Sonntag, 17. Oktober 2010

Frizzante? Frizzante!

Frizzante - auch Perlwein gennant, aber das klingt ja um einiges langweiliger - führt(e) in meinem Weinuniversum ein Schattendasein. Mehr oder weniger eigentlich alleine aus qualitativen Gründen. Wenn immer es geht, dann greife ich lieber zu Spumante (wenn wir schon bei der italienischen Notation bleiben wollen), der nach der klassischen Flaschengärung produziert wird. Egal ob in Italien, Deutschland, Spanien oder zuhause in Österreich. Natürlich ist das nur eine Seite, denn die andere ist eine steuerliche (auch wenn die Schaumwein- / Sektsteuer in Österreich seit 2005 abgeschafft ausgesetzt ist) bzw. der Aufwand im Herstellungsprozess.
Jedenfalls hatte ich im letzten Monat drei ausgewiesen tolle, weil trinkanimierende Exemplare - 2 aus dem Weinviertel, eines aus Italien, genauer aus der Emilia Romagna - im Glas, welche auch meinen qualitativen Anspruch an ein solches Getränk ganz locker erfüllen konnten und mich wieder einmal meiner Weinvorurteile bewußt werden ließen. Alle drei waren aus aromatischen Traubenmaterial vinifiziert, einmal Muskateller, einmal Muskat Ottonel und einmal aus der geschundenen roten Lambrusco-Traube - allesamt im Glas quicklebendig!

Ungetrübtes, lebensfrohes Weinvergnügen in Reinform (erleichtert die Zeit zum innerlichen Reflektieren seiner Vorurteile ;-)
  • Weingut Laurer, Muskatello Frizzante 2008, Weinviertel, im SALON 2009 vetreten, intensives, sortentypisches Bukett, kräftige Perlage, deutliche Restsüße verleiht dem Wein ein tolles Volumen und einen richtig saftigen, weil trinkfreudigen Stil, gemeinsam mit 2 Damen war diese Flasche bei angenehmen Nachmittagstemperaturen im Nu geleert, ein qualitativ seriöser "Spaßwein" erster Ordnung, süffig und belebend,  *(*)-**/*** 
  • Gatterburg'sche Schloßkellerei, Contessa M.O. (Muskat Ottonel) 2008, Retz, wirkt im Vergleich zum Laurer feiner, diffiziler und auch trockener, sicherlich auch - aber nicht ausschließlich - aufgrund der Rebsorte nicht so vorlaut, feine Perlage, sehr harmonisch, ein perfekter Appetizer zu jeder Jahreszeit, *-*(*)/***
Bildquellennachweis: Cantina Medici Ermete
  • Cantina Medici Ermete, Lambrusco Concerto Reggiano Frizzante 2009, Emilia-Romagna,  der 15 Jahrgang (15 "vintages of success"), tiefvolette Farbe, intensive Waldbeernase, tiefe Fruchtsüße, am Gaumen durch die Perlage herrlich belebend, wirkt ist süffig rund, dabei mit feinen Gerbstoffen(!) behaftet, die einem ein wirklich tolles Mundgefühl verschaffen, wirkt trocken (trotz der 9g/l RZ), insbesonders im Abgang, im Gambero Rosso höchst dekoriert sorgt dieses Weingut seit Jahren für einen neuen Qualitätsschub bei der Rebsorte Lambrusco. Und ich bin nur einer unter vielen, die sich unter die Laudatoren bei diesem Wein einreihen! Ein Bravo der Cantina und unbedingt eine Flasche probieren - Bezug ua. via K&U, Ronaldi, Wein & Co.Zum Glück bin ich im meiner Jugend beim Italiener nie der Versuchung erlegen, das süße Lambrusco-Zeugs zu probieren - zu meiner Zeit war nämlich gerade ein ebenso simpel gestrickter Valpolicella "in" - denn sonst hätte ich diese Flasche wohl niemals probiert, sondern eher in schön dekorativem (sprich undurchsichtigem ;-) Geschenkpapier weitergereicht.. **/***

Dienstag, 12. Oktober 2010

Monatsweinliste

Ja, ich war schlampig über die letzten Monate mit der Aufzeichnung meiner Kostnotizen. Na und? Hat schließlich auch was Gutes! So genieße ich die Freiheit, einmal eine Flasche Wein einfach hinunterzugurgeln, ohne diese akribisch unter die Lupe zu nehmen. Das gilt für schlechte wie für gute Weine gleichermaßen. An ersten hat ohnehin keiner Interesse und letztere können so schnell verschwunden sein, daß einem für eine Notiz gar keine Zeit mehr bleibt.. ;-)

  • Weingut Steffens-Keß, Riesling Burger Hahneschrittchen 2009, Mosel, helles Strohgelb, verhaltene, jedoch vielschichtige Nase, grüner Apfel, dann dezente Zuckerschoten im Hintergrund, ein wenig exotische Noten, wirkt sehr insgesamt sehr reif, sogar ein wenig Tabakwürze ist auszumachen, fein herb unterlegt, zeigt sich sehr saftig am Gaumen, für 11.5% Vol. gute Struktur, mit viel Trinkanimo ausgestattet, dabei immer glockenklar und fast messerscharfem Säurenerv, feiner Zitrustouch im Abgang, wunderbar als Aperitif, macht aber durch seine lebendige Säure auch als "Wein danach" eine gute Figur, **/***
  • Josef Schmid, Grüner Veltliner Alte Reben Priorissa 2004, Kremstal, SALON 2007-Wein, helles Gold, intensiv reife Nase nach gelben Früchten, weich gehaltvolles Mundgefühl, harmonische Säurestruktur, ein guter Speisenbegleiter, *(*)/***
  • Walter Buchegger, Riesling Tiefenthal 2006, Kremstal, sattes Strohgelb, holla, da springt einem gleich einmal die Feuersteinmineralik aus dem Glas an, knisternd vor innerer Spannung, zwischendurch gibt's Gelbfruchtaromatik, Birne, Mango, aber auch ein wenig Marille, zieht auch im Mund in einem Guß durch, cremige Anklänge weichen sofort einer messerscharfen, nervigen Säurestruktur, aber alles in harmonischer Balance, am dritten Tag richtiggehend saftig am Gaumen, Gesteinsnoten, prägnanter Nachgeschmack, hoho, das ist ein teutonischer Riesling im Österreichformat, einige heimische Winzer können's also doch, Respekt, Respekt Herr Buchegger, aber eigentlich wundert es mich nicht, lieb' ich doch auch auch die Moosburgerin, sowie die "grünen" aus der Lage Gebling bzw. Pfarrweingarten, **-**(*)/***
  • Podere 414, Morellino di Scansano, 2008, Toskana, mitteldichtes, jugendliches Rubinrot, eine äußerst attraktive und vor allem vielschichtige Nase, Kakao, schokoladige Noten gehen einher mit feiner Würze und einer tollen Balsamik, Teer, insgesamt eine sehr kühle Nase mit Anklängen an Eukalyptus und Minze, im Mundgefühl noch nicht ganz die Harmonie aufweisend, wirkt noch etwas ruppig mit kräftiger Gerbstoffstruktur, braucht derzeit unbedingt die Karaffe zur Belüftung, baut einen guten Druck im Mund auf, kann im Abgang aber den "Cool Climate"-Anspruch nicht ganz halten, in Summe mit vielversprechenden Anlagen, trinkt sich mit ausreichender Belüftung jetzt bereits sehr angenehm und wird sich in den kommenden 2-3 Jahren zu einem richtigen Winner harmonisieren, sicherlich einer der besten Italiener aus dieser Region, die ich jemals getrunken habe, **-**(*)/***
  • Winzerhof Sigl, Grüner Veltliner Smaragd Ried Steiger 2008, Rossatz, Wachau, kräftiges Goldgelb deutet auf eine bereits fortgeschrittene Reife hin, korrespondierende Nase, appetitliche Frucht, Würze und auch mineralische Noten, am Gaumen dann straffer, jugendlicher, Säurestruktur mit Biss, balanciert, durchaus mit Charme, jetzt mit schönem Genußfaktor zu trinken, aber auch hier das "Phänomen" einiger Wachauer Winzer, daß ich diesem Wein kein Lagerpotential zutraue, obwohl ich dies von einem Wein der höchsten Qualitätsstufe natürlich erwarte, *(*)-**/***
  • Santa Digna, Torres, Cabernet Sauvignon Rosé Reserva 2008, Chile, die bisher verkosteten Rosé-Exemplare glänzten nicht gerade, üppig, schwer, alkoholreich und allesamt etwas fad, diesmal aber war alles ganz anders:
    eine satte Farbe zwischen Kirsch- & Himbeerrot, die Nase wie ein Himbeer-Kracherl von Keli (1|2), intensiv, strömend, harmonisch, auch Noten von Erdbeere und reifer Zwetschke, saftig süße Stilistik ist der Trinkanimo förderlich, wirkt aus einem Guß, blitzsauber vinifiziert, lecker, lecker, lecker, einziger Wehrmutstropfen ist der mit 14% Vol. doch hohe Alkohollevel. Macht nichts, dann eben nicht als Aperitif, sondern gleich als Speisenbegleiter oder hinten nach!
    **/***
  • Weingut Aigner, Chardonnay 2008, Kremstal, strohgelb, wirkt anfangs sehr reduktiv, aber mit einer kräftigen Nase, Grapefruit & Zitrusfrucht, am zweiten Tag dann etwas vegetabil und gemüsig, Sellerie und Spargel, gute Balance, feiner Säurebiß, erzeugt einen feinen Druck am Gaumen, Zitrusnoten im Abgang, macht (jetzt noch immer) Spaß, *(*)/***

Montag, 20. September 2010

Weinrallye #37 - Tout Blanc - Weine aus dem Süden

Baccantus möchte diesmal den Weißweinen aus dem Süden Frankreichs (1|2|3) zu einem eigenen Auftritt verhelfen und proklamierte deshalb für diese Rallye das Motto: tout blanc

Marsanne, Roussanne, Viognier, Sauvignon, Chardonnay, Rolle (Vermentino), Grenache Blanc, Bourboulenc, Clairette Blanche, Muscat blanc à petits grains, Piquepoul Blanc, Terret Blanc & Gris, und und und..
An weißen - und autochthonen - Rebsorten mangelt es dieser Riesenregion also wahrlich nicht.. .

***
"Weiße Weine" aus dem Süden?
Viele Weintrinker würden hier wahrscheinlich die Augenbraue hochziehen, steht doch in unser aller Synopsen der Süden eindeutig mit kräftigen Roten gedanklich in Verbindung.
Ich hatte aber in den letzten Jahren einige Aha-Erlebnisse mit Weißweinen aus "dem Süden" - den es ja so eigentlich gar nicht gibt und hier bei mir einmal als Platzhalter für Portugal, Spanien, aber auch dem Midi zu sehen ist.
Daß das Midi auf meiner persönlichen Weinkarte kein weißer Fleck ist - eigentlich in meinem Weinverständnis überhaupt existiert - liegt einzig und allein an der Tatsache, daß der Weinhändler meines Vertrauens einen Schwerpunkt in seinem Sortiment in Südfrankreich hat.

Regional gesehen habe ich in meinem Kopf für den Süden Frankreichs eigentlich nur 2 Töpfe: einen für die Provence (samt der südlichen Rhone) und dann noch für den Rest ;-)
Auch habe ich bis heute keine rechte Unterscheidung zwischen einem Wein zB. aus dem Cahors und einem in der Nähe von Montpellier, geschmacklicher Natur meine ich, geografisch weiß ich das schon auseinanderzudividieren, ungefähr zumindestens ;-)

Und das, obwohl ich bereits einige gute Flaschen Wein aus diesen Regionen genossen habe, neben den grandiosen Weinen eines Herrn Gauby zB. einen g'schmackigen und äußerst preiswerten Viognier von der Domaine Les Yeuses, aber auch Exemplare aus dem Irouléguy, und da muß schon mal gegoogelt werden um zu wissen, wo sich das befindet!
Alles waren - und sind - meistens Einzelflaschen, die durch meine Gurgel fließen und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die Namen der Winzerinnen und Weingüter kommen und gehen, ohne eine meiner freien grauen Zellen auf Dauer zu belegen.

So war ich also guten Mutes, daß ich eine Flasche Weißwein, welche dem strengen Reglement der Weinrallye entsprach auch in den Untiefen der Kellerregale zum Vorschein bringen werde.
Naja, was soll ich sagen, ich wahr wohl etwas zu voreilig und zu optimistisch und wurde erst nach intensiver Suche fündig! Dafür habe ich jetzt wieder Durchsicht bei meinem Südfrankreich-Eck :-)


Clos Marie, Manon 2007, Pic St. Loup, Christophe Peyrus erzeugt diese Cuvée biodynamisch bewirtschaftete Reben aus Grenache Blanc, Ugni Blanc und Bourboulenc, das Holz für die Weinfässer kommt aus Österreich von Faßbindermeister Franz Stockinger und der Wein trägt den Rufnamen seiner Tochter Marie. Im Glas ein klares, helles, fast leuchtendes Goldgelb, sehr getragene, feine Nase, nichts üppiges oder überbordendes, nichts fruchtiges, eher Würze und komplexe Aromakomponenten von der Feinhefe(?), guter Extrakt, sehr rund und harmonisch am Gaumen, ein insgesamt unaufdringlicher Wein der leisen Töne, das Holz dezent in der Aromatik, gut "gemacht", hat sich einige Tage ohne merkbare Qualitätseinbuße in der Flasche gehalten, aber für mich auch ein wenig zu solide, zu brav und zu "unaufgeregt", *(*)/***

Probiert habe ich den Wein zu verschiedenen Gerichten. Von frisch geräucherter Makrele (Steckerlfisch) über 20 Monate gereiften Vorarlberger Bergkäse bis hin zu Spinat-Feta-Strudel. Zu allen Gerichten hat es halbwegs gepasst, kulinarischer Höhepunkt in der Paarung war keiner dabei, was soll ich sagen: solo genossen hat mir dieses Exemplar einfach am Meisten gemundet.. .

Samstag, 18. September 2010

Weinherbst

September und Oktober ist Weinzeit. Weinfestivitäten allerorts - dagegen ist nichts einzuwenden. Weinfeste können auch in Regionen durchgeführt werden, in denen keine Rebflächen (nennenswerter Größe) vorhanden sind. Daß aber im Großraum Linz Weinlesefeste stattfinden, finde ich schon bemerkenswert. Oder war ich einfach nur schlampig beim Lesen und es handelt sich womöglich um ein Wein-Lese-Fest, das ja semantisch durchaus was anderes ist?

Egal, schließlich hat unser schönes Oberösterreich sowohl geschichtlich einiges mit Wein zu tun und irgendwo müssen ja auch die Reben stehen, die unsere Agrarpolitiker zu einem eigenen OÖ-Weinbaugesetz inspirierte (bei der sogar der Cot / Malbec als Tafelweintraube zugelassen ist. Respekt meine Damen & Herren, für ihre mikroklimatische Weitsicht ;-)

Also, dann auf zum Lesefest..

Sonntag, 12. September 2010

HL Hatzenporter Kirchberg 2002 / 03 / 04

Meine letzte Verkostung der Ersten Lage des Hatzenporter Kirchbergs liegt nun bereits 3 Jahre zurück und da mein Rieslingregal im Keller ohnehin ein paar Lagerplätze brauchen kann, kostete es keine Überwindung diese 3 Flaschen vom Weingut Heymann Löwenstein zum Genuß freizugeben.. .
  • Heymann-Löwenstein, Hatzenporter Kirchberg Erste Lage 2002, Mosel, kräftiges Gold, wunderbar gereifte Nase, gedörrte, süßliche intensive Früchte, Richtung Exotik, aber auch Anis, prachtvoll geschmeidiges Mundgefühl, der Extrakt kleidet jeden einzelnen Winkel aus, wird nach einem Tag noch harmonischer, die Süsse nun perfekt integriert, ein zarter Hauch von Balsamik, Petrol, wie immer viel Extrakt, zeigt aber zugleich auch feine Säure, mittellanger, balancierter Abgang, *(*)-**/***





  • Hatzenporter Kirchberg 2003, spielt doch gleich eine Liga höher, man kann das vollreife Traubengut richtig riechen, pure Honignoten, leicht parfumierte Nase, etwas Tabak, trotzdem wirkt der Wein getragen und nicht üppig, am Gaumen superbe Balance zeigend, ein Mundvoll Wein, der alles auskleidet und der - bevor's zu viel wird - das nuancierte Säurespiel nebst Mineralik zum Vorschein bringt und in den Vordergrund schiebt, im langen Abgang wiederum die süßlichen Honignoten hevorzaubert, toller, weil hedonischter Stoff, **-**(*)/***
  • Hatzenporter Kirchberg 2004, schönes sattes Gold, in der Nase erstmals reife Gelbfrucht, Birne, zart parfumiert, aber anfangs auch bereits ein Hauch von Petrol im Hintergrund, das am 2 Tag. verfliegt, mineralische, salzige Spannung, dezent kräuterwürzig, alles in Balance, wirkt fokussierter und mehr straight forward, intellektueller und weniger hedonistisch, wirkt am Gaumen fast trocken und doch mit druckvoller Substanz, die Süße noch nicht ganz eins mit der nervigen Säure, anfangs dominierendes Zitrus, das später einer salzigen Textur im Rückgeschmack weicht, hat eine erstaunliche Länge, ist kräftig, nicht fett, und doch finessenreich, ein anspruchsvoller Kirchberg, der es lohnt, karaffiert zu werden, und es belohnt, wenn man sich Zeit für ihn nimmt, toller Wein, weil doch so "anders" als die beiden Vorgänger, noch reichlich Lagerpotential vorhanden, derzeit jedenfalls ein kongenialer Partner zu asiatisch, leicht scharfen Gerichten, in unserem Fall zu Zitronengras-Gambas mit viel schwarzem Pfeffer, aber mal ehrlich: eigentlich ist so ein Kaliber zu schade zum Essen, also die halbe Flasche aufheben zum Solo-Genießen, hinterläßt nachhaltigen Eindruck, Kategorie: persönlicher Lieblingswein! **(*)/***
Die Kostnotizen der Bloggerkollegen von "Nur ein paar Verkostungen" zum 2005er machen richtig Lust, bei dieser Lage im Jahrgang weiterzutrinken.. .
Aber halt! Habe ich überhaupt ein solches Exemplar im Keller liegen?

[ Zurück aus dem Keller :-( - wer erbarmt sich meiner und spendet ein 05er-Exemplar? ]

    Donnerstag, 9. September 2010

    Vom Wesen des Bio-Weins

    Der Mehrwert des Bioweins dürfte uns allen ja hinlänglich bekannt sein. Weniger Schadstoffe im Wein, nachhaltige, weil ökologische, Bewirtschaftung des Bodens, robustere, gesündere Reben ergeben auch einen qualitativ besseren Rebensaft, und so fort.. . Das alles ist nur ein kleiner Auszug der Vorteile und soll hier auch gar nicht Gegenstand der Betrachtung sein!

    Das Wesen eines Bioweins ist gar nicht so einfach zu beschreiben, denn oftmals sind Weine gar nicht als solche (nämlich als Bio) erkenntlich. Andersherum funktioniert es natürlich auch, denn biologischer Anbau alleine ist noch kein Garant für einen guten Wein.

    Allen für mich gut gemachten gewachsenen Bioweinen gemeinsam war jedenfalls immer ein
    • inneres, natürliches Gleichgewicht, die Weine sind auf eine innere Harmonie bedacht, welche auch als Spannungsboden auf der Zunge erfühlt werden kann, dh. daß alle Bestandteile wie Frucht, Süße, Gerbstoffstruktur, Säure, usw. in einem wohlproportioniertem Ganzen vereint sind - der Wein wirkt einfach entspannt, in sich ruhend und "relaxed"...
    • Säure und Frische: Bioweine wirken oftmals in ihrer Gesamtheit bzw. im Mundgefühl sehr weich. Bezogen auf die Säurestruktur (und mit einem österreichischem - heißt nördlich gepegelten - (Wein)Gaumen bestückt) kann ich manchmal fast sagen: lasch.
      Nicht immer mag ich das, manchmal verspüre ich unbändige Lust nach einer schneidigen, fordernden Säure, die mich bis in die Zehenspitzen kitzelt, lockt und munter macht. Im Gegensatz zu einem konventionellen Wein jedoch, stört das die Gesamterscheinung und Balance nicht und auch die Frische bleibt beim Bio-Exemplar stets vital.
    Beides jedenfalls ist für sich erschmeck- und erlebbar und zusammen das bisher einfachste Anzeichen, daß es sich um einen Biowein im Glas handeln *könnte*. Sicherlich gibt es noch weitere Merkmale und keinesfalls erhebe ich hier den Anspruch, daß dies eine sichere Identifikation erlaubt, aber weiter bin ich eben noch nicht vorgedrungen.. ;-)

    Was sind denn diesbezüglich eure Gaumenempfindungen?

    Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, die meine Gedanken bestätigt und wieder ins Rollen gebracht haben, ist der Wein der

    Domaine La Courtade, Alycastre 2008, Côtes de Provence, ein Rosé gekeltert aus den Rebsorten Cinsault, Tibouren und Mourvèdre, ins deutliche Orange gehender Farbton, sehr getragene Nase, Erdbeernoten gepaart mit genau der Richtigen Herbheit, die an einem heißen Tage der Erfischung förderlich ist (und wesentlicher Bestandteil eines guten Rosés ist), hat einen kühlen und erfrischenden Minz- bzw. Eukalyptushauch vorzuweisen, gutes Mundgefühl, beweist schwebende Eleganz am Gaumen samt trinkanimierende Saftigkeit mit einer fast seidigen Säurestruktur im Abgang, das Glas ist ratzfratz leer und ebenso schnell wieder gefüllt, ein exzellenter Weinwert, **-**(*)/***

    Samstag, 4. September 2010

    LoL (2) - Madeira

    Fortsetzung von LoL-"land of lizards"...

    Eigentlich haben wir ua. wegen des Neulandes des Madeiraweins diese Insel als unser diesjähriges Urlaubsziel auserkoren. Aber anstatt sich gleich zu Beginn mit den unterschiedlichen Rebsorten und Weinstilen der Insel zu beschäftigen, erklommen wir erstmals die grünen Berge, wanderten zwischen tiefen Schluchten und erlebten an einem Tag abwechselnd Sonne, Nebel und Nieselregen - das alles bei angenehmen Temperaturen jenseits der 25°C! - erfreuten uns an den Festlandweinen Portugals zu schmackhaftem, regionalem Essen, das bäuerlichen Ursprungs ist und daher zumeist ziemlich deftig ausfällt:
    - in Rotwein geschmortes, kräuterwürziges Gebirgskaninchen- köstliche wärmende Tomatensuppe mit pochiertem Ei (rettet besonders bei Nebel und Nieselregen im Hochsommer die Seelenbalance ;-)
    - Fisch in allen Variationen, so zB. der berühmte Degenfisch "espada", sehr gut als Madeirensisches Nationalgericht mit süßer Banane, aber auch Bacalhau / gepökelter bzw. frischer Stockfisch als portugiesische Spezialität
    - nicht zu vergessen meine liebste Vorspeise, Lapas (Napfschnecken) mit krossem Knoblauchbrot- für die Fleischgerichte war - sagen wir es wie es war - meisten eine Kiefermuskulatur eines Pferdes notwendig, das galt auch für den traditionellen "espetada"

    Douro, Dão und Alentejo-Weine
    , die in jedem Gasthaus reichlich und zu Preisen umd die 8 - 15 (pro 0.75l Flasche wohlgemerkt, in Funchal + Eur 5) angeboten werden, erfreuen dabei des Weintrinkers Herz und lassen einem so kräftig gurgeln, was in Anbetracht des üppigen Essens und der Größe der Portionen zur Verdauung auch ziemlich zweckdienlich ist ;-)

    1 Flasche Wein zum abendlichen Geschmause manifestiert sich somit als Standarddosis für unseren 14-tägigen Aufenthalt. Untertags sprechen wir eher dem auf der Insel erzeugtem "lokalen Saft der Passionsfrucht" in Form von "Brisa" Maracuja zu. Wegen der Süße des Getränks empfiehlt sich die Order "with plenty of ice, faz favor".

    Aber für Süße haben die Madeirenser eine Vorliebe, das merkt man auch am Poncha und der Tatsache, daß die wenigsten einheimischen herben, trockenen Weißwein schätzen! Und das, obwohl sich auf den meisten Getränkekarten neben "vinhos brancos" auch eine eigene Rubrik für "vinho verde" mit mindestens gleichvielen Positionen findet. Ein Zugeständnis an die Gäste vom Festland?
    Frisch gepreßter Zuckerohrsaft mit viel Zitrone (und optionalem Zuckerrohrschnaps) schmeckt gar nicht so übel, wie wir auf der "semana gastronomica", welche jährlich in der ersten Augustwoche in Machico stattfindet, feststellten.

    Aber zurück zum Traubensaft. Die genossenen portugiesischen Weine waren allesamt sauber vinifiziert, einmal mit mehr, das andere Mal mit weniger eigenem Charakter. In nachhaltiger Erinnerung geblieben sind uns aber vor allem aber die trocken ausgebauten, ungespriteten Weißweine der Insel. Interessanterweise setzen die meisten Restaurants aber lieber auf die bekannteren Weine aus Portugal als auf die lokalen Varietäten, denn meine Frage nach einem Angebot an regionalem Rebensaft wurde oftmals verneint. Auch mengenmäßig erklärbar, werden doch nur rund 57.000 l Stillwein der Qualitätsstufe VQPRD (Qualitätswein mit Herkunftsbezeichnung) jährlich erzeugt, das entspricht gerade einmal mickrigen 0,01425% der Gesamtweinproduktion! Quelle: IVBAM

    Nur am nordöstlichsten Zipfel in Porto Moniz - wo sich selbst auch eine größere Anbauzone für (gespriteten) Madeirawein befindet - und in Funchal haben wir in den Restaurants einige Exemplare genießen können. Auf alle Fälle lohnt es sich danach zu suchen, denn die Qualität der meistens aus Verdelho-Trauben gekelterten oder in einer Cuvée mit der deutschen Neuzüchtung Arnsburger, mineralischen geprägten Weißweine ist sehr ansprechend und braucht keinen Vergleich mit den Festlandweinen Portugals zu scheuen.

    2 Exemplare des Jahrgangs 2008 habe ich in besonders angenehmer Erinnerung:
    • Terras do Avô ("Land des Großvaters") Branco mit lustigem grünen Etikett! und
    • den Barbusano (bezeichnet eine Art Lorbeergewächs) der gleichnamigen Quinta aus São Vicente
    Die Glaskultur auf der Insel ist sehr unterschiedlich und durchwegs durchwachsen. Ein gehobeneres Lokal ist noch kein Garant für ein ansprechendes Glas. Manchmal ist das auch gar kein Problem, ein süffiger Zechwein zum rustikalen Essen kann auch aus einem ordinären, gerollten 1/8l-Glas schmecken, bei einem fragilen Weißen zu frischem Fisch jedoch steigen schnell die meine Ansprüche (an ein dünnwandiges Glas mit mehr als 0.1l Fassungsvermögen).

    Ein paar sehenswerte Bilder der auf der Insel kultivierten Stillweine gibt es in einem Beitrag der spanischen Vinum-Ausgabe vom Dezember 2009.

    Fortsetzung folgt...

    Dienstag, 31. August 2010

    Ein toller 2010er Jahrgang

    Das ist ja wieder einmal typisch Österreichischer Rundfunk (ORF).
    Obwohl auch heuer wieder Weinmacher und Blogger Dirk Würtz als erster Verkünder des nächsten Jahrhundertjahrgangs aufgetreten ist - liebe Weinjournalisten, merkt ihr denn nicht von welch immenser Last euch dieser Mann befreit? - schafft es der heimische Informationsanbieter am selben Tag noch eins draufzusetzen.

    Die lockende Überschrift:
    Weinjahrgang 2010: Wenig, aber gut

    Letzter Absatz relativierend (im Futur):
    "Was die Qualität betrifft, ist man aber zuversichtlich. Vorausgesetzt, der Herbst bringe noch genügend Sonnenstunden, werde der Jahrgang 2010 ein guter, sagte Pleil"

    Wer führt da in der niederösterreichischen Redaktion das Interview? Der Wetterfrosch? Wohl an lieber ORF, ich drücke euch die Daumen, daß auch ein wenig Sonne auf euer Redaktionszentrum scheinen möge..

    Sonntag, 29. August 2010

    Kommt Zeit, kommt (grandioser, österreichischer) Wein

    Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

    Diese Binsenweisheit gilt auch beim Wein und obwohl ich von vielen Winzern und Produzenten österreichischen Weins überzeugt bin und unserer Nationalrebsorte - dem Grünen Veltliner - sehr zugetan bin, so schielte ich doch in den vergangenen Jahren auch immer etwas neidisch zum westlichen Nachbarn und seinen feinen, nervigen, messerscharfen und mineralisch geprägten Weißweinen, allen voran dem Riesling.
    Erst die tolle Rieslingstilistik der Nahe, Mosel und der Pfalz hat in mir überhaupt die Leidenschaft für diese Rebsorte geweckt.
    Und obwohl ich die österreichische Leitsorte in Weiß mindestens ebenso hoch einschätze - vielleicht sogar ein eitzerl darüber - haben mir die Weine, die diesen Beweis erbringen, bislang gefehlt.
    Auch wenn mir dies Ilse Mair vom Weingut Geyerhof heuer versicherte, daß Grüner Veltliner als kongenialer Partner zum Transport des Terroirs (in Österreich?) noch besser geeignet ist, als der Riesling.
    ***
    Zum Hochzeitstag führt man seine Frau fein zum Essen aus, so gehört sich das und ebenso gehört zu einem guten Essen auch ein guter Wein.
    Da unser Lieblingslokal zur Zeit wegen Urlaubs geschlossen hat, packten wir die Gelegenheit beim Schopf, einmal ein Lokal zu versuchen, von dem wir schon einiges Gutes gehört hatten. Die Weinkarte wurde meinerseits bereits im Vorfeld sondiert und erfreute mein Weinherz durch eine durchdachte Auswahl und erfreuliche fair kalkulierte Preisgestaltung.
    Langer Rede, kurzer Sinn, der Abend war lau, erlaubte das Sitzen auf gemütlichen Sesseln auf der Terrasse, das Service war nett und die Atmosphäre ungezwungen, das Essen gut, ließ aber für den Preis etwas die Finesse vermissen, der Wein jedoch, der war himmlisch!
    Das war genau einer von jenen Exemplaren, die beweisen, daß meine "Lieblingsweißweinstilistik" (beim Riesling) auch beim "Grünen" existiert. Na also und na endlich!

    Ein 2008er Grüner Veltliner Stockkultur Achleiten aus dem Weingut Prager in der Wachau war der Star des Abends, offen von Anfang an, schwebende und dezente Nase, zuerst grün-apfelig, dann Ringlotten, gelbe Äpfel und Birne, Würze, tolle Finesse am Gaumen, trinkfreudig mit perfekt harmonischer Säurebalance, mineralisch geprägt, dezent und nie üppig, ein Sir vom "Korken zur Flasche", ein superber Begleiter zu Aufstrich, Bouillabaisse, krossem Steinbutt auf Melanzani, und weich geschmortem Gab mit Parmesanpürree und Eierschwammerl, ein toller Wein aus einer tollen Lage aus einem tollen Jahrgang! **(*)/***

    Und wie wenn nicht ein Beweis gereicht hätte, meinen Glauben an die heimische Rebsorte #1 zu festigen, kommt am Tag danach erneut eine weitere Offenbarung aus dem gleichen Jahrgang!

    Weingut Neumayr, Grüner Veltliner "Wein vom Stein" 2008, Traisental, heller Farbton mit deutlich grünen Reflexen, von Anfang an eine "zwingende" Nase, fokussiert und messerscharf, Feuersteinaromatik, im Hintergrund der exotische Fruchtkorb, Banane, gelbe Birne, wirkt ungemein kühl beim Riechen, tänzelt spielerisch leicht über die Geschmacksknospen, bietet ein finessenreiches und doch druckvolles Gaumenerlebnis, die Frische und präsente Mineralik sind deutlich erschmeckfühlbar, alles in Balance, nerviges Säurerückrat, Zitrusnoten im Rückgeschmack, spannungsgeladen, gleich einem feinen Stromspiel "bremselnd" auf der Zunge (wer jemals eine 9V Blockbatterie an seine Zunge kurzgeschlossen hat, weiß, wovon ich hier spreche), wunderbare Eleganz, es sind Weine wie diese, die mich andächtig innehalten, denn das ist großer Stoff und entspricht genau den Komponenten, die ich im Wein so suche! **(*)/***

    Zuletzt hatte ich mit einem 2006er Brauneberger Juffer feinfruchtig von Thomas Haag / Schloß Lieser soviel Spaß - oops - schon wieder diese deutschen Rieslinge ;-)

    Dienstag, 24. August 2010

    LoL (1)

    Ausnahmsweise steht der Titel diesmal nicht für eines der Netzakronyme "LoL = laughing out loud" - auch wenn dies vor lauter Freude über einen wirklich tollen, weil erlebnisreichen Urlaub ebenso passend wäre, nein, in diesem Fall habe ich es als Arbeitstitel und stellvertretend für "Lands of Lizards" gewählt - was schon einmal einen Hinweis auf unsere Urlaubsdestination gibt.

    Auch wenn ich diesmal mit einem Netbook und dem fixem Vorsatz "bestückt" war, den einen oder anderen Beitrag zumindestens zeitnahe zu verfassen und auch das öffentliche WLAN / WiFi-Netz wirklich erstaunlich gut ausgebaut ist, so war unser Programm doch so dichtgedrängt, daß ich den Gedanken an eine simultane Berichterstattung sehr früh wieder verworfen habe! Von der Trägheit nach dem täglichen, abendlichen Genuß einer Flasche Wein gar zu schweigen.. .
    So gibt es also das Erwähnenswerte in kleinen Happen - sozusagen als Reprise bzw. Aufguß...
    Auf der Insel der Eidechsen!
    Urlaub, Urlaub - ja endlich! Als Destination haben wir uns diesmal eine Weinregion ausgesucht, mit deren Weine wir noch keine ausgiebigen Erfahrungen gemacht haben. Eine Weinregion, welche mit ihren an einer Hand abzuzählenden Rebsorten seit Jahrhunderten den gleichen Wein in den gleichen Stilistiken erzeugt, fernab jedweglicher Modeströmungen und so ist es auch nicht wirklich verwunderlich, daß dieser Wein heutzutage bei den wenigsten Weintrinkern eine Rolle spielt, auch wenn es einige wenige(? inklusive mir) gibt, die seiner Art und seinen Charme zu schätzen wissen und die "altmodische" Stilistik herrlich entschleunigt!
    Vielleicht ist die Affinität zu diesem Getränk auch in den Weinerlebnissen meiner Jugend zu finden, denn diese hatten mit den beiden anderen bekannten Regionen zu tun, die eine ähnliche Weinstilistik bzw. Produktionstechnik besitzen.
    So waren meine Eltern und ich zu besonderen Anlässen immer in einem Restaurant zu Gast, in dem der Patron stets ein kleines Faß Fino-Sherrys sein Eigen nannte. Zudem beherrschte er auch das stilechten Ausschenken aus diesem Faß mit einer Venencia in 4 in einer Hand zwischen den Fingern eingeklemmten Sherrygläsern.
    Das zweite Erlebnis hatte ich während meiner ersten Interrail-Reise in Porto, genauer in der Vila Nova de Gaia. Portwein war Liebe auf den ersten Schluck und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich die Begegnung mit dem dritten bekannten gespriteten Wein suchte, jenem aus der Blumeninsel Madeira!


    Daß wir dieses Eiland in erster Linie nicht mit der Blumenpracht, sondern mit Eidechsen assoziieren, liegt einfach daran, daß es gar nicht soviele Blumen wie smaragdgrüne und braune Exemplare dieser Tiere geben kann!
    Wo ein Stein, dort eine Eidechse, wo eine felsige Mauer, dort waren deren 100 anzutreffen und wir hatten oftmals Spaß daran, sie zu beobachten und die doch recht zutraulichen Tierchen zu füttern.