Freitag, 20. August 2010

Weinrallye #36 - Wein & Musik

Nachdem ich die letzte Rallye zum Thema "Wein & Stein" bewußt ausgelassen habe (der georderte Wein traf einfach viel zu spät ein, dafür ersparte ich mir all die Assoziationen zum Thema Wein, Gestein & Mineralik ;-) freue ich mich nun auf das vom WeinReich-Blog kundgetane Thema "Wein & Musik".

Ein dankbares Thema, so denke ich mir, läßt sich doch eigentlich eine jede Flasche (Wein) in geeigneter Weise mit Musik kombinieren..

Ein paar Gedanken zu der im Weinrallyeaufruf erwähnten Studie:

"..ein schwerer Cabernet wird am besten genossen zu Jimi Hendrix.."

Aha..
So so..
So verkehrt kann die Welt (in meinen Augen) sein..

Und während ich sowohl einem tanninreichen Cabernet als auch der Musik des Gitarrengotts positive Seiten abgewinnen kann, ist für mich eine Symbiose aus beidem nur schwer nachvollziehbar. Ein guter Cabernet braucht Hingabe, genauso wie ein perfektes Gitarrensolo. Aber beides zur gleichen Zeit? Nein, das ist ein kein "sowohl - als auch", sondern für mich ein ganz klares "entweder - oder"! Außergewöhnliches hat Tiefgang und will für sich alleine erobert werden, da reicht es nicht aus an der Oberfläche zu kratzen. Lahme Musik und mittelmäßigen Wein gibt's in rauhen Mengen, davon braucht keiner einen weiteren Aufguß.
Desweiteren ist doch erwiesen, daß Männer nicht multitaskingfähig sind!

Das alles ist also ein wenig wie "Minus mal Minus ergibt Plus" und so greife ich bei Hendrix dann lieber zum Bier, von mir aus auch zu einer Caipirinha - aber sicherlich zu keinem Aperol-Sprizz ;-).

Besser wär's der wundervollen Stimme einer Elina Garanca zu lauschen, denn da passen neben dem Cabernet auch noch etliche andere ganz feine Sachen im Wein & Food-Pairing-Kontext dazu. Das wiederum ist ein wenig so wie die Anekdote von "Mouton Rohschild und dem Fisch" - ein wirklich guter Wein paßt demnach so ziemlich zu allem.. .

Aber über die Qualität des Weines wurde in der Studie ja keine Aussage gemacht oder? Vielleicht brauchte man ja gerade extasische Musik vom Stile eines Jimi Hendrix, um dem Wein irgendeine positive Seite abzugewinnen? Egal!

Im übrigen stehen auch weitere Personen kritisch dieser Studie gegenüber, so zB. Tim Atkins in einem Artikel der Online-Ausgabe des englischen "The Observer" - über den ich auf der Suche nach der Weinblubber-CD vom burgenländischen Winzer Willi Opitz gestoßen bin.
Eine nette Idee vom findigen Vermarkter Opitz, der ua. auch Süßwein für das Formel 1-Team McLaren und Mr. President Bill Clinton erzeugt (hat). Richtig heißt die CD von seinen gärenden Weinen übrigens "Sound of Wine".

Auch das Weingut Höpler in Winden am Neusiedlersee hat in seinen Weinräumen eine Ort für die Vermählung von Klang und Wein eingerichtet.
Wir sehen also, daß der Kombination von Wein und Klang(bausteinen) bzw. Musik fast keine Grenzen gesetzt sind.

So entstehen aber auch eigene (Wein)Klangbilder, wenn man es schafft, sich auf den Wein einzulassen und mit ihm in Dialog zu treten. Natürlich klappt das nicht mit jedem Wein, muß es ja auch gar nicht. In einer nettem Runde mit Freunden ist der Wein ja oftmals nur (nebensächlicher) Begleiter - jedoch selten bei mir ;-) - und dann fällt bei einer hervorragenden Flasche schnell mal der Satz: "Der singt ja richtiggehend!" - q.e.d!

Guter Wein erzeugt seine eigenen Vibes - ich möchte hier nicht pathetisch "vom Singen" oder "(Wein)Musik" sprechen - alternativ kann ein jeder seinen Kopf in ein Weinfaß stecken und dann mal lauschen ;-) - so wie bei den Höplers.
Dieses Hineinhorchen in den Wein braucht Konzentration und Muse. Konzentration, die nicht immer vorhanden ist, aber wenn, dann lieber gleich Wein!Klang!Pur! Ohne laute Beschallung. Nichts gegen eine chillige Backgroundmusik, muß aber auch nicht immer sein. Und außerdem tauchen bei den vielfältigen wahrgenommenen olfaktorischen Komponenten (m)einer Weinnase ohnehin vielfältige Assoziationen zu Klangfragmenten auf.
Beispiele gefällig? Die Klängen von (fallenden, brechenden) Gestein wie Schiefers und Granit, Vogelgezitscher und Grillengezirpen im Marillen(oder wein)garten, Geräusche des Gärspunds, der alte, tuckernde 15er-Steyr-Traktor im Weingarten (auf dem ich als 14-jähriger das Fahren gelernt habe), das leise Klangspektrum in der Sommerzeit beim Heurigen im "weiten Land" (des Weinviertels), das konzentrierter Schlürfen und Gurgeln bei der Verkostungsarbeit, der Klang von dünnwandigen Weingläsern, das Quietschen des Korkenziehers beim Durchdringen desselbigen, das Grollen des Postlers, der immer meine Weinlieferungen schleppen muß, und und und.. .

Und bevor es jetzt zu philosophisch wird, gehe ich in den Keller und hole mir eine Flasche herauf, die richtig rockt! Und das ganz ohne den guten alten Jimi H. ;-)

PS: Nettes Weinrallye-Logo übrigens, liebes Weinreich-Team!

Samstag, 14. August 2010

Sommergenüsse x 2

(1) Die Olive und ich

Sobald meine Schwiegereltern wieder die alljährlich Reise über den Brenner antreten, ist das Gebot der Stunde, ihnen den Einkaufszettel für Sterzing mitzugeben. Fixpunkt darunter sind die Oliven der Marke "Nr. 1 von Italien".
Diese grünen "Le Giganti" zeichnet eine feinfruchtige, zartsäuerliche Konsistenz mit herrlich festem Fruchtfleisch aus - optimal für jegliche Antipasti - die ich in Kilo-Dosen zu vertilgen im Stande bin!
Und ich habe nördlich des Brenners wohl hunderte Italiener mit ihrem Olivenangebot getestet, aber keine ist wie diese!


Eine Traumkombination dazu ist  Josef - Pepi - Umathums Muskat Ottonel 2009, Neusiedlersee, der mir schon im spätherbstblichen Vorjahr zu gefallen wusste,  blasses Strohgelb, zarte, ja schüchterne Muskataromatik, Blütenaromen, wirkt niemals aufdringlich, trockener - nein knochentrockener! - Stoff, der mit seiner angenehmen herben Art im Nachgeschmack dem Typus eines eines idealen heißen Sommer-Nachmittags-Terrassen-Essenbegleiters zu Antipasti oder leichtem Fisch schon sehr nahe kommt, ebenso gut solo als Aperitifwein geeignet, wunderbar filigran vinifiziert, zusammen mit Bernhard Fiedlers Exemplar aus dieser österreichischen Rebsorte eine nachdrückliche Empfehlung, der Zantho eine Spur besser als Apero-Starter, Bernhards Wein eine Spur vielschichtiger als Solovariante! **/***


Mit der Olive zusammen ergibt das ein kongeniales, weil rundum harmonisches Geschmackserlebnis im Mund, das von einem abwechselnden Bedürfnis, weiter Oliven bzw. Weinschluckerl zuzuführen, geprägt ist!

(2) Eintopfvariation

Meine liebe Renate ist eine Meisterin der Spontanküche. Wann immer es schnell gehen soll oder die vorhandenen Zutaten unseres Kühlschranks zu einem Festschmaus verarbeitet werden sollen, dann brauche ich mir nur die Hände (wegen der Vorfreude) zu reiben und zu bitten: Renate, Eintopf bitte.. :-)

Diesmal ganz einfach:
Zwei große Bund Jungzwiebeln, viel Knoblauch, Sellerie, 2 große Erdäpfel / Kartoffeln grob schneiden, in gutem Olivenöl anbruzzeln, frische Cocktailtomaten und getrocknete bzw. eingelegte Tomaten, Rosinen, asiatisches Gewürz mit viel Curry dazugeben, mit Gemüse- bzw. Hühnerbrühe aufgießen, nebenbei Putenfilet in Streifen schneiden und in Butter anbraten, zum gedünsteten Gemüse dazugeben, mit einem Schuß Obers abschmecken, frisch gehackte Petersilie und eine Portion würfelig geschnittener Feta unterrühren, salzen und grob aus der Mühle pfeffern.. und am sommerlichen frühen Abend heiß genießen!
Wie immer gilt natürlich: je hochwertiger (Bio!) und frischer die Zutaten, desto g'schmackiger das Essen!


Der Wein dazu, ein 2006 Grüner Veltliner Gottschelle aus dem Stiftweingut Göttweig, Kremstal, von Fritz Miesbauer (Winzer Krems) perfekt "in Szene" gesetzt, helles Goldgelb, offen Aromatik, typische Veltlinernoten im Spätlesebereich, hochreife Gelbfrucht, Exotik, ein Maulvoll Wein, herrlich balancierte Fruchtsüsse, druckvoll am Gaumen, gute Substanz und harmonischer Abgang, ein Paradewein aus einem pipifeinem Jahrgang, jetzt bereits mir Hochgenuss zu konsumieren! *(*)-**/***

Dienstag, 20. Juli 2010

TYA 1999 - Rotes Österreich und der Rest (6)

Bei den österreichischen Spitzenweinen in der Preisklasse um €35 habe ich einfach den Anspruch, daß sich die Weine mit Lagerung verbessern und die 10-Jahreshürde mit Bravour meistern. Aus einem guten Jahr - und das kann bei den heimischen 99er-Weinen als gegeben angesehen werden - und mit der entsprechenden Weinstilistik (keine Weichspüler!) sollten sich meine Vorstellung auch im Glas wiederfinden.

Als Tipp habe ich im Vorfeld den Admiral, Comondor und Titan etwa gleichauf eingeschätzt, alle drei habe ich in ihrer Jugend als stramme Burschen mit mächtigen Gerbstoffen erlebt, der Gabarinza etwas femininer und auch den Perwolff kenne ich als Wein, der schon in jung getrunken großen Spaß bereitet.
Meine Prognose sollte sich allerdings nur zur Hälfte bewahrheiten und leider waren auch wiederum Korkler mit von der Partie :( - na klar! So wirklich überzeugen wußte nur Teschs Titan, über den ich als Sieger auch ein paar Worte verlieren möchte.
Der Titan ist der Spitzenwein des Weinguts Josef "Pepi" Tesch. 1999 war nach 1997 der 2.te Titan und wurde noch mit Hilfe von Freund und Nachbar Heribert Bayers vinifiziert, der damals in Sachen Weinkonsulent mit so klingenden Namen wie Franz Schindler, Josef Umathum, Hans Feiler, Gustav Krug und Erich Giefing als Geburtshelfer einiger österreichischer Barrique-Weinlegenden wie zB. Cuvée d'Or, Hallebühl, Solitaire, Albatros und Cardinal fungierte. Ein nachvollziehbarer Schritt, da nach der Auswanderung des Bruders die Nachfolge im Betrieb Tesch ungewiß war und Josef Tesch vollberuflich als Kellermeister bei der Winzergenossenschaft Neckenmarkt engagiert war. Der 1999er ist meines Wissens übrigens auch der einzige Jahrgang des Titans, der in seinem Rebsortenmix zu einem Viertel Zweigelt enthält.  (1|2)

Ganz interessant zur Nachlese ist auch die 99er-Hitliste von Peter Moser aus der falstaff-Verkostung.

  • Krutzler, Perwolff 1999, Südburgenland, eine Cuvée aus mehrheitlich Blaufränkisch, leider in der Nase deutlicher Kork, am Gaumen dann zum Glück kaum merklich, als Essensbegleiter noch akzeptabel und trotzdem: warum trifft es immer solche Flaschen und nicht die €10 Weine?
    Ich gebe daher - wie immer bei solchen TCA-verseuchten Exemplaren - nur eine Grundtendenz an: der Perwolff wirkte insgesamt noch juvenil mit einer feinen Säurestruktur, zivilisiertes, eher geschliffenes Gesamterscheinungsbild, oW.
  • Pöckl, Admiral 1999, Mönchhof, Neusiedlersee, eine Cuvée aus 70% Zweigelt und je 15% Blaufränkisch bzw. Cabernet Sauvignon, beginnendes Granatrot, in der Mitte mit "festem" Kern, expressive Tertiäraromen nach Leder und Balsamik, Teer, Bitterschokolade, am Gaumen mit noch viel süßer, rotbeeriger Frucht ausgestattet, zeigt sich erstaunlich rund und ausgeglichen, hätte mir viel mehr Gerbstoff erwartet, so ist die feste Tanninstruktur im Verbund mit einer fein verwobenen Säure nur zart angedeutet, süßlicher Abgang, etwas Alkohol, nicht allzu lange, nicht schlecht, aber was bleibt als Profil und eigenständigem Charakter bei diesem Wein noch übrig, was nicht auch andere Weine besitzen? Für mich doch ein wenig enttäuschend, *(*)/***
  • Tesch & Bayer, Titan 1999, Neckenmarkt, Mittelburgenland, die Zusammensetzung dieser "4er-Cuvée" enthält die Rebsorten Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Syrah und Zweigelt zu jeweils gleichen Anteilen, Rubinrot, wirkt noch jugendlich in seinem Farbspiel, bei Eintauchen meiner Nase ist das von Anfang an ganz klar, das ist feinste Bordeaux-Stilistik, zeigt viel Balsamik und dunkle Noten von Teer, am Gaumen fast schwebend, mit einer ätherischen Leichtigkeit gleitet der enorm fruchtsüsse Stoff über meine Zunge, ein perfekter Mix aus Seidigkeit und Struktur, die Tannine reif und balanciert, ein stringentes Stück Zeitgeschichte aus der Kategorie "österreichischer Spitzenwein", hat noch Potential für weiter 5 Jahre, obwohl ich bezweifle, daß sich dieser Wein sich noch "schöner" zeigen kann, am zweiten Tag dann Rumtopf, die Gerbstoffe vor allem im Nachgeschmack deutlich präsenter, einem guten Bordelaiser St. Estephe nicht unähnlich, **(*)/***
  • Hans "John" Nittnaus, Comondor 1999, Neusiedlersee, Bordeaux Cuvée aus CS, Merlot und einem Schuß österreichischem Patriotismus in Form von Zweigelt, aus der Golser Spitzenlage Ungerberg, beginnendes Granat, fein süßliche Aromen entsteigen dem Glas, die übliche Balsamik in Form von teerigen Noten, darüber hinaus nehme ich aber auch geruchliche Assoziationen an Nuß(likör), Rosenblätter und ätherische Obertöne wahr, der Wein ist geprägt von Noblesse, ein Sir sozusagen, zeigt sich am Gaumen anfangs fast schwebend leicht, geschmeidig mit kräutriger Würze, viel süsser Fruchtcharme, wird hintennach etwas fester, reife Gerbstoffe schaffen eine griffige Textur, der Alkohol leicht wahrnehmbar, im Abgang mit Adstringenz ausklingend, nicht ganz balanciert, aber harmonischer, von der Säure getragener Rückgeschmack, **/***
    (zum Vergleich die Notiz vom April 2009)
  • Heinrich, Gabarinza 1999, Gols, Neusiedlersee, beginnendes Granatrot, dunkler Kern, anfangs etwas "verstaubte" Nase, dann kurzzeitig Heidelbeere, Karamel, Sanddorn, nach einer halben Stunde steht nur mehr eine maggikrautartige Würze im Glas, am Gaumen fest strukturiert, keine Spur der opulenten Fruchtfülle der anderen Weine, eher kurz und im Angang nicht mehr ganz balanciert, da sich der Alkohol "löst" und ein Eigenleben führt, *-*(*)/***
  • Château du Cèdre, Le Cedre 1999, Cahors - Kork und was für einer, intensiver kann's nicht sein :-(
    Um ehrlich zu sein war eine total verhunzte Flasche in der 99er-Verkostungsserie ja  fast überfällig, blöd nur, daß es gleich zwei Exemplare erwischt hat...
  • Als kleine Entschädigung gab's dafür noch eine Einzelflasche des prachtvollen Ronco Vieri, DOCG Ramandolo 1999, Friaul, satte Bernsteinfarben, die Aromen ganz klar Richtung Mandeln, ein Duft wie nach Contucchi aus Siena (toskanisches Mandelgebäck), wow - frappierend, was für eine Leichtigkeit am Gaumen, eine fantastische Ausgewogenheit zwischen Süsse und Säure, fast schwebend und doch mit Substanz, da rinnt auch das dritte Glas ohne Probleme ganz seidig leicht den Schlund hinunter, ein fantastisches Exemplar aus der Verduzzo Friulano-Rebsorte, sorgt für ein Verzücken meinerseits, **(*)/***

Donnerstag, 15. Juli 2010

BordeauxWahn(ohne)sinn

Unglaublich. Flatterten doch letzte Woche endlich die Subskriptionsangebote der ersten Gewächse des Bordelais auf meinen (elektronischen) Schreibtisch. Ich hab schon zweimal hinsehen müssen um es zu glauben!

Eine Flasche Lafite-Rothschild um schlappe eintausend_und_fünfhundert Euro! Das ist doch der blanke Wahnsinn! Dagegen macht sich ein Mouton-Rothschild oder Haut-Brion um € 850,- fast wie ein SuperSonderangebot mit 40% Preisabschlag aus! Aber eben nur scheinbar.

Egal, die freie Marktwirtschaft (und der Shareholdervalue) macht's möglich und ich habe ohnehin bei Eur 300 zu zählen aufgehört. Gelacht haben wir auch damals schon, bei der 1994er Subskription, wo eine Flasche knapp 600 Schilling (€ 43) gekostet hat, Montrose 60% weniger und die bürgerlichen Gewächse weniger als ein Drittel - eine faire Preisstaffelung.

Ein Glück, daß in meiner Bordeauxwelt die (Preis-Wert)Realität noch immer vorhanden ist, denn ein Charmail, Villars oder Croix de Gay sind auch heute noch bezahlbar, mit einem akzeptablen Preissteigerungsfaktor von 1.3 seit 1994 im Vergleich zum 20(!)-fachen des Mouton.

Die Aussagen zur Qualität des 2009er Jahrgangs stimmen ja doch ganz optimistisch, obwohl ich skeptisch bin, hat doch bisher kein einziger hochgelobter 2000 wirklich brilliert. Obwohl, ich mag auch kräftige fruchtsüße Chilenen. Die sind allerdings um deutlich weniger Euronen als die Franzosen zu beziehen - abwarten und sich einstweilen am Kellerbestand erfreuen!

Mittwoch, 7. Juli 2010

Mission Bordeaux 2007

Während sich alle Welt am neuen Jahrhundertjahrgang erfreut - nach 2000, 2003 und 2005 eh' erst der vierte(!) in dieser Dekade - und sich gleichzeitig über die absurden Preisgestaltungen der arrivierten Châteaus mokieren - wieso eigentlich, ist doch das gleiche bigotte Schauspiel wie jedes Jahr? - ist es an der Zeit, sich an den noch "frischen" (und preiswerten) 2007er Weine zu erfreuen.
Schon lange habe ich es aufgegeben, den traditionellen Jahrgangsbewertungen wie ein Lemming zu folgen, zu angenehme Weine aus kleinen Jahrgängen habe ich schon im Glas gehabt. Und das ohne 20-jährige Bordeauxerfahrung, ohne Teilnahme an Primeurvertkostungen und auch ganz ohne Premiers Crus!
Ja ich wage sogar die Behauptung, daß bei sorgfältiger Auswahl der Flaschen ein ebenso großer Trinkspaß wie bei den sogenannten Topjahrgängen garantiert ist - alleine schon wegen der entspannteren Erwartungshaltung dem Flascheninhalt gegenüber. Die Schonung der eigenen Geldbörse inkludiert!

2 außerordentliche und 3 wirklich gute Weine - allesamt noch in ihrer ansprechenden Fruchtphase behaftet - haben mich sehr positiv überrascht! So soll's sein und das ist mit ein Grund, warum sich (preislich angemessener) Bordeaux nachwievor in meinem Keller findet!
  • Château Rol Valentin 2007, St. Emilion, Rubinrot, hochfeine und expressive Nase, tolle Röstaromen, Kaffeelikör. Milchschokolade, Brombeere, wirkt sehr kühl, korrespondierende Aromatik am Gaumen, sehr zivile Stilistik, Noblesse, mittelgewichtig, gut saftig, balanciert, zeigt schon gute, fruchtbetonter Abgang, die Gerbstoffe im Hintergrund, recht harmonisch, mittellanger Abgang, macht Spaß, **/***, Potential!
  • Château la Grave 2007, Pomerol, ein Wein aus dem Stall von Jean Pierre Moueix, mitteldichtes Rubinrot, erster Eindruck beim Reinriechen: pures Cassis / Johannisbeer, zweiter Eindruck: ich bin falsch in Bordeaux - viel eher ist das hier Merlot aus Chile, tiefe, strömende Würze & Gewürze, das Holz perfekt integriert, ein wenig zitronig, dunkle Schokolade, am Gaumen saftig (und so wie in Übersee) leicht feurig, hat Pepp, balanciert mit reifem Tannin, insgesamt macht der Wein Spaß, hat für mich aber ein Identitätsproblem! Wirkt insgesamt geschliffener als die Weine aus der neuen Welt, aber Bordeaux ist das trotzdem nicht. Obwohl, was weiß ich schon von Pomerol? Entwickelt am dritten Tag dann balsamische Noten, Teer, wirkt seriöser, wiederum Anklänge an Zitrus, toller, weil richtig hedonistisch reifer Stoff! **-**(*)/***
  • Château Barde Haut 2007, St. Emilion Grand Cru, leuchtendes, aber nicht allzu dichtes Rubinrot, sehr getragene, attraktive Nase, Heidelbeere und Brombeere, Zwetschke, Milchschokolade, leicht parfumiert, straffes Mundgefühl, wirkt kompakt, gute Balance, fokussiert zum Abgang immer mehr, engmaschig, herrliche, feinnervige Säurestruktur stützt den Wein, minutenlanger Abgang, geschmeidiger Extrakt und Säure umkleidet den Gaumen! Zeigt am zweiten Tag eine Tolle Textur, ätherische Noten von Eukalyptus, Veilchen, insgesamt sehr vielschichtig, reifes und weiches Tannin, feurige, bleibt immer engmaschig und wirkt niemals fett oder gar breit, viel Potential, toller Stoff zum attraktiven Preis! **-**(*)/***
  • Château Belgrave 2007, Haut Medoc, sattes Rubinrot, anfangs feine Röstaromatik, Tropenholz, die Frucht im Hintergrund, wirkt etwas "spröde", aber nicht unharmonisch, am dritten Tage dann das blühende Leben, die Holznoten sind komplett eingebunden, Himbeere, ganz zart Brombeernoten, Zwetschkenkonfit, dunkle Schokolade, am Gaumen fest, der Cabernet-Anteil ist merkbar, und doch so runder Fruchtgaumen, wunderbar balanciert, reife Gerbstofftextur macht den Wein angenehm stoffig, kühler Weingenuß bis in den mittellangen Abgang, bereitet gutes Trinkvergnügen und bietet viel Wein für's Geld, **/***
  • Domaine de Chevalier 2007, Pessac-Leognan, Rubinrot mit dunklem Kern, rotbeerige, ansprechende Fruchtnoten, die Holzunterstützung fast nicht merkbar, feiner Gaumen, zurückhaltend, aber trotzdem gute Struktur zeigend, reifes Tannin, alles in feiner Harmonie, nach 3 Tagen zeigt der Wein viel Würze, schwarzer Pfeffer, erdige Komponenten, schöne Balance zwischen Fülle und Säure, zeigt eine superbe Balance und ist wiederum ein gelungenes Beispiel dafür, warum ich Bordeaux so mag - zivilisierte Kraft in "a perfect shape", ist aber am Ende des Tages (für sein Preisetikett) auch ein wenig (zu) einfach gestrickt! Zuwarten, *(*)-**/***

Samstag, 3. Juli 2010

SALON 2010

Da sind sie also wieder, die SALON 2010 Weine (Auserwählte & Sieger) aus dem lt. Eigendefinition "härtestem Weinwettbewerb" des Landes!

Mein Selbstversuch vom voriges Jahr war derart erfolgreich, sodaß er heuer prolongiert wird. Damals habe ich mit den Weinviertlern mit "SALON-Pickerl" einen guten Griff getan und hatte ansprechende Weine im Glas. Das freut einem natürlich, zumal es sich doch großenteils um für mich unbekannte Weingüter gehandelt hat.

Auch im Supermarkt tauchen die SALON etikettierten Flaschen zuweilen auf und meistens streckt sich dann auch sofort meine Hand aus um zumindestens ein Exemplar in den Einkaufswagen zu verfrachten. Die Qualität der Weine war immer tadellos, auch wenn die Auszeichnung keine Aussage zur Stilistik der Weine ist. Eine solche ließe sich nur über Kenntnis zum Jahrgang (Witterungsverlauf), Bandbreite der Rebsorte und Betriebsphilosophie erahnen. Außerdem wollen wir doch eine möglichst große Vielfalt, nichtwahr, und insofern wäre eine Forderung nach einer "stilistischen Kennzeichnung" durch das Logo auch nicht zielführend und sinnvoll.

Das SALON-Logo als Orientierungshilfe für Konsumenten? Diese voriges Jahr gestellte Frage läßt sich nun ganz eindeutig mit Jein beantworten - Ja in Bezug auf die Summe aller Maßnahmen, welche zu einem hochwertigen Wein führen, Nein bezogen auf die Erfüllung der persönlich präferierten Weinstilistik. Und die ist bei einigen Konsumenten oftmals viel enger gefasst als wir glauben.. .

Mittwoch, 23. Juni 2010

Carnuntum Experience

Wine & Partners lud zu einem Carnuntum-Expertenvortrag mit Fach-Degustation in das Restaurant "Schlossberg 1a" des Linzer Schlosses.
Eine informative Veranstaltung mit geleogischem Hintergrundwissen, 4 3er-Flights (bestehend aus den heimischen Sorten Grüner Veltliner, St. Laurent, Zweigelt und Blaufränkisch) aus unterschiedlichen Carnuntumer Lagen und der anschließenden Möglichkeit, 54 Weine der Region zu verkosten.

Wird von den österreichischen Top-Rotweinen gesprochen, so kommt man schwerlich an den Weinen aus dem Carnuntum vorbei. Diese Rotweininsel im niederösterreichischen Weißweinland - fälschlicherweise aufgrund der Lage südlich der Donau oftmals dem Burgenland zugerechnet - beherbergt einige in Wettbewerben sehr erfolgreichen Betriebe:
  • Pittnauer, Markowitsch, Glatzer, Grassl, Muhr-Van der Niepoort, Edlmann, Trapl, Artner, Pimpl, Taferner, um nur einige zu nennen..
Amüsant fand ich den klimatischen Vergleich Carnuntums mit Bordeaux und der Toskana. Ein Kunstgriff, mit Hilfe dessen die heimische Region als "Cool Climate"-Weinregion dargestellt werden kann. Interessant insofern, als ich (und einige andere Fachbesucher ebenso) das Carnuntum bisher eher als österreichische Antwort auf die Weine der Neue Welt wahrgenommen haben, nicht nur stilistisch gesehen, sondern auch aufgrund des Rebsortenspiegels und der vielen Cuvées mit Cabernet, Merlot und Syrah.


Bei der Verkostung einiger Weine wurde deutlich, daß der derzeit vorherrschende Trend zu schlankeren, feiner und fruchtigeren Weinen auch im Carnuntum Einzug gehalten hat - ein Glück - ohne deswegen auf Attribute wie Struktur und Saftigkeit verzichten zu müssen.

Gerade auch im mittleren Segment wie zB. bei den Rubin Carnuntum, welche seit 1992 als regionale Markengemeinschaft besteht, waren einige wirklich sehr gute Weine dabei. Exemplarisch möchte ich hier einmal zwei noch nicht so bekannten Betriebe erwähnen:
  • Christian Dietrich, Prellenkirchen (Spitzerberg 2007)
  • Leo Jahner, Wildungsmauer (Rubin Carnuntum 2008, Wild Wall 2007)
Aber auch Rote Erde 2007 von Dorli Muhr-Van der Niepoort und Philipp Grassls Rubin Carnuntum 2009 waren sehr ansprechend, genauso wie Lukas Markowitschs Sauvignon Blanc 2009, der Grüne Veltliner Alte Reben 2009 von Gerhard Markowitsch, sowie GV Holzweg vom Bio-Weingut Hans Artner, alle drei aus Göttelsbrunn und auch der GV Spitzerberg vom Weingut Schenzel aus Bruck / Leitha machte eine harmonische Figur im Glas.


Also, auf ins Carnuntum, zumal mit dem im August stattfindenden Carnuntum Experience ein tolles regionales Programm dem Wein zur Seite gestellt wird!

Dienstag, 15. Juni 2010

Weinrallye #34 - Wein und Knabberei

So wenig Zeit und schon wieder stehet die nächste Etappe der Weinrallye an!
Thomas hat sich diesmal "Wein & Knabberei" als vorgegeben und damit wohl das richtige Thema für alle "Couch-Potatoes", die dem WM-Fieber erlegen sind, ausgewählt ;-)

Knabbereien - und auf solche möchte ich mich hier beschränken, denn das Feld von Wein-Essenskombinationen ist erstens schier unendlich und zweitens äußerst kontroversiell - haben in unserem Haushalt kein besonderes Gewicht. 1 Packung Chips pro Quartal, vielleicht auch mal 2. Am ehesten gibt's noch Soletti bzw. ein paar Maisstangerl bzw. -locken vom Bio-Supermarkt, ev. Nüsse aller Art bzw. im Mix mit Rosinen, das war's dann auch schon.


Als passionierter Weintrinker sehe ich diese oftmals völlig überwürzten Knabbereien sowieso als problematisch an, ist doch der richtige Wein dazu gar nicht so einfach zu finden. Zudem macht der hohe Salz- und Glutamatspiegel ziemlich durstig und deshalb lautet die optimale und übliche Kombination wohl eher ganz einfach: Eine kühles Bier :-)

Aus diesem Grund ist mir für den kleinen Gusto (vorher und / oder nachher) am liebsten ein gut würziger, reifer Hartkäse. Bevorzugt finden sich der Vorarlberger Bio-Bergkäse (1|2), Schweizer Greyerzer und Parmesan Reggiano ab der vecchio-Stufe in unserem Kühlschrank.
Alle drei Sorten lassen sich iÜ. sehr gut mit Weiß- *und* Rotwein kombinieren, auch mit den richtig schweren Kalibern!

2 Flaschen - na klar, je eine in Weiß und eine in Rot - habe ich zu den diversen kleinen Häppchen probiert und keine Kombination hat mich verschreckt! In erster Linie ist es wohl auch eine Frage der eigenen Erwartungshaltung und persönlichen Offenheit - und die war bei den pikanten Knabbereien nicht zu hoch gesteckt.

Ein weißer Vertreter, der schon bei der letzten Weinrallye als Teilnehmer am Start war, hat aufgrund der sommerlichen Temperaturen der letzten Woche auch einmal in mein Glas gefunden.
Das Feine an dieser österreichisch autochthonen Rebsorte war die Tatsache, daß er so mit ziemlich allen (paprikagewürzten) Snacks und dem Käse passabel zurecht kam und auch solo für sich eine ganz hervorragende Figur als Aperitif gemacht hat.
Die Rede ist von Bernhard Fiedlers Muskat Ottonel 2009, einem anpassungsfähigen, unaufdringlichen und doch mit einem eigenen Profil und klarer Persönlichkeit ausgestatteter Tausendsassa - naja, vielleicht übertreibe ich jetzt ein wenig, (m)eine Empfehlung verdient er aber uneingeschränkt!

  • Grenzhof Fiedler, Muskat Ottonel 2009, Neusiedlersee-Hügelland, Strohgelb, eine prachtvolle Nase, zart muskatig, Blütenduft, parfumiert, auch Honigaromen und Würze ist vorhanden, und doch vornehm und dezent, keine Spur von einem sich vorlaut in den Vordergrund drängende Intensität, und das trotz Aromasorte! Knackig frisch das Säurespiel auf der Zunge, knochentrocken, blitzsauberer Wein aus einer traditionellen österreichischen Rebsorte, durchaus mit Anspruch, ein TOP-Buy für den Sommer, **/ ***

Zum derzeit aktuellen Großereignis im Sportsektor habe ich auch eine passende Flasche in Rot vorzuweisen.

Dirk Niepoorts Roter Fabelhaft ist kein Unbekannter. Der "Ubuntu" - aus den Bantusprachen der afrikanischen Völker Zulu und Xhosa steht dieses Wort für Menschlichkeit, Nächstenliebe und Gemeinsinn - ist ein Fabelhaft im Fußball-Trikot! Das Etikett des 08er-Jahrgangs ist von der südafrikanischen Künstlerin Leonora van Staden gestaltet und versteht sich als Hommage an die derzeit in diesem Land abgehaltene Fußball-WM. Gemeinschaftlich kickende Tiere entlocken sogar mir als Anti-Fußballer ein Schmunzeln - am Besten finde ich die beiden "Tooor" rufenden Hippos, das Zebra samt Vogerl, beide mit den nervenden Tröten ausgestattet und den am Boden liegenden Löwen-Goalie!

  • Vinhos Niepoort, Ubuntu DOC 2008, der Wein selbst hat sich in seiner Stilistik ein wenig gewandelt, war früher noch mehr Kraft und Süße in der Flasche, liegt bei diesem Exemplar der Fokus mehr auf einer grazileren, fruchtbetonten Stilistik mit Herzkirsche und Weichsel. Würze ist allemal noch zur Genüge vorhanden, ebenso die vitale Säurestruktur und zarten Gerbstoffe, die den Wein zu einem angenehmen Sommerpartner machen. Auf den ersten Schluck könnte das fast als gut erzeugter DAC-Blaufränkisch durchgehen ;-) *(*)/***
Nicht verschweigen will ich jedoch, daß ich ein bißchen der tiefe Fruchtcharme der Vorgängerjahrgänge vermisse. Der Wein tänzelt in Kombination mit Essen zeitweise auf  des Messers Schneide zur Herbheit und ist daher zu Speisen gut überlegt zu kombinieren. Fairerweise sei angemerkt, daß 2008 kein einfaches Jahr im Douro-Gebiet war. Eine ordentliche Belüftung tut ihm jedenfalls ganz gut!

Danke an das Team von wine & partners für das kostenlose Testmuster des Fabelhaft!

Samstag, 12. Juni 2010

Genußvolle März-, Aprilweine & Maiweine

Die letzten 3 Monate fanden sich wahrlich ein paar ganz besonders angenehme Tropfen im Weinglas wieder, insbesonders auch aus der Rebsorte Riesling. Das freut mich umso mehr - und nehme es als Belohnung meines Gaumens - da ich doch 15 Jahre meines Weinlebens "verbraucht" habe, um mir diese Weinvarietät schmackhaft zu machen.. :-)
  • Heymann-Löwenstein, Riesling "Vom blauen Schiefer" 2004, Mosel, feinstes Goldgelb, anfangs etwas Petrol und nasser Stein, öffnet sich dann zu einem breiten Spannungsbogen zwischen mineralischen Noten, Gesteinsmehl und balancierter Exotik, von keiner Komponente zuviel oder zuwenig, ein wundervoll balanciertes Exemplar von Wein, hedonistisch mit temporärer Üppigkeit am Gaumen und nervigem Säurespiel im Ausklang, seidig rinnt jeder Schluck die Kehle hinunter, so genußvoll mit allen Sinnen, da wird jede Punktebewertung zur Farce, bravo!
  • Ansgar Clüsserath, Riesling Spätlese 2002, Trittenheim, Mosel, klares Goldgelb, etwas phenolisch, reife Rieslingnase, in der Nase ein feiner Süß-Sauer-Dialog, zart zitrusfruchtig am Gaumen, die Säure steht über der Restsüsse, nicht unharmonisch, aber noch keine kompakte Einheit, dafür mit schönem, feinziselierten, zitrussaurem Nachgeschmack, mittelang, *(*)/***
  • Ansgar Clüsserath, Riesling Steinreich 2006, Trittenheim, Mosel, helles Goldgelb, reife, gelbe Früchte, Pfirsich- & Marillennoten, fließt saftig über die Zunge und dann im Abgang eine ungeheure pointierte Note zu entwickeln, schlank und mit nerviger Säure gesegnet hat der Wein mit seinen mineralischen Noten hintennach einen feinen Spannungsbogen mit Überraschung zu bieten, ein reeller, unaufdringlicher Wein mit Anspruch, *(*)-**/***
  • Schloß Lieser, Riesling (feinherb) 2008, Mosel, blasses Strohgelb, diffizile Nase, nicht wirklich fruchtig, nicht mineralisch und nicht balsamisch, ein wenig saure Drops, die Süße gut schmeckbar, aber noch keine rechte Verbindung mit der Säure zeigend, trotzdem in Summe harmonisch, im Abgang zart zitronig und gut von einer nervigen Säure dominiert, prinzipiell ich mag ich diese Stilistik mit Restzucker und glaube, daß diese Exemplare aber ein paar Jahre Flaschenreife brauchen um ihr wahres Ich zu zeigen, im derzeitigem Zustand nur */***, aber Potential
  • Philipp Wittmann, Riesling trocken K&U-Edition 2007, Rheinhessen, strohgelbe Farbe, reife Fruchtnoten nach gelben Früchten, etwas Zitrus, im nächsten Augenblick feine Mineralik, hat eine erstaunliche Affinität zu einem gutgemachten Grünen Veltliner der mittleren Graduation, saftiger Zungenschmelz, eine trinkanimierende, höchst zivile Säurestruktur, ein feines Exemplar, das sich sich unkompliziert trinken läßt und alles richtig macht, **/*** 
  • Willy Bründlmayer, Riesling Zöbinger Heiligenstein 2005, Kamptal, Strohgelb, animierende und appetitliche Nase, mit phenolischen Anklängen unterlegt, auch florale Noten sind
    vorhanden, von deutlicher Mineralik geprägt, frisches Mundgefühl, ein Hauch Zitrus,
    wirkt mit seinen 12.5% Vol. dabei animierend und druckvoll mit guter Länge, ein
    tolles Exemplar vom Abverkaufsregal
    , **-**(*)/***
  • Luise Freifrau von Racknitz, Riesling 2007, Nahe, ein toller Gaumenwein, einer von jener Sorte, bei der du auf's Analysieren vergißt und dich dem Trinkgenuß hingibst, eine äußerst harmonische Säurestruktur, am Gaumen fast weich, samtig-saftig und animierend, solo mit zartem Zitrustouch und zum Essen ein richtiger Genuß, wieder ein feinee Wein aus einer tollen Weinbauregion! *(*)-**/***
"Wo viel Riesling, da auch viel Grüner Veltliner", zumindestens bei mir. Oder auch: "Kein Riesling ohne Grünen Veltliner als Pendant":
  • Weingut Markus Huber, Grüner Veltliner DAC Obere Steigen 2008, Traisental, fette Schlieren im Glas, sattes Goldgelb gibt die ersten Hinweise auf reifes Traubenmaterial, dazu korrespondierende Exotik in der Nase gepaart mit dem berühmten Pfefferl, mineralisch verwoben, am Gaumen fokussiert mit nerviger Säure, druckvoll, eher schlank, macht im Abgang wieder auf und verhilft dem Wein so zu ansprechendem, saftigem Trinkfluß, ein Paradebeispiel österreichischer Velilinerkunst mit feinen 12.5% Vol., **-**(*)/***
  • Weingut Markus Huber, Grüner Veltliner Alte Setzen 2006, Traisental, ein Lößveltliner vom Bilderbuch, helles Gold mit einem zarten Grünreflex, viel Würze im Glas, gelbe Früchte, Tabak, Pfeffer, aber auch parfumiert, fast Traminer-like, kräftiger Extrakt sorgt für einen saftigen Stoff, der da hedonistisch über meine Zunge läuft, homogene Struktur, die Säure weich integriert, fast seidig und mittellang ausklingend, ein Wein, von dem ich nach Verhallen des ersten Schluckes sofort den nächsten nehmen muß :-), ein Paradeexemplar zu leicht scharfen Gerichten, **-**(*)/***
  • Weingut Hindler, Grüner Veltliner Classic DAC 2007, Schrattenthal, Weinviertel, kräftiges Strohgelb, eine prachtvoll sortentypische Nase, weit geöffnet, aber nicht breit, zeigt Würze, Exotik, am Gaumen straff, fokussiert, trotzdem mit einem fast saftig anmutenden Trinkfluß, deutlich mineralisch geprägt, alles gut balanciert, ein würdiger Sortenvertreter und wiederum Beweis für die Klasse, die das Weinviertel zu liefern im Stande ist, **-**(*)/***
  • Weingut Bergmann (Retzer Windmühlenheuriger), Grüner Veltliner DAC 2008, Retz, Weinviertel, blasses Strohgelb, kühle, fokussiert Nase, Stachelbeere, rosa Grapefruit, ungemein vielschichtiges Aromenspektrum, zarte Cassisanklänge, würzig, am Gaumen rund, aus einem Guss, stringenter Wein aus biologisch arbeitendem Betrieb, vielleicht nicht wirklich sortentypisch, aber nichts desto trotz ein feines Exemplar, *(*)-**/***
  • Weingut Breitenfelder, Grüner Veltliner Weinviertel DAC 2008, helles Strohgelb, in der Nase ein wenig gemüsig, aber auch Exotik, durchaus vielschichtig, recht zugänglich, einige Würze am Gaumen, zeigt eine gute Harmonie, Zitrus im Abgang, sauber zu trinken, *(*)/***
  • Winzer Jassek, Grüner Veltliner DAC 2008, Weinviertel, Strohgelb, etwas Zitrus, florale Aromen, leichtes Pfefferl, am Gaumen schlank, balancierte Säurestruktur, sauberer Sommertrunk, aber auch nicht mehr, */***
Ein feiner Vertreter aus dem nördlichen Frankreich:
  • Eric Nicolas, Domaine de Belliviere, Chenin Blanc Vieilles Vignes Eparses 2004, Coteaux du Loir, eine Farbe zwischen Strohgelb & Gold, die typische Chenin Blanc-Nase, wachsig, leichte Honigaromen, Blüten, sehr getragen in der Nase, blitzsauber am Gaumen, geschmeidig und fast saftig, tolle Stilistik, langer Nachgeschmack nach den Eingangs erwähnten Aromen, herrlich anders, für mich herrlich "altmodisch", **/***
Und auch in Süß hatte ich diesmal ein gutes Händchen..
  • Weingut Kraft, TBA Riesling x Sylvaner 1991, Rust, helle Kaffeefarbe mit am Rand orange-gelbem Einschlag,leicht oxidierter Einschlag, nussige Noten, Orangenzesten, eine feinziselierte Säure ist bereits beim Riechen bemerkbar, am Gaumen dann den ganzen Mundraum auskleidende Extraktbombe, das volle Aromenspektrum ähnlich einem Balsamico Traditionale, vielschichtige Textur, komprimiert und druckvoll, nervige Säurestruktur in in toller Balance mit dem Restzucker, ein geschmackliches Feuerwerk, toller Stoff, unendlicher Abgang läßt die Zunge schnalzen, ein 1/16 Glas reicht für den ganzen Abend, über 2 Wochen genossener, hedonistischer Stoff in einer leider viel zu kleinen Flasche, **(*)/***   
Und auch zwei heimische Rotweine komplettieren die Palette in "Rot-Weiß-Süß"..

  • Weingut Draxler, Zweigelt Selektion 2007, Neckenmarkt, Mittelburgenland, mitteldichtes Purpur, eine feinfruchtiges Aromenspiel, rotbeerig, Gewürzanklänge, Marzipannoten, fast schwebend leicht mit deutlich "burgundischem Einschlag", mittelgewichtiger, recht saftiger Gaumen, tolle Fruchtsüße harmonisch, zarte Gerbstoffe im Einklang mit lebendiger Säure, äußerst gelungener Wein, der viel Trinkspaß bietet, *(*)-**/***
  • Grenzhof Fiedler, Cabernet Sauvignon 2006, Mörbisch, Neusiedlersee, rubinrot, dunkler Kern, verführerische Nase vom Toasting, ganz im Bordelaiser Stil, Kaffeelikör, roter Paprika, tiefe Würze, schwarzrotes Beerenconfit, gutes Volumen, saftige Stilistik, getragen von einer schönen Säuretextur, daher quicklebendig, mit elegantem Charme, mittellanger Abgang, gute Gerbstofftextur im Nachgeschmack, die erst am zweiten Tag so richtig zum Tragen kommt, blitzsauberer, trinkfreudiger Wein am Anfang seiner Möglichkeiten, **/***

Freitag, 11. Juni 2010

Und Österreich spielt doch mit..

Auch wenn das Motto dieses Blogs "Wein, Wein und nichts als Wein!" lautet, so muß ich doch vermelden, daß wir ein starkes 11er-Team in der Aufstellung (gegen den mittlerweisen hochsommerlichen Durst) besitzen ;-)


So kann ich also ganz entspannt der Fußball-WM in Südafrika zusehen, ohne bei den derzeitigen 35°C ins Schwitzen zu kommen, den Österreich hat diesmal (zum Glück) ja kein Leibchen.. .
Im übrigen gibt's zum "durschtlöschenden" Hopfenblütentee weinmäßig einen tolle - weil schmackhafte und vom Alkohollevel vertretbare - Alternative. Dazu mehr gibt's zur nächsten Weinrallye!