Mittwoch, 21. April 2010

Im Verkostungsstress

Nach erfolgreicher 30-stündiger Heimreise aus Skandinavien - Eyjafjallajökull sei Dank - hatte ich am Weg nach Wien (um unser dort einsam geparktes Auto vom Flughafen zurückzuholen) wenigstens wieder einmal Zeit, die aktuelle Ausgabe einer Weinzeitzeitschrift in Ruhe zu studieren.

Beim Durchblättern ist es mir wieder einmal bewußt geworden: So viele Termine, Messen, Verkostungen und interessante Veranstaltungen, allesamt rund um's Thema Wein - und so wenig Zeit :(

Das Gefühl ist ja bestens bekannt! Man ertrinkt wissend in der Informationsflut, man ärgert sich, weil mal Termine nicht wahrnehmen kann und glaubt somit vermeintlich wichtige Informationen zu versäumen - kurzum: Vor lauter Bäume sieht man den Wald nicht mehr!

Das erzeugt Streß und auch Frust. Frust, der einem kurzfristig den Spaß an der Materie verdirbt.

Diese Woche jedenfalls ist eine ziemlich anstrengende für mich und somit kann ich eigentlich gar nicht auf dumme Gedanken kommen:
- zuerst die Erkenntnis, daß Iris' Weinrallye zum Thema Pinot Noir bereits gelaufen ist - und nicht, wie zuerst im Hirnkastl abgespeichert, erst nächste Woche über die Bühne geht :-(
- die Aufarbeitung der Rückkehr aus dem hohen Norden samt all den Streitereien wegen der Kostenübernahme :-(
- 3 offizielle Verkostungstermine, DAC Krems-, Kamp- & Traisental, Frankreich abseits bekannter Regionen (VHS-Runde) und die Linzer Frühlingsweinkost :-)
- Vorbereitung zu meiner zweiten Weinrallye (#33) - und ja, ich bin noch immer unschlüssig bzgl. des Themas :-|

Was dagegen hilft? Ein gutes Glas Wein natürlich. Genüßlich gegurgelt und nicht gespuckt!
Das wäre bei einer 20-jährigen Trockenbeerenauslese auch unverzeihlich!

PS:
Die Aussprache des Wortes Eyjafjallajökull klappt übrigens erst nach dem 4. Achterl Wein so richtig problemlos ;-)

Weinlandschaft

Am 07. und 08. Mai findet im "Freiraum" des Lentos Kunstmuseums in Linz erstmals eine Weinveranstaltung der besonderen Art statt.

Wein & Landschaft werden dabei untrennbar miteinander verknüpft und auf mehreren Ebenen zum Leitmotiv der Veranstaltung.
Unter dem Titel wein.landschaft gestalten junge Architekten den Rahmen der Weinverkostung, in der 25 Winzer aus allen Weinregionen Österreichs die Vielfalt der heimischen Weine präsentieren.
Im Eintritt ist der Besuch der Ausstellung im Lentos Kunstmuseum inkludiert. Vorverkaufskarten gibt es im Lentos und beim Hotel zum Schwarzen Bären.

Samstag, 10. April 2010

König Altwein

Familie Kirchmayr, beheimatet im niederösterreichischen Weistrach im Mostviertel(!), macht tolle Weine. Und das ganz ohne eigene Weingärten. Denn die Trauben werden von Vertragswinzern aus der Wachau, dem Kamptal und Burgenland gehegt und gepflegt, um dann nach den Vorstellungen des Familienbetriebs im Meierhofkeller des Stifts Seitenstetten vinifiziert und ausgebaut zu werden. Ein klassischer Négociant Éleveur also.
Das faszinierende am Weingut Kirchmayr ist jedoch ihr tolles Angebot an gereiften Weinen, welche unter dem Namen "Solist" vertrieben werden. "Solist" als Synonym gereifter Weißweine von ausdrucksstarken Jahrgängen und bester Lagen der jeweiligen Anbaugebiete.

Der 92er Riesling aus der bekannten Wachauer Ried Loibenberg hat mein Weinherz am 2007er Weinherbst im Sturm erobert und wartete auf einen adäquaten Einsatz.

Zu den diversen Fragen der geeignet Paarung von Wein und Essen ist für mich "der Paukner" das Standardwerk und zufällig las ich darin über die perfekte Symbiose von gereiften Riesling und Blutwurst - ich zitiere: "Alter Riesling .. hält die Pole-Position bei Blutwurstkreationen .. und verjüngen sich auf wundersame Weise". Die Zeit war reif für eine Flasche Solist!
Nun gehört die Blutwurst zu jenen Dingen, die entweder geliebt oder gehaßt wird - das kann jeder halten wie er will. Ganz klassisch mit viel Zwiebel und Röstkartoffeln, sowie (für mich präferiert) mit einem gegenüber Sauerkraut milderen Krautsalat ist dies ein seltener Festschmaus.


Weingut Kirchmayer, Solist Riesling Loibenberg 1992, Wachau, kräftiges Goldgelb, feine, sehr ruhige und getragene Nase, getrocknete Früchte, zeitweise glockenklare Marille, über allem ein leichter Alterstouch in Form einer harmonischen Petrolnote, die aber den Wein nur vielschichtige Noten geben, auf der Zunge hinterläßt der ölige Wein ein geschmeidiges Mundgefühl, sehr getragen, Balance pur, dabei erstaunlich vitale, harmonische Säurestruktur, extraktreicher Abgang, nussiger Nachgeschmack, wiederum die Trockenfrüchte, leichtes Petrol, sehr, sehr angenehm! **-**(*)/***

In Verbindung mit der Blutwurst ergibt sich eine harmonische Symbiose, in der der Altwein tatsächlich eine wunderbare Verjüngung erfährt. Auf der Zunge wirkt der Wein plötzlich vitaler, die Säure lebt auf, die unterstützende Petrolnote verschwindet komplett im Hintergrund, ein prachtvoller Essensbegleiter, der die süßlichen Zwiebel, die Petersilie und den schwarzen Pfeffer zu einem Ganzen vereint. Ein tolles Geschmackserlebnis, dessen Genuß allerdings nur jenen vergönnt ist, die sich manchmal hinter die limitierende Grenze Jungwein und "ooch Petrolton" vorwagen!

Montag, 5. April 2010

Blaufränkisch Klassik 2007 (3)

Im dritten und letzten Teil (Nachlese Teil 1 & 2) habe ich ein paar Exemplare aus der zweiten wichtigen Region für Blaufränkisch, dem Mittelburgenland ausgewählt.
Diese Region - die sich selbst auch das Blaufränkischland nennt - umfaßt ua. einige der renommiertesten Weinbauorte Österreichs:
Neckenmarkt
, die höchstprämierte Rotweingemeinde Österreichs bei Landes- und Bundesbewertungen, Horitschon und Deutschkreutz, welche immer auch ein wenig untereinander ein Konkurrenzdasein führen.
Rieden (Lagen) wie Hochäcker, Gfanger, Dürrau, sind vielen Weinfreunden ebenso eine Synonym für Blaufränkisch wie die dort ansässigen Winzer:
Stefan Lang, Wellanschitz, Tesch, Bayer, Wieder, Hufnagel, Hundsdorfer, Weninger, Iby, Lehrner, Kerschbaum, Reumann, Prickler, Bauer-Pöltl, Strehn, Gager, Heinrich, 2 x Igler, Gesellmann, Kirnbauer - um nur einige zu nennen.

Blick auf Horitschon, Bildquellennachweis: Burgenland-Mitte

Während die Lagen in Neckenmarkt am Fuße der Ausläufer des Ödenburger Gebirges eher schottrig sind, zeigen sich die klassischen Blaufränkisch-Lagen eher von tiefem Lehm und Braunerde, teilweise ein wenig Kalk geprägt.

Stellvertretend für den klassischen Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland habe ich 3 Weine aus Deutschkreutzer Weinbaubetrieben ausgewählt. Trotz der Tatsache, daß diese Weine allesamt aus dem selben Ort stammen, war die Unterschiedlichkeit in der Stilistik der Weine für mich wirklich verblüffend zu erleben und zu erschmecken!

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Wir starten im Weingut Gesellmann, wo die beiden Weine Opus Eximium (seit 1988 erzeugt) und Bela Rex (seit 1992) sind den meisten Weinliebhabern Österreichs und auch jenseits der österreichischen Grenze ein Begriff sind. Auch der Pinot Noir Siglos und der Top-Blaufränkisch Hochberc sind in den letzten Jahren fast immer in ihrem Sortensegment am Stockerl gewesen. Mal sehen, was der klassische Blaufränkisch zu bieten hat.

Engelbert Gesellmann, Blaufränkisch Hochäcker 2007, Deutschkreuz, Mittelburgenland, helles Purpur, attraktive, fruchtbetonte Nase, wirkt in sich sehr ruhig und stimmig, Ringlotten, über allem schwebt ein Hauch Vanille, auch eine zart würzige Komponente ist auszumachen, zeigt im Mund anfangs eine gewisse Molligkeit, dabei aber immer auf der frischen und säurebetonten Seite, blitzsauber, ein wenig Gerbstoff und die herbe Grundnote im Abgang sorgen für ein seriöses Trinkvergnügen, prototypisch für den anspruchsvollen Sommerterrassen-Rotwein, fein fein, *(*)-**/***

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Das Familienweingut Johann Heinrich, ein 40ha großer Betrieb, ist zu 70% mit der Leitsorte der Region, dem Blaufränkisch bestockt ist. Der Goldberg ist eine Lage mit schweren Lehmböden, etwas mit Kalk durchsetzt und ist mit über 50 Jahren alten Reben bestockt und hat schon mehrmals bei Verkostungen reüssiert, auch mit der Reserve vom Goldberg.

Familie Heinrich, Blaufränkisch Goldberg 2007, Deutschkreutz, Mittelburgenland, satte Farbe, viel dunkler als alles, was da bisher zu diesem Thema bei mir im Glas war, betörende, intensive Fruchtbombe nach (Mon Cherie)Kirsche, Würze, zeigt eine ähnliche Stilistik wie die Teschweine vom Hochberg, ein sehr saftiges Mundgefühl, ist von Anfang an zugänglich, zugleich hedonistischer und unkomplizierter, unmittelbar ansprechender Trinkgenuß, frei nach dem Motto von Bernhard Fiedlers Beitrag "Life can be complicated, wine doesn´t have to be." Ein Wein, der, so glaube ich, die meisten anspricht, auch wenn es nicht meine präferierte Stilistik ist, *(*)-**/***

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Weingut Reumann, das habe ich noch im Ohr, ist das Lieblingsweingut eines ehemaligen österreichischen Sozialministers. Ich gestehe aber freimütig, daß dies mein erster Wein dieses Weinguts ist und dies nur deshalb, weil ich die Flasche vom Cousin meiner lieben Renate bekommen habe - Danke Markus!

Weingut Reumann, DAC Blaufränkisch Classic Ried Tschicken 2007, Deutschkreutz, Mittelburgenland, schönes, dunkles Rubinrot, weit offene, attraktive Nase, viel Frucht, anfangs Heidelbeere, dann Kirsche, ein wenig Marzipan, feiner Schokotouch, zeigt auch viel Würze, ein Nasenwein! Am Gaumen trotz des kräftigen Extrakts eher schlank bis mittelgewichtig, sehr kräftige Säurestruktur, die Tannine wirken ein wenig sperrig, in Summe aber alles noch balanciert und ein archetypischer Sortenvertreter, mit €7 hat dieser Wein zudem ein hervorragendes Preis-Genußverhältnis vorzuweisen, *(*)/***

Dieses Exemplar hat von allen in der Serie Blaufränkisch 2007 verkosteten Wein die mit Abstand attraktivste und vielschichtigste Nase - alleine dafür gebührt Applaus - die aber für meine Begriffe mit dem anschließenden, etwas sperrigen Mundgefühl einen Bruch erfährt. Für Liebhaber des fruchtbetonten Stils ist dieser Wein ein Best Buy!
Ich hätte mir für diese einladende Weite der Nase eine saftigere Stilistik am Gaumen oder umgekehrt für diesen "harten" Körper eine eher würzeorientierte Nase gewünscht. Aber das ist nur meine beschränkte und höchst subjektive Sicht der Weinwelt, weil ich bei Weinen einfach eine gewisse Durchgängigkeit schätze.


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Eine Verkostungsnotiz von Martina & Franz Weningers Blaufränkisch Horitschon 2007 kann hier nachgelesen werden.

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Die Betrachtung der sicherlich zahlreich vorhandenen guten Blaufränker von rund um den Neusiedlersee beheimateten Weingüter bleibt hier außen vor. Auch wenn die Rebsorte Blaufränkisch eine wesentliche Stütze im Weinsortiment dieser Betriebe bildet, so ist es doch in erster Linie das Süd- & Mittelburgenland, das sich den Blaufränkisch als Leitsorte auserkoren hat und damit die Werbetrommel rührt.
Zum Vergleich wollte ich aber doch ein Flasche aus dem Burgenland öffnen und so gibt's noch - quasi zum Drüberstreuen - einen Vertreter vom falstaff-Weingut des Jahres 2009, dem Weingut Familie Prieler aus Schützen am Gebirge im Burgenland, keine 50 km Luftlinie von Deutschkreutz entfernt.

Weingut Prieler, Blaufränkisch Johanneshöhe 2007, Burgenland, mitteldichtes Rubinrot, zeigt weichen Fruchtcharme, Herzkirschen, Flieder, zart unterlegt mit weißem Pfeffer, guter, voller Gaumen, wirkt harmonisch, warmer, erwärmender Abgang mit guter Balance zwischen Säure und Gerbstoffen, solider, aber unspektakulärer, weil "schwer" wirkender Wein - naja.. .
Nach drei Tagen des Vergessens präsentiert sich ein ganz anderer Wein im Glas: viel präziser, viel fruchtbetonter, Weichsel-Vanille, etwas Brombeer, Marzipannoten, wirkt sauber, hat seinen anfangs vorhandenen rustikalen Touch vollends abgelegt, leicht gekühlt ein sortentypisches Musterexemplar und prädestiniert für die Frühlings- & Sommerterrasse! *(*)/***

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Als Konklusio der in Summe 8 Weinflaschen kann ich positiv vermerken, daß es aufgrund der variierenden Stilistik durchaus für jeden Weingaumen ein entsprechend passendes Exemplar geben sollte. Zumeist prägt die Interpretation des Winzers die Stilistik der Rebsorte, naturgemäß im Kontext der Einflüsse der über die Jahre unterschiedlichen Witterungsbedingungen:
  • mit feiner Finesse, grazil & burgundisch --> Weninger (und auch ein wenig der Krutzler)
  • von Würzigkeit geprägt --> Uwe Schiefer
  • fruchtbetont mit einer guten Portion Gerbstoffen --> Reumann, Gesellmann
  • rund & hedonistisch --> Heinrich
  • terroirbezogen und von allem ein wenig --> Wachter-Wiesler
Sortentypischer jedenfalls erscheint mir die neue, eher burgundische Interpretation dieser Rebsorte, da die Grazilität und nervige Säure den fruchtbetonten, sortentypischen Komponenten wie Veilchen, Kirsche und Marzipan-Noten ein homogenerenes Umfeld zur Entfaltung bietet. Soferne der Gaumen saftig und von Würzigkeit geprägt ist, stehen der Rebsorte aber auch eine kräftige Stilistik mit viel Gerbstoff gut zu Gesicht. Das aber ist meistens die Domäne der Reserveweine!
Wandelbarer Blaufränkisch :-)

Mittwoch, 31. März 2010

Weinverkostungstermine in Linz im April

Die alljährlich stattfindende Jahrgangspräsentation der Steiermark am 7. April (16-21h) im Linzer Palais Kaufmännischer Verein. Zur Verkostung kommen neben den Weinen des neuen Jahrgangs diesmal auch die Lagenweinen der vorangegangenen Jahre.

Erstmalig gibt es eine gemeinsame DAC Jahrgangspräsentation der niederösterreichischen Regionen Traisental, Krems- & Kamptal am Dienstag, 20. April im Design Center Linz (ab 16h öffentlich, vorher Fachpublikum), welche Dorli Muhrs Wine-PR-Team Wine & Partners ausgerichtet wird. Rund 600 Weine von 150 Betrieben gibt es zu verkosten - es heißt also früh anzufangen ;-)

Am Freitag den 24. April findet wiederum von 14-21h die traditionelle Linzer Frühlingsweinkost der ARGE Weinpromotion / Klaus Stummvoll im Palais Kaufmännischer Verein statt. Wie immer gibt es vom OÖ Sommeliersverein einen besonderen Gast, diesmal das Weingut Reichsrat von Buhl aus Deidesheim / Pfalz.

Dienstag, 23. März 2010

Weinrallye #31 - Faszination Wein

Weinrallye-Gastgeber ist diesmal Bernhard Fiedler vom Grenzhof im burgenländischen Mörbisch. Sein Thema ist ein äußerst vielschichtiges:

Faszination Wein

Also eigentlich ist dies ein Thema, für eine ganze Weinrallye-Serie und viele Bloggerkollegen könnten wahrscheinlich ganze Bände zu den mannigfaltigen Aspekten des Rebensaftes verfassen - die mit eigenem Weinbaubetrieb sowieso.
Einige der wesentlichen Bereiche hat Bernhard ja schon kurz angerissen:
  • Kulturelle und geschichtliche Hintergründe des Wein(baus),
  • Wein als bedeutender Wirtschaftsfaktor,
  • Die Fähigkeit des Rebensaftes über Jahrzehnte zu altern,
  • Soloweine und Wein als Speisenbegleiter,
  • Den örtlichen Gegebenheiten (Boden, Klima, etc.) Ausdruck zu verleihen - i.A. als Terroir - die schmeckbare Herkunft - bezeichnet,
  • und, und, und ...
Was mich persönlich angeht, so ist es die Varietät, die Vielschichtigkeit des Weines, die mich an diesem Getränk so fasziniert. Und dies inkludiert selbstverständlich all jene vorher genannten Aspekte!
Es ist wie bei den Musik und der Sprache. Das Alphabet, die Noten und Buchstaben bzw. Rebsorten selbst sind endlich und beschränkt und doch lassen sich damit immer wieder neue syntaktische, sprich Sprachen, Musikstile, Klone & Kreuzungen und erst recht semantische völlig neuartige Ergebnisse erzielen!

Das Produkt aus

"Rebsorten weltweit" x "Anzahl der Winzer" x "Jahrgänge"

ergibt doch bereits eine ziemlich unüberschaubare Anzahl an Weinen, die wir durch unsere durstigen Kehlen rinnen lassen können, und kein einziger gleicht dem anderen!
Aber selbst ein einziger, winziger Punkt in diesem dreidimensionalen Weinhimmel spannt selbst wiederum einen eigenen Raum auf:

"Weinstilistik & -verständnis des Weinbauers" x "Reifezustand des Weins" x "Sensorik"
(bzw. organoleptische Erfahrung, Fähigkeiten & Vorlieben des Verkosters)

Dies alles ergibt in Summe eine Dimension, die so gewaltig und facettenreich ist, daß all jenen, die auf der Suche nach den Tiefen des Wein sind, ganz sicherlich niemals in ihrem (hoffentlich langen) Weinleben fad wird.

Diese Komplexität und Tiefe zu erschließt sich dem Weinfreund nicht unmittelbar. Wer aber Neugierde und Aufgeschlossenheit mitbringt, dem sind ganz wunderbare Erlebnisse hinter den mannigfaltigen Türen des Weinkosmos ganz sicher. Nicht nur mit Wein selbst, sondern auch den Menschen, die dahinter stehen. Kulturgut Wein! Das allein ist immer Grund genug, den nächsten Schritt zu gehen.
Das dies alles ganz und gar nichts mit "trockener Materie" zu tun hat (außer bei den Bodenanalysen ;-), liegt in der Natur der Sache und verleiht doch der Sache ungeheuren Spaß, nicht wahr?

Also, ran an den Korkenzieher - die nächste Flasche wartet schon!

Und weil's keine Weinrallye ohne einen Weinrallye-Wein geben kann, möchte ich hier eine Flasche eines Exemplars vorstellen, der aus einer Region kommt, die imagemäßig bezogen auf Qualität bei Weinfreunden wohl den absoluten Tiefpunkt erreicht hat und normalerweise sich nur im €2-3 Preiregal der Diskonter wiederfindet: Soave

Umso mehr war ich erstaunt, welch prachtvolles Trinkvergnügen mir dieser Wein aus dem "Dreimäderlhaus" Tessari bereitet hat. Das Weingut Suavia (der alte lateinischer Name für Soave) zeigt, welch tolle Qualität die Graganega, der autochthonen Rebsorte des Veneto, hier mit fast 50 Jahre alten Rebstöcken in vulkanischem Gestein zu liefern imstande ist.
Keine Frage, dieser Wein hat völlig zurecht die Tre Bicchieri im Gambero Rosso erhalten!

Bildquellennachweis & Weinbezugsquelle: Superiore.de

Azienda Agricola Suavia, Soave Classico "Monte Carbonare" (der Name ist ein Hinweis auf die dunkle Vulkanerde) DOC 2007, Venetien, Strohgelb, intensive Aromatik, helle Blüten, mineralische Noten, zeigt eine wunderbare Finesse am Gaumen, toller, spannungsgeladener Dialog zwischen Extrakt und nerviger Säure, blitzsauber, top Stilistik mit Anspruch, **(*)/***, €10

Totgesagte (Weinregionen) leben eben länger - auch das eine Facette der Faszination Wein!

Freitag, 19. März 2010

Neulich im Zug

Auf dem Weg nach Stuttgart habe ich das österreichische und ab München das deutsche Weinangebot der jeweiligen Bahn studiert. Ins Auge gesprungen sind mir gleich 2 wesentliche Unterschiede:
  • Während die angebotenen heimischen (A) Weißweine allesamt 2008er Jahrgänge sind, gibt es bei den Nachbarn noch Rheingauer '06er Riesling bzw. '07er Weißburgunder aus Rheinhessen,
  • zudem sind bei der ÖBB die Weine in 0,375 Halbflaschen erhältlich, wohingegen es bei der DB nur das bekannte Viertele in Flaschenform gibt. Die Preisdifferenz ist (normiert auf gleiche Menge) marginal teurer.
Sieht also auf den ersten Blick gar nicht nach dem üblichen "Jungweintrinken" aus - oder ist das bloß ein Restposten, den die DB seit Jahren erfolglos versucht, an den Kunden zu bringen?

Qualitativ kann ich nichts einbringen, dazu hätte es des Selbstversuchs bedurft und an diesem Abend waren wir alle auf Weißbier eingeschworen. Extra für Österreich abgefüllt, so scheint es zumindestens bei der ÖBB, denn mit einer "0,33l-Miniflasche" Paulaner würd' sich ein echter Bayer wohl niemals zufrieden geben. Oberösterreicher ebensowenig ;-)

Donnerstag, 18. März 2010

Ironically

Gestern abend hat's mich erwischt - mit einem Hexenschuss. Ironischerweise auf dem Weg zu einer Tanzperformance. Und das, obwohl ich eh nur auf dem Zuschauersessel Platz genommen habe.
So muß ich heute aufgrund meiner Bewegungsunfähigkeit auch eine meiner liebsten Veranstaltungen, dem Linzer Weinfrühling im Alten Rathaus, unbesucht vorbeiziehen lassen.
Das tut weh! Mental gesehen und zusätzlich zu den ohnehin vorhandenen physischen Rückenschmerzen :(

Dienstag, 9. März 2010

Grüner Veltliner DAC Weinviertel

Da war ja ziemlich was los, auf der diesjährigen Vorstellung der Weinviertler DAC-Weine im Linzer Design-Center. Ein ganz ähnliches Bild wie bei der Burgenlandpräsentation. Da frage ich mich, wovon dieses (wachsende)(lokale) Interesse am Wein wohl genährt wird? Die Winzer jedenfalls freute der Ansturm.

Bildquellennachweis: Weinviertel DAC

Es war meine erste Weinviertel DAC Verkostung. Und diesmal ein Pflichttermin. Denn das, was ich im Herbst des Vorjahrs in der westlichen Region des Weinviertels um Retz gesehen und erlebt hat, nahm mich unmittelbar gefangen. Ruhe, weites Land, freundliche Leute, gute Weine - Entschleunigung für Geist und Körper. Zuneigung und Liebe auf den ersten Blick.

Das Weinviertel ist immer ein bißchen auch eine Reise in vergangene Tage, in Zeiten, wo Weininteressierte stolz vom "ihrem" Weinbauern erzählen, regelmäßig dort zu Besuch erscheinen und mehr oder weniger intensiv am Winzer(familien)leben Teil nehmen.
Von diesem persönlichen Nahverhältnis ist auf einigen Ständen viel zu spüren. Ein wenig zuhören offenbart auch gleich die Erwartungshaltungen vieler Besucher:
  • ein wenig über den neuen Weinjahrgang und seine die Eigenheiten plaudern,
  • ein paar saubere, frische Glaserl Wein zu trinken bzw. zu verkosten und so
  • die besten Bouteillen um anständige €5-6 zu finden.
So einfach ist das für die Meisten.

Da ist es einleuchtend, daß für viele Betriebe der mit dem 2009er erstmals auftauchende DAC Reserve zum Problem wird. €12 (und darüber) soll sie kosten, eine Flasche der Reserve. Viele Betriebe haben keinen Wein in dieser Liga im Angebot. Und selbst wenn - ihr Kundenstock wär nicht bereit soviel für eine Flasche "Grünen" auszugeben!
Und somit wird's wohl zukünftig eine Zwei-Klassen-Weingesellschaft geben, im schönen Weinviertel.

Das Weinviertel zu verstehen ist nicht schwierig und das ist gut so! Da stehen Landwirte & Weingärtner an den Ständen, keine Marketingprofis. Ein flüchtiger Blick auf kräftige Arbeitshände genügt - Winzer und Winzerinnen mit Leib & Seele. Das macht mir diese Region doppelt sympathisch. Zudem gibt es immer noch tolle Weinqualitäten zum konkurrenzlosen Preis zu entdecken!

Der Jahrgang 2009 selbst ist sehr gut gelungen, und das, obwohl es Herausforderungen zur Genüge gab:
  • einen langen Winter,
  • Verrieselung im Frühjahr, besonders bei den Burgundersorten,
  • einen feuchter Sommer - in einigen Regionen ergoß sich an einem Tag streckenweise die Regenmenge eines Jahres und
  • Hagelschäden, die teilweise lokal furchtbar wüteten!
In Summe sorgte das bei einigen Betrieben für eine Halbierung(!) der Erntemenge! Wäre da nicht ein traumhafter Altweibersommer und Herbst gewesen, welcher der Aromenausbildung förderlich war, würde wohl keiner ein lachendes Gesicht machen? So aber waren alle durchwegs angetan, sogar begeistert, von den Qualitäten, die dieser Jahrgang anzubieten hat.

In Summe gibt es somit die Grünen Veltliner in einigen feinen, jedoch unterschiedlichen Stilistiken:
  • Schlanke, saubere, den Appetit stimulierende, auch von nerviger Säure getragene Fruchtbomben (der Klassiker sozusagen) wie zB. der DAC Hundspoint vom Weinhof Edlinger oder der DAC Classic vom Weingut E. Gruber (beide aus Röschitz)
  • Jene wunderbar balancierten Exemplare, von nichts zu wenig oder zuviel vorhanden war, in sich stimmig und alle mit einer Extraportion Finesse ausgestattet, zB. der DAC Classic und DAC Steinparz vom Weingut Hindler (Schrattenthal), der DAC vom Weingut Seher (Platt) bzw. DAC von Josef Seifried (Oberstinkenbrunn) sowie der DAC Ausstich vom Weingut Setzer (Hohenwart)
  • Einige, bei denen die höhere Reifere (zum) auch deutlich in der Stilistik durchschlägt, schön am Gaumen zu erfühlen beim DAC Blickenberg vom Weinbau Greilinger (Schöngrabern) oder den beiden DAC Weinen Classic und von der Riede Steinviertel von Heinzl-Gettinger (Deinzendorf) oder aber auch beim Weingut Schwarzböck aus Hagenbrunn mit dem GV der Ried Schachern, ganz extrem diesmal die die barocke, opulente Stilistik bei den Pfaffels (Stetten) mit DAC Zeiseneck und DAC Haidviertel und auch der DAC vom Schloß Bockfließ von sandiger Lage. Am Besten von allen ein paar Flaschen kaufen, weglegen und sich in 5 Jahren daran erfreuen!
  • Und dann gibt es da noch den Wein der Veranstaltung, welcher abseits der Primärfrucht Aromatik, Balance und Finesse und zudem auch noch eine Spannung in Form von puren mineralischen Noten in Glas bringt: der DAC Phelling vom Pollerhof in Röschitz aus 30-40 Jahre alten Rebbestand ist mir mehr als nur positiv im Gedächnis geblieben!

Da sollte für jeden was dabei sein - auch für jene, die auf der Suche nach dem vielbeworbenen Pfefferl sind.. ;-)

Samstag, 6. März 2010

Jungweindiskurs

Dirk Würtz sinniert laut über den (deutschen) Jungweinwahn (1|2).

Nichts wirklich Neues in Österreich, denn gerade der Spätwinter, die Zeit der meisten Jungweinverkostungen, macht dieses Thema jedes Jahr wieder hoch aktuell!
Ich habe schon im Vorjahr darüber geschrieben und auch einen ganz simplen Lösungsansatz aufgezeigt, der auf Seiten der Konsumenten
und der Winzer eine Win-Win-Situation schafft - und dies ganz ohne Bevormundung.
Zudem
sehe ich es als mündiger Konsument mit einem breiten Grinsen im Gesicht, ermöglicht doch der Jungweinwahn einen alljährlichen Abverkauf des Vorgängerjahrgangs im Fachhandel, der es einem Weinfreund zu günstig(er)en Konditionen ermöglicht, sein Weinregal aufzufüllen.

Grundsätzlich muß man – und das geht auch aus obigem Beitrag von Dirk bzw. dem Diskurs bei Bernhard Fiedler hervor – zwischen zwei Betrachtungsweisen unterscheiden. Zum einen geht es darum, wann der aktuelle Weinjahrgang in den Markt Eingang findet, zum anderen geht's um die Thematik des „gereiften Weines“.

Mir geht’s persönlich mehr um’s erstere, denn ob man gereifte Weine bevorzugt oder nicht, und ab wann überhaupt ein Wein als gereift zu bezeichnen ist, all das ist in erster Linie eine Frage des persönlichen Geschmacks. Dies am Etikett einer „Weinkennerschaft“ dingfest zu machen, ist meiner Meinung nach eine unzulässige Vereinfachung.
Wenn die Liebe der Winzer zu den eigenen Kreszenzen so weit geht, daß sie ein paar Kartons für Freunde älterer Weine beiseite legen, freut mich das. Als Muß sehe ich dies aber nicht, denn wir Weinfreaks pflegen unsere Meriten ja lieber doch im eigenen Keller!

Zweiteres ist da vom Thema her schon weitaus spannender!
Ein wenig ist das Geschrei der Winzer aus Verbrauchersicht natürlich auch
perfide. Stehen doch zum einen hinter dem möglichst raschen Verkauf auch wirtschaftliche Interessen, auf der anderen Seite machen jene Weine, bei denen ein Zurückbehalten zugunsten weiterer reife Sinn hat ohnehin nicht das wirtschaftliche Fundament eines Betriebes aus. Also warum nicht einfach (zu)warten mit den guten Tropfen? Und wozu dann all die zahlreichen Faßproben?
Erziehungsarbeit leisten zudem hier auch die Winzer selbst. Wurden nicht jahrelang die kaltvergorenen Reinzuchthefe-Exemplare als das Non-Plus-Ultra des kommenden Sommers proklamiert? Kein Wunder, daß die Gaumen der Konsumenten mit einer "anderen" Stilistik gar nichts mehr anfangen können! Besitzen diese Weine doch nicht mehr die vordergründige (eindimensionale), aber als makellos wahrgenommene Schönheit der Jugend. Leise Zwischentöne im Wein erfordern zudem neben Zeit und Reife(!) auch mehr Kennerschaft als die primärfruchtige Aromabomben.

Was ich wirklich nicht verstehe, ist warum die Jungweinverkostungen oftmals terminlich noch im tiefen Winter liegen.
Hier wär’s an der Zeit, organisatorisch was zu ändern, machen doch im lauen Frühling angesiedelte Präsentationen deutlich mehr Lust auf frischen Weißwein und zudem hätten die Weine auch weitere 2 Monate Zeit für ihre Entwicklung. Gerade beim Stelvin ist doch ein füllfertiger Wein ungleich wichtiger - nein kritischer - als beim Naturkork.
Und daß es Weinbauern gibt, die ihre Weine aufgrund des Kundenverlangens früher füllen, obwohl sie wissen, das der Wein noch deutlich Zeit zum Ausreifen brauchen würde, verstehe ich ohnehin nicht wirklich. Möchte denn nicht jeder gerne seine Arbeit vom Vorjahr im bestmöglichen Zustand herzeigen?
Aber da die meisten Konsumenten ohnehin nur einfach eine gutes Glas Wein genießen möchten, ohne den Wein zu zerlegen und zu analysieren, kaufen sie das, was verfügbar ist. Und dies ist nun mal der allerorts als "neu" angepriesene Jungwein. Paßt doch ganz gut in der Schnellebigkeit unserer Welt, wo doch "neu" immer besser als "alt" ist! Genußnivellierung vom Fließband ;-)
Daß natürlich auch einige Weine auf gute Trinkbarkeit im Frühling - und damit zu Lasten der Haltbarkeit - hin vinifiziert werden, um bei den Tastings der Fachmagazine besonders gut abzuschneiden, ist eine weitere Facette in dieser Diskussion.

Andererseits orte ich auch eine gewisse Diskrepanz in den Aussagen zur Verkaufbarkeit von "Altweinen". Behaupten die einen (Winzer), daß sich immer nur der aktuelle Jahrgang unters Volk bringen läßt, haben gute Gastronomiebetriebe (zugegebenermaßen meistens im gehobenen Segment) bzw. Winebars meistens kein Problem, auch den Vorgängerjahrgang (oder älter) zu vertreiben. Beratung durch fachkundiges Personal trägt natürlich dazu bei.
Aber und zu treffe ich auch auf Winzer, die berichten, daß nicht alle Länder, in denen sie exportieren, auf den aktuellen Jahrgang fixiert sind. So fragen niederländische Importeure schon gerne mal nach dem ältest verfügbaren Wein und auch in Hamburg scheint man diesbezüglich etwas offener zu agieren.
Im Supermarkt sieht das ganz anders aus. Jedenfalls würde ich dort aufgrund der oftmals schlechten Lagerbedingungen wie Wärme, Neonlampen, usw. ohnehin keinen älteren Jahrgang erwerben wollen.

Ob jemand den Wein lieber jung oder gereift trinken mag, soll jeder für sich entscheiden. Jedenfalls hat es was, wenn die Reifeentwicklung eines tollen Tropfens über mehrere Jahre verfolgt werden kann - das gilt für Weißwein genauso wie für den Roten. Aber auch ein frisch-fruchtiger Jungwein zu den ersten Sonnenstrahlen genossen, ist nicht zu verachten. Warum sich auch entscheiden, wenn man beides haben kann?
Das einzige, wofür ich wirklich eintrete, daß die Winzer ihren (Weiß)Weinen die notwendige Entwicklungszeit geben und sie erst dann in den Handel bringen. Genauso wie:

Der Vergleich vom Aktuellen zum Vorgängerjahrgang macht die meisten (meistens ;-) sicher, zu welcher Flasche sie greifen sollen!