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Sonntag, 4. Dezember 2011

Weine zur Martinigans 2011

Bildquellennachweis: (c) 2008 Kleine Zeitung, mit vielen Martinigansrezepten

"Es gibt ja Dinge, die man zwar nicht verträgt, der guten, alten Tradition zu liebe aber trotzdem immer wieder auf sich nimmt. Also zum Beispiel Urlaub in viel zu heißen Gegenden, Wagner-Opern oder Martini-Gansl. Letzteres habe ich vor einigen Tagen absolviert, wenn auch noch nicht ganz verdaut." so die Einleitung zu Gerhard Hofer's Kolumne "Im Keller" (KW46) im "Schaufenster" der österreichischen Tageszeitung "Die Presse".

Zum Glück muss sich nicht jeder so plagen! Ich jedenfalls schlag' mir jedes Jahr zu Martini mit höchstem Genuss den Bauch voll, ohne danach eine schlaflose Nacht wegen Völlegefühl oder Übelkeit zu haben. Und dass viele Leute Probleme mit dem fetten gehaltvollen Fleisch einer Gans haben, kann ich bei unserer freilaufenden Bio-Weidegans, welche gleich bei uns in der Nähe hinter dem  Pöstlingberg groß geworden ist, nicht nachvollziehen. Und ein schonender Garprozeß im Rohr trägt zur weiteren Bekömmlichkeitssteigerung bei.
Aber manche werden auch zeitlebens mit Tofu-Soja-Spießchen samt einem 1/16l Welschriesling glücklich - zum Glück kann das jeder für sich selbst entscheiden!

Jedenfalls gab es wieder der Tradition gemäß (da ist sie schon wieder, die "Bürde" ;-) nur Rotweine mit 10 Jahren (und mehr) am Flaschenbuckel.
So konnte ich heuer erstmals auch mit einem von Reinhold Paukner - Autor von "Der Wein zum Essen, das Essen zum Wein" - zur Gans empfohlenen Madiran aufwarten, ebenso mit einem Exemplar aus dem viel zu unterschätzten Valtellin.


  • Pietro Plozza, Selezionato per Grand Vins Globus Brusio, Nebbiolo 1996, DOCG Sforzato,  Valtellin, Lomardei, Italien, gereifte Farbe mit deutlichen orangefarbenen Reflexen, prachtvoller, intensiver Duft nach allen tertiären Aromen entströmt dem Glas, nasse Waldnoten, Laub, moosig, aber auch Teer, Kiefer, sowie Menthol & Eukalyptusnote, tiefe Würze, alles Anzeichen für mich von einer wirklichen Klasse, am Gaumen trotz seiner 14,5% Vol. sehr balanciert, geschmeidiger Körper, vitale Säure, ein Grandseigneur im klassischen "Pinot Noir"-Stil, harmonischer, mittellanger Abgang, wiederum ein Beweis dafür, dass es sich für mich lohnt, die feinen Exemplare ein paar Jahre im Keller auf den "richtigen Moment" warten zu lassen und auch wenn diese Experimente manchmal nicht von Erfolg gekrönt sind, bei denen es klappt, wird man doppelt & dreifach dafür belohnt, **(*)/***
  • Domaine du Capmartin, Esprit du Convent 2001, Madiran, Frankreich, tiefschwarze Farbe auch nach 10 Jahren kennzeichnen diesen Wein im Glas, ohne jedwede Spur des Alterns, dichter Kern, bereits beim ersten Hineinriechen wird die schlummernde Konzentration offenkundig, aber der Wein braucht viel Luft, um ihm ein paar spärliche Duftnuancen zu entlocken, kalter Rauch, etwas Speck,  mächtige, aber inzwischen zu langen Polymerketten zusammengefundenen Tannine machen die Tannat-Rebe in Harmonie am Gaumen erschmeckbar, dazu gesellt sich aber eine schneidenen Säurestruktur, sodass ich diesem Wein in seiner Jugend wohl das "diabolisch untrinkbar"-Attribut zuerkennen kann, eigentlich macht dieser Wein alles Richtig und mein Gaumen hat schon einiges Verschiedenes erschmeckt, jedoch ist diese pure Dualität zwischen extremer Säure und Gerbstoffen sehr gewöhnungsbedürftig, überspannt den Bogen der Balance mehr als deutlich, und lässt den Koster zudem mit seiner Konzentration und fehlender Mitte etwas an ein "künstlich erschaffendes Monster" denken. In den zwei Folgetagen normalisiert sich diese Extreme etwas, ohne jedoch zu einer Harmonie in meinem Verständnis zu finden. In 5 Jahren der zweite Versuch? *(*)-**/***
  • Anita und Hans Nittnaus, Mönchhofer Pinot Noir Kurzberg-Waldäcker 2001, Neusiedlersee, Österreich, schon beim Entfernen der Kapsel überkam mich wegen der sichtbaren Verunreinigungen unterhalb ein ungutes Gefühl, das mich nicht getäuscht hat. Leider ein deutlicher Kork(schleicher), in der Nase eindeutig, trotzdem noch immer viel Würze und Maggikomponenten erriechbar, am Gaumen fest, fast fleischig, mit superber Säurestruktur, etwas dumpf, bleibt lange im Mund haften, im Abgang leider wiederum deutlich das TCL erschmeckbar, was für eine Perle habe ich hier verloren und wie immer ist es ganz klar: es war die letzte Flasche! Etwas schmerzmildernd ist die Tatsache, dass ich zwei ganz korrekte superbe Flaschen dieser göttlichen österreichischen Winzerkunst geniessen durfte, o.W.
  • Van Volxem, Riesling Alte Reben 2003, Saar, strahlendes und satt leuchtendes Strohgelb, süßlich reife Exotikanklänge, Honig und Ananas, feinziselierte Säurenuancen als Obertöne verleihen dem Wein beim Riechen trotz seiner Nasen-Opulenz eine innere Frische, cremig weich am Gaumen, ein Schmeichler mit viel Frucht- & Restsüße, die sehr balancierte Säure ist harmonisch im Finish angebunden, jedoch ist der Übergang zwischen Süsse und Säure merklich, sodaß hier weniger von einem "Süße-Säure-Dialog" als vielmehr von einem "sowohl Süße als auch Säure"-Wein gesprochen werden kann, gutes Finish,  *(*)/***
Und wie schlugen sich die Weine nun zum Essen?

Der Nebbiolo von Pietro Plozza fand bei allen Ganserl-Schmausern Anklang! Die gereiften balsamischen Noten unterstützten den Eigengeschmack des Essens auf perfekte Weise, eine geniale harmonische Einheit entsteht am Gaumen, ein balanciertes Ganzes, welche zudem - zumindest gedanklich - der Kalorienbürde Flügel verleiht! Ein Grappa als Digestif ist trotzdem unausweichlich traditionell ;-)
Weißwein zur Gans hat in unserer Familie aufgrund der Rotweinvorliebe zu dunklem Fleisch einen schweren Stand und owohl die Säure eines Weißweins die (im Vergleich zu anderen Fleischgerichten nicht abzusprechende) Üppigkeit des Gerichts gut puffert, muß es mit der Süße des Blaukrauts und der Maronen zurecht kommen. Und genau diese machte Van Volxems Saar-Riesling ein wenig zu schaffen, sodass der Gesamteindruck doch immer eine deutliche Spur zu süß ausfiel, um von einer gelungenen Beziehung sprechen zu können.
Der Madiran von Capmartin hingegen passte zur Speis' viel besser als solo genossen, eröffnete dabei durchaus die eingangs vermisste Balance am Gaumen und zeigt wieder einmal recht stimmig, daß sowohl säure- als auch gerbstoffreiche Weine gleichermaßen gut geeignet sind, eine Gans nach Mecklenburger Art vortrefflich zu begleiten.

Mein Favoriten bleiben somit Pinot Noir-affine Weine, wobei die zu dieser Stilistik zugehörige Nebbiolo-Traube klassisch ausgebaut absolut ebenbürtig ist.

Mal sehen was meinem Schiegerpapa dieses Jahr zur Weihnachtsgans am Christtag an Köstlichkeiten bereithält. Für 2012 habe ich dann endlich einen 10-jährigen Portugiesen im Programm - ich bin gespannt!

Ganserl-Nachlese:
Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007 | Martinigans 2008 | Martinigans 2009 | Addendum Gans 2009 | Martinigans 2010

Sonntag, 5. Dezember 2010

Martinigans 2010


Heuer war alles anders! Meine Schwiegers hatten mit guten Bekannten ihre eigene Gans-Partie und zudem war meine liebe Renate etwas kränklich. Dann gab's bei Bio-Ganserlbauern unseres Vertrauens kein liebes Tier mehr und so musste der Vogel eben auf das nächste Wochenende verschoben werden. Zudem galt es eine gute Vogelquelle zu finden - eine Aufgabe für sich - denn ungarische Mastgänse in den diversen Supermärkten sind uns ein Graus und die anderen heimischen Freilandgänse unserer Wahl befanden sich anscheinend bereits alle in den Mägen der Österreicher (oder einige Stücke weiter ;-).

Daher war es diesmal nur eine halbe Gans und auch auf die Maroni im Blaukraut mussten wir diesmal aufgrund (m)einer spontan auftretenden, Sonntag nachmittäglichen Trägheit (diese frisch zu besorgen) verzichten. Macht nichts - es muß ja auch einmal für etwas Abwechslung zum Vorjahr gesorgt sein ;-)

Beim Wein habe ich aufgrund der fehlenden 2 durstigen Kehlen eine nicht ganz so große Palette zur Auswahl stellen wollen, zudem habe ich heuer einmal auf den obligatorischen Pinot Noir verzichtet und - bisher ebenso unüblich - dem gereiften Exemplar auch ein junges, dafür vom Rebsortenmix umso interessanteres Exemplar zur Seite gestellt.
Wie im Vorjahr begonnen, gab's auch als Kontrast zu den beiden Roten eine Alternative in Weiß, diesmal eine kräftige Variante eines Kamptaler(!) Traminers vom Enkel des berühmten Dr. Fritz Zweigelt (jaja, genau derjenige, welchem die Rebsorte seinen Namen verdankt) welche mit 5 Jahren Reife zwischen den beiden Jahrgängen der Rotweine angesiedelt war. Und einen Suptertuscan, der einfach noch was gut zu machen hatte, da die erste Flasche vor 2 Jahren so enttäuschend war.


  • Fattoria Felsina, Fonntalloro 1999, VdT, Castelnuovo Beradenga, Toskana, von der Farbe her eigentlich noch "jugendlich", am Sprung zu den ersten Granattöne, eine süße erste Welle erreicht meinen Riechkolben, dann balsamische Noten nach Teer, Leder, ganz zart versteckt im Hintergrund "helle Obertöne" nach Eukalyptus, also alles klassisch im tertiären Aromenspektrum angesiedelt, am Gaumen brüchig und  morbide im besten Sinne, feine Gerbstoffe, welche sanft und altersmilde die Rezeptoren der Zunge berühren, die Flasche also insgesamt in einem gutem Zustand, nicht allzu komplex oder lang, und das Finish ein bisschen trocken, aber ein wirklich passender Essensbegleiter, *(*)-**/**
  • Weingut Johann Heinrich, alpha 09, Tafelwein, Deutschkreutz, Mittelburgenland, eine Cuvée aus den beiden in der Stilistik gar nicht so unähnlichen Rebsorten Blaufränkisch und Nebbiolo, jugendliches Purpurrotviolett, viel Primärfrucht nach Kirsche, nein Weichsel, aber auch tiefe Würze ist vorhanden, sehr lebendig am Gaumen durch eine vitale Säurestruktur, das gefällt mir, die Würzigkeit bleibt immer präsent, mittelgewichtig, rund und im Abgang eher feurig, solo genossen eine für mich durch und durch gelungene Paarung, süffig und mit Spaß und Anspruch zu genießen,*(*)-**/***
  • Weingut Thomas Leithner, Traminer Fraupoint 2004, Langenlois, Kamptal, helles Goldgelb, klassische und intensive Traminernase, Rosenduft, zeigt viel Öl und Fett im Mund, trotz seiner 14% Vol. noch immer deutlich graziler und konturierter als so manche Südtiroler Artgenossen, fast cremig weich auf der Zunge, sauber Abgang mit leichten Tertiäraromen, das Richtige für die kalte Jahreszeit *(*)-**/***
Und die Paarung der drei Exemplare mit der guten Gans?

In Kombination mit dem Essen wiederholt sich die bereits im Vorjahr gewonnene Erkenntnis, daß die Weine allesamt deutlich an Süsse verlieren und dadurch um einiges herber und maskuliner am Gaumen erscheinen als solo genossen. Am deutlichsten bekommt dies der Jungwein zu spüren, der insgesamt nur mehr eine sehr präsente Säure aufzuweisen hat, und so der geschmacklichen Einheit des Essens nichts Adäquates mehr entgegenzusetzen hat. Zu wenig für wirklichen Genuß!
Auf Augenhöhe mit dem Essen ist der Traminer. Wer sich am intensiven Eigengeschmack dieser Rebsorte nicht stört, der erhält einen guten Partner mit spannender Dialogfähigkeit. Wer jedoch nur einen Essens*begleiter* sucht, der nicht ab und zu auch einmal ein Solo auf der Zunge tanzen darf, wird keine so rechte Freude damit haben.Die Sangiovese mit ihrem vollen Spektrum an Tertiäraromen wiederum liefert mir den Beweis, daß gereifte Weine zu Recht der "richtige" Zugang zu zu meinem Wein-Gans-Verständnis sind. Zwar verliert auch dieser Wein seine noch toll vorhandenen Süße und die Kombination aus Fleisch, Serviettenknödel und Blaukraut  - alleine von Letzterem gibt es ja unzählig verschiedene Zubereitungsarten, von süß bis sauer - verstärkt das Tannin, jedoch scheint dies unter dem Aspekt der Tertiäraromatik weit weniger gravierende Auswirkungen zu besitzen, als bei jungen und fruchtbeteonten Weinen.
Im Gegensatz zu meiner früheren Annahme ist eine vitale Säurestruktur wie zB. beim Pinot Noir zwar von Vorteil, jedoch nicht zwingend. Ohnehin sollt jeder gut gereifte Rotwein neben seinen Gerbstoffen noch "leben", also einen anständigen Säurenerv besitzen, ansonsten wird's schnell fad bei einem Roten.

Zukünftig denke ich also recht genau zu wissen, was zu "unserer" Martinigans gut passen könnte oder weniger.. .

Was bleibt noch auszuprobieren? Ein wirkliches Tanninmonster zB. in Form eines Tannat-Weines aus dem Madiran, die Palette aus dem Piemont - von denen ich leider fast gar nichts im Keller habe (möchte wer spenden?) und auch ein Schluck Portwein, vorzugsweise Vintage wäre sicherlich einmal einen Versuch wert, wie überhaupt die grandiosen Weine aus dem portugiesischen Douro-Tal!


Ganserl-Nachlese:
Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007 | Martinigans 2008 | Martinigans 2009 |
Addendum Gans 2009

Samstag, 4. September 2010

LoL (2) - Madeira

Fortsetzung von LoL-"land of lizards"...

Eigentlich haben wir ua. wegen des Neulandes des Madeiraweins diese Insel als unser diesjähriges Urlaubsziel auserkoren. Aber anstatt sich gleich zu Beginn mit den unterschiedlichen Rebsorten und Weinstilen der Insel zu beschäftigen, erklommen wir erstmals die grünen Berge, wanderten zwischen tiefen Schluchten und erlebten an einem Tag abwechselnd Sonne, Nebel und Nieselregen - das alles bei angenehmen Temperaturen jenseits der 25°C! - erfreuten uns an den Festlandweinen Portugals zu schmackhaftem, regionalem Essen, das bäuerlichen Ursprungs ist und daher zumeist ziemlich deftig ausfällt:
- in Rotwein geschmortes, kräuterwürziges Gebirgskaninchen- köstliche wärmende Tomatensuppe mit pochiertem Ei (rettet besonders bei Nebel und Nieselregen im Hochsommer die Seelenbalance ;-)
- Fisch in allen Variationen, so zB. der berühmte Degenfisch "espada", sehr gut als Madeirensisches Nationalgericht mit süßer Banane, aber auch Bacalhau / gepökelter bzw. frischer Stockfisch als portugiesische Spezialität
- nicht zu vergessen meine liebste Vorspeise, Lapas (Napfschnecken) mit krossem Knoblauchbrot- für die Fleischgerichte war - sagen wir es wie es war - meisten eine Kiefermuskulatur eines Pferdes notwendig, das galt auch für den traditionellen "espetada"

Douro, Dão und Alentejo-Weine
, die in jedem Gasthaus reichlich und zu Preisen umd die 8 - 15 (pro 0.75l Flasche wohlgemerkt, in Funchal + Eur 5) angeboten werden, erfreuen dabei des Weintrinkers Herz und lassen einem so kräftig gurgeln, was in Anbetracht des üppigen Essens und der Größe der Portionen zur Verdauung auch ziemlich zweckdienlich ist ;-)

1 Flasche Wein zum abendlichen Geschmause manifestiert sich somit als Standarddosis für unseren 14-tägigen Aufenthalt. Untertags sprechen wir eher dem auf der Insel erzeugtem "lokalen Saft der Passionsfrucht" in Form von "Brisa" Maracuja zu. Wegen der Süße des Getränks empfiehlt sich die Order "with plenty of ice, faz favor".

Aber für Süße haben die Madeirenser eine Vorliebe, das merkt man auch am Poncha und der Tatsache, daß die wenigsten einheimischen herben, trockenen Weißwein schätzen! Und das, obwohl sich auf den meisten Getränkekarten neben "vinhos brancos" auch eine eigene Rubrik für "vinho verde" mit mindestens gleichvielen Positionen findet. Ein Zugeständnis an die Gäste vom Festland?
Frisch gepreßter Zuckerohrsaft mit viel Zitrone (und optionalem Zuckerrohrschnaps) schmeckt gar nicht so übel, wie wir auf der "semana gastronomica", welche jährlich in der ersten Augustwoche in Machico stattfindet, feststellten.

Aber zurück zum Traubensaft. Die genossenen portugiesischen Weine waren allesamt sauber vinifiziert, einmal mit mehr, das andere Mal mit weniger eigenem Charakter. In nachhaltiger Erinnerung geblieben sind uns aber vor allem aber die trocken ausgebauten, ungespriteten Weißweine der Insel. Interessanterweise setzen die meisten Restaurants aber lieber auf die bekannteren Weine aus Portugal als auf die lokalen Varietäten, denn meine Frage nach einem Angebot an regionalem Rebensaft wurde oftmals verneint. Auch mengenmäßig erklärbar, werden doch nur rund 57.000 l Stillwein der Qualitätsstufe VQPRD (Qualitätswein mit Herkunftsbezeichnung) jährlich erzeugt, das entspricht gerade einmal mickrigen 0,01425% der Gesamtweinproduktion! Quelle: IVBAM

Nur am nordöstlichsten Zipfel in Porto Moniz - wo sich selbst auch eine größere Anbauzone für (gespriteten) Madeirawein befindet - und in Funchal haben wir in den Restaurants einige Exemplare genießen können. Auf alle Fälle lohnt es sich danach zu suchen, denn die Qualität der meistens aus Verdelho-Trauben gekelterten oder in einer Cuvée mit der deutschen Neuzüchtung Arnsburger, mineralischen geprägten Weißweine ist sehr ansprechend und braucht keinen Vergleich mit den Festlandweinen Portugals zu scheuen.

2 Exemplare des Jahrgangs 2008 habe ich in besonders angenehmer Erinnerung:
  • Terras do Avô ("Land des Großvaters") Branco mit lustigem grünen Etikett! und
  • den Barbusano (bezeichnet eine Art Lorbeergewächs) der gleichnamigen Quinta aus São Vicente
Die Glaskultur auf der Insel ist sehr unterschiedlich und durchwegs durchwachsen. Ein gehobeneres Lokal ist noch kein Garant für ein ansprechendes Glas. Manchmal ist das auch gar kein Problem, ein süffiger Zechwein zum rustikalen Essen kann auch aus einem ordinären, gerollten 1/8l-Glas schmecken, bei einem fragilen Weißen zu frischem Fisch jedoch steigen schnell die meine Ansprüche (an ein dünnwandiges Glas mit mehr als 0.1l Fassungsvermögen).

Ein paar sehenswerte Bilder der auf der Insel kultivierten Stillweine gibt es in einem Beitrag der spanischen Vinum-Ausgabe vom Dezember 2009.

Fortsetzung folgt...

Dienstag, 24. August 2010

LoL (1)

Ausnahmsweise steht der Titel diesmal nicht für eines der Netzakronyme "LoL = laughing out loud" - auch wenn dies vor lauter Freude über einen wirklich tollen, weil erlebnisreichen Urlaub ebenso passend wäre, nein, in diesem Fall habe ich es als Arbeitstitel und stellvertretend für "Lands of Lizards" gewählt - was schon einmal einen Hinweis auf unsere Urlaubsdestination gibt.

Auch wenn ich diesmal mit einem Netbook und dem fixem Vorsatz "bestückt" war, den einen oder anderen Beitrag zumindestens zeitnahe zu verfassen und auch das öffentliche WLAN / WiFi-Netz wirklich erstaunlich gut ausgebaut ist, so war unser Programm doch so dichtgedrängt, daß ich den Gedanken an eine simultane Berichterstattung sehr früh wieder verworfen habe! Von der Trägheit nach dem täglichen, abendlichen Genuß einer Flasche Wein gar zu schweigen.. .
So gibt es also das Erwähnenswerte in kleinen Happen - sozusagen als Reprise bzw. Aufguß...
Auf der Insel der Eidechsen!
Urlaub, Urlaub - ja endlich! Als Destination haben wir uns diesmal eine Weinregion ausgesucht, mit deren Weine wir noch keine ausgiebigen Erfahrungen gemacht haben. Eine Weinregion, welche mit ihren an einer Hand abzuzählenden Rebsorten seit Jahrhunderten den gleichen Wein in den gleichen Stilistiken erzeugt, fernab jedweglicher Modeströmungen und so ist es auch nicht wirklich verwunderlich, daß dieser Wein heutzutage bei den wenigsten Weintrinkern eine Rolle spielt, auch wenn es einige wenige(? inklusive mir) gibt, die seiner Art und seinen Charme zu schätzen wissen und die "altmodische" Stilistik herrlich entschleunigt!
Vielleicht ist die Affinität zu diesem Getränk auch in den Weinerlebnissen meiner Jugend zu finden, denn diese hatten mit den beiden anderen bekannten Regionen zu tun, die eine ähnliche Weinstilistik bzw. Produktionstechnik besitzen.
So waren meine Eltern und ich zu besonderen Anlässen immer in einem Restaurant zu Gast, in dem der Patron stets ein kleines Faß Fino-Sherrys sein Eigen nannte. Zudem beherrschte er auch das stilechten Ausschenken aus diesem Faß mit einer Venencia in 4 in einer Hand zwischen den Fingern eingeklemmten Sherrygläsern.
Das zweite Erlebnis hatte ich während meiner ersten Interrail-Reise in Porto, genauer in der Vila Nova de Gaia. Portwein war Liebe auf den ersten Schluck und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich die Begegnung mit dem dritten bekannten gespriteten Wein suchte, jenem aus der Blumeninsel Madeira!


Daß wir dieses Eiland in erster Linie nicht mit der Blumenpracht, sondern mit Eidechsen assoziieren, liegt einfach daran, daß es gar nicht soviele Blumen wie smaragdgrüne und braune Exemplare dieser Tiere geben kann!
Wo ein Stein, dort eine Eidechse, wo eine felsige Mauer, dort waren deren 100 anzutreffen und wir hatten oftmals Spaß daran, sie zu beobachten und die doch recht zutraulichen Tierchen zu füttern.

Samstag, 14. August 2010

Sommergenüsse x 2

(1) Die Olive und ich

Sobald meine Schwiegereltern wieder die alljährlich Reise über den Brenner antreten, ist das Gebot der Stunde, ihnen den Einkaufszettel für Sterzing mitzugeben. Fixpunkt darunter sind die Oliven der Marke "Nr. 1 von Italien".
Diese grünen "Le Giganti" zeichnet eine feinfruchtige, zartsäuerliche Konsistenz mit herrlich festem Fruchtfleisch aus - optimal für jegliche Antipasti - die ich in Kilo-Dosen zu vertilgen im Stande bin!
Und ich habe nördlich des Brenners wohl hunderte Italiener mit ihrem Olivenangebot getestet, aber keine ist wie diese!


Eine Traumkombination dazu ist  Josef - Pepi - Umathums Muskat Ottonel 2009, Neusiedlersee, der mir schon im spätherbstblichen Vorjahr zu gefallen wusste,  blasses Strohgelb, zarte, ja schüchterne Muskataromatik, Blütenaromen, wirkt niemals aufdringlich, trockener - nein knochentrockener! - Stoff, der mit seiner angenehmen herben Art im Nachgeschmack dem Typus eines eines idealen heißen Sommer-Nachmittags-Terrassen-Essenbegleiters zu Antipasti oder leichtem Fisch schon sehr nahe kommt, ebenso gut solo als Aperitifwein geeignet, wunderbar filigran vinifiziert, zusammen mit Bernhard Fiedlers Exemplar aus dieser österreichischen Rebsorte eine nachdrückliche Empfehlung, der Zantho eine Spur besser als Apero-Starter, Bernhards Wein eine Spur vielschichtiger als Solovariante! **/***


Mit der Olive zusammen ergibt das ein kongeniales, weil rundum harmonisches Geschmackserlebnis im Mund, das von einem abwechselnden Bedürfnis, weiter Oliven bzw. Weinschluckerl zuzuführen, geprägt ist!

(2) Eintopfvariation

Meine liebe Renate ist eine Meisterin der Spontanküche. Wann immer es schnell gehen soll oder die vorhandenen Zutaten unseres Kühlschranks zu einem Festschmaus verarbeitet werden sollen, dann brauche ich mir nur die Hände (wegen der Vorfreude) zu reiben und zu bitten: Renate, Eintopf bitte.. :-)

Diesmal ganz einfach:
Zwei große Bund Jungzwiebeln, viel Knoblauch, Sellerie, 2 große Erdäpfel / Kartoffeln grob schneiden, in gutem Olivenöl anbruzzeln, frische Cocktailtomaten und getrocknete bzw. eingelegte Tomaten, Rosinen, asiatisches Gewürz mit viel Curry dazugeben, mit Gemüse- bzw. Hühnerbrühe aufgießen, nebenbei Putenfilet in Streifen schneiden und in Butter anbraten, zum gedünsteten Gemüse dazugeben, mit einem Schuß Obers abschmecken, frisch gehackte Petersilie und eine Portion würfelig geschnittener Feta unterrühren, salzen und grob aus der Mühle pfeffern.. und am sommerlichen frühen Abend heiß genießen!
Wie immer gilt natürlich: je hochwertiger (Bio!) und frischer die Zutaten, desto g'schmackiger das Essen!


Der Wein dazu, ein 2006 Grüner Veltliner Gottschelle aus dem Stiftweingut Göttweig, Kremstal, von Fritz Miesbauer (Winzer Krems) perfekt "in Szene" gesetzt, helles Goldgelb, offen Aromatik, typische Veltlinernoten im Spätlesebereich, hochreife Gelbfrucht, Exotik, ein Maulvoll Wein, herrlich balancierte Fruchtsüsse, druckvoll am Gaumen, gute Substanz und harmonischer Abgang, ein Paradewein aus einem pipifeinem Jahrgang, jetzt bereits mir Hochgenuss zu konsumieren! *(*)-**/***

Mittwoch, 24. Februar 2010

Meister Petz & seine Schokolade

Es war eine kleine, aber feine Präsentation höchster Schokoladenkunst, welche am Dienstag abend in der Linzer Filiale des Xocolat mit Chefpatissier Thomas Scheiblhofer und Sternekoch Christian Petz (beide vormals Palais Coburg, Wien) vonstatten ging. Xocolat-Eigentümer Werner Meisinger führte kurz in die Entstehung der Manufactur ein, ehe die Köstlichkeiten in den Mündern der Schokoladenafficionados verschwanden. Glückliche Gesichter - inklusive meinem - wohin ich schaute.

Meine persönlichen Favoriten, ganz klar die dunkle Schokoladentrüffel mit Islay-Lagavulin-Single Malt-Whisky, die Trüffel mit Yazu, einer japanischen, leicht salzigen Zitusfrucht, die Trüffel mit grünem Jasmintee, und auch die Kreation mit Flor de Caña-Rum bereitete mir großen Genuß!
Auch der oberösterreichische Edelschnapsbrenner Hans Reisetbauer wird mit einer mit seinem Williamsbrand gefüllten Praline aus heller Schokolade geehrt!

Weiters sind unwiderstehliche Schoko-Sticks à la Capuccino, Caipirinha oder Zwiebel(!) erhältlich. Die Prämisse über allem: Was in die Manufaktur-Leckereien hineinkommt ist gut sicht- und riechbar: Edle Couverturen, kostbare Brände und erlesene Gewürze!

Ein Paradies für anspruchsvolle Schleckermäuler!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Addendum Gans '09

Ein kleiner Nachtrag zum Beitrag im Kontext der heurigen & Vorjahresgans und zur Weinpreiskalkulation in unserem Thermenhotel.
Haben wir im Vorjahr noch vergeblich auf die richtige Menüfolge zum Knacken des "Preisschnäppchens" in Form des 2001er Santa Rita Casa Reals gewartet, so hatten wir dieses Jahr in Form einer geschmorten Hirschkeule mit Maroni-Blaukraut, Eierschwammerl und Kartoffelroulade mit Spinatfülle - eine in der Grundnote nicht unähnlichen Kombination zu unserer Martinigans - mehr Glück.

Natürlich konnte ich nicht widerstehen, mich im Vorfeld in den Weiten des Internetzes schlau zu machen. Eigentlich hat der Jahrgang dieses Weines durchwegs sehr gute Rezensionen bekommen, bis auf jene auf tv.winelibrary.com in Episode #279 vom 23 Juli 2007.
Mal sehen, ob die durchschnittlich vergebenen 91-93 (xyz-)Punkte sich auch zu meinem Empfinden decken.

Santa Rita, Cabernet Sauvignon Casa Real 2001, Maipo-Valley, Chile, noch ohne erkennbaren Reifeton, tiefdunkles Schwarzrot im Kern, prachtvolle Nase im Stil eines alten Welt-Weins, tief, immerhin wird der Casa Real aus 40-60-jährigem Rebbestand gewonnen, zeigt balsamische Noten wie Teer, Leder, aber auch ein Hauch von Minze bzw. Eukalyptus, sehr zivil am Gaumen, geprägt von einer toller Fruchtsüsse, hat Finesse, aber immer mit Druck, reife, noble Gerbstoffstruktur, wirkt eher wie ein gut gereifter Bordeaux, hat so gar nichts von dem überbordenden Fruchtcharme seiner kleineren Weinkollegen aus gleichem Haus, um ehrlich zu sein hätte ich diesen Wein in einer Blindprobe auch nicht als reinsortigen Cabernet Sauvignon erkannt, so balanciert und zivilisiert wirkt er! Das Säurerückgrat in harmonischem Gleichgewicht mit den festen Gerbstoffen und das Beste kommt zum Schluß: ein tolles Finish mit einem schier endlosen Abgang, noch nach Minuten finden sich balsamische Noten auf der Zunge, leicht feurig, da explodiert ein Gewürzfeuerwerk im Mund, schafft locker die 150 Caudalie-Marke zu überspringen, ein Solitärwein zum Sologenießen! **-**(*)/***

Sorry Gary Vaynerchuk, aber deiner Einstufung kann ich nicht zustimmen! Und in knapp 2 Jahren kann der Wein seinen grundlegenden Charakter nicht um 100% drehen!

In Verbindung mit dem Wild wollte der Wein aber keine gelungene Einheit bilden. Die am Gaumen doch sehr dominante Fruchtsüße wich einem harschen Tannin - wo blieb die Säure? - und der Wein wurde richtiggehend eng, ja hart am Gaumen - ein wenig ähnlich dem Rioja Reserve der letzten Wein-Gans-Paarung.

Zur Te-Amo Toro-Zigarre aus Mexiko mit ihrem herben Tabakgeschmack wußte die Flasche jedenfalls wieder abschließend zu brillieren und sorgte für einen sehr versöhnlichen Ausklang. Na also - geht doch :-)

Samstag, 21. November 2009

Martini-Gans + Wein 2009

Tolle Stoffgänse - auch käuflich bei Simone Schermann zu erwerben!

Heuer hatte ich zur Martini-Gans eine satte Auswahl an passenden Weinen. Mehrmals habe ich meine Liste mit dem 3er Vorschlag umgeschmissen. Zur Disposition standen ua.
  • Stefan Langs Blaufränkisch Reserve 1997 aus dem Mittelburgenland,
  • ein Nebbiolo Corte della Meridiana 1999 von Conte Sertoli Salis aus dem Veltlin,
  • San Giusto a Rentennanos Percarlo 1999, Toskana,
  • Château La Croix de Gay 1999, Pomerol, Bordeaux
  • der Le Cèdre 1999 von Chateau du Cèdre, aus dem Cahors und
  • vom Neusiedlersee ein Pinot Noir 2001 vom Altmeister John Nittnaus.
Dazu kam, daß ich am Vortag auf einer Weinmesse war und dabei einige rote Jungweine entdeckte, die ich mir durch ihre Frucht, Zugänglichkeit und weichen Gerbstoffen ebenfalls als eine viable Option für die Gans vorstellen konnte. Das machte mir die Entscheidung bzgl. der Weinauswahl nicht leichter.
Letztlich faßte ich den Beschluß, die 3 Weine mit den *unterschiedlichsten* Charakteren und mindestens 10 Jahren am Etikett zum Essen auszuwählen - und ich habe es nicht bereut.

Alle Weine wurden 2 Stunden im vorhinein dekantiert, in einer bauchigen Schiffskaraffe gut durchlüftet und die gereinigte Flasche zurückgefüllt. Der Percarlo hingegen wurde bereits am Vortag geöffnet, zu neugierig war ich auf seine Form und wollte einfach ein Glas davon verkosten.
Die Gäste konnten im Vorfeld die 3 Weine probieren, den größten Zuspruch bekam dabei der Percarlo, obwohl dieser meiner Meinung nach noch im Tiefschlaf weilte. Aber Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so, ermöglicht es doch ein friedvolle Koexistenz mehrerer Weinuniversen :-)

Meine persönliche Präferenz liegt noch immer auf Weinen mit nerviger, dh. deutlich wahrnehmbarer Säurestruktur und merkbaren Gerbstoffen. Ich lege aber Wert darauf, daß das Rückgrat des Weines von der Säure und nicht vom Tannin dominiert ist. Die Säure fungiert als perfekter Fettspalter und hat einen äußerst positiven Einfluß beim Verdauen des doch nicht leichten Fleisches. Zudem offerieren gerbstofflastige Weine oftmals einen sehr fruchtsüßen Gaumen, den ich in Kombination mit der in Summe mollig runden Zubereitungsart der Gans als nicht so harmonisch empfinden: Serviettenknödel, in Rotwein gedünstetes Blaukraut mit Maroni und das Ganserlfleich, alles mit einem zart süßlicher Geschmack im Grundton behaftet. Das verlangt ja förmlich nach einem Gegenpart in Form von Säure!



  • Conte Sertoli Salis, Corte della Meridiana, Valtellina Superiore 1999, lohfarben, herrlich orange Ränder, gereift, Dörrobst in der Nase, durchmischt mit Balsamik im Hintergrund, Leder, tiefe Würze, ein warme Grundstilistik mit süßem Fruchtkern, korrespondierend am Gaumen, Süße, Säure und die Gerbstoffe in guter Balance, anfangs nicht allzu lang und (solo genossen) etwas austrocknend im Nachgeschmack, geht dann prachtvoll am Gaumen auf, zeigt Struktur, bleibt jedoch immer mit Finesse behaftet und burgundischer Affinität, ein feiner Fettlöser für die Gans par Excellence, **-**(*)/*** (Nachlese Veltlin in wein.pur)
  • Rotweingut Stefan Lang, Blaufränkisch Reserve 1997, Mittelburgenland, enorme Farbtiefe, noch immer violetter Farbstich am Rand, annähernd schwarzer Kern, viel Extrakt im Glas, weiche Brombeernoten, in der Nase ätherisch leicht und weit offen, Schokotouch, Rumzwetschke, süßlicher und stoffiger Fruchtgaumen, etwas Alkohol merkbar, dann mit merklich Gerbstoff behaftet, das Glycerin trägt einem in den harmonischen Abgang, teerige Balsamik im langen Nachgeschmack, welke Schwarzteeblätter und Säure, steht vital im Glas, daher für mich *die* Überraschung des Abends, welche noch dazu ein harmonisches Geschmacksbild mit der Gans einging, **-**(*)/***
  • San Giusto a Rentennano, Percarlo 1999, Toskana, beginnendes Granatrot mit schwarzem Kern, in Summe sicherlich die intensivste Aromatik aller 3 Weine, anfangs jedoch sehr zurückhaltende Nase, leicht süßlich, unendlich tiefe balsamische Noten, teerig, ätherische Obertöne schwingen mit, Minze, Eukalyptus, feines Fruchtspiel im Mund, kurz, dann abrupt massives und sperriges Tannin, wirkt hart im Abgang, ungehobelt, etwas austrocknend. Tag 3 offenbart dann weiter Facetten, de Wein gewinnt im großen (Burgunder!-)Glas, die Nase ruhig und getragen, ätherisch schwebendes Orangenöl, im Wechselspiel mit Teer, am Gaumen ein echter Kraftprotz, der seine 14.5% Vol. nicht verleugnen kann, für diese Stärke jedoch überaus harmonisch, und nicht ohne Finesse, die Gerbstoffe nun balancierter mitintegriert, feine Säures begleitet den langen Abgang nach Orangenzesten, viel Spiel im Mund und eigentlich 5 Jahre zu früh geöffnet - hat Potential für die nächsten 10 Jahre!
    Das ist der Stoff für Geduldige, für jene, die sich jeden Tag glasweise hedonistisch und suchend der Metamorphose hingeben, welche dieser Wein zu bieten hat, die pure Maskulinität, von allem im Überfluß, sogar von schwebend leichten Elfentönen. Dieser Wein ist eine wahre Freude und Genugtuung nach dem enttäuschenden '98-Vertreter, **(*)/***
Zum Abschluß gab's dann noch als "Gaumenrevitalisierer" ein Glas von Günter Triebaumers Moscato 2008, Neusiedlersee-Hügelland, helles Strohgelb, fein intensive Muskatnase, feine Perlage, obwohl deutlich auf der süßen Seite (des Lebens) eine gelungene Marriage aus Restzucker und Säure, blitzsauber vinifiziert, homogene Gaumenstilistik mit wunderbar feingliedrigem Nachgeschmack, wer braucht da noch Asti Spumante? *(*)/***

Die positive Überraschung des Abends war für mich sicherlich der 10-jährige Blaufränkisch. Hatte keine überzogenen Erwartungen an diese Flasche aus dem tollen 97er-Jahr gehabt, zeigte doch der 97er Blaufränkisch Exklusiv voriges Jahr bereits deutlich malzige Aromen. Mit dem Reserve wurde ich jedoch eines besseren belehrt, die Flasche wahrscheinlich in der Form ihres Lebens! Aber wie heißt es so schön: man muß ja auch einmal Glück haben :-)

Für das nächstes Jahr habe ich schon ein paar Ideen. Aber wer weiß schon, was ich bis dahin in den Untiefen meines Kellers finde?

Ganserl-Nachlese:
Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007 | Martinigans 2008

Donnerstag, 5. November 2009

Wonneschauer

Prinzipiell bin kein Freund von süßen und womöglich auch noch galligen Mehlspeisen - Pikantes liegt mir mehr. Auch wenn ich einer Kreation á la Gurkerl-Chili-Torte durchaus was abgewinnen kann, so gibt es doch das eine oder andere Dessert, das mich frohlocken läßt. Kuchenartiges in Kombination mit herber Scholokade zum Beispiel. So gehören Marmorgugelhupf, die Sachertorte und die (italienische) lauwarme Schokotarte zu meinen All-Time-Favorites.

Vor kurzem haben wir bei der Linzer Genußmeile Schokotartes in Miniaturausführung entdeckt. Die SchokoTaler der Kremstaler Hofbäckerei sind kleine Köstlichkeiten, ein wenig herb und doch leicht süß, innen immer noch ein wenig fest & teigig und bieten so einen herrlichen Genuß, noch dazu in der richtigen Portionsgröße, sodaß ich auch ein zweites und drittes und .. ohne Reue verschlingen kann.

In Kombination mit einer Beerenauslese-Cuvée 2005 vom renommierten Illmitzer Süßweinpapst Kracher wurde dies zu einem fulminanten Wochenendebeginn vorm kleinen Freitag-Nachmittagsschläfchen :)
War mir die nach Orangenzesten und Honigaromen duftende Cuvée aus Welschriesling und Chardonnay solo genossen insgesamt doch noch zu sehr auf der süssen Seite, ohne Gegenpart, offenbarte der goldgelbe Nektar in Kombination mit den kleinen Tartelets ein himmlische und harmonische Kombination. Der mit über 100g /l doch kräftige Restzucker des Weins wurde perfekt abgepuffert, war nur mehr in Nuancen erahnbar, eine feinziselierte Säure kam zum Vorschein und ein stimmiges, stringentes Geschmacksbild zur Symbiose beider Beteiligter stellte sich am Gaumen ein. Eine Wucht, **/***.

Warum gibt's nicht öfters Süßwein in dieser Kombination? Wieso - gibt's doch jetzt..

Freitag, 18. September 2009

Spinatwein

Heureka, endlich habe ich ihn gefunden, den richtigen Spinatwein!

Nun ja, nicht das die Welt darauf gewartet hätte - und die große Erkenntnis ist das nun auch wieder nicht. Es stellt sich nämlich schon die Frage: Muß es denn wirklich zu allen Gerichten einen passenden Wein geben? Ich meine nein! Schließlich soll ja für die restlichen Getränke auch noch was übrigbleiben ;-)

Aber trotzdem - es gibt es da so eine Handvoll "sonderbare" Gerichte, zu denen die Kombination mit Wein als schwierig angesehen wird, zB. Suppen, Salate, Eierspeise, ..
Eigentlich habe ich bisher auch nie das Bedürfnis gehabt, zu Spinat(haupt)gerichten Wein zu trinken. Diesmal aber habe ich eine Flasche offen gehabt, die mir als Solo- bzw. Apertifwein nicht so wirklich Freude bereitet hat. Und kurz vorm Essen habe ich mir gedacht, daß ich mit diesem Wein einen Versuch mit Spinat wagen kann - ja mehr noch - ich mir eigentlich erwartet habe, daß diese Kombination eine harmonische Einheit bildet. Und so war's dann auch!

Weingut Josef Umathum, Sauvignon Blanc Joiser Hackelsberg 2007, Neusiedlersee, klares Strohgelb, sehr verhaltene Nase, braucht viel Zeit um aufzutauen um dann den grün-grasige Typus zu offenbaren, grüner Paprika, Stachelbeere, die anfangs riechbaren Brennesseltöne verschwinden bald, zeigt überraschend ein gutes Volumen am Gaumen, aber leider lasch in Abgang, fehlender Biß und Säure für einen auf kalkhaltigem Boden gewachsenen Wein, im Gesamteindruck unaufdringliche Aromatik für eine normalerweise expressive, zuweilen gar laute Rebsorte, *-*(*)/***

So richtig zufrieden war ich mit diesem Wein aufgrund seines "lauen" Abgangs nicht. Gerade bei den "schmeckerten" Rebsorten bevorzuge ich Präzision in Form von messerscharfe Konturen und eine fokussierte, nervige Säurestruktur. Diese Eigenschaften bilden meiner Meinung nach ein notwendiges Gegengewicht zur intensive Note von Muskateller, Sauvignon Blanc & Co..

Bildquellennachweis: lamiacucina
Robert's Spinat-Champignon-Gratin ist nicht nur lecker & einfach nachzukochen, sondern bzgl. Spinat auch das ansprechendste Bild im Internet

Um zu Spinat zu harmonieren darf jedoch die Säure und der Eigengeschmack des Weines nicht zu ausgeprägt sein. Ein klassischer, etwas breiter angelegter Chardonnay, gerne auch der eher milde Neuburger oder ein Weißburgunder im Prädikatsbereich kann ich mir ebenfalls gut zu dem grünem Gemüse vorstellen, wobei - ich wiederhole mich - nicht immer mit Wein kombiniert werden muß.

Obwohl zu Spinat, da fällt mir auch nicht's Passenderes ein.. .

Mittwoch, 12. November 2008

Ganse Weine zur Gans 2008!

Welch ein Festschmaus jedes Jahr - das Martinigansl! Heuer mit einem 5 kg Riesenvogel und zwei exzellenten Weinen - Hedonismus pur!
  • Erich Giefing, Pinot Noir Cavallo 2000, Rust, Neusiedlersee-Hügelland, anfangs leicht alkoholische Nase und nicht sehr intensiv, legt dann aber in der Karaffe schön zu, Sattelleder, balsamische Anklänge, Teer, am Gaumen herrlich weich, geht im Mund richtiggehend auf, warm, feines Holz, präsente Fruchtsüsse, ein Schmeichler von der ersten Minute an, wundervoller Stoff aus einem guten Jahr und pipifeiner Begleiter zum Ganserl, da seine sanfte und mundfüllende Textur mit den balsamischen Noten eine hervorragende Harmonie mit der Speise aufbauen, **(*)/***
  • Vignoble Brunier Vieux de Télégraphe, Chateau-Neuf du Pape La Crau 1995, Granatrot im Glas, am Rand geht's schon ins Orange, oooh, welch prachtvolle Nase offenbart sich da, komplex strömend, Unterholz, massenhaft balsamische Assoziationen wie Kiefer und Terpentin, Würze, zeigt viel Fruchtsüsse am Gaumen, feste Struktur mit der richtigen Portion mürber Gerbstoffe im Dialog mit einer subtile Säurestruktur, im Abgang gewinnt dann nochmals das Tannin die Oberhand, voll aromatisch wiederum mit viel Balsamik fast endlos ausklingend, traumhafter Wein und die volle Rehabilitation für die entäuschenden 2000er Flasche vom Vorjahr, beweist durch seine Reife ebenfalls seine hervorragende Eignung zur Gans, empfehlenswert für alle, die neben der Säure auch gerne eine Pendant in Form von Gerbstoff haben, **(*)/***
  • Lopez del Heredia, Vina Tondonia Rioja Reserva 1993, Haro, granatrot mit orangen Reflexen, traditionelle Rioja-Stilistik, auf das Wesentliche reduzierter Stil, warmer Grundton vom Fassausbau in der Nase, aber als Kontrapunkt auch eine kühle Würze besitzend, am Gaumen bereits von einer kräftigen Säurestruktur dominiert, dahinter wieder die Holzprägung, harmonischer Abgang, die Säure wäre als Fettkiller ja gut geeignet, doch der lange Ausbau dieses Weines im Holzfass ringt mit dem Speisengeschmack um die Vorherrschaft, da will so gar keine rechte Symbiose aufkommen, dieser Versuch gilt als wenig zukunftsträchtig, schade, *-*(*)/***
Den Valtellina Superiore von Conti Sertoli Salis, ja den gibt's dann nächstes Jahr, die Kontrahenten stehen schon fest, Barolo und - na klar - ein Pinot Noir!

Die bisherigen "Wettkämpfe" zum Nachlesen: Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007

Montag, 23. Juni 2008

Orvieto ist nahe Stuttgart

Dienstreisen führen einen desöfteren immer wieder an den gleichen Ort zurück. Bei mir eben immer in ein der badenwürttemberg'schen Landeshauptstadt vorgelagertes Städtchen. Zum Glück gibt's dort neben einer netten Hausbrauerei (zum Durstlöschen - die Feuerwehr ist bezeichnenderweise gleich vis-a-vis zu finden) einen passablen Italiener.
Auf meinen Wunsch nach einem trockenen Weißwein wird mir Orvieto empfohlen - gerechnet hätte ich da eher mit baden-württemberg'schen Stoff - aber naja, die stolzgeschwellte Brust eines Italieners.. .
Orvieto ist nicht nur der Name eines beschaulichen italienischen Städtchens in Umbrien, sondern auch der Namensgeber der DOC-Region, welche (hauptsächlich) aus den Rebsorten Trebbiano und Verdello einen leichten, jung zu trinkenden Weißwein erzeugt. Orvieto ist für mich - neben Soave - der Inbegriff des italienischen Supertmarktweißen - leicht, erfrischend und seine Profillosigkeit als Markenzeichen vorsichhertragend.

Noch bevor ich also meine Bestellung bereuen konnte - Weißbier hätt ohnehin schlecht zu hausgemachten Tagliatelle mit Calamari gepasst - steht auch schon das erste Viertel Orvieto zum wohlfeilen Preis von €4 auf meinem Tisch.

Fast farblos (sag ich doch ;-), sehr zurückhaltende Nase, den Gaumen umschmeichelt dann ein zarter Süsseschmelz, frisch und nicht aufdringlich, und noch bevor der Verstand realisiert, wie wohltuend dieser erste Eindruck ist, der dem Wein ein gutes Volumen verleiht, wandelt sich die Szene zu einem knochentrocken Geschmacksbild. Doch bevor die Herbheit zu aufdringlich wird, sorgt ein bei einen Weißwein noch nie (in dieser Intensität) erlebtes (und geschmecktes) Gerbstoffgerüst(!) für eine gelunge Überraschung meinerseits. Ziemlich harmonisch ausklingend sorgt dieses Exemplar für (m)ein neuartiges Genußerlebnis getreu dem Motto "Genußregionen erschmecken"! Kein großer, aber dafür sauguter Wein mit tollem eigenständigen Profil!

Um welchen konkreten Wein handelt's sich nun? Sorry, ich hab' mir's verkniffen nachzufragen - das erhält euch die Spannung und mir nochmals unbeschwerten Genuß beim nächsten Besuch!

Orvieto also doch mit einem eigenständigen Profil? Ja - und sorry Soave, einer muß übrigbleiben ;-)

Montag, 5. Mai 2008

Spargelwein

Wie unschwer an den zahlreichen Postings zum Thema zu erkennen ist - es ist Spargelzeit und jeder hat wohl so seinen Favoritenwein zum noblenm Gemüse (abhängig von der Zubereitung).

Spargel gibt es bei uns meistens in mehreren Varianten - parallel, nicht sequentiell ;-)
Als da wären einmal lauwarmer Spargalsalat aus weißem und grünen Spargel mit Sauce Vinaigrette
bzw. Spargel auf Mailänder Art, leicht angebraten, mit zerlassener Butter und Parmesan (hmmm :-)und dann ganz klassisch mit Sauce Hollandaise, Schinken bzw. Prosciutto (1|2) und möglichst frischen Erdäpfeln - Heurigen!

Die Herausforderung ist es also einen Wein zu finden, der alle Varianten gleichermaßen gut begleitet. Die kritische Sache dabei ist eher die (Balsamico-saure) Vinaigrette. Neben den üblichen Verdächtigen - wie zB. einen reiferen Weißburgunder bzw. fülligen Grünen Veltliner - kommt mir da eine weiter heimische autochtone Rebserte - der Neuburger - in den Sinn.
Eine Rebsorte, welche ihre Vorzüge nicht marktschreierisch in den Vordergrund stellt, sondern ihre Qualitäten als Speisenbegleiter im Stillen offeriert . BTW, wenn sich eine Rebsorte ohne Reue zum Wiener Schnitzel eignen soll, dann der Neuburger!

Zu Unrecht haftet dem Neuburger noch ein etwas altmodisches Bild an, durch unsicheren Ertrag und der ihm manchmal anhaftenden Ausdruckslosigkeit (braucht unbedingt höhere Graduationen und 2 Jahre Flaschenreife) avancierte der Neuburger nicht gerade zum Liebkind der Winzer und Konsumenten. Immerhin nimmt diese Rebsorte noch 2,26% (Quelle: ÖWM) der österreichischen Weinanbaufläche in Besitz, vorwiegend in der Wachau (so zB. Neuburger 1000 Eimerberg von Klarl Lagler aus Spitz) und der Thermenregion.

Weingut Karl Alphart, Neuburger Hausberg 2005, Thermenregion, Strohgelb, harmonische, aber bzgl, der Aromen für mich nicht leicht zu beschreibende Nase, feinwürzig, wirkt noch sehr frisch, zeigt sich am Gaumen mit guter Fülle, rundherum balanciert mit harmonischer Säure, saubere Vinifikation, guter Sortenvertreter einer leider vergessenen österreichischen autochtonen Rebsorte,*(*)/***

Neuburger Hausberg 2006, Strohgelb, wundervolle Nase, anfangs nussig, dann Zitronenmelisse, schotige Aromen, gemüsig, geht prachtvoll auf, dann tabakig, zarte Orangenzesten, ein wenig Holz?, offenbart minütlich neue Facetten, mundfüllender Wein, cremig rund, fast weich, den ganzen Gaumen auskleidend, anschmiegsame Säure, ein ganzer Prachtkerl, stellt den Vorgängerjahrgang gnadenlos ins Abseits, ein perfekter Begleiter zum Solospargel mit Hollandaise, Bravo! **/***

Um knapp über €7 hat sich dieser Wein mehr als nur ein Platzerl im Keller verdient!

Bildnachweis Alphart Neuburger Hausberg: Weinwelt Interspar, Spargel (c) vinissimus 2008

Sonntag, 13. April 2008

Ein Abend mit Herrn Tignanello

Manchmal besitzt man Weine, die liegen fast ewig im Keller und warten. Warten entweder auf den passenden Moment entkorkt zu werden oder einfach (wieder)enteckt zu werden.
So eine Flasche war mein Tignanello 1995.
Obwohl ich Weine grundsätzlich immer zum Genießen und niemals zur Spekulation erwerbe, habe ich bei diesem Wein doch einige Male bei einer bekanntem Plattform nach Auktionsergebnissen geschielt. Die meisten Ergebnisse hätten eine gute Rendite für meine damals um LIT 52.000 erstandene Flasche versprochen - allein ich blieb meinen Prinzipien treu.

Eine Einladung zweck Schuldtilgung bei einem lieben Freund stand an und somit war die Zeit gekommen, die Flasche bei einem italienischen Abend zu öffnen. Als Apero reichte ich einen Rotari Brut Rosé VSQPRD, DOC Trento, zu 3/4 aus Pinot Nero, der Rest Chardonnay, zartes Lachsrosa, sehr runde Nase Richtung zitronigen Noten, könnte ein wenig fokussierter sein, am Gaumen dann straff, knochentrocken, solide Handwerkskunst, aber auch nicht mehr, */***.
Zu Renates wie immer köstlicher Lasagne gab's dann die letzte Flasche Chianti Classico 2001 von Il Molino di Grace, aus Panzano, Toskana, hoho, also, da war schon beim ersten Schnupperer klar, daß dies ein Prachtexemplar ist - eine ordentliche Vorgabe für den nachfolgende Supertoskaner - noch sehr dunkle Farbe ohne jedwede Reifetöne, herzhafte Frucht, intensive Nase, ein wenig Himbeeren, satte Fruchtsüße, sehr geschmeidiger Gaumen, rund und saftig, ja fast opulent, eine feine Säurestruktur tragt den Wein, im Abgang feingeschliffenes Tannin, welch wundervolle Überraschung, da sag nocheinmal einer, daß ein normaler Chianti kein gutes Reifepotential besitzt, ein Hochgenuß zu Renates Lasagne, **(*)/***

Ja, und war's soweit. Ca. 1 Stunde in einer schlanken und hohen Karaffe zwecks Depot dekantiert, die Zeit habe ich eher konservativ bemessen, da ich schon öfter erlebt habe, daß ältere Weine in der Karaffe sofort den Sauerstofftod erleiden :-( Der Wein selbst braucht ja nicht extra vorgestellt zu werden, er wird in anständigen Menge produziert und auch in solchen getrunken - das unterscheidet ihn wohl im Vergleich zu anderen Weinen, welche nur als Prestigegewinn und zur späterer Veräußerung eine Existenzberechtigung im Keller vorfinden. Eigentlich ein idealer Tischwein für Weinsnobs mit dem entsprechenden Geldbörsl ;-)

Eingetreten ist genau das, was ich mir ausgemalt habe. Die gute Nachricht: Der Wein ist solide! Die Schlechte: Das war's dann aber auch schon! Das reißt keinen vom Hocker! Antinori, Tignanello 1995, Toskana, ziegelrot, mit dunklem Kern, anfangs eher verhalten, leicht würzig, Edelhölzer, präsentiert sich am Gaumen sehr balanciert, feste und mürbe Gerbstoffe, gesamtheitlich gesehen sehr angenehmer Wein ohne wirkliche Komplexität (die ich im zB. 1990er sehr wohl gefunden habe), ein grundsolider, beim betrachten des PLVs aber ziemlich überteuerter Klassiker, */***.
Zeit für einen Café Macchiato, eine Cohiba Robusto (wo sich der Tignanello ganz fein dazu trank) und das Schokomousse nach Familienrezept, welches cremiger, runder und nicht so ganz herb ist wie jenes von Paul Bocuse, das bei uns normalerweise auf den Tisch kommt.

Dazu eine wundervolle Flasche der Bodegas Julian Chivite, Vino Tardia Moscatel 1997 Colección 125, Navarro, Fermentation und Ausbau über 14 Monate in neuen Barriques aus Alliereiche, sattes Goldgelb, intensive Muskataromen, sehr komplex, kandierte Zitrusfrüchte, ein wenig Honig, so nobel und samtig den Gaumen auskleidend, wirkt sehr konzentriert, in sich ruhend, die perfekte Harmonie im Fruchtsüsse und -säurespiel, langer balancierter Abgang, hält seine Form perfekt über 3 Tage - dann war die halbe Flasche leider geleert ;-), Wunderstoff, Höchstnote, ***/***

Summa summarum 2300 Kilokalorien zuviel - dh. für morgen 3 x zurück zum Start und drei Runden extra laufen - denn wie heißt's so schön: A moment on my lips, years on my hips!

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Weihnachtsganserlweine

Die Weinwahl meines Schwiegervaters bietet immer ein willkommenes Kontrastprogramm zu meiner eigenen, zumal er als ausgewiesener Österreichfetischist mich heuer mit zwei Italienern überraschte.
Etwas ratlos bzgl. Region und Sorte ließ mich der erste Wein zurück, schöne gereifte Farbe, korrespondierende komplexe Nase, am Gaumen ganz leichtes Tannin, gut strukturiert und dabei sehr balanciert, im Verlauf immer mehr von der Säure getragen, ich hätte da eher auf eine österreichische Cuvee 01 aus dem Mittelburgenland getippt, tatsächlich war's aber ein 2000er Merlot von Russiz Superiore aus dem friulanischen Collio, guter Begleiter zur diesmal ein wenig trockenen Gans, der aber hinsichtlich der Rebsorte nichts mehr von einer Sortentypizität erkennen ließ. Eine Liga drüber spielte ein 1995 Amarone von Brigaldara, bereits orange Töne zeigend, leicht malzige Noten, am Gaumen dann eine überwältigende opulente Süße und wiederum leicht malzige Anklänge, die sich aber im Laufe der Zeit geben, legt minütlich im Glas zu, fester und wiederum überzeugendes Exemplar, nichts von seinen 15% Vol. merkbar, toller Wein und ein wunderschöner Ganslwein.
Freue mich schon auf Martini 2008 :-)

Montag, 19. November 2007

Gans 2007

Wie jedes Jahr gibt es gemäß unserer Familientradition 2 x (Bio-Freiland-Weide) Gans, einmal zu Martini und dann am 2. Weihnachtsfeiertag zu Stefani. Den ersten Termin richten inzwischen meine liebe Renate und ich aus, sodaß es mir leider nur 1 x jährlich möglich ist, die optimalen "Ganserl-Weine" ausfindig zu machen , da mein Schwiegervater seine eigene Weinplanung hegt. Die Vorjahrespaarung gibt's hier nachzulesen.

Heuer gab's einen Dreikampf Blauburgunder gegen nördliche (Syrah) und südliche Rhone (Cuvee aus Grenache, Mourvedre, Syrah und Cinsault), wobei - soviel sei verraten - keiner der drei Weine wirklich zu überzeugen wußte.
  • Paul Jaboulet Aine, Hermitage Le Pied de la Cote 1997, Rhone, ein Wein, den ich auf der Homepage nicht mehr gefunden habe??, von unterhalb der berühmten Chapelle, Granatrot, oranger Wasserrand, würzige Noten, vielschichtige Nase, Leder, Orangenzesten, kräftige Gerbstoffe im Dialog mit viel Säure, fehlender Mittelbau, nach 2 Stunden entwickelt sich daraus ein hamonischer Dialog, das Tannin jetzt fein eingebunden, der Körper engmaschig, schöner Ganserlbegleiter, 2 Jahre früher wäre der Wein wahrscheinlich noch perfekt auf der Höhe gewesen, *(*)/***
  • Holger Koch, 2002 Spätburgunder S***, Baden, zeigt eine warme, holzbetonte Aromatik, recht sortentypisch, am Gaumen harmonisch, aber den Druck vermissend, etwas dünn mit kräftigem Säurespiel, dennoch harmonisch, ich hätte mir bei diesem (erst 5 Jahre alten) Wein einfach etwas mehr erwartet, zuwenig für ein Grosses Gewächs und kaum mehr geboten als der einfachere "Selection *" des Vorjahres, */***
  • Vieux Telegraph, La Crau 2000, Chateauneuf-du-Pape, zeigt die ersten Ansätze einer fortgeschrittenen Reife, eher subtile Nase, mal da, dann wieder komplett weg, leichte Würze, nussig, die 14% Vol. sind riechbar, wirkt altmodisch, fast ein wenig dumpf (ev. ein Korkschleicher?), am Gaumen füllig, kräftiges Tannin, wiederum der Alkohol, im Abgang, ebenso, in Summe trotzdem ausgewogen, aber zuwenig Wein für den Preis, */***
Pinot Noir bleibt jedenfalls als Fixpunkt - im nächstes Jahr testen wir mal die österreichischen Vertreter! Vielleicht endlich einmal zusammen mit einem traditionell ausgebauten Rioja?

Montag, 5. November 2007

Gorgonzola-Penne..

..diesmal in einer milderen Form mit Dolce Latte und Mascarpone. Ich mag' sie eher scharf und nehme daher viel grob gemahlenen schwarzen Pfeffer. Jeder milde, aber kräftige Weißwein mit einer leichten Restsüße ist ein ganz passabler Partner. Diesmal aber probierte ich - einem Tipp zufolge - einen süssen Moscato dazu:

Romano Dogliotti, La Caudrina 2006, Moscato d'Asti, etwas verhaltene Frucht, mehr Richtung Birne, leicht mostig, am Gaumen dann klassisch die Muskattraube erkennbar, gut spritzig und gut gekühlt leicht zu trinken, auch wenn die Nase noch wesentlich intensiver und reintöniger rüber kommen sollte, so wie zB. vor kurzem beim Moscati von Braida, ganz passabel, */***

Geht ganz gut zusammen, meine liebe Renate jedenfalls war begeistert (zumindestens vom Moscato ;-), die ultimative Kombination war es aber IMHO immer noch nicht! Gibt's denn die zu diesem Gericht überhaupt?

Bildnachweis: www.caudrina.it

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Weinwelt Bordeaux #1

Den herrlichen Sonntag Nachmittag nutzten wir nocheinmal, um den Griller anzuwerfen. Filetsteak mit Rosmarinkartoffeln und Paprika, mehr braucht's nicht zum Glücklichsein. Neben einem ordentlichen Wein natürlich. Aus den 5 erstandenen Bordeauxs wählte ich Chateau Grimont aus, da dieser lt. Beschreibung auf der Weinwelt als "ideal für gegrillte Rindfleischgerichte" beschrieben wird.
Um die Sache aber ein wenig spannend zu machen, habe ich meiner lieben Renate auch noch ein zweites Flascherl aufgemacht, einen 97er Blaufränkisch von Stefan Lang - ein Wein, der bei der kürzlich von falstaff durchgeführten 10-Jahres-Probe der österreichischen Premiumweine mangels Verfügbarkeit durch Abwesenheit glänzte. Wartete gespannt auf Renates Präferenz!
  • Chateau Grimont, Cuvee Prestige 2004, Premieres Cotes de Bordeaux, rubinrot, ein Wein mit klassischen 12,5% Vol., noch ziemlich röstige Nase, Kaffe- & Likeuraromatik, nicht jedermanns Sache aber ich hab das gerne, am Gaumen ziemlich straff, ohne Gewicht, viele Gerbstoffe, mit zunehmender Zeit zeigt sich der Wein dann am Gaumen voller, das Tannin wird engmaschiger, eher kurzer Abgang, am zweiten Tag merklich Alkohol beim Riechen, eher harter Wein, in Summe nicht unattraktiv, Realo-Bordeaux für Anfänger mit Potential, */***, € 9
  • Rotweingut Lang, Blaufränkisch Exklusiv 1997, Mittelburgenland, erstaunlich, welch jugendliche Farbe mit tiefdunklem Kern dieser Wein noch besitzt, in der Nase leicht diffus, Rumtopf, ein wenig Brombeere, Alkohol auf alle Fälle deutlich präsent, am Gaumen dann aber mit einem verführerischen Süßeschmelz, dicht verwoben, mittelang, hat was und stellt mich trotzdem nicht ganz zufrieden, */***
Renates Vorliebe? Ganz klar der Blaufränkisch! Der süßlich volle Körper harmonierte am Gaumen perfekt mit dem Steak und den Gewürzen meint sie. Mein Voting? Französische Nase mit österreichischem Unterbau ;-)

Bildnachweis: Weinwelt Interspar

Dienstag, 2. Oktober 2007

Sherry - vergessener Wein?

Wenn die Kraft der Sonne nachläßt, greife ich dafür gerne zu etwas kräftigeren Weinen. Ja, ja, auch Sherry ist Wein und mein Liebelingsmanzanilla ist eine der bekannteren und fast an jeder Ecke erhältlich: La Guita aus Sanlucar, so herrlich betörend die Nase, dank dieser feinen Florhefe, am Gaumen leicht nußig, seidig, so harmonisch und cremig rinnt das Zeugs den Magen hinunter, daß es eine wahre Freude ist, minutenlanger Abgang. Wonneschauer!
Mehr Infos dazu gibt's ua. bei Belvini, in Österreich ist La Guita bei Spar in der 0,375l Flasche erhältlich. Ein herrliches Glas zur nachmittäglichen Europajause mit südtiroler Speck und italienischer Fenchelsalami, Bio-Bergkäse aus dem Bregenzer Wald, griechischem grünem Spitzpaprika und dem herrlich mit Fett vom Managalizaschwein angebruzzeltem roten Paprika vom Stekovics aus dem Burgenland. Das Schlaraffenland kann nicht schöner sein!

Freitag, 3. August 2007

Rosé (und Pizza!)

Heisse Tage sind ja förmlich prädestiniert für Rose-Weine. Ich find sie als bessere, weil geschmacksintensivere, Alternative zu Welschriesling oder Weinen der Kategrorie Steinfeder und bzgl. Alkohol spielen die Rose allemal in der gleichen, nämlich gemäßigten Liga.
Rose ist wieder im Kommen und das ist gut so. Rose, das hat was mit Urlaub in Südfrankreich zu tun, mit heißen Tagen samt lauem Lüfterl, lokalen mittäglichen Fischspezialitäten auf der Terrasse und der kräuterwürzigen Garrique.
Aus Österreich kann mich nur an zwei Roses erinnern, an einen herrlichen "Gleichgepressten" vom Cabernet Sauvignon von Lenz Moser (aus einem Jahr, aus dem diese urtypisch österreichische Rebsorte wieder einmal voll ausreifen konnte ;-) und einem in diversen Zeitschriften hochgelobten, für mich aber übersäuerten und faden 2005er Pink Bliss vom Winzerhaus Marienberg, Mad.

Gestern habe ich mir eine ziemlich scharfe (mit frischem Chilli) zubereitete Salami-Pizza reingezogen. Gusta habe ich immer auf einen frischen, eher säurebetonten Wein dazu, Grüner Veltliner kommt mit milderen Versionen der Salami-Pizza ganz gut, mit Schärfe i.A. aber schlecht zurecht. Also hab ich den Rose aus der Provence dazu probiert und ja, nicht nur die Schärfe steckte dieser Weg (was für knochentrockene Weine eher ungewöhnlich ist), nein, es entwickelt sich eine richtiggehende Harmonie und an der Frische mangelt es auch nicht. Der Wein? Ein 2005er Les Elegantes der Vigneron du Mont Sainte Victoire, Cotes de Provence. Aus dem Supermartktregal!