Als ich mich mit Wein 1992 zu beschäftigen begann, war das Rioja das Ziel meiner Träume. Ohne genau sagen zu können warum, hatte es für mich den Stellenwert aller ausländischen Weinregionen. So war mein erster bewusst und aktiv gekaufter ausländischer Wein nicht etwas Bordeaux und auch kein Australier, sondern 2 Flaschen Rioja. Ein Campo Viejo und ein Marques de Cacéres - beide Crianza keine memorablen Geschöpfe, aber das konnte ich damals noch nicht so Recht einordnen und versuchte in jeder "anderen" Stilistik erstmals was Positives zu finden.
Rioja-Wein war einfach etwas Besonders, zumal auch örtlich ziemlich weit weg (wahrscheinlich genau deswegen und weil ich nichtmal wusste, wo genau Rioja in Spanien sich eigentlich befand).
Ich forderte Prospekt & Infomaterial vom Consejo Regulador - damals noch per Postkarte! - an und träumte davon, einmal diese Weinregion besuchen zu können.
Nun, es dauerte schon noch ein Weilchen, aber nach weiteren 7 Jahren hatten wir einen unvergesslichen Urlaub durch alle nordspanischen Weinbaugebiete und der Traum Rioja wurde so für mich greifbare Wirklichkeit.
Warum ich das alles erzähle?
Ganz einfach? Eröffnen sich doch manchmal unverhofft und ganz schnell Möglichkeiten & Erlebnisse, die einem nicht im Entferntesten in den Sinn kommen..
In Ausgabe 03/2010 des Falstaff-Magazins gab es einen sehr informativen Bericht über indische Weine im Falstaff - "Die Weine der Maharadschas".
Ein Bericht der leider viel zu seltenen Sorte "na das ist ja mal was anders und nicht der 100. ausgelutschte Aufguss von..", auch wenn es viele Leser gibt, die sich fragen, wozu über ein solch exotisches Thema überhaupt berichtet wird?
Wenn ich geahnt hätte, daß sich mir ein paar Monaten später selbst die Möglichkeit bietet, indische Weine vor Ort zu trinken.. .
Für viele Personen ist die globalisierte Reisewelt heutzutage (beruflich) alltägliche Wirklichkeit - eine für mich schreckliche Vision. Jetten im Tagesrythmus von Dschibutti nach Hintertupfing, von Jetlag zu Jetlag - und so hat eine Reise nach Indien für mich doch einen Hauch von Abenteuer :-)
Indischer Wein jedenfalls hat was Exotisches, bringt man Indien doch eher mit Tee und Lassi als mit Wein in Verbindung. Die produzierten Weinmengen jedoch sind gar nicht so klein. So bewirtschaftet das Weingut Sula zB. über 600ha Rebland, produzierte mit mehreren Weinlinien in 3 Wineries ca. 300.000 12er-Kisten Wein und das mit jährlichen Zuwachsraten im 2-stelligen Bereich. Nicht ohne!
So ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß wir in Chennai 3 x Sula-Weine kredenzt bekamen - Satori Merlot, Sula Cabernet Shiraz und Sula Sauvignon Blanc.
Während die beiden roten Weine angenehm sauber und süffig fruchtig zu trinken waren und als mein einziger Kritikpunkt der eher "heiße" Grundcharakter anzuführen wäre - kein Wunder bei klimatischen Bedingungen, bei denen der Rebstock 2 x jährlich tragen kann - hat mich der Sauvignon Blanc ob seiner Reintönigkeit und erfrischenden Art mit einer vitalen Säurestruktur anerkennend nicken lassen. In einer Blindprobe hätte wohl keiner seine Herkunft erahnt. Das hätte ich mir nicht erwartet!
Ob diese 3 Weine nun repräsentativ für das gesamte indische Weinspektrum sind, vermag ich nicht zu sagen. Jedoch bilden sie eine mehr als akzeptable Alternative zu dem meiner Meinung nach bestenfalls mittelmäßigem Kingfisher-Bier - auch wenn es hier andere Erfahrungen nachzulesen gibt.
Wein zu konsumieren ist in Indien keine günstige Angelegenheit. In unseren (zugegebenermaßen luxuriösen) Hotels und Restaurants in Chennai war das Preisniveau durchaus auf europäischem Städteniveau, die Weine jedoch deutlich darüber.
Indischer Wein startete in den Restaurants bei ca. 2000 Rupien (ca. 30 Euro), bei Importwein wird es Dank einer Doppelbesteuerung (zuerst 160% Importzoll und dann noch die lokale Abgabe an den jeweiligen Bundesstaat) richtig teuer. So war eine einfache Flasche Chianti mit 5500 Rupien, also umgerechnet 85 Euro bespreist, da wird einem erst bewusst, wie gut wir's in Sachen Wein haben!
Schade, daß ich keinen Wein aus lokalen Weinreben auf den Weinkarten fand - soferne es denn diese überhaupt gibt? - denn ohne diese wäre der Indische Wein wohl nur ein weiteres Anbauland unserer globalisierten "ABC-Rebsorten". Wohl ein Zugeständnis an die "westliche Orientiertung" der eher jungen und urbanen Zielgruppe der indischen Weinkonsumenten.
Jedenfalls werde ich bei meinem nächsten Besuch beim "besten Inder" Österreichs - dem Royal Bombay Palace in Linz - einen indischen Rotwein verlangen - mal sehen was da zum Vorschein kommt, denn auf der doch recht akzeptabel sortierten Karte ist (noch) kein indischer Wein gelistet..?
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Montag, 15. August 2011
Sonntag, 27. März 2011
Man(n) muß doch auch mal..
..Glück haben, bei den Weinflaschen, oder?
Nach den ersten Vorboten des kommenden Frühlings sind die letzten Tage wettermäßig wieder etwas durchwachsener und so habe ich im Keller nach ein paar reiferen Flaschen der Marke "5 Jahre +" Ausschau gehalten, die den vergangenen Winter "unbeschadet" - weil nicht im "zu konsumieren"-Regal gelandet sind - überstanden haben.
Ohnenhin war ich in der Vorwochen nicht gerade vom Weinglück verfolgt:
Nach den ersten Vorboten des kommenden Frühlings sind die letzten Tage wettermäßig wieder etwas durchwachsener und so habe ich im Keller nach ein paar reiferen Flaschen der Marke "5 Jahre +" Ausschau gehalten, die den vergangenen Winter "unbeschadet" - weil nicht im "zu konsumieren"-Regal gelandet sind - überstanden haben.
Ohnenhin war ich in der Vorwochen nicht gerade vom Weinglück verfolgt:
- Ein Weinfreund, der mir 2 Flaschen überließ ("was hältst du denn von diesem hier?") - einer davon ein ziemlich unreifer 08er Cabernet Sauvignon aus einer österreichischen Weißweinregion! Was motiviert eigentlich Winzer in Langenlois zum Anbau dieser Sorte? Das können entweder nur die Forderungen penetranter Stammkunden sein oder maßlose Selbstüberschätzung..?!
- 2 Flaschen mit geschäumten Kunststoffkork, beide gut unter einer Kapsel versteckt und beide inzwischen überreif an der Grenze zur Antrinkbarkeit, lasch und fad (05er Veltliner Grande Reserve vom Weingut Forstreiter in Krems und ein 06er St. Laurent vom Weingut Mauß)
- und dann noch 2 Korkschleicher (01er Chianti Classico Riserva Rocca Guiccarda von Barone Ricasoli und ein 05er Grüner Veltliner Schweren Zapfen vom Weingut Fritz, Kremstal)
Man muß ja gelegentlich auch mal Glück haben!
- Alexander von Essen, Capaia 2004, tiefdunkle Farbe mit granatrotem Rand, eine wirklich tiefe, extrem kräuterwürzig geprägte Nase, feste Faßbrandnoten, aber auch die Cassistöne der Rebsorte sind noch da, ein wenig Balsamik, reife Gerbstoffe bilden das Fundament, auf dem Fruchtsüße und Säurestruktur ihr durchaus stilvolles Erscheinungsbild aufbauen, mittelgewichtig am Gaumen, aber durchaus kraftvoll, sauber und in Summe sehr ausgewogene Stilistik ohne Ecken und Kanten, die feingliedrige Säure verleiht dem Wein fast eine vitale Leichtfüßigkeit, der Abgang könnte ruhig etwas länger anhalten, aber was für ein Vergleich zu früheren (rauhen und unbalancierten) Flaschen, ein Phönix aus der Asche, kein komplexer Wein, aber mit schönem Trinkfuß der Marke Winterwärmer, **-**(*)/***
- Weingut Dreisiebner-Stammhaus, Morillion Hochsulz 2005, Südsteiermark, helles Strohgelb, sehr reife, anfangs aber feinziselierte Frucht, geht dann mächtig im Glas auf, intensive, aber niemals breite Anklänge an Litschi und Fisalis, kandierte Ananas im Hintergrund, das Holz gut verwoben, das Mundgefühl doch eher schlank, zarte Mineralik, engmaschige und lebendig Säurestruktur, die im Abgang richtiggehend elektrisierende Wirkung zeigt, also eine beispielgebende Wirkung einer gebündelte Mineralik, fokussiert und blitzsauberer Abgang! **(*)/***
Sonntag, 17. Oktober 2010
Frizzante? Frizzante!
Frizzante - auch Perlwein gennant, aber das klingt ja um einiges langweiliger - führt(e) in meinem Weinuniversum ein Schattendasein. Mehr oder weniger eigentlich alleine aus qualitativen Gründen. Wenn immer es geht, dann greife ich lieber zu Spumante (wenn wir schon bei der italienischen Notation bleiben wollen), der nach der klassischen Flaschengärung produziert wird. Egal ob in Italien, Deutschland, Spanien oder zuhause in Österreich. Natürlich ist das nur eine Seite, denn die andere ist eine steuerliche (auch wenn die Schaumwein- / Sektsteuer in Österreich seit 2005 abgeschafft ausgesetzt ist) bzw. der Aufwand im Herstellungsprozess.
Jedenfalls hatte ich im letzten Monat drei ausgewiesen tolle, weil trinkanimierende Exemplare - 2 aus dem Weinviertel, eines aus Italien, genauer aus der Emilia Romagna - im Glas, welche auch meinen qualitativen Anspruch an ein solches Getränk ganz locker erfüllen konnten und mich wieder einmal meiner Weinvorurteile bewußt werden ließen. Alle drei waren aus aromatischen Traubenmaterial vinifiziert, einmal Muskateller, einmal Muskat Ottonel und einmal aus der geschundenen roten Lambrusco-Traube - allesamt im Glas quicklebendig!
Ungetrübtes, lebensfrohes Weinvergnügen in Reinform (erleichtert die Zeit zum innerlichen Reflektieren seiner Vorurteile ;-)
Jedenfalls hatte ich im letzten Monat drei ausgewiesen tolle, weil trinkanimierende Exemplare - 2 aus dem Weinviertel, eines aus Italien, genauer aus der Emilia Romagna - im Glas, welche auch meinen qualitativen Anspruch an ein solches Getränk ganz locker erfüllen konnten und mich wieder einmal meiner Weinvorurteile bewußt werden ließen. Alle drei waren aus aromatischen Traubenmaterial vinifiziert, einmal Muskateller, einmal Muskat Ottonel und einmal aus der geschundenen roten Lambrusco-Traube - allesamt im Glas quicklebendig!
Ungetrübtes, lebensfrohes Weinvergnügen in Reinform (erleichtert die Zeit zum innerlichen Reflektieren seiner Vorurteile ;-)
- Weingut Laurer, Muskatello Frizzante 2008, Weinviertel, im SALON 2009 vetreten, intensives, sortentypisches Bukett, kräftige Perlage, deutliche Restsüße verleiht dem Wein ein tolles Volumen und einen richtig saftigen, weil trinkfreudigen Stil, gemeinsam mit 2 Damen war diese Flasche bei angenehmen Nachmittagstemperaturen im Nu geleert, ein qualitativ seriöser "Spaßwein" erster Ordnung, süffig und belebend, *(*)-**/***
- Gatterburg'sche Schloßkellerei, Contessa M.O. (Muskat Ottonel) 2008, Retz, wirkt im Vergleich zum Laurer feiner, diffiziler und auch trockener, sicherlich auch - aber nicht ausschließlich - aufgrund der Rebsorte nicht so vorlaut, feine Perlage, sehr harmonisch, ein perfekter Appetizer zu jeder Jahreszeit, *-*(*)/***
Bildquellennachweis: Cantina Medici Ermete
- Cantina Medici Ermete, Lambrusco Concerto Reggiano Frizzante 2009, Emilia-Romagna, der 15 Jahrgang (15 "vintages of success"), tiefvolette Farbe, intensive Waldbeernase, tiefe Fruchtsüße, am Gaumen durch die Perlage herrlich belebend,
wirktist süffig rund, dabei mit feinen Gerbstoffen(!) behaftet, die einem ein wirklich tolles Mundgefühl verschaffen, wirkt trocken (trotz der 9g/l RZ), insbesonders im Abgang, im Gambero Rosso höchst dekoriert sorgt dieses Weingut seit Jahren für einen neuen Qualitätsschub bei der Rebsorte Lambrusco. Und ich bin nur einer unter vielen, die sich unter die Laudatoren bei diesem Wein einreihen! Ein Bravo der Cantina und unbedingt eine Flasche probieren - Bezug ua. via K&U, Ronaldi, Wein & Co.Zum Glück bin ich im meiner Jugend beim Italiener nie der Versuchung erlegen, das süße Lambrusco-Zeugs zu probieren - zu meiner Zeit war nämlich gerade ein ebenso simpel gestrickter Valpolicella "in" - denn sonst hätte ich diese Flasche wohl niemals probiert, sondern eher in schön dekorativem (sprich undurchsichtigem ;-) Geschenkpapier weitergereicht.. **/***
Sonntag, 24. Jänner 2010
Erlöserweine
Erlöserweine, nein, das ist keine Betrachtung der Rolle des auch in der Heiligen Schrift vorkommenden Rebensaftes, wenngleich auch Wein in der Bibel direkt, aber auch in symbolischer Form, eine wichtige Rolle spielt.
Unter Erlöserweine verstehe ich schlichtweg Tropfen, die einmal *nicht* die gesamte Aufmerksamkeit aller am olfaktorischen Prozeß beteiligten Sinnesorgane erfordern, wo sich jeder Schluck erarbeitet werden muß, wo alle Bekannten lange schweigend gurgeln, um die Mineralik auf der Zunge erforschen, um dann ein "interessantes Exemplar" von sich zu geben. Erlöserweine sind ganz das Gegenteil davon: offen, ehrlich, unmittelbar ansprechend, geben nicht mehr vor, als sie zu bieten haben und erfreuen jedermanns Weingaumen mit seriöser Qualität! Also rundherum und vorbehaltslos zu empfehlende Weine.
Davon gibt es mehr als genug, hier exemplarisch zwei Beispiele, die mir letzte Woche untergekommen sind - je einmal in Rot und Weiß!
Unter Erlöserweine verstehe ich schlichtweg Tropfen, die einmal *nicht* die gesamte Aufmerksamkeit aller am olfaktorischen Prozeß beteiligten Sinnesorgane erfordern, wo sich jeder Schluck erarbeitet werden muß, wo alle Bekannten lange schweigend gurgeln, um die Mineralik auf der Zunge erforschen, um dann ein "interessantes Exemplar" von sich zu geben. Erlöserweine sind ganz das Gegenteil davon: offen, ehrlich, unmittelbar ansprechend, geben nicht mehr vor, als sie zu bieten haben und erfreuen jedermanns Weingaumen mit seriöser Qualität! Also rundherum und vorbehaltslos zu empfehlende Weine.
Davon gibt es mehr als genug, hier exemplarisch zwei Beispiele, die mir letzte Woche untergekommen sind - je einmal in Rot und Weiß!
- Weingut Hufnagel, Zeigelt Classique Ried Gunderits 2008, Neckenmarkt, Mittelburgenland, Rubinroter Rand mit schwarzdunklem Kern, offene und zutiefst weiche und süßliche Nase, Weichsel und Kirschfrucht, dabei mit einer pikanten Würze unterlegt, das alles rinnt so saftig über die Zunge und den Schlund hinunter, daß der Schluckreflex unmittelbar die nächste Mundfüllung einfordert, sorry Leute, aber ist ein harmonischer Zechwein erster Güte, von dem auch die anspruchsvolleren Weinfreunde gerne eine zweite Füllung ihres Glases nehmen, das Beste kommt noch: der Preis, die Flasche um €5, Prost *(*)-**/***
- Quinta do Vallado, Vallado Branco DOC 2008, Douro, Portugal, diese weiße Cuvée aus Arinto, Gouveio, Rabigato e Vioshino zeigt sich mit einem hellen Strohgelb im Glas, leicht grünliche Reflexe, ein Bukett nach Blütenwiese und Bergkräutern, trocken und doch mit stoffig cremigen Gaumenschmelz ausgestattet, fast süffig, mit 12% Vol. der richtige Apero mit Volumen für die kalte Jahreszeit, ein toller Weißer aus dem Süden produziert von der Familie Ferreira, jetzt (aus)zutrinken, *(*)/***, €6
Montag, 14. Dezember 2009
Blogger-echo ) echo )) echo )))
Oder was wird das sonst auf tvino's "vinotainment blog" (1|2)?
Liebes tvino-posterous-Team, was haltet ihr davon, eure eigenen eigene Beiträge zu verfassen? Denn naturgemäß ist das gedankenlose Wiederkauen bereits von einigen Pflanzenfressern hinreichend besetzt!
Zumindest die Grundspielregeln wie einen Link auf den Originalblogbeitrag, richtiges zitieren und Zitate als solche auch erkenntlich zu machen, sowie ein paar eigene Gedanken zum Beitrag - wenigstens mit einem (1!) Satz - sind auch der nördlichen Blogsphäre nicht zuviel verlangt, oder?
Liebes tvino-posterous-Team, was haltet ihr davon, eure eigenen eigene Beiträge zu verfassen? Denn naturgemäß ist das gedankenlose Wiederkauen bereits von einigen Pflanzenfressern hinreichend besetzt!
Zumindest die Grundspielregeln wie einen Link auf den Originalblogbeitrag, richtiges zitieren und Zitate als solche auch erkenntlich zu machen, sowie ein paar eigene Gedanken zum Beitrag - wenigstens mit einem (1!) Satz - sind auch der nördlichen Blogsphäre nicht zuviel verlangt, oder?
Sonntag, 30. August 2009
Flüssiger Gaumenschmaus - Kategorie Lieblingsweine
Ein unlängst erschienener Artikel von Michael Liebert zum Thema "Wein & Emotion" inspirierte mich dazu, jene zwei Weine der letzten Wochen vorzustellen, die mir nicht nur überaus viel Trinkgenuß bereitet haben, sondern mich emotional in Höchststimmung versetzt haben.
Sein Calcinaires Blanc hat schön öfters genußvolle Bekanntschaft mit meiner Zunge gemacht, die rote Variante ist aber Neuland für meinen Gaumen. Und es war Liebe auf den ersten, (aufgrund der sommerlichen Temperaturen leicht gekühlten) Schluck. An diesem lauen Abend saß ich wohl etwas länger - in trauter Zweisamkeit mit dieser Flasche. Und nur weil ich meine Begeisterung für diesen Wein auch meiner lieben Renate am nächsten Tag in Form eines Glases näherbringen wollte habe ich mich davon abgehalten, die Bouteille komplett zu leeren ;-).
Domaine Gauby, Les Calcinaires Rouge 2007, Côtes du Roussillon Villages, Frankreich, eine Cuvée zur Hälfte aus Syrah, einem Viertel Mourvèdre und dem Rest aus Grenache und Carignan, kultiviert auf kalkreichen Sedimentgestein und Schieferboden, schön leuchtendes Purpurrot, anfangs werden die Geruchsrezeptoren gleich einmal mit herrlich würzig intensiven Aromen eingefangen, aber auch ein wenig rohes Fleisch, expressive Mineralik, der Wein gleitet in einer unnachahmlichen Art und Weise so raffiniert seidig über die Zunge, mit frischem und kühlen Mundspiel, dabei zeigt der Wein eine bemerkenswerte Konzentration, die wohl ua. die spontane Vergärung mit teilweise nicht entrappten Stielen und Stengeln zurückzuführen ist, feine Fruchtaromatik gepaart mit Frische und Noblesse, im Abgang ist wiederum eine tolle Würzigkeit anzutreffen. In gewisser Weise ist dieser Wein intellektuell und avantgardistisch, aber wohl nur deswegen, weil diese umwerfende Stilistik einfach viel zu selten anzutreffen ist, Höchstwertung, ***/***
Solch einen fokussierten Weine in einer derart südlich gelegenen Region zu erzeugen ist bewundernswert. Und ganz nebenbei auch noch klares und kompromißloses Statement für deren Machbarkeit im Kontext dieser Bedingungen, auch wenn der Boden, das Mikrolima, sehr alte Rebstöcke und die biodynamische Bewirtschaftung ihres dazu beitragen.
Unglaublich was Monsieur Gauby hier um €14 ins Glas zaubert - das läßt vielfach so teure Weine richtiggehend antiquiert aussehen. Kategorie persönlicher Lieblingswein.
Mein erster Jahrgang des zweiten Weines, den ich damals aus Neugierde von einer heimischen Weinhandelskette aus den Regalen mitgenommen habe, welche hierzulande auch die Weine importiert, war der 2002er Jahrgang.
Der Wein der Waterford Estate - einem Gemeinschaftsprojekt der zwei Familien Ord und Arnold - wurde damals in der leider eingestellten Kolumne "Für sie verkostete neue Weine" im falstaff-Magazin 4/ 2003 mit lobenden Worten und dem Zusatz "gute Alternative zum burgundischen Vorbild" bedacht - zu recht, wie sich nun bei der Verkostung meiner leider letzten Flasche heraustellte.
Waterford Estate, Chardonnay 2004, Stellenbosch, Südafrika, Goldgelb, ein prachtvoll komplexe Nase voller fein verwobener Aromen, Biskuitt, Honigtöne, Karamel, dann die volle Ladung Myrrhe, balsamisch, das Holz perfekt eingebunden, aber auch ein wenig Zitrusfrucht, exotische Noten, zart vanillig am Gaumen, fein schlanke Struktur, balancierte Säure bei mittellangem Abgang, die Balsamik dominiert den Nachgeschmack, so wundervoll kann barriquegeschulter Chardonnay sein, hat Modellcharakter, ein Meisterwerk jetzt am Höhepunkt seines Trinkgenusses, ganz klar die vollen Punkte, ***/***
Eine Hoch für den barriquegeschulten Chardonnay! Bei einem solch traumhaften Exemplar wie diesem kann kein Weinliebhaber mit "ABC - Anything but Chardonnay" punkten. Nicht bei mir!
Übrigens kann ich berichten, daß ich die Nachfolgejahrgänge allesamt in guter Erinnerung habe. Ob sie nach 5 Jahren dem '04er allerdings qualitativ ebenbürtig sind? Die Zeit wird's zeigen.
Bildquellennachweis: Waterford Estate, Domain Gauby
***
Gérard Gauby vorzustellen erübrigt sich. Einen kurzen Abriß über die Domaine gibt's zB. bei Pinard. Gauby-Weine sind nicht billig, können sie auch gar nicht, denn schließlich war er - und ist es immer noch - einer der großen Motoren hinter der Biodynamik im Süden Frankreichs.Sein Calcinaires Blanc hat schön öfters genußvolle Bekanntschaft mit meiner Zunge gemacht, die rote Variante ist aber Neuland für meinen Gaumen. Und es war Liebe auf den ersten, (aufgrund der sommerlichen Temperaturen leicht gekühlten) Schluck. An diesem lauen Abend saß ich wohl etwas länger - in trauter Zweisamkeit mit dieser Flasche. Und nur weil ich meine Begeisterung für diesen Wein auch meiner lieben Renate am nächsten Tag in Form eines Glases näherbringen wollte habe ich mich davon abgehalten, die Bouteille komplett zu leeren ;-).
Domaine Gauby, Les Calcinaires Rouge 2007, Côtes du Roussillon Villages, Frankreich, eine Cuvée zur Hälfte aus Syrah, einem Viertel Mourvèdre und dem Rest aus Grenache und Carignan, kultiviert auf kalkreichen Sedimentgestein und Schieferboden, schön leuchtendes Purpurrot, anfangs werden die Geruchsrezeptoren gleich einmal mit herrlich würzig intensiven Aromen eingefangen, aber auch ein wenig rohes Fleisch, expressive Mineralik, der Wein gleitet in einer unnachahmlichen Art und Weise so raffiniert seidig über die Zunge, mit frischem und kühlen Mundspiel, dabei zeigt der Wein eine bemerkenswerte Konzentration, die wohl ua. die spontane Vergärung mit teilweise nicht entrappten Stielen und Stengeln zurückzuführen ist, feine Fruchtaromatik gepaart mit Frische und Noblesse, im Abgang ist wiederum eine tolle Würzigkeit anzutreffen. In gewisser Weise ist dieser Wein intellektuell und avantgardistisch, aber wohl nur deswegen, weil diese umwerfende Stilistik einfach viel zu selten anzutreffen ist, Höchstwertung, ***/***Solch einen fokussierten Weine in einer derart südlich gelegenen Region zu erzeugen ist bewundernswert. Und ganz nebenbei auch noch klares und kompromißloses Statement für deren Machbarkeit im Kontext dieser Bedingungen, auch wenn der Boden, das Mikrolima, sehr alte Rebstöcke und die biodynamische Bewirtschaftung ihres dazu beitragen.
Unglaublich was Monsieur Gauby hier um €14 ins Glas zaubert - das läßt vielfach so teure Weine richtiggehend antiquiert aussehen. Kategorie persönlicher Lieblingswein.
***
Mein erster Jahrgang des zweiten Weines, den ich damals aus Neugierde von einer heimischen Weinhandelskette aus den Regalen mitgenommen habe, welche hierzulande auch die Weine importiert, war der 2002er Jahrgang.Der Wein der Waterford Estate - einem Gemeinschaftsprojekt der zwei Familien Ord und Arnold - wurde damals in der leider eingestellten Kolumne "Für sie verkostete neue Weine" im falstaff-Magazin 4/ 2003 mit lobenden Worten und dem Zusatz "gute Alternative zum burgundischen Vorbild" bedacht - zu recht, wie sich nun bei der Verkostung meiner leider letzten Flasche heraustellte.
Waterford Estate, Chardonnay 2004, Stellenbosch, Südafrika, Goldgelb, ein prachtvoll komplexe Nase voller fein verwobener Aromen, Biskuitt, Honigtöne, Karamel, dann die volle Ladung Myrrhe, balsamisch, das Holz perfekt eingebunden, aber auch ein wenig Zitrusfrucht, exotische Noten, zart vanillig am Gaumen, fein schlanke Struktur, balancierte Säure bei mittellangem Abgang, die Balsamik dominiert den Nachgeschmack, so wundervoll kann barriquegeschulter Chardonnay sein, hat Modellcharakter, ein Meisterwerk jetzt am Höhepunkt seines Trinkgenusses, ganz klar die vollen Punkte, ***/***
Eine Hoch für den barriquegeschulten Chardonnay! Bei einem solch traumhaften Exemplar wie diesem kann kein Weinliebhaber mit "ABC - Anything but Chardonnay" punkten. Nicht bei mir!Übrigens kann ich berichten, daß ich die Nachfolgejahrgänge allesamt in guter Erinnerung habe. Ob sie nach 5 Jahren dem '04er allerdings qualitativ ebenbürtig sind? Die Zeit wird's zeigen.
Bildquellennachweis: Waterford Estate, Domain Gauby
Freitag, 31. Juli 2009
Cornellisson - Contadino 4
Frank Cornelissen, ehemaliger belgischer Weinhändler und seit einigen Jahren Weinbauer an den nördlichen Hängen des Ätna in Sizilien ist sicherlich kein Winzer im herkömmlichen Sinn.
Ein kleiner Auszug aus der Hompage (Our Estate) macht seine ungewöhnliche Produktphilosophie schnell klar:
"Our farming philosophy is based on our acceptance of the fact that man will never be able to understand nature's full complexity and interactions. We therefore choose to concentrate on observing and learning the movements of Mother Earth in her various energetic and cosmic passages and prefer to follow her indications as to what to do, instead of deciding ourselves. Consequently this has taken us to avoiding all possible interventions on the land we cultivate, including any treatments, whether chemical, organic, or biodynamic, as these are all a mere reflection of the inability of man to accept nature as she is and will be. The divine ability to understand the 'Whole' was obviously not given to man as we are only a part of this complex and not god himself. Though, evermore man pretends to be god, altering nature's delicate balance, for reasons of productivity, with all due consequences..."
Konsequenterweise bedeutet das für diese Naturwein alles abseits der modernen Önologie:
Niedrigste Erträge, extreme (Einzeltrauben)Selektion, Fermentierung und Ausbau nach alten Produktionstechniken mit in den Erdboden eingelassenen (400l-)Tonamphoren über mehrere Monate, ja teilweise Jahre, ohne Trennung der Stile und Rebschalen, Verzicht auf jede Schwefelung, unfiltrierte Abfüllung auf der Hefe.
Klar, daß eine solche Art der Weinbereitung natürlich auch für kontroversielle Beurteilung und Diskussion in den Foren (1, 2) sorgt.
Azienda Agricola Frank Cornelisson, Rosso di Contandino 4, 2006, Etna, Sizilien, ich habe den Wein ziemlich gekühlt getrunken, eigentlich mehr wie einen Rosé und das hat dem Wein sehr zum Vorteil gereicht - wird im übrigen auch von Frank Cornelisson empfohlen, da die Weine ja keine zugesetzte Stabilisierung beinhalten und somit Kühlung zur Haltbarkeit beiträgt. Trüb - weil unfiltriert - deutlich orange, ja hellbraune Färbung, die Aromatik für mich sehr schwer zu beschreiben, aber nicht unharmonisch oder unangenehm, eine schiere Fülle an Aromen, Assoziationen an Gummi, oxidative Noten, überreife Tomaten, vegetabile Aromatik, chemisch (Lösungsmittel), im leeren Glas bleiben Lakritze, Minze, aber auch medizinische Noten, sprengt einfach die "Norm des Gewohnten", mundfüllende Struktur, sowohl die Gerbstoffe als auch die Säure betreffend, im Rückgeschmack extrem nussige Aromen, welche mich an den Tavel Rosé 2004 von Eric Pfifferling.
Interessant und bemerkenswert fand ich auch trotz der vorhandenen 15% Vol. die fast schwebende Leichtigkeit des Weins! Eine Er-fahrung im wörtlichen Sinn.
Ich habe großen Respekt vor Personen, die in einen solch konsequenten Weise ihren Weg entlang ihrer persönlichen Erfahrung und Überzeugung gehen. Wenngleich ich auch nur den einfachsten Wein von Frank Cornelission verkostet habe - und ich diesen für mich nicht zum alltäglichen Genuß auswählen werde - zeigt es doch wiederum eine neue Facette in der unglaublich vielfältigen Art der Weinlandschaften. Alleine dafür lohnt es sich mit diesen "Grenzgängern" und ihren Ideen auseinanderzusetzen.
Ein kleiner Auszug aus der Hompage (Our Estate) macht seine ungewöhnliche Produktphilosophie schnell klar:
"Our farming philosophy is based on our acceptance of the fact that man will never be able to understand nature's full complexity and interactions. We therefore choose to concentrate on observing and learning the movements of Mother Earth in her various energetic and cosmic passages and prefer to follow her indications as to what to do, instead of deciding ourselves. Consequently this has taken us to avoiding all possible interventions on the land we cultivate, including any treatments, whether chemical, organic, or biodynamic, as these are all a mere reflection of the inability of man to accept nature as she is and will be. The divine ability to understand the 'Whole' was obviously not given to man as we are only a part of this complex and not god himself. Though, evermore man pretends to be god, altering nature's delicate balance, for reasons of productivity, with all due consequences..."
Konsequenterweise bedeutet das für diese Naturwein alles abseits der modernen Önologie:
Niedrigste Erträge, extreme (Einzeltrauben)Selektion, Fermentierung und Ausbau nach alten Produktionstechniken mit in den Erdboden eingelassenen (400l-)Tonamphoren über mehrere Monate, ja teilweise Jahre, ohne Trennung der Stile und Rebschalen, Verzicht auf jede Schwefelung, unfiltrierte Abfüllung auf der Hefe.
Klar, daß eine solche Art der Weinbereitung natürlich auch für kontroversielle Beurteilung und Diskussion in den Foren (1, 2) sorgt.
Azienda Agricola Frank Cornelisson, Rosso di Contandino 4, 2006, Etna, Sizilien, ich habe den Wein ziemlich gekühlt getrunken, eigentlich mehr wie einen Rosé und das hat dem Wein sehr zum Vorteil gereicht - wird im übrigen auch von Frank Cornelisson empfohlen, da die Weine ja keine zugesetzte Stabilisierung beinhalten und somit Kühlung zur Haltbarkeit beiträgt. Trüb - weil unfiltriert - deutlich orange, ja hellbraune Färbung, die Aromatik für mich sehr schwer zu beschreiben, aber nicht unharmonisch oder unangenehm, eine schiere Fülle an Aromen, Assoziationen an Gummi, oxidative Noten, überreife Tomaten, vegetabile Aromatik, chemisch (Lösungsmittel), im leeren Glas bleiben Lakritze, Minze, aber auch medizinische Noten, sprengt einfach die "Norm des Gewohnten", mundfüllende Struktur, sowohl die Gerbstoffe als auch die Säure betreffend, im Rückgeschmack extrem nussige Aromen, welche mich an den Tavel Rosé 2004 von Eric Pfifferling.Interessant und bemerkenswert fand ich auch trotz der vorhandenen 15% Vol. die fast schwebende Leichtigkeit des Weins! Eine Er-fahrung im wörtlichen Sinn.
Ich habe großen Respekt vor Personen, die in einen solch konsequenten Weise ihren Weg entlang ihrer persönlichen Erfahrung und Überzeugung gehen. Wenngleich ich auch nur den einfachsten Wein von Frank Cornelission verkostet habe - und ich diesen für mich nicht zum alltäglichen Genuß auswählen werde - zeigt es doch wiederum eine neue Facette in der unglaublich vielfältigen Art der Weinlandschaften. Alleine dafür lohnt es sich mit diesen "Grenzgängern" und ihren Ideen auseinanderzusetzen.
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