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Dienstag, 28. Dezember 2010

Weinrallye #40 - Autochthone Rebsorten: Alphart's Rotgipfler Rodauner

Ein gut bekannter Bloggerkollege  - Wolf Hosbach von Hausmannskost 2.0 - ist wieder einmal an der Reihe und das Thema, welches er sich für die 40. Ausgabe der Weinrallye ausgesucht hat lautet schlicht und einfach:


Damit's nicht allzu einfach wird, gibt's von seine Seite noch ein paar Auflagen dazu!

***

Nun, eigentlich brauche ich über meine Wahl nicht lange nachzudenken! Endlich bietet sich einmal eine Bühne für eine autochthone Rebsorte, welche mir schon während meiner zahlreichen Heurigenbesuche zu Ausbildungszeiten (am Kolleg für Feinwerktechnik / Mechatronik an der HTBLA&VA Mödling) sehr gut gemundet hat.
Kurz und gut - es geht um die heimische Rebsorte Rotgipfler.

Auch wenn diese lt. Rudolf Steurers Weinhandbuch ausgehend von der Steiermark in früheren Jahren in kleinen Mengen auch in Baden, Württemberg und im Elsaß zu finden war, hat sie nun ihre alleinige Heimat in der Thermenregion (1|2|3) gefunden, ist also nun eine waschechte österreichische Spezialität und hat zusammen mit dem Zierfandler als "Spätrot-Rotgipfler" den legendären Ruf des Gumpoldkirchner Königweins begründet. Das alles liegt aber schon etliche Jahrzehnte zurück.
Heute sind die beide Rebsorten etwas aus der Mode, völlig zu Unrecht, sind beide doch in der Lage, höchst individuelle und charaktervolle Weine hervorzubringen.

Wenn ich in meinem Bekannten und Verwandtenkreis - viele davon passionierte Weingenüssler - nach Rotgipfler frage, würden vermutlich nicht allzu viele Hände in die Höhe gestreckt werden. Schade, denn gerade der Rotgipfler ist ein toller und vor allem vielseitiger Wein, das auch die Kostnotizen wieder eindrucksvoll belegen können.
Rotgipfler macht solo genauso Spaß als auch als universeller Speisebegleiter zu Terrinen, würzigem Käse, Raclette & Käsefondue, kräftigeren Fischgerichten bzw. Fisch mit würzigen Saucen, zu Kuchen und nicht zu süßen Desserts, aber auch zu Räucherlachs haben mir die Flaschen wirklich viel Freude bereitet und waren eine willkommene Abwechslung zu ansonsten kredenzten, holzgeschulten Burgundersorten.
Zudem haben die Rotgipfler-Flaschen entsprechender Qualität ein tolles Reifepotential, 10 Jahre und mehr sind für diese Rebsorte eine Leichtigkeit.

Die Alpharts
Bildquellennachweis: Homepage Weingut Alphart

Mein Lieblings-Rotgipfler kommt von Lisi und Karl Alphart aus Traiskirchen von der südöstlich ausgerichteten Lage Rodauner, unter welcher die Südbahn durch den älteste Bahntunnel Österreichs - dem Busserltunnel - verläuft.
Neben einem einfacheren "Rotgipfler vom Berg" und dem "Rodauner Top Selektion" sowie dem süßen Topwein "PUR" ist der "Rotgipfler Rodauner" die mittlere Qualitätsschiene im Haues Alphart und mit ca. €12 im Fachhandel bzw. ab Hof zu erstehen. Dass dieser Wein meiner bescheidenen Meinung nach jeden Cent wert ist, belegt meine kleine Vertikale aus 5 Jahrgängen eindrucksvoll und spiegelt sich auch in Nominierungen für den SALON Österreich dieses Weins wieder.

  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2003, Thermenregion, NK, prachtvolles Gold, in der Nase alle was den Namen "exotische Frucht" verdient, kandierte Ananas, Honimelone, ein hedonistischer Gaumenspaß, mit vollem Schmelz auf der Zunge, die (jahrgangsbedingt nicht vorhandene) Komplexität wird in keinster Weise vermisst, weil bei diesem Wein der Trinkfluss so fantastisch hoch ist - süffig, saftig, mundfüllend und balanciert!  **/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2004, NK, viel heller im Farbenspiel, im Vergleich zum Vorgänger "nur" ein schönes, sattes Strohgelb, wirkt vom ersten Moment an tiefer, mit einer vielschichtigen Nase, das Exotikbukett ist auch hier vorhanden, aber in einer weit dezenteren Form im Hintergrund, Mineralikanklänge, Feuerstein, Honig und Blütennoten, besitzt viel mehr Spannung, am Gaumen dann wiederum diese ausladende Weite, rund und harmonisch, aber ohne jegliches Anzeichen von Breite oder Plumpheit, der Spannungsbogen verdichtet sich hin zum Abgang, wirkt engmaschiger, die mineralischen Töne feiern ein wahres knisterndes Feuerwerk auf den Geschmacksknospen meiner Zunge ab, toller Stoff, vereint auf prachtvolle Weise das beste aus beiden Welten, Weinhedonismus und -intellekt balanciert im Dialog, was möchten Weinliebhaber mehr erwarten? **-**(*)/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2006, NK, kräftiges Strohgelb, ist sicherlich der feinst gewobene in dem Dreiergespann 03-04-06, er besitzt die Vorzüge der beiden vorherigen Jahrgänge in einer angenehmen Art vereint, der runde, zart cremige Trinkfluss mit Schmelz und die Komplexität durch mineralische Noten, wirkt irgendwie leichtfüßig und hat doch Substanz im Mund vorzuweisen. Und doch frage ich mich, ob dies beim Rotgipfler eine (für mich persönlich befriedigende und) wünschenswerte Symbiose darstellt, denn irgendwie mag ich diesen Wein nicht so recht verstehen, kann er sich doch (Stand heute) nicht so recht entscheiden, was er darstellen möchte: ein schmeichelnder Verführer oder strammer Max? Jammern auf hohem Niveau, ein paar Jahre zuwarten wird die Sache klären! **/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2008, SV, wiederum ein kräftiges Strohgelb, wow - was für eine hedonistische Komponente bereits in der Nase! Woran erkenne ich, dass ich einem Wein komplett verfallen bin? Nun, zum einen, dass die Flasche so schnell geleert ist, dass ich auch nicht ansatzweise Zeit und Gedanken an eine Kostnotiz verschwendet habe und es mir trotzdem keine Mühen bereitet, diese aus dem Gedächtnis abzurufen.
    Diese Flasche war einfach göttlich. Perfekt hinsichtlich ihrer genüsslichen Art, mit diesem unvergleichlich cremigen Schmelz, perfekt im Sinne eines intensiven, aber niemals üppig wirkendem Aromenbuketts der Marke "Sonne Tropicana" im strengen mitteleuropäischen Winter.  Mango, Ananas, Litschi, perfekt umrahmt von mineralischen Noten, mit einer tollen Fruchtsüsse unterlegt, so kleidet dieser Götterstoff den gesamten Mundraum aus, so g'schmackig (für die geneigten Leser aus dem Nachbarland: lecker) und mit der einzig alleinigen und wahren Mischungsformel zwischen Intellekt (sprich den mineralischen Komponenten) und Bauchgefühl (saftig, rund, cremig weich) ausgestattet, dabei üppig, aber niemals kitschig, mit einem feinen, lebendigen Säurenerv durchzogen, jetzt bereits mit solchem Trinkfluß und Spaß zu genießen, dass höchstwahrscheinlich keine der Flaschen in meinem Keller den nächsten Winter erleben wird! Für mich ein Wunderstoff, der mich vor Karl Alphart auf die Knie gehen lässt, die Hände empor gestreckt und den Lippen ein "bitte, schnell noch ein weiteres Flascherl" entfleuchend!
    Das ist der Stoff, den wir unseren Nachbarn mit ihren göttlich hedonistischen Rieslingen a la Niewodniczanski und Heymann-Löwenstein mit den Worten "..probiert Mal von unserem.." entgegenhalten sollten! Stoff zum Träumen, die Höchstnote und noch einen Stern dazu!
    Potential! ****/***
  • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2009, SV, irgendwo zwischen Stroh- & Goldgelb, dies ist wiederum ein "inverser Rodauner". Meisten rittern ja die mineralischen Töne mit den exotischen um die Vorherrschaft und in diesem Jahrgang (zu diesem Zeitpunkt) ist eindeutig die spannungsgeladene Mineralik in der dominanten Stellung. Ab und zu blitzt die Exotik durch, fast so als wolle sie mir zu verstehen geben, dass sie schon hier und vorhanden ist, jedoch noch ein / zwei Jahre zum Gleichgewicht benötigt werden. Harmonisch balanciert ist der Wein auch jetzt bereits, wirkt derzeit aber eher wieder intellektueller denn hedonitissch, die Saftig- & Cremigkeit ist jedenfalls wieder vorhanden, wenngleich auch (noch) nicht in dieser ausgeprägten Art der vorherigen Weine, blitzsauberer, leider nur mittellanger Abgang, dafür aber feine würzige Noten im Nachgeschmack.
    Jedenfalls eine etwas andere Stilistik, Apfel und Birnennoten, herrlich mineralisch und eine erfrischende neue Facette am Rotgipfler, welche ich ebenso liebe!
    **-**(*)/***
Tolle, weil abwechslungsreiche Köstlichkeiten im Spiegel der jeweiligen klimatischen Jahrgangsbedingungen. Jedes Jahr ein echtes geschmackliches Unikat, die Klammer bildet immer diese gaumenschmeichelnde Cremigkeit. Der 2008er hat's mir besonders angetan, da bleibt mir nur mehr eines zu sagen: zugreifen, Freunde!

Neben Familie Alphart gibt es auch beim Weinut Stadelmann (so wie die Alpharts in Traiskirchen zuhause) und Spaetrot - Gebeshuber in Gumpoldskirchen noch wunderbaren Rotgipfler. Selbstverständlich alles Betriebe der Thermenregion und selbstverständlich bleibt der Rotgipfler Rodauner auch Stammgast in meinem Weinkeller!

    Samstag, 23. Oktober 2010

    Edlmosers Maurerberg

    Beim Wiener Gemischten Satz bin ich eigentlich ein treuer Kunde von Fritz Wieningers Nußberg - ein Wein, der niemals enttäuscht und herrlichen Genuss im Wein bietet. Eine sichere Bank!
    Ab und zu bietet sich aber auch die Gelegenheit, über den nördlich Nußberg hinaus einen Abstecher zum westlich gelegenen Maurerberg ins Weingut Edlmoser zu tun. Das ist dann der Fall, wenn beim Jahrgangswechsel eines großen österreichischen Weinhändlers einige mir ansonsten zu teure Weine günstig  preisreduziert angeboten werden.
    Ich bin gespannt, ob dieser Wein aus 8 verschiedenen Rebsorten von 50 Jahre alter Stöcken im Vergleich zu meinem Lieblingsexemplar dieses österreichischen Klassikers zu reüssieren vermag - wohl eher eine rhetorische Frage - er kann! Ob aber der 20%-Preisaufschlag zum Nußberg argumentiert werden kann, ist wohl eine persönliche Entscheidung. Eine Vertikale des Nußberg wird mir persönlich diese Frage beantworten.

    • Josef Edelmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2006, Wien, Strohgelb mit einem deutlichem Grünstich, die Nase duftig, zart parfümiert, vielschichtige Assoziationen, grüner Apfel, Zitrusnoten, reif gelbfruchtig mit exotische Noten, Ananas, aber auch Weingartenpfirsich, stetig wandelnde Aromen im Glas, zeitweise einem österreichischen Riesling nicht unähnlich, deutlich mineralisch geprägt, braucht zwei Tage rinnt sanft und ausgewogen über meine Zunge, wunderbar reifer Säurebogen, toller und langer Nachgeschmack, wiederum sehr mineralisch und salzig, das ist toller Stoff und gemischter Satz in Höchstform, **-**(*)/***
    • Josef Edlmoser, Gemischter Satz Maurerberg 2007, Wien, intensiv leuchtendes Strohgelb, die Farbe hat eine wenig "Leuchtstiftcharakter", braucht viel, viel Luft, über 2 Tage, um aus seinem Flaschenhals (mit Drehverschluss) aufgetaut herauszufließen, hätte ich diesen Wein im Restaurant geordert, wäre ich vermutlich enttäuscht von Dannen gezogen, so aber wird der Geduldige mit exotischen Duftanklängen im Glas verwöhnt, am ehesten noch Ananas, subtil verwoben mit einer dichten Mineralik, auch feine Würzenoten sind wahrnehmbar, der Wein wirkt für mich in der Nase erstaunlich bodenständig, ja fast erdig, ganz im Gegensatz zu den vielen mineralisch geprägten Weinen, welche einen eher intellektuellen Charakter aufweisen, am Gaumen kurz saftig, mittellang, dann übernimmt sofort wieder die Mineralik das Kommando bis in den doch langen, zart feurigen Abgang hinein, gehobene Stilistik, hat noch Potential, **/***
    2006 war einfach ein Superjahr, das spiegelt einfach auch der Vergleich dieser beiden Jahrgänge wieder. Eine Kostnotiz zum 2005er-Exemplar des Maurerbergs findet sich übrigens hier.

    Sonntag, 29. August 2010

    Kommt Zeit, kommt (grandioser, österreichischer) Wein

    Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

    Diese Binsenweisheit gilt auch beim Wein und obwohl ich von vielen Winzern und Produzenten österreichischen Weins überzeugt bin und unserer Nationalrebsorte - dem Grünen Veltliner - sehr zugetan bin, so schielte ich doch in den vergangenen Jahren auch immer etwas neidisch zum westlichen Nachbarn und seinen feinen, nervigen, messerscharfen und mineralisch geprägten Weißweinen, allen voran dem Riesling.
    Erst die tolle Rieslingstilistik der Nahe, Mosel und der Pfalz hat in mir überhaupt die Leidenschaft für diese Rebsorte geweckt.
    Und obwohl ich die österreichische Leitsorte in Weiß mindestens ebenso hoch einschätze - vielleicht sogar ein eitzerl darüber - haben mir die Weine, die diesen Beweis erbringen, bislang gefehlt.
    Auch wenn mir dies Ilse Mair vom Weingut Geyerhof heuer versicherte, daß Grüner Veltliner als kongenialer Partner zum Transport des Terroirs (in Österreich?) noch besser geeignet ist, als der Riesling.
    ***
    Zum Hochzeitstag führt man seine Frau fein zum Essen aus, so gehört sich das und ebenso gehört zu einem guten Essen auch ein guter Wein.
    Da unser Lieblingslokal zur Zeit wegen Urlaubs geschlossen hat, packten wir die Gelegenheit beim Schopf, einmal ein Lokal zu versuchen, von dem wir schon einiges Gutes gehört hatten. Die Weinkarte wurde meinerseits bereits im Vorfeld sondiert und erfreute mein Weinherz durch eine durchdachte Auswahl und erfreuliche fair kalkulierte Preisgestaltung.
    Langer Rede, kurzer Sinn, der Abend war lau, erlaubte das Sitzen auf gemütlichen Sesseln auf der Terrasse, das Service war nett und die Atmosphäre ungezwungen, das Essen gut, ließ aber für den Preis etwas die Finesse vermissen, der Wein jedoch, der war himmlisch!
    Das war genau einer von jenen Exemplaren, die beweisen, daß meine "Lieblingsweißweinstilistik" (beim Riesling) auch beim "Grünen" existiert. Na also und na endlich!

    Ein 2008er Grüner Veltliner Stockkultur Achleiten aus dem Weingut Prager in der Wachau war der Star des Abends, offen von Anfang an, schwebende und dezente Nase, zuerst grün-apfelig, dann Ringlotten, gelbe Äpfel und Birne, Würze, tolle Finesse am Gaumen, trinkfreudig mit perfekt harmonischer Säurebalance, mineralisch geprägt, dezent und nie üppig, ein Sir vom "Korken zur Flasche", ein superber Begleiter zu Aufstrich, Bouillabaisse, krossem Steinbutt auf Melanzani, und weich geschmortem Gab mit Parmesanpürree und Eierschwammerl, ein toller Wein aus einer tollen Lage aus einem tollen Jahrgang! **(*)/***

    Und wie wenn nicht ein Beweis gereicht hätte, meinen Glauben an die heimische Rebsorte #1 zu festigen, kommt am Tag danach erneut eine weitere Offenbarung aus dem gleichen Jahrgang!

    Weingut Neumayr, Grüner Veltliner "Wein vom Stein" 2008, Traisental, heller Farbton mit deutlich grünen Reflexen, von Anfang an eine "zwingende" Nase, fokussiert und messerscharf, Feuersteinaromatik, im Hintergrund der exotische Fruchtkorb, Banane, gelbe Birne, wirkt ungemein kühl beim Riechen, tänzelt spielerisch leicht über die Geschmacksknospen, bietet ein finessenreiches und doch druckvolles Gaumenerlebnis, die Frische und präsente Mineralik sind deutlich erschmeckfühlbar, alles in Balance, nerviges Säurerückrat, Zitrusnoten im Rückgeschmack, spannungsgeladen, gleich einem feinen Stromspiel "bremselnd" auf der Zunge (wer jemals eine 9V Blockbatterie an seine Zunge kurzgeschlossen hat, weiß, wovon ich hier spreche), wunderbare Eleganz, es sind Weine wie diese, die mich andächtig innehalten, denn das ist großer Stoff und entspricht genau den Komponenten, die ich im Wein so suche! **(*)/***

    Zuletzt hatte ich mit einem 2006er Brauneberger Juffer feinfruchtig von Thomas Haag / Schloß Lieser soviel Spaß - oops - schon wieder diese deutschen Rieslinge ;-)

    Dienstag, 20. Juli 2010

    TYA 1999 - Rotes Österreich und der Rest (6)

    Bei den österreichischen Spitzenweinen in der Preisklasse um €35 habe ich einfach den Anspruch, daß sich die Weine mit Lagerung verbessern und die 10-Jahreshürde mit Bravour meistern. Aus einem guten Jahr - und das kann bei den heimischen 99er-Weinen als gegeben angesehen werden - und mit der entsprechenden Weinstilistik (keine Weichspüler!) sollten sich meine Vorstellung auch im Glas wiederfinden.

    Als Tipp habe ich im Vorfeld den Admiral, Comondor und Titan etwa gleichauf eingeschätzt, alle drei habe ich in ihrer Jugend als stramme Burschen mit mächtigen Gerbstoffen erlebt, der Gabarinza etwas femininer und auch den Perwolff kenne ich als Wein, der schon in jung getrunken großen Spaß bereitet.
    Meine Prognose sollte sich allerdings nur zur Hälfte bewahrheiten und leider waren auch wiederum Korkler mit von der Partie :( - na klar! So wirklich überzeugen wußte nur Teschs Titan, über den ich als Sieger auch ein paar Worte verlieren möchte.
    Der Titan ist der Spitzenwein des Weinguts Josef "Pepi" Tesch. 1999 war nach 1997 der 2.te Titan und wurde noch mit Hilfe von Freund und Nachbar Heribert Bayers vinifiziert, der damals in Sachen Weinkonsulent mit so klingenden Namen wie Franz Schindler, Josef Umathum, Hans Feiler, Gustav Krug und Erich Giefing als Geburtshelfer einiger österreichischer Barrique-Weinlegenden wie zB. Cuvée d'Or, Hallebühl, Solitaire, Albatros und Cardinal fungierte. Ein nachvollziehbarer Schritt, da nach der Auswanderung des Bruders die Nachfolge im Betrieb Tesch ungewiß war und Josef Tesch vollberuflich als Kellermeister bei der Winzergenossenschaft Neckenmarkt engagiert war. Der 1999er ist meines Wissens übrigens auch der einzige Jahrgang des Titans, der in seinem Rebsortenmix zu einem Viertel Zweigelt enthält.  (1|2)

    Ganz interessant zur Nachlese ist auch die 99er-Hitliste von Peter Moser aus der falstaff-Verkostung.

    • Krutzler, Perwolff 1999, Südburgenland, eine Cuvée aus mehrheitlich Blaufränkisch, leider in der Nase deutlicher Kork, am Gaumen dann zum Glück kaum merklich, als Essensbegleiter noch akzeptabel und trotzdem: warum trifft es immer solche Flaschen und nicht die €10 Weine?
      Ich gebe daher - wie immer bei solchen TCA-verseuchten Exemplaren - nur eine Grundtendenz an: der Perwolff wirkte insgesamt noch juvenil mit einer feinen Säurestruktur, zivilisiertes, eher geschliffenes Gesamterscheinungsbild, oW.
    • Pöckl, Admiral 1999, Mönchhof, Neusiedlersee, eine Cuvée aus 70% Zweigelt und je 15% Blaufränkisch bzw. Cabernet Sauvignon, beginnendes Granatrot, in der Mitte mit "festem" Kern, expressive Tertiäraromen nach Leder und Balsamik, Teer, Bitterschokolade, am Gaumen mit noch viel süßer, rotbeeriger Frucht ausgestattet, zeigt sich erstaunlich rund und ausgeglichen, hätte mir viel mehr Gerbstoff erwartet, so ist die feste Tanninstruktur im Verbund mit einer fein verwobenen Säure nur zart angedeutet, süßlicher Abgang, etwas Alkohol, nicht allzu lange, nicht schlecht, aber was bleibt als Profil und eigenständigem Charakter bei diesem Wein noch übrig, was nicht auch andere Weine besitzen? Für mich doch ein wenig enttäuschend, *(*)/***
    • Tesch & Bayer, Titan 1999, Neckenmarkt, Mittelburgenland, die Zusammensetzung dieser "4er-Cuvée" enthält die Rebsorten Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Syrah und Zweigelt zu jeweils gleichen Anteilen, Rubinrot, wirkt noch jugendlich in seinem Farbspiel, bei Eintauchen meiner Nase ist das von Anfang an ganz klar, das ist feinste Bordeaux-Stilistik, zeigt viel Balsamik und dunkle Noten von Teer, am Gaumen fast schwebend, mit einer ätherischen Leichtigkeit gleitet der enorm fruchtsüsse Stoff über meine Zunge, ein perfekter Mix aus Seidigkeit und Struktur, die Tannine reif und balanciert, ein stringentes Stück Zeitgeschichte aus der Kategorie "österreichischer Spitzenwein", hat noch Potential für weiter 5 Jahre, obwohl ich bezweifle, daß sich dieser Wein sich noch "schöner" zeigen kann, am zweiten Tag dann Rumtopf, die Gerbstoffe vor allem im Nachgeschmack deutlich präsenter, einem guten Bordelaiser St. Estephe nicht unähnlich, **(*)/***
    • Hans "John" Nittnaus, Comondor 1999, Neusiedlersee, Bordeaux Cuvée aus CS, Merlot und einem Schuß österreichischem Patriotismus in Form von Zweigelt, aus der Golser Spitzenlage Ungerberg, beginnendes Granat, fein süßliche Aromen entsteigen dem Glas, die übliche Balsamik in Form von teerigen Noten, darüber hinaus nehme ich aber auch geruchliche Assoziationen an Nuß(likör), Rosenblätter und ätherische Obertöne wahr, der Wein ist geprägt von Noblesse, ein Sir sozusagen, zeigt sich am Gaumen anfangs fast schwebend leicht, geschmeidig mit kräutriger Würze, viel süsser Fruchtcharme, wird hintennach etwas fester, reife Gerbstoffe schaffen eine griffige Textur, der Alkohol leicht wahrnehmbar, im Abgang mit Adstringenz ausklingend, nicht ganz balanciert, aber harmonischer, von der Säure getragener Rückgeschmack, **/***
      (zum Vergleich die Notiz vom April 2009)
    • Heinrich, Gabarinza 1999, Gols, Neusiedlersee, beginnendes Granatrot, dunkler Kern, anfangs etwas "verstaubte" Nase, dann kurzzeitig Heidelbeere, Karamel, Sanddorn, nach einer halben Stunde steht nur mehr eine maggikrautartige Würze im Glas, am Gaumen fest strukturiert, keine Spur der opulenten Fruchtfülle der anderen Weine, eher kurz und im Angang nicht mehr ganz balanciert, da sich der Alkohol "löst" und ein Eigenleben führt, *-*(*)/***
    • Château du Cèdre, Le Cedre 1999, Cahors - Kork und was für einer, intensiver kann's nicht sein :-(
      Um ehrlich zu sein war eine total verhunzte Flasche in der 99er-Verkostungsserie ja  fast überfällig, blöd nur, daß es gleich zwei Exemplare erwischt hat...
    • Als kleine Entschädigung gab's dafür noch eine Einzelflasche des prachtvollen Ronco Vieri, DOCG Ramandolo 1999, Friaul, satte Bernsteinfarben, die Aromen ganz klar Richtung Mandeln, ein Duft wie nach Contucchi aus Siena (toskanisches Mandelgebäck), wow - frappierend, was für eine Leichtigkeit am Gaumen, eine fantastische Ausgewogenheit zwischen Süsse und Säure, fast schwebend und doch mit Substanz, da rinnt auch das dritte Glas ohne Probleme ganz seidig leicht den Schlund hinunter, ein fantastisches Exemplar aus der Verduzzo Friulano-Rebsorte, sorgt für ein Verzücken meinerseits, **(*)/***

    Samstag, 15. Mai 2010

    Weinviertler Rieslingtriple

    Österreichs nördlichstem Weinbaugebiet - dem Weinviertel - fühle ich mich erst seit dem Vorjahr verbunden. Hier insbesonders dem westlichen Teil rund um Retz (1|2). Die Gründe für diese (derzeit doch recht innige) Verbindung sind mannigfaltig und liegen im Wesentlich an der zauberhaften Weite der Landschaft sowie der tollen Weinstilistik nebst höchst erfreulichem Preisgefüge.
    Zudem finde ich hier in der Rebsorte Riesling (am Ehesten) jenen Weintypus, den ich an deutschen Exemplaren aus dieser Rebsorte so schätze: messerscharf fokussierte Strahlkraft gepaart mit mineralischem Einschlag!
    Die nachfolgenden drei Vertreter aus dem SALON beweisen dies recht eindrucksvoll!


    • Weingut Studeny, Riesling Classic 2008, Obermarkersdorf, Weinviertel, Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen, anfangs sehr von Zitrusfrucht geprägt verändert sich die Nase im Laufe der Tage deutlich hin zu einem vielschichtigen Aromenspiel mit deutlich mineralischer Prägung, ein Hauch Apfel, Grapefruit, blitzsaubere Stilistik, gutes Mundgefühl, der nervigen Säure steht eine weiche Portion Extrakt gegenüber, sehr straffer, trinkanimierender Wein, gelungen, SALON 2009, *(*)/***
    • Respiz-Hof Kölbl, Riesling Galgenberg 2008, Röschitz, Weinviertel, helles Zitronengelb (Strohgelb mit ein wenig grünen Reflexen), zeigt sich vom ersten Riecher an mit einer straffen, mineralischen Stilistik, messerscharf am Gaumen, jedoch mit wundervollen Balance ausgestattet, viel Extrakt in Kombination mit nerviger Säurestruktur, die Fruchtaromen offenbaren sich erst am dritten Tag, Litschi, zarte Ananastöne, Feuerstein, Zitrustouch, trinkanimierend - da kommt der Speichelfluß in Fließen, die Zunge rollt über den Gaumen und das Hirn verlangt sogleich nach dem nächsten Schluck! Langer Abgang, endlich ein tolles Pendant zu meiner präferierten, deutschen Rieslingstilistik, prachtvoller Stoff und ein würdiger Vertreter des österreichischen Winzerhandwerks, zurecht ein SALON-Wein, **(*)/***
    • Winzerhof Stift, Riesling vom Urgestein 2008, Röschitz, Weinviertel, SALON 2009, Strohgelb, deutlich mineralisch dominierte Nase, fokussierte, Gesteinsnoten, florale Noten, zart würzig, kühler Hauch, im Mund dann erstaunlich saftig, ohne jedoch die Strahlkraft zu verlieren, fordernde, doch balancierte Säurestruktur, salziger Rückgeschmack, gutes Exemplar für Liebhaber der fokussierten Stilistik abseits der Primärfruchtbomben, **/***

    Montag, 5. April 2010

    Blaufränkisch Klassik 2007 (3)

    Im dritten und letzten Teil (Nachlese Teil 1 & 2) habe ich ein paar Exemplare aus der zweiten wichtigen Region für Blaufränkisch, dem Mittelburgenland ausgewählt.
    Diese Region - die sich selbst auch das Blaufränkischland nennt - umfaßt ua. einige der renommiertesten Weinbauorte Österreichs:
    Neckenmarkt
    , die höchstprämierte Rotweingemeinde Österreichs bei Landes- und Bundesbewertungen, Horitschon und Deutschkreutz, welche immer auch ein wenig untereinander ein Konkurrenzdasein führen.
    Rieden (Lagen) wie Hochäcker, Gfanger, Dürrau, sind vielen Weinfreunden ebenso eine Synonym für Blaufränkisch wie die dort ansässigen Winzer:
    Stefan Lang, Wellanschitz, Tesch, Bayer, Wieder, Hufnagel, Hundsdorfer, Weninger, Iby, Lehrner, Kerschbaum, Reumann, Prickler, Bauer-Pöltl, Strehn, Gager, Heinrich, 2 x Igler, Gesellmann, Kirnbauer - um nur einige zu nennen.

    Blick auf Horitschon, Bildquellennachweis: Burgenland-Mitte

    Während die Lagen in Neckenmarkt am Fuße der Ausläufer des Ödenburger Gebirges eher schottrig sind, zeigen sich die klassischen Blaufränkisch-Lagen eher von tiefem Lehm und Braunerde, teilweise ein wenig Kalk geprägt.

    Stellvertretend für den klassischen Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland habe ich 3 Weine aus Deutschkreutzer Weinbaubetrieben ausgewählt. Trotz der Tatsache, daß diese Weine allesamt aus dem selben Ort stammen, war die Unterschiedlichkeit in der Stilistik der Weine für mich wirklich verblüffend zu erleben und zu erschmecken!

    ***
    Wir starten im Weingut Gesellmann, wo die beiden Weine Opus Eximium (seit 1988 erzeugt) und Bela Rex (seit 1992) sind den meisten Weinliebhabern Österreichs und auch jenseits der österreichischen Grenze ein Begriff sind. Auch der Pinot Noir Siglos und der Top-Blaufränkisch Hochberc sind in den letzten Jahren fast immer in ihrem Sortensegment am Stockerl gewesen. Mal sehen, was der klassische Blaufränkisch zu bieten hat.

    Engelbert Gesellmann, Blaufränkisch Hochäcker 2007, Deutschkreuz, Mittelburgenland, helles Purpur, attraktive, fruchtbetonte Nase, wirkt in sich sehr ruhig und stimmig, Ringlotten, über allem schwebt ein Hauch Vanille, auch eine zart würzige Komponente ist auszumachen, zeigt im Mund anfangs eine gewisse Molligkeit, dabei aber immer auf der frischen und säurebetonten Seite, blitzsauber, ein wenig Gerbstoff und die herbe Grundnote im Abgang sorgen für ein seriöses Trinkvergnügen, prototypisch für den anspruchsvollen Sommerterrassen-Rotwein, fein fein, *(*)-**/***

    ***
    Das Familienweingut Johann Heinrich, ein 40ha großer Betrieb, ist zu 70% mit der Leitsorte der Region, dem Blaufränkisch bestockt ist. Der Goldberg ist eine Lage mit schweren Lehmböden, etwas mit Kalk durchsetzt und ist mit über 50 Jahren alten Reben bestockt und hat schon mehrmals bei Verkostungen reüssiert, auch mit der Reserve vom Goldberg.

    Familie Heinrich, Blaufränkisch Goldberg 2007, Deutschkreutz, Mittelburgenland, satte Farbe, viel dunkler als alles, was da bisher zu diesem Thema bei mir im Glas war, betörende, intensive Fruchtbombe nach (Mon Cherie)Kirsche, Würze, zeigt eine ähnliche Stilistik wie die Teschweine vom Hochberg, ein sehr saftiges Mundgefühl, ist von Anfang an zugänglich, zugleich hedonistischer und unkomplizierter, unmittelbar ansprechender Trinkgenuß, frei nach dem Motto von Bernhard Fiedlers Beitrag "Life can be complicated, wine doesn´t have to be." Ein Wein, der, so glaube ich, die meisten anspricht, auch wenn es nicht meine präferierte Stilistik ist, *(*)-**/***

    ***
    Weingut Reumann, das habe ich noch im Ohr, ist das Lieblingsweingut eines ehemaligen österreichischen Sozialministers. Ich gestehe aber freimütig, daß dies mein erster Wein dieses Weinguts ist und dies nur deshalb, weil ich die Flasche vom Cousin meiner lieben Renate bekommen habe - Danke Markus!

    Weingut Reumann, DAC Blaufränkisch Classic Ried Tschicken 2007, Deutschkreutz, Mittelburgenland, schönes, dunkles Rubinrot, weit offene, attraktive Nase, viel Frucht, anfangs Heidelbeere, dann Kirsche, ein wenig Marzipan, feiner Schokotouch, zeigt auch viel Würze, ein Nasenwein! Am Gaumen trotz des kräftigen Extrakts eher schlank bis mittelgewichtig, sehr kräftige Säurestruktur, die Tannine wirken ein wenig sperrig, in Summe aber alles noch balanciert und ein archetypischer Sortenvertreter, mit €7 hat dieser Wein zudem ein hervorragendes Preis-Genußverhältnis vorzuweisen, *(*)/***

    Dieses Exemplar hat von allen in der Serie Blaufränkisch 2007 verkosteten Wein die mit Abstand attraktivste und vielschichtigste Nase - alleine dafür gebührt Applaus - die aber für meine Begriffe mit dem anschließenden, etwas sperrigen Mundgefühl einen Bruch erfährt. Für Liebhaber des fruchtbetonten Stils ist dieser Wein ein Best Buy!
    Ich hätte mir für diese einladende Weite der Nase eine saftigere Stilistik am Gaumen oder umgekehrt für diesen "harten" Körper eine eher würzeorientierte Nase gewünscht. Aber das ist nur meine beschränkte und höchst subjektive Sicht der Weinwelt, weil ich bei Weinen einfach eine gewisse Durchgängigkeit schätze.


    ***
    Eine Verkostungsnotiz von Martina & Franz Weningers Blaufränkisch Horitschon 2007 kann hier nachgelesen werden.

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    Die Betrachtung der sicherlich zahlreich vorhandenen guten Blaufränker von rund um den Neusiedlersee beheimateten Weingüter bleibt hier außen vor. Auch wenn die Rebsorte Blaufränkisch eine wesentliche Stütze im Weinsortiment dieser Betriebe bildet, so ist es doch in erster Linie das Süd- & Mittelburgenland, das sich den Blaufränkisch als Leitsorte auserkoren hat und damit die Werbetrommel rührt.
    Zum Vergleich wollte ich aber doch ein Flasche aus dem Burgenland öffnen und so gibt's noch - quasi zum Drüberstreuen - einen Vertreter vom falstaff-Weingut des Jahres 2009, dem Weingut Familie Prieler aus Schützen am Gebirge im Burgenland, keine 50 km Luftlinie von Deutschkreutz entfernt.

    Weingut Prieler, Blaufränkisch Johanneshöhe 2007, Burgenland, mitteldichtes Rubinrot, zeigt weichen Fruchtcharme, Herzkirschen, Flieder, zart unterlegt mit weißem Pfeffer, guter, voller Gaumen, wirkt harmonisch, warmer, erwärmender Abgang mit guter Balance zwischen Säure und Gerbstoffen, solider, aber unspektakulärer, weil "schwer" wirkender Wein - naja.. .
    Nach drei Tagen des Vergessens präsentiert sich ein ganz anderer Wein im Glas: viel präziser, viel fruchtbetonter, Weichsel-Vanille, etwas Brombeer, Marzipannoten, wirkt sauber, hat seinen anfangs vorhandenen rustikalen Touch vollends abgelegt, leicht gekühlt ein sortentypisches Musterexemplar und prädestiniert für die Frühlings- & Sommerterrasse! *(*)/***

    ***
    Als Konklusio der in Summe 8 Weinflaschen kann ich positiv vermerken, daß es aufgrund der variierenden Stilistik durchaus für jeden Weingaumen ein entsprechend passendes Exemplar geben sollte. Zumeist prägt die Interpretation des Winzers die Stilistik der Rebsorte, naturgemäß im Kontext der Einflüsse der über die Jahre unterschiedlichen Witterungsbedingungen:
    • mit feiner Finesse, grazil & burgundisch --> Weninger (und auch ein wenig der Krutzler)
    • von Würzigkeit geprägt --> Uwe Schiefer
    • fruchtbetont mit einer guten Portion Gerbstoffen --> Reumann, Gesellmann
    • rund & hedonistisch --> Heinrich
    • terroirbezogen und von allem ein wenig --> Wachter-Wiesler
    Sortentypischer jedenfalls erscheint mir die neue, eher burgundische Interpretation dieser Rebsorte, da die Grazilität und nervige Säure den fruchtbetonten, sortentypischen Komponenten wie Veilchen, Kirsche und Marzipan-Noten ein homogenerenes Umfeld zur Entfaltung bietet. Soferne der Gaumen saftig und von Würzigkeit geprägt ist, stehen der Rebsorte aber auch eine kräftige Stilistik mit viel Gerbstoff gut zu Gesicht. Das aber ist meistens die Domäne der Reserveweine!
    Wandelbarer Blaufränkisch :-)

    Donnerstag, 4. Februar 2010

    Reserve Chardonnays aus den Jahren '02-'04

    Prachtvolles Exemplar eines Arktischen Wildlachs (Bildquellennachweis siehe Link)

    Einer der Höhepunkte um den Jahreswechsel ist bei uns zu Hause immer durch die Vorfreude auf geräucherten Lachs begründet. Der Wildlachs - natürlich im ganzen Stück, mit feiner Klinge aus einer japanischer Samurai-Schwertschmiede fein filetiert - ergibt zusammen mit frischem Baguette, Butter, Honigsenf und etwas Petersilie einen gar köstlichen Gaumenschmaus.

    Die im Fisch reichlich vorhandene Omega-3-Fettsäure in Kombination mit dem Räucherton harmonieren am ehesten mit kräftigen Weinen, wie beispielsweise Chardonnay, Grauburgunder oder Rotgipfler. Faßausbau kann unterstützend wirken, ist aber nicht zwingend erforderlich, soferne der Wein von sich aus eine gute Struktur durch reifes Lesegut mitbringt. Hohe Säure in Verbindung mit schlankem Körper hingegen ist ein NoGo, sorgt diese doch oftmals für einen unangenehmen, weil intensiv metallischen Beigeschmack.
    Auch Champagner der etwas reiferen und fülligeren Stilistik brilliert durchaus und ebenso ist Wodka eine akzeptable Paarung für Freunde, die's ein wenig hochprozentiger angehen möchten ("..naja Schatzerl, weißt eh', aber der fette Fisch..").

    Trotz alledem bleibt für mich zum Räucherlachs ein Chardonnay aus dem kleinen Eichenfaß das Maß der Dinge. Schon klar, daß diese Weine polarisieren, man liebt sie oder meidet sie.
    Ganz nachvollziehen läßt sich diese Haltung aber nicht, denn, wie die Verkostung schön gezeigt hat, sind die anzutreffenden Stilistiken durchaus diffizil und äußerst unterschiedlich. Und von fetten, im Holz ertränkten Vertretern (nicht nur) aus amerikanischen Gefilden (denn auch das ist ja inzwischen teilweise ein überholtes Klischee) sind wir hier meilenweit entfernt.
    Ich jedenfalls liebe diese Art von Wein und sofern man ihnen ein paar Jahre der Verfeinerung gegönnt hat, danken sie es einem auch mit unvergleichlichen, vielschichtigen Aromenspektrum, ja richtig subtilen Charakterzügen!


    Als Referenz gibt's den südafrikanischen Vertreter der Waterford Estate aus der Neuen Welt zu besiegen, welcher immerhin ebenso bei mir die maximale Punktezahl erreicht hat und das bei gut einem Viertel günstigeren Preis im Vergleich zu den heimischen Exemplaren!

    Zuerst rittern einmal die 3 Nachbarn aus der Thermenregion, in der die Burgundersorten besonders gut gedeihen, um den "Turniersieg":
    • Leo(pold) Aumann, Chardonnay Reserve 2004, Thermenregion, klares Goldgelb, expressive, "helle" Aromen entströmen dem Glas, eine vielschichtige Melange aus reifen exotischen Früchten und balsamischen Noten, Kiefer, Harz, Terpentin, am Gaumen stoffig, aber etwas unruhig, süßer Fruchtcharme, die Säure ist etwas zu präsent im langen, ölig und weichen Abgang, etwas Alkohol spürbar, in Summe läßt noch die Harmonie noch auf sich warten, gut, aber nicht sehr gut, **/***
      -----
      2.te Flasche mit expressiver Aromatik, stark vom Holz geprägte Note, aber alles fein verwoben, Kaffee, nein, intensiver Mokka, ätherische Orangennoten & Orangenzesten, Karamell, Stollwerk, Minze, extrem vielschichtig und tief, opulente Fruchtsüsse auf der Zunge, hat viel Charme, macht Druck, aber auf eine komplexe, vor allem harmonische Art und Weise, cremig weicher Gaumenschmeichler, wirkt viel balancierter als die erste Flasche, spielt in einer anderen Liga, jedoch noch nicht ganz am Höhepunkt seiner Entwicklung, viel Potential , sehr nahe der Perfektion, **(*)-***(Potential)/***

      Der Klasseunterschied beider Aumann-Flaschen ist insoferne interessant, als beide mit dem VinoLok-Glasstöpsel verschlossen waren und gleichzeit im Weingut bezogen wurden - was per se ja zwei unterschiedliche Chargen nicht ausschließt, jedoch zum Nachdenken anregt!

    • Johanneshof Reinisch, Chardonnay Lores 2004, Thermenregion, kräftiges Strohgelb mit grünen Reflexen, anfangs eine fein ziselierte, fast filigrane Nase, geröstete bzw. gebrannte Nüsse (Aschanti), wird von einem nervigen Unteron durchzogen (andere würden das als mineralisch bezeichnen ;-), wirkt äußerst fokussiert am Gaumen, schwebende Eleganz, tänzelt elegant und seidig auf der Zunge, leicht salzig, so ganz konträre Stilsitik zu einem fetten Chardonnay zeigend, fordernd, da sich jeder Schluck im Mund aktiv erschmeckt werden muß, balancierte Struktur, etwas kurzer, jedoch harmonischer Abgang, feiner Stoff für Individualisten, **-**(*)/***
    • Weingut Karl Alphart, Chardonnay Reserve 2003, Thermenregion, leichtendes Goldgelb, expressive Nase mit Aromen von reifen gelben Früchten, viel Exotik, hat das Holz komplett absorbiert, eine verschwenderische Fruchtfülle am Gaumen, süß, mächtiger Extrakt, zeigt eine hedonistische Opulenz, Ananas, saftig und cremig weich, kratzt an der Grenze des "Zuviel-des-Guten", die 14% Vol., ja die kann der Wein nicht leugnen, in Summe jedoch alles in Balance, im Abgang etwas konturlos breit, so ziemlich das Gegenteil zum Lores, aber man darf das heiße Jahr 2003 im Kontext nicht außer Acht lassen, durch seine Milde und Weicheit ohne präsente Säure bzw. Holzton paßt dieses Exemplar zum geräucherten Lachs ganz außerordentlich gut, *(*)-**/***
    Weiter zu den beiden Vertretern aus Pannonischem Klima vom Neusiedlersee..
    • Schloß Halbturn, Imperial Weiß 2004 (eigentlich eine Cuvée im Verbund mit Sauvignon Blanc), Burgenland, helles Strohgelb, sehr zurückhaltende Nase, brotige Anklänge, ein weinig Quitte, Orangenzesten, im letzten Eck des Hintergrundes sind Terpentin-Noten wahrnehmbar, ein Wein der leisen Töne, im Mund wirkt der Wein anfangs geschliffen ruhig, ein Dahingleiten auf glatter Oberfläche sozusagen, um dann abrupt eine unruhige, höchst mineralische Komponente ins Spiel zu bringen. Getragene Noblesse auch im Abgang, recht harmonisch, eher ein Wein der Zwischentöne, braucht ein "in-Sich-Hineinhorchen" bei innerer Ausgeglichenheit!
      Dieser Wein ist nicht's für Hektiker, er will verstanden werden und braucht viel zeit dazu, denn anfangs notierte ich: ..fehlende Tiefe, kommt auch im Mund nicht in Schwung, wirkt unruhig, eine seltsame Flasche, ich kenne dieses Exemplar in ganz anderer Form..
      Aber auch Adi Schmid, Sommelierlegende vom Steirereck in Wien schreibt in der vinaria 6/2009 nur in lobenden Worten ("..burgundische Dimension.."), zum Glück habe ja noch 2 weitere Flaschen im Keller!
    • Gernot & Heike Heinrich, Pannnobile Weiß 2003, Neusiedlersee, helles Gold, ein Traum von barriquegeschulterter Nase, expressive Aromen, weist alle Varianten von Kaffee & Röstung auf, Mokka pur, zart im Hintergrund sind balsamische Noten erkennbar, Terpentin, aber auch Honig, Karamellnoten, ganz klar, dieser Wein lebt von seinem Toasting, wer mit Barrique-Chardonnay nichts anfangen kann, wird sich der Genüsse, die solch ein Wein zu bieten im Stande ist, nicht erfreuen können, süßlicher Gaumen, völlig offene Stilistik, hedonistisches Mundgefühl, hochfeine, seidige Textur, öliger Abgang, keine Spur der 14% Vol., läßt mich eins sein mit dem Wein und dem Universum, immer wenn ich so ein Exemplar im Glas habe vergesse ich die Welt um mich herum, da schaltet alles einen Gang zurück, läuft alles in Zeitlupe, obwohl man selbst sich in dieser Blase im Normaltempo bewegt, verliert die Zeit, der Tag, das Erlebte seine Bedeutung, erfaßt mich die lyrische Muse, atme ich das Göttlich der Natur, avanciere ich zum Nasentrinker, ...
      Der Stoff hat Modellcharakter, ist ohne Schnörkel, kein intellektueller Wein, sondern präsentiert sich offen und zu zugänglich, und dennoch erst am Beginn seiner Möglichkeiten, zeigt großes Potential aus einem großen Jahrgang, kann ich anders, als bei einem solchen Wein die Höchstpunktezahl zu vergeben? Nein! ***/***
    Zum Abschluß noch ein Vertreter aus Südtirol aus der Restekiste..
    • Kellerei Schreckbichl, Chardonnay Cornell 2002, Südtirol, leuchtendes Goldgelb, ölige Schlieren im Glas, mein Riechkolben taucht ein in das volle Aromenspektrum einer Gärung im Barrique, 1o-monatiger Ausbau auf der Hefe, in der ganzen Breite der Röstaromatik ist Kaffee dominant, aber auch Vanille, geröstete Nüsse und sogar Zitronengras sind auszumachen, ebenso gibt's phenolische Komponenten wie Harz und Terpentin im Hintergrund, seidig, fülliger Stoff bekleidet die Zunge, feiner, harmonischer und wiederum mit phenolischen Komponenten begleiteter Abgang, alles in Balance, wunderfein - niemals aufdringler - zart buttriger Nachhall, da lacht mein Weinherz bei diesem Traum im Abverkauf um €8, **(*)/***

    Montag, 1. Februar 2010

    Tesch Hochberg x 4

    Es gibt Weine, die passen vom ersten Schluck an. Solch ein Exemplar ist zB. der Blaufränkisch (DAC) Hochberg von Tesch. Seit er mir vor einigen Jahren auf einer Verkostung als einer der wenigen Blaufränkisch positiven in Erinnerung geblieben ist, halte ich diesem strammen Burschen jedes Jahr die Treue.
    In seiner Jugend immer mit ungestümer Fruchtsüße und kräftiger Tanninstruktur geprägt, verträgt der Hochberg auch gut ein paar Jahre Lagerung, um sein ganzes Nuancenspiel zu erreichen.
    Teschweine sind niemals die subtilen, feingliedriegen Aristokraten, sondern haben immer etwas von einer sympathischen, leicht burschikosen Rustikalität und beweisen Charakter mit Ecken und Kanten. Besonders die würzige Art und feste Struktur des Hochbergs, der im Gegensatz zum Weinbaubetrieb in Neckenmarkt von einer bekannten Lage der Nachbargemeinde Horitschon stammt, sowie sein kräftiger Alkoholgehalt machen diesen Wein zu einem idealen Begleiter für frostige Winterabende.


    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg 2004, Mittelburgenland, jugendliches, dichtes Rot, herrlich würziges Nasenspiel, Liebstöckl, Schlehe, offene Fruchtcharme versprühend, Brombeere, am Gaumen gut mundfüllend, hat Struktur, Fruchtsüsse, feine Gerbstoffe begleiten den Abgang, rundherum gelungener Vertreter, am zweiten Tag wird die Struktur fester, die Tannine präsenter und der Grundcharakter etwas strenger, aber alles, ohne das gewinnende Wesen ernsthaft zu gefährden ;-) **/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg DAC 2005, der erste Jahrgang unter der neu geschaffenen DAC Mittelburgenland, sehr dunkler Kern, am Rand noch jugendliches Purpurrot, die Nase kühl, wiederum dominiert von tiefer Würze, schwarzer Pfeffer, dahinter Brombeere, süße Nase, in Rum eingelegte Früchte, mollig balanciertes Mundgefühl, saftig mit zivilisiertem Tannin, sehr ausladend und fast breit, im Abgang leicht feurig, im Endeffekt wiederum eine tolle Würzigkeit zeigend, im direkten Vergleich zum Vorgängerjahrgang fehlt im ein wenig die Engmaschiggkeit, wirkt breiter und auch die Feurigkeit im Abgang ist präsenter als beim '04er, *(*)-**/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg 2006, mit satten 14.5% V0l. hat das Exemplar aus dem hochgelobten Jahrgang 06 doch deutlich die beim Mittelburgenland DAC (mit Lagenbezeichnung) festgelegte, zulässige Obergrenze von 13.5% Vol. überschritten, daher gibt's in diesem Jahr kein DAC-Mascherl, dunkles Erscheinungsbild, Weichsel-Vanille als dominante Aromen beim Riechen, wirkt insgesamt schon sehr fertig und komplett, weich am Gaumen, für seinen doch hohen Alkoholgehalt ein fast seidiger Tänzer, die Gerbstoffstoffe kaum spürbar, im Abgang fest, ein wenig feurig und leicht herb, ein Winterwein zum Wärmen, ganz charmant, wirkt in Summe aber derzeit auch (noch?) beliebig, *-*(*)/***
    • Weingut Josef Tesch, Blaufränkisch Hochberg DAC 2007, dunkelrot mit violettem Rand, jugendliche, fruchtbetonte Nase, weit offen und unmittelbar ansprechend, Brombeere mit einem feinen Schokotouch, wirkt sehr reif, hat auch ein bißchen was vom "Mon Cherie", am Gaufen sehr saftig, mit einer herzhaften Würzigkeit gesegnet, erstaunlich rund mit zivilen Gerbstoffen und schöner Säurebalance und obwohl der Alkohol auch bei diesem Jahrgang erschmeckbar ist, bleibt auch in diesem Jahrgang immer die Trinkbarkeit erhalten, *(*)/***

    Sonntag, 24. Jänner 2010

    Erlöserweine

    Erlöserweine, nein, das ist keine Betrachtung der Rolle des auch in der Heiligen Schrift vorkommenden Rebensaftes, wenngleich auch Wein in der Bibel direkt, aber auch in symbolischer Form, eine wichtige Rolle spielt.

    Unter Erlöserweine verstehe ich schlichtweg Tropfen, die einmal *nicht* die gesamte Aufmerksamkeit aller am olfaktorischen Prozeß beteiligten Sinnesorgane erfordern, wo sich jeder Schluck erarbeitet werden muß, wo alle Bekannten lange schweigend gurgeln, um die Mineralik auf der Zunge erforschen, um dann ein "interessantes Exemplar" von sich zu geben. Erlöserweine sind ganz das Gegenteil davon: offen, ehrlich, unmittelbar ansprechend, geben nicht mehr vor, als sie zu bieten haben und erfreuen jedermanns Weingaumen mit seriöser Qualität! Also rundherum und vorbehaltslos zu empfehlende Weine.
    Davon gibt es mehr als genug, hier exemplarisch zwei Beispiele, die mir letzte Woche untergekommen sind - je einmal in Rot und Weiß!

    Bildquellennachweis: Weingut Hufnagel
    • Weingut Hufnagel, Zeigelt Classique Ried Gunderits 2008, Neckenmarkt, Mittelburgenland, Rubinroter Rand mit schwarzdunklem Kern, offene und zutiefst weiche und süßliche Nase, Weichsel und Kirschfrucht, dabei mit einer pikanten Würze unterlegt, das alles rinnt so saftig über die Zunge und den Schlund hinunter, daß der Schluckreflex unmittelbar die nächste Mundfüllung einfordert, sorry Leute, aber ist ein harmonischer Zechwein erster Güte, von dem auch die anspruchsvolleren Weinfreunde gerne eine zweite Füllung ihres Glases nehmen, das Beste kommt noch: der Preis, die Flasche um €5, Prost *(*)-**/***
    Bildquellennachweis: Wein&Co
    • Quinta do Vallado, Vallado Branco DOC 2008, Douro, Portugal, diese weiße Cuvée aus Arinto, Gouveio, Rabigato e Vioshino zeigt sich mit einem hellen Strohgelb im Glas, leicht grünliche Reflexe, ein Bukett nach Blütenwiese und Bergkräutern, trocken und doch mit stoffig cremigen Gaumenschmelz ausgestattet, fast süffig, mit 12% Vol. der richtige Apero mit Volumen für die kalte Jahreszeit, ein toller Weißer aus dem Süden produziert von der Familie Ferreira, jetzt (aus)zutrinken, *(*)/***, €6

    Samstag, 23. Jänner 2010

    Weinviertler DAC Spielereien

    Das Weinviertel - weites Land - trägt mit über 16000ha Anbaufläche mehr als die Hälfte zur Weinbauregion Niederösterreich und fast zu einem Drittel der Gesamtanbaufläche des Weinlandes Österreichs bei.

    Bildquellennachweis: www.weinviertel.at

    Freilich ist diese Größe nicht ohne Gefahren. Noch immer gibt es Massen von nichtssagenden Zechweinen, die meisten in Litergebinden, einige (noch immer) im Doppler, doch etliche auch mit konstanter, guter Qualität und auch immer mehr Vertreter mit wirklicher Klasse. Zurecht wird das Weinviertel als jenes Weinbaugebiet mit dem besten Preis- / Genußverhältnis im ganzen Land gehandelt. Und Entdeckungen sind garantiert! Auch wenn das Weinviertel in einigen Teilen noch recht beschaulich und vergessen wirkt, so ist es im qualitativen Bestreben doch ziemlich munter.

    Noch kurz ein paar Gedanken zum österreichischen DAC-Konzept - eine gut geschriebene Zusammenfassung in 6 Teilen gibt's ua. bei Bernhard Fiedler auf seinem Blog zum Nachlesen und auch in Südtirol stößt das Konzept auf regionales Interesse.
    Die Weinviertel DAC war die erste ihrer Art in Österreich, trat 2003 in Kraft, war umstritten und wurde ob des zukünftigen Erfolges teils kontroversiell diskutiert. Trotzdem sahen einige Betriebe es als Chance, mit Hilfe desr herkunftsorientern Systems etwas aus dem Schatten herauszutreten.
    Weinviertel DAC-Weine gibt es nur aus der Rebsorte Grüner Veltliner, in einer einzigen qualitativen Kategorie, also ohne eigene Reserve. Vermarktet wird der Weinviertel DAC als "der pfeffrigste Veltliner Österreichs".

    Genau da, nämlich im letzten Punkt liegt meiner Meinung nach der Schwachpunkt.
    Daß die Weinviertler Vertreter dann aber bewußt auf das berühmte Veltlinerpfefferl als Werbeslogan gesetzt haben, ist als Differenzierungsmerkmal in der leicht bis mittelschweren Veltlinerkategorie durchaus nachvollziehbar, entspricht aber leider nur selten der Realität.
    Denn nur einige, wohlgemerkt, vom DAC-Gesetz wegen von einer Kostkommission sensorisch zu beurteilenden Weine entsprechend den vorgegebenen, sortentypischen Attributen fruchtig, würzig, pfeffrig. Wo bleibt da die Herkunftstypizität, welche die DAC suggeriert?

    Gerade Weine aus der Rebsorte Grüner Veltliner können sich äußerst vielschichtig und wandlungsfähig präsentieren. Vom einfachen Zechwein, der ua. mit Hilfe von Reinzuchthefen von Zitrus über Apfel, Birne hin zu Stachelbeere das volle Aromenspektrum annehmen kann, bis hin zur reifen Spätlese mit seinen Gelbfrucht- & Tabaknoten ist alles drinnen. Soweit noch kein Problem, denn dieses Phänomen trifft auch andere (DAC)Weinbaugebiete, in denen der Grüne Veltliner als DAC firmieren darf. Auch wenn diese Eigenschaft das Wiedererkennungsprofil für Konsumenten natürlich nicht unterstützt. Anders sieht das aus, wenn spezifische Ausprägungen - wie eben das Pfefferl - als sortentypisches Geschmacksprofil auch per Gesetz verankert wird.

    Also liebe Kostkommissionen, nehmt eure Aufgabe ernster, raus mit den nach Eiszuckerl schmeckenden Stachelbeervertreter! Und ich fordere eine Würze- bzw. Pfeffergarantie! Es soll auch drin sein, wofür Werbung gemacht wird!
    Oder aber die mögliche Bandbreite der Rebsorte zum Vorteil nutzen! Dann aber bitte weg mit dem Slogan und her mit einer Reserve-Kategorie.

    Genug geschimpft. Prüfen wir doch einmal nach, wie sich die fünf Vertreter so schlagen, 3 davon iÜ. mit den Weihen des SALON versehen, einer als Sieger eine Verkostung eines Wochenmagazins. Mitgenommen habe ich die Weine Ende August aus dem Weinquartier in Retz, verkostet wurden sie bereits im Dezember.


    Die SALON-Weine:
    • Weingut Josef Ecker, Grüner Veltliner Classic DAC 2008, Weinviertel, blasses Strohgelb, in der Nase hübsche Birnenfrucht, harmonisch, guter Extrakt im Glas, balanciert am Gaumen, durchaus mit mundfüllender Struktur, sauber, aber kurzer Abgang, den Druck ein wenig vermissend, wirkt ein wenig wäßrig, säuremäßig eher auf der mild harmonischen Seite, zeigt andererseits jedoch viel saftigen Trinkcharme, pas male, *(*)/***
    • Weingut Hebenstreit, Grüner Veltliner Strasser DAC 2008, Weinviertel, helles Strohgelb mit zart grünen Reflexen, kompakte Veltlinernase, Apfel, tiefe Würze, mit der Luft kommt die Exotik in Glas, hat Extrakt und zeigt Tiefe, mundfüllend und harmonisch, unmittelbar ansprechend im Trinkfluß, balanciert, blitzsauber und aus einem Guß, eine Entdeckung, völlig zu Recht im SALON vertreten, ein Bravo an den Erzeuger, *(*)-**/***
    • Weingut Pfaffl, Grüner Veltliner Haidviertel DAC 2008, Weinviertel, ein Vertreter von schweren Lössböden, helles Strohgelb, sehr attraktive und frische Aromatik, Banane, Exotik, Würze, mit gutem Willen auch das vielgerühmte Pfefferl, zeigt eine gute Balance, für 12% Vol. gute Struktur, lebendige Säure, fein, läßt am zweiten Tag aber bereits deutlich nach, der Wein wird in seiner Grundtendenz flach, lasche Säure, mittelmäßig, *-*(*)/***
    • Weingut Hofbauer-Schmidt, Grüner Veltliner Ried Hochstrass DAC 2008, Weinviertel, Sieger der 2008er-profil DAC-Verkostung, sehr feine Nase, apfelig, herber Grundcharakter, am Gaumen jedenfalls sehr feingliedrig, die 13% Vol. könnten für ein wenig mehr Mundfülle sorgen, wirkt richtig knochentrocken, der Wein hat einfach eine gewisse Sperrigkeit, bei Gott kein gewinnendes Wesen und ich vermisse die Trinkigkeit, allenfalls für die Sommerterrasse geeignet, aber da steht der für diesen Verwendungszweck doch hohe Alkoholgehalt entgegen, so sehen für mich keine Siegertypen aus, auch wenn ich mir die Tatsache in Erinnerung rufe, daß viele dieser Weine bewußt auf frühen Trinkbarkeit getrimmt werden, (*)-*/***
    ..und dann bleibt noch ein Exemplar übrig..
    • Weingut Prechtl, Grüner Veltliner Classic DAC 2006, Weinviertel, helles Strohgelb, indifferente Nase, etwas Blumenwiese, floral gemischt mit exotischen Noten im Hintergrund - gelbe Birne? - im Mund fast ausufernd breit, konturlos, erst hernach im Abgang kommt die Säure, naja, ich glaube, man hört die Enttäuschung über den Basiswein des Veltlinerspezialisten Prechtl, (*)-*/***
    Licht und Schatten liegen eng zusammen - wohl ein Abbild der wunderbar reizvollen, weiten Landschaft des Weinviertels?!

    Montag, 4. Jänner 2010

    Blaufränkisch Klassik 2007 (2)

    Uwe Schiefer schaut meistens grimmig drein - muß er aber gar nicht.
    Denn die Weine des Autodidakten und Weinakademikers sind alles andere als grimmig. Anspruchsvoll vielleicht und eigenwillig, ganz sicher aber fokussiert und mit Vision!

    Zitat aus der treffenden Charakterisierung einer großen österreichischen Weinhandelskette:
    "Querdenker, Rebell, Sturschädl, Rotwein-Wegbereiter, Purist, Fanatiker, Philosoph: Jeder hat so seine eigene Bezeichnung für Uwe Schiefer aus dem Südburgenland. Eines muss man ihm auf jeden Fall zugute halten: Nämlich dass sein Engagement und seine Qualitätsgetriebenheit Anfang bis Mitte der 90er Jahre der einzigartigen Rotweinlage Eisenberg wieder den Ruf gebracht hat, den sie in Wirklichkeit auch verdient – nämlich unvergleichlich zu sein... Doch auch, was seine Weine betrifft, ist Schiefer eigenwillig. „Ich will Wein machen und keine Marmelade einkochen“, so das Credo des Winzers. Dass Puristik bei ihm kein Lippenbekenntnis ist, schmeckt man an den Weinen an, die bereits eine eingeschworenen Fangemeinde unter den Weingenießern haben..."

    Unbestreitbar ist Uwe Schiefer der Shooting Stars der österreichischen Weinszene der letzten Jahre: 94 RP-Punkte für seinen Top-Blaufränker Reihburg '06, der '07-Vertreter ist lt. Gault Millau bester Rotwein Österreichs, Salzburger Festspielwein '08, ja sogar bis zu den Guten Dingen bei manufactum hat er's geschafft.

    Solides, beständiges Handwerk, das Potential des unvergleichlichen Eisenberg-Terroirs, eine eigenständige Handschrift samt einem Schuß Avantgarde, all das ergibt ein erschmeckbares Bild der Vision von Uwe Schiefer.


    Verschwommene, konturlose Weine? Nicht bei Schiefer!
    • Uwe Schiefer, Blaufränkisch 2007, Südburgenland, zeigt ein jugendliches Rot, feine fruchtbetonte Nase nach Zwetschken, ein wenig Kirschfrucht im Hintergrund, viel Würze, geht schön auf im Mund, blitzsauber, nervige Säure und zivilisierte Gerbstoffe, balancierter, ja richtiggehend saftig fließend, zugänglicher Trinkspaß, kühler Trunk, im Abgang mit viel Würze gesegnet, leicht feurig, guter Basisstoff, *(*)/***, € 9
    • Uwe Schiefer, Blaufränkisch Eisenberg 2007, Südburgenland, dunkles Purpur, gebündelter Aromatik, Würze, schwarzer Pfeffer, Schokotouch, wirkt engmaschiger am Gaumen als der Vorgänger, jedoch nicht ohne Spiel, die rote Frucht vorhanden, aber zugunsten der Würzearomen im Hintergrund, feine Säure-Gerbstoff-Balance, korrespondierender, harmonischer Abgang, ebenfalls zugänglicher Stil, aber mit einer Stufe höher auf der "Anspruchsleiter", *(*)-**/***, €12
    Die beide Weine fügen sich also stimmig in mein gewonnenes Gesamtbild ein, denn auch der Szapary '02 und '03-Blaufränkisch konnten mich im Juli '09 bereits überzeugen. Uwe Schiefer-Weine? Jederzeit gerne wieder!

    Im dritten Teil geht's ab ins Blaufränkischland, Teil 1 zum Nachlesen: Blaufränkisch Klassik 2007 (1)

    Sonntag, 20. Dezember 2009

    SALON (I) - Chardonnay 08-Duett

    Der SALON Österreich Wein – seit nunmehr über 20 Jahren laut Eigendefinition "Österreich Wein härtester Weinwettbewerb" - ist zumeist Garant für hohen Standard und präsentiert sich seit heuer (2009) im neu gestalteten Gewand - angepaßt an die neue Werbelinie der Österreich Wein Marketing (ÖWM). Im gekürzten O-Ton ÖWM liest sich das folgendermaßen:

    "Basierend auf den Landesprämierungen werden in mehreren Blindverkostungen die besten Weine unabhängig ermittelt. Dadurch findet man im SALON immer wieder neue, junge Weingüter, für die der SALON oft das Sprungbrett zu weiteren Erfolgen ist. In einer Finalverkostung ermittelt die ÖWM die höchstbewerteten Weine einzelner Kategorien – die SALON Sieger! Im Vorfeld wurden auch die renommiertesten Weinmagazine, -journalisten und Sommeliers um ihre Nominierungen, die mit 40 Fixplätzen im SALON vertreten sind, gebeten. Jene Weingüter, die dabei am öftesten genannt werden, kommen als SALON Auserwählte in den SALON. Somit ergibt sich jedes Jahr ein spannender Mix" welcher in unterschiedlichen Wein- & Rebsortenklassen im Spätsommer in den österreichischen Casinos der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird.

    Summa summarum erfolgt die Auswahl- & Nominierung doch nach einem einigermaßen komplexen Regelwerk.

    Manchmal gibt es Weine (mit einem SALON-Flaschenaufkleber), an denen kann ich im LEH einfach nicht vorbeigehen kann, schon gar nicht, wenn sie als Sparringpartner zu einem ebenfalls im SALON ausgezeichneten Exemplar der gleichen Sorte, aber aus einer anderen österreichischen Weinregion handelt.

    • Weingut Heinzel, Chardonnay Ried Junge Bergen 2008, Weinviertel, helles Strohgelb, anfangs Eiszuckerl und C02, dann Blutorange und etwas Exotik, breite Nase, aber mit mächtigem Extrakt - wohlgemerkt bei nur 12.5% Vol. ! Sauber vinifiziert und auch am Gaumen wiederum breite, aber schmeichelnde Textur, harmonisch, mit Trinkspaß zu konsumieren und zu scharfen asiatischen Gerichten eine gute Wahl, *(*)/***
    • Vinum Pannonia Allacher, Chardonnay 2008, Gols, helles Strohgelb, frische Nase, etwas Blüten, zart würzig am Gaumen, gute Extraktfülle, sauber, aber kurzer und ein bißchen wäßriger Abgang, beliebige Stilistik, denn unter dieser Aufmachung treten schon genügend Weine an! Was bitteschön soll denn an diesem Wein SALON-würdig sein?
      Gemach, Gemach, denn sein wahres Ich offenbart dieser Wein eben erst am zweiten Tag. Dann aber dafür mit Gesteinsmehl, Apfel, Litschi und Ananasnoten, rollt straff und fokussiert über die Zunge, ein sehr nerviges Säurekorsett umtänzelt den Gaumen, gebündelt und mineralisch im Abgang - eine 180° Kehrtwendung des Weins - nicht schlecht - wenngleich sich aber noch immer die Frage nach dem Sortentypus stellt! *(*)-**/*** €7
    Beides sauber vinifizierte Weine, beide mit erstaunlich viel Extrakt für 12.5% Vol. - und doch so völlig konträre Stilistik. Bloß, woran ist dies für den Konsumenten ersichtlich?
    Nebenbei sind diese beiden Flaschen zwei Paradebeispiele dafür, daß die in den letzten Jahren so vielgeschmähte Chardonnay-Traube durchaus in der Lage ist, vielschichtige und interessante Weine auch im günstigen Preissegment von €5-8 hervorzubringen - sofern nur der Winzer sein Handwerk versteht.
    Technisch gut gemachter Wein findet sich heutzutage aber zuhauf im LEH-Meer der Weltweinproduktion. Ob da der SALON-Aufleber für den Konsumenten zum entscheidenden Mehrwert avanciert, vermögen diese 2 Flaschen wohl nicht ausreichend zu beantworten.
    Darum bin ich schon gespannt, was die demnächst zur Verkostung anstehenden '08er-SALON-Veltliner aus dem Weinviertel zu bieten haben.

    Samstag, 12. Dezember 2009

    2 x Glatzer Dornenvogel

    Das Weingut Glatzer vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen - scheint doch Walter Glatzer in Göttelsbrunn im Weinbaugebiet Carnuntum mit seinem Zweigelt Dornenvogel einen Platz am Stockerl des falstaff-Zweigelt-Grand Prixs fix abonniert zu haben.
    Reichte es heuer mit dem 2008er "nur" für den 3.Platz, so konnte der '07er-Dornenvogel im Vorjahr den Grand Prix für sich entscheiden und auch in der vinaria konnte der Wein heuer reüssieren.
    • Weingut Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2004, Carnuntum, besitzt noch Reste vom Purpur, dunkler Kern, in die vom Holz geprägte Aromatik mischen sich Noten von Brombeere, welke Schwarzeteeblätter und Teer, braucht Luft, der Wein erreicht am zweiten Tag sein Optimum, zeigt sich balanciert am mittelgewichtigen Gaumen, ausladend, bei guter Fruchtsüße, immer mit einer feinen Säureader durchzogen, harmonischer Abgang, mürbe Gerbstoffe, hat Klasse und Potential und wäre bzw. ist sicherlich zu dunklem Fleisch ein perfekter Begleiter, zu Recht oftmaliger Sortensieger, in dieser Verfassung hat dieser Wein ganz klar meine Präferenz gegenüber Hans Pitnauers Bienenfresser, **-**(*)/***
    • Weingut Glatzer, Zweigelt Dornenvogel 2007, Carnuntum, mitteldichtes Purpur, hochfeine Textur bereits in der Nase, das Holz deutlich riechbar, und trotzdem nicht dominant, sondern fein verwoben mit roten Fruchtkomponenten, dunkelrote Beeren, Kirsch, Zwetschkennoten, Nougat, moderne Stilistik, sicherlich, aber was für eine! Am Gaumen feinste Gerbstoffe in Kombination mit gutem Säurerückrat, bleibt immer eher auf der schlanken Seite, zart feuriger Abgang, feine Stilistik, **/***
    Zweifelsfrei zwei tolle Flaschen! Nach dem Motto "weniger (Holz) ist mehr (Frucht)" würde ich mir jedoch eine Reduktion des Holzeinsatz wünschen. Sicherlich würde es diesem Wein gut stehen, ohne etwas von seiner Klasse einzubüßen.

    Montag, 16. November 2009

    Blaufränkisch Klassik 2007 (1)

    Am Anfang war der Blaufränkisch, und dann kam lange nichts. Die geschilderten persönlichen Erfahrungen von wein.pur-Autor Alexander Magrutsch kann ich gut nachvollziehen, denn auch heute noch genießen Hans Iglers Blaufränkische der Ried Hochberg der Jahre 1992 und 93 in meinen Erinnerungen Kultstatus. Ein harmonisches Gleichgewicht aus Frucht, Würze, von Säure und Gerbstoffen waren die damaligen Erfolgskomponenten, denen selbst der Basisqualität des Weinguts um damals umgerechnet €5 erstaunliches Lagerpotential bescherte.

    Dann kam die Zeit, wo ich mich mit der Sorte Blaufränkisch sehr schwer tat. Das waren die Zeiten, wo kräftige, tiefdunkle und voll Würze und Holzaromen strotzenden Weine in aller Munde waren. Das alles konnte neben den eingebürgerter Rebsorten wie Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon auch der heimische Zweigelt viel besser.
    Ausgedient hatten die einfachen, oftmals hellroten Säuerlinge. Im Wandel befand sich auch mein Weingeschmack. Es war die Zeit, in der mir bewußt wurde, daß ich niemals der Fruchtgilde huldigen würde, die Zeit der Erkenntnis von Mineralik, strukturunterstützender (Holz)Würze, Lager- & Tertiäraromen. Der fruchtdominierte Blaufränkisch (in den Basisqualitäten) entsprach jedenfalls nicht gerade dieser Stilistik. Zum Glück, denn nicht jede Rebsorte läßt sich bedingungslos auf den jeweiligen zeitgeistigen Weingeschmack zurecht biegen!

    Erst über die Erfahrung, daß die fette und holzertränkte Weine auf Dauer nur Ermüden hervorrufen und ergo nicht der Weinweisheit letzter Schluß sein können, meiner steigender Wertschätzung gegenüber regionaler Authentizität, wieder der globalen Gleichmacherei, gegenüber dem Pinot Noir und der Tatsache, daß sich die Ausbaustilistik der Rotweine einiger Winzer doch grundlegend zu mehr Feinheit, Finesse und zu mehr Trinkbarkeit verändert hat, rückte den Blaufränkisch wieder zurück in mein Interessenfeld.
    Blaufränkisch hat - falls durch diese noble Ausbaurichtung geprägt - das Potential, die jeweiligen Boden und Klimabedingungen im Wein präsent zu machen, wie zB. die Weine der Leithabergwinzer und oder die Exemplare um den Eisenberg im Südburgenland oftmals beweisen. Terroir pur sozusagen.

    Für mich also wieder einmal höchste Zeit einen Blick auf die 2007er-Qualitäten der Blaufränkisch-Basisweine einiger burgenländischer Weinbauern zu werfen. Daß diese nach dem im pannonischen Raum geernteten '06er-Superqualitäten kein leichtes Spiel haben, macht die Sache reizvoller, denn durchwachsenen Jahren trennt die Spreu vom Weizen und nur Topbetriebe können auch in mittleren Jahren sehr gute Weine erzeugen, wobei 2007 im Burgenland so schlecht nicht war. Und gerade die Basisweine als "tragende Sockel" der Betriebe sollten dem Konsumenten zuverlässiges und beständiges Trinkvergnügen garantieren.

    Bildquellennachweis: Krutzler

    Beginnen möchte ich meine mehrteilige Reise am bereits erwähnten Eisenberg, genauer gesagt im Ort Deutsch-Schützen. Das Weingut Krutzler ist - zusammen mit dem Nachbargut Schützenhof - bildete vor mehr als 15 Jahren die qualitative Speerspitze des Südburgenlands.

    Einiges hat sich geändert seit damals!
    In den letzten Jahren hat die Region um den Eisenberg einen feinen Aufschwung erlebt. Die Weinidylle, diverse Vinotheken, Weingüter wie Polczer, Vinum Ferrerum, Kopfensteiner, Uwe Schiefer - dem die nächste Folge gewidmet sein wird - und Wachter-Wiesler sind im Spitzenfeld der österreichischen Weinszene aufgetaucht.

    Bildquellennachweis: Krutzler

    Von den beiden Brüdern Reinhold und Erich Krutzler übernahm Reinhold zur Jahrtausendwende das Kommando im Betrieb, Erich gründete gemeinsam mit Winzerkollege Roland Velich das Projekt Moric, führte anschließend in Slowenien das Weingut des Stiftes Admont Dveri Pax und gründet 2006 gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Pichler ein eigenes Weingut.
    2002 erfolgte eine Bereinigung des Sortiments im Weingut Krutzler. Seit damals sind die ehemals getrennt ausgebauten Blaufränkisch-Lagen Bründlgfangen, Eisenberg und Weinberg in den Weinen Blaufränkisch (Classic) und Reserve aufgegangen.
    Der Bründlgfangen war mir stets ein wohlschmeckender Begleiter in den Anfangstagen meiner Weinneugierde. Zusammen mit dem Eisenberg wies er mir den Weg in Sachen Mineralität im Rotwein - auch ohne diesem Begriff damals zu gebrauchen bzw. die näher zu verstehen.
    Somit freue ich mich, wieder einmal den aktuellen Basiswein des Hauses mit seiner derzeitigen Stilistik verkosten zu können. Hinsichtlich seines qualitativen Entsprechens brauche ich mir bei den Weinen von Reinhold Krutzler wahrlich keine Sorgen zu machen.

    Weingut Krutzler, Blaufränkisch Klassik 2007, Südburgenland
    , jugendliches Violett mit Wasserrand, sehr präzise, fruchtbetonte Nase, rote Beeren, richtiggehend "weinig", und auch mit diesem sehr markanten Terroirnote des Eisenbergs behaftet, die sich für mich ein bißchen wie eine Mischung aus mineralischen Noten und rohem Fleisch darstellen, anfangs eine sehr burgundische Stilistik, schlan
    ker Gaumen, mit präsenter Säure, legt der Wein dann über die Stunden im Glas kräftig zu, gewinnt an würziger Aromatik, das Mundgefühl wird voller, die Gerbstoffe weicher, die säurebetonte Stilistik im Abgang bleibt jedoch und sorgt für einen frischen Trunk mit Anspruch und leicht herben Unterton, insgesamt stimmig und ein feiner Trinkbegleiter, auch für laue Sommertage leicht gekühlt wärmstens zu empfehlen, *(*)/***


    Wachter und Wiesler, das sind ursprünglich zwei Weinbaufamilien mit Weinbautradition, die ab 1990 ihre Zusammenarbeit im Weingarten intensivierten. Durch die Heirat von 2 Familienmitgliedern - Gerda Wachter und Josef Wiesler - wurden beiden Familien miteinander verbunden und so war es wohl der logische Schritt, beide Weingüter zu einem einzigen Betrieb zusammenzuführen. Die gesamte Weinproduktion wurde in das Weingut Wachter verlegt - der damit freigewordene Keller der Familie Wiesler in der Riede Ratschen wurde in ein Restaurant umgebaut, das die Gerda Wiesler und Thomas Wachter seit Oktober 2007 als Wachter-Wieslers Ratschen führen.
    Ein Lichtblick, denn ich kann mich noch an eine Weinreise 1996 an den Eisenberg erinnern, wo wir abends nach dem Weineinkauf ob unserer verzweifelten Suche nach einer offenen Gaststätte wirklich geglaubt haben, die Gegend in finsterer Nacht mit knurrendem Magen verlassen zu müssen :-)


    Bildquellennachweis: (c) Steve.Haider.com, Wachter-Wiesler

    Béla-Jóska“ - der Wein zu Ehren der beiden Väter Adalbert & Josef - wird aus 15 bis 20 Jahre alten Blaufränkisch-Rebstöcken gewonnen, wurzelt tief in in den eisenhältigen Lehm- und Schieferböden und steht seit 1992 auf der Weinliste. Traditionell nennt man sowas.

    Wachter-Wiesler, Béla-Joska 2007, Südburgenland
    , schönes Kirschrot mit Wasserrand, erfreut mit einem erdigen Grundton, herzhafte Würze im Dialog mit rotbeerigen Fruchtaromen, auch ein wenig Zwetschke, zeigt sich dank 13-monatigem Ausbau im großen Holzfaß weich am Gaumen, mit feiner Balance und leicht feurigem Abgang, sehr schön die eisenhaltigen Terroirnoten der Ried Weinberg erschmeckbar, alles in Harmonie, ein handwerklich guter Blaufränkisch in bester Winzertradition
    , jetzt und in den nächsten 5 Jahren mit Genuß zu trinken, *(*)/***Gerhard Hofer hat's im Schaufenster der Tageszeitung Die Presse - Rubrik "Im Keller" treffend formuliert:
    "Das ist ein sehr guter Rotwein, der eigentlich zu jeder Gelegenheit passt. Quasi der VW unter den Blaufränkisch. Zuverlässig, aber nicht überkandidelt."

    Auch wenn ich überzeugt bin, daß eine fokussierte Stilistik möglich wäre und die Lage noch besser transportieren könnte. Der '06-Vertreter - so habe ich von einem Winzerkollegen aus Neckenmarkt gehört - der hat das! Aber das ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache.

    Mein Dank gilt dem Weingut Wachter-Wieser und wine-partners für die Bereitstellung der Kostflasche des Béla-Joska.