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Donnerstag, 9. September 2010

Vom Wesen des Bio-Weins

Der Mehrwert des Bioweins dürfte uns allen ja hinlänglich bekannt sein. Weniger Schadstoffe im Wein, nachhaltige, weil ökologische, Bewirtschaftung des Bodens, robustere, gesündere Reben ergeben auch einen qualitativ besseren Rebensaft, und so fort.. . Das alles ist nur ein kleiner Auszug der Vorteile und soll hier auch gar nicht Gegenstand der Betrachtung sein!

Das Wesen eines Bioweins ist gar nicht so einfach zu beschreiben, denn oftmals sind Weine gar nicht als solche (nämlich als Bio) erkenntlich. Andersherum funktioniert es natürlich auch, denn biologischer Anbau alleine ist noch kein Garant für einen guten Wein.

Allen für mich gut gemachten gewachsenen Bioweinen gemeinsam war jedenfalls immer ein
  • inneres, natürliches Gleichgewicht, die Weine sind auf eine innere Harmonie bedacht, welche auch als Spannungsboden auf der Zunge erfühlt werden kann, dh. daß alle Bestandteile wie Frucht, Süße, Gerbstoffstruktur, Säure, usw. in einem wohlproportioniertem Ganzen vereint sind - der Wein wirkt einfach entspannt, in sich ruhend und "relaxed"...
  • Säure und Frische: Bioweine wirken oftmals in ihrer Gesamtheit bzw. im Mundgefühl sehr weich. Bezogen auf die Säurestruktur (und mit einem österreichischem - heißt nördlich gepegelten - (Wein)Gaumen bestückt) kann ich manchmal fast sagen: lasch.
    Nicht immer mag ich das, manchmal verspüre ich unbändige Lust nach einer schneidigen, fordernden Säure, die mich bis in die Zehenspitzen kitzelt, lockt und munter macht. Im Gegensatz zu einem konventionellen Wein jedoch, stört das die Gesamterscheinung und Balance nicht und auch die Frische bleibt beim Bio-Exemplar stets vital.
Beides jedenfalls ist für sich erschmeck- und erlebbar und zusammen das bisher einfachste Anzeichen, daß es sich um einen Biowein im Glas handeln *könnte*. Sicherlich gibt es noch weitere Merkmale und keinesfalls erhebe ich hier den Anspruch, daß dies eine sichere Identifikation erlaubt, aber weiter bin ich eben noch nicht vorgedrungen.. ;-)

Was sind denn diesbezüglich eure Gaumenempfindungen?

Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, die meine Gedanken bestätigt und wieder ins Rollen gebracht haben, ist der Wein der

Domaine La Courtade, Alycastre 2008, Côtes de Provence, ein Rosé gekeltert aus den Rebsorten Cinsault, Tibouren und Mourvèdre, ins deutliche Orange gehender Farbton, sehr getragene Nase, Erdbeernoten gepaart mit genau der Richtigen Herbheit, die an einem heißen Tage der Erfischung förderlich ist (und wesentlicher Bestandteil eines guten Rosés ist), hat einen kühlen und erfrischenden Minz- bzw. Eukalyptushauch vorzuweisen, gutes Mundgefühl, beweist schwebende Eleganz am Gaumen samt trinkanimierende Saftigkeit mit einer fast seidigen Säurestruktur im Abgang, das Glas ist ratzfratz leer und ebenso schnell wieder gefüllt, ein exzellenter Weinwert, **-**(*)/***

Sonntag, 4. Oktober 2009

Rosarotes Verlangen (ein Finale)

Rosé hat im heurigen Sommer wieder für einige Themen gesorgt. Wir erinnern uns, zum einen durch die Proteste französischer Winzer über die den EU-Vorschlag (1), das Verschneiden von Rot- und Weißweinen für die Roséherstellung zu legalisieren, was ja aus Sicht der französischen Rosélobby erfolgreich und zum Leidwesen der restlichen europäischen Winzer abgewendet werden konnte (2). Dazu empfiehlt es sich unbedingt, den wundervollen Artikel von Eckhard Supp zu diesem Thema (3) zu lesen! Andereseits liegt Roséwein nachwievor voll im Trend, wie diverse Artikel zum Thema in (Kunden)Zeitschriften des Fachhandels als auch der Blogs (4) belegen. Bestätigt wird das auch durch einen kurzen Blick in Google Trends mit ein paar Schlagwörtern:

+ bedeutet dabei steigendes, - fallendes Suchvolumen
  • Rosé (+)
  • Wein (-), wine (-), vin (eigentlich - mit großen + Spitzen im letzten Jahr), muß sich die Weinwirtschaft hier Sorgen machen?
  • Weißwein (+), white wine (+), vin blanc (+)
  • Rotwein (-), red wine (+), vin rouge (+)
***
Leider wird dabei meiner Meinung nach aber viel zu wenig auf den Typus des Rosés eingegangen und alles über einen Kamm geschert.
Die Frage nach "Was macht den einen Rosé so besonders?", "Was unterscheidet ihn von anderen Weinstilen?", "Was sind die Eigenheiten dieser Weinart?", "Gibt es unterschiedliche Stilistiken beim Rosé oder sind eh' alle gleich?" wurdem noch nie gestellt und ihre Beantwortung noch nirgends gesichtet :-( - wieso nicht?
Stattdessen setzt der Fachhandel größenteils beim Rosé auf einen Mix aus Einfachheit, Unkompliziertheit - weil zu allem, immer und jedem passend - und Lifestyle.
Dies wird dem Roséwein aber bei weitem nicht gerecht! Schade! Auch wenn viele Weine genau dem Image der Einfachheit gerecht werden, so gilt auch hier: wer sucht, der findet (die Qualität)!
Meine eigene Sichtweise, was denn einen guten Roséwein ausmacht, habe ich im Zuge der 08er 11. Weinrallye kundgetan, für Interessierte hier nachzulesen.

So präsentiere ich hier mein "großes Finale" zum Them Roséwein - 12 Weine aus 3 Kontinenten und 6 Ländern.

Beginnen möchte ich gleich mit der erfreulichen Nachricht zum Thema heimische Rosés. Nachdem meine Bedenken mit den lokalen Vertretern schon mit dem Fritz'schen Pinot Noir weggespült wurden, freue ich mich, hier gleich noch einen absolut tollen Vetreter gefunden zu haben, übrigens ebenso wie jener vom Weingut Fritz ein Rosé aus Pinot Noir-Trauben :-)
  • Walter Buchegger, Rosé Pinot Noir 2008, Kremstal, nun wissen wir endlich, was aus den gepachteten Pinot Noir Weinberg geworden ist, von dem Walter Buchegger noch vor 2 Jahren so gar nicht wußte, was daraus werden soll (ob wir ihm das glauben sollen?), im Glas zeigt sich ein wundervolles Rosarot, exakter Match mit der Blüte unseres Oleanderbuschs, und ohhh, eine prachtvolle Nase mit provencalischem Einschlag, hat Tiefe und zeigt würzige Noten, mit einer appetitlichen Säure behaftet, zart himbeerig, leichte Herbe bei guter Struktur im Mund, von den feingliedrigen Gerbstoffen ist auch genügend zu schmecken, so muß es bei Rosé sein, sonst verliert er den Anspruch Teil von Rotweintrauben zu sein, blitzsauber, knochentrockenes Finish, wiederum mit gutem herben Rückgeschmack ausklingend! Danke Walter Buchegger (und Josef Fritz), ihr habt mir gezeigt, daß es doch noch österreichische Winzer gibt, die echten Rose mit Mundgefühlt zu erzeugen imstande sind! **(*)/***
Weiter mit den Weinen der Alten Welt..
  • Vina Vilano, Rosado 2007, Ribera del Duero, Spanien, 100% Tempranillo, kräftige dunkle Farbe, bereits mehr Rot als Rosa, feine und zart herbe Himbeeraromatik in der Nase, leicht kräuterwürzig, im Mund schöne Fruchtsüße mit gutem Volumen, hintennach wird der Wein von nerviger Säure getragen, knochentrocken im Abgang, wiederum eine neue stilistische Art des Rosés, die Struktur hat nichts vom Roten - wie zB. eine zarte Gerbstoffstruktur - mitbekommen, statt dessen lebt dieser Vertreter vom Spannungsfeld des Süße-Säure-Dialogs ähnlich einem Dessertwein, eignet sich bestens als Aperitif- & Terassenwein, *(*)/***
Herrliche Roséwelt Südfrankreich und bei - oder sollte ich besser sagen: nur bei - sorgsam bedachter Einkaufsquelle weit weg von der großen und belanglosen Masse des sommerlichen Rosé-Touristen-Schladerers!
  • Les Chemins de Bassac isa Rosé 2007, Côtes de Thongue, Languedoc, Frankreich, Lachsrot im Glas ist dieser Wein aus Grenache Noir, Mourvèdre und Syrah, der durch das Saignée-Verfahren hergestellt wird, wiederum ein typischer Rosé-Vertreter des Südens, feine rote Beeren in der Nase kombiniert mit einer angenehmen Herb- und auch Würzigkeit am Gaumen in Zusammenspiel mit einer erfrischenden Säurestruktur machen diesen zertifizierten Biowein zu einem Klassiker der Sommerterasse, um €7 mehr als ein gute PLV zeigend, *(*)/***, Notizen zum
    2005er
  • Domaine Saint André de Figuière, Rosé Grande Cuvée Vieilles Vignes 2007 Côtes de Provence, mit 50 % Mourvèdre, 25 %Cinsault und 25 % Grenache ein klassischer südlicher Rebsortenmix, herrliches Lachsrosa, sehr verhaltene Aromatik, fern jeder Primärfrucht, die Würze schlägt ein wenig durch, seidig rund und ohne Ecken, so wie ich es mir von einem Provenve-Rosé erwarte mit einer leicht herben Gerbstoffstruktur, in Summe sauber, aber unauffällig (das kann jedoch auch manchmal von unschätzbarem Vorteil sein), universeller Speisenbegleiter, aber fern einer eigenständigen Identität, in Anbetracht des Preises von €12 nur *(*)/***
  • Domaine de la Courtade, L'Alycastre 2007, Côtes de Provence, kräftiges Lachsrosa, fein ziselierter Fruchtbogen, feine frische Fruchtwürze, aus einem Guß, feine nervige Säure, sehr sauber, Cinsault, Grenache und Mourvèdre sorgen für unkomplizierten Sommer-Terrassen-Spaß, aber auch nicht mehr, *(*)/***
  • Château de Roquefort, Corail 2007, Côtes de Provence, Frankreich, der Vorgängerjahrgang setzte den Maßstab in Sachen Rosé - mal sehen!
    Eine herrliche Bio-Mischung aus Gre
    nache, Syrah, Carignan und (jaja, da sind sie wieder, die unvermeidlichen weißen Rebsorten im provencalischen Rosé) Vermentino sowie Clairette vom lt. Eigendefinition "halben Bayer" Raimond de Villeneuve Flayosc, zwiebelschalenfarben, eine hochfeine, verspielte und leicht parfumiert, ein Mix aus in Alkohol eingelegten roten Früchten gut durchzogen mit würzigen Komponenten, den Gaumen umschmeichelt eine stoffige Süße, die niemlas opulent wird, dem Wein aber gutes Volumen verleiht und im Dialog mit einer harmonische Säurebalance und dem trocken Abgang steht, zarte Gerbstoffnoten im Finish, so muß Provence-Rosé schmecken, hat Modellcharakter und bestätigt seine Pole-Position! **-**(*)/***
  • Mas Cal Demoura (2), Qu'es Aquo 2007 , AOC Coteaux du Languedoc, ein Saignée-Rosé haupsächlich aus Cinsault und Grenache mit ein wenig Syrah, Mourvèdre & Carignan , helles Rot (wie ein Vernatsch), verschwenderische Aromatik, rote Früchte im Überfluß, Himbeere, Erdbeere, rote Ribisel, die Würze ganz zart nur angedeutet, rinnt mit erstaunlichem Volumen über meine Zunge, feine Fruchtsüße, frische Säure im Abgang, leicht herb und würzig hintennach, ein seriöser Rosé mit Anspruch für den Abend, und das nicht nur im Sommer, überzeugend auf der ganzen Breite, **/***
  • Mas de Cadenet, Rosé 2007, Sainte Victoire, Côtes de Provence, meiner Verkostungsnotiz aus dem Vorjahr ist nur hinzufügen, daß die Würzekomponenten etwas in den Hintergrund getreten sind und die zarte Süße am Gaumen fast schon eine laszive Dimension erreicht haben, easy drinking, aber mit sowas von Spaß! **/***
***
Heuer war's einfach einmal zu verlockend über den Tellerrand der europäischen Rosés zu blicken und Vertreter der Neuen Welt zu testen. Summa summarum aber konnten sie aber meine doch einigermaßen hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Zu schwer(fällig) im Trunk am Gaumen, zu alkohollastig und damit zu unbalanciert präsentierten sich die Exemplare, sodaß ich getrost die Devise "die alte Welt kann's besser" ausgeben kann. Einige (Reserve)-Vertreter harren noch ihrer Degustation. Falls sich ein (nicht erwarteter, aber natürlicher möglicher) Meinungswandel vollzieht werde ich davon berichten, aber keine Abbitte leisten ;-)
  • Mulderbosch, Rosé 2008, Stellenbosch Südafrika, Rosé aus Cabernet Sauvignon-Trauben, leuchtendes Dunkelrosérot, die Nase eine originelle Mischung aus einem Wettstreit zwischen Kirschkompott und Campari-Orange - letztere Aromen gewinnen, viel Extrakt am Glas, süße Frucht gepaart mit einem herben Grundton, "ein Mundvoll Wein", frische Säure, unkomplizierter, sommerlicher Trinkspaß mit New-World-Winefeeling, *(*)/***
  • Farview Wines, Rosé Goates de Roam 2007,Western Cape (Paarl and Swartland), Südafrika, wer einen Blick auf die Zusammensetzung dieser Rosé-Cuvée wirft - aus Pinotage, Shiraz, Grenache, Gamay, Cinsaut, und Mourvèdre-Trauben - dem wird schnell klar, daß hier wohl ein Rhone-Verehrer am Werk ist. Fairview Eigentümer Charles Back folgte der humorvollen Anregung eines Weinliebhabers und so entstanden liebevolle Weinnamen mit Wortwitz, nicht ohne einen gewissen augenzwinkerndern Seitenhieb (nicht nur) auf Frankreichs Rhone! Kostprobe gefällig: Goat Rotie, Goats in Villages, The Goatfather, Don Goatti, .. . Köstlich!
    Jaja, wiederum diese "unnatürlich" intensive, weil eben bereits rote Farbe im Glas, ebenso die unvermeidliche Erdbeere, aber nicht intensiv, vielmehr auch Kirsch und vor allem Campari-Noten, harmonisch rund im Mund und balanciert auf der Zunge, durchaus anspruchsvolle, weil mit Gerbstoffen versehene Stilistik, zart-herbes Bitterl im Abgang, ermöglicht trotzdem ein easy-drinking, und ja, ich mag die Ziegen :-) *(*)/***
  • Leyda, Single Vinyard Rosé Pinot Noir 2008, Chile, Farbton nach roten Ribiseln, intensive Aromatik in der Nase, wenig Himbeere, mehr Kirsch und noch mehr Wacholder, der aber am nächsten Tag überhaupt nicht mehr präsent ist, mittelgewichtig, auf der Zunge und im Abgang dominiert der Alkohol, die 14 Vol. % wirken fast brandig im Nachhall, ein richtiger Afterburner, am zweiten Tag dann deutlich ziviler, ein wenig Martini-Rosato-Feeling, am Gaumen dabei aber immer trocken und nicht süß, zu einer Südtirolerjause ganz ordentlich, aber definitiv nichts für die Sommerterrasse, soferne nicht gewollt, daß die Gäste nach dem ersten Glas wegkippen, */***
  • Valle Perdido, Rosé Malbec 2008, Patagonien, Argentinien, intensives Kirschrot mit einem orangen Leuchtstift übermalt ;-), intensive Aromatik, Sauerkirschen mit überlagerten Zitruszesten, die Würze kommt erst nach intensiven Luftkontakt, zeigt ein gutes Volumen, alle Rosé-Komponenten (Frucht, Würze, Säure) sind vorhanden, der herbe Abgang macht ihn auch als Aperitif geeignet, und doch kann sich dieses Exemplar nicht so richtig entscheiden, wirkt im Süß-Sauer-Dialog gefangen, die Zitrusnoten sind manchmal penetrant vordergründig und treiben einem auf der Sommerterrasse fast den Schweiß auf die Stirn, jedenfalls eine neue, eigenwillige Rosé Stilistik, gekonnt vinifiziert, *(*)/***

Zum Schmökern alle bisher zum Thema Rosé gepostete Beiträge. Noch gibt's ja einige Sonnentage, welche durchaus Lust auf eine rosarotes Glas machen können.. .

Montag, 1. Juni 2009

Der Himmel, der ist rosarot!

Das (teilweise) prachtvolle Wetter im letzten Monat hat mich wieder verstärkt in meiner Roséschatzkiste stöbern lassen - bekanntlich bin ich ja ein lauter Verehrer diese Weinvarietät.

Nachdem mich Iris mit ihrer sachlichen Darstellung der Verhältnisse zur Situation der provencalischen Weinbauern beruhigt hat - wir erinnern uns an den Aufschrei samt Petition zum Thema Rosé durch Mischung von Rot- & Weißwein - kann ich mich nun an den nächsten Flaschen dieses süffigen Sommerstoffes erfreuen.

Und fürwahr, ich hatte das Glück, zu zwei absolut tollen Rosé-Botschaftern zu greifen!
Zum einen habe ich endlich einen meinen Vorstellungen entsprechenden Rosé aus Österreich gefunden! Das alleine für sich hätte schon zum Glück gereicht - habe ich doch im letztem Jahr dem heimischen Rosé dankend abgeschworen. Zum anderen folgte danach für mich die neue Referenz in Sachen Rosé - doch alles der Reihe nach!

So ganz nebenbei bin ich heuer beim Weinfrühling beim Besuch am Fritz'schen Weingut auf den Rosé gestoßen, gut versteckt im letzten Eck. Und er hat mir von Anfang an Freude bereitet, weil eben nicht so wie viele der bisherigen heimischen Rosé in reiner Weißweinstilistik vinifiziert wurde, sondern eben den entsprechenden Kuß vom Roten in sich trägt.

Weingut Fritz, Rose Pinot Noir 2007, Wagram, leuchtendes Lachsrosa, prachtvolle Nase, leicht würzig, die unvermeidliche Himbeere, aber auch Stollwerk (Karamell), schafft am Gaumen den Spagat zwischen runder Saftigkeit und einer prononcierten gute Säurebalance, trinkanimierend mit Volumen, trotzdem schwebend leicht, unkompliziert, macht mir viel Spaß, **/***

Interessant war zu erfahren, daß Josef Fritz so nicht wirklich zufrieden mit der Stilistik des Weins ist. Er hätte lieber einen zarten süßen Zuckerspitz gehabt, aber der Rosé, so meint er, der ist ein "Hund" und gar nicht so einfach zu erzeugen, zumindestens nicht so, wie er ihn ganz gerne haben würde! Bitte nichts ändern - für mich passt's perfekt ;-)

Der zweite Hochgenuß stammt von Nachbarn in Südtirol, vom Weingut Manincor. Michael Graf Goëss-Enzenberg, dessen Familie seit 1662 im Besitz des Hofes ist und dessen Credo "Tradition und Zeitgeist begreifen und neu entwickeln" als Motor ständiger Qualitätsverbesserungen wirksam wird. So auch wie bei diesem prachtvollen Exemplar, welches anschaulich die Möglichkeiten eines Roséweins zum Vorschein bringt.


Manincor, Rosé La Rose de Manincor 2007, Südtirol, die Farbe schon mehr Richtung Pinot Noir als Rosé, anfangs eine prachtvolle Nase mit Duft nach Rosen, danach süße, reife Erdbeeren, eine wundervolle Struktur am Gaumen, seriöser Stoff mit Volumen, braucht den Vergleich mit Weinen provencalischer Art in keinster Weise zu scheuen, feine Balance auf der Zunge, frisch, dabei so wundervoll süffig, saftig, das ist der definitive Sommer-Terassen-Wein für ambitionierte Weinfreunde mit Anspruch, Merlot, Blauburgunder und Cabernet Sauvignon, gewonnen mittels Saignée des Mostes der Spitzenweine des Grafen, die gebrauchten Barriques verleihen diesem Wein die zusätzliche Komplexität, mein neuer Referenzmaßstab, **(*)/***

Mit knapp €12 ist dieser Wein, der mit edlem Vino-Lok-Glasverschluß ausgestattet ist, nicht günstig, aber jeden Cent seines Preises wert! Noch gibt's einige Flaschen von diesem feinen Elixier beim Weinhändler meines Vertrauens, Zugreifen!
Spielt locker in der selben Liga wie meine bisherige Maßstäbe Roc d'Anglade und Château de Roquefort. Erschwinglicher Genuß adeliger Natur für alle Bürgerlichen - ein lautes Bravissimo nach Südtirol!

Hier die bisherigen Rosarot-Stories in der Übersicht..

Donnerstag, 12. Februar 2009

Weinrallye #20 - Schwimmen muß der Fisch!

Gastgeber der 20. Ausgabe der Weinrallye ist Wolf mit seinem Blog Hausmannskost - bereits zum zweiten Mal - bravo!
Sein diesmal vorgegebenes Thema lautet: Wein zum Fisch, aber nicht weiß *und* trocken! - sicherlich kein 0815-Thema!

(1) Prolog

Nun gibt es ja die (bekannte) Anekdote vom Gast, der zum Fisch eine Flasche Mouton Rothschild ordert und dem verdutzten Sommelier dann netterweise ob dessen Perplexität seine Philosophie näherbringt: Ein guter Wein, der passt eben zu allem!
Auch René Gabriel ist einer Kombination mit Bordeaux nicht abgeneigt, wie sich hier anhand des 1995er GPL nachlesen läßt.

Also einmal kurz die Suchmaschine anwerfen und schon offenbaren sich (österreichische :-) Gedankensplitter zum Thema "Rot & Fisch" - so zB. ein informativer Artikel aus den Salzburger Nachrichten oder Irrtum #13 "Zu Fisch passt nur Weißwein!" eines Artikels zum Thema "Weinwahheit" des Genuss.Magazins.

(3) Monolog

Nun ja, trotz allen Beteuerungen, daß Fisch und Rotwein kein Widerspruch per se sein müssen, bleib' ich skeptisch. Ich gestehe auch ganz freimütig, in gewissen Punkten wertkonservativ zu denken. Schließlich habe ich mir mein persönliches Geschmacksprofil und Vorlieben in etlichen Verkostungsjahren hart erschlürft & ergurgelt ;-)
Das bedeutet aber jetzt nicht, daß diese nun für alle Ewigkeit unveränderlich sind, andereseits muß ich diese aber auch nicht jedesmal hinterfragen, nur weil der nächste Hipkoch, Sommelier oder ein Weinmagazin medienwirksam das Gegenteil als angesagt erklären!

Als Faustregel (für mich und als Antwort auf die Frage ob Rot & Fisch ein harmonisches Ganzes bilden können) würde ich einmal sagen: "..it depends!".

Es kommt d'rauf an, nicht so sehr auf die Art des Fisches als vielmehr auf die Art seiner Zubereitung.
Ich kann mir einen fruchtdominierten Wein mit kräftiger Säurestruktur wie zB. Pinot Noir aus der Thermenregion oder einen ganz jungen Blaufränkisch oder Zweigelt zu Thunfisch gut vorstellen, auch zu Forelle oder Saibling vom Grill - ob dies aber der Weisheit letzter Schluß im Vergleich zu Sauvignon Blanc, Grünem Veltliner, Weißburgunder oder (auch feinherben) Riesling bezweifle ich, gerade wenn ich an Gerichte wie zB. einen herrlich kross gebratenen Zander mit Gemüsejulienne und Kren(Meerrettich)schaumsauce denke! Ein sommerlicher Hit, genossen an einem der zahlreichen Salzkammergutseeen!

Als Rallyebeitrag möchte ich diesmal die Verträglichkeit von Fischvariationen in Form von Tramezzini-Aufstrichen - ein klassiker als Vorspeise - mit einem klassischen Aperitfwein - dem Rosé - testen!
Zu Thunfisch-, Lachs- (& außer Konkurrenz auch noch Beinschinken und Tiroler)aufstrich habe ich einen Trollinger Rosé aus Baden-Württemberg meinem Keller entnommen.

Schloß Lehrensteinsfeld Rosé 2007, Weinsberg, Württemberg, aus der Trollinger-Traube gekeltert, zartes Lachsrosa, sehr schön balancierte Nase, strömend, mit Duft nach wilden Walderdbeeren, in Kombination mit einer erdigen Parfumnote ergibt das eine hochfeine Komposition, dazu trägt sicherlich auch der Ausbau im großen Holzfaß bei, viel Noblesse, am Gaumen schlank, die Säure dominiert, zeigt eine wundervollene Harmonie, mittellang und fein ausklingend, sehr ansprechender Wein, als Aperitif perfekt, trocken, aber nicht (zu) kochentrocken, gleichermaßen sommer & wintertauglich, **(*)/***

Gratulation an die deutschen Kollegen - nach einem solch feinen Vertreter habe ich im Vorjahr in heimischen Gefilden vergeblich Ausschau gehalten!
Liebe österreichischen Weinbauern - bzgl. heimischen Rosé gibt bei mir immer noch eine Scharte auszuwetzen, wer liefert mir den Gegenbeweis in Form eines Tipps? Oder noch besser in Form einer Flasche?

(3) Dialog

Wie schlägt sich nun der Wein zu den beiden Fischaustrichen?
Eigentlich ganz wacker! Die feine Struktur des Rosés geht zwar bei den doch ziemlich üppigen Aufstrichen verloren, doch die Harmonie und Frische bleibt wunderbar erhalten und es gibt keine Spur von disharmonischen Anklängen! Zum Lachsaufstrich zeigt sich der Wein noch einen Tick besser balanciert als zur Thunfischvariante.
Ehrlicherweise muß ich anmerken, daß ein mehr vom Gerbstoff der Rotweintraube geprägter Rosé - zB. aus der Provence oder aus Spanien vielleicht noch besser reussiert hätte - allein der Wein für sich war schon ein Gedicht, sodaß ich auch so mehr als zufrieden bin!

(4) Epilog

Ein wenig neugierig hat mich das Thema allemal gemacht, sodaß ich zur heurigen Grillsaison einmal einen echten Roten zum Fisch probieren werde, wahrscheinlich einen Pinot Noir oder St. Laurent. Erfahrungsbericht folgt!

Dienstag, 9. September 2008

Heimischer Rosé - der allerletzte Versuch!

Ich schätze Martin Nigls Weine - vor allem seine Grünen Veltliner. Schon die beiden Basisweine - Gärtling & Kremser Freiheit - besitzen Finesse und etwas mehr als nur eine glockenklare Fruchttiefe. Seinen beiden Weine Senftenberger Piri und Privat sind Stammgäste in meinem Keller.
Die Latte für seinen Rosé aus der Zweigelt-Traube lag also naturgemäß nicht am untersten Limit.

Nigl, Zweigelt Rosé 2007, Kremstal, ein Sommer-Rosé-Leichtgewicht mit 11,5% Vol., eine kräftig dunkles Farbe, im Glas springt dir dann das Fruchtzuckerl entgegen, flüssiger Kaugummi in Reinstform, am Gaumen kurz zart mollig - da dachte ich schon, aha, Rosé mit zarter Restsüsse, das passt zu diesem Auftakt, warum auch nicht - aber noch bevor ich den Satz im Geiste zu Ende sprechen konnte, hat mich schon die Trockenheit des Weins und die Gummibärliaromatik eingeholt - Uahh. Wenigstens sauber viniviziert, das war's dann aber auch schon! (*)/***

Für einen trockenen Apertif viel zu "chemisch" und jene Wenigen, welche sich mit einen halbsüssen Rosé anfreunden können, werden durch den trockenen Abgang vor den Kopf gestossen.

Eins ist somit klar.
Die österreichischen WinzerInnen haben's rosémäßig verbockt. Kein einziger Wein konnte (mich) überzeugen, kein einziger Versuch auch nur qualitativ annähernd in der Nähe der bisher probierten Rosés aus Südfrankreich, Spanien und der Toskana. Das war der letzte österreichische Rosé für lange Zeit - Schade eigentlich!

Bldnachweis: Weingut Nigl

Freitag, 25. Juli 2008

"Heimat"-Rosé

Mit dem Begriff der Heimat nehm' ich es nicht so genau. Heimat ist bei mir immer dort, wo ich mich wohl' fühle und mir Vertrautes und vertraute Menschen widerfährt / widerfahren.
Die Heimat des Rosés ist aber unbestritten die Provence und aus dieser kommt auch mein nächster 2007er-Rosé dieses Sommers - aus einem Landstrich mit mehreren wunderschönen Gebirgsmassiven (Massif de la Ste-Baume bzw. Montagne Ste-Victoire) und herrlicher, roter Erde!

Mas de Cadenet 2007, Sainte Victoire, Côtes de Provence, ein Roséton zwischen Lachs und Zwiebelschale, in der Nase fruchtige Anklänge, Erdbeere (das scheint ohnehin allen Rosés zueigen zu sein), zart würzige Aromen der Garrique (ja!), wunderbar saftig und süffig, leicht süßlich am Gaumen, zart herb und trocken und mit feiner Säure im Abgang gesegnet, alles harmonisch, charmant von Anfang bis Ende, der gurgelt so richtig die Kehle runter und schwups die wups ist dann die Flasche schon fast leer ;-) - feiner Sommerspaß mit passenden 12.5% Vol. um unter €9, **/***

Machte eine recht passable Figur als Aperitif, zu Penne mit Gemüsesugo und Rucolasalat und zum Thunfischtramezzini.

Das Bild zeigt eine attraktive Flasche mit Bikinifigur unter mittäglich gleißendem Blau des provencalischen Himmels ;-)

Montag, 7. Juli 2008

Rosé, der erste Flop?

Ja ich gesteh's - ich bin richtiggehend süchtig nach dem rosaroten Stoff. Rosé-trinken macht mich glücklich. Wenn die Sonne scheint und ich im Garten neben dem blühenden Oleanderstrauch dem Plätschern des Wasserspiels lausche, dann ist Rosé-Zeit.

Meine bisher genossenenen Rosaroten wussten (bis auf einen)(und dank meiner rigorosen Selektion) ausnahmslos zu überzeugen und so freute ich mich auch auf diese Empfehlung des (deutschen) Weinhändler meines Vertrauens.

Im Gegensatz zu den bisherigen Weinen aus Ganztraubenpressung ist dieser hier diesmal ein "ausgebluteter" Rosé (Saignée) der Chateauneuf-du-Pape-Trauben des Weinguts, hautsächlich aus Grenache mit ein wenig Syrah.

Domaine Charvin, Rosé 2006, Chateauneuf du Pape, Côtes du Rhône, kräftiges Zwiebelschale mit Pinkeinschlag, anfangs Assoziationen an Anis (Pastis), dann aber wieder die Rosékerbe einschlagend, feine Würze, am Gaumen dann aber eher rustikal, ja fast bäuerlich, sehr mild in der Säure, wirkt für mich fast plump und konturlos.

Es kommt wie es kommen musste, nach so vielen tollen Rosés war es praktisch nur eine Frage der Zeit, bis einmal etwas dabei ist, was mir so gar nicht zusagt.

Doch welch ein wundersamer Wandel am zweiten Tag, da kommt viel Würze ins Glas, ja das hat definitiv viel von einem Rotwein, das brauch Luft, feine Gerbstoffe geben dem Wein Kontur, daher stört auch die milde Säure nicht, wirkt dabei immer ehrlich und authentisch, ungekünstelt, ein Rosé für die Karaffe, wenn die Sonne schon untergegangen ist, aber die Hitze des Tages noch zu verspüren ist. Einziger Wermutstropfen (und ev. die direkte Folge der Saignée-Methode) ist der mit 13.5% Vol. (zu) hohe Alkoholgehalt.

Jaja, wieder einmal zeigt sich, daß seriöser Wein jedweglichen Couleurs (seine) Zeit zum Scheinen braucht, so eben auch dieser. Löblich zu erwähnen: der Schrauber! (Noch) keine Selbstverständlichkeit - nicht für Jahrgang 2006 und schon gar nicht für den Landstrich Europas, aus dem dieser Wein stammt.

Ein Flop? Definitiv nicht! Der muß erst noch kommen.

Freitag, 27. Juni 2008

Die (bisherige) Referenz in Rosé

Château de Roquefort, Rosé Corail 2006, Côtes de Provence, das herrlichste Pink im Glas, feine, leicht "zuckrige" Nase, von gut würziger Statur, da ist viel von den roten Rebsorten Grenache, Syrah, Cinsault, Carignan, Rolle und Clairette zu merken - allesamt aus biodynamischem Anbau stammend, sehr fokussiert, gute Säure, rinnt mit einer angenehmen Seidigkeit über den Gaumen, seriöser Rosé und doch mit einer wundervollen Leichtigkeit behaftet, Provencewein wie er besser nicht sein kann - spannungsgeladen (man merkt's am Bild ;-), bringt mich in Urlaubsstimmung. Einziger Wermutstropfen: die Flasche war leider viel zu schnell geleert! **(*)/***

Ich bin gespannt, ob der Nachfolgejahrgang diese hohe Niveau zu halten imstande ist. Im übrigen hat der 2007er Wein eine neue, wirklich ansprechende, weil dynamische Etikette verpasst bekommen. Um die alte ist nicht wirklich schade. Etwas mehr Informationen zu Château de Roquefort gibt's beim Weinversand.
Stay tuned.

Samstag, 24. Mai 2008

Rosato im Doppelpack

Die bisherigen Roséweine wußten eigentlich alle zu gefallen - mal sehen, ob das Gesetz der Serie auch bei den beiden toskanesischen Gültigkeit beweist ;-)

Castello di Ama, Rosato 2006 (Sangiovese), Toskana, lt. Beschreibung einer österreichischen Weinhandelskette "der heimliche Star des Weinguts".
Dunkles Rosé, (endlich mal) Würze und Frucht halten sich vorbildlich die Waage, blitzsauber, angenehme Säurestruktur trotz teilweisem malokatischen Säureabbau, schöner Sommer-Terassenspaß, nicht zuviel versprochen
, *(*)/***

Badia a Coltibuono, Cetamura 2006, Toskana, die Farbe hat eigentlich schon mehr vom Rotwein als vom Rosé, zart süßliche Nase, kräuterwürzig (ja!), korrespondierend am Gaumen, leicht herb, knochentrocken im Finish, eher kurz, die Herbheit bleibt, ein perfekter Starter mit zivilen 12 Vol. % in der sommerlichen (Nachmittags)Hitze, auch dieser Rosé weiß zu gefallen, *(*)/***

Hip-Hip-Hurra, weiter so :-) und auf geht's zu den 2007er Vertretern der Rosés!

Bildnachweis: Castello die Amo & Badia a Coltibuono

Donnerstag, 22. Mai 2008

Peter Lehmann "Martini Rose" retasted

Daß Peter Lehmanns Wildcard Rosé nicht gerade mein Fall war, habe ich ja schon im letzten Posting kundgetan.
Daß sich Dinge des öfteren durch bloßes Zuwarten zum Positiven wenden, ist auch kein Geheimnis. Auch nicht die Tatsache, daß heutzutage die Wenigsten noch Zeit & Muße haben, zuzuwarten. Beim Wein schon gar nicht!
Daß aber gerade Weine manchmal durch Oxydation erst genießbar wird, durfte ich bei diesem Rosé erfahren - wie schon einmal bei einem Südafrikaner, der seine Bitternis erst nach einer Woche verlor, oder einen Südwestfranzosen, welcher erst nach einer Woche in der Karaffe ob seiner monströsen Gerbstoffe zum Zungenschmeichler mutierte, oder dem Elsässer Riesling, der seinen extremen Petrolmantel erst nach 5 Tagen abwarf - und so präsentiert sich der

Wildcard Rosé jetzt mit schön süßer Pikanz, auch wird die Rebsorte (Cabernet Sauvignon) erriechbar, zarte Cassisnoten mit leichter Würzigkeit, hat definitiv mehr von einem Roten als von einem Weißwein (und so soll's auch sein), angenehme Säurestruktur, wirkt balanciert und hat nichts mehr von seiner "aufgesetzten Künstlichkeit", ein mehr als passabler Trinkwein, da muß ich beim Griff in die Bewertungskiste nicht lange überlegen, *(*)-**/***

Freitag, 16. Mai 2008

Martini-Freaks - hier ist euer Sommertraum!

Auf geht's zur nächsten Runde Rosé, diesmal mit einem Vertreter eines neuen Landes und Kontinents - Australien! Ob ich mir einen (natürlich produzierten) erfrischenden und zugleich anspruchsvollen Sommerrosé erwarten darf? Ich bin skeptisch.

Peter Lehmann, Wildcard Rosé 2006 aus Cabernet Sauvignon Trauben, Australien, 12.5 Vol.%, also bei diesem Wein farblich von Rosé zu sprechen wäre eine glatte Untertreibung, das ist schon kräftiger Rotstich - Fuchsia Pink lt. Lehmann Homepage?! In der Nase sehr intensive, aber aufgesetzte Fruchtaromatik, am Gaumen dann eine sich explosiv ausbreitende Süsse, anfangs wow! dann gleich uuah!, mollig rund mit einer sehr zarten Säure (da habe ich mir eigentlich viel mehr erwart), im Abgang dann Wermuth-ähnliche Stilistik, unkomplizierter Spaßwein, der mich aber, obwohl nicht schlecht gemacht, aufgrund meiner persönlichen Präferenzen vor dem 2. Glas höflich, jedoch bestimmt no-thank-you sagen läßt.

Wer Freunde hat, die Martini Bianco mögen - und schon immer einen Flascherl gesucht hat um sie zum zum Weintrinken zu animieren, der möge seine Suche für beendet erklären! Hier ist er, der ultimative Sommerwein für Martini-Liebhaber, aber Hände-weg für Freunde einer herb-fruchtigen und knackigen Weinstilistik, (*)/***

Bildnachweis: Peter Lehmann

Samstag, 10. Mai 2008

Weinrallye #11 - Ganz in Rosa

"..Niko liebt das Zeug.." und da kann ich Nikos Weinwelten als Gastgeber dieser Weinrallye nur zustimmen :-)
Meine bisheriger Erfahrungen mir Rosé (1 | 2 | 3 | 4) waren bisher alle recht positiv - auch wenn ich eingestehen muß, daß dies meistens hübsche Südfranzösinnen waren (beschwingt leicht und doch mit dieser besonderen, charaktervollen Note!) und ich mich daher mit Nikos Vorgabe in heimischen Gefilden zu verweilen, so gar nicht anfreunden konnte!

Aber was macht denn eigentlich (für mich) einen guten Rosé aus?
  1. Farbe:
    Mehr als jeder andere Wein lebt der Rosé von seiner Farbe. So ein Farbtupfen im Glas an einem sonnendurchfluteten Tag, das hat schon was - und es ist Balsam für meine Seele, micht mit den Lichtreflexion im Glas zu spielen. Nebenbei macht einem dieses Spiel den Mund ziemlich wassrig äh weinig ;-) ganz zu schweigen von den herrlichen Farbnuancen, welche Rosé zu bieten hat, Genuß für ALLE Sinne!
  2. Nase:
    Wie wie für jeden Wein gilt auch für den Rosé: fade Nase - fader Wein!
  3. Struktur:
    Damit mein ich Struktur aus Elementen der roten Rebsorten - und das kann ja nur das sein, was der weißen Traube gänzlich fehlt, nämlich Gerbstoffe! Nicht im Überschwang, aber merkbar sollen sie schon sein.
  4. Säure:
    Naja, das ist nun nicht wirklich Rosé-spezifisch, aber unumgänglich für jede Art von Wein. Säure ist die Seele des Weins und ist daher beim Rosé ebenso von Nöten wie bei einem knackigen Weißwein.
Bei den heimischen Vertretern fehlt's mir meistens an der Struktur, entweder zu flach, zu brav oder zu sauer, ohne eigenen Charakter und von Würze ohnehin keine Spur - Weine, die versuchen, everybodys darling zu sein - was naturgemäß für anspruchsvolle Weinkonsumenten nicht befriedigend sein kann.
Dabei hat Österreich mit dem Schilcher aus der Blauen Wildbacher-Traube einen höchst vergnüglich und universellen Rosé! Und wenngleich dieser Wein auch noch immer zu unrecht obgleich seiner forschen Säure für viele Gaumen gewöhnungsbedürftig bleibt - obwohl diese inzwischen international übliche Werte angenommen haben - gibt's doch wenige Weine, welche zu einer guten (steirischen) Jause auf der sommerlichen Terasse mehr Spaß machen!

Für die Rallye habe ich einen Schilcher aus dem Supermarkt aus der Südsteiermark erstanden, also nicht aus dem klassischem Schilcherland um Stainz, den das ist die Weststeiermark.Weingut Strauss, Schilcher Classic 2007, Gamlitz, kräftiger Rotstich, schon die Nase vermittelt einen herben Grundton, zarte Erdbeernuancen, rote Früchte, mit viel Fokus, hat durchaus Gewicht, mit rassiger, aber zivilisierte Säure im Abgang ausklingend, blitzsauber, *(*)/***

Im übrigen gibt's einen lesenswerten Bericht über das Schilcherland in der Ausgabe 2 / 2008 der österreichischen Weinzeitschrift vinaria - für die Region Schilcherland gibt's als Startpunkt auch eine eigene Website.

Für die Rallye wär es aber doch schön einen Vergleich zu haben und so fiel die Wahl beim Weinfachändler um's Eck noch auf einen "klassischen" Rosé eines renommierten Winzers:

Fred Loimer, Rosé (vom Zweigelt) 2007, Kamptal, Nomen est Omen für diesen Wein, denn sein Farbe entspricht genau seinem Namen, Rosa pur, in der Nase Erdbeeren, Automatenkaugummi (jaja, genau die runden und bunten Kugeln, an denen die Kids manchmal noch immer so schwer vorbeikommen), lebendig mit knackiger Säure, stimmig, im Abgang finden sich dann doch ein paar zarte Gerbstoffe, unkompliziertes Trinkvergnügen auf einer handwerklich soliden Basis, *(*)/***

Konklusio?
Loimers Rosé hat meine Erwartungshaltung gegenüber österreichischen Roséweine wiederum gefestigt:
Zu gut, um nicht getrunken zu werden, aber mit zuwenig eigenem Charakter um im Langzeitgedächnis zu bleiben, für eine lustige Runde unter Freunden gerade recht.
Zur Jause würde ich aber zum Schilcher greifen, der durch seine "strengere" Art und fokussiertere Säure an einem heißen Tag für mich einfach das passerenden Gegengewicht abgibt. So findet sich eben für jeden das Passende :-)

Und: Der südfranzösische Rosé! Er lebe hoch!

Dienstag, 25. September 2007

Rosé, die Dritte!

Die herrlichen Temperaturen nutzt man, in dem man seine 2005er-Bestände an Rosé leert. Wieso gerade 2005? Nun, da wir ja ausschließlich seriösen Rosé im Keller liegen haben, gönnen wir diesem auch die notwendige Zeit für vollendeten Gaumengenuß, umsomehr, als unser Exemplar diesmal ein Bio-Wein ist. ;-).

Le Chemins de Bassac, "i s a" Vin de Pays Côtes de Thongue 2005, Languedoc, diesmal in der Farbe Lachs pur, von der Grenache geprägte, leicht herbe, fein-kräuterwürzige Töne, dabei nervig und lebendig am Gaumen, aus einem Guß, der idealer Partner zur Tapenade mit Paramesan, da die Herbheit der schwarzen Oliven diesem Wein leicht süßliche Töne entlocken, **/*** (€7), vierter Rose (im dritten Rosé-Blogbeitrag!), vierte Empfehlung!

Dienstag, 18. September 2007

Summer is back!

Wie habe ich dieses Wochenende die wärmende Sonnenstrahlen genossen. Freitags, am fortgeschrittenen Nachmittag, da habe ich mich gefühlt wie im "steirischen Herbst", wenn einem die letzten Sonnenstrahlen hold sind :-) und da habe ich dann auch gewußt, daß die Zeit nun endlich reif ist für die Flasche Gewürztraminer Selection 2002 lieblich (yes!) von Gießauf-Nell aus der Südoststeiermark, welche ich über die Jahre von einem Regal ins nächste geschoben habe. Meine spärlichen Bestände an Weinen dieser Art werden ohnehin immer Opfer von Renates (zugegebenermaßen köstlichen) Traminer-Sabayon. Also flugs einen Sessel geschnappt und den Rüssel in das Glas gehängt. Was mich da an Genuß erreicht hat, dem wird man mit Worten nicht gerecht: expressive Nase, aromatisch und doch fragil zugleich, parfumiert, komplex, rinnt den Gaumen so seidig, cremig und dicht hinunter, der Restzucker perfekt eingebunden, harmonisch von vorne bis hinten, glänzt mit einem fast endlosen Abgang, das ist der Stoff von dem ich (zum Glück nicht nur) träume, welch ein Genuß, ***/***

Vino de la Tierra des Castilla, Canditato Rosado 2005, 100% Tempranillo, welch eine faszinierende und intensive Farbe! - für einen Rose kann man da fast schon von Dunkelrot sprechen, das Ganze bricht in Verbindung mit den Sonnenstrahlen ergibt ein faszinierends Lichtspiel, das man darob schon fast auf's Trinken vergißt, Erdbeeren und Himbeeren in der Nase, leicht mollig am Anfang am Gaumen, dabei immer fokusiert, in Balance und knochentrocken ausklingend, eine Überraschung! Nicht umsonst sagt das Rückenetikett: a wine to be taken seriously! Dem ist nichts hinzuzufügen, **/***

Meinklang (Michelits), Grauburgunder "Graupert" 2006, Neusiedlersee, aus einem wilden Rebstock, der ungehindert wachsen darf (Bilder auf der Homepage unter "Wilder Wein"), Biodynamisch in Reinform, schon beim Riechen fließt der Wein so ruhig und durchströmt meinen ganzen Riechkolben, ein Wein, der sofort "entschleunigt", helle Anklänge, souverän am Gaumen, kraftvoll, dabei wirkt dieser Wein niemals schwer, findet bei allen Verkostern spontan Zustimmung, eine warme Empfehlung, völlig zu Recht war der Vorgängerjahrgang Gewinner der falstaff-Burgunderthrophy! Höchstnote ***/***.

KG St. Magdalener, Lagrein Dunkel "Taber" DOC Riserva 2001, Südtirol, gute Röstung, warme Noten, noch reichlich Frucht vorhanden, schöne Struktur mit Dialog von Gerbstoffen und Säure, easy to drink, die Sortentypizität ist IMHO allerdings nur schwer erkennbar, nichtsdestotrotz ein schöner ein Abschluß des Wochenendes und harmonscher Wein zur (dominikanischen) Zigarre, **/***

Montag, 6. August 2007

Rosé, die nächste!

Rosé Roc d'Anglade 2006 setzt die Referenz im bisherigen Rosé-Sommer(himmelblau :-), alleine schon die strahlende Lachsfarbe in der durchsichtigen Flasche läßt mir das Wasser im Munde zusammen laufen, in der Nase dann eine kühle, herbe Frische, Noten von Himbeeren und Walderdbeeren, knochentrocken und doch saftig zugleich, Würze, macht sogleich sogleich Lust auf den nächsten Schluck. Mit über €10 nicht günstig, aber seinen Preis wert. Bezug bei K&U.
Im Keller warten noch einen Tempranillo-Rose und auch ein 2006er Rosato von Castello die Ama , so watch out!

Freitag, 3. August 2007

Rosé (und Pizza!)

Heisse Tage sind ja förmlich prädestiniert für Rose-Weine. Ich find sie als bessere, weil geschmacksintensivere, Alternative zu Welschriesling oder Weinen der Kategrorie Steinfeder und bzgl. Alkohol spielen die Rose allemal in der gleichen, nämlich gemäßigten Liga.
Rose ist wieder im Kommen und das ist gut so. Rose, das hat was mit Urlaub in Südfrankreich zu tun, mit heißen Tagen samt lauem Lüfterl, lokalen mittäglichen Fischspezialitäten auf der Terrasse und der kräuterwürzigen Garrique.
Aus Österreich kann mich nur an zwei Roses erinnern, an einen herrlichen "Gleichgepressten" vom Cabernet Sauvignon von Lenz Moser (aus einem Jahr, aus dem diese urtypisch österreichische Rebsorte wieder einmal voll ausreifen konnte ;-) und einem in diversen Zeitschriften hochgelobten, für mich aber übersäuerten und faden 2005er Pink Bliss vom Winzerhaus Marienberg, Mad.

Gestern habe ich mir eine ziemlich scharfe (mit frischem Chilli) zubereitete Salami-Pizza reingezogen. Gusta habe ich immer auf einen frischen, eher säurebetonten Wein dazu, Grüner Veltliner kommt mit milderen Versionen der Salami-Pizza ganz gut, mit Schärfe i.A. aber schlecht zurecht. Also hab ich den Rose aus der Provence dazu probiert und ja, nicht nur die Schärfe steckte dieser Weg (was für knochentrockene Weine eher ungewöhnlich ist), nein, es entwickelt sich eine richtiggehende Harmonie und an der Frische mangelt es auch nicht. Der Wein? Ein 2005er Les Elegantes der Vigneron du Mont Sainte Victoire, Cotes de Provence. Aus dem Supermartktregal!