Samstag, 30. April 2011

Weinrallye #44 - Rhone

Christoph Raffelt vom Blog (& Shop) originalverkorkt ist diesmal Gastgeber der 44. Weinrallye mit seiner Vorgabe: "Die Rhone - der Fluß - die Winzer".

Ein dem Thema, das für mich von seinen Möglichkeiten her ein wenig klingt wie:

Nehmen sie ein Glas und öffnen sie eine Flasche Rotwein.. ;-)

Rhone, ja da gibt es ein paar für jeden Weinfreund klingende Namen: Hermitage, St. Joseph, Cornas, Tavel, Chateauneuf-du-Pape, usw.
Eine Vielzahl von Appelationen und geologischen Formationen finden sich entlang der Rhône - und wollten wir alle einmal in Form einer Weinrallye abhandeln, so würde uns die nächsten 10 Jahre wohl nicht fad werden.
So ist wohl auch ein wenig dieser für mich undurchschaubaren Gebietskomplexität zu schulden, dass die Rhône bisher auf meinem Weinradar eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Den südlichsten Teil dieses über 800km langen Flusses habe ich auch bereits bereist, wobei der Fluss selbst keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat - sofern ich diesen überhaupt wahrgenommen habe - ganz im Gegenteil zB. zu den faustgroßen Steinen in den Weinbergen Châteauneuf-du-Papes.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich persönlich diese Regionen geografisch gesehen eher zur Provence als denn der Rhône zugehörig empfinde, beim Wein überhaupt, denn eigentlich bleibt in meinem Weinverständnis ein Gigondas ein Gigondas, ein Vacqueyras eben ein Vacqueyras und ein CdP ein CdP und das alles hat mit der Rhône so rein gar nichts gemeinsam! Auch wenn es aus zB. klimatischen Gründen nicht ganz nebensächlich ist, dass die Rhône ganz in der Nähe fließt. Aber das gilt eben nur für den kleinen, südlichen Teil samt meinen ganz persönlichen Erlebnissen.
Die Weinbauregion Rhône ist für mich also jener unbekannte, nördliche Teil hinauf bis Lyon (der Fress- pardon Gourmethauptstadt), den ich nur von den Weinatlanten und den darin befindlichen Bildern kenne. Schade eigentlich!

Obwohl es entlang der Rhône viele zugelassenen Rebsorten (Grenache, Mourvedre, Carignan, Cinsault, Viognier, Marsanne, Rousanne, ..) gibt und einige der Weine auch auf einen zahlreichen Rebsortenmix in ihren Cuvees setzen, so verbinde ich mit der Rhône doch hauptsächlich eine Rebsorte: Syrah!

Ja, (reinsortige) Syrah von der Rhone hatte ich noch nicht allzuviele, einige spannende, vom kargen Gesteinsterroir geprägte Weine waren für mich sehr "schwierig" zu trinken (Vincent Paris), ein paar gereiftere, harmonische (Hermitage), aber nicht komplex genug für's Geld und der Rest (aus dem französischen Supermarche) so durchschnittlich, dass der Wein von jeder beliebig anderen Region und Rebsorte der Welt ebenso gut hätte sein können.

 

So kommt es dann auch, daß die paar Flaschen in meinem Weinkeller, die das Wort Rhône auf dem Etikett tragen, meistens mit dem Präfix "Côtes du" bzw. Postfix "Village" versehen sind.
Das sind oftmals jene Weine, die Frucht, dunkle Würzigkeit gepaart mit Saft und Kraft zu einem harnonischen Ganzen vereinen und dann oftmals noch immer im Geldbörsel-schonenenden Bereich um €10 liegen. Weine, die in ihrer Jugendlichkeit soviel Spaß machen, daß keine Notwendigkkeit besteht, sie auch nur eine Woche länger unter Verschluß zu halten, was aber ihrer Lagerfähigkeit bis zu 5 Jahren keinen Abbruch tut, wie meine beiden Exemplare belegen, welche ich, letzte Woche im Glas hatte: den ersten direkt aus meinem Keller, den zweiten im Rahmen einer Verkostung zum unter dem Titel "Frankreich, ein Streifzug durch unbekannt(ere) Regionen".
  • Domaine Daniel & Denis Alary, La Font d'Estévenas 2005, Côtes du Rhone, purpurfarben mit dunklem Kern, sehr würzig mit vielschichtige Noten, fruchtsüß mit Anklängen nach Brombeere und Sauerkirsche in der Nase, der für die Rhone so typische weißer Pfeffer findet sich auch in diesem Wein, ebenso Wacholder, am Gaumen fest strukturiert, erstaunlich schlank für seine 14.5% Vol., da ist nicht mehr viel zu merken von der anfänglichen überschwenglichen Fruchtsüsse, eher herber Grundton, eine tiefe Kräuterwürzigkeit kleidet meinen Mundraum aus, fein balanciert in allen Belangen, harmonische, lebendige Säure, sehr gute Länge samt feurigem Abgang, ganz eigenwilliger Charakter, im Rückgeschmack wiederum Wacholdernoten, *(*)/***, €13
    Im Vergleich zur Kostnotiz vor 3 Jahren hat dieses Exemplar ein wenig an Fruchtcharme & Süße, an Gefälligkeit und unmittelbarer Zustimmung eingebüßt, nicht aber an der "Trinkigkeit" und dem Preis-Leistungs-Verhältnis..
  • Nicolas Croze, Notre Dame de Mélinas 2009, Côtes du Rhone, satte Farbe mit dunklem Kern, tiefe Fruchtcharme, zarter Schokotouch, Wacholder und Olive, die volle Kräuterwürze der Garrique, dunkle Beeren, saftig am Gaumen, viel Kraft im Mund, die natürlich auch dem kräftigen Alkohol geschuldet ist, ein gut gemachter Côtes du Rhone, hinten nach etwas breit und nicht allzulang, ein den Preis werter Spaßwein für die doch noch recht kühlen Abende, *(*)/***, €9
Zeit wird's also, die nördlich Rhône zu bereisen, aber gilt das nicht auch für das Napa Valley, Neuseeland, die Weinbauregionen Argentiniens und und und ?

Wie das alles zu schaffen sein wird? Kein Problem, es sind nur mehr 23 Jahre bis zur Pension.. .

    Sonntag, 10. April 2011

    Weinfrühling 2011

    Zum 4. Mal war ich Gast beim kleinen Linzer Weinfrühling im Alten Rathaus, der es einem Weinfreund zeitnah ermöglicht, die im letzten Weinjahr entstandene Qualität über einen Großteil der österreichischen Weinbaugebiete grob einzuordnen.

    Der 2010er Jahrgang war aufgrund seines nasskalten Witterungsverlaufes ja bereits mannigfaltig im Vorfeld unter Verruf geraten - auch wenn es dazu einige Gegenstimmen gab, die doch einmal zum Abwarten und zum Verkosten des Endprodukts mahnten, bevor dem Jahrgang ein negatives Attribut angedichtet wird.

    Als Konklusio der Verkostung kann ich den Stimmen dieser "Rufer in der Wüste" nur Recht geben.
    Der 2010er zeigt sich jugendlich beschwingt, fruchtbetont und auch von den Säurewerten her durchaus dem österreichischen Gaumen zugetan. Zuwarten mit der Lese lohnte sich vielerorts und brachte bzgl. Extrakt und Aromenvielfalt einen willkommenen Gegenspieler zur reschen Säure.
    Auch wenn einige der früh gelesenen Weißen sogar die 10g/l-Säureschwelle nahmen, konnte sich Dank der technischen Hilfsmittel zur Entsäuerung - die Bernhard Fiedler in seiner Serie "Der gläserene Wein" gut verständlich dokumentiert hat - der Großteil der jungen Weine bezogen auf die Säurestruktur sehr harmonisch und trinkanimierend präsentieren.
    Einige Winzer haben bzgl. Säurereduktion wohl ein wenig über's Ziel hinausgeschossen - paradoxerweise gab es auch Weine, die ich trotz eines solchen Jahrgangs dann als fad und zu lasch empfand. Auch Joghurttöne von der malolaktischen Gärung waren tlw. noch bei den gereichten Weinen auszumachen.

    Ein weiterer Wehrmutstropfen im Weinjahr 2010 ist sicherlich die geringe Menge, einige Winzer - wie zB. am Wagram - hat es nach Hagelausfällen 2009 mit einer kleinen Ernte nun bereits das zweite Jahr in Folge getroffen. Dass dies bei Einbußen auch jenseits(!) der 50% einer Normalerntemenge schnell an die Substanz gehen kann, ist leicht nachvollziehbar. Die Konsumenten sind hier wohl eindeutig in der glücklichen Ausgangslage, trägt doch das Risiko in diesem Fall zu 100% der Produzent.

    Nachfolgend sind ein paar jener Weine gelistet, die mir gut gefallen haben:

    - Fam. Rosenberger, zwei "schöne" Rieslinge, offen, straff, animierend der Lössterrassen, komplexer, mineralischer, exotischer, straffer der Exklusiv, und ein ansprechender, sortentypischer Sauvignon Blanc, Cassis pur mit grünem Paprika, nervige, straffe, den Speichelfluß förderne Säure, fein,
    - Fam. Reinberger, ein kühler und aromatischer Grüner Veltliner Brenner, ebenso die Rose Grün mit gutem Extrakt und zarten Minznoten,
    - Joe Bauer, tolle, nervige und trinkanimierende Säurestruktur (die beste von allen Winzern) beim Grünen Veltliner Katharina, zusätzlich noch wuchtiger Extrakt beim GV Spiegel Alte Reben, einiges an Potential,
    - Norbert Bauer, ein fülliger Roter Veltliner Hinternberg mit feiner Frucht und verspieltem Süße-Säure-Dialog - alle Weine aus der Weinbaueregion Wagram!

    - Weingut Thell in burgenländischen Seewinkel Apetlon mit einer feinen, bereits toll runden 2010er Spätlese aus der Rebsorte Muskat Ottonel, ein Wein, der zu asiatisch scharfen Gerichten einen vorzüglichen Begleiter gibt, noch prachtvoller der Welschriesling Eiswein aus dem heißen Jahr 2003, à point, superber Süße-Säure-Dialog, Orangenzesten, ein fettes und dabei doch hochelegantes Elixier.

    Aus der Thermenregion gab es feine Weine aus dem sehr burgundischen Jahrgang 2008 von zwei (mir) altbekannten Weingüter zu verkosten:
    - Johann Gisperg, sehr feine, weiche, zugängliche und mit viel Fruchtcharme ausgestattete Pinot Noirs (sowohl Classic als auch Exklusiv und Reserve), auch die beiden St. Laurent Exklusiv und Reserve können mit burgundischem Charme, gekonntem Holzeinsatz, Struktur und Offenheit punkten,
    - Fam. Schneider, toller, finessenreicher Der Pinot (Burgundermacher), mehr Würze und Struktur zeigt dann die Reserve, für die empfehlenswerte Cuvée Kräutergarten gilt "nomen est omen", zeigt trotz aller Würze und Struktur noch immer die burgundische Dimension, St. Laurent Reserve, sehr maskulin und herb, Schokotouch, fokussiert, schlank, viel Potential.

    Nicht verschweigen will ich aber auch, daß es von einigen, in den letzten Jahren immer verlässliche Weinqualitäten produzierende Güter, diesmal nur Mittelmaß zu verkosten gab. Ihnen allen fehlte die strahlende, blitzsaubere Frucht und waren mit einer leicht herb-dumpfen Note überlagert.

    So bleibt abschließend eigentlich nur festzustellen, dass es auch aus dem schwierigen Weinjahrgang 2010 sehr gute Weinqualitäten geben wird, die durch ansprechende Frucht und Trinkanimo wohl nicht all zulange ein "Kellerdasein" fristen müssen :-)

    Sonntag, 27. März 2011

    Man(n) muß doch auch mal..

    ..Glück haben, bei den Weinflaschen, oder?

    Nach den ersten Vorboten des kommenden Frühlings sind die letzten Tage wettermäßig wieder etwas durchwachsener und so habe ich im Keller  nach ein paar reiferen Flaschen der Marke "5 Jahre +" Ausschau gehalten, die den vergangenen Winter "unbeschadet" - weil nicht im "zu konsumieren"-Regal gelandet sind - überstanden haben.
    Ohnenhin war ich in der Vorwochen nicht gerade vom Weinglück verfolgt:
    • Ein Weinfreund, der mir 2 Flaschen überließ ("was hältst du denn von diesem hier?") - einer davon ein ziemlich unreifer 08er Cabernet Sauvignon aus einer österreichischen Weißweinregion! Was motiviert eigentlich Winzer in Langenlois zum Anbau dieser Sorte? Das können entweder nur die Forderungen penetranter Stammkunden sein oder maßlose Selbstüberschätzung..?!
    • 2 Flaschen mit geschäumten Kunststoffkork, beide gut unter einer Kapsel versteckt und beide inzwischen überreif an der Grenze zur Antrinkbarkeit, lasch und fad (05er Veltliner Grande Reserve vom Weingut Forstreiter in Krems und ein 06er St. Laurent vom Weingut Mauß)
    • und dann noch 2 Korkschleicher (01er Chianti Classico Riserva Rocca Guiccarda von Barone Ricasoli und ein 05er Grüner Veltliner Schweren Zapfen vom Weingut Fritz, Kremstal)
    Wenn ich dann also aus diesem Fundus von insgesamt 7 Weinen noch von 2 augesprochen - und auch unerwartet(!) - gut gelungenen Exemplaren zu berichten darf, bleibt mir eigentlich nur noch zu erwähnen:

    Man muß ja gelegentlich auch mal Glück haben!
    • Alexander von Essen, Capaia 2004, tiefdunkle Farbe mit granatrotem Rand, eine wirklich tiefe, extrem kräuterwürzig geprägte Nase, feste Faßbrandnoten, aber auch die Cassistöne der Rebsorte sind noch da, ein wenig Balsamik, reife Gerbstoffe bilden das Fundament, auf dem Fruchtsüße und Säurestruktur ihr durchaus stilvolles Erscheinungsbild aufbauen, mittelgewichtig am Gaumen, aber durchaus kraftvoll, sauber und in Summe sehr ausgewogene Stilistik ohne Ecken und Kanten, die feingliedrige Säure verleiht dem Wein fast eine vitale Leichtfüßigkeit, der Abgang könnte ruhig etwas länger anhalten, aber was für ein Vergleich zu früheren (rauhen und unbalancierten) Flaschen, ein Phönix aus der Asche, kein komplexer Wein, aber mit schönem Trinkfuß der Marke Winterwärmer, **-**(*)/***
    • Weingut Dreisiebner-Stammhaus, Morillion Hochsulz 2005, Südsteiermark, helles Strohgelb, sehr reife, anfangs aber feinziselierte Frucht, geht dann mächtig im Glas auf, intensive, aber niemals breite Anklänge an Litschi und Fisalis, kandierte Ananas im Hintergrund, das Holz gut verwoben, das Mundgefühl doch eher schlank, zarte Mineralik, engmaschige und lebendig Säurestruktur, die im Abgang richtiggehend elektrisierende Wirkung zeigt, also eine beispielgebende Wirkung einer gebündelte Mineralik, fokussiert und blitzsauberer Abgang! **(*)/***

    Samstag, 19. Februar 2011

    Glasvariationen

    Wollten Hedonisten vor einigen Jahren eine gute Flasche Wein aus einem guten adäquaten Glas genießen, so führte kein Weg an Riedel-Gläser vorbei und auch in der Spitzengastronomie waren die Gläser der Serien "Vinum" und "Sommelier" das Maß der Dinge.
    Georg Riedel ist ein gewiefter Salesman und Tüftler. gemeinsam mit namhaften Persönlichkeiten aus dem Weinbusiness kreierte er fast für jede Rebsorte ein eigenen Glas. Unzählige große Glasvitrinen mit unterschiedlich geformten Bleikristallgefäßen zeugen auch heute noch von dieser erfolgreichen Strategie des Wegbereiters für die Weinglaskultur.

    Heute haben wir als Konsumenten die Qual der Wahl. Unzählige Glasserien unterschiedlichster Anbieter sorgen für breite Diversifikation beim Weinglas, wohl auch durch geschicktes Kopieren Weiterentwicklen der "Originale".
    Zudem scheint es, daß jede Weinpersönlichkeit oder Grande der Weinzunft ein eigenes Weinglas braucht - Hardy Rodenstock und Riedel, Wein& & Co mit Prof. Holzbauer, Weinpfarrer Denk mit Zalto, beim atmenden Weinglas von Eisch gibt's sicherlich auch einen Weinguru dahinter und selbst René Gabriel hat musste auch vor kurzem sein eigenes Glas vorstellen.
    Wobei ihn - den Gabriel meine ich - ja eines ganz konkret von Riedel unterscheidet. Ein Glas reicht aus für den täglichen Weingenuß! Schluß mit den unzähligen Serien, welche im Kasten verstauben!
    Und auch Georg Riedel sieht die Sache heute wohl etwas anders differenzierter, wie im Interview "Gläser sind Lautsprecher" bei falstaff nachgelesen werden kann.

    Sei's wie's sei - jeder kann beim Weinglas nach Erfahrung, Preisgefüge Glasart und Vorlieben bei Form frei wählen und das ist doch eine gute Sache, nicht wahr?

    Samstag, 29. Jänner 2011

    Portugal ganz Groß!

    Auftakt zu den diesjährigen VHS-Verkostungsrunden - und was für einer! Kein einziger der 13 Weine unter meiner *(*)-Bewertung, das heißt ins Verbale übersetzt: Alles prachtvolle und überdurchschnittliche attraktive Exemplar!
    Wunder ist das keines, eher der Lohn für kompromissloses und qualitätsorientiertes Arbeiten. Zudem waren die beiden Jahrgänge 2005 und 2007 klimatisch sehr vielversprechend.
    Allen Rotweinen gemeinsam war jedenfalls eine unglaublich tiefe, schwarzviolette Farbe, reifes Tannin und ein spannungsvoller Säurebogen als Gegenpart. Eine tolle Stilistik, auch wenn sich die Weine (aus der gleichen Region) teilweise sehr ähnlich sind - das aber kann für konsumenten auf der Suche nach Weinen ähnlicher Stilistik auch von Vorteil sein. Wer jedenfalls kräftige Winterweine mit Fruchtsüsse und Power liebt, ohne jedoch auf Ausgewogenheit, ja sogar Finesse verzichten zu müssen, der ist in Portugal, insbesonders dem Douro-Tal goldrichtig. Und mit 3 tollen Vertretern im Preisbereich von €10-15 auch preislich mehr als attraktiv. Selbst die Topweine dieser verkostung liegen preislich nicht höher als Bordeaux im besseren Einstiegssegment. Rundherum zu empfehlen!

    3x Weiß, 8 x Rot & 2 x Gespritet
    1. Anselmo Mendes, Muros Antigos 2009, Vinho Verde DOC, "milchiges" Strohgelb, erstaunlich aromatischer Duft, florale Noten, etwas Zitrus, wirkt sehr homogen, tolle Säure, macht Lust auf einen Fisch als Speisenbegleiter und auf das 2. Glas sowieso, *(*), €9
    2. Jorge Moreira, pó de poeira 2009, Douro Vinho Regional, klares Strohgelb, feine Barriquenoten, durchströmt ruhig und balanciert meinen Riechkolben, fast keine Primärfrucht vorhanden, ganz schüchtern rosa Grapefruit-Noten, dafür mineralisch und salzig, *(*)-**/***, €15
    3. Wine & Soul, guru 2009, Douro DOC, Tavares da Silva, helles Strohgelb, Mineralik, kein Holz merkbar (hat er aber), sehr feine und fließende Stilistik, burgundisch, wirkt kühl und sehr lebendig, am Gaumen wiederum die Mineralik, sehr gut, aber auch teuer! **/***, €29
    4. Rapariga da Quinta, Reserva 2007, Alentejo Vinho Regiona, dunkle Farbe und dunkler Kern, sehr beerenfruchtig, konzentrierte Säure, Würze, Weihrauch, Rumtopf, jetzt bereits fein zu trinken, zeigt schöne Gerbstoffe parallel zur lebendigen Säurestruktur, Trinkwein ohne ins "Philosophieren" zu kommen, gutes PLV! *(*)-**/***, €10
    5. Alvaro Castro, Pape 2005, Dao DOC, dunkle Farbe, dicht, die pure, richtiggehende extreme Mineralik (yeah!), Würzenoten, Graphit, Heidelbeere, sehr fokussiert und direkt, mit einer kräftigen Säure hinten nach, sehr lang haftend, tolle Stilistik, eigenwilliger Charakterwein aus je 50% Touriga Nacional und Baga, **(*)/***, €30
    6. Quinto do Mouro 2004, Alentejo Vinho Regiona, leichte Reife am Rand (das kann dann schonmal kein Dourowein mehr sein), zeigt etwas Balsamik nebst Rosinen und Rumptopf, Zwetschke, erinnert ein wenig an Piemont, sehr traditionelle Stilistik, *(*)/***, €27
    7. Lavradores de Feitoria, Tres Bagos 2005, Douro DOC, violetter Rand, der Kern ist undurchsichtig, Gewürznoten, Kirsche, etwas balsamische Noten, frische Säure, reife Gerbstofftextur, wirkt sehr lebendig, zart feurig im Abgang, tolles PLV, *(*)/***. €10
    8. Quinta de la Rosa, Passagem 2006, Douro DOC, tiefe Farbe, viel Würze bereits beim ersten Hineinriechen, besitzt eine innere Spannung, tolles Mundgefühl, Fruchtiefe und -süße sind reichlich vorhanden, insgesamt sehr balanciert, reifes, superbes Tannin mit feiner Textur, die obligatorische forsche Säure als Gegenpart, sehr guter Weinwert! **/***, €15
    9. Quinta da Vale d. Maria 2007, Douro DOC, Christiano van Zeller, Quinta do Noval, dunkel- bis schwarzfarben, Kirsche, sehr würzig, alles fein mit einem Schokotouch hinterlegt, wirkt sehr modern, aber gut (gemacht), tolle Gerbstoffstruktur, sehr engmaschig und reif, erzeugt ziemlichen Druck am Gaumen, in Summe fast schon ein wenig zu schön, wo bleiben die individuellen Ecken & Kanten, **-**(*)/***, €30
    10. Jorge Moreira, poeira 2007, Douro DOC, undurchsichtige Farbe, fokussiert, aber verschlossen, deutet das vorhandene Potential nur vage an, Würze, wirkt sehr dicht, besitzt die Tugenden der Vorgänger, vitale Säure & reife Gerbstoffe in Balance, wirkt trotz seiner inneren Dichte frisch und lebendig, die Komplexität aber derzeit vermissend, viel zu jung.., **-**(*)/***, €32
    11. Quinta de la Rosa, Reserve 2005, Douro DOC, offen, wirkt gut entwickelt und reif, auch deutlich wärmer als die 07er-Weine, Schlehenaromen, fein fruchtsüß, ein Traum von Tanningerüst im Mund, intensiv, alles sehr harmonisch und balanciert, großer Genuss! **-**(*)/***, €26
    12. Quinta da Vale d. Maria LBV (Vintage Bottled Vintage) Port 2006, Douro DO, zeigt gute Frucht und Gerbstoffe, ist eher von der süßen Sorte, macht Spaß, o, weil nur mehr genossen und nicht verkostet :-)
    13. Quinta da Vale Meao, Vintage Port 2007, Douro DOC, eine sensationelle violette Farbe, korrespondierende Heidelbeeraromatik, ein toller Extrakt kleidet den Mundraum aus, zeigt viel Würze und eine enorme Konzentration, Stoff für Jahrzehnte, jetzt noch in der Fruchtphase genießen oder dann im Keller vergessen :-) oW
    Bezugsquellen für all diese Weine: Lobenberg, K&U

    Sonntag, 16. Jänner 2011

    So geht's weiter in 2011

    Dem Alter, an dem Neujahrsvorsätze obligatorisch sind erwartet werden, bin ich zum Glück entwachsen. Was nicht heißt, dass ich nicht an mir arbeite :-).
    Kritische Selbstreflexion nicht nennt sich das und der geneigte Leser weiß natürlich auch, dass diese natürlich permanent erfolgt und nicht nur einmalig am Sprung zum neuen Jahr - ähnlich dem EAV (1|2)-Klassiker "Morgen Ja Morgen fang ich a neues Leben an..".

    So habe ich nach 12 Jahren mein falstaff-Abo gekündigt - meine vinaria & Weinwelt-Abonnements bleiben jedoch vorerst einmal bestehen. Auch wenn ich in den letzten Jahren nur mehr selten einer Empfehlung der Magazine gefolgt bin - und auch nicht immer mit diesen Empfehlungen d'accord war - so freue ich mich auch heute noch über den einen oder anderen gelungenen Bericht, das teilweise recht profunde Hintergrundwissen (vinaria), Gastkommentare oder einfach nur über genuss- und prachtvolle Fotos (Weinwelt). So einfach kann das zuweilen mit dem Wein sein.
    Und da sich nach den tollen Jahrgängen der letzten Jahre auch die Regale meines Weinkellers biegen, sich fast kein freies Platzerl mehr finden lässt, kann ich es heuer mit dem "medial viel-zu-früh und zu unrecht(?) schlechtgemachten" 2010er Jahrgang ganz entspannt angehen. Es wird ein Geldbörse-schonendes Weinjahr für mich ;-)

    Ohnehin gibt es auch beim Anlegen schärfster Kriterien beim Weineinkauf noch immer so viele gaumenbeglückende Tropfen, sodass es nach wie vor locker zu schaffen sein wird, den Keller randvoll zu halten!
    Zudem habe ich nach nunmehr fast 20 Jahren intensiver Weinsuche eigentlich meine Weinlinie gefunden und  da muss ich nicht mehr jedem Trend Lüfterl gleich hinterherlaufen.
    So gilt (es) heuer (wie auch in den Jahren zuvor)
    • mehr Schaumwein zu genießen, bei jeder hervorragenden Flasche Cremant, Schampus, Prosecco oder Winzersekt denke ich mir das immer wieder,
    • dem Weinviertel ein paar weitere flüssige Geheimnisse zu entlocken,
    • vermehrt jenen Winzern das Vertrauen zu schenken, die mich über die letzte Dekade mit konstant hervorragender Qualität beeindrucken konnten
    • und nicht mehr alle autochthonen Rebsorten probieren zu wollen. Zum einen ist dies ein ohnehin hoffnungsloses - weil nie enden wollendes -  Unterfangen, zum anderen liebe ich Chardonnay und Cabernet viel zu sehr, auch wenn dies (noch immer nicht? Oder schon wieder?) opportun kund zu tun ist..

    Samstag, 1. Jänner 2011

    Prosit Neujahr 2011

    Nachträglich ein "Prosit Neujahr 2011" allen weinaffinen Bloggern - möge Bacchus uns in diesem Jahr wieder wohlgesonnen sein :-)

    Bildquellennachweis: Bild wurde mit Hilfe von MotionType(TM) by fotobuch.de erstellt

    Dienstag, 28. Dezember 2010

    Weinrallye #40 - Autochthone Rebsorten: Alphart's Rotgipfler Rodauner

    Ein gut bekannter Bloggerkollege  - Wolf Hosbach von Hausmannskost 2.0 - ist wieder einmal an der Reihe und das Thema, welches er sich für die 40. Ausgabe der Weinrallye ausgesucht hat lautet schlicht und einfach:


    Damit's nicht allzu einfach wird, gibt's von seine Seite noch ein paar Auflagen dazu!

    ***

    Nun, eigentlich brauche ich über meine Wahl nicht lange nachzudenken! Endlich bietet sich einmal eine Bühne für eine autochthone Rebsorte, welche mir schon während meiner zahlreichen Heurigenbesuche zu Ausbildungszeiten (am Kolleg für Feinwerktechnik / Mechatronik an der HTBLA&VA Mödling) sehr gut gemundet hat.
    Kurz und gut - es geht um die heimische Rebsorte Rotgipfler.

    Auch wenn diese lt. Rudolf Steurers Weinhandbuch ausgehend von der Steiermark in früheren Jahren in kleinen Mengen auch in Baden, Württemberg und im Elsaß zu finden war, hat sie nun ihre alleinige Heimat in der Thermenregion (1|2|3) gefunden, ist also nun eine waschechte österreichische Spezialität und hat zusammen mit dem Zierfandler als "Spätrot-Rotgipfler" den legendären Ruf des Gumpoldkirchner Königweins begründet. Das alles liegt aber schon etliche Jahrzehnte zurück.
    Heute sind die beide Rebsorten etwas aus der Mode, völlig zu Unrecht, sind beide doch in der Lage, höchst individuelle und charaktervolle Weine hervorzubringen.

    Wenn ich in meinem Bekannten und Verwandtenkreis - viele davon passionierte Weingenüssler - nach Rotgipfler frage, würden vermutlich nicht allzu viele Hände in die Höhe gestreckt werden. Schade, denn gerade der Rotgipfler ist ein toller und vor allem vielseitiger Wein, das auch die Kostnotizen wieder eindrucksvoll belegen können.
    Rotgipfler macht solo genauso Spaß als auch als universeller Speisebegleiter zu Terrinen, würzigem Käse, Raclette & Käsefondue, kräftigeren Fischgerichten bzw. Fisch mit würzigen Saucen, zu Kuchen und nicht zu süßen Desserts, aber auch zu Räucherlachs haben mir die Flaschen wirklich viel Freude bereitet und waren eine willkommene Abwechslung zu ansonsten kredenzten, holzgeschulten Burgundersorten.
    Zudem haben die Rotgipfler-Flaschen entsprechender Qualität ein tolles Reifepotential, 10 Jahre und mehr sind für diese Rebsorte eine Leichtigkeit.

    Die Alpharts
    Bildquellennachweis: Homepage Weingut Alphart

    Mein Lieblings-Rotgipfler kommt von Lisi und Karl Alphart aus Traiskirchen von der südöstlich ausgerichteten Lage Rodauner, unter welcher die Südbahn durch den älteste Bahntunnel Österreichs - dem Busserltunnel - verläuft.
    Neben einem einfacheren "Rotgipfler vom Berg" und dem "Rodauner Top Selektion" sowie dem süßen Topwein "PUR" ist der "Rotgipfler Rodauner" die mittlere Qualitätsschiene im Haues Alphart und mit ca. €12 im Fachhandel bzw. ab Hof zu erstehen. Dass dieser Wein meiner bescheidenen Meinung nach jeden Cent wert ist, belegt meine kleine Vertikale aus 5 Jahrgängen eindrucksvoll und spiegelt sich auch in Nominierungen für den SALON Österreich dieses Weins wieder.

    • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2003, Thermenregion, NK, prachtvolles Gold, in der Nase alle was den Namen "exotische Frucht" verdient, kandierte Ananas, Honimelone, ein hedonistischer Gaumenspaß, mit vollem Schmelz auf der Zunge, die (jahrgangsbedingt nicht vorhandene) Komplexität wird in keinster Weise vermisst, weil bei diesem Wein der Trinkfluss so fantastisch hoch ist - süffig, saftig, mundfüllend und balanciert!  **/***
    • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2004, NK, viel heller im Farbenspiel, im Vergleich zum Vorgänger "nur" ein schönes, sattes Strohgelb, wirkt vom ersten Moment an tiefer, mit einer vielschichtigen Nase, das Exotikbukett ist auch hier vorhanden, aber in einer weit dezenteren Form im Hintergrund, Mineralikanklänge, Feuerstein, Honig und Blütennoten, besitzt viel mehr Spannung, am Gaumen dann wiederum diese ausladende Weite, rund und harmonisch, aber ohne jegliches Anzeichen von Breite oder Plumpheit, der Spannungsbogen verdichtet sich hin zum Abgang, wirkt engmaschiger, die mineralischen Töne feiern ein wahres knisterndes Feuerwerk auf den Geschmacksknospen meiner Zunge ab, toller Stoff, vereint auf prachtvolle Weise das beste aus beiden Welten, Weinhedonismus und -intellekt balanciert im Dialog, was möchten Weinliebhaber mehr erwarten? **-**(*)/***
    • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2006, NK, kräftiges Strohgelb, ist sicherlich der feinst gewobene in dem Dreiergespann 03-04-06, er besitzt die Vorzüge der beiden vorherigen Jahrgänge in einer angenehmen Art vereint, der runde, zart cremige Trinkfluss mit Schmelz und die Komplexität durch mineralische Noten, wirkt irgendwie leichtfüßig und hat doch Substanz im Mund vorzuweisen. Und doch frage ich mich, ob dies beim Rotgipfler eine (für mich persönlich befriedigende und) wünschenswerte Symbiose darstellt, denn irgendwie mag ich diesen Wein nicht so recht verstehen, kann er sich doch (Stand heute) nicht so recht entscheiden, was er darstellen möchte: ein schmeichelnder Verführer oder strammer Max? Jammern auf hohem Niveau, ein paar Jahre zuwarten wird die Sache klären! **/***
    • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2008, SV, wiederum ein kräftiges Strohgelb, wow - was für eine hedonistische Komponente bereits in der Nase! Woran erkenne ich, dass ich einem Wein komplett verfallen bin? Nun, zum einen, dass die Flasche so schnell geleert ist, dass ich auch nicht ansatzweise Zeit und Gedanken an eine Kostnotiz verschwendet habe und es mir trotzdem keine Mühen bereitet, diese aus dem Gedächtnis abzurufen.
      Diese Flasche war einfach göttlich. Perfekt hinsichtlich ihrer genüsslichen Art, mit diesem unvergleichlich cremigen Schmelz, perfekt im Sinne eines intensiven, aber niemals üppig wirkendem Aromenbuketts der Marke "Sonne Tropicana" im strengen mitteleuropäischen Winter.  Mango, Ananas, Litschi, perfekt umrahmt von mineralischen Noten, mit einer tollen Fruchtsüsse unterlegt, so kleidet dieser Götterstoff den gesamten Mundraum aus, so g'schmackig (für die geneigten Leser aus dem Nachbarland: lecker) und mit der einzig alleinigen und wahren Mischungsformel zwischen Intellekt (sprich den mineralischen Komponenten) und Bauchgefühl (saftig, rund, cremig weich) ausgestattet, dabei üppig, aber niemals kitschig, mit einem feinen, lebendigen Säurenerv durchzogen, jetzt bereits mit solchem Trinkfluß und Spaß zu genießen, dass höchstwahrscheinlich keine der Flaschen in meinem Keller den nächsten Winter erleben wird! Für mich ein Wunderstoff, der mich vor Karl Alphart auf die Knie gehen lässt, die Hände empor gestreckt und den Lippen ein "bitte, schnell noch ein weiteres Flascherl" entfleuchend!
      Das ist der Stoff, den wir unseren Nachbarn mit ihren göttlich hedonistischen Rieslingen a la Niewodniczanski und Heymann-Löwenstein mit den Worten "..probiert Mal von unserem.." entgegenhalten sollten! Stoff zum Träumen, die Höchstnote und noch einen Stern dazu!
      Potential! ****/***
    • Weingut Alphart, Rotgipfler Rodauner 2009, SV, irgendwo zwischen Stroh- & Goldgelb, dies ist wiederum ein "inverser Rodauner". Meisten rittern ja die mineralischen Töne mit den exotischen um die Vorherrschaft und in diesem Jahrgang (zu diesem Zeitpunkt) ist eindeutig die spannungsgeladene Mineralik in der dominanten Stellung. Ab und zu blitzt die Exotik durch, fast so als wolle sie mir zu verstehen geben, dass sie schon hier und vorhanden ist, jedoch noch ein / zwei Jahre zum Gleichgewicht benötigt werden. Harmonisch balanciert ist der Wein auch jetzt bereits, wirkt derzeit aber eher wieder intellektueller denn hedonitissch, die Saftig- & Cremigkeit ist jedenfalls wieder vorhanden, wenngleich auch (noch) nicht in dieser ausgeprägten Art der vorherigen Weine, blitzsauberer, leider nur mittellanger Abgang, dafür aber feine würzige Noten im Nachgeschmack.
      Jedenfalls eine etwas andere Stilistik, Apfel und Birnennoten, herrlich mineralisch und eine erfrischende neue Facette am Rotgipfler, welche ich ebenso liebe!
      **-**(*)/***
    Tolle, weil abwechslungsreiche Köstlichkeiten im Spiegel der jeweiligen klimatischen Jahrgangsbedingungen. Jedes Jahr ein echtes geschmackliches Unikat, die Klammer bildet immer diese gaumenschmeichelnde Cremigkeit. Der 2008er hat's mir besonders angetan, da bleibt mir nur mehr eines zu sagen: zugreifen, Freunde!

    Neben Familie Alphart gibt es auch beim Weinut Stadelmann (so wie die Alpharts in Traiskirchen zuhause) und Spaetrot - Gebeshuber in Gumpoldskirchen noch wunderbaren Rotgipfler. Selbstverständlich alles Betriebe der Thermenregion und selbstverständlich bleibt der Rotgipfler Rodauner auch Stammgast in meinem Weinkeller!

      Sonntag, 5. Dezember 2010

      Martinigans 2010


      Heuer war alles anders! Meine Schwiegers hatten mit guten Bekannten ihre eigene Gans-Partie und zudem war meine liebe Renate etwas kränklich. Dann gab's bei Bio-Ganserlbauern unseres Vertrauens kein liebes Tier mehr und so musste der Vogel eben auf das nächste Wochenende verschoben werden. Zudem galt es eine gute Vogelquelle zu finden - eine Aufgabe für sich - denn ungarische Mastgänse in den diversen Supermärkten sind uns ein Graus und die anderen heimischen Freilandgänse unserer Wahl befanden sich anscheinend bereits alle in den Mägen der Österreicher (oder einige Stücke weiter ;-).

      Daher war es diesmal nur eine halbe Gans und auch auf die Maroni im Blaukraut mussten wir diesmal aufgrund (m)einer spontan auftretenden, Sonntag nachmittäglichen Trägheit (diese frisch zu besorgen) verzichten. Macht nichts - es muß ja auch einmal für etwas Abwechslung zum Vorjahr gesorgt sein ;-)

      Beim Wein habe ich aufgrund der fehlenden 2 durstigen Kehlen eine nicht ganz so große Palette zur Auswahl stellen wollen, zudem habe ich heuer einmal auf den obligatorischen Pinot Noir verzichtet und - bisher ebenso unüblich - dem gereiften Exemplar auch ein junges, dafür vom Rebsortenmix umso interessanteres Exemplar zur Seite gestellt.
      Wie im Vorjahr begonnen, gab's auch als Kontrast zu den beiden Roten eine Alternative in Weiß, diesmal eine kräftige Variante eines Kamptaler(!) Traminers vom Enkel des berühmten Dr. Fritz Zweigelt (jaja, genau derjenige, welchem die Rebsorte seinen Namen verdankt) welche mit 5 Jahren Reife zwischen den beiden Jahrgängen der Rotweine angesiedelt war. Und einen Suptertuscan, der einfach noch was gut zu machen hatte, da die erste Flasche vor 2 Jahren so enttäuschend war.


      • Fattoria Felsina, Fonntalloro 1999, VdT, Castelnuovo Beradenga, Toskana, von der Farbe her eigentlich noch "jugendlich", am Sprung zu den ersten Granattöne, eine süße erste Welle erreicht meinen Riechkolben, dann balsamische Noten nach Teer, Leder, ganz zart versteckt im Hintergrund "helle Obertöne" nach Eukalyptus, also alles klassisch im tertiären Aromenspektrum angesiedelt, am Gaumen brüchig und  morbide im besten Sinne, feine Gerbstoffe, welche sanft und altersmilde die Rezeptoren der Zunge berühren, die Flasche also insgesamt in einem gutem Zustand, nicht allzu komplex oder lang, und das Finish ein bisschen trocken, aber ein wirklich passender Essensbegleiter, *(*)-**/**
      • Weingut Johann Heinrich, alpha 09, Tafelwein, Deutschkreutz, Mittelburgenland, eine Cuvée aus den beiden in der Stilistik gar nicht so unähnlichen Rebsorten Blaufränkisch und Nebbiolo, jugendliches Purpurrotviolett, viel Primärfrucht nach Kirsche, nein Weichsel, aber auch tiefe Würze ist vorhanden, sehr lebendig am Gaumen durch eine vitale Säurestruktur, das gefällt mir, die Würzigkeit bleibt immer präsent, mittelgewichtig, rund und im Abgang eher feurig, solo genossen eine für mich durch und durch gelungene Paarung, süffig und mit Spaß und Anspruch zu genießen,*(*)-**/***
      • Weingut Thomas Leithner, Traminer Fraupoint 2004, Langenlois, Kamptal, helles Goldgelb, klassische und intensive Traminernase, Rosenduft, zeigt viel Öl und Fett im Mund, trotz seiner 14% Vol. noch immer deutlich graziler und konturierter als so manche Südtiroler Artgenossen, fast cremig weich auf der Zunge, sauber Abgang mit leichten Tertiäraromen, das Richtige für die kalte Jahreszeit *(*)-**/***
      Und die Paarung der drei Exemplare mit der guten Gans?

      In Kombination mit dem Essen wiederholt sich die bereits im Vorjahr gewonnene Erkenntnis, daß die Weine allesamt deutlich an Süsse verlieren und dadurch um einiges herber und maskuliner am Gaumen erscheinen als solo genossen. Am deutlichsten bekommt dies der Jungwein zu spüren, der insgesamt nur mehr eine sehr präsente Säure aufzuweisen hat, und so der geschmacklichen Einheit des Essens nichts Adäquates mehr entgegenzusetzen hat. Zu wenig für wirklichen Genuß!
      Auf Augenhöhe mit dem Essen ist der Traminer. Wer sich am intensiven Eigengeschmack dieser Rebsorte nicht stört, der erhält einen guten Partner mit spannender Dialogfähigkeit. Wer jedoch nur einen Essens*begleiter* sucht, der nicht ab und zu auch einmal ein Solo auf der Zunge tanzen darf, wird keine so rechte Freude damit haben.Die Sangiovese mit ihrem vollen Spektrum an Tertiäraromen wiederum liefert mir den Beweis, daß gereifte Weine zu Recht der "richtige" Zugang zu zu meinem Wein-Gans-Verständnis sind. Zwar verliert auch dieser Wein seine noch toll vorhandenen Süße und die Kombination aus Fleisch, Serviettenknödel und Blaukraut  - alleine von Letzterem gibt es ja unzählig verschiedene Zubereitungsarten, von süß bis sauer - verstärkt das Tannin, jedoch scheint dies unter dem Aspekt der Tertiäraromatik weit weniger gravierende Auswirkungen zu besitzen, als bei jungen und fruchtbeteonten Weinen.
      Im Gegensatz zu meiner früheren Annahme ist eine vitale Säurestruktur wie zB. beim Pinot Noir zwar von Vorteil, jedoch nicht zwingend. Ohnehin sollt jeder gut gereifte Rotwein neben seinen Gerbstoffen noch "leben", also einen anständigen Säurenerv besitzen, ansonsten wird's schnell fad bei einem Roten.

      Zukünftig denke ich also recht genau zu wissen, was zu "unserer" Martinigans gut passen könnte oder weniger.. .

      Was bleibt noch auszuprobieren? Ein wirkliches Tanninmonster zB. in Form eines Tannat-Weines aus dem Madiran, die Palette aus dem Piemont - von denen ich leider fast gar nichts im Keller habe (möchte wer spenden?) und auch ein Schluck Portwein, vorzugsweise Vintage wäre sicherlich einmal einen Versuch wert, wie überhaupt die grandiosen Weine aus dem portugiesischen Douro-Tal!


      Ganserl-Nachlese:
      Gans 2006 | (Martini)Gans 2007 | (Weihnachts)Gans 2007 | Martinigans 2008 | Martinigans 2009 |
      Addendum Gans 2009

      Samstag, 27. November 2010

      "How Wine Became Modern"

      Schon mal was vom SFMOMA gehört? Ich jedenfalls nicht!

      Egal, es geht um das San Francisco Museum of Modern Art. Dort gibt es derzeit eine Ausstellung zum Thema "How Wine Became Modern - Design + Wine 1976 to Now".
      Erwähnenswert ist dies deshalb, weil neben bekannten Exponaten auch das vom Eherpaar Tscheppe-Eselböck  (ja genau, Wine-Südsteirermark-Clan meets burgenländischen Gourmettempel) geführte Weingut Oggau mit seinen Wein-Familie-Etiketten vertreten ist.

       Bildquellennachweis: Weingut Oggau

      Auch wenn ich persönlich die Etiketten als nicht sonderlich ansprechend empfinde, ist doch neben dem Wiedererkennungswert vor allem die Idee des Vergleiches von menschlichen mit Weincharakteren ziemlich einzigartig. Jeder Wein hat - so wie sein humanes Pendant - eben seine ihm ganz eigene Persönlichkeit. Und das wiederum finde ich äußerst einzigartig und gelungen!