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Sonntag, 12. September 2010

HL Hatzenporter Kirchberg 2002 / 03 / 04

Meine letzte Verkostung der Ersten Lage des Hatzenporter Kirchbergs liegt nun bereits 3 Jahre zurück und da mein Rieslingregal im Keller ohnehin ein paar Lagerplätze brauchen kann, kostete es keine Überwindung diese 3 Flaschen vom Weingut Heymann Löwenstein zum Genuß freizugeben.. .
  • Heymann-Löwenstein, Hatzenporter Kirchberg Erste Lage 2002, Mosel, kräftiges Gold, wunderbar gereifte Nase, gedörrte, süßliche intensive Früchte, Richtung Exotik, aber auch Anis, prachtvoll geschmeidiges Mundgefühl, der Extrakt kleidet jeden einzelnen Winkel aus, wird nach einem Tag noch harmonischer, die Süsse nun perfekt integriert, ein zarter Hauch von Balsamik, Petrol, wie immer viel Extrakt, zeigt aber zugleich auch feine Säure, mittellanger, balancierter Abgang, *(*)-**/***





  • Hatzenporter Kirchberg 2003, spielt doch gleich eine Liga höher, man kann das vollreife Traubengut richtig riechen, pure Honignoten, leicht parfumierte Nase, etwas Tabak, trotzdem wirkt der Wein getragen und nicht üppig, am Gaumen superbe Balance zeigend, ein Mundvoll Wein, der alles auskleidet und der - bevor's zu viel wird - das nuancierte Säurespiel nebst Mineralik zum Vorschein bringt und in den Vordergrund schiebt, im langen Abgang wiederum die süßlichen Honignoten hevorzaubert, toller, weil hedonischter Stoff, **-**(*)/***
  • Hatzenporter Kirchberg 2004, schönes sattes Gold, in der Nase erstmals reife Gelbfrucht, Birne, zart parfumiert, aber anfangs auch bereits ein Hauch von Petrol im Hintergrund, das am 2 Tag. verfliegt, mineralische, salzige Spannung, dezent kräuterwürzig, alles in Balance, wirkt fokussierter und mehr straight forward, intellektueller und weniger hedonistisch, wirkt am Gaumen fast trocken und doch mit druckvoller Substanz, die Süße noch nicht ganz eins mit der nervigen Säure, anfangs dominierendes Zitrus, das später einer salzigen Textur im Rückgeschmack weicht, hat eine erstaunliche Länge, ist kräftig, nicht fett, und doch finessenreich, ein anspruchsvoller Kirchberg, der es lohnt, karaffiert zu werden, und es belohnt, wenn man sich Zeit für ihn nimmt, toller Wein, weil doch so "anders" als die beiden Vorgänger, noch reichlich Lagerpotential vorhanden, derzeit jedenfalls ein kongenialer Partner zu asiatisch, leicht scharfen Gerichten, in unserem Fall zu Zitronengras-Gambas mit viel schwarzem Pfeffer, aber mal ehrlich: eigentlich ist so ein Kaliber zu schade zum Essen, also die halbe Flasche aufheben zum Solo-Genießen, hinterläßt nachhaltigen Eindruck, Kategorie: persönlicher Lieblingswein! **(*)/***
Die Kostnotizen der Bloggerkollegen von "Nur ein paar Verkostungen" zum 2005er machen richtig Lust, bei dieser Lage im Jahrgang weiterzutrinken.. .
Aber halt! Habe ich überhaupt ein solches Exemplar im Keller liegen?

[ Zurück aus dem Keller :-( - wer erbarmt sich meiner und spendet ein 05er-Exemplar? ]

    Samstag, 15. Mai 2010

    Weinviertler Rieslingtriple

    Österreichs nördlichstem Weinbaugebiet - dem Weinviertel - fühle ich mich erst seit dem Vorjahr verbunden. Hier insbesonders dem westlichen Teil rund um Retz (1|2). Die Gründe für diese (derzeit doch recht innige) Verbindung sind mannigfaltig und liegen im Wesentlich an der zauberhaften Weite der Landschaft sowie der tollen Weinstilistik nebst höchst erfreulichem Preisgefüge.
    Zudem finde ich hier in der Rebsorte Riesling (am Ehesten) jenen Weintypus, den ich an deutschen Exemplaren aus dieser Rebsorte so schätze: messerscharf fokussierte Strahlkraft gepaart mit mineralischem Einschlag!
    Die nachfolgenden drei Vertreter aus dem SALON beweisen dies recht eindrucksvoll!


    • Weingut Studeny, Riesling Classic 2008, Obermarkersdorf, Weinviertel, Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen, anfangs sehr von Zitrusfrucht geprägt verändert sich die Nase im Laufe der Tage deutlich hin zu einem vielschichtigen Aromenspiel mit deutlich mineralischer Prägung, ein Hauch Apfel, Grapefruit, blitzsaubere Stilistik, gutes Mundgefühl, der nervigen Säure steht eine weiche Portion Extrakt gegenüber, sehr straffer, trinkanimierender Wein, gelungen, SALON 2009, *(*)/***
    • Respiz-Hof Kölbl, Riesling Galgenberg 2008, Röschitz, Weinviertel, helles Zitronengelb (Strohgelb mit ein wenig grünen Reflexen), zeigt sich vom ersten Riecher an mit einer straffen, mineralischen Stilistik, messerscharf am Gaumen, jedoch mit wundervollen Balance ausgestattet, viel Extrakt in Kombination mit nerviger Säurestruktur, die Fruchtaromen offenbaren sich erst am dritten Tag, Litschi, zarte Ananastöne, Feuerstein, Zitrustouch, trinkanimierend - da kommt der Speichelfluß in Fließen, die Zunge rollt über den Gaumen und das Hirn verlangt sogleich nach dem nächsten Schluck! Langer Abgang, endlich ein tolles Pendant zu meiner präferierten, deutschen Rieslingstilistik, prachtvoller Stoff und ein würdiger Vertreter des österreichischen Winzerhandwerks, zurecht ein SALON-Wein, **(*)/***
    • Winzerhof Stift, Riesling vom Urgestein 2008, Röschitz, Weinviertel, SALON 2009, Strohgelb, deutlich mineralisch dominierte Nase, fokussierte, Gesteinsnoten, florale Noten, zart würzig, kühler Hauch, im Mund dann erstaunlich saftig, ohne jedoch die Strahlkraft zu verlieren, fordernde, doch balancierte Säurestruktur, salziger Rückgeschmack, gutes Exemplar für Liebhaber der fokussierten Stilistik abseits der Primärfruchtbomben, **/***

    Montag, 18. Jänner 2010

    Nachtrag Triple V

    Hab' ich's doch gewußt, daß sich in den Untiefen meines Kellers bei den unzähligen Verkostungspaketen noch eine Flasche Van Volxem Saar Riesling 2005 findet. Dieser fehlende Jahrgang ließ meine geplante 5er-Vertikale zu einer Viererpack-Verkostung - eben mit '05er-Lücke - schrumpfen.

    Dafür kann ich jetzt neben dem einfachen Saar Riesling auch gleich die Notiz des Rieslings Alte Reben aus gleichen Jahrgang frei Haus mitliefern!
    • Van Volxem, Saar Riesling 2005, 12%, schönes, vor allem klar leuchtendes Goldgelb im Glas, zeigt anfangs gleich gereifte Petroltöne, nicht übermäßig, aber für mich schon einen Tick zu viel, die Nase ist aber am dritten Tag komplett differenziert von diesen balsamischen Noten, dafür kommen süßliche, kandierte exotische Fruchtkomponenten zum Vorschein, komplexe Aromen wechseln sich sekündlich ab, Champignons, Kleber, Feuerstein, fast üppiger, hedonistischer Fruchtschmelz am Gaumen, jedoch immer die Balance haltend, die sich dann mit der feinziselierten Säurestruktur im Abgang zu einem trockenen Nachgeschmack mit mineralischer Ader fokussiert, ist spannungsgeladen, das gibt dem Wein einen erstaunlichen extra Kick hintennach, auch in dieser Phase weist der Wein vollends zu überzeugen, prachtvoll, setzt nahtlos am hohen '04er-Standard an, **-**(*)/***
    • Van Volxem, Riesling Alte Reben 2005, kräftig und strahlend leuchtendes Goldgelb, auch hier sind die 4 Jahre auf der Flasche bereits in der Nase präsent, aber auf eine sehr angenehme Weise, ein reifer Riesling mit Anklängen an Wachs, Honig und einem Tupfer Petrol, sehr balanciert im Mund, zeigt trotzdem "Öl", ist mit einer inneren Spannung gesegnet, die den Trinkfluß zuträglich ist, tänzelnde Säure im ziemlich langen Nachgeschmack, wer's gerne ein wenig reifer hat, für den ist dieser Wein jetzt à point, *(*)-**/***

    Montag, 23. November 2009

    Triple V - Van Volxem Vertikale vom Saar-Riesling '04'06'07'08

    Roman Niewodniczanski und sein Weinprojekt Van Volxem muß nicht mehr vorgestellt werden. Wer bis dato noch nichts von diesen Köstlichkeiten von der Saar gehört hat, kann sich via verfügbaren YouTube-Videos (1|2|3|4) einen ersten Eindruck verschaffen. Zielstrebig verwandelte er alte und brachliegende Steillagen mit teilweise biblisch altem Rebmaterial zu flüssigem Hochgenuß und vehalf so der Region zu neuem Ansehen.

    Alle bisher von mir verkosteten Van Volxem Weine überzeugen durch ihre Cremigkeit und brillieren durch eine in dieser Preisklasse fast unübertroffenen Mundfülle, Mineralik und Komplexität. Mit einem, pardon zwei Worten ausgedrückt: hedonistische Harmonie!

    Auch die Bloggerkollegen können Niewodniczanskis Weinen viel abgewinnen.


    • Van Volxem, Saar Riesling 2004, 12%, mittelkräftiges Goldgelb ziert diesen 5-Jährigen, eine feine Melange aus Gelbfrucht, Exotik, zarten Honignoten und Mineralik durchströmt meinen Riechkolben, öffnet sich ganz prachtvoll, offener Fruchtcharme am Gaumen, die Anfangs saftige Stilistik im Spiel mit harmonisch balancierter, aber schon noch nerviger Säure, die Süße weicht im Abgang einem trockenen, mittellangen Finish, das wieder deutlich wahrnehmbare mineralische und salzige Anklänge auf der Zunge hinterläßt, exemplarischer Riesling, denn mehr Wein in dieser Preisklasse gibt's fast nicht, **/***
    • Van Volxem, Saar Riesling 2006, leider einer Flasche Beeinträchtigung, mit deutlich riechbarem und noch viel schlimmer schmeckbaren Kork! Einer der wenigen Flaschen, die mich jährlich mit der TCA-Problematik treffen. Trotzdem wage ich eine Aussage über die Grundcharakteristik des Weins - er wirkt fokussierter und schlanker, ohne daß aber dabei aber die typisch cremige Saftigkeit verloren geht! o.W. Hier die Notiz vom Februar 2008
    • Van Volxem, Saar Riesling 2007, Goldgelb, wirkt schlanker, fokussierter, aber auch (noch?) "schwieriger" als die Vorgängerjahrgänge, behält dabei aber immer auch diesen saftige Grundton voller Cremigkeit, diesmal noch mit packendem Säurespiel als Gegenspieler, reife, gelbe Früchte gepaart mit der gewohnten Mineralik, schöpft noch nicht sein wahres Potential aus und offenbart daher für mich noch nicht den vollen Trinkfluß, der in zwei bis drei Jahren voll da sein wird, *(*)/***
    Nun bin ich prinzipiell davon überzeugt, daß 1-3 Jahre Flaschenreife jedem seriös erzeugten Wein zwecks Harmonie gut tut. Auf den 2008er Jahrgang vom Saar Riesling kann das aber *nicht* zutreffen, denn aufregender kann sich dieser Wein gar nicht mehr präsentieren!
    • Van Volxem, Saar Riesling 2008, helles Goldgelb (oder kräftiges Strohgelb), das ist ein 3-Komponenten (Mineralik, Süße, Säure) - 2-Schichten (Süße, Säure)-Wein, aber der Reihe nach:
      in der Nase ergreift sofort eine durchdringende Mineralik Besitz, dahinter ein wenig gelbe Früchte, wie immer anfangs sehr cremig, die Süße und Säure braucht aber 1 Tag um zueinanderzufinden (wirken anfangs wie in zwei getrennten Schichten), hat eine dichte, innere Spannung, die Mineralik tänzelt spürbar auf der Zunge, wirkt hinten hinaus ziemlich gebündelt, ebenso im Abgang, das ist eine famose Stilistik, welche bei meinen Geschmacksnerven sofort ins Schwarze trifft, dieser junge Wein ist nach 1-2 Stunden in der Karaffe voll da und offen, so intensiv fokussiert habe ich Van Volxems Saar-Riesling noch nie erlebt, wahrscheinlich auch ein Verdienst des Jahrgangs, Trinkspaß pur, auch wenn dem Wein (noch) jegliche Komplexität und Vielschichtigkeit fehlt, ein Danke an das Team von Roman Niewodnieczanski! **/***
    Ein wenig Zuwarten lohnt sich also meistens bei diesen Weinen - wenngleich das selbige für den Internetauftritt des Weinguts nicht (mehr) geltend gemacht werden kann :(
    Ein paar Infos zu den teils historischen Lagen würden jeden Weinfreund freuen. Andererseits bin ich gerne bereit, auf diese Zeilen zu verzichten, solange sich die Qualitätskurve der Weine in diesem Ausmaß kontinuierlich anhält!

    Donnerstag, 22. Oktober 2009

    Kleiner Rieslingwettstreit (2)

    Riesling zählt erst seit 5 Jahren zu meinen Lieblingssorten. Einzig und allein ist das der Verdienst von wundervollen Exemplaren aus deutschem Lande!
    Natürlich lassen sich auch in meinem Heimatland Österreich feine Exemplare finden, aber selten in dieser feinen Nuanciertheit, Fokussiertheit, messerscharfen Klarheit oder hedonistischen Ausprägung der fruchtsüssen Vertreter. Und selten in dieser Preisklasse - wie der einfache Wein von Christmann deutlich belegt! So konkurrenzlos ich unseren Grünen Veltliner halte - auch international - so konkurrenzlos ist auch deutscher Riesling - auch wenn ich damit (noch immer) einsamer Rufer hierzulande bin..
    • Ansgar Clüsserath, Riesling Spätlese 2002, Mosel, klares Goldgelb, etwas phenolisch, reife Rieslingnase, in der Nase ein feiner Süß-Sauer-Dialog, zart zitrusfruchtig am Gaumen, die Säure steht über der Restsüsse, nicht unharmonisch, aber noch keine kompakte Einheit, dafür mit einer schönen feinziseliertem zitrussaurem Nachgeschmack, mittelang, *(*)/***
    • Heymann-Löwenstein, Riesling "Vom blauen Schiefer" 2004, Mosel, feinstes Goldgelb, anfangs etwas Petrol und nasser Stein, öffnet sich dann zu einem breiten Spannungsbogen zwischen mineralischen Noten, Gesteinsmehl und balancierter Exotik, von keiner Komponente zuviel oder zuwenig, ein wundervoll balanciertes Exemplar von Wein, hedonistisch mit temporärer Üppigkeit am Gaumen und nervigem Säurespiel im Ausklang, seidig rinnt jeder Schluck die Kehle hinunter, so genußvoll mit allen Sinnen, da wird jede Punktebewertung zur Farce, bravo!
    • Weingut Ansgar Clüsserath, Riesling Vom Schiefer 2005, Mosel, strohgelb, nasses Gestein, Mineralik, phenolische Anklänge, Petrol, aber auch Ananas, am Gaumen recht rund, weich, mit viel Zitrusgeschmack, angenehm balancierter Säure im Abgang, harmonischer und facettenreicher Wein, *(*)/***
    • Weingut der Stadt Krems, Riesling Steinterassen 2006, Kremstal, strohgelb, sehr diffus wirkende Nase, wenig bis gar keine Frucht, irgendwo dahinter schlummert ein wenig angedeutet die Mineralik, sehr schlanker Körper, aber ohne wirklichen Fokus, kann sich nicht entscheiden was er sein will, frucht- oder mineralikdominiert, Säurebalance ist ok, kurzer Abgang, läßt mich ratlos zurück und ist mir in dieser Phase nicht einmal einen Punkt wert! Ein Wein von kargen Urgesteins- und Schotterböden, aus einem sehr guten Jahr, von einem renommierten Erzeuger, ..?? Es sind genau solche Rieslingexemplare, die mich ganz klar in meiner Präferenz für trockene deutsche Rieslinge bestätigen - auch wenn hier von der stilistischen Bandbreite zuweilen Äpfel mit Birnen verglichen werden - die fruchtsüßen Exemplare sind sowieso konkurrenzlos!
      Nach 5 Tagen gewinnt dieser Wein zugunsten der mineralischen Noten deutlich an Profil, zeigt eine innere Dichte beim Riechen und offeriert eine schöne Pikanz, auch phenolische Komponenten in Form von (annehmbaren) Petroltönen sind vorhanden, am Gaumen noch immer schlank, jetzt auch präzise und mit wirklich knackiger Säure ausgestattet, Feuerstein im Abgang, na also, so macht dieses Exemplar doch noch Spaß und ich muß meine Meinung vom österreichischen Riesling und Fritz Miesbauer relativieren ;-) - *(*)-**/***
    • Weingut Ansgar Clüsserath, Riesling Vom Schiefer 2007, Mosel, ich habe den Wein nach einem österreichischen Roten Veltliner aus einem von mir geschätzten Weingut im Glas, was soll ich sagen, einfach ein Mehr an Frische, an Frucht, an Aromatik, an Spannung! Klares Strohgelb, in der Nase wundervolle Reife, ein wenig gelbe Früchte, Pfirsich, alles untermalt mit zarter Mineralik, am Gaumen frisch, mit Substanz, das hat was zum Beißen und Kauen, nervige Säure, prachtvoller Wein zum prachtvollen Preis! **-**(*)/***
    • Weingut Christmann, Riesling 2007, Pfalz, siehe Weinrallye #26 - Tipp vom Weinhändler
    Als Nachlese: Teil 1

    Montag, 14. September 2009

    PJK - 2 x "L" & 1 x "Q"

    Ich habe mit den ersten Flaschen so meine Schwierigkeiten mit Peter Jakob Kühns Weine gehabt, fiel doch meine Begegnung mit seinen Weinen gerade in die Zeit der Umstellung vom Hightech-Winzer auf biodynamische Bewirtschaftung. Gut, daß diese vollzogen wurden, denn inzwischen weiß ich die Weine des Rheingauer Winzers aus Oestrich zu schätzen - vor allem werden diese von Jahr zu Jahr kontur- und finessenreicher.
    Die verkosteten Exemplare stammen aus der 150ha großen Oestricher Einzelage Doosberg, welche Teil der Großlage Gottesthal ist und auch die bekannte Lage Lenchen enthält. Der Quarzit ist dabei eine Cuvée aus verschiedenen Teilbereichen des Doosbergs, wohingegen der "L" aus einem Weinbergsbereich mit der alte Katasterbezeichnung Landgeflecht - einem aus geflochtener Weide gegen Tierfraß geschütztem Teilbereich - stammt. Die 2 Trauben sind ein Hinweis auf die Traubenqualität im Spätlesebereich.
    • Peter Jakob Kühn, Riesling 2 Trauben "L"andgeflecht 2005, Oestrich, Rheingau, sattes Goldgelb, ein prachtvolle, sehr expressive Nase, Honig, Bergkräuterwürze, fast wie eingedickter Almdudler, ebenso am Gaumen, weitmaschiges Fruchtspiel, voll, aber nicht üppig, strahlt eine gewisse Gelassenheit und Souveränität aus, extraktreich, von einem weichen Säuregerüst umrahmt, Schmelz, ein hedonistisches Exemplar mit langem Abgang, **/***
    • Peter Jakob Kühn, Riesling 2 Trauben Quarzit 2006, Oestrich, Rheingau, kräftiges Strohgelb, straffe Nase, schlank, eine herrliche Kräuterwürzigkeit entspringt dem Glas, mittelgewichtig, hat Spiel am Gaumen, in Summe etwas schlanker, aber das steht dem Wein recht gut, auch trockener, mit packender Mineralität auf der Zunge, im Abgang Zitrusfrucht, feines Säurespiel, straffer, forscher, fordernder, nerviger als der "L" und ebenfalls rundherum gelungen, so macht Riesling Spaß! **-**(*)/***
    • Peter Jakob Kühn, Riesling 2 Trauben "L"andgeflecht 2006, Oestrich, Rheingau, strahlendes Goldgelb, anfangs pure Feuersteinaromen, welche dann einer Würzigkeit weichen, wirkt sehr offen und zugänglich, das bestätigt dann auch der erste Schluck, knisternde Mineralik auf der Zungenspitze, zeigt eine feine Balance zwischen Zugänglichkeit und Straffheit, ich könnte auch innere Harmonie als Synonym verwenden, spannend, mittellanger, wiederum kräuterwürziger Abgang, fein-fein, **-**(*)/***
    Allesamt jedenfalls tolle Weine mit einer ganz eigenen Identität und Aromatik. Hervorragend geeignet für den Genuß im Rahmen der letzten warmen Tage. Und als Erinnerung an einen vor 2 Jahren im Rheingau (arbeitsam!) verbrachten österreichischen Nationalfeiertag ;-)

    Samstag, 20. Juni 2009

    Weinrallye #24 - Die Nahe

    Gastgeber der Weinrallye ist diesmal Alexander "der" Ultes und er möchte mit seinem Thema "Das Gute liegt wirklich NAHE" eine, seiner Meinung nach "zu Unrecht, nur wenig anerkannte Weinregion", die Nahe (2) ins Rampenlicht rücken.

    Nun - wie immer liegt - die Wahrheit ein Stückchen im Auge des Betrachters, denn von meiner Heimatstadt Linz aus gesehen liegt die Nahe bei Gott nicht nahe, sondern einigermaßen fern!
    Da ich aber im patriotischen Österreicherland ein - zumindest manchmal - einsamer Rufer zugunsten der oftmals so spannenden deutschen Weine bin, finde ich Gefallen an dieser lokalen zentrierten Rallye. Ermöglicht es mir doch, mich mit einer Weinregion auseinanderzusetzen, die zwar in Form einzelner Flaschen wie zB. einer 06er Riesling Hermannshöhle von Dönnhoff oder Grauburgunder vom Schloßweingut Diel in meinem Keller vertreten ist - ua. fehlen noch Crusius, Schönleber, usw. - aber nicht aktiv in meinem Weinbewußtsein vorhanden ist. In Anbetracht der Dichte von Spitzenweingütern hat es diese Weinbauregion, die mit etwas über 4000ha Anbaufläche in etwa mit dem österreichischen Kamptal vergleichbar ist - aber allemal verdient.

    Und siehe da, wurde ich doch bei der Suche nach einem entsprechenden Rallyewein der Nahe nahe Linz fündig. Die Vinothek Wagner in Gmunden führt Weine des Weinguts Schäfer-Fröhlich. Und dieses mir bisher unbekannte Weingut scheint bei Recherche ebenfalls einer der ganz "Großen" dieser Region zu sein:
    • Tim Fröhlich wurde im Gault Millau 2005 zum "Aufsteiger des Jahres" gekürt,
    • Robert Parker - oder besser sein für den deutschen und österreichischen Wein zuständigen David Schildknecht - meint "Es gibt in Deutschland derzeit kein spannenderes Weingut als Schäfer-Fröhlich." (Quelle Wein-Plus),
    • "..ein echtes Dreamteam..” schwärmt Stuart Pigott in seinem letzen Buch „Wein spricht deutsch” und
    • auch international können die Weine reüssieren, wie zB. beim Weinkritiker Claude Kolm mit seiner The Fine Wine Review aus San Francisco, welcher regelmäßig voll des Lobes ist und den "Riesling Monzinger Halenberg 2005 Großes Gewächs" mit 98/100 Punkten bewertet, angeblich die höchste Bewertung, die jemals ein deutscher, trockener Weißwein erreicht hat! (Quelle Wein-Plus)
    Erstanden habe ich eine Flasche Riesling trocken der Lage Bockenauer Felseneck und eine Flasche Riesling Spätlese Monzinger Halenberg, jeweils aus dem hervorragenden Jahr 2007 - beides lt. Deutschem Weinatlas privilegierte Lagen.
    Der Halenberg erscheint mir noch viel zu jung für ansprechenden Genuß und so wende ich mich dem Gewächs aus dem Bockenauer Felseneck zu, einer Süd-/Südwestlage mit Konglomeraten aus blauem Schiefer, Quarzit, Basalt, aber auch Lehm und Lößanteilen. Kräftige Mineralik im Glas sollte also vorprogramiert sein.


    Weingut Schäfer-Fröhlich, Riesling Bockenauer Felseneck 2007 trocken, Nahe, strohgelbe Farbe mit deutlichen Grünreflexen, phenolische Töne, zarte Exotik, Fichte, glockenklar und vibrierend, straff am Gaumen, dominierende Zitrusnoten mit rassigem Säurespiel als Prüfstein für die Geschmacksnerven, fordernd, hat eine innere, sehr fokussierte Spannung vorzuweisen und bietet trotzdem viel Spiel am Gaumen, zieht in einem durch, messerscharf, dabei gute Balance zeigend, wiederum phenolische Noten im Abgang, behält seine Pikanz und Frische durch die omnipräsente Zitrusfrucht, beweist Eigenständigkeit, ein wirklich toller Charakterwein, jetzt bereits wunderbar genußfähig, **-**(*)/***, €19

    Bei einem deutschen Weinhändler habe ich zu den 2007er des Weinguts folgendes Resummée gefunden:

    "Rieslinge mit glockenklaren Aromen voll vibrierender Spannung, explosiver Finesse und von kristalliner Frische – Beseelte Terroirweine mit laserstrahlartig gebündelter Energie auf absolutem Weltklasseniveau!"

    Dem kann ich nur zustimmen!

    Dienstag, 5. Mai 2009

    Kleiner Rieslingwettstreit (1)

    Die ersten Frühlingstemperaturen lassen mich im Keller nach leichteren Weißweinen Ausschau halten, sodaß sich im Laufe der letzten Wochen ein paar Rieslingexemplare ansammelten. Wie immer sequentiell und nicht parallel verkostet!
    • Prinz von Hessen, Riesling 2007, Rheingau, blaßgelb, sehr frische Nase, (eine in deisem Segment der leichten Weine bekannte) dominante Zitrusaromatik, am Gaumen hätte ich mir einen schlanken Wein erwartet mit rassiger Säure, bekommen habe ich einen vollmundigen, reifen Körper, welcher im Hinterrgrund bereits mit deutlich wahrnehmbaren Petroltönen behaftet ist, im Abgang wiederum viel Zitrus.
      Eine sehr eigenartige Stilistik, noch nie hatte ich einen derart voluminösen Wein mit nur 11.5 Vol% im Glas, entspricht in dieser Gewichtsklasse nicht ganz meinem Verständnis von Balance und Harmonie, (*)/***
    • Reichsrat von Buhl, Riesling 2007, Pfalz, feine mineralische Note, keine überbordenende Primärfrucht, zarte Steinobstnoten, schlanke Struktur, feinbalancierte Säure, harmonisch, im Abgang begleitet ein zartes Bitterl den schönen Zitrushall, gelungener, vor allem trinkfreudiger Alltagswein auf guten Niveau, nettes Etikett! *(*)/***
    • Peter Jakob Kühn, Rheingau (Guts)Riesling 2007 (0,7l), helles Stroh, eigenartige Nase, dann eher die Aromatik nach Sauvignon Blanc, hat (für mich) so gar nichts von einem Riesling, erstaunlich viel Volumen und eine gute Mundfülle für die 11 % Vol., von der auf der Homepage beworbenen vibrierenden Klarheit habe ich nichts bemerkt, wirkt ab Tag 2 noch undifferenzierter, breit, fast mostig, ohne jeglichen Trinkspaß, rätselhaft? Fand sein Ende in einer (Terlaner) Weinsuppe! oW.
    • Maglock-Nagel, Riesling Gaisberg 2006, Kremstal, Strohgelb, viel Zitrusfrucht und Exotik, Ananas, schon die Nase macht Appetit auf einen Schluck, rollt einfach nur saftig über die Zunge, rund, cremig, breit, aber auch mit der richtigen, trinkanimierenden Säureportion den Gaumen hinab, durch und durch balancierter, süffiger, zutiefst hedonistischer Wein, der zwar in meinen Augen nichts (mehr) Rieslingspezifisches aufzuweisen hat, aber dafür umso mehr Spaß mit unkompliziertem Trinkvergnügen bereitet, *(*)-**/***
    • Walter Buchegger, Riesling Tiefenthal 2006, Kremstal, kräftiges Strohgelb, anfangs undifferenziert, Gemüsenoten, wirkt breit am Gaumen, erst am nächsten Tag offenbart sich das volle Potential dieses Weines, pure Mineralik, Gesteinsmehl, reife gelbe Früchte, im Dialog mit etwas Parfum, dann prachtvolle Marille, wirkt kompakt, aber offen, hat eine feste innere Spannung, süße Frucht, voll, ja fast ausladend und barock, mit feiner, harmonischen Säure ausklingend, wiederum Marille im Abgang, ein Prachtexemplar heimischer Rieslingkunst, hat seinen initialen Eindruck mehr als bestätigt, **(*)/***
    • Domäne Wachau, Riesling Federspiel Terrassen 2007, Wachau, manchmal reicht der erste Schluck nicht aus, um einen Wein zu einschätzen zu können, manchmal reicht aber bereits der erste Schluck, um sich in einen Wein zu verlieben oder aber - wie in diesem Fall - den Wein einfach nur mäßig zu finden. Selbst wenn er noch zulegen würde, dieser Aromatik, dieser Stilistik werde ich niemals Sympathie entgegenbringen,
      kein vibrirendes Spiel - und das braucht ein Wein der Federspiel-Klasse nunmal - hat außer viel Zitrus nichts für meinen Riechkolben zu bieten, am Gaumen .. ein Säuerling erster Güte, macht mich K.O. und daher o.W. ;-)
    ..to be continued..

    Montag, 9. März 2009

    Weinrallye #21 - König Riesling

    Gastgeber der 21. Weinrallye ist wieder einmal Lars vom Blog schreiberswein.
    Sein auserkorenes Thema ist ein ganz & gar deutsch-patriotisches:

    Die Königin der Reben - Deutscher Riesling aus Spitzenlagen!

    Daß die Rieslingtraube den Königinnenthron beansprucht wird ja da & dort publiziert. Allein meine (Verkostungs)Erfahrung lehrt mir aber, daß es einige Konkurrentinnen gibt, die ihr diesen Anspruch durchaus streitig zu machen imstande sind - wenngleich wahrscheinlich nicht auf internationaler Ebene. Chardonnay, Chenin Blanc und auch unser heimischer Grüner Veltliner bringen IMHO manchmal ebenbürtige Qualitäten, letztere auch in ebenso vielen unterschiedlichen Qualitätsabstufungen.
    Daß ich dem deutschen Riesling dennoch (fast uneingeschränkt) huldige liegt einfach daran, daß ich erst über die deutschen Vertreter Zugang zu dieser Rebsorte gefunden habe und diesen Weinen nicht nur bis heute treu geblieben bin, sondern sie meistens auch noch immer den österreichischen Exemplaren vorziehe.

    Seit jeher üben steinige Steillagen einen ganz besonderen Reiz aus. Dies gilt für die Terassenweine der Wachau ebenso wie für die Lagen der Mosel. Die Mühen der Bewirtschaftung solcher extremen Lagen lohnen oftmals mit besonderen köstlichen Weinen. Aus diesem Grund habe ich mich auch für ein Exemplar aus einer solchen Lage für diese Rallye entschieden.

    Der Röttgen ist Teil der Ortsgemeinde Winningen an der Untermosel, kann mit einem Devonschieferanteil von über 50% aufwarten und ist als Erste Lage nach der VDP-Klassifikation eingestuft und findet auch Eingang als einer der besten Lagen der Mosel im Deutschen Weinatlas.


    Heymann-Löwenstein, Riesling Röttgen 2004, 1. Lage, Mosel, Goldgelb, prachtvolle Fruchtsüsse, anfangs gelbe Früchte, Marille, dann viel Exotik, Ananas pur, balanciert strömend, dahinter alles mit gebündelter Mineralik unterlegt, facettenreicher Wein für Nasentrinker, am Gaumen kontrolliertes Volumen, wunderbar voll, alles mit diesem herrlichen Süss-Sauer-Dialog auskleidend, Textur mit Spiel, barock, ja, aber auch wunderbar feinziselierte, richtiggehende erfrischende Säurestruktur im Abgang, dann wiederum Mango, endlos lang, ein Grandseigneur, ein Geschichtenerzähler der Rieslingkunst, in jeder Phase ein hedonistischer und erotischer Wein, gleichermaßen für Bauch und Intellekt geeignet, besser kann's nicht werden, dieser Wein sprengt ganz klar mein Bewertungschema, glücklich, wer ein paar Flaschen dieses außergewöhnlichen Elixiers sein eigen nennen darf! ***(*)/***

    Nochmals eine Liga über dem bereits famosen 2005er Exemplaren, welche ich vor 15 Monaten zum ersten Mal genießen durfte!

    Königin Riesling, auf *meinem* Thron ist genügend Platz für euch alle :-)

    Dienstag, 23. Dezember 2008

    Rieslingländerkampf Deutschland : Österreich 2:1

    Das Thema Riesling ist immer ein spannendes, das erste VHS-Duell vor 2 Jahren wurde IMHO klar entschieden, diesmal war's mit einem Vergleich der 2007er Weine viel knapper - die meisten Stimmen plädierten daher auf ein Unentschieden. Für mich war's trotzdem ein Sieg unserer Lieblingsnachbarn, wenn auch ein hauchdünner, aber den Österreichern fehlt es da einfach an Fragilität und Feingliedrigkeit, dafür besitzen sie Muskeln. Letztendlich ist das aber ja auch immer eine Frage der persönlichen Präferenzen.
    Die Weinauswahl war jedenfalls höchst subjektiv und die Weine viel zu jung, sodaß einige Vertreter ihr wahre Potential (noch) nicht ausspielen konnten.

    Im Schnelldurchlauf die Highlights auf beiden Seiten - für Deutschland
    • Eva Clüsserath. Riesling Steinreich, Mosel, strohgelb, kräftige Nase, Pfirsich, parfumiert, glockenklar, voll, balancierte Säure, singt in der Nase und auch am Gaumen, *(*)/***, €11
    • S.A. Prüm, Wehlener Sonnenuhr 2007, Mosel, feinziselierte Nase, fokusiert, am Gaumen straffer und säurebetonter als der Steinreich, blitzsauber und trinkanimierend, *(*)/***, €13
    • Deinhard, Forster Ungeheuer, Kabinett 2007, Pfalz, wiederum Parfumnoten, Pfirsich, Exotik, Mango, viel frucht, macht Spaß, feine Balance, ein Preis-/Genußtraum, *(*)/***, €8
    • Van Volxem, Pergentsknopp 2007, Mosel, kräftiges Leuchtgelb, viel gelbe Früchte, im Mund richtiggehend voluminös, perfekter Dialog zwischen süß und sauer, viel Spannung und viel Potential, **/***, €32
    • Emmerich Schönleber, Monzinger Halenberg Großes Gewächs 2007, Nahe, strohgelb, pure Mineralik in der Nase, viel zu jung, quicklebendig, extrem fokussiert, viel Zitrus, feine Säurestruktur, ein Winner, **(*)/***, €28
    Für's Heimatland reussierten
    • Ludwig Hiedler, Heiligenstein 2007, Kamptal, kein primärfruchtiger Wein, dafür viel mineralische Anklänge, gute Balance und Struktur, macht alles richtig, Potential, *(*)/***, €18
    • F.X. Pichler, Dürnsteiner Hollerin 2007, Wachau, strohgelb, gelbfruchtig, mineralisch, am Gaumen noch etwas zerfahren, hat noch nicht seinen vollen Spannungsbogen aufgebaut, Potential, *(*)/***, €22
    • Weingut Prager, Klaus Smaragd 2007, Wachau, Toni Bodenstein hat für die Österreicher wie schon vor 2 Jahren die Kohlen aus dem Feuer geholt, strohgelb mit grünlichen Reflexen, feine Nase mit Finisse, Mineralik, füllig am Gaumen und doch mit nerviger Säurestruktur, perfekt balanciert, **/***, €29
    Nicht überzeugen konnten mich zu diesem frühen Trinkzeitpunkt ua. Franz Proidls Ehrenfels und Fred Loimers Steinmassl, normalerweise aber beides keine Frühstarter und eine sichere Bank, auch der von falstaff Chefverkoster Peter Moser hochgelobte Riesling DAC Berg von Markus Huber entäuschte durch seine lasche, ja richtigehend fade Art - wie immer alles mit Vorsicht zu genießen, da's nur ein zeitliche Momentaufnahme darstellt - Spaß gemacht hat's allemal!

    Freitag, 21. November 2008

    D-Riesling in A

    Deutsche Rieslinge haben einen schweren Stand im Land der österreichischen Patrioten - immerhin nähert sich der Anteil des österreichischen Weins in der heimischen Gastronomie fast der 100% Grenze. Wenn ich dann im Bekanntenkreis freimütig zugebe, die Rieslinge unseres westlichen Nachbarn den österreichischen Kreszenzen vorzuziehen, stoße ich fast immer auf Unverständnis - wo doch wir Österreicher die besten Weißweine der Welt erzeugen?!

    Ab und zu war heuer aber auch deutscher Wein in den heimischen Printmedien präsent (zB. Artikel im standard - Deutschland für Anfänger bzw. Wittmann als wöchentliche Weinempfehlung) und einige Weinhändler trauen sich ein kleines Deutschlandsortiment zu führen - nur Mut meine Damen und Herren, gibt es doch bei unseren Lieblingsnachbarn gar Köstliches zu entdecken!
    Trotzdem landet oftmals ein Gutteil der deutschen Weine - meistens in Form von Rieslingen - bei den Fachhändlern im Restpostenregal - wieso bloß?
    Vielleicht liegt's auch am komplexen deutschen Weinsystem und den schier unüberschaubaren Lagennamen. Mein Allzeitfavorit steht da übrigens bereits fest - es ist der Oppenheimer Sackträger, erstes Großes Gewächs ;-)

    Hier eine kleine Auswahl der Weine, welche ich in der 50%-Ecke gefunden habe:
    • Gunderloch, Riesling 2006, Rheinhessen, strohfarben, zitroniger Touch, die Petrolnote schon in Lauerstellung erkenn- & erschmeckbar, saftiger Stil, easy to drink, mit einer superben und harmonischen Säure, trinkanimierend, alles balanciert, am zweiten Tag dann auch leichte Pfirsichtöne, zarte minerlische Noten, wirkt auf seine Art sehr suverän, hochfein, das ist die Basisqualität wohlgemerkt! **/***
    • Dr. Bürklin-Wolf, Riesling Ruppertsberger Hoheburg 2001, Pfalz, erstaunlich vitale Farbe, kräftiges Strohgelb mit grünlichem Einschlag, deutlicher Petrolton in der Nase und am Gaumen, aber noch in einem harmonischen Ganzen mit Zitrusfrucht eingebunden, balancierte und nervige Säurestruktur, schön langer Abgang, noch sehr lebendiger und juveniler Wein, ich bin mir aber noch immer nicht sicher, wie meine Einstellung gegenüber dem Petrolton nun wirklich ist - man mag es oder hasst es? - tendenziell kann ich die Noten, soferne nicht dominierend, in der Nase leichter als am Gaumen akzeptieren, wenn man vorher einen Schluck guten Veltliner gehabt hat, dann wird die Sache ziemlich flach, zum salzigen Speck aber passt der Wein ganz hervorragend, *(*)/***
    • Schloß Lieser, Riesling Brauneberger Juffer Kabinett 2006 feinherb, Mosel, strohgelb, betörende Nase nach Zitronen, exotische Aromen, fokussierte Aromatik, zarte Mineralik, am Gaumen prachtvoller Dialog zwischen der Süße und der Säure, gut gekühlt erfrischend wie ein Zitronen-Champagner-Sorbet, fast schwebend, das ist keine intellektuelle, aber köstlich fruchtig geprägte Weinstilistik, unvergleich und für mich einfach göttlich, kein großer Wein, ich weiß, aber handwerlich perfekt (gemacht), wundervolle geschmackliche Stilistik und es kommt sehr, sehr selten vor, daß meine liebe Renate und ich eine Flasche Wein in einer halben Stunde leeren ;-) - sensationeller Stoff und Griff in die Vollen, ***/***
    • Dönnhoff Riesling 2006 - leider ein Kork!
    • Einzig die 1994er Wehlener Sonnenuhr Spätlese trocken von Kerpen konnte mich in keinster Weise begeistern, flach, spannungslos und viel zu viel Petrol.