstoff erwartet, so ist die feste Tanninstruktur im Verbund mit einer fein verwobenen Säure nur zart angedeutet, süßlicher Abgang, etwas Alkohol, nicht allzu lange, nicht schlecht, aber was bleibt als Profil und eigenständigem Charakter bei diesem Wein noch übrig, was nicht auch andere Weine besitzen? Für mich doch ein wenig enttäuschend, *(*)/***
  • Tesch & Bayer, Titan 1999, Neckenmarkt, Mittelburgenland, die Zusammensetzung dieser "4er-Cuvée" enthält die Rebsorten Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Syrah und Zweigelt zu jeweils gleichen Anteilen, Rubinrot, wirkt noch jugendlich in seinem Farbspiel, bei Eintauchen meiner Nase ist das von Anfang an ganz klar, das ist feinste Bordeaux-Stilistik, zeigt viel Balsamik und dunkle Noten von Teer, am Gaumen fast schwebend, mit einer ätherischen Leichtigkeit gleitet der enorm fruchtsüsse Stoff über meine Zunge, ein perfekter Mix aus Seidigkeit und Struktur, die Tannine reif und balanciert, ein stringentes Stück Zeitgeschichte aus der Kategorie "österreichischer Spitzenwein", hat noch Potential für weiter 5 Jahre, obwohl ich bezweifle, daß sich dieser Wein sich noch "schöner" zeigen kann, am zweiten Tag dann Rumtopf, die Gerbstoffe vor allem im Nachgeschmack deutlich präsenter, einem guten Bordelaiser St. Estephe nicht unähnlich, **(*)/***
  • Hans "John" Nittnaus, Comondor 1999, Neusiedlersee, Bordeaux Cuvée aus CS, Merlot und einem Schuß österreichischem Patriotismus in Form von Zweigelt, aus der Golser Spitzenlage Ungerberg, beginnendes Granat, fein süßliche Aromen entsteigen dem Glas, die übliche Balsamik in Form von teerigen Noten, darüber hinaus nehme ich aber auch geruchliche Assoziationen an Nuß(likör), Rosenblätter und ätherische Obertöne wahr, der Wein ist geprägt von Noblesse, ein Sir sozusagen, zeigt sich am Gaumen anfangs fast schwebend leicht, geschmeidig mit kräutriger Würze, viel süsser Fruchtcharme, wird hintennach etwas fester, reife Gerbstoffe schaffen eine griffige Textur, der Alkohol leicht wahrnehmbar, im Abgang mit Adstringenz ausklingend, nicht ganz balanciert, aber harmonischer, von der Säure getragener Rückgeschmack, **/***
    (zum Vergleich die Notiz vom April 2009)
  • Heinrich, Gabarinza 1999, Gols, Neusiedlersee, beginnendes Granatrot, dunkler Kern, anfangs etwas "verstaubte" Nase, dann kurzzeitig Heidelbeere, Karamel, Sanddorn, nach einer halben Stunde steht nur mehr eine maggikrautartige Würze im Glas, am Gaumen fest strukturiert, keine Spur der opulenten Fruchtfülle der anderen Weine, eher kurz und im Angang nicht mehr ganz balanciert, da sich der Alkohol "löst" und ein Eigenleben führt, *-*(*)/***
  • Château du Cèdre, Le Cedre 1999, Cahors - Kork und was für einer, intensiver kann's nicht sein :-(
    Um ehrlich zu sein war eine total verhunzte Flasche in der 99er-Verkostungsserie ja  fast überfällig, blöd nur, daß es gleich zwei Exemplare erwischt hat...
  • Als kleine Entschädigung gab's dafür noch eine Einzelflasche des prachtvollen Ronco Vieri, DOCG Ramandolo 1999, Friaul, satte Bernsteinfarben, die Aromen ganz klar Richtung Mandeln, ein Duft wie nach Contucchi aus Siena (toskanisches Mandelgebäck), wow - frappierend, was für eine Leichtigkeit am Gaumen, eine fantastische Ausgewogenheit zwischen Süsse und Säure, fast schwebend und doch mit Substanz, da rinnt auch das dritte Glas ohne Probleme ganz seidig leicht den Schlund hinunter, ein fantastisches Exemplar aus der Verduzzo Friulano-Rebsorte, sorgt für ein Verzücken meinerseits, **(*)/***

Freitag, 7. Mai 2010

TYA 1999 (5) - Italien

1999 war im Chianti Classico Gebiet ein hervorragendes Jahr, mit guter Bewässerung der Reben in der Wachstumsphase im Frühling, einem heißen, aber nicht allzu trockenem Sommer und einem Herbst, der mit Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht die Aromenausbildung in den Trauben fördert - sicherlich ein Vorteil bei der spätreifenden Sangiovese. Alles in allem also ein Grant für feine Weine? Mal sehen..
  • Tenuta di Capezzana, Trefiano 1999, Carmignano, Toskana, Trefiano, eine Einzellage rund um die gleichnamige Villa (Agrotourismo), Ziegelrot mit dunklem Kern, leuchtendes Granatrot am Rand, komplexe, verwobene Nase, anfangs rohes Fleisch ähnlich vielen Weinen aus dem Ribera del Douero, viele "helle" Noten, Mineralik, geschliffen, präsentiert sich warm und offen(herzig), exemplarische - weil reif, mürbe und nicht wie so oft in der Region austrocknende - Gerbstoffe, mittelgewichtig am Gaumen, balanciert, mit einer gewissen Feurigkeit im Abgang.
    Tag 3: Herzkirsche gepaart mit herrlich feiner Würzigkeit, Tannin und Säure halten sich harmonisch die Balance, saftig auf der Zunge, im Abgang fokussiert, einem gereiften Bordeaux nicht unähnliche Stilistik, das Lagerpotential erscheint mir ausgeschöpft, jetzt á point zu trinken, sollte sich problemlos die nächsten 3 Jahre auf diesem Niveau halten, , völlig untypischer Sangiovese mit einem kleinen Anteil von Cabernet Sauvignon, aber gerade deswegen so spannend, die richtige Mischung aus allem, sodaß man gerne ein drittes Glas genießt, Wein, der mit Genuß universell einsetzbar ist - Kategorie persönlicher Lieblingswein! **(*)/***, €23
  • Barone Ricasoli, Castello di Brolio 1999, Gaiole, Toskana, nun muß ich gestehen, ich habe mir zwar irgendwo Notizen zu diesem Wein gemacht, aber diese sind jetzt nunmal leider unauffindbar :( - und in meinem Gedächtnis finden sich nur noch einige Fragmente: ..warm und offen .. reif .. gute Balance zeigend .. viel Fruchtsüsse .. prachtvolle, vor allem sehr mürbe Gerbstoffstruktur .. macht Spaß zum Trinken .. aus einem Guß .. hat noch Potential für weitere 5 Jahre .. aber wie so oft bei den Toskanesen nicht wirklich vielschichtig .. **/***
  • Mazzei, Castello di Fonterutoli 1999, Castellina, Toskana, der Topwein des Hauses, Sangiovese mit 10-prozentigem Anteil Cabernet Sauvignon, noch sehr jugendliche Farbe, tiefer, dunkler Kern mit leichtem Granatrot am Rand, betörende Balsamik durchströmt den Riechkolben, ledrig, teerige Noten, tiefe Würze, engmaschig am Gaumen mit tollem süßem Fruchtspiel, eine feinkörnige Gerbstoffstruktur ummantelt fein pelzig die Zunge, das vitale Leben, zivilisierte Kraft im Glas, mittellanger Abgang, feinziselierte Säure gesellt sich im harmonischen Nachgeschmack dazu, hat sich bestens entwickelt, aber eigentlich noch zu jung, mit den beste Anlagen für die nächsten Jahre ausgestattet, tolle Leistung für einen Wein, von dem es jährlich bis zu 100.000 Exemplare gibt! **(*)/***

Bereits verkostet und geposted wurden die folgenden 99er-Weine der Toskana:
Bisher gesammelte Ergüsse der 1999er-Ten Years After-Serie..

Donnerstag, 22. April 2010

TYA 1999 (4) - Bordeaux

Diesmal sind die Franzosen, genauer gesagt, die Vertreter aus dem Bordelais an der Reihe, um zu zeigen, in welcher Form sie sich nach 10 Jahren in der Flasche präsentieren.
  • Château d'Armailhac, Cinquième Grand Cru Classé 1999, Pauillac, hat noch eine sehr jugendliche Farbe, eine fein komplexe Nase (weil für mich schwierig zu beschreiben), Brombeere, Aromen vom Faß, aber auch mineralische Noten zieren die Nase, der Wein zeigt sich anfangs verschlossen, wirkt bestenfalls mittelgeichtig am Gaumen, ja sogar hart. Nach 2 Tagen ist der Wein dann offen, hat alles Spröde abgeschüttelt, mit viel Fruchtcharme, sehr rund, reife, gut verwobene Gerbstoffe, zugängliche Stilistik mit Potential für die nächsten 10 Jahre, **/***
  • Château Phelan Segur, Cru Bourgeois 1999, St. Estephe, die leere Flasche ist stummer Zeuge, daß wir sie getrunken haben, alleine fehlt mir die Notiz dazu :-(
    Was mir noch im Gedächtnis geblieben ist, sind immer die gleichen Gedanken beim Öffnen einer Flasche Phelan Segur: ein zuverlässiger Weinwert, summa summarum immer harmonisch und balanciert und ergo mit großem Genuß zu trinken.
  • Château Calon Segur 1999, 5eme Cru Classé, St. Estephe, ziegelrot, intensiv harmonische, nach rotberigen Früchtigen duftende Nase, fein verwobene Holzwürze, voll offen, am Gaumen rund mit enorm saftiger Textur, mundfüllende Fruchtsüsse, gut proportionierte, reifen Gerbstoffe im Abgang, ein gut balancierter Abgang paßt hervorragend ins Gesamtbild dieses Weins, der in voller Blüte seines Lebens steht, feiner, aber nicht allzulanger Nachhall, mit großem Genuß zu trinken, vor zwei Jahren präsentierte sich dieser Jahrgang noch deutlich härter im Glas, eine sympathische Flasche in der sehr guter Form, **-**(*)/***

  • Château La Croix de Gay 1999, Pomerol, Bordeaux, komischerweise gibt es Exemplare, die eigentlich alles richtig machen und einem trotzdem nicht im Gedächtnis haften bleiben, der Croix de Gay ist ein solches Exemplar, Granatrot mit dunklem Kern im Glas, die gereifte Nase wird vom schon leicht marmeladigen Merlot dominiert, aber auch kühle, expressive Würze, am Gaumen geschmeidig mit genau der richtigen Portion Gerbstoffen, wird im Abgang immer engmaschiger, feine rotbeerige Noten und Überraschung: mineralische Noten, umrahmt und von ziselierter Säure getragen, eine feine Stilistik, gediegener Essensbegleiter, **/***
  • Château Clos l'Eglise 1999, Cotes du Castillon, Rubinrot, vegetal kräuterwürzige Aromen, anfangs rund und weich, gewinnt dann aber rasch an Gerbstoff-Struktur, recht balanciert am Gaumen, dann drängt sich Cassis in den Vordergrund, erinnert mich ein wenig an meine ersten Chilen, etwas Rumtopf im Abgang, wiederum die vegetabilen Noten, noch gut zu trinken, hat seinen Höhepunkt aber bereits gehabt, als Speisebegleiter ganz passabel, *(*)/***
  • Château Haut-Carles 1999, Fronsac, erstaunlich jugendliches Kirschrot, feine Würze, perfekt integriertes Holz sorgt für eine attraktive (Tropenholz)Nase, erdiger Grundton, eine gewisse (seröse) Strenge im Charakter kann dieser Wein nicht leugnen, mittlere Körper, das Tannin in kräftiger Menge vorhanden, im Finish ein wenig austrocknend, der zweite Tag bringt ein deutlich feineres Gesamtbild, zum Riechen Schokolade und Teernoten, die Gerbstoffe im schönen Spannungsfeld mit einer Säure, noch immer maskulin, aber richtiggehend balanciert, ein guter Wert zum abgelegen Stück (Grill)Fleisch, valueable Bordeaux mit noch reichlich Potential für die Zukunft, *(*)-**/***
  • Château Marsau 1999, Fronsac gibt's hier nachzulesen (VKN aus 2008)
Vom Blog "Nur ein paar Verkostungen" gibt es folgende beide Notizen
Keine Entäuschung, aber auch kein Überflieger. Den hat's aber auch bei den anderen 99er-TYA-Weinen bis dato noch nicht gegeben..

    Sonntag, 17. Mai 2009

    TYA 1999 (3)

    Dritter Teil der Serie Ten Years After..
    • Abadal 3.9 Reserva 1999, DO Plá de Bages, Spanien, ein Cuvée aus mehrheitlich Cabernet Sauvignon mit Syrah auf kalkhaltigem Boden, aus einer 1898 gegründeten Bodega, die sich immer noch in Familienbesitz befindet, dunkler Kern aber mit greiftem Rand, wirkt vordergründig etwas oxydativ, dahinter aber pures Cassis, Eukalyptus, Minze & Menthol, gibt sich offen und breit, wiederum etwas Rumtopf, kräuterwürzig, gut zu trinken, feine Gerbstoffe im doch erstaunlich langem Abgang, bietet eine gewisse Komplexität, der leicht gereifte Zustand des Weins stört (mich) nicht und hält sich über die Tage konstant, angenehmer Speisenbegleiter, *(*)-**/***
    • San Giusto a Rentennano, Chianti Classico Riserva 1999, Toskana, leicht gereifte Farbe, nicht allzu üppige Aromatik, die Frucht läßt sich bitten, erstmals regieren die Gerbstoffe, leichte Adstringenz, nach einer Stunde im Dekanter öffnet sich der Wein und mit ihm kommt der Fruchtcharme, ordentliche Balance, die wuchtigen 14.5 % Vol. sind gut integriert, in Summe trotzdem nicht mehr als guter Durchschnitt, *-*(*)/***
    Die 99er Bordeaux warten auch schon auf ihre Chance..

    Samstag, 11. April 2009

    TYA 1999 (2)

    Für diese Art des "Ten-Years-After-Wettstreits" - der ja eigentlich gar keiner ist - habe ich mich ganz bewußt gegen eine länderspezifische Zusammenfassung entschieden. Und auch gleich gegen einen direkten Vergleich der Weine. Warum?
    Um 10 Jahre als Wein gut durchzustehen, da braucht es schon gewisser Anlagen hinsichtlich Qualität. Jeder Wein soll diese also mitsamt seinen Eigenheiten, Ecken und Kanten - soferne noch vorhanden - voll in einem Solo auspielen können. Soll sein Steherqualitäten beweisen und bekommt genügend Zeit zu Scheinen. Gut Ding braucht zuweilen eben Zeit. Und diese Zeit sollen nicht nur die Weine haben - Zeit, sich zu öffnen. Nein diese Zeit nehme auch ich mir ganz bewusst - auch als Wertschätzung gegenüber den Produzenten dieser Tropfen. Nicht nur bei den 10-jährigen Weinen, nein, auch bei jungen Weine, nehme ich mir in diesem Blog meistens länger Zeit für einen Wein als allgemein üblich im Weinjournalismus - zumindestens 3 Tage. Wie oft schon hat mich ein Wein oftmals mit (s)einer vielfältigen Entwicklung und Verwandlung überrascht! Zeit auch, die innerlich "entschleunigt". Es reicht eben vollkommen, sein Publikum im zweiten oder dritten Akt zu verzaubern. Im ersten muß nur ein Spannungsbogen etabliert werden - eine Spur für ein verdichtetes Finale gelegt werden. Schade für jene, welche in der ersten Pause entäuscht das (Schau)Spiel schon verlassen.

    Und zweitens habe ich Lust auf Abwechslung. Abwechslung die heißt: heute ein Franzose, morgen ein Italiener und übermorgen vielleicht ein Vertreter aus Österreich. Ein homogener Mix macht doch die Sache erst spannend - die Vergleichbarkeit der Stilistik oder Rebsorten hin oder her!

    Anforderungen an einen 10-jährigen Wein in der € 20-30 Preisklasse?
    Ganz klar: Homogenität, Balance, Komplexität und das alles fein verwoben! Noblesse statt Kraft und Charme statt rüpelhafter Vordergründigkeit.. .

    • Hans & Christine Nittnaus, Comondor 1999, Neusiedlersee, eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt, beginnender, wässriger Granatrand, im Kern fest und dunkel, tief kräuterwürzige Nase, ein klassischer Bordeaux-Blend, rotbeerige Komponenten, Himbeere, süßliche, balsamische Textur, präsentiert sich äußerst geschmeidig am Gaumen, mittelgewichtig mit engmaschigen, reifen und gut integrierten Gerbstoffen, viel Fruchtsüsse, lebendiger Säure, harmonischer Abang, ein prachtvoller Essensbegleiter mit Potential für weitere 5 Jahre, **-**(*)/***
    • Niepoort, Redoma Tinto 1999, Duero, sehr verhaltene Nase, süßlich dominierte kräutrige Noten, etwas Klebstoff, der Alkohol merklich riechbar, nicht ganz in Harmonie, fängt sich aber gut am zweiten Tag, wirkt kompakt, ist mir persönlich aber zu sehr von einem süßlichen Grundton geprägt, feines, harmonisches Tannin im Abgang des Weins, wirkt insgesamt noch sehr juvenil, kein schlechtes Exemplar, ganz im Gegenteil, trifft nur nicht ganz meine präferierte Stilistik, *(*)/***
    • La Magia, Brunello 1999, Toskana, Granatrot mit orangem Rand, sehr ruhige strömende Nase, verführerisch, deutlich von Teer und balsamischen Noten getragen, ein wenig Parfum, sehr viel Fruchtsüsse, rotbeerige Würze, Anklänge an schwarzen Pfeffer, eher schlanker Körper, seidige Säure, die mächtigen, etwas spröde Gerbstoffe überrollen anfangs den Gaumen und hinterlassen im Finish ein austrocknendes Mundgefühl, am dritten Tag ist dann alles in Balance, hat diesen so gebietstypischen warmen Charakter, seidiger Trinkfluß, die Gerbstoffe sind nun gut verwoben, teerige Würzigkeit, die Nase strömend, viel Volumen, Süße, macht auch solo genossen viel Spaß, harmonischer Abgang, so soll Brunello sein! **-**(*)/***
    • Fattoria di Felsina, Fontalloro 1999, Toskana, schon dem Ziegelrot sehr nahe, feine, verwobene Nase, gute Fruchtsüsse, Gewürze, am Gaumen eher schlank und kurz, aber sauber, Säure und feine Gerbstoffe, wo bleibt die "eiserne Faust im Samthandschuh"? Der Wein wirkt ermüdet, das ist sicherlich nicht der Höhepunkt dieses Weins, schade, denn gerade den Fontalloro habe ich bisher immer als als Steher in Erinnerung, ein ordentlicher Essensbegleiter, aber mehr schon auch nicht, ce domage! */***

    Sonntag, 22. März 2009

    TYA 1999 (1)

    Etwas verspätet der erste (heurige) Beitrag zur Serie "Ten Years After"...

    1999

    Ein grandioses Jahr für mich - herrlicher Urlaub in Norspanien (Penedes, Somontano, Rioja, Ribera del Duero) und ein dicker Bauch bei meiner lieben Renate, welcher nicht nur den hedonistischen Genüssen Spaniens zuzuschreiben war ;-)

    In der ersten Woche des neuen Jahrs 2009 gabe es folgende 3 Flaschen aus meinem 99er Sortiment:
    • Morillion Kranachberg 1999, Weingut Peter Skoff (jetzt Domäne Kranachberg), Südsteiermark, aus der Anfangszeit der Barriqueexperimente des Weinguts sind mir 2 Weine in Erinnerung geblieben, dieser und der 2000er Weißburgunder Kranachberg, beide zu kleinen Teilen im neuen Holz gereift, jeweils 1 Flasche habe ich mir für das "10-Jahres-Jubiläum" auf die Seite gelegt, kräftiges Goldgelb in der Farbe, offenbart anfangs mächtiges Holz, dann prachtvolle exotische Anklänge, Ananas, zart balsamisch, ein wenig Terpentin und Wachs, mittelgewichter Gaumen mit lebendiger Säure gesegnet, langer, kräftiger und öliger Abgang, die Balance ist ist ganz hervorragend, ist wunderbar gereift, offenbart nach 3 Tagen auch vegetabile und gemüsige Aromen wie zB. Fenchel, am besten solo genossen, aber mit viel Spaß auch zur gereiften Käseplatte oder zur Fettunta, hat sich ganz vorzüglich eine ganze Woche gehalten und sicherlich noch Potential für weitere 5 Jahre, Respekt, **(*)/***
    • Weinbau Harald & Christine Kraft, Ruster Chardonnay Auslese 1999, Neusiedlersee-Hügelland, helles Bernstein, Orangen- und Zitronenzesten, schon die Nase verrät, daß die Süsse einen strammen Gegenspieler (in Form der Säurestruktur) haben wird, am Gaumen geschmeidig, zuerst die Fruchtsüsse, dann die Säure dominierend, lange mit nervigem Säurespiel ausklingend, der sofort Lust auf den nächsten Schluck macht, ein schönes Exemplar in der 0,75l Bouteille, welches damals ab Hof - wenn ich mich recht erinnere - keine 60 Schilling (€ 4,50) gekostet hat und mich heute noch ungläubig ob der dargebotenen Qualität staunen läßt, **/***
    • Noval, Late Bottled Vintage 1999, Douro Portugal, leider, leider wiedereinmal ein deutlicher Kork, der sich aber mit viel Luftzufuhr auf ein fast erträgliches Maß reduzieren lässt. Eigentlich darf ich mich nicht beschweren, denn meine Ausfaller durch beeinträchtigten Kork sind sehr moderat, wobei natürlich noch immer gilt, daß jede schadhafte Flasche eine zuviel ist!
      Erkennbar - trotz der Maskierung - welch geschliffene Portweinstilistik Noval zu eigen ist. Das wäre LBV auf höchstem Niveau gewesen - schade!
      o.W.
    ..to be continued..