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Sonntag, 16. Jänner 2011

So geht's weiter in 2011

Dem Alter, an dem Neujahrsvorsätze obligatorisch sind erwartet werden, bin ich zum Glück entwachsen. Was nicht heißt, dass ich nicht an mir arbeite :-).
Kritische Selbstreflexion nicht nennt sich das und der geneigte Leser weiß natürlich auch, dass diese natürlich permanent erfolgt und nicht nur einmalig am Sprung zum neuen Jahr - ähnlich dem EAV (1|2)-Klassiker "Morgen Ja Morgen fang ich a neues Leben an..".

So habe ich nach 12 Jahren mein falstaff-Abo gekündigt - meine vinaria & Weinwelt-Abonnements bleiben jedoch vorerst einmal bestehen. Auch wenn ich in den letzten Jahren nur mehr selten einer Empfehlung der Magazine gefolgt bin - und auch nicht immer mit diesen Empfehlungen d'accord war - so freue ich mich auch heute noch über den einen oder anderen gelungenen Bericht, das teilweise recht profunde Hintergrundwissen (vinaria), Gastkommentare oder einfach nur über genuss- und prachtvolle Fotos (Weinwelt). So einfach kann das zuweilen mit dem Wein sein.
Und da sich nach den tollen Jahrgängen der letzten Jahre auch die Regale meines Weinkellers biegen, sich fast kein freies Platzerl mehr finden lässt, kann ich es heuer mit dem "medial viel-zu-früh und zu unrecht(?) schlechtgemachten" 2010er Jahrgang ganz entspannt angehen. Es wird ein Geldbörse-schonendes Weinjahr für mich ;-)

Ohnehin gibt es auch beim Anlegen schärfster Kriterien beim Weineinkauf noch immer so viele gaumenbeglückende Tropfen, sodass es nach wie vor locker zu schaffen sein wird, den Keller randvoll zu halten!
Zudem habe ich nach nunmehr fast 20 Jahren intensiver Weinsuche eigentlich meine Weinlinie gefunden und  da muss ich nicht mehr jedem Trend Lüfterl gleich hinterherlaufen.
So gilt (es) heuer (wie auch in den Jahren zuvor)
  • mehr Schaumwein zu genießen, bei jeder hervorragenden Flasche Cremant, Schampus, Prosecco oder Winzersekt denke ich mir das immer wieder,
  • dem Weinviertel ein paar weitere flüssige Geheimnisse zu entlocken,
  • vermehrt jenen Winzern das Vertrauen zu schenken, die mich über die letzte Dekade mit konstant hervorragender Qualität beeindrucken konnten
  • und nicht mehr alle autochthonen Rebsorten probieren zu wollen. Zum einen ist dies ein ohnehin hoffnungsloses - weil nie enden wollendes -  Unterfangen, zum anderen liebe ich Chardonnay und Cabernet viel zu sehr, auch wenn dies (noch immer nicht? Oder schon wieder?) opportun kund zu tun ist..

Dienstag, 31. August 2010

Ein toller 2010er Jahrgang

Das ist ja wieder einmal typisch Österreichischer Rundfunk (ORF).
Obwohl auch heuer wieder Weinmacher und Blogger Dirk Würtz als erster Verkünder des nächsten Jahrhundertjahrgangs aufgetreten ist - liebe Weinjournalisten, merkt ihr denn nicht von welch immenser Last euch dieser Mann befreit? - schafft es der heimische Informationsanbieter am selben Tag noch eins draufzusetzen.

Die lockende Überschrift:
Weinjahrgang 2010: Wenig, aber gut

Letzter Absatz relativierend (im Futur):
"Was die Qualität betrifft, ist man aber zuversichtlich. Vorausgesetzt, der Herbst bringe noch genügend Sonnenstunden, werde der Jahrgang 2010 ein guter, sagte Pleil"

Wer führt da in der niederösterreichischen Redaktion das Interview? Der Wetterfrosch? Wohl an lieber ORF, ich drücke euch die Daumen, daß auch ein wenig Sonne auf euer Redaktionszentrum scheinen möge..

Samstag, 3. Juli 2010

SALON 2010

Da sind sie also wieder, die SALON 2010 Weine (Auserwählte & Sieger) aus dem lt. Eigendefinition "härtestem Weinwettbewerb" des Landes!

Mein Selbstversuch vom voriges Jahr war derart erfolgreich, sodaß er heuer prolongiert wird. Damals habe ich mit den Weinviertlern mit "SALON-Pickerl" einen guten Griff getan und hatte ansprechende Weine im Glas. Das freut einem natürlich, zumal es sich doch großenteils um für mich unbekannte Weingüter gehandelt hat.

Auch im Supermarkt tauchen die SALON etikettierten Flaschen zuweilen auf und meistens streckt sich dann auch sofort meine Hand aus um zumindestens ein Exemplar in den Einkaufswagen zu verfrachten. Die Qualität der Weine war immer tadellos, auch wenn die Auszeichnung keine Aussage zur Stilistik der Weine ist. Eine solche ließe sich nur über Kenntnis zum Jahrgang (Witterungsverlauf), Bandbreite der Rebsorte und Betriebsphilosophie erahnen. Außerdem wollen wir doch eine möglichst große Vielfalt, nichtwahr, und insofern wäre eine Forderung nach einer "stilistischen Kennzeichnung" durch das Logo auch nicht zielführend und sinnvoll.

Das SALON-Logo als Orientierungshilfe für Konsumenten? Diese voriges Jahr gestellte Frage läßt sich nun ganz eindeutig mit Jein beantworten - Ja in Bezug auf die Summe aller Maßnahmen, welche zu einem hochwertigen Wein führen, Nein bezogen auf die Erfüllung der persönlich präferierten Weinstilistik. Und die ist bei einigen Konsumenten oftmals viel enger gefasst als wir glauben.. .

Samstag, 6. März 2010

Jungweindiskurs

Dirk Würtz sinniert laut über den (deutschen) Jungweinwahn (1|2).

Nichts wirklich Neues in Österreich, denn gerade der Spätwinter, die Zeit der meisten Jungweinverkostungen, macht dieses Thema jedes Jahr wieder hoch aktuell!
Ich habe schon im Vorjahr darüber geschrieben und auch einen ganz simplen Lösungsansatz aufgezeigt, der auf Seiten der Konsumenten
und der Winzer eine Win-Win-Situation schafft - und dies ganz ohne Bevormundung.
Zudem
sehe ich es als mündiger Konsument mit einem breiten Grinsen im Gesicht, ermöglicht doch der Jungweinwahn einen alljährlichen Abverkauf des Vorgängerjahrgangs im Fachhandel, der es einem Weinfreund zu günstig(er)en Konditionen ermöglicht, sein Weinregal aufzufüllen.

Grundsätzlich muß man – und das geht auch aus obigem Beitrag von Dirk bzw. dem Diskurs bei Bernhard Fiedler hervor – zwischen zwei Betrachtungsweisen unterscheiden. Zum einen geht es darum, wann der aktuelle Weinjahrgang in den Markt Eingang findet, zum anderen geht's um die Thematik des „gereiften Weines“.

Mir geht’s persönlich mehr um’s erstere, denn ob man gereifte Weine bevorzugt oder nicht, und ab wann überhaupt ein Wein als gereift zu bezeichnen ist, all das ist in erster Linie eine Frage des persönlichen Geschmacks. Dies am Etikett einer „Weinkennerschaft“ dingfest zu machen, ist meiner Meinung nach eine unzulässige Vereinfachung.
Wenn die Liebe der Winzer zu den eigenen Kreszenzen so weit geht, daß sie ein paar Kartons für Freunde älterer Weine beiseite legen, freut mich das. Als Muß sehe ich dies aber nicht, denn wir Weinfreaks pflegen unsere Meriten ja lieber doch im eigenen Keller!

Zweiteres ist da vom Thema her schon weitaus spannender!
Ein wenig ist das Geschrei der Winzer aus Verbrauchersicht natürlich auch
perfide. Stehen doch zum einen hinter dem möglichst raschen Verkauf auch wirtschaftliche Interessen, auf der anderen Seite machen jene Weine, bei denen ein Zurückbehalten zugunsten weiterer reife Sinn hat ohnehin nicht das wirtschaftliche Fundament eines Betriebes aus. Also warum nicht einfach (zu)warten mit den guten Tropfen? Und wozu dann all die zahlreichen Faßproben?
Erziehungsarbeit leisten zudem hier auch die Winzer selbst. Wurden nicht jahrelang die kaltvergorenen Reinzuchthefe-Exemplare als das Non-Plus-Ultra des kommenden Sommers proklamiert? Kein Wunder, daß die Gaumen der Konsumenten mit einer "anderen" Stilistik gar nichts mehr anfangen können! Besitzen diese Weine doch nicht mehr die vordergründige (eindimensionale), aber als makellos wahrgenommene Schönheit der Jugend. Leise Zwischentöne im Wein erfordern zudem neben Zeit und Reife(!) auch mehr Kennerschaft als die primärfruchtige Aromabomben.

Was ich wirklich nicht verstehe, ist warum die Jungweinverkostungen oftmals terminlich noch im tiefen Winter liegen.
Hier wär’s an der Zeit, organisatorisch was zu ändern, machen doch im lauen Frühling angesiedelte Präsentationen deutlich mehr Lust auf frischen Weißwein und zudem hätten die Weine auch weitere 2 Monate Zeit für ihre Entwicklung. Gerade beim Stelvin ist doch ein füllfertiger Wein ungleich wichtiger - nein kritischer - als beim Naturkork.
Und daß es Weinbauern gibt, die ihre Weine aufgrund des Kundenverlangens früher füllen, obwohl sie wissen, das der Wein noch deutlich Zeit zum Ausreifen brauchen würde, verstehe ich ohnehin nicht wirklich. Möchte denn nicht jeder gerne seine Arbeit vom Vorjahr im bestmöglichen Zustand herzeigen?
Aber da die meisten Konsumenten ohnehin nur einfach eine gutes Glas Wein genießen möchten, ohne den Wein zu zerlegen und zu analysieren, kaufen sie das, was verfügbar ist. Und dies ist nun mal der allerorts als "neu" angepriesene Jungwein. Paßt doch ganz gut in der Schnellebigkeit unserer Welt, wo doch "neu" immer besser als "alt" ist! Genußnivellierung vom Fließband ;-)
Daß natürlich auch einige Weine auf gute Trinkbarkeit im Frühling - und damit zu Lasten der Haltbarkeit - hin vinifiziert werden, um bei den Tastings der Fachmagazine besonders gut abzuschneiden, ist eine weitere Facette in dieser Diskussion.

Andererseits orte ich auch eine gewisse Diskrepanz in den Aussagen zur Verkaufbarkeit von "Altweinen". Behaupten die einen (Winzer), daß sich immer nur der aktuelle Jahrgang unters Volk bringen läßt, haben gute Gastronomiebetriebe (zugegebenermaßen meistens im gehobenen Segment) bzw. Winebars meistens kein Problem, auch den Vorgängerjahrgang (oder älter) zu vertreiben. Beratung durch fachkundiges Personal trägt natürlich dazu bei.
Aber und zu treffe ich auch auf Winzer, die berichten, daß nicht alle Länder, in denen sie exportieren, auf den aktuellen Jahrgang fixiert sind. So fragen niederländische Importeure schon gerne mal nach dem ältest verfügbaren Wein und auch in Hamburg scheint man diesbezüglich etwas offener zu agieren.
Im Supermarkt sieht das ganz anders aus. Jedenfalls würde ich dort aufgrund der oftmals schlechten Lagerbedingungen wie Wärme, Neonlampen, usw. ohnehin keinen älteren Jahrgang erwerben wollen.

Ob jemand den Wein lieber jung oder gereift trinken mag, soll jeder für sich entscheiden. Jedenfalls hat es was, wenn die Reifeentwicklung eines tollen Tropfens über mehrere Jahre verfolgt werden kann - das gilt für Weißwein genauso wie für den Roten. Aber auch ein frisch-fruchtiger Jungwein zu den ersten Sonnenstrahlen genossen, ist nicht zu verachten. Warum sich auch entscheiden, wenn man beides haben kann?
Das einzige, wofür ich wirklich eintrete, daß die Winzer ihren (Weiß)Weinen die notwendige Entwicklungszeit geben und sie erst dann in den Handel bringen. Genauso wie:

Der Vergleich vom Aktuellen zum Vorgängerjahrgang macht die meisten (meistens ;-) sicher, zu welcher Flasche sie greifen sollen!

Freitag, 15. Jänner 2010

Verspäteter Neujahrswunsch

Liebe Weingärtnerinnen, Weinbauern und Winzer,

wenn ich einen verspäteten Neujahrswunsch äußern darf - der iÜ. so neu nicht ist - und mir desöfteren schon sauer aufgestoßen ist - dann ersuche ich euch alle um etwas mehr Verläßlichkeit im Umgang mit den "Neuen Medien".

Im Jahr 2010 kann doch nun wirklich keine Person mehr behaupten, daß e-Mail und Web erst in den letzten Jahren entstanden sind und die rasche Verbreitungsgeschwindigkeit des Mediums nicht abzusehen war. Zumal im Vorjahr 2009 die elektronische Post - kurz e-Mail - in Deutschland ihren 25. Geburtstag feierte.

Interessanterweise gibt es doch eine große Anzahl an Betrieben, welche perfekt auf der Tastatur des virtuellen Marketings zu spielen imstande sind, die eine ansprechend gestaltete Homepage ihr eigen nennen, welche für uns Weinkonsumenten informativ und aktuell gestaltet wird. So soll's sein!

Auf der anderen Seite stehen Erzeuger, welche zwar nach dem "me too"-Motto auch einen "Eintrittspunkt" im Web besitzen, diese aber dem Irrglauben aufgesessen sind, daß es mit dessen einmaligen Erstellung dann auch schon getan ist. "Content" ist für diese Personen ein Fremdwort, ebenso die Tatsache, daß man diese Art an Informationen und deren Einbindung heutzutage fast an jeder (virtuellen) Ecke preisgünstig als Dienstleistung beziehen kann. Die Ausrede: "Meine Kernkompetenz ist der Wein & nicht das Web" greift also zu kurz!

Richtig ärgerlich wird es aber, wenn selbst renommierte Winzer mit ansonsten tadellosen Internetauftritt auf Anfragen oder Bestellungen per e-Mail nicht reagieren. Mehrmaliges Rückfragen inklusive zwecklos.
Liebe Leute, schaut euch doch bitte einfach einmal die vorbildlichen, weil für Kunden völlig transparenten, Bestellsysteme der großen Handelsgesellschaften bzw. weltweit tätigen Paketversender im Internet an. Es würde schon reichen, nur einen Bruchteil dieser umfassenden Informationen (Serviceorientierung!) für die eigene Umsetzung mitzunehmen.

Eine kurze Rückmeldung, daß die Bestellung eingetroffen und in Bearbeitung ist, kann doch wirklich nicht zuviel verlangt sein, oder? Ebenso einmal die Antwort(!) auf eine Anfrage für den interessierten Weinfreund, ob noch ein älterer Jahrgang eines bestimmten Weines verfügbar ist, oder die eine bzw. andere Hintergrundinfo zu einer Flasche wie zB. Technische Daten.

Gute Weine finden sich heutzutage mehrere und auch die Konsumenten sind viel flexibler in ihrem Kaufverhalten geworden, ein wenig Kundenorientierung könnte also einen entscheidenden Beitrag zu (m)einer Folgebestellung beitragen..
..Anno 2010!

Samstag, 1. August 2009

100er-Punktevergabe

Über den Sinn und Unsinn der Weinbeurteilung nach der amerikanischen(sic!) 100-Punkte-Klassifikation sind wohl schon etliche Zeilen verfaßt worden. Wie divergierend darin die Beurteilung oftmals sind, ist mir vor kurzem wieder einmal anhand zweier (mir bekannter) Weine aufgefallen.

Zweigelt Classique 2007 vom Weingut Pöckl, Neusiedlersee
  • Niko Rechenberg (86-88)
  • Peter Moser 91 (falstaff, 2. Grand-Prix-Sieger Zweigelt Grand Prix)
Toni Hartl, Blaufränkisch Leithaberg 2006, Neusiedlersee/Hügelland (einer IMHO besten Weine, die unser Land zu bieten hat)
  • 89 von 100 falstaff Punkten (Peter Moser)
  • 3 von 5 Vinaria Sternen (??)
  • 97 von 100 A la Carte Punkten (Dr. Michael Pronay)
Wie gravierend ist nun das Überschreiten der "magischen", weil werbewirksamen, 90-Punkte-Grenze im ersten Beispiel? Oder ist es nur eine Frage der persönlichen Vorliebe für eine bestimmte Stilistik? Hatte einer von beiden Verkoster einen schlechten Tag? Oder nur der Wein? Oder liegen beide Bewertungen ohnehin innerhalb der "Beurteilungsunschärfe"? Wie hoch die wohl ist? Und wie definiert sich der Unterschied zwischen 89 und 91 Punkten?
Beim zweiten Beispiel, da wird's schon ein wenig heftiger! Von Unschärfe kann bei einer 8-Punkte-Differenz keine Rede mehr sein! Ich nehme an, es liegt schlichtweg am Gefallen bzw. Mißfallen einer bestimmten Weinausprägung.
Und was bringt das für den Endverbraucher? Wo bleibt da bitteschön der Nutzen und vor allem die Nachvollziehbarkeit für die Konsumenten?

Addendum:
Natürlich ist mir bewußt, daß eine unterschiedliche Einschätzung per se keine Korrelation mit dem zugrundeliegenden Beurteilungsschemata aufweist. Aber in einfacheren Systemen - wie zB. mit 5-Sternen - würden unterschiedliche Präferenzen mehr Spielraum bieten, zumal Wein nunmal sehr stark subjektiv und emotional geprägt ist (und alle Versuche ihn objektivierbar zu machen bisher nicht nur eher mäßigen erfolgreich verlaufen sind, sondern dem Thema auch den Großteil seiner Faszination raubt).
Zudem könnte ein grob gerastertes Beurteilungschema die Konsumenten eher dazu bewegen, die (hoffentlich vorhandene) verbale Beschreibung des Weins genauer zu interpretieren. Was dann aber wohl bei den "Punktesammlern & Etikettentrinkern" für Verstimmung sorgen würde.. .

Sonntag, 5. Juli 2009

Die Posse um den deutschen Gault-Millau

Es ist das beherrschende Thema der letzten Tage - ganz klar. Der Aufstand einiger deutscher Spitzenweingüter gegen den Gault Millau-WineGuide sorgt für heiße Diskussionen in Blogs (Zusammenfassung), Wein-Foren und findet sogar zeitnah Erwähnung in den Printmedien, so zB. in der "Welt" und der "Süddeutschen".

Als bekennender Feinschmecker assoziiere ich - so wie wahrscheinlich die meisten anderen Österreicher auch - den Gault Millau in erster Linie mit nur einem Wort - Essen.
Gastrokritik, also Restaurants und die Leistung ihrer Köchinnen und Köche stehen da im Vordergrund. Weinbewertungen gibt's auch, als Beigabe und im Sinne eines Mehrwerts eines Guide prinzipiell ja richtig, da bekanntermaßen Essen und Trinken zusammengehören - wobei sich das Trinken nicht nur auf Wein bezieht.

Im Gegensatz dazu steht bei den Kollegen im Nachbarland offensichtlich mehr der Wein im Mittelpunkt. Auch dürfte die Relevanz des GM-WeinGuides eine höhere sein - wie sonst wäre dieser Sommerrevolte einiger der renommiertesten Winzer Deutschlands aufgrund eines offerierten (oder nahegelegten?) "Marketingbeitrags" des Münchner Christian Verlags als Herausgeber des GM erklärbar?

Da meiner Meinung nach der Einfluß dieser Art von Weinführern seit Jahren schwindet und der Deckungsbeitrag natürlich über die verkauften Stückzahlen erwirtschaftet wird, ist es durchaus legitim, über alternative Geldflüsse nachzudenken. Der vom Verlag - wohlgemerkt freiwillige! - Beitrag von etwas unter €200 ist gemessen an der Botschaft für Konsumenten (guter bzw. Spitzenbetrieb des Landes) und seiner Werbekraft samt Nutzung der GM-Logos udgl. wohl ein lächerlicher, zumal es in der Branche bei diversen Verkostungen durchaus Usus ist, von teilnehmenden Betrieben einen Regiebeitrag für ihre eingereichten Weine zu verlangen.

Die Reaktionen der unterzeichneten Betriebe halte ich deswegen (und gemessenen am Aufhänger, nämlich der Beitragsleistung) für überzogen. Auch der Argumentation einer Unvereinbarkeit der freiwilligen Zahlung und der Bewertung im GM-WineGuide kann ich nicht folgen, obwohl ein solches Vorgehen eine schiefe Optik bekommen kann, wenn die Rahmenbedingungen (die Freiwilligkeit) nicht transparent gegeben wären. Ergo dessen ist es ein leichtes zu vermuten, daß sich dahinter offensichtlich noch weitere Beweggründe verstecken.
Nun bin ich kein Winzer und auch kein Weinkritiker im Sinne eines professionellen Journalisten, fühle mich also keiner Partei wirklich zugehörig, sondern sehe mich nur als interessierten Beobachter der Szenerie aus Konsumentensicht. Und eines ist ja wohl sonnenklar: Werbung schadet auch den profiliertesten Weingütern mit den besten Weinen nicht.

Wär es somit nicht endlich an der Zeit, die wahren Gründe für ihre Verärgerung ehrlich und offen anzugehen?

Der Ball liegt bei den Unterzeichnern..

Addendum:
Eines stört mich bei der Sache noch: vom Krieg zu sprechen. Denn dieser hat wohl doch ein viel abscheulicheres Gesicht! So aber nicht der Wein, ganz im Gegenteil!
Andererseits, auch Worte können töten..

Sonntag, 28. Juni 2009

Bordeaux-Primeur?

Nun haben sie alle Weinmagazine wieder durch, die Bordeaux-Primeur-Notizen. (Fast) Jedes Jahr die gleiche Aufregung, nur eben aus einem anderen Grund. Überhöhte Preise, vermeintliche Jahrhundertjahrgänge, die Bewertungspunkte des Herren aus Maryland - was auch immer - für Diskussionsstoff ist reichlich gesorgt.
Nun mag es viele Weinfreunde geben, die diesen Notizen folgend ihre Einkaufskorb füllen. Zu behaupten, daß ich gegen eine Beeinflussung von diesen Notizen resistent bin, wäre gelogen. Jedoch bin ich mir sehr wohl der Tatsache bewußt, daß sie nur eine (verfrühte) Momentaufnahme zum Lebensanfang der Weine darstellen. Gerade aber in durchwachsenen Jahren mit inhomogener Qualität, so wie eben in den letzten 3 Jahren, frage ich mich aber, warum keine Weinzeitschrift eine erneute Verkostung im Jahr der Arrivage - sprich nach der Auslieferung - durchführt?

Eine Bestandsaufnahme fertiger - weil gefüllten Weine - hätte im Gegensatz zur Bewertung der frühen Fassproben für uns private Weinliebhaber deutlich mehr Aussagekraft. Und auch der Preisanstieg in solchen Jahren zwischen Primeur- & Arrivagekauf ist zugunsten einer "gesicherteren" Qualitätsaussage vertretbar, ja, bei einigen Gütern sogar überhaupt nicht vorhanden, sodaß es eben nicht immer en primeur sein muß! Auch an Verkostungsmöglichkeiten kann es wohl kaum scheitern. Hat es nicht eine Veranstaltungen zum bordelaiser Weinjahr 2006 auf der ProWein gegeben? Und selbst wenn! Es läge wohl auch am Journalismus bzw. den Fachhändlern Druck aufzubauen und eine von offiziellen Seite organisierten Veranstaltung - ähnlich der Primeurverkostung - einzufordern!
Aber herrjeh! - ich vergaß - da sind die Euro ja schon über die Theke gerollt - verrücktes Handelssystem, oder? Ist das noch zeitgemäß! Über die Aussichten auf Erfolg will ich.. - ach, was soll's, genug gesponnen!

Zudem werden auch immer die gleichen 50 Châteaus präsentiert, obwohl es sicherlich bei den Tausenden von Weinbaubetrieben dieser Region mehr als nur ein paar Preis-/ Leistungsgranaten zu entdecken gäbe, denn keine andere Weinbauregion der Welt hat eine ähnliche Dichte und somit eine solche Masse an Konkurrenten vorzuweisen. Ein paar Höchstleistungen abseits der Technikverliebtheit von Ms. Rolland und Konsorten sollten sich doch jedes Jahr aufspüren lassen. Ihnen gebührt die Bühne, nicht dem hundertsten Aufguß der Premier Crus.
Warum geht hier keine Weinzeitschrift einmal mit gutem Beispiel voran? Nur Mut, oder folgen alle bloß den Lemmingen gleich dem ewigselben Einheitsbrei?
Aber klar, da kommt wieder das Prestige einiger weniger Châteaus ins Spiel, die glänzende Aura, der Nimbus des Unantastbaren, in dem schlußendlich dann doch wieder nur das Mascherl samt Top-Score einiger weniger Experten zählt.

Trotz alledem. Ich liebe Weine aus Bordeaux - naja, zumindest einige davon ;-)

Montag, 4. Mai 2009

Wein - Notwendigkeit des Lebens!

David Schildknecht ist Robert Parker's Mann ua. für österreichischen Wein. Seine Fähigkeiten manifestieren sich für mich auch in seiner geschliffen und subtilen Art und Weise, seine Gedanken in Worte zu kleiden. Daß David Schildknecht nebenbei auch noch ein Weinbild pflegt, daß mir entgegenkommt bzw. auch meinen Weinverständnis entspricht - Stichwort burgundischer Blaufränkisch - kann anhand seiner jüngst publizierten Bewertungen (in englisch) zu den heimischen Weinen hier nur positiv angemerkt werden, die erstmals 95 Punkte für Rotwein "made in Austria" brachten.

David Schildknecht's Glosse im heimischen Weinmagazin vinaria lese ich stets mit großem Interesse. Sein letzter diesbezügler Beitrag mit dem Titel "Wein - eine Notwendigkeit des Lebens" nimmt Bezug zur aktuellen wirtschaftlichen Situation und spricht mir bzgl. dem Mysterium Wein im Kontekt meines täglichen Lebens mit Wein direkt aus der Seele.
15 Minuten des genußvollen Reflektierens - natürlich mit einem Glas voll des Wunderstoffs - was braucht der Genießer mehr?

Freitag, 20. März 2009

"Spinner und ihre Weinblogs"

Ein Statement von vinum-Weinschreiber Rudolf Knoll sorgt derzeit für Aufregung!
Ungeachtet der Tatsache, daß allen Weinjournalisten eine gewisse Demut zueigen sein sollte - schließlich schaffen sie in der "Weinleistungskette" die geringste Wertschöpfung - sollte ein respektvoller Umgang miteinander selbstverständlich sein - bei den professionellen Journalisten sowieso! Eine (kurze?) menschliche Schwäche also des Herrn Knoll?

Wieso aber hat ein solches Lüfterl gleich so ein Rauschen im (virtuellen) Blätterwald zur Folge (blogger bashing, ..)? So ganz gefestigt sind wir Blogger in unserem Tun also doch nicht, oder? Wo bleibt das Selbstvertrauen? Der Blick auf Erreichtes?
Also Kollegen, zurücklehnen und entspannen, ein Gutel Glas vom Feinsten genießen und fröhlich weiterspinnen, denn so manche, die andere Wege beschritten haben, wurden schon als Spinner abgetan!
Und immerhin recherchiert Herr Knoll im Internet und liest dabei auch Blogs! So soll's doch auch sein, oder?

Montag, 8. Dezember 2008

Und immer noch die 5er-Diskussion ...

Eigentlich hielt ich die (Hamburger) 5-Euro-Wein-Debatte für längst abgeschlossen, aber anscheinend schwelt diese noch immer leise vor sich hin, das belegen weitere Beiträge am ENO-WorldWine-Blog und drinktank.

Mit Erstaunen - und ja: auch Amusement - nehme ich wahr, mit welcher Vehemenz hier Standpunkte und Zielgruppeninteressen verteidigt wurden - warum eigentlich?

Recht haben natürlich alle (ein bißchen) - zumindestens aus der Perspektive ihres eigenen Standpunkts.
Gute Preis-Leistungs - oder besser: Preis-Genußweine gibt es unbestritten um dieses Geld. Daß aber eine breite Front das Billigpreissegment der namhaften Diskonter unter €3 als Nabel der Weinwelt definiert und daher Weine über €5 ins Premiumsegment hebt, dem muß entschieden entgegnet werden.
Richtiges Erlebnis beim Wein kostet mein Portmonnaie mehr als €5 - *deutlich* mehr!
Arrogant finde ich diese (Kern)Aussage deshalb noch lange nicht, auch wenn ich dabei *nicht* jedes Wort des Herrn Thoma auf die Goldschale lege. Und dabei ist es auch unerheblich, ob sich viele Leute Weine um €10+ nicht leisten können oder ein Gutteil der Premiumweine als maßlos überteuert angesehen wird - denn beides ist (in meiner Welt) Realität.

Letzendlich ist es doch nur eine Frage der persönlichen Prioritäten. Oftmals sind jene, die am lautesten wettern doch genau jene, welche im Pelzmantel zum Wein im Tetrapak greifen oder mit dem "Geiz ist g.."-Spruch auf den Lippen ihre Luxuskarosse vorm Diskonter parken.

Der im Beitrag von Dagmar Ehrlich getätigte Ausspruch "Qualität braucht eine Lobby" besitzt heutzutage im Zeitalter der Einnivellierung und Uniformität für mich mehr denn je Aktualität, auch wenn wir zuallererst einmal begreifen müssen, daß Qualität per se nicht gut oder schlecht ist, sondern das, was wir darunter explizit und implizit definiert verstehen.
Und nein, ich erwarte nicht vom Weinhändler meines Vertrauens, daß er in den Ring der €5 Preisschlacht steigt, sondern daß er sich auf die Suche nach Weinen begibt, welche mit nachvollziehbarer Preispolitik meinen Wein- & Geschmackshorizont erweitern - Punkt.

Donnerstag, 4. September 2008

Der "Tod in Bordeaux"

Die Weinkrimis von Paul Grote wurden schon in einigen Blogs erwähnt, so zB. bei Swetlana Kittkes myexperience4u, bei Joachim von bestebioweine und in Bernhard Fiedlers Weinblog.

Nach der "Verschwörung beim Heurigen" war mir klar, daß Paul Grote für dieses Werke eher keinen Literaturpreis gewinnen würde, aber das ist ja auch nicht die primäre Intention eines solchen Buches. Eine gute - soll heißen spanndende - Unterhaltung auf möglichst hohen Niveau - gut recherchiert - erwarte ich mir aber bei (Krimi)Romanen allemal.

"Tod in Bordeaux", das erste Buch der nunmehr bereits 5 Werke umfassenden Weinkrimireihe und ist leider nach dem gleichen vorhersehbaren Muster gestrickt wie die "Verschwörung beim Heurigen".
  • Eine weininteressierte Person im "besten" Alter als Hauptfigur,
  • von sympathischer Natur, aber in unglücklicher Beziehung lebend, mit detektivischem Spürsinn und festem Charakter und im entscheidenenden Moment mit (Super)Mannskräften ausgestattet,
  • die Handlung ist auf den ersten Seiten soweit umrissen, daß man den weiteren Verlauf auch ohne hellseherisches Talent vorhersagen kann,
  • das Ganze gewürzt mit einer Love-Story als Nebenhandlung und
  • dazu ein paar Fakten aus dem jeweiligen Weinbaugebiet garniert mit sozial- & gesellschaftspolitischen Begebenheiten.
Dann alles einmal gut durchgerührt und fertig ist das Werk!
Ein gutes Glas Bordeaux hätte dem Autor vielleicht inspiriert, dem Roman ein bisschen mehr Komplexität in seinem Muster zu verleihen, so wie es ein guter Wein eben im Glas minütlich neue Facetten zeigt.
Risiko birgt das Werk für den geneigten Leser aber keines, denn im Gegensatz zum Werktitel ereilt den Leser höchstens der Schlaf durch aufkommende Langeweile beim Lesen.

Ich muß dem Buch aber zugestehen, daß es Aspekte bordelaiser Verhältnisse gut zu vermitteln vermag, obwohl ich nicht beurteilen kann, in wieweit sie auch der Realität entsprechen, da ich selbst noch nie im Bordelais war. Vorstellen kann ich mir's aber allemal. Daß es eine Szenerie zwischen den großen klassifizierten und den unzähligen kleinen, hart arbeitenden Weinbaubetrieben zeichnet, die nur in eingeschränktem Ausmaß vom Ruhm der Premiers und (Super)Seconds profitieren, daß mancherorts Mißgunst und Neid gegenüber Zugewanderten herrscht und daß eine gut geölte Marketingmaschinerie Besucher den Gedabken des "grand terroirs" verkaufen, der sie so über den einen oder anderen getätigten Kunstgriff wie zB. chaptalisation bze. le concentrateur gütlich hinwegsehen lässt.
Auch geben ein paar kleine Wendungen den Buch auf den letzten Seiten endlich jene Spannung, die ich auf den Seiten davor vermisst habe.

Wie immer gilt es aber, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Tod in Bordeaux,
Rowohlt Taschenbuch
ISBN 3-499-23744-X

Donnerstag, 7. August 2008

Böser Schraubverschluß?

Der Schraubverschluß (Stelvin) ist wohl nicht nur in unseren Breitengraden als derzeit bestes Verschlußmedium für Wein akzeptiert. In einem Decanter-Artikel zum Thema "Screwcaps are best: Decanter verdict", in dem sich das Magazin im Namen einiger bekannter WeinschreiberInnen für den Schraubverschluß auspricht, werden bei den Leserkommentare Gegenargumente in Form ökologischer Natur - Aluminium und Petrolprodukte (in Form der Kunstoffdichtung) - bzw. die Möglichkeit einer eventuellen gesundheitsschädlichen Wirkung des Schraubers ins Treffen geführt (durch Abgabe von Aluminiumstaub bzw. ein möglicher Zusammenhang Dichteinlagen und Dioxin bzw. Blei).
Ökologischer Fußabdruck und Krebsrisiko - sind das sie letzten Argumente der Korkbefürworter?
Wie hoch ist der Akzeptanzgrad für den Schrauber bei Winzern & Konsumenten nun wirklich?

Ich jedenfalls bin dem Schrauber gegenüber bisher sehr wohlwollend eingestellt, auch der Vino-Lok-Glasstöpsel ist akzeptable Alternative, auch wenn dieser in der Handhabung dem Schraubverschluß (noch) unterlegen ist.

Freitag, 9. Mai 2008

Parasitäre Weinkritiker

Jancis Robinson hat ihre Weinschreiber-Kollegen bei einer Konferenz in Spanien als "parasitär" bezeichnet und sie aufgerufen, "mehr Demut zu zeigen und ehrlicher zu sein".

Und erntet Zustimmung in den Kommentaren! Full Story gibt's auf Decanter.com.

Samstag, 26. April 2008

Parfum vs Wein

"Chandler Burr ist der beste Parfümkritiker der Welt." heißt es im Artikel "Vom Riechen" der Zeitschrift Die Welt.

Auszug aus dem Artikel gefällig?
Wodurch unterscheidet ein Weinexperte sich von einem professionellen Parfümkritiker? "Das sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge!" Chandler Burr befindet sich am Rand der Empörung darüber, dass diese beiden Dinge überhaupt in einem Atemzug genannt werden. "Wein ist Natur, Parfüm ist Kunst. Wein ist der Name für das, was passiert, wenn man Trauben ausquetscht und den Saft sich selbst überlässt. Parfüm dagegen wird von A bis Z kreiert. Die Moleküle in einem Wein sind geradezu lächerlich kompliziert. Die Moleküle, aus denen ein Parfüm sich zusammensetzt, sind einfach, klar, präzise."

Nur gut daß Chendler Burr beim Parfum geblieben ist und nicht über Wein schreibt, denn sonst müßte auch er einsehen, daß Wein ein Kulturgut ist und als solches des Menschen Hand und Hirn inkludiert. Ergo könnte nun impliziert werden, daß Wein somit viel näher der Kunst anzusiedlen ist, als es sich Mr. Burr vielleicht eingzugestehen vermag. Von Wegen den Saft sich selber überlassen! Ha! Penibelstes Arbeiten im Weingarten und Keller - so schaut's aus. Auch wenn Wein natürlich nicht im eigentlichen Sinne kreiert wird, so gibt es doch bei der Assemblage einer Cuvée zB. Schritte, welche genau in diese Richtung abzielen.

Im übrigen klingt das ja bei Mr. Burr fast so, als hätte man es bei Wein mit einem Produkt minderer Machart zu tun. Könnte es vielleicht sein, daß die vielen Parfumwoklen Hr.Chendlers Nase für die Weinaromen etwas beeinträchtigt haben?

Weiter geht's im Text:
"80 Prozent dessen, was sich in einer durchschnittlichen Parfümflasche verbirgt, wird chemisch im Labor hergestellt, nur etwa 20 Prozent der Inhaltsstoffe sind natürlich. Bald werden Parfüms bis zum letzten Tropfen künstlich hergestellt sein. Chandler Burr findet das nicht nur nicht schlimm, er begrüßt diese Entwicklung sogar. "Die Vorstellung, dass nur das Natürliche gut sein soll, ist eine religiöse Idee, und ich mag Religionen nicht", sagt er. Die Sinnesorgane hätten keine Möglichkeit, ein im Labor erzeugtes Molekül von seinem in der freien Natur herumschwebenden Pendant zu unterscheiden. Hinzu kommt: Es sei ökologisch sehr viel verträglicher, Geruchsstoffe im Reagenzglas zu mixen, statt mit der Axt in den Sandelholzwäldern von Indien herumzuwüten."

Eine IMHO sehr vereinfachte Darstellung einer ziemlich komplexen Materie. Nicht nur, daß die Natur immer noch die Referenz für Aromen jeglicher Art darstellt - auch für Parfumeure - ist es mit naturidenten Stoffen eine höchst zwiespältige Sache. Und für Wein ist das zwar vorstellbar (auch dank der Spinning Cone Column), aber strafbar unter der Bezeichnung Weinpanscherei.

Die Künstlichkeit ist oftmals eben nur eine zweitklassige Kopie des natürlichen Originals. Punkt.

Mittwoch, 7. März 2007

Weiß vs. Rot - eine Genußfrage?

Warum muß ein Rotwein mehr kosten als ein Weißwein?
Ja, das ist eine Frage, die sich mir schon länger stellt. Ein Weißer im unteren Preissegment bereitet mir ungleich mehr Vergnügen!
Die Chance, daß mich ein günstiger Weißer entäuscht ist ungleich geringer wie bei einem Roten. Warum ist das so? Auf den ersten Blick könnte es einige Erklärungen geben: Rotwein hat mehr Prestige und wird daher teurer verkauft! Vielleicht herstellungsbedingt - ist der Weiße vielleicht leichter zu machen oder gar fehlertoleranter im Herstellungsprozeß? Kaufe ich gar die falschen günstigen Rotweine? Oder stelle ich einfach nur höhere Anforderungen an Rotwein? Ist das wirklich so?
Übrigens: vor kurzem hat mir ein Bekannter gestanden, daß es bei ihm genau umgekehrt sei - er findet leichter einen günstigen Rotwein. Komisch. Liegt aber vielleicht daran, daß ich von 1995 mit 0% Weißweinanteil inzwischen auf 60% hochgestartet bin. Trotzdem halte ich's bei einem wirklich guten Roten noch immer mit Bruno Prats von Cos d'Estournel: Weißwein ist das, was man (Frau) trinkt, bevor man Rotwein trinkt. Wie wahr ;-)