- Weingut Steffens-Keß, Riesling Burger Hahneschrittchen 2009, Mosel, helles Strohgelb, verhaltene, jedoch vielschichtige Nase, grüner Apfel, dann dezente Zuckerschoten im Hintergrund, ein wenig exotische Noten, wirkt sehr insgesamt sehr reif, sogar ein wenig Tabakwürze ist auszumachen, fein herb unterlegt, zeigt sich sehr saftig am Gaumen, für 11.5% Vol. gute Struktur, mit viel Trinkanimo ausgestattet, dabei immer glockenklar und fast messerscharfem Säurenerv, feiner Zitrustouch im Abgang, wunderbar als Aperitif, macht aber durch seine lebendige Säure auch als "Wein danach" eine gute Figur, **/***
- Josef Schmid, Grüner Veltliner Alte Reben Priorissa 2004, Kremstal, SALON 2007-Wein, helles Gold, intensiv reife Nase nach gelben Früchten, weich gehaltvolles Mundgefühl, harmonische Säurestruktur, ein guter Speisenbegleiter, *(*)/***
- Walter Buchegger, Riesling Tiefenthal 2006, Kremstal, sattes Strohgelb, holla, da springt einem gleich einmal die Feuersteinmineralik aus dem Glas an, knisternd vor innerer Spannung, zwischendurch gibt's Gelbfruchtaromatik, Birne, Mango, aber auch ein wenig Marille, zieht auch im Mund in einem Guß durch, cremige Anklänge weichen sofort einer messerscharfen, nervigen Säurestruktur, aber alles in harmonischer Balance, am dritten Tag richtiggehend saftig am Gaumen, Gesteinsnoten, prägnanter Nachgeschmack, hoho, das ist ein teutonischer Riesling im Österreichformat, einige heimische Winzer können's also doch, Respekt, Respekt Herr Buchegger, aber eigentlich wundert es mich nicht, lieb' ich doch auch auch die Moosburgerin, sowie die "grünen" aus der Lage Gebling bzw. Pfarrweingarten, **-**(*)/***
- Podere 414, Morellino di Scansano, 2008, Toskana, mitteldichtes, jugendliches Rubinrot, eine äußerst attraktive und vor allem vielschichtige Nase, Kakao, schokoladige Noten gehen einher mit feiner Würze und einer tollen Balsamik, Teer, insgesamt eine sehr kühle Nase mit Anklängen an Eukalyptus und Minze, im Mundgefühl noch nicht ganz die Harmonie aufweisend, wirkt noch etwas ruppig mit kräftiger Gerbstoffstruktur, braucht derzeit unbedingt die Karaffe zur Belüftung, baut einen guten Druck im Mund auf, kann im Abgang aber den "Cool Climate"-Anspruch nicht ganz halten, in Summe mit vielversprechenden Anlagen, trinkt sich mit ausreichender Belüftung jetzt bereits sehr angenehm und wird sich in den kommenden 2-3 Jahren zu einem richtigen Winner harmonisieren, sicherlich einer der besten Italiener aus dieser Region, die ich jemals getrunken habe, **-**(*)/***
- Winzerhof Sigl, Grüner Veltliner Smaragd Ried Steiger 2008, Rossatz, Wachau, kräftiges Goldgelb deutet auf eine bereits fortgeschrittene Reife hin, korrespondierende Nase, appetitliche Frucht, Würze und auch mineralische Noten, am Gaumen dann straffer, jugendlicher, Säurestruktur mit Biss, balanciert, durchaus mit Charme, jetzt mit schönem Genußfaktor zu trinken, aber auch hier das "Phänomen" einiger Wachauer Winzer, daß ich diesem Wein kein Lagerpotential zutraue, obwohl ich dies von einem Wein der höchsten Qualitätsstufe natürlich erwarte, *(*)-**/***
- Santa Digna, Torres, Cabernet Sauvignon Rosé Reserva 2008, Chile, die bisher verkosteten Rosé-Exemplare glänzten nicht gerade, üppig, schwer, alkoholreich und allesamt etwas fad, diesmal aber war alles ganz anders:
eine satte Farbe zwischen Kirsch- & Himbeerrot, die Nase wie ein Himbeer-Kracherl von Keli (1|2), intensiv, strömend, harmonisch, auch Noten von Erdbeere und reifer Zwetschke, saftig süße Stilistik ist der Trinkanimo förderlich, wirkt aus einem Guß, blitzsauber vinifiziert, lecker, lecker, lecker, einziger Wehrmutstropfen ist der mit 14% Vol. doch hohe Alkohollevel. Macht nichts, dann eben nicht als Aperitif, sondern gleich als Speisenbegleiter oder hinten nach! **/*** - Weingut Aigner, Chardonnay 2008, Kremstal, strohgelb, wirkt anfangs sehr reduktiv, aber mit einer kräftigen Nase, Grapefruit & Zitrusfrucht, am zweiten Tag dann etwas vegetabil und gemüsig, Sellerie und Spargel, gute Balance, feiner Säurebiß, erzeugt einen feinen Druck am Gaumen, Zitrusnoten im Abgang, macht (jetzt noch immer) Spaß, *(*)/***
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Dienstag, 12. Oktober 2010
Monatsweinliste
Ja, ich war schlampig über die letzten Monate mit der Aufzeichnung meiner Kostnotizen. Na und? Hat schließlich auch was Gutes! So genieße ich die Freiheit, einmal eine Flasche Wein einfach hinunterzugurgeln, ohne diese akribisch unter die Lupe zu nehmen. Das gilt für schlechte wie für gute Weine gleichermaßen. An ersten hat ohnehin keiner Interesse und letztere können so schnell verschwunden sein, daß einem für eine Notiz gar keine Zeit mehr bleibt.. ;-)
Samstag, 12. Juni 2010
Genußvolle März-, Aprilweine & Maiweine
Die letzten 3 Monate fanden sich wahrlich ein paar ganz besonders angenehme Tropfen im Weinglas wieder, insbesonders auch aus der Rebsorte Riesling. Das freut mich umso mehr - und nehme es als Belohnung meines Gaumens - da ich doch 15 Jahre meines Weinlebens "verbraucht" habe, um mir diese Weinvarietät schmackhaft zu machen.. :-)
- Heymann-Löwenstein, Riesling "Vom blauen Schiefer" 2004, Mosel, feinstes Goldgelb, anfangs etwas Petrol und nasser Stein, öffnet sich dann zu einem breiten Spannungsbogen zwischen mineralischen Noten, Gesteinsmehl und balancierter Exotik, von keiner Komponente zuviel oder zuwenig, ein wundervoll balanciertes Exemplar von Wein, hedonistisch mit temporärer Üppigkeit am Gaumen und nervigem Säurespiel im Ausklang, seidig rinnt jeder Schluck die Kehle hinunter, so genußvoll mit allen Sinnen, da wird jede Punktebewertung zur Farce, bravo!
- Ansgar Clüsserath, Riesling Spätlese 2002, Trittenheim, Mosel, klares Goldgelb, etwas phenolisch, reife Rieslingnase, in der Nase ein feiner Süß-Sauer-Dialog, zart zitrusfruchtig am Gaumen, die Säure steht über der Restsüsse, nicht unharmonisch, aber noch keine kompakte Einheit, dafür mit schönem, feinziselierten, zitrussaurem Nachgeschmack, mittelang, *(*)/***
- Ansgar Clüsserath, Riesling Steinreich 2006, Trittenheim, Mosel, helles Goldgelb, reife, gelbe Früchte, Pfirsich- & Marillennoten, fließt saftig über die Zunge und dann im Abgang eine ungeheure pointierte Note zu entwickeln, schlank und mit nerviger Säure gesegnet hat der Wein mit seinen mineralischen Noten hintennach einen feinen Spannungsbogen mit Überraschung zu bieten, ein reeller, unaufdringlicher Wein mit Anspruch, *(*)-**/***
- Schloß Lieser, Riesling (feinherb) 2008, Mosel, blasses Strohgelb, diffizile Nase, nicht wirklich fruchtig, nicht mineralisch und nicht balsamisch, ein wenig saure Drops, die Süße gut schmeckbar, aber noch keine rechte Verbindung mit der Säure zeigend, trotzdem in Summe harmonisch, im Abgang zart zitronig und gut von einer nervigen Säure dominiert, prinzipiell ich mag ich diese Stilistik mit Restzucker und glaube, daß diese Exemplare aber ein paar Jahre Flaschenreife brauchen um ihr wahres Ich zu zeigen, im derzeitigem Zustand nur */***, aber Potential
- Philipp Wittmann, Riesling trocken K&U-Edition 2007, Rheinhessen, strohgelbe Farbe, reife Fruchtnoten nach gelben Früchten, etwas Zitrus, im nächsten Augenblick feine Mineralik, hat eine erstaunliche Affinität zu einem gutgemachten Grünen Veltliner der mittleren Graduation, saftiger Zungenschmelz, eine trinkanimierende, höchst zivile Säurestruktur, ein feines Exemplar, das sich sich unkompliziert trinken läßt und alles richtig macht, **/***
- Willy Bründlmayer, Riesling Zöbinger Heiligenstein 2005, Kamptal, Strohgelb, animierende und appetitliche Nase, mit phenolischen Anklängen unterlegt, auch florale Noten sind
vorhanden, von deutlicher Mineralik geprägt, frisches Mundgefühl, ein Hauch Zitrus,
wirkt mit seinen 12.5% Vol. dabei animierend und druckvoll mit guter Länge, ein
tolles Exemplar vom Abverkaufsregal, **-**(*)/*** - Luise Freifrau von Racknitz, Riesling 2007, Nahe, ein toller Gaumenwein, einer von jener Sorte, bei der du auf's Analysieren vergißt und dich dem Trinkgenuß hingibst, eine äußerst harmonische Säurestruktur, am Gaumen fast weich, samtig-saftig und animierend, solo mit zartem Zitrustouch und zum Essen ein richtiger Genuß, wieder ein feinee Wein aus einer tollen Weinbauregion! *(*)-**/***
- Weingut Markus Huber, Grüner Veltliner DAC Obere Steigen 2008, Traisental, fette Schlieren im Glas, sattes Goldgelb gibt die ersten Hinweise auf reifes Traubenmaterial, dazu korrespondierende Exotik in der Nase gepaart mit dem berühmten Pfefferl, mineralisch verwoben, am Gaumen fokussiert mit nerviger Säure, druckvoll, eher schlank, macht im Abgang wieder auf und verhilft dem Wein so zu ansprechendem, saftigem Trinkfluß, ein Paradebeispiel österreichischer Velilinerkunst mit feinen 12.5% Vol., **-**(*)/***
- Weingut Markus Huber, Grüner Veltliner Alte Setzen 2006, Traisental, ein Lößveltliner vom Bilderbuch, helles Gold mit einem zarten Grünreflex, viel Würze im Glas, gelbe Früchte, Tabak, Pfeffer, aber auch parfumiert, fast Traminer-like, kräftiger Extrakt sorgt für einen saftigen Stoff, der da hedonistisch über meine Zunge läuft, homogene Struktur, die Säure weich integriert, fast seidig und mittellang ausklingend, ein Wein, von dem ich nach Verhallen des ersten Schluckes sofort den nächsten nehmen muß :-), ein Paradeexemplar zu leicht scharfen Gerichten, **-**(*)/***
- Weingut Hindler, Grüner Veltliner Classic DAC 2007, Schrattenthal, Weinviertel, kräftiges Strohgelb, eine prachtvoll sortentypische Nase, weit geöffnet, aber nicht breit, zeigt Würze, Exotik, am Gaumen straff, fokussiert, trotzdem mit einem fast saftig anmutenden Trinkfluß, deutlich mineralisch geprägt, alles gut balanciert, ein würdiger Sortenvertreter und wiederum Beweis für die Klasse, die das Weinviertel zu liefern im Stande ist, **-**(*)/***
- Weingut Bergmann (Retzer Windmühlenheuriger), Grüner Veltliner DAC 2008, Retz, Weinviertel, blasses Strohgelb, kühle, fokussiert Nase, Stachelbeere, rosa Grapefruit, ungemein vielschichtiges Aromenspektrum, zarte Cassisanklänge, würzig, am Gaumen rund, aus einem Guss, stringenter Wein aus biologisch arbeitendem Betrieb, vielleicht nicht wirklich sortentypisch, aber nichts desto trotz ein feines Exemplar, *(*)-**/***
- Weingut Breitenfelder, Grüner Veltliner Weinviertel DAC 2008, helles Strohgelb, in der Nase ein wenig gemüsig, aber auch Exotik, durchaus vielschichtig, recht zugänglich, einige Würze am Gaumen, zeigt eine gute Harmonie, Zitrus im Abgang, sauber zu trinken, *(*)/***
- Winzer Jassek, Grüner Veltliner DAC 2008, Weinviertel, Strohgelb, etwas Zitrus, florale Aromen, leichtes Pfefferl, am Gaumen schlank, balancierte Säurestruktur, sauberer Sommertrunk, aber auch nicht mehr, */***
- Eric Nicolas, Domaine de Belliviere, Chenin Blanc Vieilles Vignes Eparses 2004, Coteaux du Loir, eine Farbe zwischen Strohgelb & Gold, die typische Chenin Blanc-Nase, wachsig, leichte Honigaromen, Blüten, sehr getragen in der Nase, blitzsauber am Gaumen, geschmeidig und fast saftig, tolle Stilistik, langer Nachgeschmack nach den Eingangs erwähnten Aromen, herrlich anders, für mich herrlich "altmodisch", **/***
- Weingut Kraft, TBA Riesling x Sylvaner 1991, Rust, helle Kaffeefarbe mit am Rand orange-gelbem Einschlag,leicht oxidierter Einschlag, nussige Noten, Orangenzesten, eine feinziselierte Säure ist bereits beim Riechen bemerkbar, am Gaumen dann den ganzen Mundraum auskleidende Extraktbombe, das volle Aromenspektrum ähnlich einem Balsamico Traditionale, vielschichtige Textur, komprimiert und druckvoll, nervige Säurestruktur in in toller Balance mit dem Restzucker, ein geschmackliches Feuerwerk, toller Stoff, unendlicher Abgang läßt die Zunge schnalzen, ein 1/16 Glas reicht für den ganzen Abend, über 2 Wochen genossener, hedonistischer Stoff in einer leider viel zu kleinen Flasche, **(*)/***
- Weingut Draxler, Zweigelt Selektion 2007, Neckenmarkt, Mittelburgenland, mitteldichtes Purpur, eine feinfruchtiges Aromenspiel, rotbeerig, Gewürzanklänge, Marzipannoten, fast schwebend leicht mit deutlich "burgundischem Einschlag", mittelgewichtiger, recht saftiger Gaumen, tolle Fruchtsüße harmonisch, zarte Gerbstoffe im Einklang mit lebendiger Säure, äußerst gelungener Wein, der viel Trinkspaß bietet, *(*)-**/***
- Grenzhof Fiedler, Cabernet Sauvignon 2006, Mörbisch, Neusiedlersee, rubinrot, dunkler Kern, verführerische Nase vom Toasting, ganz im Bordelaiser Stil, Kaffeelikör, roter Paprika, tiefe Würze, schwarzrotes Beerenconfit, gutes Volumen, saftige Stilistik, getragen von einer schönen Säuretextur, daher quicklebendig, mit elegantem Charme, mittellanger Abgang, gute Gerbstofftextur im Nachgeschmack, die erst am zweiten Tag so richtig zum Tragen kommt, blitzsauberer, trinkfreudiger Wein am Anfang seiner Möglichkeiten, **/***
Donnerstag, 4. März 2010
Der Februar
Zuallererst einmal drei Vertreter aus dem heißen österreichischen '03er Jahr..
- Weingut Ehn, Grüner Veltliner Oberer Panzaun 2003, Kamptal, helles Strohgelb, mächtiger Extrakt im Glas, von Anfang an die pure Mineralik, etwas "schwere" Nase mit dezenten Fruchtaromen nach Litschi und Honig, wachsig, weißer Pfeffer, am Gaumen spannungsgeladend, vibrierend und fordernd, ein Pfau, der diesem anfangs so reduktiven Wein (die Hausstilistik!) entstiegen ist, ganz und gar faszinierend, was die Geschwister Ehn da an Qualität aus dem hochgelobten Jahr '03 in die Flasche gezaubert haben, schlank und druckvoll fokussiert im Abgang, bleibt prickelnd und nervig auf der Zunge haftend, ein Wein, der erobert werden möchte und beileibe nicht "eberybodys darling" ist - und trotzdem ein Sieg auf ganzer Linie, Respekt!, **(*)/***
- Weingut Ehn, Grüner Veltliner Harein 2003, Kamptal, ein wenig schmutziges Strohgelb, zeigt im Aromenprofil alle sortentypische Merkmale, reife gelbe Früchte, auch zarte tabakige Noten, insgesamt aber viel verschlossener als der Obere Panzaun, jedoch ebenfalls mit feinem Fokus ausgestattet, mittelgewichtig, harmonische Säure, steckt da vielleicht (mit den Jahren) doch noch mehr drinnen? Ich werd's nicht erfahren, war die letzte Flasche, *(*)-**/***
Im direkten Vergleich der beiden Veltliner im Segment um die €10 gewinnt die Spitzenlage Oberer Panzaun. Hier können die 40jährigen Reben ihr volles Potential ausspielen, wohingegen der Harein erst 1999 neu ausgepflanzt wurde. Bemerkenswert auch, daß bisher alle noch in meinem besitz befindlichen 2003er Weißweine eigentlich eine tolle Performance hatten (Pannobile vom Heinrich, Wachtberg vom Weingut der Stadt Krems, usw.) - Tegernseehof, Famileie Mittelbach, Grüner Veltliner Bergdistel 2003, Wachau, kräftiges Gold, Extrakt, aber auch Säurezacken am Glasrand lasen auf einen spannenden Dialog hoffen, in der Nase zuerst reife Frucht, viel Exotik, zeigt sich beim ersten Schluck in einer harmonischen Verfassung, gesegnet mit einer lebendigen Säurestruktur, nach 10 min im Glas fällt der Wein zusammen, wirkt etwas müde und lustlos, wobei die Säure in feiner Dosierung sehrwohl noch vorhanden ist, aber die Frische fehlt jetzt einfach komplett, ist am Gaumen aber viel vitaler, zu Penne mit dreierlei Käsevariation und viel schwarzem Pfeffer ein angenehmer Speisenbegeleiter, wirkt rund und hat was von der "Altersweisheit", macht Spaß, seine Zeit ist aber gekommen, *(*)/***
- Stift Altenberg, Grüner Veltliner Hohenstein-Limberg 2008, Weinviertel, die von Ewald Gruber betreuten Weingärten des Stifts Altenberg haben den falstaff Chefverkoster Peter Moser zu sensationellen 93 Punkten für diesen Wein um weniger als €9 animiert, ich bin gespannt:
Helles Goldgelb, schöner Extrakt im Glas, die Nase anfangs mostig, Speckbirne, gelbfruchtig, durchsetzt mit mineralischen Noten und Anklängen von Tabak, ein feiner Sortenvertreter der grazilen Art, zeigt sich im Mund von nerviger, aber auch geschmeidigen Seite, recht balancierter, leicht würzig-pfeffrige Komponente am Gaumen, die Mineralik dominiert zu Beginn des Abgangs, der Rest ist dann leider etwas kurz, nichts-desto-trotz eine delikate Trinkstilistik, *(*)/*** - Weingut Christmann, Riesling Gimmeldingen 2007, Pfalz, strohgelb im Glas, prachtvolle Rieslingnase nach Steinobst, die Marille schwebt förmlich, glockenklar, fokussiert, am Gaumen straff, nervige Säure, unheimlich feiner Trinkfluß, zieht in einem durch, toller Stoff, **/***
- Holger Koch, Grauburgunder Holzfassedition 2006, Baden, helles Goldgelb, spontanvergoren, attraktive Nase, am ehesten nach Quitte, viel Extrakt, zeigt enormen Trinkfluß, viel Schmelz am Gaumen, harmonisch, feine Balance, hat gerade die richtige Portion "Vitalität" respektive Säure, blitzsauber, **/***
- Waterford Estate, Sauvignon Blanc 2006, Stellenbosch, Südafrika, Strohgelb, zeigt eine delikate,weil nicht aufdringliche Aromatik, reifer weißer Hollunder, süßlich, würziger Paprika, viel Extrakt im Glas, am Gaumen eher schlank und rassig gehalten, delikater Trinkfluß, knochentrocken, animierende Stilistik, *(*)-**/***
- Casa Lapostolle Merlot Alexander 2006, Rapel Valley, Chile, tiefrote Farbe, schwarzer Kern, so typische, weil aromenintensive "Neue Welt"-Nase, vielschichtige Gewürze, zeigt eine feine Struktur im Mund, hier merkt man richtig den betriebenden Aufwand im Weingut, alles richtig zu machen, wirkt fast zivilisiert für seine 14.5% Vol., erzeugt mächtig Druck am Gaumen, durchaus präsentes Tannin, niemals plump und sehr ansprechend, *(*)-**/***
Dienstag, 2. Februar 2010
Monatsweinliste Jänner
- Weingut Tenuta Kornell, Zeder Cabernet Sauvignon Merlot 2004, Südtirol, erstaunlich junge Farbe, am Rand purpurviolett, der Rest undurchdringlich dunkel, die Nase dann ebenso, verhaltene Dunkelfrucht, die würzigen Aromakomponenten dominieren aber, Bourbonvanille, am Gaumen zeigt sich dieser Wein eher leichtgewichtig, rund und weich, fast belanglos, weder Tannin noch Säure dominieren, bilden aber auch keine erkennbare Geschmackskontur, im Abgang haben die Gerbstoffe dann die Nase vorn, in aber Summe kein Wein, der nachhaltig in Erinnerung bleibt, (*)-*/***
- La Rioja Alta, Vina Ardanza 1996, Rioja, Spanien, Granatrot, deutlich Orangetöne, Wasserrand, hat diese herrlich altmodische, fast "modrige" Note, die ein klassischer Riojas mit seinem jahrelangen Faßausbau mit sich bringt, feine Struktur, Säure und Adstringenz in einem harmonisch Gleichgewicht, die Holznote bleibt deutlich am Gaumen haften und dominiert auch den Abgang, entweder man liebt diese Art der unvergleichlichen Rioja-Stilistik oder aber man wendet sich modernerem Stoff zB. von Artadi zu, für mich paßt's (noch), auch wenn diese Flasche im Rückgeschmack seine Harmonie schon etwas vermissen läßt, *(*)/***
- Weingut Brandl, Riesling Kogelberg 2007, Zöbing, Kamptal, Strohgelb, ist anfangs noch die Zitrusaromatik im Vordergrund, schält sich bald ein fokussiertes, mineralisches Exemplar von Wein heraus, etwas Feuerstein, zeigt viel Spannung auf der Zunge, straff, nervige Säure, zeigt eine geschliffene Eleganz, alles in Balance, feiner Abgang, blitzsauber, macht Spaß und Lust auf die nächsten lauen Sommernächte auf der Terrasse ;-), *(*)-**/***
- Henri Goutorbe, Cuvée Traditione NV Brut, Ay, Champagne, gereiftes Gold, die Perlage schon etwas schwach, das mag wohl auch an den 2-3 Jahren liegen, welche dieses Exemplar bereits im Keller verweilte, aber eine kräftige und attraktive, zart süßliche Nase, am Gaumen korrespondierend viel Extrakt, kleidet den Mund fein aus, wirkt nicht allzu trocken, aus einem Guß, etwas Quitte im Abgang, findet bei den Damen Anklang :-), *(*)/***
- Mazzei, Fonterutoli Chianti Classico DOCG 2003, Toskana, dunkles Rubinrot, eine unglaublich expressive, fast laute Nase, Herzkirsche und Brombeere, saftiger Fruchtgaumen, verschwenderische, die Zunge umhüllende Fruchtsüße, dabei gut gestützt von balanciertem Gerbstoff und ansprechender Säure, insgesamt gut ausgewogen und noch sehr jugendlich, bietet Fülle und Noblesse gleichermaßen, dieser Wein ist immer eine sichere Bank, diese Flasche jedoch war "outstanding", **/***
- Mazzei, Fonterutoli Chianti Classico Riserva DOCG Ser Lapo 2005, Toskana, Rubinrot, verhaltene Aromatik, erdiger und strenger Grundcharakter, etwas Tintenblei, sehr straffes Tanninkorsett, wirkt am Gaumen etwas breit und läßt den Trinkcharme vermissen, nicht direkt schlecht, mehr eintönig und als Essensbegleiter sicherlich besser geeignet denn als Solowein, aber den Vergleich zum vorigen Wein (CC '03) hielt er in keinster Weise stand (bei annähernd gleichem Preis, wenngleich auch anderem Jahrgang), *-*(*)/***
Dienstag, 1. Dezember 2009
Novemberweine
Die themenbezogenen Beiträge werden immer mehr. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die (Länge der) Monatsweinliste. Nicht so wirklich schlimm, war es doch wieder einmal ein Monat mit durchgehend feinen Weinen :-)
- Judith Beck, Pannobile 2005, Neusiedlersee, eine Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent, dunkelrotes Rubin, mittelkräftige, rotfruchtige Nase, auch etwas Brombeere, das Holz doch deutlich wahrnehmbar, läßt aber der Frucht genügend Spielraum, mundfüllende Struktur, aber zivilisiert am Gaumen, sanftes Tannin in Kooperation mit einer feinen Säureunterstützung, herber Grundcharakter, wieder deutliche Barriquenoten, balancierter Abgang, hat (am dritten Tag) gute Stunden, wo der Wein scheint, tendenziell die richtige (burgundische) Richtung, läßt mich aber ob des dominanten Holzbrands, das mein Harmonieempfinden stört, ein wenig zwiespältig zurück, *(*)/***
- Weingut Nigl, Grüner Veltliner Privat 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, in der Nase die bei Weinen solcher Reife üblichen Aromen nach Birne, gelben Früchten, Tabak, der erste Schluck manifestiert sich wie eine Explosion am Gaumen, unglaublich druckvolle Dichte und harmonische Konzentration macht sich auf der Zunge breit, dabei zu jeder Zeit saftig und süffig, ein Hedonistenwein mit langem, zart mineralisch unterlegtem Nachhall, schön zu trinken. Das Einzige was man diesem Wein in der €20-Preisklasse ankreiden könnte ist die mangelnde Komplexität. Aber Angesichts des Offenheit und des wundervollen Trinkflusses ist dies ein Jammern auf hohem Niveau :-) **/***
- Peter Jakob Kühn, Riesling Oestricher Lenchen Spätlese 2002, Rheingau, Goldgelb, komplexe tertiäre Aromen zum Riechen, Petrol in angenehmer Dosis, aber auch viel Honig, Nüsse, ein wenig altmodisch nach antiken Möbeln, den Gaumen gut auskleidend, die Süße steht etwas von der Säure abseits, so gesehen keine wirklich harmonische Einheit, etwas zuckrig im Abgang, dann jedoch mit einer versöhnlichen Balance im Rückgeschmack fein ausklingend, *(*)/***
- Weingut Tscheppe, Morillon vom Pössnitzberg 2006, Südsteiermark, dem Genußportfolio der Gebrüder Polz zugehörig, Strohgelb, eine fein ziselierte Nase, brotig, Zitrusnoten, blitzsauber und unheimlich appetitanregend, frisch im Mund mit korrespondierender Trinkanimo, wird wirklich fein von Zitrus getragen, nervige Säure, leicht herb, balanciert und somit einfach ein perfekter Trinkspaß mit nur 12% Vol., **/***
- Weingut Dr. Heger, Grauburgunder Ihringer Winklerberg Spätlese trocken 2005, Baden, Goldgelb im Glas, braucht ein wenig um seine Reifenoten abzulegen, offenbart eine "straffe" Nase in Verbindung mit gelben Früchten, Birne, geht ins Exotische, zeigt viel Agilität im Mund, gutes Säurekorsett, schlank, fast juvenil, aber extraktreich abgefedert und rund, harmonisch ausklingend, wiederum reife Birnenoten im Abgang, mineralischer Nachgeschmack, bereitet einiges Trinkvergnügen, hat aber am zweiten Tag seine Strahlkraft verloren - also zügig trinken ;-) *(*)-**/***
Verkostungsnotitz zweier badischer 06-Sortenvertreter - Weingut Knoll, Grüner Veltliner Kreutles Smaragd 2007, Wachau, ein fast unnatürlich leuchtendes Goldgelb, fein pikante und intensive Nase, hat Würze, reife Gelbfrucht, Tabak, am Gaumen schön offen, mit Spiel, im Dialog mit einer harmonischen Säure ergeben sich im Nachgeschmack auch mineralische Noten, hat Trinkfluss, ein Wein mit Anspruch und trotzdem "leicht" zu trinken - was will man mehr? Einziger - zugegebener nur gedanklicher - Wermutstropfen: Auf eine längere Haltbarkeit dieses Weines würde ich nicht setzen, **/***, Notiz des 2004er-Weins
Samstag, 3. Oktober 2009
Septemberweinliste
- Weingut Josef Fritz, Roter Veltliner Steinberg 2007, Wagram, strohgelb, hochfeine Nase mit verwobenen Holznuancen, reife Textur, Biskuit, zart nussig, zeigt ein feines Volumen am Gaumen, wirkt aber zu keiner Zeit überladen, cremige Textur, balanciert, etwas breit im Abgang, hat Potential für Jahre, **/***
- Schloß Gobelsburg, Grüner Veltliner Renner 2006, Kamptal, kräftiges Strohgelb im Übergang zum Gold, exotische Noten, allem voran kandierte Ananas, verändert sich mit der Zeit zu reifer Birne, offeriert ein fokussiertes Mundgefühl, im feinen Dialog zwischen weitem Fruchtspiel und gebündelter Mineralik, dichte Textur, fast ein wenig zu trockener Abgang, aber das ist bei diesem wirklich feinen Exemplar nur eine persönliche Anmerkung, gute Länge, **/***
- Weingut Giefing, Pinot Noir Cavallo 2003, Rust, Neusiedlersee-Hügelland, zeigt bereits eine gereifte Farbe Richtung ziegelrot, herrlich verwobene Nase, anfangs gedörrte Früchte, ein wenig Rumtopf, gute Holzintegration, auf seine Grundstrukturen reduziert, für einen Wein aus dem Hitzejahr 2003 recht lebhafte Säure, balsamische Noten, Teer, balancierter Abgang, gelungenes Exemplar, hat für mich jedoch mehr Affinität zu einem klassischen Rioja Riserva als zu Pinot Noir, jedenfalls hochelegant, **-**(*)/***
- Weingut Christ, Weißburgunder "Der Vollmondwein" 2007, Wien, helle, fast "weißlich" durchsichtige Farbe, nur anfangs ein wenig Biskuit, dann übernimmt sofort die Zitrusfrucht das Kommando, harmonisch, mit deutlicher Mineralik am Gaumen (neben der Zitrone!), balanciertes Säurespiel, trinkfreudiger Wein, der in diesem Jahr aber die Sortentypizität vermissen läßt, *(*)-**/***, Verkostungsnotiz 2005
- Maglock-Nagel, Grüner Veltliner Gaisberg 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, anfangs diffuse Nase, welche sich aber mit Luftzufuhr deutlich einem reifen Sortenvertreter annähert, gelbfruchtig und tabakkig, mollig rund am Gaumen mit feinem Süssecharme, in Summe recht balanciert, hat sich wacker gehalten, wenn man bedenkt, daß die Weine aus diesem Haus sich immer sehr früh in Trinkform präsentieren und auch der allgemeine Vinifikationsstil reduktiv und fruchtbetont ist, *(*)-**/***
- Weingut Aigner, Grüner Veltliner Weinzierlberg 2007, Krems, helles Strohgelb, sehr "veltlineske" Nase, reife Birne gepaart mit zarter Würze, am Gaumen sehr straff, nervige Säure, zeigt eine sehr schlank Statur, spritziger Terassenwein, sauber und unkompliziert, *-*(*)/***
Sonntag, 6. September 2009
Urlaubs(Juli+ August)-Weinliste
Die Sommeraktion mit -50% einer österreichischen Weinhandelskette ließ mich zu 2 angepriesenen Flaschen um €6 greifen - und eine davon konnte sogar richtig überzeugen :-)
- Château d'Or et de Gueules, Cuvée Classique 2006, Costières de Nîmes, ein junges von der Agrarökonomin Diane de Puymorin geführtes Weingut, jugendliches Violett, brauchte ein paar Stunden um sich zu entfalten und dankt es dann mit Aromen nach Heidelbeeren, würzig unterlegt, saftig, aber auch mit Finesse, mittelgewichtiger Körper, gute Balance, wiederum würziger Abgang, reife Gerbstoffe, easy to drink, aber mit Stil, nicht umsonst mit einer Goldmedaille prämiert, feiner Stoff, wenn der jetzt noch einen Schrauber anstatt dem leidigen Kunststoffkorken hätte.. , **/*** um preiswerte €6
- Cellers Baronina del Monsant, Flor d'Englora 2006, Monsant (Tarragona), Spanien, eine Cuvée aus 2/3 Grenache und 1/3 Carignan mit einem Schuß Merlot und Syrah, mitteldichtes Violett, eher verhaltene Aromatik, fein würzig, etwas rot-schwarze Beeren am Gaumen mittelgewichtig mit Fruchtsüße, eher kühle Noten zeigend, kein Heißsporn, feines Tannin, gewinnt mit Luftzufuhr an Volumen, herb im Abgang, alles in allem balanciert und sauber gemacht, gefällige, moderne Stilistik mit einem guten PLV, *(*)/***
***
- Weingut Weixelbaum, Grüner Veltliner Selection Stephanus DAC 2008, Kamptal, das ist der "Einsteigerveltliner", der mir immer eine Menge Spaß macht, da er in seiner Entwicklung den anderen Weinen des Weinguts immer eine Spur voraus ist; er ist für das Trinken im Jungweinstadium gemacht, kommt somit den (österreichischen) Bedürfnissen zu Gute, frische Apfel- & Zitrusaromen, zeigt sich balanciert, mit gutem Mundgefühl, sauber, unkompliziert und süffig zu trinken, *(*)/***
- Kummer-Schuster, Cuvée Rot vom Heideboden 2006, Neusiedlersee, hat seine Fruchtcharme derzeit etwas beiseite gelegt, wirkt ein wenig spröde, herb, dabei aber mit einer guten Konzentration, zuwarten, befindet sich gerade in der Metamorphose...
- Weingut Aigner, Grüner Veltliner Sandgrube 2008 DAC, Krems, helles Strohgelb mit grünen Reflexen, pointierte Würze, Apfelaromatik, eine unglaubliche mineralische Textur rinnt da über meine Zunge, fast unangenehm intensiv, bei jedem Schluck muß ich mich auf's Neue an diese gebündelte Aromatik einstellen, dieser Wein will bewußt getrunken werden, im Abgang dann überraschend homogen, hat nichts mehr von seiner anfänglichen Schneidigkeit, dafür eine feine Salzigkeit im Abgang, gelungen und um €7 ein wahres Meisterstück, **-**(*)/***
- Stift Göttweig, Grüner Veltliner Gottschelle 2007 DAC Reserve, Kremstal, unter den Fittichen von Fritz Miesbauer vom Weingut der Stadt Krems vinifiziert (siehe auch Weinrallye #12 - In Gottes Namen), sattes Farbspiel Richtung Gold, kräftiges Nasenspiel, üppige Reife, fast zuviel des Guten, Banane, gelbe Früchte, auch Tabak, harmonisiert sich aber mit der Sauerstoffzufuhr, saftige Stilistik, hat einen gewissen hedonistischen Einschlag, vollmundiger Wein und ordentlicher Kraftlackel, *(*)/***
- Walter Buchegger, Grüner Veltliner Pfarrweingarten 2006, Kremstal, strohgelb mit leicht grünem Schimmer, auch grüner Apfel anfangs, dann jedoch sofort die Reife der gelben Früchte, Banane, aber auch zarte Exotik, die Zunge harmonisch cremig umschmeichelnd, mit einem perfekten Säurespiel, am dritten Tag dann fokussiert und dicht, konzentrierte, die Mineralik dominiert, wie immer qualitätsmäßig eine sichere Bank, **/***
Freitag, 3. Juli 2009
Weinmonatsliste Juni
- Werner Achs, Zweigelt Goldberg 2005, Gols, Neusiedlersee, dunkles Purpur, fruchtig, aber nicht vordergründig, unterlegt von tiefer Würze, wunderschön umrahmt vom kaum merkbarem Holz, am Gaumen mittelgewichtig, und doch von fester Struktur, feurig und fokussiert, von erstaunlich erfrischender Leichtigkeit für einen Roten, wunderschöne mineralische und kühle Textur, purer Trinkspaß, von dem man auch gerne ein drittes Glas sich einschenken läßt, eine feine Überraschung - Zweigelt mit Modellcharakter! **(*)/***
- Weingut Ebner-Ebenauer, Weißburgunder 2007, Weinviertel, helles und klares Strohgelb, die Nase wird von einer dominanten (fast schweißtreibender) Zitrusfrucht dominiert, zeigt viel Fett im Glas, der dann auch schön als Mundgefühl erschmeckbar wird, füllig rund, gut gestützt durch ein harmonisches Säurerückrat, trinkanimierend, die Nase wird verwobener, offenbart jedoch keine rebsortentypischen Aromen wie Haselnuß, Biskuit udgl. mehr, gefällt mir trotzdem gut, *(*)-**/***
- Weingut Geyerhof, Grüner Veltliner Steinleiten 2007, Kremstal, Ilse Mazza's Bioweingut war mit diesem Wein im Salon 2008 vertreten, zwischen kräftigem Strohgelb und hellen Goldgelb, ein klassischer Sortenvertreter, viel Gelbfrucht, anfangs auch ein wenig Tabak, mineralische Spannung direkt an der Zungenspitze, mit viel Extrakt volles Volumen, immer balanciert, kein intellektueller, sondern hedonistischer Gaumenwein, mit dem Extra-Bio-Kick, die innere Spannung immer präsent, harmonischer GV, fein, **/***
- Weingut Capaia, Blue Grove Hill 2006, Südafrika, dunkle Farbe mit anfangs intensiven Raucharomen - O-Ton meiner lieben Renate "wie eine aufgelöste Zigarre"- wirkt leichtgewichtig, hell & alkoholisch.
Zwei Tage dauert die Metamorphose, dann notiere ich herrliche Heidelbeeraromatik, rauchig-selchige Noten, aber auch Fruchtkomponenten, die Johannisbeere vom Cabernet ist deutlich im Vordergrund, alles gut verwoben, am Gaumen harmonisch, mittelgewichtig, wirkt fast kühl, sehr balanciert, der Merlot rundet alles ab, mit einer fast schwebend leichten Textur am Gaumen, das ist bei 14% Vol. nun wahrlich eine Meisterleistung, eine Stilistik, die mich unmittelbar gefangen nimmt, trinkfreudig, fein, hat was faszinierendes an sich und wetzt die vor kurzem entstandenen Scharte des Sauvignon Blanc aus, **-**(*)/***
Dienstag, 2. Juni 2009
Mai-Monats-Weine
- Hans & Christine Nittnaus, Nit'ana 2006, Neusiedlersee, Rotweincuvée aus den Sorten Zweigelt, Blaufränkisch. Merlot und Syrah, vinaria-Sieger in der Kategorie Cuvée bis €12, dunkles Rubin mit tiefem Kern, die Brombeer-Fruchtaromatik wird von einer tiefwürzige Nase komplett überdeckt, kräutrig, schwarzer und weißer Pfeffer, sehr fokussiert am Gaumen, zeigt eine gute Struktur mit feinen Gerbstoffen und einer subtilen Säure, zieht fein durch, perfekte, weil dezente und unaufdringliche Holzunterstützung trotz 13 monatigem Ausbau in neuem Alllier-Fässern, balancierter Ausklang, richtiggehend spicy hintennach, wiederum ein super Preis- / Leistungswein mit besten Anlagen für die nächsten 10 Jahre, **/***
Zum Vergleich & Nachlesen die Notizen des 04er-Exemplars - Quinta de la Rosa, Douro Branco 2007, Portugal, klares Strohgelb, in der Nase erstmals merklich Holz, dahinter etwas getrocknete Wiesenkräuter, wirkt frisch am Gaumen (das alleine zeigt schon Klasse), aber auch beliebig. Ohne Zweifel sauber gemacht, wer mit dieser Stilistik - gut integriertes, aber deutliches Holz und Fruchtreduktion - leben kann, der findet hier ein feines Exemplar. Ich bemängle lediglich die fehlende Identität für einen solchen Wein. Auch der (mir unbekannte) Rebsortenmix - vermutlich eine Cuvée aus autochthonen Weißweinrebsorten - geben zuwenig für ein Aha-Erlebnis. Vielleicht auch nur deshalb, weil die portugiesischen Rotweine des Douro diese schon besitzen? */***
Nachtrag: nach geschlagenen 4 Tagen beginnt sich der Wein langsam zu öffnen und zeigt neue Facetten, das Holz ist nun nicht mehr dermaßen präsent, florale Wiesenaromen, die Nase hat Spiel, pikant, würzig, knochentrocken, ein doch irgendwie faszinierender Nasenwein trotz des massiven Holzeinsatzes **/*** - Weingut Karl Alphart, Chardonnay 2006, Thermenregion, Klares Strohgelb, ein üppiger Fruchtkorb von exotischen Noten, ein wenig Honig und Blüten, intensiv strömend, cremig, saftig, rund und balanciert am Gaumen, aus einem Guß, druckvoll, straff, Hedonistenwein mit perfektem Holzeinsatz, so einfach kann herrlicher Weingenuß sein, jedes Jahr immer wieder eine Bank, **/***
- Weingut Alphart, Neuburger Hausberg 2007, Thermenregion, helles Strohgelb, verhalten, Wiesenblumenaromen, Nußbiskuit, braucht ebenfalls 2 Tage um "aufzutauen", zeigt gute Balance, wirkt ein wenig wie ein üppiger Weißburgunder, ist durch seine vornehme Zurückhaltung ein universell verwendbarer Speisenbegleiter zB. zu Spargel mit Sauce Hollandaise. Aber auch zu Gerichten, wo normalerweise eher Bier kredenzt wird wie zB. Wiener Schnitzel, Tafelspitz, usw. macht der Neuburger eine gute Figur. Richtiggehend Spaß macht ein gutes Exemplar aus dieser Rebsorte - eine natürliche Kreuzung aus Rotem Veltliner und Sylvaner - aber erst nach 5 Jahren, da der Neuburger ein hervorragendes Alterungspotential besitzt! *(*)/***
- Heymann-Löwenstein, Riesling Schieferterrassen 2005, Mosel, sattes Goldgelb, im Glas ein höchst interessante Mischung aus nassem Gestein, exotischen Früchten und phenolischen Noten, am Gaumen wie immer herrlich hedonistisch, saftig, besitzt innere Spannung, wird niemals fad am Gaumen, trinkt sich fein, wiederum ein Exemplar das mich lehrt, wie gut die richtige Menge an Petrolnoten zur Komplexität des Weins perfekt beitragen können :-), **/***
Freitag, 1. Mai 2009
Aprilweinliste
- Domaine Reuilly, Sauvignon Blanc Reuilly 2006, Loire, kräftiges Strohgelb, sehr offene Nase, leicht paprizierend, weit, sehr cremig, saftig, ja richtiggehend hedonistisch am Gaumen, aber ohne jemals die Balance zu verlieren, harmonische Säure, läßt durchaus eine Sortentypizität erkennen, wenngleich auch eine viel rundere Sauvignon-Stilistik als die messerscharfen sterischen Vetreter, so macht's Spaß, die vielen Seiten dieser faszinierenden Aromasorte zu erkunden, *(*)/***
- Buitenverwachting, Sauvignon Blanc 2007, Südafrika, blasses Strohgelb, grasiger Typus, Stachelbeere, ein wenig Zitrus, am Gaumen mittelgewichtig, etwas verwässert und mit fehlender Druck, harmonisch, knochentrocken und daher für einen Aperitifschluck gut, lässt aber die oftmals messerscharfe Kontur und expressive Aromatik eines Südafrikaners vermissen, */***
- Gilles Bonnefoy, La Côte Roussie 2005, Roussanne sur Volcan, Loire, aus der wohl (in unseren Breiten) unbekannten Rebsorte Roussanne keltert Gil Bonnefoy eine Köstlichkeit auf vulkanischem Boden, kräftiges Gold im Glas, zuerst verspielte Aromatik, dann Blütenaromen, Parfum, Steinobst, eine bekömmliche Struktur, ja fast Milde zeichnet diesen Wein aus, aber keine Laschheit, im Gegenteil, mit einer inneren Spannung, wie ich sie von einigen anderen Bioweingütern wie zB. Meinklang ebenso kenne, mit einer hochfeinen Mineralik samt harmonischen Säurestruktur ist dieses Exemplar eine Wonne und ein hervorragender Speisenbegeleiter, die fast barocke Gaumenfülle findet ihren Ausklang in einem ziemlich trocken Abgang, **/***
- Weingut Nigl, Gelber Muskateller 2008, Kremstal, ein hellgelbes michiges Weiß, klare traubige Frucht in Einklang mit Zitrusaromatik, am Gaumen schlank, fokussiert und - wie es sich für einen Aperitif-Muskateller gehört - knochentrocken, ein sauberer Terassen-Apetit-Anreger, */***
Donnerstag, 2. April 2009
März
Segura Viudas, Cava Brut Reserve Heredad, die Flasche ist mit ihrer aufwändigen Machart und Verzierung schon eine Klasse für sich, Brut Reserve Heredad ist eine Cuvée aus Macabeo und Parellada, kräftiges Strohgelb, braucht viel Luft, gereifte, volle Stilistik, aber noch mit einer appetitlichen Frische in der Nase behaftet, voll am Gaumen, die Perlage ist etwas verhalten, alles in cremiger Balance mit dem für Cava so typischen herb trockenen Abgang, gut, *(*)/***- Weingut Ebner-Ebenauer, Grüner Veltliner Alte Reben 2007, Weinviertel, aus über 50-jährigen Rebmaterial, sehr blasses Strohgelb, etwas vordergründige, fruchtige Nase, paprizierende Würze, etwas Feuerstein, Mineralik, das Teilbarrique hervorragend integriert, am Gaumen fein, mittelgewichtig, behält immer seine frische Lebendigkeit, hat noch nicht ganz seine Harmonie erreicht, ein angenehmer Wein mit juvenilem Charme, wenngleich auch von den österreichischen Weinmedien aus meiner Sicht etwas überbewertet, da fehlt einfach Druck und Spannungsbogen, *-*(*)/***
- Schlumberger, Sparkling Rosé Vintage Brut 2006, Österreich,der Schlumberger Sparkling ist ein Klassiker der österreichischen Sektkellereien, umso erfreulicher, wenn jetzt auch eine Schwester in Rosé verfügbar ist! Zarte Zwiebelschalenfarbe, fein fruchtige Aromatik, etwas verhaltenes Mousseux, am Gaumen durchaus voll und gut auskleidend, ausgewogen und harmonisch, ohne Ecken und Kanten, rund, nicht allzu zu trocken, sogar einleichtes Süsserl ist vorhanden, bemerkenswert langer Abgang, macht Spaß und erfreut meine Lust nach Rosé, **/***
- Walter Buchegger, Grüner Veltliner Pfarrweingarten 2005, Kremstal, schönes Gold, für einen gereiften Grünen Veltliner so typische Aromen von gelben Früchten und Tabak, sehr weiche Stilistik mit milder Säurestruktur, ein harmonischer Schmeichler mit eher internationaler Stilistik, warmer, mittellanger Abgang, eine Wucht zum lauwarmen Artischockenaufstrich, verleiht dem Wein eine Spannung zwischen Süße und Säure, allerdings hätte ich mir einen deutlicheren stilistischen Unterschied zu Buchegger's Gebling (siehe meine Gebling Vertikale 2004-2007) erwartet, der so nicht eingetreten ist, **/***
- Laurel Glen Vineyard, Reds 2006, Lodi, USA, tiefdunkles Purpur, eigentlich brauch ich nur die Rückenetikette zu zitieren: "Dark, spicey, exotic, opulent, delicious.", wer würzig-saftig-süffige Fruchtbomben mit gutem Gerbstoffgerüst mag wird mit dieser Cuvée sicherlich glücklich! Ich jedenfalls liebe dieses mit 14.5 % Vol behaftete, aber trotzdem so fabelhaft balanciert und zivilisierte Frucht-Würze-Monster! **/***
Sonntag, 1. März 2009
Februarweine
Nun, diesen Monat hab' ich mich einfach dem hedonistischen Trinkspaß hingegeben ohne groß Notizen der Weine zu machen.
Das war richtiggehend angenehm, kann doch die - zugegebenermaßen selbst auferlegte - Aufzeichnungspflicht manchmal ganz schön anstrengen!
Nachfolgende kurze Zusammenfassung also aus meinem Gedächtnis rekapituliert:
Das war richtiggehend angenehm, kann doch die - zugegebenermaßen selbst auferlegte - Aufzeichnungspflicht manchmal ganz schön anstrengen!
Nachfolgende kurze Zusammenfassung also aus meinem Gedächtnis rekapituliert:
- Lapostolle Marnier, Merlot 2006, Chile, üppige Fruchtaromatik, viel Würze zeigend und doch mit einer inneren, geschliffenen Struktur behaftet, schöne, fast nervige Säure und trotzdem, obwohl nicht merklich, mit 14.5 % Vol. ein Alkoholmonster, das sich auch am nächsten Tag noch in meinem Kopf quicklebendig gezeigt hat :( *(*)/***
- Maglock-Nagel, Grüner Veltliner Gaisberg 2006, Kamptal, Herr Maglock, ein Verfechter der reinzuchthefe erzeugt prima frische Weine, die aber jung getrunken am Meisten Spaß vermitteln. Dieses Exemplar macht aus seiner Veltlinerserie bisher den größten Spaß, viel Trinkfluß, sauber, die typische Veltlinerwürze, feiner Jausenbegleiter, *(*)/***
- Bernhard Ott, Grüner Veltliner "Der Ott 2007", Wagram, kräftig in der Farbe, verrät aber seine Jugend noch durch einen grünen Farbreflex, expressive Nase, helle, leicht süßliche Ankläne vermischen sich mit voller Würze, bereits super zu trinken, am Gaumen voll, schon gute Balance zeigend, ein sicherer Griff mit viel Potential für die nächsten Jahre, **/***
- Weingut Prieler, Weißburgunder Leithaberg Weiß 2006, Neusiedlersee-Hügelland, ein harmonisches, komplexes Gebilde, nicht mehr ganz diese messerscharfe Brillianz des Vorjahres zeigend, dafür großem Trinkspaß auf hohem Niveau und feiner Struktur zeigend, gute Balance, feine Mineralik und genug Leben für die nächsten Jahre **/***
- Josef Pöckl, Zweigelt Classique 2005, Neusiedlerse, kirschfruchtig, Mon-Cheri-Noten, attraktive Nase, mittelgewichtig, viel Säure und eine ordentliche Portion Tannin im Abgang, leichtes Bitterl, eine komplett andere Zweigelt-Stilistik, der ich persönlich - obwohl nachvollziehbar gut gemacht - nicht viel abgewinnen kann, zu gewollt, zu erzwungen, ohne wirklichen Trinkfluß, die mögliche Leichtigkeit eines deartigen Weins zugunsten einer seriösen Maskierung vermissend! */***
- Weingut Heinrich Lunzer, Pinot Noir 2003, Neusiedlersee, viel attraktive Frucht, naturgemäß des Jahrgangs wegen eher ein kräftigerer Vertreter mit fester Struktur und Gerbstoffen, gekonnter Holzeinsatz, kein wirklich klassischer Pinot, eher die österreichische Interpretation, läßt sich aber mit viel Spaß und Genuß trinken, da die Noblesse der Rebsorte den Wein vor üppigen oder gar überreifen Noten bewahrt, feine Begleitung zum Lammragout mit Kapern, schwarzen Oliven und Schafskäse, *(*)-**/***
Weingut Gager, Q2 2005, Mittelburgenland, eine Cuvée aus Zweigelt & Rösler, nach einer Flasche Pannobile 2003 vom Heinrich, der mit seiner kräftigen und balancierten Fruchtsüsse punktete, hatte es der Q2 mit einer Herbheit nicht allzuleicht. Straff, aber alles fein im Lot, ist der Rösler dem Wein doch deutlich anzumerken, viel dunkle Beeren, für den Preis von € 10 ein fairer Weinwert, nettes Etikett, *(*)/***
Sonntag, 1. Februar 2009
Weine im Jänner
- Markus Huber, Grüner Veltliner DAC Klassik 2007, Traisental, ein Senkrechtstarter aus einem Gebiet, das wahrscheinlich bei vielen Weinfreunden noch immer nicht so recht als eigenständiges österreichisches Weinbaugebiet wahrgenommen wird - obwohl seit 1995 bestehend!, strohgelb, frische, klare Apfelfrucht, in Einklang mit der typischen "hellen" Veltlinerwürze, anfangs etwas vordergründiges CO2, gute Struktur am Gaumen, erfrischende Säure, süffig, macht Spaß, unkomplizierter, aber feiner Veltliner, der als universeller Essensbegleiter gut geeignet ist, erscheint am zweiten Tag aber bereits etwas lasch! *-*(*)/***
- Mulderbosch, Chardonnay 2003, Stellenbosch, Südafrika, braucht etwas Zeit, um aus seinem Winterschlaf aufzuwachen :-), klares Goldgelb, balancierte buttrige Nase, subtil am Gaumen, wundervoll harmonisch, ebenso im Abgang fein ausklingend, seit Jahren in einer sehr guten Form , Respekt! **/***
- Schlumberger DOM 2004 brut, klares Strohgelb mit sehr verhaltener Perlage, in der Nase fast würzig, deutlich von der Lagerung im Holzfass geprägt, quicklebendig am Gaumen, gut mundfüllend, wirkt noch immer jung, eigentlich ganz harmonisch, ein kleines Spitzerl im Abgang zeigt mir, daß sich die Balance aber erst einstellen wird, gut, aber (noch?) nicht in der Liga des 2000er spielend, ist bei meiner lieben Renate wegen der (riech & schmeckbaren) Holzlagerung auf Ablehnung gestossen, *(*)-**/***
- Waterford, Chardonnay 2002, Stellenbosch, Südafrika, sattes Goldgelb, wirkt buttrig, röstig mit Kaffearomen, sehr cremig weich am Gaumen, ein Schmeichler, mit perfekter Harmonie, sehr trocken im Nachgeschmack, das wirkt ein wenig irritierend, *(*)/***
- Weingut Schneider, Spätburgunder M 2005, Pfalz, das ist mein erster Wein von diesem in den Medien präsenten Merketinggenies, seine Homepage und seine Namensgebung der Weine finde ich überaus gelungen, nun, ich erwarte mir keinesfalls einen zarten, fragilen Pinot, sondern eher das Gegenteil, und so ist es dann auch, breite, ausladenende Nase, wenig Frucht, dafür viel Röstung, Kaffee, leicht "muffig", erdig, dann helle Töne, Minze, am Gaumen richtiggehend süffig, weich, ein Saufwein ohne Hemmungen, durchaus clever und gut gemacht, gefällt mir gut, hat Charme, so herrlich hedonistisch, ich weiß nicht recht, ob ich diesen Wein für seine dann doch eher anspruchslose Art lieben oder verdammen soll? Seichte Kost für Weinsnobs? Nein von wegen, ich liebe ihn, herrlich!
Am zweiten Tag kommt eine neue, rauhere Seite zum Vorschein, Gerbstoffe, und die nicht zu wenig!, das Schmeichelnde hat dieser Wein nun definitiv verloren, die Nase ist etwas dumpf, aber nicht unattraktiv, erdig, beleibt am Gaumen schlank, eher konträr zur schmeichlenden bisherigen Art, wirkt seriöser, sehr gut und gerne wieder! **/*** - Dönnhoff, Riesling Grauschiefer 2006, Nahe, sehr helle Farbe, deutlicher Petrolton, der alle andere überdeckt, am Gaumen dann von sehr schlanker Struktur, fast ausgedünnt , wirkt etwas verwwässert, leichtes Bitterl, eine seltsame Kombination, so gar nicht meins, JA zum Petrol als *eine* Komponente von vielen, aber bei so filigranen Weinen macht das für mich in deiser dominanten Art keine gute Figur, oW.
- Leo Aumann, St. Laurent 2003, Thermenregion, dunkel Farbe, herrlich tiefe Aromatik, balsamische Noten sind hier wörtlich zu nehmen, hat viel von einem guten Balsamessig (Traditionale! wohlgemerkt), rotfruchtig, Ribisel, ist gut strukturiert im Mund, aber nicht schwer, schöne Säure, wiederum eher burgundische Richtung, trotzdem eine fast saftige Richtung, trinkanimierend, im Abgang leicht (angenehme) Bitterstoffe (Trockenstress der Reben?), sehr gelungener und fein struturierter Vetreter aus diesem heißen Jahr, **/***
- Wolfgang Aigner, Grüner Veltliner Sandgrube 2006, Kremstal, die Würze springt förmlich aus dem Glas, leicht süßliche Aromen am Gaumen, kandierte Ananas, süß-sauer, saftiger, trockener Mittelteil, vitales Säurespiel, wunderschöne Sortenstilistik, wie immer eine sichere Bank, die Weine der Kremser Veltlinermacher, **/***
- Vinum Ferreum, Blaufränkisch Saybritz 2006, Südburgenland, helles , duftiges Nasenspiel nach Himbeeren, Schlehen, ein wenig Sauerkirsche, schöne Würze, am Glaumen mittelgewichtig, aber druckvoll und durchaus mundfüllend, im Abgang noch nicht ganz balanciert, leichter Säurespitz hinten am Gaumen, ein Vertreter der neuen, sehr ansprechenden, geht Richting burgundischen Blaufränkisch-Stilistik, *(*)/***
Freitag, 2. Jänner 2009
Ende-des-Jahres-Weinliste
- Alejandro Fernandez, Condado de Haza 2001, Ribera del Duero, dunkler Farbkern, am Rand bereits Reife Richtung Granatrot erkennbar, anfangs ein wenig rohes Fleisch, animalisch, dann tiefe Würzigkeit, saftig und rund am Gaumen, tut keinem weh, fast ein everybody's darling, macht trotzdem Spaß und hält sich über 4 Tage gut in der Flasche, *(*)/***
- Bodegas Norton, Torrontes 2006, ein echter Apertifwein, sehr traubig, einem Muskateller sehr nahe, sauber & frisch, knackig, am Gaumen ausgewogen, die Säure sehr balanciert, fein, *(*)/***
Hans & Christine Nittnaus, Nit'ana 2004, Gols, Neusiedlersee, schönes Bordeauxrot, tiefe Nase, anfangs sehr würzig, dann sehr weinig, zart parfumiert, singt glockenklar im Glas, feine Fruchtsüsse, Beerenkonfit, sehr, sehr stimmig, seidenweich am Gaumen, wirkt in keiner Phase des Genusses aufdringlich, trotzdem saftig, gleitet nobel über meine Zunge, hedonistischer Trinkspaß, offenbart über die Tage immer neue Facetten, Minze, Fenchel, großartig, läßt mich "bitte noch ein Glas" sagen, eine wahrlich positive Überraschung, **-**(*)/***, einzige Anmerkung meinerseits: am Rückenetikett steht "Edles Rotweincuvée" - liebe Famile Nittnaus, schlimm ist das!- Domaine Les Yeuses, Viognier 2006 Vin de Pays d'Oc, ein stimmiger und fein aromatischer Wein mit viel Extrakt am Gaumen, sehr balanciert, gute Mundfülle, leicht zu trinken, genügt aber auch dem anspruchsvollen Weintrinker, bin überrascht, daß sich diese Flasche noch so gut präsentiert, nachdem Viognier eine nicht allzu lagerfähige Rebsorte ist und die letzte (mit geschäumtem Konstoffkork) verschlossene Flasche sich bereits flach und fad verkostet hat, **/***
- Porto Pocas, LBV 2000, süß, kräftig, leicht ruppig, ein burschikoser Muskelprotz für Schleckermäuler, aber nicht ohne Charme, da mit der vorhandenen Würzigkeit gut zur vorweihnachtlichen Bäckerei passend, *(*)/***
- Domaine Gauby, Les Calcinaires 2005, Südfrankreich, nach dem Öffnen der Flasche wird verständlich, warum viele Weintrinker oftmals mit Bioweinen ihre Schwierigkeiten haben, aber schon nach 15 Minuten Luft entwickelt der Wein ein vielschichtiges Bouquet, weißer Holler, Birne, Gesteinsmehl, exotische Früchte, vor allem Ananas, über alledem schwebt eine feine Mineralik, Feuerstein, dann wieder Parfumnoten, leicht würzig im Hintergrund, immer glockenklar, braucht einfach seine Zeit zur Reife, hat auch an Substanz am Gaumen gewonnen, balanciert, fein harmonisch - aber leider drucklos - im Abgang, **/***
- Moric, Neckenmarkter Blaufränkisch 2005, Burgenland, dieser Wein wird von allen Seiten hoch gelobt, warum nur?
Ich finde den Wein gut, ja er hat eine feine fruchtige, fast burgundische Tiefe, Himbeeren, etwas Marzipan, gut verwoben mit einer zart würzigen Komponente, er ist auch sauber am Gaumen, drängt sich weder vor noch auf, ist geschliffen und elegant, aber schrecklich kurz, hat eine schöne Säure, aber fehlendes Tannin! Diese Art der Qualität gibt es auch um weniger als den halben Preis, auch wenn ich für *diese* Art der Blaufränkisch-Stilistik sehr zugänglich bin! Ist das vielleicht der Grund für die Euphorie? *-*(*)/***
Fritz Wieninger, Gemischter Satz 2007, Wien, der "einfache" Gemischte Satz aus der goßen Palette von Wieningers exzellenten Weinen bildet heuer den Schlußpunkt zu meiner Serie der "Sätze".
Helles Strohgelb mit viel Zitrus in der Nase, frisch, sauber fruchtig, mit trinkanimierender Säure und wiederum Zitrusnoten am Gaumen, unkomoliziertes Trinkvergnügen, läßt aber den eigenen Charakter des Gemischten Satzes vermissen, *-*(*)/***
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Novemberweine
- Anton Hagen, Kremser Grüner Veltliner Holzgasse 2006, Krems, Mitglied der Veltlinermacher, kräftiges Strohgelb, prachtvoll würzige Veltlinernase, stoffig, Tabak, ein gutes Maulvoll Wein, kein knackiger Vertreter, sondern eher milde Säure, aber lebendig, schöner Sortenvertreter, *(*)-**/***
- Mas Bruguiére, Les Mûriers Blanc 2005, Languedoc, eine charaktervolle Cuvée aus den ungewöhnlichen Nordrhône-Rebsorten Roussanne und Marsanne, strohgelb, hochfeines Bouquet, floral nach Blüten, dann balsamisch, sehr harmonisch und bekömmlich aromatisch, mal was anderes, *(*)/***
- Kellerei Kurtasch, Gewürztraminer Freienfels 2005, Südtirol, leuchtend klares Goldgelb, intenisv üppiges Bouquet, parumiert, Rosenduft, am Gaumen herrlich voll, cremig, balanciert, ein mächtiger Wein, feine Rosennoten im Abgang, leicht merklich Alkohol hintendrein sorgt für innere Wärme, **/***
- Leopold Aumann, Zweigelt Cabernet 2003, Thermenregion, Cuvée im Verhältnis 85%: 15%, noch purpurfarben mit dunklem Kern, üppige Fruchtsüsse, gekochte rote Früchte, aber auch mit einem deutlichen, ernsten Unterton, Tintenblei, Assoziationen an Staub, am Gaumen rund, Rumtopf, kann naturgemäß seine Herkunft aus einem heißen Jahr nicht verleugnen, trotzdem beeindruckende Petrformance, guter, süffiger Abgang, mit Spaß zu trinken, *(*)/***
- Roman Velich, Chardonnay Tiglat 2005, Apetlon, Neusiedlersee, Tiglat, eine Einzellage der Ried Hedwigshof, spontanvergoren mit zweijähriger Faßreife, die Farbe zwischen Stroh- & Goldgelb, betörende, komplexe Nasenaromatik, in erster Line mal von der Röstung, Kaffee, Karamel, Vanille, sehr buttrig, aber auch Orangenzesten, viel Mineralik, salzig, wirkt schon beim Riechen extrem gebündelt, da mach' ich mich am Gaumen auf einen fokussierten Wein gefasst, und so ist es dann auch: im Mund ist das kein Faserschmeichler, dieser Wein möchte "erarbeitet" werden, zeigt sich schlank, aber immens präzise, mit gebündeltem Druck, im Abgang noch nicht ganz harmonisch, ein hervorragender Wein, der aber vielen Weinfreunden durch seine individuelle Stilistik oftmals Schwierigkeiten bereitet, **(*)/***
Sonntag, 2. November 2008
Weine im Oktober
- Schreckbichl Chardonnay Cornell 2002, Südtirol, eine Flasche mit Sonderrabatt, leider zu lange in der "Supermark-Sonne", wirkt Sherry-artig, nussig, oxidativ, vorbei :(
- Leopold Aumann, Merlot vom Harterberg 2003, Thermenregion, dunkle Robe, noch jugendlich, fast purpur, hochfeine Aromatik in der Nase, intensiv, alle Schattierungen von Kaffearomen, von (Kaffee)Röstung bis (Kaffee)Likör, dann balsamische Noten, teerig, am Gaumen herrlich korrespondierend, wird wiederum von viel Kaffearomatik getragen, alles wundervoll balanciert, dabei fest und fokussiert, keine Spur von Breite oder Überreife, trotzdem feine Früchtsüße, im langen Abgang von feiner Säure getragen, ein Österreicher nach Bordelaiser Vorbild, gibt einem perfekten Pirat für eine Bordeaux-Verkostung ab, pipifeiner Stoff, macht einfach nur Spaß, wirkt juvenil mit viel Potential für die Zukunft, am Tag 2 ergibt sich ein anderes Bild, die balsamische Note dominiert den Wein, dieser wirkt nun deutlich herber, ein wenig Rumtopf, seinen Charme hat der Wein abgelegt, **-**(*)/***
- Johann Gisperg, Terroir de Pierre 2005, Thermenregion, purpur mit scharzem Kern, herrlich tiefe, runde und würzige Nase, anfangs Tinte, dann Amarenakirsche, Dörrobst und Nougataromen, zart (positiv) alkoholisch, am Gaumen subtile Balance zwischen Fülle, Würze und Geschmeidigkeit, saftig und süffig, die Gerbstoffe tragen den Wein im ersten Schluck in die Harmonie, welche mit feiner Säure am Gaumen ausklingt, kein großer & komplexer Wein, aber easy to drink mit hohem Anspruch, mir taugt der Wein, bravo, wieder ein 2005 Weinwunder, **-**(*)/***
- Kummer-Schuster, Zweigelt Alte Reben 2006, Neusiedlersee, falstaff Zweigelt Cup Gewinner 2007, dunkles Purpur, das dreiviertel Jahr Reife seit meiner letzten Verkostung hat dem Wein geschmacklich gut getan, runde Nase, Weichsel und Vanille, mit Struktur und Biß am Gaumen, feine Gerbstoffe, wirkt sehr balanciert, im Abgang mit herber Grundnote, sehr gut gemachter, allerdings auch ein bißchen beliebiger Wein, *(*)-**/***
- Weingut Schloss Fels, Gewürztraminer vom Rohrendorfer Berg 2006, Kremstal, Salonwein 2007, Schloss Fels, seit 1986 im Besitz der Spar AG und somit Haus & Hoflieferant einer breiten Palette von billigen Supermarktweinen, schönes Strohgelb, prasentiert sich mit parfumierter Nase, Rosenton gut erkennbar, sehr sortentypisch, am Gaumen cremig rund, die Reststüsse mit ansprechender Säure fein gepuffert, überaus angenehmer und süffiger Trinkspaß um wenig Geld (€ 7), wenngleich dieser Wein auch nicht ganz die feinziselierte Art der Vertreter aus Klöch erreicht, *(*)/***
- Weingut Jägle, Spätburgunder 2005, Baden, brilliant leuchtendes Bordeauxrot (!), sehr angenehme Burgundernase, harmonisch, sehr weinig, ein wenig Würze, am Gaumen rund, vom Barrique geschliffen, gute Struktur, schöbe Säure im Finish, dieser Wein macht eigentlich alles richtig, sehr balanciert, fein, schon der Riesling aus dem gleichen Haus wusste zu gefallen, *(*)-**/***
- Aalto 2001, Ribero del Duero, Spanien, undurchsichtiger Kern, Reife am Rand aber bereits erkennbar, überschwengliche Fülle und Aromatik, Brombeere, viel Schokolade, viel Fruchtsüsse, aber auch viel Säure als Pedant und reife Gerbstoffe, wirkt trotzdem etwas breit im Abgang, übrig bleibt etwas marmeladiges und die Tannine bleiben im Mund kleben, bin mir aber sicher, das es etliche Liebhaber dieser Stilistik gibt, wirkt fast wie ein Supertuscan, erst am zweiten Tag emanzipiert sich dieser Wein zu mehr Balance, zu feiner Harmonie, zu weniger Süsse und mehr Säure, zu grazileren Noten, nicht aber ohne eine feste Struktur mit guten Gerbstoffen zu zeigen, gut so! *(*)-**/***
- Juvé y Camps, Cava Reserva de la Familia 2001, Sant Saturnia, wenig Perlage, wachsig, Honig, Reifetöne, einem großen Chenein Blanc nicht unähnlich, herrliche diffizil, am Gaumen knochentrocken, noch genügend Vitalität durch C02, fast wünscht ich mir ein wenig Dosage - das Ding hat sicherlich zero! **/***
- Hans & Anita Nittnaus, Leithaberg Weiß Chardonnay Joiser Freudshofer 2005, Neusiedlersee, sehr fein, braucht viel Wärme, feinziseliert, gelbe Früchte, Mineralik, am Gaumen schlank, alles vom Kalkgebirge, sehr ungewöhnlich für Chardonnay, läßt mich insgesamt eher ratlos zurück, denn es fehlt die Fokussiertheit, der Druck und auch die Säure wirkt eher flach, wenngleich auch alles eigentlich ganz proportioniert ist, kann aber über drei Tage nicht wirklich zulegen, das alles ergibt unter Berücksichtigung des Preisaspekts (€ 15) höchstens */***, der 2006er war bei seiner Verkostung im Frühling ein, nein, der faszinierendste Weißwein!
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Septemberweine
- Köfererhof, Sylvaner 2005, Eisacktal, Südtirol, strohgelb, anfangs eine flüchtige grüne Nase, dann Exotik, Birne, Rosenaromen, nichts vordergründig, am Gaumen balancierte Fülle mit Spannung - wie wenn man eine 4.5V Batterie an seine Zunge hält - ein wenig CO2 im Abgang, wieder die Birne, lebendig und feiner Trinkfluß, *(*)/***
- Château Sociando Mallet 1996, Haut-Médoc, Bordeaux, beginnendes Granat mit dunklem Kern, prachtvolle Bordeauxnase, Edelhölzer, integrierte Röstaromatik, nach einer Stunde kommen kräftige Gerbstoffe zum Vorschein, erst am nächsten Tag ist dann alles in Balance, kräuterwürzige Töne, den Mund füllend, aber nicht schwer am Gaumen, mit einer feinen Säurestruktur harmonisch ausklingend, Potential für weitere 10 Jahre, **/***
- Meinklang Michelits, Grauburgunder Graupert 2005, Neusiedlersee, Gewinner der falstaff-Burgunder-Trophy (1|2|3), kräftiges Strohgelb, keine laute Töne, ein wenig Heuwiese, Blüten, mit der Luft kommen dann aber ganz feine würzige Noten, besitzt eine innere Spannung, wirkt für einen Grauburgunder sehr feingliedrig, in sich ruhend, ein "Garrique"-Provencewein, diesmal aber aus Österreich ;-), am dritten Tag dann helle Vanille und Karamellaromen, Blütenhonig, zeigt eine tolle burgundische Tiefe, immer fokussiert, **(*)/***
(2006 Verkostungsnotiz) - Seewinkelhof Salzl, Grande Cuvée 2003, Neusiedlersee, helles Rubin mit Wasserrand, duftig leichte Nase, Dörrzwetschken, eher breit, am Gaumen ein Vanille-Schmeichler, eher leichtgewichtig, es fehlt das Volumen und die Kontur, was bitteschön - bis auf die Anzahl der Rebsorten (Zweigelt, Cab.Sauv., Merlot & Blaufränkisch) - soll an diesem Wein "grande" sein?, (*)/***
- Heymann-Löwenstein, Riesling Schieferterrassen 2003, Mosel, zwischen Stroh- & Goldgelb, die Nase schon erfrischend klar, Exotik, so lustvoll süffig im herrlichen Dialog zwischen Fruchtsüsse und Säurespiel, so unvergleich labend und lebendig, das kann nur deutscher Moselriesling, für mich am liebsten "pur" als Aperitif, klasse Wein und das mit einer 5 Jahre alten Basisiqualität - tu felix germania, **(*)/***
- Schloß Gobelsburg, Grüner Veltliner Allerheiligenstiftung 2006, Kamptal, wird aus den Trauben der unter 20-jährigen Reben gewonnen, helles Strohgelb, pikante Veltlinerwürze, am Gaumen frisch, sehr lebendig, mit guter Mundfülle, fokussiert, nervige Säure, straffer, gebündelter Abgang, ein rundherum gelungener Wein, einziger Kritikpunkt - der Kunststoffkorken, *(*)/***
- Poliziano, Vino Nobile Asinone 2001, Toskana, farblich ist eine erste Reife erkennbar, sehr dunkler Kern, so typisch Toskana, eingelegte Rumfrüchte, überschwengliche Fülle & Süsse, aber auch massenhaft Gerbstoffe, welche zwar wunderbar reif sind, jedoch für meinen Gaumen in Summe den Wein anfangs ein wenig die Balance nehmen. Erst am zweiten Tag offenbahrt sich mit viel Luft die Harmonie, windervoller Dialog zwischen Tannin & Säure, hat von allem nur das beste mitbekommen und ist ein Versprechen für die Zukunft, gesicherte Zukunft für die nächsten 5 Jahre, **-**(*)/***
- Heike & Gernot Heinrich, Pannobile 2002, Neusiedlersee, feine, tiefgründige Nase, wundervoll balanciert, das Holz fein integriert, alles im Lot, mit Schmelz zu trinken, *(*)-**/***
- Alphart, Neuburger Hausberg 2007, Thermenregion, Birne, grüner Apfel, insgesamt noch etwas mostig, viel CO2, eher schlank, beliebig, technisch sauber gemacht, ohne Zweifel, hat aber wenig vom Charme und einnehmender Stilistik der beiden Vorgängerjahrgänge, erstmal zuwarten, */***
- Château Mayne Lalande Cru Bourgeois 2003, Listrac, Médoc, beginnendes Garant, viel, viel Würze in der Nase, straff, ernster Grundton, viel Säure, der Körper am Gaumen noch nicht ausbalanciert, zivilisierte Gerbstoffe, ein Versprechen für die Zukunft, ganz fein, *(*)-**/***
- Meinhard Forstreiter, Grüner Veltliner Schiefer 2005, Kremstal (& Mitglied der Kremser Veltlinermacher), sattes Goldgelb, herrlich eürzige Nase, Tabak, da zeigt die Rebsorte ihr ganzes Potential, am Gaumen schwebend, ja fast federleicht, mit guter Struktur am Gaumen, wirkt vollkommend balanciert, das sind *die* heimischen Weine, die ich mir als Pedant zu den grandiosen deutschen Rieslingen vorstelle, **/***
Mittwoch, 3. September 2008
Die Monatsweine vom August
- Mezzacorona, NOS Teroldego Rotaliana Riserva 2001, Trentino, Italien, leuchtendes Rubin mit dunklem Kern, rotes Beerenkonfit, Bittermandeln, wirkt etwas erdig, Teer, balsamisch, geschliffen im Mund, wirkt frisch und wird fein von der Säure getragen, merklich Gerbstoffe im Abgang, schön zu trinken, feuriger Abgang wieder mit Bittermandelgeschmack, *(*)/***
- Laurenz V (Moser), Friendly Grüner Veltliner 2006, Sproß der Lenz-Moser-Dynastie, lt. Auskunft des Weinhändlers stammen die Reben dieses Weins aus Kamptaler Weingärten, die zugehörigen Weine werden vom Kellermeister des Lenz Moser-Stammhauses Ernest Grossauer vinifiziert, strohgelb, hübsche, ganz saubere Birnennase, zart exotisch, Zitrus, gutes Mundgefühl, dabei immer frisch und trinkanimierend, ein balancierter Sommerwein, *(*)/***
- Vigna Petrussa, Schioppettino (Ribolla Nera) 2000, Colli Orientali, Friaul, aus leicht angetrockneten Trauben (Appassimento) produziert, granatrot, Sauerkirsche, Dörrzwetscke, ein wenig Rumtopf, herrlich süsse Würzigkeit im Glas, am Gaumen warm vom Alkohol, schönes Volumen, aber insgesamt von einer kräftigen Säure getragener Wein, guter Abgang, Süßholzwurzel, individueller Wein, hat eine gewisse Affinität zu gereiften Nebbiolo-Kreszenzen, *(*)/***
- P. & R. Gauthier, Jour de Soif Cabernet Franc 2005, AOC Bourgueil, Loire, Bio ECOCERT, leichtendes Purpur, anfangs fruchtdomiert ähnlich einem Beaujolais-Villages, verschlossen & schlank mit etwas Süßholz am Gaumen, am zweiten Tag an dann von einer tiefen Würzigkeit geprägt, Johannisbeeraromatik (Cassis), saftige Struktur vermittelt wiederum den herrlichen 2005er-Trinkspaß, ein phantastischer Sommerabend-Terassenwein, zeigt eine perfekte Reife in allen Belangen, schöne Tanninstruktur, Wein mit Anspruch, bravo, **/***
- Brolio, Rocca Guicarda Chianti Riserva 2003, Toskana, balsamische Noten, mineralisch, für einen Toskaner feinziselierte Nase, gute Balance zwischen einer herben Strenge und saftigen Stilistik, feste Gerbstoffe, Brolio entäuscht nie, wie immer ein guter Weinwert, *(*)/***
Freitag, 1. August 2008
Juli-Weine
Individuelle Weine im Juli... :-)
Bildnachweis: Yalumba
- Dveri Pax, Beli White 2003, Slowenien, Weingut des Stift Admont, eine Cuvée aus Chardonnay, Sipon (gute Übersicht hier, jedoch mit dem Fehler, daß die Sipon-Rebe noch als Synonym für den Furmint gehalten wird) und Sauvignon, welche im 450l Holzfaß vergoren wurde und unter Erich Krutzler entstanden ist, goldgelb, für einen unfiltrierten Wein erstaunliche Brillianz, balsamische Noten pur, Kiefer, Terpentin, zart buttrig, schön verwoben, ein Nasenwein mit einem komplett "anderen" Aromenspiel, in der Säureausprägung erwartungsgemäß sehr zivilisiert, mineralisch, korrespondierender Gaumen, lebendig, charaktervoll anders und stilistisch eigen, *(*)/***
- Rouvinez, Le Tourmentin Valais AOC Barrique 2005, Sierre, Wallis, Schweiz, eine Cuvée aus den Rebsorten Pinot Noir, Syrah, Cornalin und Humagne Rouge, welcher uns im Hotel in Yverdon-les-bains auf die Frage nach einem guten Schweizer Rotwein der Gegend empfohlen wurde, gute Farbtiefe, Kirsche, Vanille, zarte Gewürznoten, am Gaumen mittelgewichtig, den Wein tragt eher Säure als das Tannin, getragen, mit schönem Abgang, rundherum gelungen, *(*)/***
- Van Volxem, Riesling Wiltinger Braunfels 2005, Mosel-Saar-Ruwer, Deutschland, aus einer Lage unweit des bekannten Scharzhofbergs, spontanvergoren, Goldgelb mit leichten grünen Reflexen, überschwengliche Rieslingnase, gut verwobenes Petrol, exotische Anklänge, Honig, Thymian, ein wenig Mineralik, fokussiert, voll am Gaumen, saftige Struktur mit balancierter Säure, knochentrockener Abgang, toller Stoff, **(*)/***
- Weingut Alphart, Chardonnay 2006, Thermenregion, strohgelb, expressive Nase, strömt tief, exotische Aromatik, Honigmelone, leichte Mineralik, dicht am Gaumen, feste Struktur zeigend, dabei cremig weich und harmonisch wie immer, ein exzellenter Weinwert, **(*)/***
Yalumba, Viognier Y Series 2006, South Australia, strohgelb mit grünem Einschlag, sehr eigenwillige Nase, Honig, weißer Pfirsich, voll und mit gutem Volumen am Gaumen, üppig, florale Aromatik, ein wenig Zitrus, schön balanciert, immer frisch, gute Säurestruktur, trocken und zartherb mit leichtem Bitterl im Abgang, individueller Wein mit eigenem Charakter, macht richtig Spaß, **/***
Nettes Detail am Rand: Einen Teil des Rückenetiketts kann man ablösen, um diesen Abschnitt als "Einkaufshilfe" mitzunehmen - pfiffige Idee!- Weingut Pongratz, Muskateller 2006, Gamlitz, Südsteiermark, ganz helles Strohgelb, traubige Muskatellernase, glockenklar und fokussiert, zitronige Noten, am Gaumen straff, knochentrocken und mit 11% Vol. richtig sommertauglich, ein herrlicher Apertif-Wein, genauso stelle ich mir steirischen Muskateller vor, beweist wieder einmal, daß auch ein steirischer Muskateller der Klassik-Linie nicht nur im ersten Jahr nach seiner Lese gut mundet, **/***
Bildnachweis: Yalumba
Dienstag, 1. Juli 2008
Monatsweinliste Juni
- Stiftskellerei Neustift, Eisacktaler Sylvaner 2005, Brixen, trotz Plastikstöpsel (noch?) herrliche frisch, keine ausgewiesene Aromatik auszumachen, verhaltene Gelbfrucht, lebendig, sehr süffig, die Flasche ratzfratz mit viel Spaß geleert, *(*)/***
- Chateau Pey la Tour 2006, bewies wiederum seine tolle Qualität alls Alltagsbordeaux, weinige Nase mit würzigen Anklängen, pfeffrig, zeigt eine schöne Balance und Säure, feinkörnige Gerbstoffe, macht alles richtig, brilliert auch im großen Riedel vinum-Bordeaux-Glas, mehr Wein kann man sich um € 6.50 nicht erwarten, **/***
- Laurel Glenn Vinyards, Reds (a wine for the people) 2006, Lodi, Kalifornien, mitteldunkles Purpur, opulente Fruchtsüsse trifft auf kühle Gewürznoten ("spicy"), süffig, offen, opulent, aber immer mit Struktur und kühler Frische, sexy Wein, pur oder zum Steak vom Griller, wiederum eine Traumcuvée aus Zinfandel, Carigane und Petite Syrah um lächerliches Geld, Modellcharakter , schon der Vorgängerjahrgang hat mir die Freudentränen ins Gesicht getrieben, und die 14.5 Vol%? Perfekt integriert! Zugreifen! **(*)/***
- Karl Alphart, Rotgipfler Rodauner 2006, Thermenregion, gefällt wie immer, helle, blitzsaubere Gelbfrucht-Aromatik, fest strukturiert, druckvoll am Gaumen, ein Sir von Wein, eine sichere Bank (wär's doch auch im Fußball so ;-), **(*)/***
- Gumphof, Sauvignon Blanc Praesulis 2005, Südtirol, goldgelb, expressive Nase, Holler, Cassis, aber auch leicht grasige Anklänge, wirkt ziemlich rund, kräftige Statur, fast breit, aber alles in Harmonie, guter Speisenbegleiter, *(*)/***
- Bernard Magrez, Château La Tour Carnet 2005, Quatrième Cru Classé Haut-Médoc, führt die Serie der trinkreifen 2001er fort, sehr angenehme Nase, Edelhölzer, Brombeeren, dunkel, zeigt sich am Gaumen sehr geschliffen, zivilisierte Gerbstoffstruktur, fast ein wenig zu brav (so wie das Etikett auch), zu "abg'schleckt" sagt man auf gut österreichisch, könnte ein wenig mehr Ecken & Kanten zeigen, trotzdem ein gut gemachter und solider Weinwert mit distinguierter Säurenote im Rückgeschmack (um es mit einer Wortcreation von Peter Moser des Magazin falstaff auszudrücken), *(*)-**/***
- Weingut Leitner, Pannobile 2004, Burgenland, das ist Purpur pur ;-), eine weiche Nase nach Weichseln und Vanille, offen und rund, gefällig, mit feiner Säurestruktur ausklingend, am zweiten Tag viel Herbe, streng, etwas Tannin kommt hinzu, ??
- Feudo Arancio, Grillo 2005, Sizilien, Grillo, eine autochthone sizilianische Rebsorte, helles Strohgelb, etwas verhalten, ein wenig Jasmin, satte Struktur, ähnlich einem kräftigen Veltliner, noch recht frisch, zart herb im Abgang, gefällig, */***
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